[Deutscher Bundestag Drucksache 18/1749
18. Wahlperiode 12.06.2014Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Luise Amtsberg, Omid Nouripour,
Volker Beck (Köln), weiterer Abgeordneter und der Fraktion
BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/1548 –
Probleme im elektronischen Terminvergabeverfahren der deutschen Botschaft in
Beirut und an anderen Standorten
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die humanitäre Lage in Syrien ist dramatisch. Aufgrund des Bürgerkriegs
wurden nach Angaben des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen
(UNHCR) bisher über 2,5 Millionen Syrerinnen und Syrer als Flüchtlinge in
den Nachbarländern registriert oder warten auf ihre Registrierung. In ihrem
eigenen Land wurden bisher 6,5 Millionen Syrer vertrieben. Zehntausende von
ihnen suchen Schutz in Deutschland. Neben der bereits überzeichneten
Kontingentaufnahmeprogramme für bisher insgesamt 10 000 Flüchtlingen haben
Syrerinnen und Syrer mit Familienangehörigen in Deutschland, basierend auf den
Erlassen aller Bundesländer (außer Bayern), die Möglichkeit, im Rahmen der
Familienzusammenführung einzureisen. Die bisher geringe Zahl der in diesem
Rahmen aufgenommenen Syrerinnen und Syrer ist zum einen auf die hohen
bürokratischen Erfordernisse zurückzuführen. Zum anderen ist es für die
Antragstellerinnen und Antragsteller nach Information der Fragesteller nahezu
unmöglich, einen Termin bei der deutschen Botschaft in Beirut zu vereinbaren.
Die deutsche Botschaft nutzt ein elektronisches Verfahren, bei welchem die
Antragstellenden über eine Onlinemaske einen Termin auswählen können.
Berichten der „WELT am SONNTAG“ vom 7. April 2014 zufolge, ist es bei
diesem Verfahren in der Vergangenheit zu systematischen Manipulationen bei der
Vergabe von Terminen gekommen. Wegen einer Lücke im Schutz des Systems
konnten die Termine von illegalen Schwarzhändlern geblockt werden und
waren nur noch auf dem Schwarzmarkt gegen Geld zu erwerben. Dieses
Problem betraf gleichermaßen die Reservierungssysteme für alle Formen der
Einreise (Touristenvisa, Familiennachzug, Visa für Studien- oder
Arbeitsaufenthalte).
Die Bundesregierung hat auf die Schriftlichen Fragen 12 bis 14 der
Abgeordneten Luise Amtsberg auf Bundestagsdrucksache 18/1197 erklärt, dass das
Auswärtige Amt seit Oktober 2013 von den Missbräuchen bei der
Onlineterminvergabe an der deutschen Botschaft in Beirut wusste. Das System zur
Terminvergabe wurde jedoch erst Mitte März dieses Jahres abgeschaltet und durch Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 10. Juni 2014 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/1749 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeein überarbeitetes Terminbuchungssystem am 7. April 2014 ersetzt. Die
Bundesregierung gab in diesem Kontext an, durch eine Erhöhung der Kapazitäten
in der deutschen Botschaft nun über ausreichend freie Termine zu verfügen, um
den Überhang an Antragstellerinnen und Antragsteller bedienen zu können, der
durch die monatelangen Probleme entstanden war. Berichte etlicher
Betroffener aus Syrien und dem Libanon widersprechen diesen Aussagen.
Über die Manipulationsanfälligkeit von Terminbuchungssystemen auch in
anderen deutschen Auslandsvertretungen wurde bereits in der Vergangenheit
wiederholt berichtet. Entsprechende Hinweise hat die Bundesregierung bisher
dementiert (Bundestagsdrucksache 18/1212).
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung weist im Zusammenhang mit dieser Kleinen Anfrage
erneut auf die dramatischen menschlichen und institutionellen Folgen des
syrischen Bürgerkriegs hin. Die dadurch geschaffenen Rahmenbedingungen
stellen die betroffenen deutschen Auslandsvertretungen bei der Visumvergabe
vor schwierigste Herausforderungen. Die Begleitung oftmals schwer
traumatisierter Flüchtlingsfamilien durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der
Auslandsvertretungen erfordert erhebliches Fingerspitzengefühl, mehr Zeitaufwand
und eine wesentlich höhere Flexibilität als die Bearbeitung von Visumanträgen
unter sonst gegebenen Bedingungen. Die deutsche Botschaft in Beirut, die
neben dem laufenden Betrieb Anfang des Jahres 2012 das Personal und die
Aufgaben der Botschaft Damaskus übernommen hat, setzt dabei seit Mitte des
Jahres 2013 den größten Anteil der zwei Flüchtlingsprogramme des Bundes und der
15 Programme der Länder um. Dazu bedurfte es unter anderem einer ständigen
Erweiterung der Antragsannahmekapazitäten, der Anpassung interner
Verfahrensabläufe, der Verstärkung des Personals und einer engen Abstimmung mit
externen Partnern vor Ort. In diesem schwierigen Umfeld hat das Auswärtige Amt,
wie in der Antwort der Bundesregierung zu Frage 37 der Kleinen Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/1212 vom 24. April 2014
dargelegt, aktiv und umsichtig auf sich verdichtende Hinweise auf
missbräuchliches Vorgehen einiger Agenturen reagiert. Im Übrigen wird auf die Antwort zu
Frage 3 verwiesen.
Nach derzeitigem Stand sind über 10 000 Flüchtlinge aus Syrien im Rahmen der
genannten Programme nach Deutschland eingereist. Auf der Grundlage von
Vorschlägen u. a. des Büros des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten
Nationen (UNHCR) in der Libanesischen Republik erfolgt eine Auswahl der
aufzunehmenden Flüchtlinge durch die jeweils zuständige Innenbehörde. Dies
geschieht anhand der in den Aufnahmeanordnungen festgelegten Kriterien. An
die Entscheidung über die Aufnahme schließt sich ein für die Einreise nach
Deutschland unverzichtbares Visumverfahren an. Darüber hinaus muss für die
Flüchtlinge, die unter dem ersten Bundesprogramm mit Charter-Flügen des
Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge nach Deutschland ausreisen, eine
Ausreisegenehmigung der libanesischen Behörden vorliegen.
Wie in der Antwort der Bundesregierung vom 15. April 2014 auf die Schriftliche
Frage 14 der Abgeordneten Luise Amtsberg auf Bundestagsdrucksache 18/1197
dargelegt, mussten Flüchtlinge aus Syrien, die über die Flüchtlingsprogramme
des Bundes oder der Länder aufgenommen werden, zu keinem Zeitpunkt das
Onlineterminbuchungssystem der deutschen Botschaft in Beirut nutzen. Sie
werden stattdessen von der Botschaft nach Eingang des Aufnahmebescheids
telefonisch oder per E-Mail kontaktiert, um einen Termin für die
Visumbeantragung zu vereinbaren. Intern besteht die Vorgabe, dass jeder Flüchtling von der
Botschaft innerhalb einer Woche nach Eingang des Aufnahmebescheids
kontaktiert wird und ihm ein Termin innerhalb der nächsten drei Wochen angeboten
wird. Dabei gibt es eine nicht unerhebliche Anzahl von Flüchtlingen aus Syrien,
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/1749die darum bittet, dass ihr Termin verschoben wird. Die Gründe hierfür sind meist
persönlicher Natur (u. a. Abschluss des Schuljahres, Beendigung des Semesters
vor der Ausreise).
Für Flüchtlinge aus Syrien, die das Büro des Hohen Flüchtlingskommissars der
Vereinten Nationen (UNHCR) in der Libanesischen Republik vorschlägt,
werden die Vorsprachetermine in Abstimmung mit der Internationalen Organisation
für Migration (IOM) vereinbart, die Implementierungspartner im Rahmen des
Bundesprogramms gemäß der Aufnahmeanordnung des Bundesministeriums
des Innern vom 30. Mai 2013 ist.
Entgegen den Ausführungen in der Vorbemerkung der Fragesteller wurde nicht
das gesamte System zur Terminvergabe Mitte März 2014 abgeschaltet. Vielmehr
wurde zum 14. März 2014 das Angebot der Onlineterminbuchung für
libanesische und palästinensische Antragsteller, die ein Visum zum Zweck der
Familienzusammenführung beantragen möchten, ausgesetzt und die Möglichkeit
geschaffen, persönlich zur Terminvereinbarung vorzusprechen. Diese Art der
Terminvereinbarung wird von den Antragstellern gut angenommen. Im Übrigen
wird auf die Antwort zu den Fragen 3, 9 und 10 verwiesen.
1. Wie hoch waren nach Kenntnis der Bundesregierung die Preise, für die ein
Termin in der deutschen Botschaft in Beirut auf dem Schwarzmarkt
verkauft wurde, und welche weiteren konkreten Erkenntnisse liegen der
Bundesregierung über die Hintergründe des Schwarzmarkthandels mit
Terminen an der deutschen Botschaft in Beirut vor?
Wie in der Antwort der Bundesregierung zu Frage 37 der Kleinen Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/1212 vom 24. April 2014
dargelegt, sind nach Kenntnis der deutschen Botschaft in Beirut Agenturen tätig,
die den Terminbuchungsvorgang – und in vielen Fällen auch Übersetzungen und
Urkundenbeschaffungen – im Auftrag des Antragstellers vornehmen. Eine
Terminbuchung im Onlineterminbuchungssystem der Botschaft führt nur dann zu
einer persönlichen Vorsprache, wenn die beim Buchungsvorgang eingegebenen
Daten (Nachname, Vorname, Geburtsdatum, Passnummer) mit den Daten des
Antragstellers bei dessen persönlicher Vorsprache übereinstimmen. Andernfalls
wird der Antragsteller nicht eingelassen. Dies setzt voraus, dass Dritte, z. B.
Terminagenturen, beim Terminbuchungsvorgang über die Daten des Antragstellers
verfügen. Das ist ohne deren Zustimmung nicht möglich. Vor diesem
Hintergrund ist der in der Fragestellung verwendete Begriff des „Schwarzmarktes“
ungenau, da die auftragsweise Buchung von Terminen nicht verboten ist. Vielmehr
erlaubt dieses System denjenigen Antragstellern, die beispielsweise nicht über
einen eigenen Internetanschluss verfügen, in Deutschland lebende Verwandte,
Freunde oder andere Dritte mit der Buchung eines Termins im
Onlineterminbuchungssystem der Botschaft zu beauftragen, wenn sie ihnen ihre dafür
erforderlichen persönlichen Daten überlassen.
An der deutschen Botschaft in Beirut hatten sich jedoch im vierten Quartal des
Jahres 2013 Hinweise verdichtet, dass Agenturen im Auftrag von Antragstellern
technische Hilfsmittel einsetzen, um jeden frei werdenden Termin mit den
erforderlichen Daten von Antragstellern zu melden und binnen kürzester Zeit zu
belegen. Die Botschaft vermutet überdies, ohne dies endgültig verifizieren zu
können, dass einzelne Agenturen mehr Termine als nötig blockierten, um das
Angebot an Terminen künstlich zu verknappen.
Die Preise, die für die Terminbuchung von den Antragstellern gefordert wurden,
sind der Bundesregierung nicht bekannt. Über die Hintergründe dieses
Vorgehens kann nur spekuliert werden. Naheliegend ist jedoch, dass mit der
künstlichen Verknappung des Terminangebots die kostenfreie Terminbuchung er-
Drucksache 18/1749 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeschwert werden sollte, um die Antragsteller dazu zu bewegen, die –
kostenpflichtigen – Dienste von Agenturen in Anspruch zu nehmen.
2. Gab es nach Kenntnis der Bundesregierung Ermittlungen durch die
libanesischen Behörden aufgrund des Schwarzmarkthandels mit Terminen an der
deutschen Botschaft in Beirut, und wenn ja, mit welchem Ergebnis?
Zum Begriff des „Schwarzmarkthandels“ mit Terminen an der deutschen
Botschaft in Beirut wird auf die Antwort zu Frage 1 verwiesen. Aus Sicht der
libanesischen Behörden ist die auftragsweise Buchung von Terminen (sowie die
Zusammenstellung von Unterlagen) rechtlich nicht zu beanstanden.
3. Wie begründet die Bundesregierung den Sachverhalt, dass von Oktober
2013 an mehr als ein halbes Jahr vergangen ist, um auf die in der
Vorbemerkung der Fragesteller geschilderten Manipulationen bei der
Onlineterminvergabe mit konkreten Maßnahmen zu reagieren und das
Terminbuchungssystem zu überarbeiten?
Wie in der Antwort der Bundesregierung zu Frage 37 der Kleinen Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/1212 vom 24. April 2014
dargelegt, wurde nicht erst ein halbes Jahr nach Eingang der Hinweise auf das
geschilderte Vorgehen einiger Agenturen reagiert.
Zunächst wurden zusätzliche Termine angeboten und offensichtlich
„blockweise“ gebuchte Termine gelöscht. Damit wurde das Angebot an freien
Terminen erhöht. Darüber hinaus fand vom 2. bis 4. Dezember 2013 eine
Kurzevaluierungsreise von Fachleuten aus der Zentrale des Auswärtigen Amts an die
deutsche Botschaft in Beirut statt, um die Optionen für eine Erhöhung der
Bearbeitungskapazitäten zu prüfen. Ebenfalls im Dezember 2013 wurde eine
grundlegende fachliche Neukonzeption für das Onlineterminbuchungssystem in
Auftrag gegeben, auf deren Grundlage das Buchungssystem neu entwickelt
werden soll. Zusätzlich wurde eine technische Überarbeitung des bestehenden
Onlineterminbuchungssystems konzipiert, die im Februar 2014 entwickelt und im
März 2014 unter technischen und fachlichen Gesichtspunkten erfolgreich
getestet werden konnte. Diese Version konnte am 7. April 2014 für den
Produktivbetrieb freigeschaltet werden.
Vom 17. bis 21. Februar 2014 fand eine erneute Beratungsreise aus der Zentrale
an die deutsche Botschaft in Beirut statt. Dabei wurden unter anderem
erhebliche Kapazitätserhöhungen für Termine zur Entgegennahme von
Visumanträgen sowie weitere organisatorische Ablaufänderungen empfohlen. Mit Wirkung
vom 1. März 2014 wurden die Terminkapazitäten an der deutschen Botschaft in
Beirut durch die Einführung von Spätschichten unter der Woche (Montag bis
Donnerstag von 16.00 bis 20.00 Uhr, Freitag bis 18.00 Uhr) sowie von
Samstagsschichten erheblich erhöht. Zum 14. März 2014 wurde das Angebot der
Onlineterminbuchung für libanesische und palästinensische Antragsteller, die
ein Visum zum Zweck der Familienzusammenführung beantragen möchten,
ausgesetzt und die Möglichkeit geschaffen, persönlich zur Terminvereinbarung
vorzusprechen. Diese Art der Terminvereinbarung wird von den Antragstellern
gut angenommen.
Am 19. und 20. Mai 2014 fand eine dritte Evaluierungsreise von Fachleuten
unter der Leitung des Beauftragten für den Rechts- und Konsularbereich
einschließlich Migrationsfragen an die deutsche Botschaft in Beirut statt. Es konnte
festgestellt werden, dass die beschriebenen Umstellungen maßgeblich dazu
beitragen, den aktuellen Antragszahlen gerecht zu werden. Wie in der
Vorbemerkung der Bundesregierung ausgeführt, setzt die Situation in Syrien einem
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/1749reibungslosen Visumverfahren und der Umsetzung der Flüchtlingsprogramme
allerdings Grenzen, die die deutsche Botschaft in Beirut nicht beeinflussen kann.
4. Was sind die konkreten Überarbeitungen, die im Onlinesystem in Beirut
unternommen wurden, „mit denen einer automatisierten Eintragung in das
bestehende Onlineterminbuchungssystem von persönlichen Daten von
Antragstellern entgegengewirkt werden kann“ (Antwort der Bundesregierung
auf die Schriftlichen Fragen 12 bis 14 der Abgeordneten Luise Amtsberg
auf Bundestagsdrucksache 18/1197)?
Das Onlineterminbuchungssystem hatte bereits vor seiner am 7. April 2014
freigeschalteten technischen Überarbeitung zwingend vorausgesetzt, dass ein so
genanntes Captcha (Completely Automated Public Turing test to tell Computers
and Humans Apart) zum Abschluss der Onlineterminbuchung eingegeben
wurde. Der Einsatz von „Captchas“ erzwingt die Eingabe durch einen Menschen
und verhindert damit, dass Terminbuchungen rein maschinell und binnen
Bruchteilen von Sekunden durchgeführt werden können. Damit konnte
ausgeschlossen werden, dass Terminbuchungen allein durch den Einsatz entsprechender
Software erzeugt werden.
Mit der technischen Überarbeitung des Onlineterminbuchungssystems vom
7. April 2014 wurde eine weitere Sicherung freigeschaltet: Damit ist ein
„Captcha“ bereits einzugeben, bevor die Sicht auf die buchbaren Termine
freigegeben wird. Mit diesem Verfahren wird zusätzlich verhindert, dass das
Onlineterminbuchungssystem im Sekundenzyklus durch eine entsprechende
Software auf freigegebene Termine überprüft wird, um sodann die
Buchungsdaten binnen Sekunden einzugeben. Im Rahmen der vorgenannten dritten
Evaluierungsreise nach Beirut wurde die Wirksamkeit dieser Maßnahmen vor Ort
von einem Fachmann überprüft.
5. Wie beabsichtigt die Bundesregierung künftig zu vermeiden, dass in
Zukunft die Schutzmaßnahmen des Systems gegen illegale Buchungen auf
neuen Wegen überlistet werden?
Wie in der Antwort zu Frage 3 dargelegt, wurde im Dezember 2013 eine
grundlegende fachliche Neukonzeption für ein Onlineterminbuchungssystem
beauftragt, auf deren Grundlage das Buchungssystem neu entwickelt werden soll. Im
Rahmen dieser Neukonzeption wird auch das implementierte
Verteilungsverfahren für die Vergabe von Terminen in den unterschiedlichen
Nachfragesituationen (Schwachlast-, Schwachlast- mit Terminkonkurrenz sowie temporäre
Überlastsituation) überprüft und fortentwickelt.
6. Mit welcher Begründung wird syrischen Flüchtlingen die Möglichkeit zur
persönlichen Terminvergabe an der deutschen Botschaft in Beirut verwehrt,
während das Verfahren für libanesische und palästinensische Antragsteller
am 14. März 2013 auf persönliche Terminvergaben umgestellt wurde
(Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 12 der Abgeordneten
Luise Amtsberg auf Bundestagsdrucksache 18/1197)?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung wird verwiesen. Flüchtlinge aus
Syrien, die über die Flüchtlingsprogramme des Bundes oder der Bundesländer
in Deutschland Aufnahmen finden, werden von der Botschaft telefonisch oder
per E-Mail kontaktiert, um einen Termin für die Visumbeantragung zu
vereinbaren. Auch aufgrund der Sicherheitslage im syrisch-libanesischen Grenzgebiet
sollte die Anzahl der Vorsprachen vor Ort in der Botschaft im Interesse der
Flüchtlinge selbst möglichst gering gehalten werden.
Drucksache 18/1749 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode7. In welcher Weise und zu welchem Zweck verwenden Agenturen das Logo der
deutschen Botschaft in Beirut, und welche Antwort haben die libanesischen
Behörden der deutschen Botschaft auf eine entsprechende Unterlassungsbitte
gegeben (Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 12 der
Abgeordneten Luise Amtsberg auf Bundestagsdrucksache 18/1197)?
Die deutsche Botschaft in Beirut hat erstmals und bisher einmalig Anfang April
2014 von der Existenz einer geschlossenen Facebook-Gruppe erfahren, in der
ein Anbieter vorgab, Termine gegen Entgelt zu vereinbaren und dabei das Logo
der deutschen Botschaft benutzte. Die Botschaft hat den Vorfall noch am
gleichen Tag den libanesischen Behörden gemeldet. Die dortigen Ermittlungen
wurden Ende April 2014 eingestellt, nachdem bekannt wurde, dass der Betreiber der
Facebook-Gruppe in Syrien ansässig ist. Mittlerweile ist die Facebook-Gruppe
nicht mehr auffindbar. Sollten sich vergleichbare Fälle wiederholen, wird die
Botschaft parallel über Facebook selbst auf eine Abschaltung derartiger
Gruppen drängen.
8. Wie bemisst die Bundesregierung eine ausreichende Menge verfügbarer
Termine in der deutschen Botschaft in Beirut?
Die Zahl der verfügbaren Termine ist dann ausreichend, wenn alle Antragsteller
innerhalb der rechtlich vorgesehenen Fristen (für so genannte Schengenvisa
vergleiche Artikel 9 Absatz 2 Satz 2 des Visakodex) bzw. im Falle der Flüchtlinge
einen Termin innerhalb von drei Wochen erhalten können. Im Übrigen wird auf
die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
9. Wie lange sind nach Kenntnis der Bundesregierung die derzeitigen
Wartezeiten für einen Termin bei der deutschen Botschaft in Beirut (bitte
Wartezeit für syrische Antragstellerinnen und Antragsteller einzeln angeben), und
wie lang im Voraus sind die Termine online vergeben?
Auf die Vorbemerkung der Bundesregierung wird verwiesen. Neben den
herausfordernden Umständen wird dort auch die Vorgabe dargelegt, dass jeder
Flüchtling von der Botschaft innerhalb einer Woche nach Eingang des
Aufnahmebescheids kontaktiert wird und ihm ein Termin innerhalb der nächsten drei
Wochen angeboten wird. Diese Vorgabe wird eingehalten.
Für syrische Flüchtlinge, die das Büro des Hohen Flüchtlingskommissars der
Vereinten Nationen (UNHCR) in der Libanesischen Republik vorschlägt,
werden die Vorsprachetermine in Abstimmung mit der Internationalen Organisation
für Migration (IOM) vereinbart, die Implementierungspartner im Rahmen des
Bundesprogramms gemäß der Aufnahmeanordnung des Bundesministeriums
des Innern vom 30. Mai 2013 ist. Für diese Flüchtlinge werden Termine an
Samstagen vergeben. Derzeit kann die Botschaft Termine mit einer Vorlaufzeit
von 14 Tagen anbieten.
Syrische Antragsteller, die keine Flüchtlinge sind, sondern im Rahmen regulärer
Visumverfahren nach Deutschland einreisen möchten, müssen einen Termin
über das Onlineterminbuchungssystem der deutschen Botschaft in Beirut
buchen.
Mit Stand 27. Mai 2014 sind für „vielreisende“ Antragsteller für ein
Schengenvisum freie Termine ab 2. Juni 2014 verfügbar. Wie alle Antragsteller für ein
Schengenvisum haben auch syrische Antragsteller gemäß den rechtlichen
Vorgaben des Visakodex ihre Rückkehrbereitschaft nachzuweisen. Die Erfahrung
zeigt, dass dies unter den gegenwärtigen Bedingungen in Syrien besonders
schwierig ist und die Erfolgsaussichten auf eine Visumerteilung gering sind.
Daher wird in Beirut vorrangig solchen Antragstellern ein Termin angeboten, die
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/1749in den vergangenen 24 Monaten ein Schengenvisum erhalten und
ordnungsgemäß genutzt haben („Vielreisende“). Vor diesem Hintergrund sind derzeit für
sonstige Antragsteller für ein Schengenvisum freie Termine erst ab 30. Juni
2014 verfügbar. Darüber hinaus werden jedoch für beide Antragstellergruppen
(„Vielreisende“ und sonstige Antragsteller für ein Schengenvisum) zusätzliche
Termine in Notfällen, zum Beispiel zur medizinischen Behandlung, vergeben,
wenn der Antragsteller die Botschaft per E-Mail kontaktiert und den Notfall
darlegt. In diesen Fällen kann die Vorsprache bereits für den Folgetag angeboten
werden.
Antragsteller für ein nationales Visum zum Aufenthalt von mehr als drei
Monaten zu anderen Zwecken als Familienzusammenführung (z. B. Studium,
Erwerbstätigkeit, Sprachkurs) erhalten freie Termine ebenfalls ab 30. Juni 2014.
Für syrische Antragsteller, die ein nationales Visum zu Studienzwecken
beantragen möchten, wird die Terminvergabe derzeit umgestellt. Antragsteller, die über
einen Zulassungsbescheid, eine Anmeldung zu einem Sprachkurs und einen
Lebensunterhaltsnachweis verfügen, wird angeboten werden, diese Unterlagen
eingescannt an die Visastelle an eine gesonderte E-Mail-Adresse zu übermitteln,
um einen vorgezogenen Termin zu erhalten. Dieses Verfahren wird parallel zur
Terminvergabe über das Onlineterminbuchungssystem durchgeführt. Die
Umstellung ist der Feststellung geschuldet, dass zahlreiche Antragsteller, die ein
nationales Visum zu Studienzwecken beantragen möchten, nicht zum
vereinbarten Termin erscheinen. Ein Grund dafür ist, dass es nicht allen Antragstellern
gelingt, die für die Antragstellung erforderlichen Unterlagen rechtzeitig
zusammenzustellen. Nicht auszuschließen ist jedoch auch, dass mit Buchungen
fiktiver Antragsteller eine künstliche Verknappung des Terminangebots
herbeigeführt werden soll. Da sich die überwiegende Mehrzahl dieser Antragsteller in
Syrien aufhält, soll ihnen mit dem beschriebenen „neuen“ Verfahren die Anreise
nach Beirut ausschließlich zu einer persönlichen Terminvereinbarung erspart
werden.
Für Antragsteller für ein nationales Visum zur Familienzusammenführung in
Deutschland (Ehegatten, Verlobte, Kinder, sonstige Familienangehörige) sind
freie Termine ab 30. Juni 2014 verfügbar. Darüber hinaus werden häufig noch
Termine kurzfristig durch Stornierungen frei. In zeitkritischen Fällen können
Sondertermine vereinbart werden.
Antragsteller, die ein nationales Visum beantragen, buchen die Termine zur
Vorsprache in der Botschaft in der Regel frühzeitig, um bis zur Vorsprache die für
den Visumantrag notwendigen Unterlagen zusammenzustellen. In allen
Antragstellerkategorien gibt es kaum Beschwerden über lange Wartezeiten.
Die Termine werden vier bis sechs Wochen im Voraus vergeben.
10. Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass Antragstellerinnen und
Antragsteller, die von den Terminmanipulationen betroffen waren, keine
Nachteile durch lange Wartezeiten haben?
Wie in der Antwort zu Frage 3 dargelegt, wurde zum 14. März 2014 für die bis
dahin von langen Wartezeiten besonders betroffenen libanesischen und
palästinensischen Antragsteller, die ein Visum zum Zweck der
Familienzusammenführung beantragen möchten, die Möglichkeit geschaffen, persönlich zur
Terminvereinbarung vorzusprechen. Diese Art der Terminvereinbarung wird gut
angenommen. Für die anderen Antragsteller ist dank der erheblichen Erhöhung
der Terminkapazitäten eine reguläre Terminvereinbarung über das
Onlineterminbuchungssystem der Botschaft möglich. Zum Sonderfall der syrischen
Antragsteller für ein so genanntes Schengenvisum wird auf die Antwort zu Frage 9
verwiesen.
Drucksache 18/1749 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode11. Was sind die Auswirkungen der erschwerten Terminvergabe für die
Aufnahme syrischer Flüchtlinge, denen im Rahmen der
Familienzusammenführung durch die Erlasse der Bundesländer eine Einreise nach
Deutschland gewährt werden soll?
Auf die Antwort zu Frage 6 und die Vorbemerkung der Bundesregierung wird
verwiesen. Sämtliche Termine für Vorsprachen im Rahmen der Programme der
Länder werden per E-Mail und telefonisch vergeben. In keinem Fall kommt
hierbei das elektronische Terminbuchungssystem zum Einsatz.
12. Unterscheiden die Visastellen in den Anrainerstaaten Syriens bei der
Terminvergabe nach der Staatsangehörigkeit des Antragstellers?
Wenn ja, welche Staatsangehörigen erhalten an welcher Visastelle
schneller Termine (bitte aufschlüsseln nach Visakategorie)?
An allen deutschen Visastellen in den Anrainerstaaten Syriens gilt, dass
Flüchtlinge aus Syrien, die im Rahmen der Flüchtlingsprogramme des Bundes und der
Bundesländer nach Deutschland einreisen möchten, bevorzugt Termine
erhalten.
Zum Verfahren an der deutschen Botschaft in Beirut wird auf die Vorbemerkung
der Bundesregierung verwiesen.
13. In welchen deutschen Auslandsvertretungen wird nach Kenntnis der
Bundesregierung ein Onlineverfahren zur Terminvergabe für Visaanträge
genutzt, und welches Terminbuchungssystem wird dafür verwendet (bitte
alle Auslandsvertretungen ggf. mit den jeweils technisch
unterschiedlichen Terminbuchungssystemen auflisten)?
Auf die als Anlage beigefügte Übersicht wird verwiesen.
14. In welchen Auslandsvertretungen lagen nach Kenntnis der
Bundesregierung seit dem Jahr 2010 Beschwerden über Manipulationen bei der
Onlineterminvergabe vor, und was waren die jeweiligen Maßnahmen der
Bundesregierung, um den Beschwerden nachzugehen und die Mängel
gegebenenfalls zu korrigieren (bitte einzeln ausführen)?
Wie in der Antwort der Bundesregierung zu Frage 37 der Kleinen Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/1212 vom 24. April 2014
dargelegt, sind die Auslandsvertretungen mündlich, schriftlich oder am Telefon
vorgetragenen Vorwürfen über Unregelmäßigkeiten im Visumverfahren
ausgesetzt. Dazu gehören auch Beschwerden über angebliche Manipulationen bei der
Onlineterminvergabe. Die Auslandsvertretungen sind gehalten, sich bei
Problemen mit der Onlineterminvergabe bei den zuständigen Arbeitseinheiten der
Zentrale des Auswärtigen Amts zu melden. Dies schließt die Fälle ein, in denen der
begründete Verdacht besteht, dass die Onlineterminvergabe aufgrund einer
Sicherheitslücke im System manipuliert wird. Anders als in der Vorbemerkung der
Fragesteller dargestellt, hat die Bundesregierung in der Kleinen Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/1212 vom 24. April 2014
nicht dementiert, dass es Hinweise auf eine Manipulationsanfälligkeit des an den
deutschen Auslandsvertretungen genutzten Terminbuchungssystems gebe. Zu
den Hinweisen auf eine Manipulationsanfälligkeit wird auf die Antwort der
Bundesregierung zu Frage 38 der vorgenannten Kleinen Anfrage verwiesen.
Ergänzend wird darauf hingewiesen, dass das Onlineterminbuchungssystem des
Auswärtigen Amts zwar an einer Vielzahl von Auslandsvertretungen eingesetzt
wird (vgl. Antwort zu Frage 13), aber nicht an allen. Der Grund dafür ist, dass
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/1749nicht in allen Ländern die dafür erforderliche Internet-Durchdringung
vorhanden ist. So wurde das Onlineterminbuchungssystem des Auswärtigen Amts im
Frühjahr 2013 in der Republik Kamerun ein Jahr nach dessen Inbetriebnahme
wieder abgestellt, nachdem es Hinweise gab, dass zahlreiche Antragsteller ihre
Termine entgegen den Erwartungen nicht nach den vorgesehenen Kategorien
(C- bzw. D-Visum, jeweils nur ein Terminantrag) oder aber unter Zuhilfenahme
von Agenturen buchten, die für diese Dienstleistung unangemessen hohe
Entgelte forderten.
15. Zu welchem Zeitpunkt wurde wegen der Manipulationen der
Onlineauftritte von Auslandsvertretungen das Bundesamt für die Sicherheit in der
Informationstechnik (BSI) informiert und hinzugezogen, und zu welchem
Ergebnis kam deren Befassung?
Das Onlineterminbuchungssystem wurde technisch gesehen nicht entgegen
seiner Bestimmung (dem Buchen von Terminen) verwendet. Bisher konnten
zudem weder ernsthafte Angriffsversuche oder eine erfolgreiche Penetration
festgestellt werden, bei der sich ein Angreifer unbefugt Zugang zum System
verschafft hätte. Insofern hat es bisher keinen IT-Sicherheitsvorfall gegeben, der die
Beteiligung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI)
gerechtfertigt hätte.
16. Plant die Bundesregierung eine Zusammenarbeit mit zertifizierten
externen Unternehmen, wie sie nach Information der Fragesteller
beispielsweise in der Deutschen Botschaft Ankara (Türkei) mit dem System
IDATA zwecks Beratung und Erstbearbeitung bei Visaanträgen eingesetzt
wird, auch in anderen Auslandsvertretungen (z. B. Beirut), und wenn nein,
warum nicht?
Eine mit der deutschen Botschaft in Ankara vergleichbare Zusammenarbeit mit
externen Dienstleistungserbringern findet derzeit in 14 Ländern an 29
Dienstorten und weiteren 31 Orten ohne deutsche berufskonsularische Vertretung statt.
Zu den Einzelheiten wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 12 der
Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/1212
vom 24. April 2014 verwiesen. Eine Zusammenarbeit mit externen
Dienstleistungserbringern im Visumverfahren ist zulässig, wenn die in Artikel 40 Absatz 3
des Visakodex genannten Voraussetzungen erfüllt sind. Ob diese
Voraussetzungen im Einzelnen vorliegen, wird laufend überprüft. Für Beirut ist diese Prüfung
nicht abgeschlossen.
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ISSN 0722-8333]