[Deutscher Bundestag Drucksache 18/499
18. Wahlperiode 12.02.2014Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Sevim Dağdelen,
Annette Groth, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/344 –
Graue Wölfe und Ülkücü-Szene in der Bundesrepublik Deutschland
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Als „Graue Wölfe“ (türkisch: Bozkurtlar) werden die Anhängerinnen und
Anhänger der im türkischen Parlament vertretenen rechtsextremen „Partei der
Nationalistischen Bewegung“ (MHP) sowie darüber hinaus auch andere
türkische Ultranationalistinnen und Ultranationalisten bezeichnet. Die „Grauen
Wölfe“ vertreten einen ausgeprägten Rassismus gegenüber nicht türkisch-
sunnitischen Bevölkerungsgruppen in der Türkei. Zu ihren Feindbildern gehören so
Kurdinnen und Kurden, Alevitinnen und Aleviten, Armenierinnen und
Armenier, Griechinnen und Griechen und sowie Jüdinnen und Juden. In der Türkei
waren paramilitärische Gliederungen der Grauen Wölfe bis zum Militärputsch
im Jahr 1980 für Tausende Morde an politischen Gegnern verantwortlich. Auch
in den letzten Jahren kam es mehrfach zu pogromähnlichen Übergriffen und
Lynchversuchen von Grauen Wölfen gegen kurdische Arbeitsmigranten und
Studierende in der Westtürkei aber auch Roma und Linke. Neben der MHP
gehört die Anfang der 90er-Jahre von dieser abgespaltene, stärker religiös
ausgerichtete Große Einheitspartei (BBP) zu den Grauen Wölfen bzw. dem als Ülkücü
(Idealisten) benannten rechtsnationalistischen Milieu. Aus dem Umfeld der
BBP, der MHP und ihrer Jugendorganisationen stammten die Mörder und deren
Hintermänner im Falle des im Jahr 2007 in Istanbul erschossenen armenischen
Journalisten Hrant Dink sowie mehrerer in den Jahren 2006 und 2007 in der
Türkei ermordeter Christen (
www.taz.de vom 21. Januar 2008 „Schweigen für
Hrant Dink“).
In Deutschland sind die Grauen Wölfe in so genannten Idealistenvereinen
(Ülkücü-Vereinen) der Deutschen Türkischen Föderation (ATF) organisiert, die
Teil des europaweiten Dachverbandes „Europäische Föderation der Türkischen
Demokratischen Idealistenvereine“ (ADÜTDF) ist. Daneben existieren
Vereine der 1987 von der ADÜTDF abgespaltenen „Türkisch-Islamischen Union
Europa“ (ATIB), die eine stärkere Orientierung auf den Islam als konstitutives
Element des Türkentums propagiert. Als Auslandsabteilung der BBP der Türkei
existieren zudem der „Verband der türkischen Kulturvereine in Europa“ (ATB).Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 10. Februar 2014
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/499 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeAm 16. November 2013 versammelten sich nach Presseberichten rund 6 000
Anhängerinnen und Anhänger der Grauen Wölfe zum Deutschlandtreffen der
ADÜTDF in der König-Pilsener-ARENA in Oberhausen. In der Essener
Grugahalle, wo die Deutschlandtreffen in den Jahren 2009 und 2011 stattfanden,
dürfen sich die Grauen Wölfe nach einer Stadtratsresolution nicht mehr
versammeln (
www.derwesten.de vom 18. November 2013 „Protest gegen Graue
Wölfe vor der Arena Oberhausen“).
Neben den offiziellen Vereinsföderationen der Grauen Wölfe existiert zudem
eine sich positiv auf das Gedankengut der Grauen Wölfe beziehende
Jugendszene, die sich insbesondere über Internetseiten und Musik definiert
(
www.mik.nrw.de „Internetaktivitäten der Ülkücü-Bewegung – Graue Wölfe“).
Auch in Deutschland haben Graue Wölfe Gewalttaten begangen. So wurde im
Jahr 1980 der türkische Gewerkschafter und Lehrer Celalettin Kesim in Berlin
und im Jahr 1995 ein 21-jähriger Kurde in Neumünster von türkischen
Rechtsextremen ermordet. Zudem griffen Personen aus dem Umfeld der Grauen Wölfe
in den letzten Jahren zumeist im Umfeld von antikurdischen Demonstrationen
mehrfach kurdischstämmige Bürgerinnen und Bürger sowie kurdische und
linksgerichtete türkische Kulturvereine an (
www.neues-deutschland.de vom
16. November 2013 „Graue Wölfe heulen in Oberhausen“).
Unter dem Verdacht des illegalen Waffenbesitzes durchsuchte die Polizei im
Juni 2013 einen Augsburger Verein, der den Grauen Wölfen zugerechnet wird,
sowie rund 20 weitere Objekte in Bayern, Recklinghausen und Frankfurt am
Main nach Waffen. Bei einem Vorstandsmitglied des Vereins wurden zwei
scharfe Schusswaffen mit Munition beschlagnahmt, in anderen Objekten fand
die Polizei Schreckschusswaffen, Schlagstöcke, Elektroschocker und
Samuraischwerter (
www.augsburger-allgemeine.de vom 13. Juni 2013 „Großrazzia:
Polizei findet bei Vereins-Vorstand scharfe Schusswaffen“).
Auf einem Kongress der Türkischen Föderation im Jahr 1996 in der Essener
Grugahalle rief der damalige Führer der Grauen Wölfe, Alparslan Türkes, seine
Anhänger zum Eintritt in die CDU auf. Heute sollen nach Angaben eines selber
der CDU angehörenden Funktionärs eines ADÜTDF-Mitgliedsvereins aus
Hamm zahlreiche Graue Wölfe der CDU angehören (
www.faz.net vom 20. Mai
2013 „Rudel auf Beutezug“). Umgekehrt suchen CDU- und auch SPD-
Politikerinnen und -Politiker immer wieder die Nähe zu den Grauen Wölfen. „In Städten
wie Köln, Berlin oder Hamm arbeiten Graue-Wölfe-Freunde in der CDU mit,
der [2012 abgewählte] Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland lässt
sich schon mal mit Wölfe-Aktivisten beim freundlichen Plausch ablichten, in
Köln suchten Christdemokraten gezielt den Dialog mit Grauen Wölfen“, heißt
es in der Tageszeitung „DIE WELT“ (
www.welt.de vom 25. November 2011
„Der Schein trügt, die Grauen Wölfe sind gefährlich“).
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Der Ideologie der so genannten Ülkücü-Bewegung – Idealisten-Bewegung –
liegt ein übersteigertes Nationalbewusstsein zugrunde, das die türkische Nation
sowohl politisch-territorial als auch ethnisch-kulturell als höchsten Wert ansieht.
Die Ülkücü-Bewegung zeigt sich in Deutschland in unterschiedlichen
Ausprägungen, deren ideologische wie organisatorische Erscheinungsformen ihre
Wurzeln in der Türkei haben.
Die von Alparslan Türkes 1969 gegründete „Partei der Nationalistischen
Bewegung“ (Milliyetci Hareket Partisi, MHP) gilt als Urorganisation der Ülkücü-
Bewegung.
Allen gemeinsam ist die Idee einer „Großtürkei“ in den Grenzen des
Osmanischen Reiches und die Forderung nach „Wiedervereinigung“ aller Turkvölker
vom Balkan bis Zentralasien in einem Staat. Zur Schärfung der eigenen Identität
werden Feindbilder propagiert. Kurden, Armenier, Griechen und Juden, aber
auch Angehörige gesellschaftlicher Minderheiten wie Homosexuelle werden
– ideologisch begründet – als Feinde angesehen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/4991. Welche rechtsextremen oder rechtsextrem durchsetzten türkischen
Organisationen in der Bundesrepublik Deutschland sind der Bundesregierung
bekannt?
Über die in der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 17/7624 vom 8. November 2011 referierten Erkenntnisse
hinaus, zeigt sich in den letzten Jahren eine sukzessiv wachsende
nichtorganisierte Bewegung, die über das Internet, insbesondere in sozialen Netzwerken
und Videoplattformen, vernetzt ist.
a) Wie viele Mitglieder haben diese Organisationen?
Es wird zunächst auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage
auf Bundestagsdrucksache 17/7624 vom 8. November 2011 verwiesen.
Die Zahl der unorganisierten Ülkücü-Anhänger wird auf ca. 3 000 geschätzt.
b) Wie sind diese Gruppierungen in der Bundesrepublik Deutschland
organisiert, und wo befinden sich ihre lokalen und regionalen
Organisationsschwerpunkte?
Erkenntnisse, die über die Angaben in der Antwort der Bundesregierung auf die
Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 16/7682 vom 8. Januar 2008 und
Bundestagsdrucksache 17/7624 vom 8. November 2011 hinausgehen, liegen der
Bundesregierung nicht vor.
c) Welchen Einfluss haben diese Gruppierungen unter türkischstämmigen
Bürgerinnen und Bürgern in der Bundesrepublik Deutschland?
Es wird zunächst auf die Antwort der Bundesregierung auf
Bundestagsdrucksache 17/7624 vom 8. November 2011 verwiesen. Darüber hinaus werden viele
Facebookgruppen von den unorganisierten Anhängern zunehmend auch zur
Mobilisierung für Aktionen, wie z. B. Demonstrationen oder Kundgebungen,
genutzt. Auch die „Europäische Föderation der Türkischen Demokratischen
Idealistenvereine“ (ADÜTDF) nutzt für die Rekrutierung von Nachwuchs
vermehrt das Internet, insbesondere die sozialen Netzwerke.
d) Über welche Medien verfügen diese Gruppierungen in der
Bundesrepublik Deutschland, und welchen Verbreitungsgrad haben diese?
Die Dachorganisation ADÜTDF betreibt eine Internetseite und gibt seit dem
Jahr 2012 ein vierteljährlich erscheinendes Printmedium an die Mitglieder
heraus (Bülten).
Die der ADÜTDF zugeordneten Vereine betreiben meistens eigene
Internetpräsenzen.
e) Welche türkischen rechtsextremen und rechtsextremistisch durchsetzten
Organisationen und Gruppierungen sind Objekt der Beobachtung durch
das Bundesamt für Verfassungsschutz?
Das Bundesamt für Verfassungsschutz beobachtet die ADÜTDF sowie die der
Ülkücü-Ideologie anhängende unorganisierte Jugendbewegung.
Drucksache 18/499 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode2. Inwieweit sieht die Bundesregierung bei türkischen Rechtsextremisten und
Rechtsextremistinnen in der Bundesrepublik Deutschland Anhaltspunkte,
wonach diese gegen den Gedanken der Völkerverständigung oder das
friedliche Zusammenleben der Völker verstoßen (bitte entsprechende
Gruppierungen einzeln benennen)?
Die hierzu vorliegenden Erkenntnisse referieren die Antworten der
Bundesregierung auf Bundestagsdrucksache 16/7682 (Vorbemerkung der
Bundesregierung) und Bundestagsdrucksache 17/7624. Darüber hinaus zeigt sich, dass die
Jugendbewegung insbesondere die der Ideologie entnommenen Feindbilder
nicht nur im Internet, sondern auch in der realen Welt auslebt.
a) Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über kurdenfeindliche
Äußerungen oder Taten türkischer Rechtsextremisten in Deutschland?
Die Erkenntnisse über kurdenfeindliche Äußerungen fasst die
Bundestagsdrucksache 17/7624 vom 8. November 2011 zusammen. Darüber hinaus zeigen die
vielfältigen Facebookgruppen und Videos der Ülkücü-Anhänger im Internet
eine nicht quantifizierbare Anzahl von kurdenfeindlichen Äußerungen,
provozierenden Bildern und Comics. Die Jugendbewegung differenziert nicht
zwischen der PKK (Partiya Karkerên Kurdistan, Arbeiterpartei Kurdistans) und den
Kurden. In den letzten drei Jahren wurden 15 kurdenfeindliche Straftaten
bekannt, die türkischen Nationalisten zugeordnet werden konnten. Dabei handelte
es sich um Bedrohungen, Beleidigungen, gegen Kurden/die PKK gerichtete
Inhalte auf gehackten Internetseiten sowie Sachbeschädigungen
(Farbschmierereien).
b) Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über armenierfeindliche
Äußerungen oder Taten türkischer Rechtsextremistinnen und
Rechtsextremisten in Deutschland?
Die Armenier gehören zum Feindbild der Ülkücü-Anhänger. Auf diversen
Seiten in sozialen Netzwerken oder eingebettet in Videos kommt es anlassbezogen
immer wieder zu armenierfeindlichen Äußerungen.
c) Welche Kenntnis hat die Bundesregierung über antisemitische
Äußerungen oder Taten türkischer Rechtsextremisten und Rechtsextremistinnen
in Deutschland?
Die vorliegenden Erkenntnisse wurden auf Bundestagsdrucksache 17/7624 vom
8. November 2011 veröffentlicht. Bei den Anhängern der Ülkücü-Ideologie tritt
der Antisemitismus deutlich zutage.
Über einschlägige Webseiten, Forenbeiträge und soziale Netzwerke wird
hetzerische, z. T. obszöne Propaganda auch gegen Juden bzw. Israelis betrieben.
Angesichts des Gaza-Konflikts wurde massiv gegen Israel und „die Juden“ agitiert,
zunehmend wird die „christliche Welt“ als „Kollaborateur des grausamen
Judentums“ angesehen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/4993. Inwieweit kam es nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2011
zu gewaltsamen Übergriffen türkischer Rechtsextremer in Deutschland
(bitte nach Datum, Ort und Art des Überfalls auflisten)
a) auf kurdischstämmige Bürgerinnen und Bürger sowie kurdische
Institutionen,
Datum Ort Art des Überfalls
22.03.2011 Friedrichshafen Gefährliche Körperverletzung zum Nachteil eines kurdischen
Jugendlichen durch zwei türkischnationalistisch eingestellte Jugendliche.
01.05.2011 Stuttgart Gewalttätige Auseinandersetzung zwischen von außen provozierenden
Türken und an der Maikundgebung teilnehmenden Kurden.
18.05.2011 Ludwigshafen Gewalttätige Auseinandersetzung zwischen zwei von außen
provozierenden Türken und dem Teilnehmer einer pro-kurdischen Kundgebung.
24.08.2011 Mannheim Im Anschluss an eine pro-kurdische Demonstration griffen zehn
türkischnationalistisch eingestellte Personen drei Personen kurdischer
Volkszugehörigkeit an und misshandelten sie mit Faustschlägen.
23.10.2011 Hagen Nach einer pro-türkischen Kundgebung kam es vor einem kurdischen
Vereinsgebäude zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen
türkischen Teilnehmern der Kundgebung und Kurden.
30.10.2011 Duisburg Bei einer pro-türkischen Kundgebung kam es zu einer
Spontanversammlung von Kurden. Bei Aufeinandertreffen einzelner Kurden mit den
türkischen Versammlungsteilnehmern kam es zu Handgreiflichkeiten.
30.10.2011 München Im Rahmen einer pro-kurdischen Versammlung kam es zu einer
gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Teilnehmern und türkischen
Passanten, die in Richtung der Versammlung das Handzeichen der „Grauen
Wölfe“ zeigten und antikurdische Sprüche skandierten.
26.11.2011 Berlin Im Nachgang eines Aufzuges unter dem Motto „Gegen Faschismus und
Rassismus? Staat und Nazis Hand in Hand??“ unter Beteiligung einer
Vielzahl Kurden kam es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen
kurdischen Jugendlichen und türkischen Personen.
30.11.2011 München In einem Bus kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen
einem Türken und drei (pro) kurdischen Jugendlichen. Als der Türke den
Bus verließ, folgten ihm die anderen, und es kam zu einer gewalttätigen
Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Türke zwei der drei anderen
Personen mit einem Messer schwer verletzte. Ein zufällig anwesender,
einschreitender Polizeibeamter wurde von ihm durch einen Faustschlag
verletzt.
30.12.2011 Mannheim Während einer pro-kurdischen Demonstration provozierte eine Gruppe
nationalistischer Türken die Teilnehmer. Infolgedessen kam es zu
gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen diesen Personen und kurdischen
Aufzugsteilnehmern.
01.05.2012 Hamburg Der geschädigte Kurde befand sich auf der Maikundgebung des DGB. Die
vier unbekannten Täter machten das Handzeichen der „Grauen Wölfe“ und
begannen unvermittelt, mit Fäusten auf den Geschädigten einzuschlagen.
Als der Geschädigte am Boden lag, traten sie ihm gegen den Kopf und in
den Bauch.
Drucksache 18/499 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeb) auf türkischstämmige Bürgerinnen und Bürger sowie türkische
Institutionen,
c) auf links bzw. antifaschistisch orientierte Personen nicht türkisch-
kurdischer Herkunft oder linke Institutionen,
d) auf Homosexuelle oder Transsexuelle,
e) auf (vermeintliche) Juden und Jüdinnen oder jüdische Einrichtungen,
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
Datum Ort Art des Überfalls
03.05.2012 Frankenthal/Pfalz Zwischen einem türkisch-nationalistisch eingestellten Jugendlichen und
einem kurdischen Heranwachsenden kam es zuerst in einem sozialen
Netzwerk zu wechselseitigen Beleidigungen. Unter dem Vorwand einer
Aussprache wurde der Kurde bei einem persönlichen Treffen mit
Faustschlägen und Tritten attackiert
05.09.2012 Bruchsal Gewalttätige Auseinandersetzung zwischen Türken und Kurden im
Nachgang eines Aufzug der „Kurdischen Jugend“
07./08.09.
2012
Lübbecke Im Rahmen eines Volksfestes kam es zu gewalttätigen
Auseinandersetzungen zwischen einer türkischen und einer kurdischen Gruppe von
jeweils ca. 25 Personen.
04.11.2012 Meschede Bei einem Fußballspiel zwischen dem offensichtlich türkisch-
nationalistischen Fußballverein AnadolusSpor Ramsbeck 2 und dem kurdischen
FC Mezopotamya Meschede riefen türkische Fans kurdenfeindliche
Äußerungen. Infolgedessen kam es zu gewalttätigen
Auseinandersetzungen zwischen etwa 50 Fans und Spielern beider Mannschaften
sowie dem Trainer der türkischen Mannschaft.
16.03.2013 Hannover An einem Infotisch des „Kurdistan Volkshauses“ wurden Flugblätter u. a.
an eine Personengruppe türkischer Nationalisten verteilt. Aus anfänglichen
verbalen Streitigkeiten entwickelte sich eine gewalttätige
Auseinandersetzung.
13.07.2013 Berlin Während der Demonstration „One Struggle – one fight – Solidarität kennt
keine Grenzen“ kam es zwischen kurdischen Versammlungsteilnehmern
und ca. 15 türkisch-nationalistischen Personen, die sich vor einem
türkischen Vereinsheim befanden, zu Auseinandersetzungen, in deren
Verlauf einer der Türken einen Plastikstuhl nahm und diesen gegen die
Aufzugsteilnehmer richtete.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/499f) auf Polizistinnen und Polizisten,
g) auf sonstige Einzelpersonen, Gruppierungen und Institutionen (bitte
angeben)?
h) Inwieweit konnten bei solchen Angreifenden organisatorische Kontakte
der angreifenden Personen zu türkischen rechtsextremen
Organisationen festgestellt werden, und zu welchen?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
4. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die in der Türkei
bestehende „Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP) und der ihr
nahestehenden „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in
Europa“ (ADÜTDF) sowie deren deutscher Sektion „Deutsche Türkische
Föderation“ (ATF)?
Die „Milliyetçi Hareket Partisi, Partei der Nationalistischen Bewegung“ (MHP)
ist vom gesetzlichen Beobachtungsauftrag der Verfassungsbehörden, welcher
sich räumlich auf den Geltungsbereich des Grundgesetzes erstreckt, nicht
erfasst. Zur ADÜTDF wird auf Bundestagsdrucksache 16/7682 vom 8. Januar
2008 verwiesen. ATF ist eine alte Bezeichnung für die ADÜTDF.
Die MHP wurde im Jahr 1969 durch Alparslan Türkes gegründet. Es handelt
sich um eine in der Türkei registrierte und legal zugelassene Partei. Ihr
Vorsitzender ist seit 1997 Devlet Bahçeli. Die MHP ist in der aktuellen
Legislaturperiode mit 53 Abgeordneten in der Großen Nationalversammlung vertreten und
ist damit die zweitgrößte Oppositionspartei.
Datum Ort Art des Überfalls
23.10.2011 Stuttgart Versuchte gefährliche Körperverletzung z. N. eines Polizeibeamten im
Rahmen einer pro-türkischen Kundgebung durch Angriff mit einem
Messer.
30.10.2011 Duisburg Am Rande einer Kundgebung, bei der es zu Auseinandersetzungen
zwischen Kurden und Türken kam, wurde ein PVB von einem Türken
mit einem Gürtel angegriffen.
30.11.2011 München In einem Bus kam es zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen
einem Türken und drei (pro) kurdischen Jugendlichen. Als der Türke den
Bus verließ, folgten ihm die anderen, und es kam zu einer gewalttätigen
Auseinandersetzung, in deren Verlauf der Türke zwei der drei anderen
Personen mit einem Messer schwer verletzte. Ein zufällig anwesender,
einschreitender PVB wurde von ihm durch einen Faustschlag verletzt.
Datum Ort Art des Überfalls
29.10.2011 Bremen Während einer pro-türkischen Kundgebung bespuckte eine Person
eine türkische Nationalflagge. Daraufhin wurde sie von mehreren
Demonstrationsteilnehmern mit Schlägen auf den Oberkörper/Kopf
attackiert.
Drucksache 18/499 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodea) Wie viele Stimmen und Abgeordnete erhielt die MHP nach Kenntnis der
Bundesregierung bei den letzten Parlaments- und Regional- bzw.
Kommunalwahlen in der Türkei?
Die MHP erhielt bei den Parlamentswahlen im Jahr 2011 landesweit 13,01
Prozent der Stimmen (5 585 513 Stimmen) und errang 53 Abgeordnetenmandate.
Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2009 erhielt die MHP landesweit 16,64
Prozent der Stimmen (5 336 695 Stimmen).
Bei der Wahl der Provinzräte am 29. März 2009 erzielte die MHP 12,62 Prozent
der Stimmen in den Provinzräten (414 Sitze). Bei der Wahl der Stadträte am
29. März 2009 erreichte die MHP 18,54 Prozent und stellt insgesamt 6 005
Stadtratsmitglieder.
Bei der Wahl der Bürgermeister ebenfalls am 29. März 2009 konnte die MHP in
483 Städten und Ortschaften den Bürgermeister stellen, darunter u. a. die
Oberbürgermeister in Adana, Balıkesir und Manisa.
b) In welchen Landesteilen der Türkei liegen nach Kenntnis der
Bundesregierung die Hochburgen der MHP?
Die MHP konnte bei den letzten Kommunal- und Parlamentswahlen in
folgenden Provinzen einen deutlich über dem Landesdurchschnitt liegenden Anteil der
Wählerstimmen gewinnen: Adana, Balıkesir, Bartin, Gümüşhane, Iğdir, İsparta,
Karabük, Kastamonu, Manisa, Mersin, Osmaniye und Uşak.
c) Welche Kenntnis hat die Bundesregierung von einer Beteiligung von
Mitgliedern oder Anhängerinnen und Anhängern der MHP an
Gewalttaten in der Türkei?
d) Über wie viele Mitglieder bzw. Anhängerinnen und Anhänger verfügt
die MHP nach Kenntnis der Bundesregierung in der Bundesrepublik
Deutschland, und in welchen Regionen leben diese vornehmlich?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
e) Wie viele Vereine mit wie vielen Mitgliedern gehören der ATF in der
Bundesrepublik Deutschland an?
Die Bundesregierung schreibt der ADÜTDF, vormals ATF, derzeit ca. 160
Vereine zu. Über Mitgliederzahlen liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse
vor.
5. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die in der Türkei
bestehende „Große Einheitspartei“ (BBP), ihre auch in Deutschland aktive
Jugendorganisation Alperen Ocaklari, die Aktivitäten ihrer Anhängerinnen
und Anhänger in Deutschland und den ihr nahestehenden „Verband der
türkischen Kulturvereine in Europa“ (ATB) in Deutschland?
Die BBP (Büyük Birlik Partisi, Große Einheitspartei) ist eine in der Türkei
registrierte und zugelassene Partei. Sie verfügt über ca. 24 000 Mitglieder. Ihr
derzeitiger Vorsitzender ist Mustafa Destici. Zu Aktivitäten in Deutschland
liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/499a) Wie viele Stimmen und Abgeordnete erhielt die BBP nach Kenntnis der
Bundesregierung bei den letzten Parlaments- und Regional- bzw.
Kommunalwahlen in der Türkei?
Die BBP erhielt bei den Parlamentswahlen im Jahr 2011 landesweit 0,75 Prozent
der Stimmen (323 251 Stimmen) und konnte die 10-Prozent-Hürde nicht
überwinden. Bei den Kommunalwahlen im Jahr 2009 erhielt die BBP 1,58 Prozent
der Stimmen (508 055 Stimmen).
Bei der Wahl der Provinzräte am 29. März 2009 erzielte die BBP 0,55 Prozent
in den Provinzräten (18 Sitze). Bei der Wahl der Stadträte am 29. März 2009
erreichte die BBP 0,91 Prozent der Stimmen und stellt insgesamt 294
Stadtratsmitglieder. Bei der Wahl der Bürgermeister ebenfalls am 29. März 2009 konnte
die BBP in 20 Städten und Ortschaften den Bürgermeister stellen, das sind
0,69 Prozent aller Bürgermeisterposten.
b) In welchen Landesteilen der Türkei liegen nach Kenntnis der
Bundesregierung die Hochburgen der BBP?
Die BBP hat bei den letzten Kommunal- und Parlamentswahlen in folgenden
Provinzen einen höheren Zuspruch als im landesweiten Durchschnitt gehabt:
Ağrı, Ardahan, Batman, Iğdir, Kahramanmaraş, Siirt und Sivas.
c) Welche Kenntnis hat die Bundesregierung von einer Beteiligung von
Mitgliedern oder Anhängerinnen und Anhängern der BBP und ihrer
Jugendorganisation an Gewalttaten in der Türkei, insbesondere an der
Ermordung des armenischen Journalisten Hrant Dink (2007), des
katholischen Priesters Andrea Santoro in Trabzon (2006) und an drei
christlichen Missionaren in Malatiya (2007)?
Der Bundesregierung sind aus der jüngeren Vergangenheit keine Fälle bekannt,
in denen Mitglieder oder Anhängerinnen und Anhänger der BBP und ihrer
Jugendorganisation an politisch motivierten Gewalttaten in der Türkei beteiligt
waren.
Die in der Frage genannten Verfahren in den Mordfällen des armenisch-
stämmigen Journalisten Hrant Dink und der drei christlichen Missionare in Malatya
sind noch nicht abgeschlossen. Im Zusammenhang mit der Ermordung des
katholischen Priesters Andrea Santoro in Trabzon liegen nach Abschluss des
Verfahrens keine Kenntnisse über eine Beteiligung vor.
d) Über wie viele Mitglieder bzw. Anhängerinnen und Anhänger verfügt
die BBP nach Kenntnis der Bundesregierung in der Bundesrepublik
Deutschland, und in welchen Regionen leben diese vornehmlich?
e) Wie viele Vereine mit wie vielen Mitgliedern gehören dem „Verband der
türkischen Kulturvereine in Europa“ (ATB) nach Kenntnis der
Bundesregierung in der Bundesrepublik Deutschland an?
f) An wie vielen Orten in der Bundesrepublik Deutschland ist die
Jugendorganisation Alperen Ocaklari nach Kenntnis der Bundesregierung mit
Vereinen oder Gruppen präsent, und über wie viele Mitglieder verfügt
sie hier?
g) Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung das Verhältnis der ATB zur
ADÜTDV?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
Drucksache 18/499 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode6. Inwieweit und zu welcher Gelegenheit gab es seit dem Jahr 2009 Kontakte
der Bundesregierung zu den Parteien MHP und BBP in der Türkei oder zu
Politikerinnen und Politikern, die diesen Parteien angehören?
Die deutsche Botschaft in Ankara unterhält regelmäßige Kontakte zu allen im
türkischen Parlament vertretenen Parteien, darunter auch zur MHP. Die
Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel traf anlässlich ihres Ankara-Besuchs vom 29. bis
30. März 2010 mit allen Parteivorsitzenden der im türkischen Parlament
vertretenen Parteien zusammen, darunter auch mit dem MHP-Vorsitzenden Devlet
Bahçeli.
Zur BBP, die nicht im türkischen Parlament vertreten ist, unterhält die deutsche
Botschaft in Ankara keine Kontakte.
7. Welche Aufmärsche, Demonstrationen und Veranstaltungen türkischer
Rechtsextremer seit dem Jahr 2011 sind der Bundesregierung bekannt
geworden (bitte auflisten wann, wo, und aus welchem Anlass diese
Demonstrationen oder Veranstaltungen stattfanden, wer sie veranstaltete, und wie viele
Personen daran teilnahmen, und ob es aus den Veranstaltungen/Aufzügen
heraus zu einschlägigen Straftaten – insbesondere Gewalttaten – kam)?
Das Versammlungsrecht liegt in der ausschließlichen Kompetenz der Länder.
Eine vollständige Übersicht über die in Rede stehenden Ereignisse liegt der
Bundesregierung deshalb nicht vor.
Folgende Veranstaltungen wurden nach polizeilichen Erkenntnissen entweder
von türkisch-nationalistischen Organisationen/Personen ausgerichtet oder unter
Beteiligung dieses politischen Spektrums abgehalten:
Die Demonstrationen und Veranstaltungen bis zum 22. März 2011 wurden
bereits auf Bundestagsdrucksache 17/7624 vom 8. November 2011beantwortet.
Für den Zeitraum vom 23. März bis zum 21. Oktober 2011 liegen keine
Erkenntnisse vor.
Die in der folgenden Tabelle mit * gekennzeichneten Demonstrationen wurden
als Protestveranstaltungen im Zusammenhang mit in der Türkei stattgefundenen
Auseinandersetzungen im türkisch-irakischen Grenzgebiet durchgeführt. Sie
wurden häufig als Gegen- oder Parallelveranstaltung zu kurdischen
Demonstrationen angemeldet.
Datum Ort Anlass/Thema Teilnehmer /Verlauf
22.10.2011 Berlin Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
ca. 300 / friedlich
22.10.2011 Dortmund Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
ca. 1000 / im Vorfeld Provokationen
zwischen Anhängern der Ülkücü-
Bewegung und Kurden. Die
Demonstration verlief friedlich.
22.10.2011 Augsburg Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
ca. 500 / friedlich
22.10.2011 Peine Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
ca. 250 / friedlich
23.10.2011 Duisburg Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
unbekannt
23.10.2011 Hagen Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
ca. 600 / zunächst friedlich, später
versuchte Stürmung des Kurdischen
Kulturzentrums durch ca. 150
Demonstrationsteilnehmer
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/499Datum Ort Anlass/Thema Teilnehmer /Verlauf
23.10.2011 Karlsruhe Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
unbekannt
23.10.2011 Kiel Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
ca. 500 / friedlich
23.10.2011 Köln Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
ca. 1200 / friedlich, später aber
unfriedliche Anschlussdemonstration mit
Ausschreitungen
23.10.2011 Stuttgart Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
ca. 200 / friedlich
23.10.2011 Wuppertal Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
ca. 700 / friedlich
23.10.2011 Aachen Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
ca. 300 / friedlich
28.10.2011 Nürnberg Ausrichter (ADÜTDF Verein
Nürnberg) einer angemeldeter
Demonstration*
TN unbekannt; friedlich
29.10.2011 Bremen Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
unbekannt; friedlich
29.10.2011 Ingolstadt Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
unbekannt; friedlich
29.10.2011 Freiburg Ausrichter (ADÜTDF Verein
Freiburg) einer angemeldeter
Demonstration*
unbekannt; friedlich
30.10.2011 Bielefeld Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
unbekannt; friedlich
30.10.2011 Duisburg Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
unbekannt; friedlich
13.11.2011 Mannheim Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
unbekannt; friedlich
13.11.2011 Düsseldorf Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
unbekannt; friedlich
19.11.2011 Essen Hauptversammlung der ADÜTDF Ca. 10 000 / friedlich
20.11.2011 Dortmund Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
unbekannt; friedlich
25.11.2011 Ahlen Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
unbekannt; friedlich
30.11.2011 Duisburg Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
unbekannt; friedlich
26.02.2012 Bielefeld Teilnahme an angemeldeter
Demonstration*
ca. 120; friedlich
17.08.2012 München Aufruf auf Facebook zur
Demonstration gegen die Kundgebung der
Partei „Die Freiheit“ gegen das in
München geplante Islamzentrum
„ZIEM“
ca. 50; friedlich
Drucksache 18/499 – 12 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode8. Wie viele und welche türkisch- oder deutschsprachigen Internetseiten (auch
Videoportale) aus dem Graue-Wölfe-Milieu sind der Bundesregierung
bekannt?
a) Welche dieser Seiten werden nach Kenntnis der Bundesregierung von in
Deutschland lebenden Personen betrieben?
Die Szene verfügt über zahlreiche Internetseiten und Videoportale. Die Anzahl
der Internetseiten und Videoportale, welche dem unorganisierten Teil der
Ülkücü-Bewegung zuzurechnen sind, kann nicht beziffert werden: die Namen
dieser Seiten wechseln häufig; viele Seiten werden nur anlassbezogen
eingerichtet, wie z. B. Aufrufe zu Aktionen, und nach dem Ereignis wieder gelöscht.
b) Über welche Verbreitung verfügen diese Websites nach Kenntnis der
Bundesregierung unter den in Deutschland lebenden türkischstämmigen
Jugendlichen?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
c) Inwieweit sind der Bundesregierung Beiträge aus diesen Internetseiten
bekannt, die geeignet sind, gegen den Gedanken der Völkerverständigung
oder das friedliche Zusammenleben der Völker zu verstoßen (Seiten, Art
und Inhalt des Beitrages benennen)?
Auf die Antworten zu den Fragen 2a bis 2c wird verwiesen.
d) Welchen Einfluss haben solche Websites nach Kenntnis oder
Einschätzung der Bundesregierung auf türkischstämmige Jugendliche in
Deutschland?
e) Inwieweit sieht die Bundesregierung in solchen Internetseiten ein
Integrationshindernis für türkischstämmige Jugendliche?
Die Ideologie der Ülkücü-Bewegung bewirkt Integrationshemmnisse durch die
Überhöhung des „Türkentums“ und die damit einhergehende Herabsetzung aller
anderen Nationen. Soziale Netzwerke und Videoportale werden für Jugendliche
sowohl als Organisations- als auch Agitationsplattform immer attraktiver. Die
Ülkücü-Jugendlichen bilden hier keine Ausnahme. Die Ülkücü-Ideologie wird
dort in plakativen Versatzstücken jugendgerecht verbreitet.
f) Welche Hackerangriffe durch das Ayyildiz-Hackerteam und andere
Gruppen oder Personen aus der Ülkücü-Szene auf deutsche Websites
sind der Bundesregierung bekannt geworden?
Bis zum Jahr 2009 wurden in Deutschland 29 Fälle von Hacking durch das
Ayyildiz-Team bekannt. Ab dem Jahr 2009 liegen keine Erkenntnisse zu
weiteren durch das Ayyildiz-Team gehackten deutschen Internetseiten vor. In den
letzten fünf Jahren sind insgesamt zehn Fälle von Hacking deutscher Internet-
Datum Ort Anlass/Thema Teilnehmer /Verlauf
25.08.2012 Wiesbaden Aufruf zu einer nicht angemeldeten
Kundgebung gegen den „PKK-
Terror“ durch eine Facebookgruppe
„Los Turkos“
ca. 40; friedlich, da der Einsatz der Polizei
Übergriffe durch angereiste kurdische
Jugendliche verhinderte.
13.09.2012 Bielefeld Teilnahme an angemeldeter
Demonstration
ca. 100; friedlich
16.11.2013 Oberhausen Hauptversammlung ADÜTDF ca. 13 000; friedlich
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 13 – Drucksache 18/499seiten bekannt geworden, die einen türkisch-nationalistischen Hintergrund
vermuten lassen. Die augenscheinlich wahllos ausgewählten Internetseiten,
darunter u. a. Schulen und private Unternehmen, wurden dahingehend verändert, dass
statt der ursprünglichen Inhalte türkisch-nationalistische Propaganda bzw.
Äußerungen gegen Kurden/PKK, Israel, Juden und Armenier erschienen.
9. Welche in der Bundesrepublik Deutschland auftretenden Musiker,
Musikerinnen und Musikgruppen rechnet die Bundesregierung zum Spektrum der
Grauen Wölfe bzw. der Ülkücü-Szene, und woraus ergibt sich diese
Einstufung?
Weiter ist Ozan Arif (Sirin Arif) als Musiker bekannt. Er ist ehemaliges Mitglied
der ADÜTDF und ehemaliger Weggefährte von Alparslan Türkes. Ozan Arif
gilt Teilen der Ülkücü-Bewegung als Idol.
a) Wie viele, und welche Konzerte mit Musikern aus der Ülkücü-Szene
fanden während der letzten fünf Jahre nach Kenntnis der
Bundesregierung statt (bitte Veranstaltungsdatum, -ort, Veranstalter und
Teilnehmerzahl angeben)?
Eine systematische Erfassung der Konzerte findet nicht statt.
b) Inwieweit sind der Bundesregierung Auftritte von bekannten Musikern
aus dem Ülkücü-Milieu auf kommunalen Veranstaltungen in
Deutschland bekannt geworden?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
10. Inwieweit sind der Bundesregierung Sportvereine in Deutschland, die der
Ülkücü-Szene zugerechnet werden, bekannt?
Der Bundesregierung sind Sportvereine im Sinne der Frage bekannt, eine
systematische Erfassung findet nicht statt.
11. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Tätigkeit türkischer
Rechtsextremistinnen und Rechtsextremisten oder von Mitgliedern
rechtsextrem beeinflusster türkischer Vereine in Ausländer- und
Migrationsbeiräten?
12. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über eine Kooperation
deutscher Parteien oder von Funktionärinnen und Funktionären dieser
Parteien mit türkischen Rechtsextremistinnen und Rechtsextremisten oder
rechtsextremistisch beeinflussten Vereinen in der Bundesrepublik
Deutschland (bitte nach Art der Kooperation und nach Parteien
aufschlüsseln)?
13. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über eine Mitgliedschaft
oder Funktionärstätigkeit türkischer Rechtsextremistinnen und
Rechtsextremisten oder von Mitgliedern rechtsextrem beeinflusster türkischer
Vereinigungen in deutschen Parteien?
a) Welche konkreten Fälle einer Mitgliedschaft, Funktionärstätigkeit oder
Kandidatur türkischer Rechtsextremistinnen und Rechtsextremisten
oder Mitglieder rechtsextrem beeinflusster türkischer Vereine in
deutschen Parteien oder auf deren Wahllisten sind der Bundesregierung
bekannt geworden?
Drucksache 18/499 – 14 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeb) Wie reagierten nach Kenntnis der Bundesregierung die betroffenen
Parteien jeweils auf die Mitgliedschaft, Funktionärstätigkeit oder
Kandidatur mutmaßlicher türkischer Rechtsextremistinnen und
Rechtsextremisten oder Mitglieder rechtsextrem beeinflusster türkischer Vereine
(bitte einzeln aufschlüsseln)?
c) Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Wahl von
türkischen Rechtsextremistinnen und Rechtsextremisten oder
Mitgliedern rechtsextrem beeinflusster türkischer Vereine über die Listen der
genannten deutschen Parteien in den Kommunalparlamenten (bitte
einzeln aufschlüsseln)?
Erkenntnisse, die über die entsprechende Antwort der Bundesregierung auf
Bundestagsdrucksache 17/7624 vom 8. November 2011 hinausgehen, liegen der
Bundesregierung nicht vor.
14. Inwieweit bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung Kontakte von
Grauen Wölfen bzw. der Ülkücü-Szene in die islamistische Szene in
Deutschland?
15. Inwieweit bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung Kontakte
zwischen den Grauen Wölfen bzw. der Ülkücü-Szene und Vereinen von
turkstämmigen Migrantinnen und Migranten aus dem Kaukasus oder China
(Uighuren, Tschetschenen etc.)?
16. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über eine Verstrickung
türkischer Rechtsextremisten im Drogen- oder Waffenhandel, in der
Schutzgelderpressung, im Menschenhandel oder in der sonstigen
organisierten Kriminalität?
17. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über eine Zusammenarbeit
türkischer Rechtsextremisten mit dem türkischen Geheimdienst MIT in
der Bundesrepublik Deutschland?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
18. In wie vielen und welchen Fällen kam es nach Kenntnis der
Bundesregierung in den letzten fünf Jahren zu Waffenfunden bei Personen aus dem
Graue-Wölfe- bzw. Ülkücü-Milieu oder in Objekten, die dieser Szene
zugerechnet werden (bitte Menge und Art der Waffen benennen)?
Über den bereits in der Anfrage genannten Fall hinaus sind der Bundesregierung
keine Sachverhalte bekannt, in denen Schusswaffen gefunden wurden. Im
Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen.
19. Welches deutsch- und türkischsprachige Aufklärungsmaterial über die
Grauen Wölfe bzw. die Ülkücü-Ideologie liegen vonseiten der
Bundesregierung oder – nach ihrer Kenntnis – vonseiten der Landesregierungen,
kommunaler Behörden oder sonstiger Einrichtungen, wie
Gewerkschaften, vor, und welche dieser Materialien wurden aus
Bundeshaushaltsmitteln gefördert?
Durch die Bundeszentrale für politische Bildung (BpB) werden in einem
Beitrag des Onlinelexikons „Kleines Islamlexikon“ auf der Internetseite der BpB
(
www.bpb.de/nachschlagen/lexika/islam-lexikon/21419/graue-woelfe)
Informationen zum Stichwort „Graue Wölfe“ zur Verfügung gestellt. Ferner wird in
dem im Auftrag der BpB vom Verein ufuq.de (Jugendkultur, Medien &
politische Bildung in der Einwanderungsgesellschaft e. V.) erstellten Newsletter
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 15 – Drucksache 18/499„Jugendkultur, Islam und Demokratie“ (
www.bpb.de/gesellschaft/migration/
jugendkultur-islam-und-demokratie/125175/graue-woelfe) über die
Organisation unter dem Stichwort „Graue Wölfe“ informiert.
Weitere Veröffentlichungen im Sinne der Frage sind:
● Canan Atilgan: Türkische politische Organisationen in der Bundesrepublik
Deutschland, Materialien für die Arbeit vor Ort, Sankt Augustin 1999 –
www.kas.de/wf/doc/kas_3521-544-1-30.pdf?070110192614 (Konrad-
Adenauer-Stiftung, gefördert durch das Bundesministerium des Innern – BMI).
● Sevket Kücükhüseyin: Türkische politische Organisationen in Deutschland,
Zukunftsforum Politik, Sankt Augustin 2002 –
www.kas.de/wf/doc/kas_
855-1522-1-30.pdf?070110192656 (Konrad-Adenauer-Stiftung, gefördert
durch das BMI).
● „Ausländerextremismus“ – Broschüre des Landesamtes für
Verfassungsschutz Baden-Württemberg (2007).
● Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage: Themenheft
„Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft. Exjugoslawen – Russlanddeutsche –
Türken – Polen“ aus dem Jahr 2010. Gefördert im Rahmen des XENOS-
Programms „Integration und Vielfalt“ (Bundesministerium für Arbeit und
Soziales – BMAS).
● Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage: Themenheft „Jugendkulturen
zwischen Islam und Islamismus“, das in zwei Auflagen 2008 erschienen ist.
Gefördert über das Bundesprogramm „XENOS – Leben und Arbeiten in
Vielfalt“ (BMAS). 2010 wurde das Heft überarbeitet und im Kontext des
damals neu gestarteten Modellprojekts „Islam und Ich“ der „Initiative
Demokratie Stärken“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren Frauen und
Jugend (BMFSFJ) neu aufgelegt.
● Abschlussbericht des Forschungsprojektes „Zur gesellschaftlichen Relevanz
des Rechtsradikalismus im türkischen Milieu allochthoner Jugendlicher und
Heranwachsender“ der Forschungsstelle für Interkulturelle Studien an der
Universität zu Köln im Auftrag der Stadt Köln, Interkulturelles Referat
(2010).
● Broschüre „Wer sind die ,Grauen Wölfe‘?“, herausgegeben vom Ministerium
für Inneres und Kommunales des Landes Nordrhein-Westfalen (2011).
● „Die Grauen Wölfe – Nationalismus und Rechtsextremismus unter
türkischen Migranten in Deutschland“, Kurzpapier des Landesamtes für
Verfassungsschutz Hessen (2013).
● „Der ideale Türke – Ultranationalismus der Grauen Wölfe in Deutschland“,
Schriftenreihe Zentrum Demokratische Kultur, gefördert im Rahmen des
Bundesprogramms „Initiative Demokratie Stärken“ durch das BMFSFJ (Juni
2013).
Die vom BMFSFJ und vom BMAS aus Bundesmitteln geförderte Vielfalt-
Mediathek, die beim Informations- und Dokumentationszentrum für
Antirassismusarbeit e. V. (IDA) angesiedelt ist, ist Herausgeberin folgender im Kontext
der Frage relevanter Publikationen:
● Broschüre „Türkischer Nationalismus in Deutschland“ (vgl.
http://vielfalt-
mediathek.de/dx/public/ida/biblio.html?id=4037&domark=1).
Drucksache 18/499 – 16 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode● Greuel, Frank/Glaser, Michaela: Ethnozentrismus und Antisemitismus bei
Jugendlichen mit Migrationshintergrund. Erscheinungsformen und
pädagogische Praxis in der Einwanderungsgesellschaft (vgl.
www.vielfalt-mediathek.
de/dx/public/ida/biblio.html?id=5019&new_search_pid=351 –
Gefördert aus dem Programm „Toleranz fördern – Kompetenz stärken“, BMFSFJ).
● ZDK Gesellschaft demokratische Kultur gGmbH: Familien stärken – gegen
Extremismus und Gewalt. Die speziellen Anforderungen im Kontext
Türkischer Ultranationalismus und Islamismus (vgl.
www.vielfalt-mediathek.de/
dx/public/ida/biblio.html?id=3885 – Gefördert aus dem Vorgängerprogramm
„VIELFALT TUT GUT“, BMFSFJ).
Im Rahmen der „Initiative Demokratie Stärken“, gefördert vom BMFSFJ, ist die
folgende Veröffentlichung erschienen, die online abrufbar ist unter:
http://alevi.
com/de/wp-content/uploads/2013/12/Webversion_Pädagogische-Handreichung-
Zeichen-setzen.pdf: Alevitische Gemeinde Deutschland e. V. (Hrsg.):
Zeichensetzen. für gemeinsame demokratische Werte und Toleranz. Eine Pädagogische
Handreichung zum Umgang mit Salafismus, türkischem Ultranationalismus,
Antisemitismus und Antiziganismus unter besonderer Berücksichtigung der
Situation unter türkeistämmigen Migranten.Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]