Kulturelle Nutzung des Humboldtforums
der Abgeordneten Ulle Schauws, Christian Kühn (Tübingen), Tabea Rößner, Dr. Harald Terpe, Katja Dörner, Dr. Franziska Brantner, Kai Gehring, Elisabeth Scharfenberg, Maria Klein-Schmeink, Kordula Schulz-Asche, Doris Wagner, Beate Walter-Rosenheimer und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Mit dem Beschluss der Bundesregierung vom 7. Juli 2007 wurde die Umsetzung der Bundestagsbeschlüsse zur Ausgestaltung der historischen Mitte Berlin vom 4. Juli 2002 (Bundestagsdrucksache 14/9660) und vom 13. November 2003 (Bundestagsdrucksache 15/2002) vollzogen. Die Grundsteinlegung für das neu zu errichtende Stadtschloss fand am 12. Juni 2013 durch den Bundespräsidenten Joachim Gauck statt. Das kulturelle Nutzungskonzept des Schlossneubaus sieht ein Zentrum der kulturellen Begegnung und des Dialogs zwischen den Kulturen der Welt vor („Agora“). Neben den außereuropäischen Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst in Dahlem sollen Sonderausstellungen der Humboldt-Universität zu Berlin und Kernbereiche der Zentral- und Landesbibliothek zu Berlin („Welt der Sprache“) in das Humboldtforum integriert werden. Aktuellen Berichten ist zu entnehmen, dass das Land Berlin sich möglicherweise aus der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum zurückzieht und die Zentral- und Landesbibliothek zu Berlin nicht in den Räumen des Humboldtforums vertreten sein könnte. Im August 2014 wurde öffentlich, dass derzeit nach einer Intendanz für das Humboldtforum gesucht wird.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen28
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Kosten für die kulturelle Nutzung des Humboldtforums? Wie ist der aktuelle Stand bezüglich eines Finanzierungskonzepts, aus dem hervorgeht, wie der Betrieb des Humboldtforums später finanziert werden soll? Werden nach Kenntnis der Bundesregierung die späteren Einnahmen aus Mieten usw. ausreichen, um den Betrieb zu finanzieren?
Inwiefern wurde in einem inhaltlichen Finanzierungskonzept die Raumaufteilung im Humboldtforum berücksichtigt und begründet?
Aus welchen Einnahmen soll die kulturelle Nutzung finanziert werden?
Wie hoch sollen die jährlichen Aufwendungen des Bundes für die kulturelle Nutzung sein?
Wann wird nach Kenntnis der Bundesregierung die Intendanz für das Humboldtforum besetzt werden?
In welchem Verfahren soll nach Auffassung der Bundesregierung die Intendanz ermittelt werden? Welche Gremien sollen über die Besetzung der Intendanz entscheiden? Wird die Einsetzung einer Findungskommission erwogen, und wenn ja, wer wird Teil dieser Findungskommission sein?
Was sollen nach Auffassung der Bundesregierung die Aufgabenbeschreibung und der Geschäftsbereich der Intendanz sein? Welcher Zeitplan ist hierbei zur weiteren Voranbringung des Nutzungskonzeptes des Humboldtforums vorgesehen?
Ist die Bundesregierung der Auffassung, dass für die Aufgabenbeschreibung der Intendanz eine Änderung der Satzung der Stiftung Berliner Schloss – Humboldtforum erforderlich ist?
Wenn ja, wie sollte die Satzungsänderung nach Auffassung der Bundesregierung lauten?
Wie hoch sollen die zur Verfügung gestellten Bundeshaushaltsmittel für die Intendanz sein?
Wo und wann und in welcher Form hat nach Kenntnis der Bundesregierung die angekündigte Kooperation mit den Herkunftsländern der im Humboldtforum gezeigten Kunstgegenstände stattgefunden?
In welchem Rahmen und mit welchem Zeitplan soll diese Kooperation nach Auffassung der Bundesregierung in Zukunft stattfinden?
Welche konkreten Auswirkungen soll diese Kooperation nach Auffassung der Bundesregierung auf Gestaltung und Konzept der im Humboldtforum präsentierten Sammlungen haben?
Welche inhaltliche Rolle sollte nach Auffassung der Bundesregierung die deutsche Kolonialgeschichte bei der kulturellen Nutzung des Humboldtforums spielen?
Welche Konzepte und Pläne liegen der Bundesregierung hierfür bereits vor?
Mit welchen konzeptionellen Ansätzen und (museums-)pädagogischen Methoden soll nach Kenntnis der Bundesregierung die deutsche Kolonialgeschichte in den Räumen des Humboldtforums dargestellt und vermittelt werden?
Welche Expertengremien werden nach Kenntnis der Bundesregierung zur Erarbeitung eines entsprechenden kuratorischen und pädagogischen Konzepts zur deutschen Kolonialgeschichte herangezogen?
Inwiefern sollen nach Kenntnis der Bundesregierung Nachfahren der Besitzerinnen und Besitzer und/oder Künstlerinnen und Künstler der in den Ausstellungen des Humboldtforums gezeigten Arbeiten bzw. Vertreterinnen und Vertreter von migrantischen Organisationen in die Entwicklung der Ausstellungskonzeption einbezogen werden?
Sind nach Kenntnis der Bundesregierung für die Thematisierung der Kolonialgeschichte Deutschlands spezielle Angebote für Kinder und Jugendliche vorgesehen?
Welche Haltung hat die Bundesregierung zum möglichen Ausstieg des Landes Berlin aus dem Bau des Stadtschlosses bzw. Humboldtforums und zum möglichen Verzicht des Landes Berlin auf die für die Zentral- und Landesbibliothek eingeplante Fläche?
Welche Alternativen sieht die Bundesregierung für die Nutzung der durch den möglichen Verzicht frei werdenden 5 000 Quadratmeter großen Fläche im ersten Stock des Humboldtforums?
In welcher Organisationsform soll der Betrieb des Humboldtforums unter dem Dach der Stiftung Preußischer Kulturbesitz angesiedelt sein?
Welcher Anteil der Fläche des Humboldtforums soll nach Auffassung der Bundesregierung privatwirtschaftlich genutzt werden?
Welche Konzepte für die Präsentation zeitgenössischer Kunstformen (Bildende Kunst, Theater, Film, Literatur und Performance) liegen der Bundesregierung bisher vor?
Wie sollen nach Auffassung der Bundesregierung die Aufgaben und Schwerpunkte des Humboldtforums mit anderen mit Bundeshaushaltsmitteln geförderten Berliner Kulturinstitutionen abgestimmt werden, und nach welchen Kriterien soll das Programm des Humboldtforums von diesen anderen Institutionen inhaltlich abgegrenzt werden?
Welche Möglichkeiten für inhaltliche Kooperationen und Synergieeffekte sieht die Bundesregierung zwischen den mit Bundeshaushaltsmitteln geförderten Berliner Kulturinstitutionen in diesem Zusammenhang?
Wie sollen sich aus Sicht der Bundesregierung die zeitgenössischen Wechsel- und Sonderausstellungen im Humboldtforum sowie die zeitgenössischen Kunstformen zum Programm des Hauses der Kulturen der Welt verhalten? Sieht die Bundesregierung hier ein mögliches Konkurrenzverhältnis?
Welche Aufgaben und Ziele hat nach Auffassung der Bundesregierung das von der Kulturstiftung des Bundes finanzierte „Humboldt-Lab“?