[Deutscher Bundestag Drucksache 18/1627
18. Wahlperiode 04.06.2014Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke, Christine Buchholz,
Annette Groth, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/1442 –
Islamfeindlichkeit und antimuslimischer Rassismus
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Auf islamfeindlichen Internetportalen, wie dem nach eigenen Angaben von
teilweise über 100 000 Besucherinnen und Besuchern am Tag gelesenen Blog
„Politically Incorrect“ (PI), werden insbesondere in den Leserkommentaren
Musliminnen und Muslime in rassistischer, fremdenfeindlicher, beleidigender,
hasserfüllter und zum Teil gewaltverherrlichender Weise pauschal erniedrigt
und beschimpft. Aus Sicht der Islamhasserinnen und Islamhasser, die weder
zwischen den verschiedenen islamischen Richtungen noch zwischen militanten
Djihadistinnen und Djihadisten und friedlichen Gläubigen unterscheiden, ist
der Islam keine Religion, sondern eine zu bekämpfende politische Ideologie.
So wird auf PI behauptet, Muslime strebten nach der Weltherrschaft und
untergrüben dafür die Souveränität demokratischer Staaten, deren Rechtsordnung
sie unterwanderten. „Die Ausbreitung des Islam bedeutet, dass unsere
Nachkommen – und wahrscheinlich schon wir selbst – in zwei, drei Jahrzehnten in
einer weitgehend islamisch geprägten Gesellschaft leben müssen, die sich an
der Scharia und dem Koran orientiert und nicht am Grundgesetz und an den
Menschenrechten“, heißt es auf PI. Am Ende eines im Sommer 2013 über PI
verbreiteten Hassvideos einer „Anti Islam Fraktion“, in dem vermummte
Männer einen Koran verbrennen, heißt es: „Gib Islam keine Chance!“. In vielen
deutschen Städten sowie in der Schweiz und Österreich haben sich mittlerweile
PI-Ortsgruppen gebildet. So rätseln Behörden laut Informationen des
Nachrichtenmagazins „DER SPIEGEL“, ob es sich lediglich um einen rechtlich
schwierig zu überwachenden Blog oder eine Organisation handelt;
Verfassungsschützer sprechen demnach von einer „Grauzone“ (
www.spiegel.de/
spiegel/print/d-125300590.html).
Die Bundesregierung erklärte bzw. bestätigte auf Bundestagsdrucksachen 17/
6910, 17/7761 und 17/13686, bei PI keine rechtsextremistischen Bestrebungen
erkennen zu können. Die überwiegende Mehrzahl der Einträge bediene sich
„keiner klassischen rechtsextremistischen Argumentationsmuster“. Zudem
seien islamkritische bis islamfeindliche Einstellungen insgesamt Ausdruck von
Ängsten vor Überfremdung und müssten nicht zwangsläufig Ausdruck einer
verfassungsschutzrelevanten Bestrebung sein. Gleichwohl gab die
Bundesregierung auf Bundestagsdrucksache 17/13686 zu, einzelne Äußerungen auf PI Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 2. Juni 2014
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/1627 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeließen einen „fremden- bzw. islamfeindlichen Hintergrund erkennen“. Ob sich
auf dem Aktionsfeld der Islamfeindlichkeit als neuartiger Form der
Fremdenfeindlichkeit „ein neues eigenständiges Phänomen extremistischer Ausprägung
herausbildet“, unterliegt nach Angaben der Bundesregierung der ständigen
Prüfung durch die Verfassungsschutzbehörden von Bund und Ländern
(Bundestagsdrucksache 17/13686).
In den Fokus der Islamhasserinnen und Islamhasser geraten auch all
diejenigen, die sich öffentlich für das Recht auf freie Religionsausübung für Muslime
einsetzen. In einem Leserkommentar auf PI heißt es bezüglich des aufgrund
seiner differenzierten Betrachtungsweise des Islam immer wieder von
Islamhasserinnen und Islamhassern attackierten Erlanger Juristen und
Islamwissenschaftlers Mathias Rohe: „Künftige Teilnehmer eines Vortrages von Herrn
Rohe sollten immer die passende Ausrüstung mitnehmen: Wischmopp und
Eimer, Kamera, ein schönes großes Kreuz … und schöne scharfe Messer.“. Auf
der Website des Projekts „Nürnberg 2,0“ werden Steckbriefe von
Politikerinnen und Politikern, Juristinnen und Juristen, Journalistinnen und Journalisten
eingestellt, die angeblich einer Islamisierung Deutschlands Vorschub leisten.
Ziel sei es, diese „nach dem Muster des Nürnberger Kriegsverbrecher-
Tribunals von 1945“ zur Verantwortung zu ziehen (
www.spiegel.de/spiegel/print/
d-125300590.html).
Für fremdenfeindliche und rechtsextreme Parteien wie Pro NRW und Pro
Deutschland, die Partei „DIE FREIHEIT“ und die NPD dient Islamhass als ein
Mittel, um die sogenannte Mitte der Gesellschaft zu erreichen. So halten laut
einer Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung e. V. 56 Prozent der Deutschen den
Islam für eine „archaische Religion, unfähig, sich an die Gegenwart
anzupassen“. Ähnlich viele sind der Ansicht, dass die Religionsfreiheit für Muslime
„erheblich eingeschränkt“ werden sollte (Oliver Decker, Johannes Kiess,
Elmar Brähler et al. – Die Mitte im Umbruch. Rechtsextreme Einstellungen in
Deutschland 2012, Herausgegeben für die Friedrich-Ebert-Stiftung von Ralf
Melzer Verlag J.H.W. Dietz Nachf., Bonn 2012).
Die NPD bezeichnet in einem Artikel ihrer Parteizeitung „Deutsche Stimme“
antimuslimische Kampagnen als „Türöffner für die viel weitergehende
Ausländerkritik der nationalen Opposition“. So betreibt die NPD eine Kampagne
gegen den als „steingewordenen Ausdruck orientalischer Landnahme“ durch eine
„fremdländische Aggressionsreligion“ bezeichneten Bau einer Moschee der
Ahmadiyya Gemeinde im Leipziger Stadtteil Gohlis (Presseerklärung der
NPD-Fraktion im sächsischen Landtag vom 10. Dezember 2009). Über 10 000
Bürgerinnen und Bürger unterzeichneten eine Petition „Gohlis sagt Nein!“
gegen den Moscheebau, die von einer CDU-Politikerin auf den Weg gebracht
wurde. Auf dem Bauplatz wurde im November 2013 ein Brandanschlag verübt,
neben dem Feuer waren Schweineköpfe auf Holzpfählen gesteckt und der
Boden mit mutmaßlichem Schweineblut übergossen. Die Polizei geht von
rechtsextremen Tätern aus. In München agitiert die vom bayerischen
Verfassungsschutz als islamfeindlich eingestufte Partei „DIE FREIHEIT“ unter
ihrem Bundesvorsitzenden Michael Stürzenberger seit zwei Jahren gegen den
geplanten Bau des Islamzentrums ZIEM am Stachus. Michael Stürzenberger,
der bereits mehr als hundert Kundgebungen gegen das Islamzentrum abgehalten
hat, vergleicht dabei den Koran mit Hitlers „Mein Kampf“ (
www.spiegel.de/
spiegel/print/d-125300590.html).
Islamhasserinnen und Islamhasser bemühen sich derzeit, Einfluss auf die Partei
„Alternative für Deutschland“ (AfD) zu erlangen. Mehrere hundert ehemalige
Mitglieder der Partei „DIE FREIHEIT“ sollen mittlerweile der AfD beigetreten
sein (
www.spiegel.de vom 1. Oktober 2013 „Die Freiheit: Anti-Islam-Partei
will sich der AfD anschließen“), wo sie zum Teil Führungspositionen besetzen.
Nach der Bundestagswahl erklärte der Bundesvorstand der Partei „DIE FREI-
HEIT“ alle bundes- und landespolitischen Aktivitäten der Partei zugunsten der
AfD, mit der es zu 90 Prozent programmatische Übereinstimmung gäbe, für
eingestellt (
www.facebook.com/GegenDieAlternativeFuerDeutschland/posts/
423420651096336). In München zog für die AfD im März 2014 mit Fritz
Schmude ein Ex-Mitglied der vom bayerischen Verfassungsschutz als
islamfeindlich eingestuften und in Bayern ebenfalls von Michael Stürzenberger ge-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/1627führten „Bürgerbewegung Pax Europa“ in den Stadtrat ein. Für Fritz Schmude
ist der Islam „nicht nur Religion, sondern auch Ideologie“ und der Islamismus
„auf der Spitze einer Sympathisantenpyramide“ (
www.sueddeutsche.de/
muenchen/muenchner-afd-stadtrat-querverbindung-zu-freiheit-1.1940684).
In der Bund-Länder-Statistik „Kriminalpolizeilicher Meldedienst – Politisch
motivierte Kriminalität“ werden muslim- bzw. islamfeindliche Straftaten
bislang nicht als solche spezifisch erfasst, sondern allgemein unter
Hasskriminalität oder als fremdenfeindlich eingestuft. Ende Februar 2014 rügte die
Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz (ECRI) Defizite bei der
Bekämpfung von Rassismus in Deutschland. Rassistische Motive von
Straftaten würden zu rasch ausgeschlossen. Die offiziellen deutschen Statistiken
spiegelten somit nicht das ganze Ausmaß der Fremdenfeindlichkeit wider. Das
System zur Erfassung und Definition von „rassistischen, fremdenfeindlichen,
homophoben Zwischenfällen“ müsse reformiert werden. Kritisiert wurde
weiterhin, dass nach deutschem Recht Volksverhetzung nur dann unter Strafe steht,
wenn der öffentliche Frieden gestört wird. Da dies oft nicht zu beweisen sei,
blieben viele Täter straffrei (
www.dw.de/europarat-rügt-defizite-beim-
kampfgegen-rassismus/a-17456466).
1. Erkennt die Bundesregierung aufgrund der ständigen Prüfung durch die
Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder in der Entwicklung
islam- bzw. moslemfeindlicher Internetseiten, Parteien und Organisationen
sowie diesbezüglicher Straftaten einschließlich Anschlägen auf Moscheen
ein „neues, eigenständiges Phänomen extremistischer Ausprägung“
(Bundestagsdrucksache 17/13686), und wenn ja, um was für ein Phänomen
handelt es sich, und aufgrund welcher Faktoren kommt die Bundesregierung zu
dieser Einschätzung?
Die Verfassungsschutzbehörden unterziehen islamfeindliche Agitation,
Aktivitäten und Straftaten von Personenzusammenschlüssen einer ständigen Prüfung
auf die Herausbildung eines „Anti-Islam-Extremismus“ als einer neuen Form
des Extremismus, die sich einer Einordnung in einen bisherigen
Phänomenbereich entzieht.
Derzeit liegen allerdings nur wenige tatsächliche Anhaltspunkte für die Existenz
einer solchen verfassungsschutzrelevanten Islamfeindlichkeit als
eigenständigem Phänomen vor.
2. In welchen Bundesländern werden nach Kenntnis der Bundesregierung
welche islam- bzw. muslimfeindlichen Websites und Gruppierungen als
verfassungsfeindlich (auch Verdachtsfälle) eingestuft bzw. von
Landesämtern für Verfassungsschutz überwacht?
Das Land Nordrhein-Westfalen führt die „Bürgerbewegung pro NRW“
(einschließlich „pro Köln“) und das Land Bayern den Landesverband Bayern der
Partei „Die Freiheit“, den Landesverband Bayern der „Bürgerbewegung PAX
EUROPA Landesverband Bayern“ (BPE Bayern) sowie die Gruppe München
des Weblogs „Politically Incorrect“ (PI) jeweils als verfassungsfeindliche
Bestrebung.
3. Welche explizit islamfeindlichen deutschsprachigen Internetportale sind
der Bundesregierung bekannt?
Auf die Antwort zu Frage 2 wird verweisen. Die ansonsten bislang bekannt
gewordenen islamkritischen Internetseiten sind – obgleich ein Teil der dort
vertretenen Leserschaft bzw. Autoren ein undemokratisches Weltbild erkennen lässt –
Drucksache 18/1627 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodenach bisheriger Einschätzung dem (rechts)populistischen Spektrum
zuzuordnen.
a) Welche Verbreitung und wie viele Nutzer haben diese Internetportale
nach Kenntnis der Bundesregierung?
Angaben über die Verbreitung dieser Internetpräsenzen und darüber, wie viele
Nutzer auf diese Webseiten zugreifen, können nicht vorgenommen werden.
Diesbezügliche Angaben müssten sich allein auf die oftmals auf den
Internetauftritten veröffentlichen Zahlenangaben stützen, die naturgemäß als nicht
zuverlässig zu werten sind.
b) Auf welchen in- und ausländischen Servern befinden sich diese
Internetportale nach Kenntnis der Bundesregierung?
Die meisten der hier bekannten islamkritischen deutschsprachigen Webseiten
werden über im Ausland, u. a. in den USA oder Russland, ansässige Anbieter
gehostet.
c) Inwieweit sieht die Bundesregierung eine Gefährdung des öffentlichen
Friedens durch derartige Internetseiten?
Die Inhalte dieser Webseiten können in Einzelfällen geeignet sein, das
Tatbestandsmerkmal der „Störung des öffentlichen Friedens“ zu erfüllen, wie es
z. B. Voraussetzung für eine Strafbarkeit wegen Volksverhetzung nach § 130 des
Strafgesetzbuchs (StGB) ist. Die Bewertung erfolgt jedoch durch die
zuständigen Strafverfolgungsbehörden.
4. Inwiefern liegen der Bundesregierung Anhaltspunkte für die
Verfassungsfeindlichkeit des Weblogs „Politically Incorrect“ und seiner Ortsgruppen
vor?
Bei „PI-News“ handelt sich um eine islamkritische, populistische und an der
Grenze zu einer verfassungsschutzrelevanten Islamfeindlichkeit stehenden
Webseite, die insbesondere in den Kommentarbereichen in zum Teil drastischer
Weise eine starke Ablehnung gegenüber dem Islam erkennen lässt.
a) Inwieweit handelt es sich bei PI nach Kenntnis der Bundesregierung um
eine über einen Weblog hinausgehende Organisation?
Seit dem Jahr 2010 existieren neben der „virtuellen Gemeinschaft“ der
Internetpräsenz „PI-News“ auch so genannten PI-Ortsgruppen. Nach eigener Angabe
auf „PI-News“ sind die PI-Gruppen mit dem Weblog nicht institutionell
verbunden. Die Bundesregierung hat keine Kenntnis darüber, ob diese Angabe den
Tatsachen entspricht.
b) Sind der Bundesregierung antimuslimische, rassistische und
gewaltverherrlichende oder gewaltbefürwortende Äußerungen im Weblog PI
einschließlich des dazugehörigen Leserkommentarbereichs bekannt, und
wenn ja, welcher Art?
Auf die Antwort zu Frage 4 wird verwiesen.
c) Hält die Bunderegierung derartige Äußerungen für geeignet, den
öffentlichen Frieden oder das friedliche Zusammenleben der Völker zu
stören?
Auf die Antwort zu Frage 3c wird verwiesen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/1627d) Haben sich durch die kontinuierliche Prüfung von PI seit der Antwort
der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache
17/13686 „in der Gesamtbetrachtung Anhaltspunkte für eine
verfassungsschutzrelevante Islamfeindlichkeit“ bei PI ergeben, und wenn ja,
welche?
Die bisherige Einschätzung zur Internetpräsenz von „PI-News“ wird weiterhin
aufrechterhalten. Demnach muss die Mehrzahl der Besucher/Teilnehmer des
Blogs im islamkritischen bzw. rechtspopulistischen Spektrum angesiedelt
werden und dürfte nicht generell als verfassungsfeindlich einzustufen sein. Im
Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
e) Inwieweit ist die Bundesregierung der Auffassung, dass das Bekenntnis
von PI zum Grundgesetz per se eine rechtsextreme Orientierung oder
eine gegen die freiheitlich-demokratische Grundordnung gerichtete
Ausrichtung ausschließt?
Das Bundesamt für Verfassungsschutz legt bei der Prüfung des Vorliegens einer
verfassungsfeindlichen Bestrebung objektive Maßstäbe an, die unbeeinflusst
von Selbstdarstellungen oder Bekenntnissen der entsprechenden Personen oder
Organisationen sind.
5. Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse liegen der
Bundesregierung über die Partei „DIE FREIHEIT“ vor?
Dem Bundesamt für Verfassungsschutz liegen keine eigenen hinreichenden
Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei der Partei „DIE FREIHEIT“ insgesamt
um eine rechtsextremistische Bestrebung handelt. Jedoch wird der
Landesverband Bayern der Partei „DIE FREIHEIT“ seit Anfang des Jahres 2013 vom
Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet.
a) Über wie viele Mitglieder, Orts- und Landesverbände sowie sonstige
Gliederungen einschließlich Jugendverbände verfügt die Partei „DIE
FREIHEIT“ nach Kenntnis der Bundesregierung?
Pressemeldungen zufolge verfügt die Partei „DIE FREIHEIT“ bundesweit über
weniger als 500 Mitglieder und ist, eigenen Angaben zufolge, in 14
Landesverbänden organisiert.
Der Landesverband Bayern der Partei „DIE FREIHEIT“ verfügt über ca. 110
Mitglieder.
b) Welche Aktivitäten der Partei „DIE FREIHEIT“ seit Anfang des Jahres
2013 sind der Bundesregierung bekannt (bitte nach Ort, Zeitpunkt, Art
der Veranstaltung und Teilnehmerzahl aufschlüsseln)?
Nach eigenen Angaben führte die Partei bis Ende März 2014 bisher 117
Kundgebungen im Zusammenhang mit dem geplanten islamischen Zentrum (ZIEM)
in München durch.
c) Sind der Bundesregierung Äußerungen rassistischen,
fremdenfeindlichen oder volksverhetzenden Charakters durch Vertreterinnen und
Vertreter der Partei „DIE FREIHEIT“ oder deren Veröffentlichungen
bekannt, und wenn ja, welche, wann, und von wem?
d) Bestehen nach Erkenntnissen der Bundesregierung Kontakte der Partei
„DIE FREIHEIT“ oder ihrer Führungsfunktionärinnen und
Führungsfunktionäre zu rechtsextremen, rechtspopulistischen und verfassungs-
Drucksache 18/1627 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodefeindlichen Personen im In- und Ausland, und wenn ja, zu welchen, und
welcher Art sind diese Kontakte?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.
6. Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse liegen der
Bundesregierung über die Dachvereinigung „Die Pro-Bewegung“ (PRO) einschließlich
ihrer Teilorganisationen, wie „Pro Deutschland“, „Pro NRW“, „Pro Köln“,
„Pro Berlin“ etc., vor?
Der Mitte Juni 2010 gegründete Dachverband mit der Bezeichnung „Die Pro-
Bewegung“ (PRO) hatte ursprünglich das Ziel, „die politische Arbeit der
verschiedenen unabhängigen Pro-Parteien und -Vereinigungen in den Kommunen
und Ländern deutschlandweit zu koordinieren und abzustimmen“. Als
Vorsitzender wurde – so die damalige Interneteinstellung – der Vorsitzende der
„Bürgerbewegung pro NRW“ („pro NRW“) – Markus Beisicht (auch Vorsitzender
der „Bürgerbewegung pro Köln“ („pro Köln“) gewählt. Zu seinem Stellvertreter
wurde Manfred Rouhs, Vorsitzender der „Bürgerbewegung pro Deutschland“
(„pro Deutschland“) gewählt. Dieser Dachverband ist bisher weder im Internet
noch sonst öffentlich in Erscheinung getreten.
„Die Pro-Bewegung“ ist – zumindest bis zum gegenwärtigen Zeitpunkt – keine
einheitliche politische Bewegung. Die lokal oder regional aktiven einzelnen
Vereinigungen sind bislang voneinander unabhängig und grenzen sich zum Teil
sogar voneinander ab. So ist „pro Deutschland“ zwar auf eine bundesweite
Ausdehnung angelegt, besitzt jedoch bisher nur einen Landesverband in Berlin.
Weitere in verschiedenen Bundesländern existierende Gruppierungen, die unter
der Bezeichnung „pro …“ auftreten, sind „pro Deutschland“ nicht zuzurechnen;
bei einigen handelt es sich um Gründungen von NPD-Mitgliedern.
a) Über wie viele Mitglieder, Orts- und Landesverbände sowie sonstige
Gliederungen einschließlich Jugendverbänden verfügt die
Dachvereinigung „Die Pro-Bewegung“ (PRO) einschließlich ihrer
Teilorganisationen, wie „Pro Deutschland“, „Pro NRW“, „Pro Köln“, „Pro Berlin“ etc.,
nach Kenntnis der Bundesregierung?
„Pro Deutschland“ verfügt laut Bundeswahlleiter bundesweit über 452
Mitglieder (Stand: 31. Dezember 2012). Die Zahl der aktiven Mitglieder dürfte sich
jedoch nur im unteren zweistelligen Bereich bewegen.
Nach Kenntnis der Bundesregierung existiert neben dem Landesverband Berlin
derzeit kein weiterer Landesverband. Nach Eigenangaben von „pro
Deutschland“ gibt es jedoch noch eine Landesgruppe in Sachsen sowie Kreisverbände in
Bremen, Meißen, München und Hildesheim. Daneben sollen auch je eine
Landesgruppe in Niedersachen und Bayern existieren.
„Pro NRW“
„Pro NRW“ einschließlich „pro Köln“ verfügt insgesamt über ca. 1 000
Mitglieder. Nach Einschätzung der Bundesregierung kann aber nur etwa gut ein Drittel
der Mitglieder von „pro NRW“ als aktive Mitglieder bezeichnet werden.
Laut eigener Aussage verfügt „pro NRW“ über acht Bezirks- und 53
Kreisverbände, die sich als unterschiedlich aktiv darstellen. Neben den aktiven
Kreisverbänden Bonn, Aachen, Duisburg, Essen, Leverkusen und Wuppertal ist der
Kreisverband „pro Köln“ der mitgliederstärkste und aktivste. Er wird auch als
„Schwesterpartei“ bezeichnet.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/1627„Pro NRW“ hat nach eigenen Angaben auch einen Jugendverband, der
allerdings in jüngster Zeit kaum mit eigenen Aktivitäten in Erscheinung tritt.
b) Welche Aktivitäten der Dachvereinigung „Die Pro-Bewegung“ (PRO)
einschließlich ihrer Teilorganisationen, wie „Pro Deutschland“, „Pro
NRW“, „Pro Köln“, „Pro Berlin“ etc., sind der Bundesregierung seit
Anfang 2013 bekannt (bitte nach Ort, Zeitpunkt, Art der Veranstaltung und
Teilnehmerzahl aufschlüsseln)?
„Pro Deutschland“
Im Rahmen des Bundestagswahlkampfes 2013 führte die Bewegung bundesweit
ca. 70 Standkundgebungen (Teilnehmerzahl lag zwischen sieben und 13
Personen) unter dem Motto „Zuwanderung stoppen – Islamisierung verhindern“
durch. Der Landesverband Berlin führte regelmäßig kleinere Kundgebungen
z. B. zu Themen, wie „Asylrecht ja – Asylbetrug nein“, „Grundgesetz statt
Scharia“ durch, deren Teilnehmerzahlen im unteren einstelligen Bereich liegen.
„Pro NRW“
Die Partei hatte am 14. Februar 2013 beim Innenministerium des Landes
Nordrhein-Westfalen eine „Volksinitiative gegen Asylmissbrauch“ angemeldet. Die
Initiative wurde mit einer landesweiten Kundgebungsserie „vor Brennpunkten
des Asylmissbrauchs“ – zumeist vor Asylbewerberheimen – in 21 deutschen
Städten vom 9. bis 23. März 2013 bekannt gemacht.
Die im Jahr 2013 insgesamt zum Thema „Asylmissbrauch“ von „pro NRW“
durchgeführten 32 Kundgebungen fanden auch vor bzw. in der Nähe von
Asylbewerberunterkünften statt, so u. a. am 5. Dezember 2013 in Bochum und Essen
sowie am 9. November und 7. Dezember 2013 in Duisburg.
Sie standen unter dem Motto „Gegen Asylmissbrauch und
Armutseinwanderung“ und „Kein Asyl in Neumühl – Kein Asylantenheim ins St. Barbara-
Hospital“ sowie „Rheinhausen darf nicht Klein-Bukarest werden – Recht und
Ordnung wiederherstellen!“ (Teilnehmer: 12 bis 110 Personen).
Außerdem führte die Partei im Jahr 2013 Kundgebungen und Demonstrationen
vor bzw. in der Nähe von Moscheen und islamischen Kulturzentren durch. Unter
dem Motto „Islamistischen Extremismus bekämpfen – Demokratie verteidigen“
veranstaltete „pro NRW“ anlässlich des Jahrestages der Ausschreitungen durch
Angehörige des salafistischen Spektrums im Rahmen der Wahlkampftour 2012
eine Kundgebung am 5. Mai 2013 in Bonn-Bad Godesberg. Daran nahmen
ca. 100 Personen teil.
Eine Doppeldemonstration gegen den Bau einer Moschee fand am 19. Oktober
2013 in Witten und Hattingen statt. „pro NRW“ kündigte an, sich „gegen
protzige Moscheeneubauten“ auszusprechen, welche auch als „versuchte
steingewordene Landnahme des Islams in Deutschland gesehen werden können“. An
beiden Veranstaltungen nahmen nur rund 30 Personen teil.
Eine Kundgebung fand am 2. Februar 2014 in Remscheid unter dem Motto
„Bürgerentscheid über DITIB Moschee durchsetzen“ statt (Teilnehmer: 20
Personen) und richtete sich gegen die Grundsteinlegung zum Bau einer Moschee in
Remscheid.
Im Rahmen des Wahlkampfes zur Europa- und Kommunalwahl 2014 führte „pro
NRW“/„pro Köln“ eine Wahlkampftour durch 15 Städte in Nordrhein-Westfalen
vorwiegend unter dem Motto „Armutszuwanderung, Überfremdung und
Islamisierung stoppen“ durch. Die Zahl der Teilnehmer reichte von 12 bis 110
Personen.
Drucksache 18/1627 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodec) Sind der Bundesregierung Äußerungen rassistischen,
fremdenfeindlichen oder volksverhetzenden Charakters durch Vertreterinnen und
Vertreter der Dachvereinigung „Die Pro-Bewegung“ (PRO) einschließlich
ihrer Teilorganisationen, wie „Pro Deutschland“, „Pro NRW“, „Pro
Köln“, „Pro Berlin“ etc., oder deren Veröffentlichungen bekannt, und
wenn ja, welche, wann, und von wem?
Die Bundesregierung verweist hinsichtlich der verfassungsschutzrelevanten
Erkenntnisse auf die Darstellung im Verfassungsschutzbericht des Bundes für das
Jahr 2012.
Zuletzt wurde eine Entscheidung des Verwaltungsgerichts Berlin bekannt, nach
der ein Wahlwerbespot von „pro NRW“ zur Europawahl 2014 als
volksverhetzend bewertet wurde.
d) Bestehen nach Erkenntnissen der Bundesregierung Kontakte der
Dachvereinigung „Die Pro-Bewegung“ (PRO) einschließlich ihrer
Teilorganisationen, wie „Pro Deutschland“, „Pro NRW“, „Pro Köln“, „Pro
Berlin“ etc., oder ihrer Führungsfunktionärinnen und -funktionäre zu
rechtsextremen, rechtspopulistischen und verfassungsfeindlichen
Personen im In- und Ausland, und wenn ja, zu welchen, und welcher Art sind
diese Kontakte?
„Pro NRW“ ist Mitglied der am 17. Januar 2008 in Antwerpen gegründeten
internationalen Organisation „Städte gegen Islamisierung“. Die Partei unterhielt in
der Vergangenheit vielfältige Kontakte zu Aktivisten des ausländischen
islamfeindlichen, rechtsextremistischen und rechtspopulistischen Spektrums, so u. a.
zum belgischen „Vlaams Belang“ (VB), zur französischen Gruppierung
„Nouvelle Droite Populaire“ und zur französischen Partei „Mouvement National
Républicain“.
Vertreter ausländischer islamfeindlicher Gruppierungen nahmen regelmäßig an
diversen Veranstaltungen von „pro NRW“ teil.
In den vergangenen Jahren beteiligten sich diese Gruppierungen an vom
jeweiligen Bündnispartner organisierten Veranstaltungen. Diese Kontakte sind in der
jüngsten Vergangenheit allerdings deutlich zurückgegangen. So nahmen im
Gegensatz zu früheren Veranstaltungen an der am 5. Mai 2013 von „pro NRW“
unter dem Motto „Islamistischen Extremismus bekämpfen – Demokratie
verteidigen“ durchgeführten Demonstration in Bonn keine Vertreter des VB, der
„Freiheitlichen Partei Österreichs“ (FPÖ) oder andere ausländische Teilnehmer
teil.
Hingegen nahm ein Abgesandter des VB am Parteitag von „pro NRW“ am
10. September 2013 in Leverkusen teil. Während der Kundgebungstour
„Volksinitiative gegen Asylmissbrauch“ 2013 sprach auch ein Wiener
Landtagsabgeordneter der FPÖ. Am Neujahrsempfang 2014 von „pro Köln“ waren zwei
Vertreter der FPÖ zu Gast.
7. Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse liegen der
Bundesregierung über die „German Defence League“ vor?
Dem Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) liegen keine hinreichenden
tatsächlichen Anhaltspunkte dafür vor, dass es sich bei der Gruppierung „German
Defence League“ (GDL) um eine verfassungsfeindliche Organisation handelt.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/1627a) Über wie viele Mitglieder, Orts- und Landesverbände oder sonstige
Gliederungen verfügt die „German Defence League“ nach Kenntnis der
Bundesregierung?
b) Welche Aktivitäten der „German Defence League“ sind der
Bundesregierung bekannt (bitte nach Ort, Zeitpunkt, Art der Veranstaltung und
Teilnehmerzahl aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse über die Organisationsstruktur
der GDL vor. Vielmehr entfaltete die Gruppierung mangels Mitglieder- und
Mobilisierungspotenzial bislang nur geringe Aktivitäten, die zumeist ohne
Öffentlichkeitswirksamkeit blieben.
c) Sind der Bundesregierung Äußerungen rassistischen,
fremdenfeindlichen oder volksverhetzenden Charakters durch Vertreterinnen und
Vertreter der „German Defence League“ oder deren Veröffentlichungen
bekannt, und wenn ja, welche, wann, und von wem?
Eigenen Angaben zufolge hat sich die GDL der Bewahrung der „christlich-
jüdischen Traditionen unserer europäischen Kultur“ verschrieben und steht „gegen
den politischen Islam in Europa und für das Grundgesetz und Menschenrechte“.
Tatsächlich versucht sie mit einer verbalaggressiven Wortwahl zu provozieren,
Überfremdungsängste innerhalb der Bevölkerung gegenüber Muslimen bzw.
dem Islam zu erzeugen und eventuell vorhandene Ressentiments zu schüren, um
damit die öffentliche Meinung in ihrem Sinne zu beeinflussen.
d) Bestehen nach Erkenntnissen der Bundesregierung Kontakte der
„German Defence League“ oder ihrer Führungsfunktionärinnen und
Führungsfunktionäre zu rechtsextremen, rechtspopulistischen und
verfassungsfeindlichen Personen im In- und Ausland, und wenn ja, zu
welchen, und welcher Art sind diese Kontakte?
Verbindungen der GDL in Deutschland bestehen zum islamkritischen bzw.
islamfeindlichen Spektrum. So existieren einzelne personelle
Überschneidungen mit der rechtsextremistischen Partei „pro NRW“. Nach derzeitigem
Erkenntnisstand erfährt die GDL aus dem übrigen rechtsextremistischen Spektrum
wenig Resonanz.
e) Inwieweit sind der Bundesregierung einschlägige Straftaten durch
Mitglieder der „German Defence League“ oder diesbezügliche
Ermittlungen bekannt?
Über den Kriminalpolizeilichen Meldedienst in Fällen Politisch motivierter
Kriminalität (KPMD-PMK) kann durch die zuständige Polizeibehörde eine Angabe
zur Gruppenzugehörigkeit des Tatverdächtigen übermittelt werden, sofern diese
Angaben bei der polizeilichen Sachbearbeitung vorliegen bzw. im Rahmen der
Ermittlungen bekannt wurden. Eine statistische Erfassung dieser Angaben in der
anonymisierten Datei LAPOS findet nicht statt.
Dem Bundeskriminalamt liegen nur vereinzelte Erkenntnisse über Delikte vor,
die vermeintlichen Mitgliedern der GDL oder der Gruppierung selbst
zuzuordnen sind.
Diese sind der nachstehenden Übersicht zu entnehmen:
Drucksache 18/1627 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode8. Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse liegen der
Bundesregierung über die „Bürgerbewegung Pax Europa“ vor?
Der Bundesregierung liegen keine hinreichenden tatsächlichen Anhaltspunkte
dafür vor, dass es sich bei der „Bürgerbewegung PAX EUROPA“ (BPE)
insgesamt um eine verfassungsfeindliche Organisation handelt. Jedoch wird der
Landesverband Bayern der „Bürgerbewegung PAX EUROPA“ (BPE Bayern)
vom Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz beobachtet.
a) Über wie viele Mitglieder, Orts- und Landesverbände oder sonstige
Gliederungen verfügt die „German Defence League“ nach Kenntnis der
Bundesregierung?
Die BPE verfügt nach eigener Aussage (
www.paxeuropa.de) über insgesamt
sieben Landesverbände. Der Sitz des Landesverbandes Baden-Württemberg in
Gemmingen ist auch Sitz der Bundesgeschäftsstelle der BPE.
Nach Angaben in ihrer damals noch erschienenen Publikation „BürgerForum“
(Nr. 3/2010, S. 6) hatte die „Bürgerbewegung PAX EUROPA“ (BPE) im Jahr
2010 ca. 800 Mitglieder (Stand: 2010).
b) Welche Aktivitäten der „Bürgerbewegung Pax Europa“ sind der
Bundesregierung bekannt (bitte nach Ort, Zeitpunkt, Art der Veranstaltung
und Teilnehmerzahl aufschlüsseln)?
Die BPE listet vergangene Veranstaltungen auf ihrer Homepage (
www.pax
europa.de/veranstaltungen) auf. Ob und in welcher Form diese Veranstaltungen
stattgefunden haben, ist der Bundesregierung nicht bekannt. Für den 14. Juni
Datum Ort Sachverhalt
02.11.2012 Bielefeld Veröffentlichung von volksverhetzenden Inhalten und öffentliche
Aufforderung zu Straftaten sowie Störung des öffentlichen Friedens
durch Androhung von Straftaten auf Wikipedia.de
§ 130 StGB
18.02.2013 Eggstedt Der Beschuldigte (BS) beleidigt und bedroht den Geschädigten über
Facebook. BS ist offenbar rechts motiviert und in entsprechenden
Foren (Deutschland gegen Multi-Kulti) aktiv. Auf dem Facebook
Account des BS finden sich entsprechende Einträge (NPD/GDL-Kiel
Division).
§ 185 StGB
22.02.2013 Lübeck;
Kücknitz
Der Beschuldigte hatte auf Facebook zu einer Demonstration in
Hamburg aufgerufen. Hintergrund war der Umbau einer Kirche zur
Moschee. Zu dem Aufruf wurden diverse Einträge vorgenommen.
Unter anderem erfolgte dabei ein vermutlich in den USA
vorgenommener Eintrag mit Verleugnung des Holocausts. Der Beschuldigte
duldete den Eintrag, ohne ihn zu löschen. Durch die StA Hamburg
wurde dadurch der Verdacht der Volksverhetzung begründet. Die Tat
wurde auf der Facebookseite der GDL verwirklicht.
§ 130 StGB
09.05.2013 Bremen Beschimpfung von Religionsgesellschaften durch
Veröffentlichungen im Internet/Facebook mit gegen den Islam gerichteten
Textaussagen durch „German Defence League – Bremen Division“
§ 166 StGB
15.05.2013 Rees Unbekannter Täter legte am Schulzentrum in Rees ein DIN-A4-Blatt
mit volksverhetzenden Inhalt –„Islam raus aus Europa“ – aus
§ 130 StGB
18.05.2013 Mainz Sachbeschädigung durch Plakatierung und Verschütten von Farbe
z. N. eines muslimischen Vereins
§ 303 StGB
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/16272014 hat der BPE-Vorstand seine Mitglieder zu einer „Ordentlichen
Mitgliederversammlung“ nach Nordrhein-Westfalen eingeladen.
c) Sind der Bundesregierung Äußerungen rassistischen,
fremdenfeindlichen oder volksverhetzenden Charakters durch Vertreterinnen und
Vertreter der „Bürgerbewegung Pax Europa“ oder deren Veröffentlichungen
bekannt, und wenn ja, welche, wann, und von wem?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Erkenntnisse vor.
d) Bestehen nach Erkenntnissen der Bundesregierung Kontakte der
„Bürgerbewegung Pax Europa“ oder ihrer Führungsfunktionärinnen und
Führungsfunktionäre zu rechtsextremen, rechtspopulistischen und
verfassungsfeindlichen Personen im In- und Ausland, und wenn ja, zu
welchen, und welcher Art sind diese Kontakte?
Eine Zusammenarbeit der BPE mit rechtsextremistischen Organisationen in
Deutschland ist der Bundesregierung nicht bekannt. Auf internationaler Ebene
kommt es allerdings zu vereinzelten Kontakten mit rechtspopulistischen
europäischen Organisationen, deren Agitation im Einzelfall auch die Grenze zum
Rechtsextremismus überschreitet.
9. Inwieweit hat die Bundesregierung Erkenntnisse über eine Einflussnahme
von islam- und muslimfeindlichen Organisationen, Strömungen und
Einzelpersonen auf die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD)?
a) Inwiefern liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über eine
Übernahme von Funktionärsposten von (ehemaligen) Mitgliedern der Partei
„DIE FREIHEIT“ bei der AfD vor?
b) Inwiefern liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über eine
Übernahme von Funktionärsposten von (ehemaligen) Mitgliedern des
Dachverbandes „Die Pro-Bewegung“ (PRO) einschließlich ihrer
Teilorganisationen, wie „Pro Deutschland“, „Pro NRW“, „Pro Köln“, „Pro Berlin“
etc., bei der AfD vor?
c) Inwiefern liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über eine
Übernahme von Funktionärsposten von (ehemaligen) Mitgliedern der
„Bürgerbewegung Pax Europa“ bei der AfD vor?
d) Inwiefern liegen der Bundesregierung Erkenntnisse über eine
Übernahme von Funktionärsposten von (ehemaligen) Mitgliedern der
„German Defence League“ bei der AfD vor?
e) Welche Haltung nehmen der Bundesvorstand sowie die
Landesvorstände nach Kenntnis der Bundesregierung bezüglich einer möglichen
Unterwanderung oder Einflussnahme von islam- und muslimfeindlichen
Organisationen, Strömungen und Einzelpersonen auf die Partei ein?
f) Sind der Bundesregierung Äußerungen rassistischen, fremdenfeindlichen
oder volksverhetzenden Charakters durch Vertreterinnen und Vertreter
der AfD oder deren Veröffentlichungen bekannt, und wenn ja, welche,
wann, und von wem?
g) Bestehen nach Erkenntnissen der Bundesregierung Kontakte der Partei
AfD oder ihrer Führungsfunktionärinnen und Führungsfunktionäre zu
rechtsextremen, rechtspopulistischen und verfassungsfeindlichen
Personen im In- und Ausland, und wenn ja, zu welchen, und welcher Art sind
diese Kontakte?
Der Bundesregierung liegen zu den Fragestellungen keine, über die
Presseberichterstattung hinausgehenden, belastbaren Informationen vor. Sie weist darauf
hin, dass die „Alternative für Deutschland“ (AfD) kein Beobachtungsobjekt des
BfV ist.
Drucksache 18/1627 – 12 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode10. Wie viele Anschläge auf Moscheen, Moscheevereine oder sonstige
islamische Einrichtungen in Deutschland gab es nach Kenntnis der
Bundesregierung seit dem Jahr 2012 (bitte einzeln nach Ort, Datum, Name der Moschee
und ihrer möglichen Dachorganisation, Art des Anschlags und
Schadenshöhe auflisten)?
11. Wie viele Schändungen von Moscheen durch Farbschmierereien, Fäkalien,
Schlachtabfälle etc. sind der Bundesregierung seit dem Jahr 2012 bekannt
(bitte einzeln nach Ort, Datum, Name der Moschee und ihrer möglichen
Dachorganisation und Art der Schändung auflisten)?
12. Inwieweit konnten nach Kenntnis der Bundesregierung bei diesen
Anschlägen oder Schändungen Täter oder Tatverdächtige ermittelt werden?
a) In wie vielen und welchen Fällen waren nach Kenntnis der
Bundesregierung Fremdenfeindlichkeit bzw. Hass auf Muslime das Tatmotiv
oder gehörten die Täter oder Tatverdächtigen der rechtsextremen
Szene an?
b) In wie vielen und welchen Fällen waren nach Kenntnis der
Bundesregierung politische oder religiöse Auseinandersetzungen unter
Ausländergruppen der Hintergrund?
c) In wie vielen und welchen Fällen handelte es sich nach Kenntnis der
Bundesregierung um keine politisch motivierten Anschläge oder
Schändungen?
13. Wie viele Bombendrohungen gegen Moscheen und andere islamische
Einrichtungen sind der Bundesregierung seit dem Jahr 2012 bekannt (bitte Ort
und Zeitpunkt benennen)?
Die Fragen 10 bis 13 werden gemeinsam beantwortet.
Die Bundesregierung verweist hierzu auf ihre Antwort zu den Fragen 2 bis 5 der
Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. vom 7. Mai 2012 „Angriffe auf
Moscheen in Deutschland“ auf Bundestagsdrucksache 17/9523. Analog zu dieser
Antwort sind Deliktzahlen zu allen seit dem Jahr 2012 begangenen politisch
motivierten Straftaten mit dem Angriffsziel „Religionsstätte/Moschee“ der
nachfolgenden Aufstellung zu entnehmen:
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Drucksache 18/1627 – 18 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode14. Wie viele Morddrohungen gegen welche Funktionäre von
Moscheevereinen oder islamischen Verbänden seit dem Jahr 2012 sind der
Bundesregierung bekannt, und wer sind die (mutmaßlichen) Täter?
Der Bundesregierung ist lediglich der nachstehende Sachverhalt bekannt, bei
dem die Drohungen allerdings nicht von islamfeindlichen Gruppierungen
ausgingen:
Am 4. Mai 2013 erschienen ca. 70 Salafisten vor der Al-Amanah-Moschee in
Lübeck (Schleswig-Holstein), von denen ca. 20 Personen aus der Menge heraus
in die Moschee stürmten und dort anwesende Personen bedrohten. Es wurden
Morddrohungen ausgesprochen und auch eindeutige Erschießungsgesten
gemacht.
15. Welchen Stellenwert hat nach Kenntnis der Bundesregierung die Agitation
gegen Muslime, den Islam oder Moscheeneubauten bei Rechtsextremen in
der Bundesrepublik Deutschland (bitte auch nach Organisationen
aufschlüsseln)?
Zwar hat das Aktionsfeld der Islamfeindlichkeit als eine Form der
Fremdenfeindlichkeit im Rechtsextremismus in den letzten Jahren an Bedeutung
gewonnen, da Rechtsextremisten mit diesem Thema eine größere Anschlussfähigkeit
an die demokratische Gesellschaft als durch eine ethnisch fundierte
fremdenfeindliche Propaganda herzustellen glauben. Spätestens seit dem
Bundestagswahlkampf 2013 hat jedoch das Thema „Asyl“ islamfeindliche Agitation in
seiner Bedeutung überflügelt. Insofern besitzt die Agitation gegen Muslime, den
Islam oder Moscheen derzeit nur einen geringeren, jedoch nicht zu
vernachlässigenden Stellenwert für öffentliche Aktivitäten von Rechtsextremisten.
16. Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse hat die
Bundesregierung über die Beteiligung rechtsextremer Gruppierungen an
Bürgerinitiativen und Protesten gegen den Bau von Moscheen in der Bundesrepublik
Deutschland (bitte nach Ort, Anlass, Zeitpunkt und beteiligten
Gruppierungen aufschlüsseln)?
Entsprechend dem Rückgang der Bedeutung des Aktionsfeldes der
Islamfeindlichkeit fanden von Rechtsextremisten initiierte, gegen den Bau von Moscheen
gerichtete Demonstrationen mit einem Mindestmaß an Öffentlichkeitswirkung
(ab 20 Teilnehmern) nur in einigen wenigen Fällen statt. Exemplarisch hierfür
stehen die nachfolgend aufgeführten Veranstaltungen:
Datum Land Ort Veranstalter Motto Teiln.
27.02.2013 TH Eisenach NPD/JN „Keine Moschee in unserer Stadt“ 70
16.03.2013 TH Eisenach NPD/JN „Keine Moschee in Eisenach“ 30
17.08.2013 SN Leipzig NPD/JN „Maria statt Scharia – Gegen die Islamisierung
Deutschlands“
80
02.02.2014 NW Remscheid „pro NRW“ „Bürgerentscheid über DITIB Moschee
durchsetzen“ (Mahnwache gegen Grundsteinlegung)
20
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 19 – Drucksache 18/162717. Inwieweit gibt es bei Polizei- und Innenbehörden von Bund und Ländern
nach Kenntnis der Bundesregierung Überlegungen über eine Erweiterung
des Themenfeldkatalogs beim Begriff der „Hasskriminalität“ um ein
Unterthema „islamfeindlich“ bzw. „muslimfeindlich“, wie es im Falle des
Unterthemas „Antisemitismus“ seit längerem geschehen ist?
a) Wann, bei welcher Gelegenheit, und mit welchem Ergebnis wurde
diese Thematik erörtert?
b) Welche diesbezüglichen Forderungen von Behörden, muslimischen
Verbänden oder aus der Kriminologie sind der Bundesregierung
bekannt?
c) Inwieweit wurden von Seiten internationaler Organisationen und
Gremien diesbezügliche Erwartungen an die Bundesregierung geäußert,
und wie reagierte diese darauf?
d) Wie begründet die Bundesregierung, dass bislang keine derartige
erweiterte Unterteilung des Themenfeldkatalogs „Hasskriminalität“ um
ein Unterthema „islamfeindlich“ bzw. „muslimfeindlich“ erfolgt ist?
Bezüglich der möglichen Einführung eines neuen Unterthemas „islamfeindlich“
oder „muslimfeindlich“ wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die
Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. „Islamfeindlichkeit und
antimuslimischer Rassismus“ vom 3. Juni 2013 auf Bundestagsdrucksache 17/13686
verwiesen, die dem aktuellen Sachstand entspricht.
18. Welche allgemeinen und konkreten Schlussfolgerungen zieht die
Bundesregierung aus der Rüge des ECRI über Defizite bei der Bekämpfung des
Rassismus in Deutschland?
Im aktuellen Bericht des Antirassismus-Komitees des Europarats (ECRI)
werden nicht nur Rügen ausgesprochen, sondern auch eine Vielzahl von staatlichen
Maßnahmen und Projekten zur Bekämpfung von Rassismus auf allen Ebenen
der Gesellschaft ausdrücklich gewürdigt. Aus der Gesamtschau des Berichts
wird deutlich, dass das Thema „Rassismus in Deutschland“ sehr ernst
genommen wird. Gleichzeitig ist sich die Bundesregierung der Tatsache bewusst, dass
bei den Bemühungen zur Bekämpfung von Rassismus, Fremdenfeindlichkeit
und Antisemitismus nicht nachgelassen werden darf. Den Empfehlungen von
ECRI wird deswegen große Relevanz beigemessen. Derzeit befasst sich die
Bundesregierung mit den im aktuellen ECRI-Bericht ausgesprochenen
Empfehlungen und prüft die bestehende Rechtslage im Hinblick auf
Umsetzungsdefizite.
a) Inwieweit nimmt die Bundesregierung die ECRI-Rüge als Anlass, um
eine Reform des Systems zur Erfassung rassistischer,
fremdenfeindlicher und homophober Straftaten anzuregen?
Die Bundesregierung setzt sich entsprechend der Empfehlung des 2.
Untersuchungsausschusses der 17. Legislaturperiode des Deutschen Bundestages (NSU-
Untersuchungsausschuss; Bundestagsdrucksache 17/14600 vom 22. August
2013) für eine Überprüfung des Themenfeldkatalogs PMK ein.
Vor dem Hintergrund, dass die bundesweit einheitlich geltenden Kriterien zur
Definition und Erfassung politisch motivierter Kriminalität im Jahr 2001 mit
Beschluss der Innenministerkonferenz (IMK) in Kraft gesetzt wurden, kann eine
solche nur im Rahmen der zuständigen Gremien der IMK erfolgen.
Drucksache 18/1627 – 20 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeb) Inwieweit hält die Bundesregierung nach der ECRI-Rüge eine
Verschärfung des Straftatbestands der Volksverhetzung für erforderlich,
insofern, dass für eine Feststellung der Strafbarkeit nicht mehr eine
Störung des öffentlichen Friedens nachgewiesen werden muss?
Die Bundesregierung ist sich der Tatsache bewusst, dass der in § 130 Absatz 1
StGB eröffnete Bezug zur Störung des öffentlichen Friedens Fragen aufwerfen
kann. Die Charakterisierung als „geeignet, den öffentlichen Frieden zu stören“
dient dazu, (lediglich) zu missbilligende Äußerungen, die mit allen
gesellschaftlichen Mitteln bekämpft werden sollten, von denjenigen zu unterscheiden, auf
die auch strafrechtlich reagiert werden muss. Dies entspricht dem der deutschen
Strafrechtsordnung zugrunde liegenden Prinzip, dass in einem Rechtsstaat das
Strafrecht immer das „äußerste Mittel“ (Ultima Ratio) sein muss. Dabei spielt
auch das Grundrecht der Meinungsfreiheit eine zentrale Rolle. Dessen
fundamentale Bedeutung darf in einer Demokratie nicht aus dem Blick geraten. Es
wird derzeit geprüft, ob die momentane Fassung des § 130 Absatz 1 StGB einer
effektiven Ahndung strafwürdigen Verhaltens im Wege stehen kann.Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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ISSN 0722-8333]