[Deutscher Bundestag Drucksache 18/163
18. Wahlperiode 12.12.2013Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Petra Pau, Jan Korte,
weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/92 –
Rechtsextreme Aufmärsche im dritten Quartal 2013
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Unter der Losung „Kampf um die Straße“ gehören Kundgebungen und
Demonstrationen zum typischen Aktionsrepertoire der extremen Rechten. Die
Größe solcher Aufmärsche reicht von einer Mahnwache mit einem Dutzend bis
zu Großdemonstrationen mit über 5 000 Teilnehmern und Teilnehmerinnen.
Insbesondere an jährlich wiederkehrenden Daten wie dem Todestag von Hitler-
Stellvertreter Rudolf Heß, dem Jahrestag der alliierten Bombardierung
Dresdens oder dem „Heldengedenken“ am Soldatenfriedhof in Halbe mobilisieren
Rechtsextremisten zu bundesweiten Aufmärschen. Zunehmend versuchen
Rechtsextreme zudem zentrale Tage der Arbeiterbewegung wie den 1. Mai und
den Antikriegstag am 1. September mit eigenen Themen zu besetzen.
„Die nach außen gerichtete Wirkung der neofaschistischen
Demonstrationspolitik dient dem Nachweis der Existenz einer neofaschistischen
beziehungsweise einer neonazistischen Bewegung, die ihre politische Ideologie bis hin zur
offen(siv)en Verherrlichung des Nationalsozialismus und seiner Verbrechen
verbreitet sowie der Ausübung einer Machtpolitik gegenüber staatlichen
Institutionen und politischen Gegnern, die den Handlungsspielraum dieser
Bewegung erweitern soll.“ (F. Virchow, Demonstrationspolitik, in: A. Klärner/
M. Kohlstruck: Moderner Rechtsextremismus in Deutschland, Hamburg 2006,
S. 94 f.). Rechtsextreme Aufmärsche dienen auch zur Einschüchterung all
derjenigen, die zum Feindbild ernannt wurden, wie Migranten und Migrantinnen
und politisch Andersdenkende oder alternative Jugendliche. Ein weiterer
Effekt ist die Zermürbung der demokratischen Öffentlichkeit, die an die
scheinbare Normalität rechtsextremer Auftritte gewöhnt werden soll.
1. Wie viele Aufmärsche, Mahnwachen oder sonstige öffentliche Auftritte der
extremen Rechten fanden im dritten Quartal 2013 statt, wer trat bei diesen
Aufmärschen als Anmelder in Erscheinung, und wo fanden die
Demonstrationen statt (bitte nach Bundesländern aufschlüsseln)?Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 10. Dezember 2013
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/163 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode2. Mit welchem Motto bzw. Thema wurden die in Frage 1 genannten Aufzüge
angemeldet, wie viele Personen nahmen an den einzelnen Aufzügen teil,
und fand eine überregionale Mobilisierung statt?
3. An welchen der in Frage 1 genannten Aufzüge war die NPD oder eine ihrer
Unterorganisationen organisatorisch beteiligt?
4. Welche der in Frage 1 genannten Aufzüge wurden aus dem Spektrum der
Kameradschaften organisiert, und um welche Kameradschaften handelt es
sich hierbei?
Die Fragen 1 bis 4 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
In der nachfolgenden Tabelle sind die der Bundesregierung bekannt gewordenen
durchgeführten Veranstaltungen von Rechtsextremisten mit überregionaler
Teilnehmermobilisierung aufgeführt.
Es wird darauf hingewiesen, dass die „Nationaldemokratische Partei
Deutschlands“ (NPD) zur Bundestagswahl – bzw. der NPD-Landesverband Bayern zur
dortigen Landtagswahl – eine Vielzahl von (Kleinst-)Kundgebungen
durchgeführt hat. In der nachfolgenden Auflistung sind diejenigen NPD-
Veranstaltungen angegeben, bei denen eine Mobilisierung von mindestens 20 Teilnehmern
bekannt geworden ist.
Datum Land Ort Zuordnung Motto Teiln.
06.07.2013 ST Weißenfels Neonazis „Gegen Polizeiwillkür und
Demonstrationsverbot“
70
06.07.2013 TH Gera NPD/JN „Rock für Deutschland 2013 – Deutschland –
Zukunft – Souveränität – Solidarität mit den
Flutopfern“
710
06.07.2013 ST Halle Neonazis „Wir wollen leben – Zukunft statt EU-Wahn“ 100
13.07.2013 BE Berlin NPD/JN „Asylrecht ist kein Selbstbedienungsladen“ 20
13.07.2013 NW Dortmund „DIE
RECHTE“
„Keinen Tag länger mit euch – Polizeiwillkür
gerichtlich ahnden, die Täter abstrafen!“
125
19.07.2013 NW Dortmund „DIE
RECHTE“
„Konsequent für deutsche Interessen –
Volkssouveränität statt Globalismus!“
40
20.07.2013 NW Hamm „DIE
RECHTE“
„Konsequent für deutsche Interessen –
Volkssouveränität statt Globalismus!“
150
27.07.2013 NW Köln „pro NRW“ „Linksextremismus
bekämpfen – Autonomes Zentrum sofort
räumen!“
35
29.07.2013 SN Leipzig Neonazis „Freiheit für Erich Priebke“ n. b.
29.07.2013 SL Saarbrücken Neonazis „Freiheit für Erich Priebke“ 20
29.07.2013 BE Berlin Neonazis „Freiheit für Erich Priebke“ 50
03.08.2013 BB
Fürstenwalde
NPD/JN „Gegen Asylmissbrauch und Sozialschnorrer“ n. b.
03.08.2013 BB
Eisenhüttenstadt
NPD/JN „Gegen Asylmissbrauch“ n. b.
03.08.2013 NI Bad
Nenndorf
Neonazis „Gefangen – Gefoltert – Gemordet! Damals
wie heute: Besatzer raus!“
280
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/16310.08.2013 BY Roden-
Ansbach
Neonazis „MSP bleibt deutsch – Argumente statt
Verbote“
65
10.08.2013 ST Berga NPD/JN „In Bewegung – Das politische Fest der
Nationalen“
900
10.08.2013 BB
Brandenburg a.d.
Havel
NPD/JN „Kinder schützen – Familie stützen!
Konsequent gegen Kindesmissbrauch“
65
16.08.2013 NW Dortmund NPD/JN „NPD-Deutschlandfahrt“ 20
17.08.2013 SN Leipzig NPD/JN „Maria statt Scharia – Gegen die Islamisierung
Deutschlands“
80
17.08.2013 TH
Blankenhain
Neonazis „Kein Platz für Vergewaltiger und
Sexualstraftäter“
30
17.08.2013 TH Erfurt NPD/JN „Aus Liebe zum Tier – keine Islamisierung!“ 30
19.08.2013 NW Düsseldorf NPD/JN „NPD-Deutschlandfahrt“ 20
20.08.2013 BE Berlin-
Hellersdorf
NPD/JN „Nein zum Heim“ 45
23.08.2013 NW Dortmund „DIE
RECHTE“
„Für Meinungsfreiheit – Gegen
Organisationsverbote“
35
24.08.2013 BR Berlin-
Hellersdorf
NPD/JN „NPD-Deutschlandfahrt“ 150
24.08.2013 NW Dortmund „DIE
RECHTE“
„Für Meinungsfreiheit – Gegen
Organisationsverbote“
n. b.
29.08.2013 NW Dortmund „DIE
RECHTE“
„Für Meinungsfreiheit – Gegen
Organisationsverbote“
50
31.08.2013 NW Dortmund „DIE
RECHTE“
„Weg mit allen Organisationsverboten in
Deutschland – Für die Aufhebung des
NWDO-Verbots – Mehr Demokratie“
370
31.08.2013 NW Duisburg NPD/JN „Deutschland ist wählbar – NPD für deutsche
Interessen in Duisburg wählen“
25
07.09.2013 NW Dortmund „DIE
RECHTE“
„Erster Rechter Antikriegstag“ 50
07.09.2013 NW Essen NPD/JN „Asylflut stoppen“ 35
07.09.2013 TH Gera NPD/JN „Asylflut stoppen – Wir sind nicht das
Sozialamt der Welt“
25
07.09.2013 TH Nordhausen NPD/JN „Keine Moschee in Nordhausen –
Islamisierung verhindern“
20
07.09.2013 TH Weimar NPD/JN „Asylflut stoppen – Wir sind nicht das
Sozialamt der Welt“
25
13.09.2013 NW Würselen „pro NRW“ „Muezzinruf in Würselen? Nein Danke“ n. b.
13.09.2013 TH Greiz Neonazis „Gegen das Asylbewerberheim
‚Am Zaschberg‘ “
85
14.09.2013 SN Plauen Neonazis n. b. 45
Datum Land Ort Zuordnung Motto Teiln.
Drucksache 18/163 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode5. Bei welchen Aufmärschen, Mahnwachen oder sonstigen öffentlichen
Auftritten der extremen Rechten kam es im dritten Quartal 2013 zu Straftaten,
und um welche Art von Straftaten handelt es sich hierbei?
Auf die Antwort der Bundesregierung vom 26. Mai 2008
(Bundestagsdrucksache 16/9268) zu Frage 5 der Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE.
„Rechtsextreme Aufmärsche im ersten Quartal 2008“ (Bundestagsdrucksache
16/9141) wird verwiesen.
15.09.2013 NW Aachen „DIE
RECHTE“
„Freiheit für alle politischen Gefangenen!“ 25
18.09.2013 TH Erfurt NPD/JN „NPD-Deutschlandfahrt“ 20
20.09.2013 TH Greiz Neonazis „Gegen das Asylbewerberheim
‚Am Zaschberg‘ “
150
21.09.2013 NW Wuppertal „DIE
RECHTE“
„Es ist immer ein Angriff auf uns alle – Gegen
linken Terror und antideutsche Zustände“
150
21.09.2013 NW Köln „pro NRW“ „Christenverfolgung stoppen – Kopten
schützen“
45
21.09.2013 BE Berlin „DIE
RECHTE“
„Linke Gewalt öffentlich machen“ 80
27.09.2013 TH Greiz Neonazis „Gegen das Asylbewerberheim
‚Am Zaschberg‘ “
130
28.09.2013 RP
Kaiserslautern
Neonazis „Gegen das Vergessen – Die Bombardierung
von Kaiserslautern 1944“
30
Datum Land Ort Zuordnung Motto Teiln.Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]