[Deutscher Bundestag Drucksache 18/2104
18. Wahlperiode 14.07.2014Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Bärbel Höhn, Annalena Baerbock, Anja
Hajduk, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/1904 –
Klimaneutralisierung von Dienstreisen
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Ältestenrat des Deutschen Bundestages hat im Jahr 2008 beschlossen,
sämtliche Dienst- und Mandatsreisen durch Zahlung einer Kompensation
„klimaneutral“ zu stellen. Damit sollen die durch Dienstfahrten und Flüge
anfallenden Treibhausgasemissionen ausgeglichen werden. Die Bundesregierung
hatte bereits im Jahr 2007 auf Betreiben des damaligen Bundesministers für
Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Sigmar Gabriel, beschlossen, alle
Dienstreisen ihrer Mitglieder und Beschäftigten bis zu den nachgeordneten
Behörden, wie z. B. dem Umweltbundesamt (UBA) oder Bundesamt für
Naturschutz (BfN), zu kompensieren. Die zu kompensierende Emissionsmenge
wurde auf Basis der im Jahr 2006 erhobenen Daten festgelegt. Demnach
wurden 160 856 Tonnen CO2-äquivalente Emissionen aus Dienstreisen der
Bundesregierung mit dem Flugzeug (inklusive Flugbereitschaft der Bundeswehr)
geschätzt. Im Jahr 2009 erfolgte eine Neuberechnung für die aber keine neuen
Daten erhoben wurden, da die schwarz-gelbe Bundesregierung bereits im Jahr
2010 die Mittel der Klimakompensation von Dienstreisen um die Hälfte von
4,2 Mio. Euro auf 2,1 Mio. Euro kürzte (siehe Antwort auf die Kleine Anfrage
der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN auf Bundestagsdrucksache 17/5676
(neu)).
Dieser Mittelkürzung der Koalitionsfraktionen der CDU/CSU und FDP im
Bundeshaushalt 2011 folgte eine weitere Reduktion auf 650 000 Euro im
Bundeshaushalt 2012. Damit war lediglich eine Abwicklung der begonnenen
Projekte zur Kompensation der Emissionen aus den Jahren 2009 bis 2011 möglich.
Aus diesen Mitteln wurde u. a. die Elektrifizierung in ländlichen Gebieten in
Honduras, Nepal und Indien durch erneuerbare Energien finanziert.
Bereits im Jahr 2011 hat die Bundesregierung die Reduzierung der Mittel
gegenüber dem Umweltausschuss des Deutschen Bundestages und in ihrer
Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
(Bundestagsdrucksache 17/5676 (neu)) bedauert. Die Bundesregierung aus CDU/
CSU und SPD hat sich zu diesem Sachverhalt noch nicht eingehend geäußert.
Eine erneute Datenerhebung zur Feststellung der dienstreisebedingten
Emissionen für die Jahre 2010 ff. fand nicht statt bzw. ist öffentlich nicht zugängig.Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit vom 10. Juli 2014 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/2104 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode1. Hat die Bundesregierung seit dem Jahr 2010 eine erneute Datenerhebung
und -berechnung vorgenommen, um die bei den Dienstreisen verursachten
Emissionen zu ermitteln?
Wenn nein, warum nicht?
Im Rahmen der Beantwortung der Kleinen Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN, Bundestagsdrucksache 17/5150, wurde die Datenbasis der Jahre
2007 bis 2010 erhoben. Die Treibhausgas-Emissionen für 2009 wurden
berechnet. Auf die Antwort der Bundesregierung auf Bundestagsdrucksache 17/5676,
wird verwiesen.
Weitere Berechnungen wurden nicht durchgeführt, da es hierfür ohne Mittel zur
Kompensation keine Veranlassung gab, und so unnötige Kosten und
Verwaltungsaufwand vermieden wurden.
2. Wie viele Flüge und Dienstfahrten wurden in den Jahren 2011 bis 2013 von
den Mitgliedern und Beschäftigten der Bundesregierung einschließlich der
nachgeordneten Behörden absolviert (bitte nach Bundesministerien und
Behörden für alle Jahre einzeln auflisten)?
3. Welche Menge an Treibhausgasen wurden durch die Dienstreisen der
Mitglieder und Beschäftigten der Bundesregierung einschließlich der
nachgeordneten Behörden verursacht (bitte nach Bundesministerien und Behörden
für alle Jahre einzeln auflisten)?
Die Fragen 2 und 3 werden wegen des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Eine Aufschlüsselung der Flüge und Dienstfahrten der Mitglieder und
Beschäftigten der Bundesregierung einschließlich der nachgeordneten Behörden liegt
der Bundesregierung nicht vor und konnte in der zur Verfügung stehenden Zeit
nicht durchgeführt werden. Aus dem gleichen Grund war eine Berechnung der
durch Dienstreisen verursachten Treibhausgasemissionen nicht möglich.
Hierfür wäre, wie bereits bei der Beantwortung der Kleinen Anfrage auf
Bundestagsdrucksache 17/5150, deutlich mehr Zeit und die Beauftragung Dritter
erforderlich gewesen.
Die Anzahl der Dienstflüge (Linienflüge) innerhalb Deutschlands, Europas und
interkontinental sind den Tabellen A bis C zu entnehmen.
Die Daten wurden über das Auswertungstool AirPlus Informationsmanager, das
dem Bundesverwaltungsamt aus einem Rahmenvertrag mit der Commerzbank
zur Verfügung gestellt wird, in anonymisierter Form auf Basis des für den Bund
konsolidierten Kreditkartenportfolios ermittelt.
Es konnten jedoch nur die Anzahl und die geflogenen Meilen für die insgesamt
von Mitgliedern und Beschäftigten der Bundesregierung in den Jahren 2011 bis
2013 durchgeführten dienstlichen Linienflüge, unterteilt nach innerdeutschen
Flügen, Kontinentalflügen Europa und Interkontinentalflügen ermittelt werden.
Eine Aufteilung nach Ministerien und Behörden war nicht möglich. Ebenso war
auf der Basis der zur Verfügung stehenden Daten eine belastbare Berechnung
der Treibhausgasemissionen nicht möglich.
Lediglich für die Flüge der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der
Verteidigung (BMVg) (Tabelle D) konnten die Treibhausgasemissionen ermittelt
werden.
Die Ermittlung der Anzahl der Dienstfahrten mit dem Kfz war in der Kürze der
zur Verfügung stehenden Zeit ebenfalls nicht möglich.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/2104Für die Berechnung der Kompensationsleistungen sind jedoch die Emissionen
aus den Kraftstoffverbräuchen ausreichend.
Diese sind der Tabelle E zu entnehmen.
Tabelle A
Innerdeutsche Flüge
2011 2012 2013
Reiseart Serviceklassen Anzahl Tickets Meilen
Anzahl
Tickets Meilen
Anzahl
Tickets Meilen
Oneway Business 7.258 2.086.522 5.810 1.684.304 4.244 1.196.695
Oneway Economy 170.950 49.067.623 167.829 48.198.967 169.189 48.655.646
Return Business 5.196 2.973.110 5.092 2.891.970 3.804 2.120.957
Return Business/Economy 182 100.356 142 79.129 142 77.734
Return Economy 32.937 18.785.452 32.887 18.830.565 35.211 20.233.835
keine Angabe Business 262 146.730 294 167.540 125 67.999
keine Angabe Business/Economy 8 4.098 2 1.037 25 14.411
keine Angabe Economy 367 210.993 437 249.737 381 221.862
217.160 73.374.884 212.493 72.103.249 213.121 72.589.139
Tabelle B
Kontinentalflüge Europa
2011 2012 2013
Reiseart Serviceklassen Anzahl Tickets Meilen
Anzahl
Tickets Meilen
Anzahl
Tickets Meilen
Oneway Business 1.140 760.137 996 676.966 857 631.027
Oneway Business/Economy 31 38.995 56 62.522 36 38.086
Oneway Economy 11.854 8.456.111 11.874 8.589.878 13.218 9.728.455
Return Business 1.086 1.348.339 1.109 1.511.923 856 1.145.208
Return Business/Economy 361 502.023 387 640.191 390 612.278
Return Economy 34.371 40.983.999 33.372 41.084.026 34.141 42.388.393
keine Angabe Business 243 307.949 271 395.937 173 229.638
keine Angabe Business/Economy 35 44.175 56 79.407 48 79.934
keine Angabe Economy 1.357 1.747.161 1.404 1.880.418 1.661 2.233.571
50.478 54.188.889 49.525 54.921.268 51.380 57.086.590
Tabelle C
Interkontinentalflüge
2011 2012 2013
Reiseart Serviceklassen Anzahl Tickets Meilen
Anzahl
Tickets Meilen
Anzahl
Tickets Meilen
Oneway Business 2.471 9.477.412 2.711 10.451.723 2.431 9.457.180
Oneway Business/Economy 167 755.529 154 747.750 102 458.446
Oneway First 2 4.682 9 34.152 8 22.782
Oneway First/Business 20 112.702 34 150.393 20 87.922
Oneway Economy 4.562 15.895.254 4.622 15.308.276 5.547 19.129.056
Return Business 6.928 62.290.657 7.126 64.192.211 7.379 65.719.452
Return Business/Economy 1.533 12.417.549 1.697 14.254.718 1.788 15.591.032
Return First 14 127.323 7 34.444 16 122.932
Return First/Business 262 2.785.165 163 1.760.113 108 1.183.769
Return First/Business/Eco 75 814.565 52 585.345 21 202.053
Return First/Economy 15 136.834 8 68.841 27 241.068
Return Economy 9.848 74.673.763 10.482 78.569.345 11.948 88.465.524
keine Angabe Business 669 5.246.852 628 5.146.374 771 5.471.169
keine Angabe Business/Economy 114 1.028.811 124 1.060.773 138 1.100.760
keine Angabe First 1 11.637
keine Angabe First/Business 42 388.880 25 246.772 25 272.347
keine Angabe First/Business/Eco 7 56.787 4 46.197 4 39.071
keine Angabe Economy 696 4.576.435 746 4.697.551 1.247 7.267.985
27.426 190.800.837 28.592 197.354.978 31.580 214.832.548
Tabelle D
Flüge BMVg Flugbereitschaft
Jahr Anzahl zu berück-sichtigende Flüge
Kraftstoffverbrauch
in t Emittierte t CO2
2011 1.958 6.745 21.247
2012 1.911 8.681 27.345
2013 1.819 6.048 19.051
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Drucksache 18/2104 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode4. Wie viele Mittel wurden für die Kompensation von Dienstfahrten und
Flügen gemäß der Beschlüsse der Bundesregierung insgesamt aufgewendet
(bitte nach Jahren einzeln aufschlüsseln)?
Insgesamt wurden 9 908 627,04 Euro aufgewendet.
Die konkreten Zahlungen aus dem Titel „Maßnahmen zur Klimaneutralisierung
von Dienstreisen der Bundesregierung und des Deutschen Bundestages“
(Kapitel 6002 Titel 531 02) stellen sich auf die Auszahlungsjahre verteilt wie folgt dar:
● 2008: 2 403 639,95 Euro,
● 2009: 1 652 691,54 Euro,
● 2010: 3 061 396,12 Euro,
● 2011: 2 149 993,51 Euro,
● 2012: 640 905,92 Euro.
Die Abflüsse bis 2012 erklären sich daraus, dass die letzten Zertifikate erst 2012
geliefert und entsprechend bezahlt wurden.
Es wurden Zertifikate über 499 126 Tonnen CO2-Äquivalente erworben, und
zwar
● 168 421 für die Klimaneutralisierung der Dienstreisen von Bundestag und
Bundesregierung für das Jahr 2007,
● 168 421 für das Jahr 2008, und
● 162 284 für das Jahr 2009.
Damit wurden 6 137 Zertifikate weniger erworben, als ursprünglich geplant.
In Tabelle F sind die Projekte, die daraus angekauften Zertifikate und die
Ausgaben ohne Gebühren und Umsatzsteuer aufgeführt, die durchschnittlichen
Nettoausgaben pro Zertifikat betrugen demnach 15,59 Euro.
Für die Gesamtausgaben kamen zu den Nettoausgaben Gebühren der KfW von
0,10 bis 1,8 Euro pro Zertifikat sowie die Umsatzsteuer hinzu. Damit ergaben
sich Gesamtausgaben von 19,85 Euro pro Zertifikat.
Tabelle F:
Durchgeführtes Projekt Land Zertifikate gesamt
Mittelabfluss
gesamt*
Zertifikats-
Preis €/t
Windkraftanlagen für Sun-n-Sand Hotels Indien 51031 899.748,00 € 17,63 €
Kleinwasserkraftwerk Himalayan Crest Indien 25106 376.072,00 € 14,98 €
Deponieentgasung Bandeirantes Brasilien 87537 1.339.787,00 € 15,31 €
Biomasse Rice Husk Oswal und Rice Husk
Nahar Indien 99201 1.405.378,00 € 14,17 €
4 Kleinwasserkraftwerke Indien 83036 947.620,00 € 11,41 €
Rama Paper Mills Indien 54029 805.367,00 € 14,91 €
Kleinwasserkraftwerk La Esperanza Honduras 27798 600.897,00 € 21,62 €
Brennholzpsarende Kocher Nigeria 1500 34.500,00 € 23,00 €
Verstromung von Senfernteresten, Tonk Indien 17630 397.929,00 € 22,57 €
Biogas Bagepalli Indien 19370 445.510,00 € 23,00 €
Gewinnung von Biogas zur
Stromerzeugung, Zhujiang Beer China 19906 318.496,00 € 16,00 €
Biogas Thailand 12982 207.712,00 € 16,00 €
gesamt bzw. Durchschnitt 499126 7.779.016,00 € 15,59 €
* ohne Gebühren der KfW und exklusive Umsatzsteuer
Tabelle F:
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/2104In den Tabellen 1 und 2 des Annex sind ergänzend zu Tabelle F die
Zertifikatslieferungen nach Jahren bzw. die Nettoabflüsse nach Jahren angegeben.
5. Welcher Betrag für die Kompensation hätte in den Jahren 2013 und 2014
veranschlagt werden müssen, wenn die Kompensation auf dem
ursprünglich vorgesehenen Niveau fortgeführt worden wäre?
Bei Kompensation von Emissionen in Höhe von etwa 85 903 CO2-Äquivalenten
pro Jahr (Erhebung 2009) hätten bei gleichen Ausgaben pro Zertifikat wie für
die Jahre 2007 bis 2009 für die Kompensation der Jahre 2010 bis 2013 Mittel in
Höhe von etwa 1,7 Mio. Euro jährlich veranschlagt werden müssen. Nimmt man
an, dass die Kompensation jeweils im Folgejahr erfolgt, wären dies also ca.
3,4 Mio. Euro für 2013 und 2014 gewesen.
6. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die entstehenden Kosten für den
Bundeshaushalt bei einer erneuten Kompensation zum heutigen CO2-Preis
von ca. 5 Euro je Tonne CO2?
Der CO2-Preis von Berechtigungen aus dem EU-Emissionshandel (EUAs) liegt
derzeit tatsächlich bei etwas über 5 Euro je Tonne. Dies entspricht jedoch nicht
Minderungskosten in Europa, sondern ist ein Marktpreis, der die Einschätzung
der Marktteilnehmer hinsichtlich Knappheit bzw. Überschusssituation darstellt.
Die Minderungswirkung wird über das sogenannte Cap erreicht.
Bei der früheren Kompensation der Dienstreisen der Bundesregierung wurde auf
Gutschriften aus Klimaschutzprojekten mit nachhaltigem Zusatznutzen
zurückgegriffen. Der Preis für Zertifikate aus hochwertigen internationalen Projekten
kann sich von den derzeit sehr niedrigen Zertifikatspreisen im EU-
Emissionshandel erheblich unterscheiden. Die entsprechenden Kosten können nur auf
Basis der konkreten Kriterien für den Ankauf von Zertifikaten ermittelt werden.
7. Für welche Projekte wurde die Förderung infolge der Kürzungen im
Bundeshaushalt ganz eingestellt, und für welche gab es eine Absenkung der
Mittel um wieviel Prozent?
Mit Beschluss des Deutschen Bundestages vom 26. November 2010 wurden
ursprünglich vorgesehene Haushaltsmittel nicht mehr für die weitere
Kompensation der Dienstreisen bereitgestellt. Die Haushaltsmittel wurden auf die zur
Erfüllung der bestehenden vertraglichen Verpflichtungen erforderliche Höhe
gekürzt. Daher konnten die bereits eingegangenen vertraglichen Abnahmen von
Projektgutschriften ohne Kürzung zu Ende gebracht werden, eine Kürzung
vormals zugesagter Förderungen gab es daher nicht.
8. Konnte für die 15 mittelbar geförderten Projekten, die laut
Bundestagsdrucksache 17/5676 (neu) aus den Kompensationszahlungen finanziert
wurden, eine Anschlussfinanzierung nach Kürzung bzw. Auslaufen der
Zahlungen gefunden werden, und wenn nicht, welche Folgen hatte dies für
die Projekte?
Die Projekte wurden nach dem Ende der Kompensation der Dienstreisen der
Bundesregierung nicht weiter beobachtet. Daher hat die Bundesregierung keine
Kenntnis über den Fortgang der Projekte.
Drucksache 18/2104 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode 9. Wurde die Kompensation der durch Dienstfahrten und Flüge entstehenden
Treibhausgasemissionen auf interministerieller Ebene, z. B. im Kabinett
oder im Dialog der Abteilungsleiter, von Teilen der Bundesregierung
thematisiert, und wenn ja, gibt es Vereinbarungen oder Beschlüsse hierüber?
Das Kabinett beschloss am 3. Juli 2014 den Regierungsentwurf für den Haushalt
2015. Darin ist im Haushalt des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz,
Bau und Reaktorsicherheit (BMUB) bei Kapitel 16 02 ein neuer Titel 531 02
„Maßnahmen zur Klimaneutralisierung der Dienstreisen der Bundesregierung“
mit einem Ansatz in Höhe von 2 Mio. Euro vorgesehen.
10. Plant die Bundesregierung einen Austausch bzw. weiteren Austausch
untereinander über diesen Sachverhalt, und falls nicht, warum nicht?
Ja. Das BMUB wird einen Vorschlag zur Abwicklung der Klimaneutralisierung
vorlegen.
11. Ist die Bundesregierung weiterhin der Meinung, dass die Aussetzung der
Kompensation von Dienstfahrten und Flügen durch die
Koalitionsfraktionen im Rahmen der Haushaltsaufstellung 2011 zu bedauern ist, und falls
ja, welche neuen Initiativen plant die Bundesregierung diesbezüglich?
Auf die Antwort zu Frage 9 wird verwiesen.
12. Stimmt die Bundesregierung der Aussage zu, dass die Bundesregierung
und ihre Behörden eine Vorbildfunktion mit Blick auf ein
klimafreundliches Mobilitätsverhalten gegenüber der Öffentlichkeit haben, und
welche Rückschlüsse zieht sie daraus mit Blick auf die Kompensation von
Dienstreisen der Mitglieder und Beschäftigten der Bundesregierung
einschließlich der nachgeordneten Behörden in Zukunft und rückwirkend?
Die Bundesregierung hat im Regierungsentwurf für den Haushalt 2015 Mittel
für die Klimaneutralisierung von Dienstreisen der Bundesregierung vorgesehen.
Auf die Antwort zu Frage 9 wird verwiesen.
Bezüglich der Dienstreisen nachgeordneter Behörden gibt es derzeit keine
Beschlusslage. Die Kompensation in den Jahren 2007 bis 2009 erfolgte für die
Mitglieder und Beschäftigten der Bundesregierung, eingeschlossen waren hierin die
Reisen der Kabinettsmitglieder, der Bediensteten der Ministerien, des
Bundeskanzler-, Bundespräsidial- und Bundespresseamtes, nicht jedoch die
nachgeordneten Behörden. Eine Ausnahme machten die dem BMUB nachgeordneten
Behörden Umweltbundesamt, Bundesamt für Naturschutz und Bundesamt für
Strahlenschutz, für die ebenfalls kompensiert wurde.
13. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass gerade angesichts der
europäischen Entscheidung, die außereuropäischen Flugverbindungen bis
zum Jahr 2016 nicht in den Emissionshandel einzubeziehen, die
Kompensation von Dienstreisen – zumindest für diese Flüge – für den Klimaschutz
einen Mehrwert darstellen würde?
Die Bundesregierung teilt die Auffassung, dass die Klimaneutralisierung ihrer
Dienstreisen einen Mehrwert für den Klimaschutz darstellt. Dies ist jedoch
unabhängig von den Entscheidungen zum Emissionshandel, da ein wirksames
globales marktwirtschaftliches Klimaschutzinstrument benötigt wird, um die
Emissionen des Flugverkehrs hinreichend zu begrenzen. Der europäische Emissions-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/2104handel deckt derzeit nur innereuropäische Flüge ab, für den außereuropäischen
Flugverkehr wird eine globale Lösung auf der nächsten Vollversammlung der
Internationale Zivilluftfahrtorganisation (IACO) 2016 angestrebt. Die
Einbeziehung von Flügen in den Emissionshandel führt zudem nur zu einer Begrenzung,
jedoch nicht zu einer Neutralisierung der entsprechenden Emissionen. Zudem
regelt die EU-Richtlinie zum Luftverkehr lediglich die CO2-Emissionen, die
durch den Flugverkehr verursachte erhebliche zusätzliche Klimaerwärmung
durch die Veränderung der natürlichen Wolkenbildung und durch den Aufbau
von Ozon in Reiseflughöhe bleibt dabei unberücksichtigt. Wird für die
Quantifizierung der Klimaeffekte der sog. RFI (Radiative Forcing Index) zugrunde
gelegt, ist der Beitrag des Flugverkehrs mindestens um den Faktor zwei größer
als nur durch CO2, siehe hierzu z. B.:
www.dehst.de/SharedDocs/Downloads/DE/JI-CDM/JI-CDM_freiwillige_
Kompensation_Klimawirksamkeit_LV.html.
14. Teilt die Bundesregierung die Auffassung der Fragesteller, dass die
britische Regierung durch ihre Verpflichtung zur Kompensation ihrer
Dienstreisen eine internationale Vorbildwirkung hat, und falls nein, schließt die
Bundesregierung einen Vorbildeffekt durch die Kompensation eigener
Dienstreisen generell aus?
Die Bundesregierung äußert sich nicht zur etwaigen Vorbildwirkung der
Entscheidungen der britischen Regierung. Im Übrigen wird auf die Antwort zu den
Fragen 12 und 13 verwiesen.
15. Wurde im Rahmen des vom ehemaligen Bundesumweltminister, Peter
Altmaier, gegründeten „Energiewendeclubs“ über die Vorbildfunktion
von Regierungen und Parlamenten beim Klimaschutz gesprochen, und
wenn ja, kam das Thema „klimaneutrale Dienstreisen“ dort zur Sprache?
Während des Treffens des Clubs der Energiewendestaaten wurde über die
Vorreiterrolle von Staaten im Klimaschutz und beim Ausbau der erneuerbaren
Energien gesprochen. Über klimaneutrale Dienstreisen wurde nicht gesprochen.
16. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass eine Kompensation der
Treibhausgase von Dienstreisen ein Vorzeigeprojekt mit Strahlkraft wäre,
und wenn ja, plant sie dies im Rahmen von Vorreiterallianzen, wie dem
„Energiewendeclub“, vorzuschlagen?
Die Bundesregierung hat hierzu derzeit keine Pläne, nimmt dies jedoch als
Anregung zur Kenntnis.
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Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]