[Deutscher Bundestag Drucksache 18/1726
18. Wahlperiode 11.06.2014Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Hubertus Zdebel, Matthias W. Birkwald,
Eva Bulling-Schröter, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/1466 –
Transporte und Lagerung von Uranhexafluorid und Uranoxid im Zusammenhang
mit der Urananreicherung in Gronau
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In Gronau betreibt der internationale Urananreicherer URENCO die
bundesweit einzige Urananreicherungsanlage. Die genehmigte Kapazität liegt bei
4 500 Tonnen Urantrennarbeit pro Jahr. Obwohl die Bundesregierung im Jahr
2011 als Konsequenz aus der Reaktorkatastrophe von Fukushima für
Deutschland einen Atomausstieg bis zum Jahr 2022 beschlossen hat, soll die
Urananreicherungsanlage Gronau nach dem bisherigen Willen der Bundesregierung
unbefristet weiterlaufen. So kann in Gronau angereichertes Uran zur
Brennelementefertigung für rund jedes zehnte Atomkraftwerk (AKW) weltweit
hergestellt und rund um den Globus exportiert werden.
Für den Betrieb der Urananreicherungsanlage ist der Einsatz von Natururan in
Form von Uranhexafluorid (UF6) erforderlich, das per Bahn und Lkw zur
Urananreicherungsanlage Gronau transportiert wird. Das Natururan stammt
aus unterschiedlichsten Ländern rund um den Globus. Es wird u. a. im
südfranzösischen Pierrelatte in Uranhexafluorid umgewandelt.
Durch den Betrieb entsteht in der Urananreicherungsanlage Gronau
angereichertes Uran, das von Gronau zur Brennelementefertigung transportiert wird.
Eine solche Brennelementefabrik – von AREVA betrieben und ebenfalls ohne
jegliche Laufzeitbegrenzung – befindet sich z. B. im emsländischen Lingen.
Ein Großteil des in Gronau angereicherten Urans wird jedoch direkt ins
Ausland exportiert.
Als Abfallprodukt fallen in Gronau große Mengen abgereichertes
Uranhexafluorid als Uranmüll an. Dieses wird zunächst in einem Freilager unter offenem
Himmel direkt an der Urananreicherungsanlage gelagert. In den letzten Jahren
wurde eine sogenannte Dekonversion des UF6 in Uranoxid (U308) angestrebt,
nachdem der Export des Gronauer Uranmülls nach Russland, aufgrund starker
Proteste russischer, deutscher und niederländischer Umweltschützerinnen und
Umweltschützer, im Jahr 2009 eingestellt wurde.
Die „Dekonversion“ findet derzeit im südfranzösischen Pierrelatte statt,
URENCO baut jedoch eine eigene Dekonversionsanlage im britischen Capen-Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit vom 6. Juni 2014 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/1726 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodehurst, die nach Angaben von URENCO und der Bundesregierung Ende des
Jahres 2015 in Betrieb gehen soll (vgl. URENCO-Geschäftsbericht 2013 sowie
Bundestagsdrucksache 17/12943).
Auf dem Gelände der Urananreicherungsanlage Gronau wurde im Jahr 2005
der Bau eines Uranoxid-Zwischenlagers für rund 60 000 Tonnen Uranoxid
genehmigt. Nach Mitteilung der Bundesregierung soll dieses Zwischenlager noch
im Jahr 2014 in Betrieb gehen, sodass weitere Atomtransporte von Frankreich
nach Gronau anfallen würden (vgl. z. B. Bundestagsdrucksache 17/14341). Für
„Mitte des Jahres“ sei vorab eine „Bauzustandsbesichtigung“ der
Zwischenlagerhalle in Gronau geplant (vgl. Bundestagsdrucksache 18/1267).
Laut Bundesregierung reicht das Gronauer Uranoxid-Zwischenlager nur für
zehn Betriebsjahre (vgl. Bundestagsdrucksache 17/13598), sodass bei vollem
Weiterbetrieb der Urananreicherungsanlage Gronau bereits in wenigen Jahren
mit dem Bau einer zweiten Zwischenlagerhalle begonnen werden müsste.
Nach Angaben der Bundesregierung lagerten in Gronau Ende des Jahres 2012
bereits 6 700 Tonnen Uranhexafluorid unter freiem Himmel (vgl.
Bundestagsdrucksache 17/12943), in Pierrelatte warteten 12 700 Tonnen abgereichertes
UF6 aus Gronau auf die „Dekonversion“ (vgl. Bundestagsdrucksache 17/
13598). Laut Bundesregierung ist bereits ab diesem Jahr mit ersten
Rücktransporten von U308 von Pierrelatte nach Gronau zu rechnen.
Sämtliche Atomtransporte werden der Öffentlichkeit gegenüber geheim
gehalten, obwohl sie ein erhebliches Gefahrenpotenzial darstellen. Der Brand der
„Atlantic Cartier“ am 1. Mai 2013 im Hamburger Hafen hat dieses
Gefahrenpotenzial noch einmal drastisch vor Augen geführt. Nur mit großer Mühe
konnten die Uranfässer an Bord vor dem Brand gesichert werden.
Völlig ungeklärt ist die sichere Endlagerung des Uranmülls. Laut
Bundesregierung und der Landesregierung in Nordrhein-Westfalen gilt Uranmüll nicht als
„Konrad-gängig“ und kommt für eine Endlagerung zusammen mit anderem
nicht wärmeentwickelndem Atommüll aus „wasserrechtlichen Gründen“ nicht
infrage (vgl. z. B. Bundestagsdrucksachen 17/6954, 17/7777, 17/13598 sowie
NRW-Landtagsdrucksache 15/3712). Stattdessen sei ggf. eine Lagerung
zusammen mit den abgebrannten hochradioaktiven Brennelementen denkbar
(vgl. Bundestagsdrucksache 17/14668). Im Jahr 2007 hatte die
Bundesregierung festgehalten, dass die Entsorgung des Gronauer Uranmülls in den
Zuständigkeitsbereich des Bundes fällt (vgl. Bundestagsdrucksache 16/5381).
Konkrete Vorbereitungen der Bundesregierung zur Endlagersuche für den
Gronauer Uranmüll sind jedoch trotz der riesigen Mengen nicht festzustellen.
Im Jahr 2011 hatte die Bundesregierung mitgeteilt, dass das Bundesamt für
Strahlenschutz von einem Nettovolumen von bis zu 100 000 m³
abgereichertem Uran zur Endlagerung ausgeht (vgl. Bundestagsdrucksache 17/6954).
Volumenmäßig übertrifft die Menge an Uranmüll damit das erforderliche
Volumen für abgebrannte Brennelemente um ein Vielfaches. Dennoch soll sich nach
bisherigem Kenntnisstand die von der Bundesregierung gewünschte
Atommüll-Endlager-Kommission nicht mit dem abgereicherten Uranmüll aus
Gronau beschäftigen.
Nach Medieninformationen soll jedoch der aktive URENCO-Vorstand
(„Deputy Chairman“) von URENCO, Prof. Dr. Gerd Jäger, in die Atommüll-
Endlager-Kommission berufen werden (vgl. Süddeutsche Zeitung, 10. März
2014).
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung hat ihre Position bezüglich des unbefristeten Betriebes der
Urananreicherungsanlage Gronau bereits mehrfach in Antworten auf Kleine
Anfragen deutlich gemacht (u. a. auf Bundestagsdrucksache 18/1267).
1. Wie hat sich der Anteil der einzelnen Uranförderländer bzw. Minen an der
Uranversorgung der Bundesrepublik Deutschland seit dem Jahr 2007 ent-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/1726wickelt (bitte jeweils nach Jahr, Uranförderland, Uranminen, Betreiber der
Uranminen, Mengenangaben je Land und Uranmine und Prozentsatz je
Land aufschlüsseln)?
Der Kernbrennstoffhandel erfolgt in der EU über die EURATOM-
Versorgungsagentur. Die für die Brennstoffherstellung in Deutschland benötigten
Natururanmengen werden fast ausschließlich über langfristige Verträge von Produzenten
aus Frankreich und Großbritannien sowie Kanada und den USA bezogen. Eine
Zuordnung zu bestimmten bergbaulichen Gewinnungsbetrieben, in denen
Natururan gewonnen wird, ist nicht möglich.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 4 verwiesen.
2. Wie hat sich der Anteil der einzelnen Uranförderländer bzw. Minen bei der
Versorgung der Urananreicherungsanlage Gronau mit Natururan seit dem
Jahr 2007 entwickelt (bitte jeweils nach Jahr, Uranförderland, Uranmine,
Mengenangaben je Land und Uranmine und Prozentsatz je Land
aufschlüsseln)?
Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.
3. Wo genau wird das in Gronau zur Urananreicherung verwandte Natururan
seit dem Jahr 2007 in Uranhexafluorid umgewandelt (bitte jeweils nach
Jahr, Konversionsanlage, Betreiber der Konversionsanlage, Land, Menge in
Tonnen und Prozentsatz aufschlüsseln)?
Auf die Antwort zu Frage 4 wird verwiesen.
4. Wie viel und welche aus Natururan zur Kernbrennstoffversorgung
hergestellten Zwischenprodukte wurden seit dem Jahr 2007 in die Bundesrepublik
Deutschland importiert (bitte entsprechend der Tabelle in der Antwort zu
Frage 2 auf Bundestagsdrucksache 16/5381 sowie der Antwort zu Frage 2
auf Bundestagsdrucksache 14/6692 aufschlüsseln)?
Einfuhren nach Deutschland in den Jahren 2007 bis 2013 von Natururan zur
Kernbrennstoffversorgung:
Jahr Modifikation
U-Nat
Versendungsland Menge
(kg U)
Importeur
2007 UF6
“
“
“
“
Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
Russland
779 847
1 245 681
603 604
361 336
169 635
1)
1)
1)
1)
2)
2008 UF6
“
“
“
“
UO2-Pellets
Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
Niederlande
USA
855 459
1 695 270
134 098
246 238
9 076
4
1)
1)
1)
1)
3)
3)
Drucksache 18/1726 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeNatururan als Zwischenprodukt zur Kernbrennstoffversorgung wurde aus den
Ländern Großbritannien, Frankreich, Niederlande, Belgien, USA, Kanada und
Russland nach Deutschland eingeführt.
Importeure:
1) URENCO Deutschland GmbH, Gronau,
2) Nukem GmbH, Alzenau, in die Anlage URENCO Deutschland GmbH,
Gronau,
3) ANF GmbH, Lingen.
5. In welche Länder (inkl. Zielort und -anlage) wurde abgereichertes UF6 seit
dem Jahr 2007 aus Deutschland mit welchem Abreicherungsgrad
exportiert, und um welche Mengen handelt es sich (bitte entsprechend in der
Antwort zu Frage 3 auf Bundestagsdrucksache 16/5381 sowie der Antwort zu
Frage 7 auf Bundestagsdrucksache 14/6692 aufschlüsseln)?
Ausfuhren aus Deutschland von abgereichertem Uran in Form von UF6 in den
Jahren 2007 bis 2013:
2009 UF6
“
“
“
“
“
UO2-Pellets
Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
Niederlande
Russland
USA
1 473 587
1 648 629
134 070
575 749
9 074
100 004
4 249
1)
1)
1)
1)
3)
2)
3)
2010 UF6
“
“
“
“
UO2-Pellets
“
Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
Russland
USA
Belgien
1 232 817
2 861 994
939 061
197 412
200 100
343
118
1)
1)
1)
1)
2)
3)
3)
2011 UF6
“
“
“
UO2-Pellets
UO2-Pulver
Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
USA
Frankreich
1 743 617
2 930 194
402 412
197 290
390
40
1)
1)
1)
1)
3)
3)
2012 UF6
“
“
“
“
UO2-Pellets
“
Großbritannien
Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
Belgien
USA
962 150
1 295
2 426 043
536 653
197 323
1 080
2 476
1)
3)
1)
1)
1)
3)
3)
2013 UF6
“
“
UO2-Pellets
Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
1 775 791
1 246 658
1 743 581
8 792
1)
1)
1)
3)
Jahr Modifikation
U-Nat
Versendungsland Menge
(kg U)
Importeur
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/1726Abgereichertes UF6 wurde in die Länder Frankreich, Großbritannien,
Schweden, USA und Russland geliefert.
Exporteure:
1) URENCO Deutschland GmbH, Gronau,
2) ANF GmbH, Lingen.
6. Aus welchen Ländern wurde seit dem Jahr 2007 wiederangereichertes
Uranhexafluorid nach Deutschland importiert (bitte nach Jahr, Land,
Herkunftsort, Zielort, Importeur und Menge aufschlüsseln)?
Die Zuordnung der Mengen des aus abgereichertem UF6 wieder auf den
natürlichen U-235-Gehalt angereicherten und zurückgelieferten Materials kann nicht
erfolgen, da bei der Einfuhr die Herkunft des Urans nicht bekannt ist.
Jahr Land Anlage Menge
(kg U)
% Gehalt
U-235
von bis
Exporteur
2007 Russland Ural Electrochemical
Plant, Novouralsk
3 132 014 0,30-0,34 1)
2008 Frankreich
“
Russland
Eurodif, Pierreleatte
AREVA NC, Pierrelatte
Ural Electrochemical
Plant, Novouralsk
234 675
184 101
2 506 704
0,23-0,26
0,21-0,23
0,28-0,34
1)
1)
1)
2009 Frankreich
“
Russland
Eurodif, Pierreleatte
AREVA NC, Pierrelatte
Ural Electrochemical
Plant, Novouralsk
569 600
1 167 948
1 570 912
0,21-0,25
0,25-0,26
0,30-0,34
1)
1)
1)
2010 Frankreich
“
“
“
USA
Eurodif, Pierreleatte
AREVA NC, Pierrelatte
Eurodif, Pierreleatte
AREVA NC, Pierrelatte
AREVA NP, Richland
469 060
2 828 384
19
16
1
0,21-0,22
0,23-0,25
0,29-0,30
0,24
0,22
1)
1)
2)
2)
2)
2011 Frankreich
“
“
“
Schweden
Eurodif, Pierreleatte
AREVA NC, Pierrelatte
Eurodif, Pierreleatte
AREVA NC, Pierrelatte
Westinghouse Electric
Sweden AB, Västeras
200 543
2 410 176
73
9 103
4 532
0,23
0,20-0,25
0,23-0,24
0,25
0,20
1)
1)
2)
2)
1)
2012 Frankreich
“
“
USA
Eurodif, Pierreleatte
AREVA NC, Pierrelatte
Eurodif, Pierreleatte
AREVA NP, Richland
903 163
2 375 370
49
23
0,18-0,25
0,21-0,26
0,22-0,23
0,23-0,30
1)
1)
2)
2)
2013 Frankreich
“
“
Großbritannien
USA
AREVA NC, Pierrelatte
AREVA NC, Pierrelatte
Eurodif, Pierreleatte
URENCO UK,
Capenhurst
AREVA NP, Richland
634 854
1
50
112
25
0,20-0,25
0,22
0,22-0,29
0,21-0,64
0,23
1)
2)
2)
1)
2)
Drucksache 18/1726 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeEinfuhren von Natururan (UF6) aus Ländern, die mit abgereichertem Uran
beliefert wurden, Zeitraum 2007 bis 2013.
Importeur/Empfänger:
1) URENCO Deutschland GmbH, Gronau,
2) Nukem GmbH, Alzenau, in die Anlage der URENCO Deutschland GmbH,
Gronau,
3) ANF GmbH, Lingen.
7. Welche Schlussfolgerungen hat die Bundesregierung nach dem Brand der
Atlantic Cartier für die Durchführung und Sicherheit von UF6-Transporten
im Speziellen und von Atomtransporten im Allgemeinen gezogen?
Die in Deutschland gültigen Vorschriften zum Transport gefährlicher Güter
legen hohe Anforderungen für den Transport von radioaktiven Stoffen fest.
Speziell für Behälter zum Transport von UF6 sind dabei sowohl die Radioaktivität
als auch die ätzende Wirkung des UF6 berücksichtigt und Widerstandsfähigkeit
gegenüber Stößen, Druck und Feuer nachzuweisen. Bei dem Brand auf der
Jahr Land Ausländischer Lieferant Menge
(kg U)
Importeur/
Empfänger
2007 Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
Russland
Springfields Fuels Ltd., Salwick, Preston
Comurhex, Pierrelatte
Cameco Corp., Port Hope
Honeywell, Metropolis
Techsnabexport, Moskau
779 847
1 245 681
603 604
361 336
169 635
1)
1)
1)
1)
2)
2008 Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
Niederlande
Springfields Fuels Ltd., Salwick, Preston
AREVA NC, Pierrelatte
Cameco Corp., Port Hope
Honeywell, Metropolis
URENCO, Almelo
855 459
1 695 270
134 098
246 238
9 076
1)
1)
1)
1)
3)
2009 Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
Niederlande
Russland
Springfields Fuels Ltd., Salwick, Preston
AREVA NC, Pierrelatte
Cameco Corp., Port Hope
Honeywell, Metropolis
URENCO, Almelo
Techsnabexport, Moskau
1 473 587
1 648 629
134 070
575 749
9 074
100 004
1)
1)
1)
1)
3)
2)
2010 Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
Russland
Springfields Fuels Ltd., Salwick, Preston
Comurhex, Pierrelatte
Cameco Corp., Port Hope
Honeywell, Metropolis
Techsnabexport, Moskau
1 232 817
2 861 994
939 061
197 412
200 100
1)
1)
1)
1)
2)
2011 Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
Springfields Fuels Ltd., Salwick, Preston
Comurhex, Pierrelatte
Cameco Corp., Port Hope
Honeywell, Metropolis
1 743 617
2 930 194
402 412
197 290
1)
1)
1)
1)
2012 Großbritannien
Großbritannien
Frankreich
Kanada
USA
Springfields Fuels Ltd., Salwick, Preston
URENCO, Capenhurst
Comurhex, Pierrelatte
Cameco Corp., Port Hope
Honeywell, Metropolis
962 150
1 295
2 426 043
536 653
197 323
1)
3)
1)
1)
1)
2013 Großbritannien
Frankreich
Kanada
Springfields Fuels Ltd., Salwick, Preston
Comurhex, Pierrelatte
Cameco Corp., Port Hope
1 775 791
1 246 658
1 743 581
1)
1)
1)
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/1726Atlantic Cartier ist kein Gefahrgut freigesetzt worden. Der Schutz von Mensch
und Umwelt blieb gewährleistet. Das bestehende System der atom- und
gefahrgutrechtlichen Regelungen, dem Transporte radioaktiver Stoffe in Deutschland
unterliegen, hat sich auch unter diesen speziellen Bedingungen bewährt.
8. Plant die Bundesregierung die Einführung eines bundesweiten
Gefahrgutinformationssystems für Atomtransporte nach dem Vorbild der
Arrangements im Hamburger Hafen?
Transporte radioaktiver Stoffe unterliegen den gefahrgutrechtlichen Regelungen
für den Transport von radioaktiven Stoffen, die als Klasse 7 in den
Beförderungsvorschriften für alle Gefahrgutklassen integriert sind. Sie sind daher auch
in die Gefahrgutinformationssysteme eingebunden. Für den Transport von
Kernbrennstoffen existiert darüber hinaus in Deutschland bereits ein System,
das auf Genehmigungen und Meldungen beruht.
9. Wie viel Uranhexafluorid lagert derzeit auf dem Gelände der
Urananreicherungsanlage Gronau (bitte nach Natururan – Feed –, angereichertem
Uranhexafluorid – Product – und abgereichertem Uranhexafluorid – Tails –
aufschlüsseln)?
Der Bestand an Uranhexafluorid in der Urananreicherungsanlage Gronau
(UAG) beträgt nach Angaben des Ministeriums für Wirtschaft, Energie,
Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen (MWEIMH)
als atomrechtliche Aufsichts- und Genehmigungsbehörde derzeit (Stand: 23. Mai
2014):
Feed: 6 666,2 t
Product: 435,3 t
Tails: 12 443,2 t.
10. Wie viel abgereichertes Uranhexafluorid aus Gronau lagert derzeit im
Ausland (bitte nach genauem Lagerort, Land, Lagerzweck und jeweiliger
Mengenangabe aufschlüsseln)?
Für die Mengen an ins Ausland exportiertem abgereichertem Uranhexafluorid
wird auf die Antwort zu Frage 5 verwiesen. Abgereichertes Uranhexafluorid
wurde u. a. nach Pierrelatte zur Dekonversion geliefert. Über die weitere
Verwertung des übrigen ins Ausland verbrachten, abgereicherten Uranhexafluorids
liegen der Bundesregierung keine Kenntnisse vor.
11. Wie viel abgereichertes Uranhexafluorid aus Gronau wurde in der
Dekonversionsanlage Pierrelatte bereits in Uranoxid umgewandelt?
Es wurden bereits 12 686 t Uranhexafluorid aus Gronau in der AREVA-
Dekonversionsanlage Pierrelatte in Uranoxid umgewandelt.
Auf die Antwort zu Frage 3 in der Antwort der Landesregierung Nordrhein-
Westfalens auf die Kleine Anfrage 2178 vom 9. April 2014 (Drucksache 16/5732) wird
verwiesen.
Drucksache 18/1726 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode12. Wie viele Tonnen U308 lassen sich durch die Dekonversion aus 1 Tonne
UF6 gewinnen?
Welche Nebenprodukte entstehen dabei in welcher Menge?
UF6 wird normalerweise zunächst unter Zugabe von Wasserdampf durch
Hydrolyse in festes Uranylfluorid (UO2F2) umgewandelt und dann unter Zugabe
von Wasserstoff in U3O8 überführt. Bei der Dekonversion von einer Tonne UF6
entstehen 797 kg U3O8, als Nebenprodukt fallen bei dieser Reaktion 342 kg
Fluorwasserstoff (HF) an. Der Fluorwasserstoff ist ein Industrieprodukt und
kann verkauft und für andere Zwecke wiederverwendet werden.
13. Wann genau ist mit der von der Bundesregierung auf
Bundestagsdrucksache 18/1267 erwähnten „Bauzustandsbesichtigung“ für das neue
Uranoxidlager an der Urananreicherungsanlage Gronau zu rechnen?
Nach Darstellung des MWEIMH ist die Bauzustandsbesichtigung zur
abschließenden Fertigstellung des Uranoxid-Lagers für den 25. Juni 2014 vorgesehen.
14. Was wird bei der „Bauzustandsbesichtigung“ genau von welchen
Behörden und Ministerien überprüft?
Wie bei anderen Bauvorhaben unterliegt auch die Errichtung des Uranoxid-
Lagers baurechtlichen Vorschriften. Die materiellen baurechtlichen
Anforderungen werden – wegen der in § 65 der Bauordnung für das Land Nordrhein-
Westfalen bestimmten Baugenehmigungsfreiheit von Anlagen nach § 7 AtG – im
atomrechtlichen Genehmigungs- und Aufsichtsverfahren geprüft. Deshalb wird
unter anderem vor Nutzung eines neu errichteten Gebäudes eine
„Bauzustandsbesichtigung nach abschließender Fertigstellung“ durchgeführt. Bei einer
solchen Bauzustandsbesichtigung wird abschließend überprüft, ob ein
Bauvorhaben entsprechend der Genehmigung verwirklicht wurde und ob die
Bauauflagen, z. B. hinsichtlich des Brandschutzes, erfüllt sind.
An der Bauzustandsbesichtigung nehmen neben der atomrechtlichen
Aufsichtsbehörde der von ihr hinzugezogene Bausachverständige, der
sicherheitstechnische Sachverständige sowie der Brandschutzsachverständige teil.
Behördlicherseits nehmen außerdem Vertreter der Bezirksregierung Münster, der Stadt
Gronau und der Feuerwehr Gronau teil.
15. Welche Behörden von Bund oder Land sind für die Bearbeitung des noch
ausstehenden Antrags der URENCO auf Inbetriebnahme des
Uranoxidlagers in Gronau zuständig bzw. daran beteiligt?
Die Zuständigkeit liegt beim MWEIMH als atomrechtlichen Aufsichts- und
Genehmigungsbehörde. Die Inbetriebnahme und die Aufnahme des Betriebs
wurden gemäß Auflage 109 des Bescheids 7/6 UAG mit folgendem
Zustimmungsvorbehalt versehen: „Die Inbetriebnahme und die Aufnahme des Betriebs von
mit diesem Bescheid genehmigten Anlagenteilen bedürfen der Zustimmung der
atomrechtlichen Aufsichtsbehörde. Hierzu sind der atomrechtlichen
Aufsichtsbehörde die Ergebnisse der Bauzustandsbesichtigungen und die Ergebnisse der
in diesem Bescheid festgelegten Funktions- und Abnahmeprüfungen der
Sachverständigen bzw. der eigenverantwortlichen Qualitätsstelle der Antragstellerin
vorzulegen.“
Der Zustimmungsvorbehalt dient der abschließenden atomaufsichtlichen
Kontrolle, dass die der Genehmigung zugrunde liegenden sicherheitstechnischen
Anforderungen nachgewiesen wurden und sich seit der Genehmigungserteilung
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/1726keine Erkenntnisse ergeben haben, die einer Aufnahme des Betriebs
entgegenstehen.
16. In welcher Weise werden bei der Prüfung des URENCO-Antrags auch die
Fragen der Sicherung der unverbunkerten Zwischenlagers gegen
Flugzeugabstürze oder eine zeitliche Begrenzung der Einlagerung von
Uranoxid eine Rolle spielen?
Die Sachverhalte wurden bereits im Zuge des Genehmigungsverfahrens zum
Bescheid 7/6 UAG vom 12. Februar 2005 abgehandelt. Sie wurden letztmalig in
die vorgezogene Sicherheitsüberprüfung 2011 des MWEIMH einbezogen.
Daher werden diese Sachverhalte bei der atomaufsichtlichen Zustimmung zur
Inbetriebnahme des Uranoxid-Lagers nicht erneut geprüft.
17. Wann ist mit dem ersten Transport von Uranoxid von Pierrelatte nach
Gronau zu rechnen?
Hierzu liegen noch keine konkreten Zeitplanungen vor.
18. Gab es bereits (Vor-)Anfragen seitens der URENCO oder der
nordrheinwestfälischen Landesregierung oder anderer Verfahrensbeteiligter an die
Bundesregierung oder an Bundesbehörden (z. B. Bundesamt für
Strahlenschutz), die sich mit dem möglichen Bau einer zweiten
Zwischenlagerhalle für Uranoxid in Gronau beschäftigten (falls ja, bitte nach
Anfragendem, Datum, Zweck der Anfrage und Ergebnis der Anfrage
aufschlüsseln)?
Anfragen an das MWEIMH als atomrechtliche Aufsichts- und
Genehmigungsbehörde oder an die Bundesregierung gab es bisher nicht. Die URENCO
Deutschland hat bisher weder einen Antrag zum Bau einer zweiten
Zwischenlagerhalle gestellt noch angekündigt.
19. Mit welchen Mengen von abgereichertem Uran (in Tonnen und
Kubikmetern) rechnet die Bundesregierung derzeit konkret für die spätere
Endlagerung des abgereicherten Urans aus Gronau?
Nach Angaben des Betreibers der UAG fällt gegenwärtig abgereichertes Uran
nicht als radioaktiver Abfall an. Laut URENCO (Betreiber) bestehen
Verwertungsmöglichkeiten. Da die Mengenabgaben zu den beabsichtigten
Verwertungsmöglichkeiten des Betreibers nicht abschließend vorliegen, kann über die
Menge zur Endlagerung derzeit keine Angabe erfolgen.
20. Wie viel Tonnen abgereichertes UF6 enstehen bei Volllastbetrieb der
Urananreicherungsanlage Gronau bis zu den Jahren 2020, 2030, 2040,
2050?
Was würde dies mengen- und volumenmäßig nach erfolgter
„Dekonversion“ in U308 bedeuten (in unkonditioniertem Zustand)?
Die Menge an UF6-Tails, die in der UAG anfällt, hängt von der in Betrieb
befindlichen Anlagenkapazität, der Fahrweise der Anlage und den eingestellten
An- und Abreicherungsgraden ab. Daher kann die Bundesregierung hierzu keine
Angaben machen.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 11 verwiesen.
Drucksache 18/1726 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode21. Gibt es bereits Konditionierungsmöglichkeiten für abgereichertes UF6
und/oder U308?
Wenn ja, wie siehen diese aus, und wo werden sie angewandt?
Abgereichertes Uranhexafluorid kann mittels Dekonversion in Anlagen zur
Dekonversion in das chemisch stabile Uranoxid umgewandelt werden. Weitere
Aussagen zur Konditionierung und damit zu endlagerfähigen Gebinden,
Behältern und Endlagervolumen sind ohne Kenntnisse des Wirtsgesteins des
zukünftigen Endlagers nicht möglich.
22. Auf welche Weise spielt der Uranmüll aus Gronau bei der derzeitigen
Endlagersuche der Bundesregierung eine Rolle?
Die in Deutschland anfallenden Rückstände aus der Urananreicherung werden
von der Bundesregierung bei der Endlagerplanung als eventuell anfallende
radioaktive Abfälle berücksichtigt.
23. Wie konkret verfolgt die Bundesregierung das Ziel, das abgereicherte
Uran aus Gronau zusammen mit den abgebrannten Brennelementen
endzulagern?
Auf die Antwort zu Frage 22 wird verwiesen.
24. Was würde eine solche gemeinsame Endlagerung volumenmäßig für die
Größe des zu suchenden Endlagers für abgebrannte Brennelemente
bedeuten?
Das für die Endlagerung aufzufahrende Volumen würde sich vergrößern. Im
Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 21 wird verwiesen.
25. Auf welche Weise wird sich die von der Bundesregierung anvisierte
„Endlagerkommission“ mit der sicheren Endlagerung des abgereicherten Urans
aus Gronau beschäftigen, da dies ja unmittelbare Auswirkungen auf die
Größe des zu suchenden Endlagers für abgebrannte Brennelemente hat?
Die Kommission ist beim federführenden Ausschuss des Deutschen
Bundestages eingerichtet.
Sie hat nach Standortauswahlgesetz insbesondere einen Bericht vorzulegen, in
dem sie die für das Auswahlverfahren relevanten Grundsatzfragen für die
Entsorgung radioaktiver Abfälle untersucht und bewertet, sowie Vorschläge für
Entscheidungsgrundlagen und eine entsprechende Handlungsempfehlung für den
Deutschen Bundestag und den Bundesrat erarbeitet.
Über ihr Arbeitsprogramm entscheidet die Kommission in eigener
Verantwortung.
26. Ist für die Bundesregierung – z. B. aus Kapazitätsgründen bei einem
einzigen Endlager für abgebrannte Brennelemente sowie U308 – auch der
Bau eines eigenen Endlagers nur für das abgereicherte Uran aus Gronau
denkbar?
Auf die Antwort zu Frage 22 wird verwiesen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/172627. Bis wann muss aus Sicht der Bundesregierung eine Entscheidung über die
Endlagerungsweise und den Endlagerort des abgereicherten Urans aus
Gronau fallen, um eine angemessene Vorlaufzeit beim Bau des
notwendigen Endlagers zu ermöglichen?
URENCO als Betreiberfirma der UAG betrachtet das bei der Urananreicherung
entstehende abgereicherte Uran (Tails) nicht als radioaktiven Abfall, sondern als
Reststoff, der weiter verwertet werden kann. Gleichwohl berücksichtigt die
Bundesregierung aus Gründen der Vorsorge die Urantails bei der
Endlagerplanung.
28. In welcher Höhe hat die URENCO derzeit Rückstellungen für die
schadlose Entsorgung des eigenen Atommülls getroffen?
Mit Stand des Jahresabschlusses zum 31. Dezember 2013 beträgt die Höhe der
Rückstellungen der URENCO Deutschland GmbH für die Entsorgung und
Stilllegung der UAG 171 281 605 Euro. Davon entfallen 137 665 264 Euro auf
Rückstellungen für die Entsorgung und 33 616 341 Euro auf Rückstellungen für
die Stilllegung.
29. Welche Interessenkonflikte könnten sich aus der Berufung von Herrn Prof.
Dr. Gerd Jäger in der Atommüll-Endlager-Kommission ergeben, wenn es
z. B. um die Frage der Endlagerung des Gronauer Uranmülls geht?
30. Befürwortet die Bundesregierung, dass aktive Atommanager in die
Atommüll-Endlager-Kommission berufen werden?
Die Fragen 29 und 30 werden gemeinsam beantwortet.
Die Zusammensetzung der Kommission wird durch das Standortauswahlgesetz
vorgegeben. Demnach besteht die Kommission u. a. aus je zwei Vertretern der
Umweltverbände, der Religionsgemeinschaften, der Wirtschaft und der
Gewerkschaften. Professor Dr. Gerd Jäger wurde als Vertreter der Wirtschaft
benannt und vom Deutschen Bundestag und Bundesrat als Mitglied der
Kommission gewählt.
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ISSN 0722-8333]