[Deutscher Bundestag Drucksache 18/5552
18. Wahlperiode 14.07.2015Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Kathrin Vogler, Jan van Aken,
Wolfgang Gehrcke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/5193 –
Zivile Krisenprävention und Konfliktbearbeitung in Kenia
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Republik Kenia ist einer der wichtigsten Partner im sogenannten Kampf
gegen den Terrorismus, vor allem gegen die in Somalia operierenden Al-
Shabaab-Milizen. Kenia ist Nachbarland des Südsudan und spielt als
regionaler Akteur auch eine Rolle im Gebiet der Großen Seen. Kenia ist
Schwerpunktland der deutschen entwicklungspolitischen Zusammenarbeit.
Kenia liegt aber nicht nur in einer krisengeplagten Weltregion, sondern ist
selbst von vielfältigen Konflikten betroffen.
Auf der lokalen Ebene kommt es immer wieder zu gewaltförmig ausgetragenen
Konflikten um Viehdiebstahl, Weideland und Wasserrechte. Diese Konflikte
erfahren wenig internationale Aufmerksamkeit, selbst wenn sie sich in
Größenordnungen wie beim Turbi-Massaker im Jahr 2005 äußern, bei dem zwischen
60 und 90 Menschen getötet und Tausende vertrieben wurden. Die Landfrage
ist eines der größten sozialen Probleme des Landes. Immer wieder kommt es
aufgrund strittiger Eigentumstitel zu Vertreibungen.
Die seit Jahrzehnten andauernde Diskriminierung der muslimischen
Minderheit, die vor allem im Norden und in den Küstengebieten lebt, führt zu
Spannungen und erleichtert es der somalischen Al-Shabaab, in Kenia Kämpfer zu
rekrutieren. Muslime stellen zwischen 11 und 20 Prozent der Bevölkerung, der
Großteil der Kenianer gehört einer der christlichen Kirchen an. Insbesondere nach
den verheerenden Anschlägen (Überfall auf das Westgate-Einkaufszentrum in
Nairobi im Jahr 2013, Überfall auf den Campus des Garissa University College
im Jahr 2015) kommt es zu Übergriffen der Sicherheitskräfte auf Muslime.
Ein weiteres Konfliktfeld stellt die Flüchtlingsproblematik dar:
Hunderttausende Flüchtlinge aus dem Bürgerkrieg in Somalia und zehntausende aus
dem Südsudan leben in Flüchtlingslagern im Nordosten und Nordwesten
Kenias; zudem lebt eine große Anzahl von ethnischen Somali bereits seit
Jahrzehnten mit kenianischer Staatsbürgerschaft im Land. Seit Beginn der Al-
Shabaab-Anschläge innerhalb Kenias werden Somali von Sicherheitskräften
oft generell unter Verdacht gestellt, den Terrorismus zu unterstützen. Auf die
Anschläge reagiert die kenianische Regierung immer wieder mit der Forderung
der zwangsweisen Rückführung aller somalischen Flüchtlinge. Bei Aktionen
der Sicherheitskräfte nach Terroranschlägen kommt es zu Enteignungen,
Deportationen und widerrechtlichen Abschiebungen.
Im Jahr 2013 wurden massive Menschenrechtsverletzungen und wiederholte
extralegale Tötungen durch Kenias Anti-Terrorismus-Polizeieinheit ATPU Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Auswärtigen Amts vom 10. Juli 2015 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/5552 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodebekannt (s. Bericht der Open Society Justice Initiative: „We’re Tired of
Taking You to the Court“,
www.opensocietyfoundations.org/reports/were-
tiredtaking-you-court-human-rights-abuses-kenyas-anti-terrorism-police-unit). Im
Jahr 2014 wurden durch eine neue Gesetzgebung den Sicherheitsbehörden
weitgehende neue Befugnisse eingeräumt. Anti-Terror-Einheiten wie die
ATPU können so noch willkürlicher agieren und werden noch
unkontrollierbarer (s.
www.hrw.org/news/2014/12/13/kenya-security-bill-
tramplesbasic-rights). Die Bundesregierung hat in ihren Antworten auf mehrere
Mündliche und Schriftliche parlamentarische Fragen bestätigt, dass das
Bundeskriminalamt (BKA) im Rahmen der kenianischen Sicherheitssektorreform seit
dem Jahr 2008 u. a. mit der ATPU kooperiert und sich an deren Ausbildung und
Ausstattung beteiligt. Trotz der zahlreichen Hinweise auf
Menschenrechtsverletzungen durch gerade diese Anti-Terror-Einheit hält die Bundesregierung
weiter an ihrer Ausbildungs- und Ausstattungshilfe fest, da hier bisher keine
Hinweise vorliegen würden, dass diese nicht „bestimmungsgerecht und
rechtsstaatlichen Maßstäben entsprechend eingesetzt würde“ (s. Antwort auf die
Schriftliche Frage 44 auf Bundestagsdrucksache 18/815 und Plenarprotokoll
18/3 vom 28. Februar 2013, Antwort auf die Mündliche Frage 43 des
Abgeordneten Niema Movassat).
Korruption ist weit verbreitet, im Corruption Perceptions Index aus dem Jahr
2014 von Transparency International belegt Kenia den Platz 145 von 175.
Korruption ist einer der Hauptgründe für das Misstrauen der Bevölkerung
gegenüber den Sicherheitsbehörden.
Verhältnismäßig große Aufmerksamkeit erhalten die politischen Konflikte in
Kenia, die oft entlang ethnischer Identitäten ausgetragen werden. Der
Gewaltausbruch nach der Präsidentschaftswahl im Jahr 2007 mit weit über 1 000
Toten und 600 000 Binnenvertriebenen hat die Probleme auch international
deutlich gemacht. Nach den Nachwahlunruhen 2007/2008 kam es auf
internationalen Druck hin zu einer Koalitionsregierung, die im Jahr 2010 eine neue
Verfassung durchsetzte, die einige Lehren aus den Gewaltausbrüchen zog. Einige
der Neuregelungen sind immer noch in der Umsetzungsphase.
Die Aufarbeitung der Gewalt kommt jedoch nur langsam voran.
Ein nationaler Versöhnungsprozess und die Aufarbeitung der Gewalt und der
Menschenrechtsverletzungen im Zusammenhang mit den Wahlen im Jahr 2007
wären ein wichtiger Beitrag zur nachhaltigen Konfliktbearbeitung. Die
begonnene Machtteilung als Aufgabe für den Umbau des politischen Systems muss
fortgesetzt werden. Dies wird ohne eine Stärkung der Zivilgesellschaft nicht
möglich sein. Letztlich ist es unabdingbar, eine soziale und ökonomische
Verteilungsgerechtigkeit zu schaffen, die den Menschen in Kenia unabhängig von
ethnischen und religiösen Identitäten eine Zukunftsperspektive eröffnet.
1. Welche konkreten Maßnahmen der zivilen Krisenprävention und
Konfliktbearbeitung in Kenia hat die Bundesregierung seit Beginn der 18.
Wahlperiode ergriffen, fortgeführt bzw. geplant (bitte einzeln nach Initiative und
aufgewendeten Mitteln auflisten)?
Auf die beigefügte Übersicht zu den Maßnahmen der Bundesregierung
(Anlage 1) wird verwiesen.
2. Gab es darüber hinaus nach Kenntnis der Bundesregierung seit Beginn der
18. Wahlperiode Maßnahmen der zivilen Krisenprävention und
Konfliktbearbeitung in Kenia, die durch Strukturen etwa der EU, der Afrikanischen
Union oder der Vereinten Nationen unterstützt oder finanziert worden sind
(bitte einzeln nach Initiative, Organisation und aufgewendeten Mitteln
auflisten)?
Es gibt zu den Maßnahmen der zivilen Krisenprävention der EU, Afrikanischen
Union (AU) und Vereinten Nationen in Kenia keine standardisierte
Datenerhebung.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/55523. Wie viele Friedensfachkräfte sind nach Kenntnis der Bundesregierung
zurzeit im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes in Kenia im Einsatz, und wie
viele waren es in den letzten zehn Jahren (bitte nach Jahren, Projektanzahl
und Projektlaufzeit und Personal aufschlüsseln)?
Zur Beantwortung wird auf die Anlage 2 verwiesen.
4. Wie viele Projektanträge für den Bereich Zivile Krisenprävention und
Konfliktbearbeitung in Kenia mit welchem jeweiligen finanziellen und
personellen Volumen sind in den letzten fünf Jahren jährlich bei welchen
Bundesministerien eingegangen?
Auf die Antwort zu Frage 4a wird verwiesen.
a) Wie viele der jeweiligen Anträge wurden in welcher Höhe für welchen
Zeitraum bewilligt, wie viele wurden abgelehnt und mit welcher
Begründung?
Über Anträge wird nach inhaltlicher und formaler Prüfung auf Grundlage der
Mittelverfügbarkeit und politischer Zielsetzungen in den Ressorts entschieden.
Über abgelehnte Anträge führt die Bundesregierung keine Statistik.
Im Bereich des Auswärtigen Amts wurden in den letzten fünf Jahren in der
Zivilen Krisenprävention in Kenia folgende Projekte bewilligt:
01.01.2009–
31.12.2010
Bekämpfung Umweltkriminalität in Ostafrika (einschließlich
Kenia)
1 242 000 EUR
01.01.2009–
31.12.2010
Bekämpfung Viehdiebstahl in Ostafrika (einschließlich Kenia) 1 842 000 EUR
01.05.–
31.07.2010
Unterstützung des Referendums 2010 durch Verteilung des
Verfassungsentwurfs und des Begleitberichts in Kenia
350 000 EUR
01.01.–
31.08.2013
Projekt „Responsibility to Protect in Kenia“ 45 316,03 EUR
01.01.–
31.12.2013
Projekt zur Begleitung der Wahlen in Kenia und zur
Unterstützung bei der Umsetzung der neuen Verfassung
68 532 EUR
01.05.2013–
30.04.2015
Projekt „Complementarity in practice – Capacity Building for
the establishment of the „International Crimes Division“ of the
Kenyan High Court“
781 320 EUR
(2013: 331 949 EUR
2014: 320 668,74 EUR
2015: 128 702,26 EUR)
01.01.2014–
31.12.2015
Trainingskurse über UNITAR 2014-15 „Enhancing the
Capacity of African Peacekeeping Training Institutions“;
Überregional, Kenia Teil des Zielgebiets
rd. 1,2 Mio. EUR
01.10.2014–
30.09.2016
Verbesserung der Bürgerbeteiligung und des
Konfliktmanagement in der Bezirksregierung
173 640 EUR
(2014: 22 430 EUR
2015: 78 220 EUR)
Für 41. KW
2015 angesetzt
Einzelmaßnahme „Erfahrungsaustausch zwischen Nigeria und
Kenia zu Terrorbekämpfung und Boko Haram“
28 000 EUR
Drucksache 18/5552 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeIm Bereich des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung wurden im Programm Ziviler Friedensdienst in den Jahren 2010
bis 2014 in Kenia folgende Projekte gefördert:
b) Aus welchen Haushaltstiteln wurden die Projekte finanziert?
Die in der Antwort zu Frage 4a genannten Projekte der zivilen Krisenprävention
des Auswärtigen Amts wurden aus den Haushaltstiteln 687 23, 687 34 und
687 48 finanziert, die Projekte des Zivilen Friedensdienstes aus Kapitel 23 02
Titel 68 732 des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung.
c) Wie wurden die Projekte evaluiert?
Das Auswärtige Amt bewertet in allen Projekten der zivilen Krisenprävention
geplante bzw. durchgeführte Maßnahmen prozessbegleitend – d. h. vor,
während und nach Implementierung eines Projekts – in Bezug auf den
Gesamtkontext im Zielland sowie auf vergleichbare Projekte in anderen fragilen Kontexten.
Nach Eingang des Verwendungsnachweises führt das Auswärtige Amt für
Maßnahmen und Projekte, die im Bereich der zivilen Krisenprävention gefördert
wurden, – unter Beteiligung der jeweils zuständigen Auslandsvertretungen und
Länderreferate – für jedes Projekt eine Erfolgskontrolle gemäß der
einschlägigen Verwaltungsvorschriften zu § 7 in Verbindung mit § 44 der
Bundeshaushaltsordnung durch. Die angewandten Methoden sind projektabhängig und
reichen von der Auswertung schriftlicher Informationen des Projektträgers bzw.
öffentlich zugänglicher Berichte über Gespräche mit Projektteilnehmern bis hin
zu externen Evaluierungen.
Des Weiteren wird auf die Antwort zu Frage 5c verwiesen.
5. Wie viele Projekte in den Bereichen interkultureller und
interkonfessioneller Dialog, Trauma- und Versöhnungsarbeit hat die Bundesregierung in
Kenia in den letzten fünf Jahren gefördert oder selbst durchgeführt (bitte
unter Angabe des Projektinhalts)?
Es wurden insgesamt fünf Projekte gefördert bzw. selbst durchgeführt:
● „Verbesserung der Bürgerbeteiligung und des Konfliktmanagement in der
Bezirksregierung“ (2014 bis 2016): Förderung des Dialogs der
Zivilgesellschaft mit den Regierungs- und Verwaltungsstrukturen in Kenia;
2010 fortlfd. Aufbau und Stärkung lokaler Friedenskapazitäten,
Trägerorganisation: AGEH
2 755 492 EUR, davon
2010: 463 834 EUR,
2011: 443 377 EUR,
2012: 494 281 EUR,
2013: 590 000 EUR,
2014: 764 000 EUR.
2010 fortlfd. Förderung des Versöhnungsprozesses, Trägerorganisation:
GIZ
2 363 341 EUR, davon
2010: 173 734 EUR,
2011: 435 978 EUR,
2012: 510 440 EUR,
2013: 532 260 EUR,
2014: 710 929 EUR.
2013 fortlfd. Schützende Begleitung von Menschenrechtsverteidigern,
Trägerorganisation: PBI
190 384 EUR, davon
2013: 112 522 EUR,
2014: 77 862 EUR.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/5552● „Re-Membering Kenya“ (2008 bis 2015): In Reaktion auf die Krise der Jahre
2007 und 2008 hatte das Goethe-Institut Nairobi eine Vorlesungsreihe
organisiert, die Diskussionen zu ethnischen Spannungen, ökonomischer
Ungleichheit und politischen Lösungsansätzen zwischen Akademikerinnen und
Akademikern, der Zivilgesellschaft und Öffentlichkeit Raum boten. Als
Resultat erschienen in den Jahren 2010, 2013 und 2014 die Sammelbände
„Re-Membering Kenya“.
In den Rahmen des zivilen Friedensdienstes (ZFD) fielen folgende Vorhaben,
die auch das Thema Dialog und Versöhnung zum Gegenstand hatten bzw. haben:
● „Interethnischer und interreligiöser Dialog, Reintegration von
zurückgekehrten Flüchtlingen/IDPs“ mit Versöhnungsarbeit (ZKB, Friedenskomitees, v. a.
Jugendarbeit)
● „Aufarbeitung von Menschenrechtsverbrechen – Versöhnungsarbeit
(transitional justice/dealing with the past)“: Deeskalation von Konflikten um
Zugang und Nutzung von Ressourcen, interreligiöse und interethnische
Kooperation.
● Versöhnungsarbeit, Reintegration von IDPs, konfliktsensible Medienarbeit,
Landkonflikte, Aufbau eines Frühwarn-Systems, interkultureller Dialog,
Hilfe für Opfer von Menschenrechtsverletzungen, Vernetzung/
Organisationsentwicklung von Friedensorganisationen.
a) Welchen finanziellen und personellen Umfang hatten sie?
Der Gesamtbetrag beläuft sich auf rund 8,75 Mio. Euro. Es sind bzw. waren u. a.
55 Friedensfachkräfte im Einsatz.
b) Aus welchen Haushaltstiteln wurden die Projekte finanziert?
Die Mittel für die „Verbesserung der Bürgerbeteiligung und des
Konfliktmanagement in der Bezirksregierung“ stammen aus dem Haushaltstitel
„Demokratisierungs- u. Ausstattungshilfe, Maßnahmen zur Förderung der
Menschenrechte“ (Kapitel 05 01, Titel 68 723). Das Projekt „Re-Membering Kenya“
wurde aus dem Titel des Auswärtigen Amts für die institutionelle Förderung des
Goethe-Instituts (Kapitel 05 04, Titel 687 40) finanziert. Die Mittel für die
Vorhaben des ZFD werden aus einem Titel des Bundesministeriums für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung zur Verfügung gestellt (Kapitel 23 02,
Titel 68 772).
c) Wie wurden die Projekte evaluiert?
„Re-Membering Kenya“ wurde im Rahmen der üblichen internen
Projektüberprüfung des Goethe-Instituts evaluiert. Engagement global prüft regelmäßig die
sachgerechte Mittelverwendung und Zweckerfüllung von Vorhaben des ZFD.
Projekte können erst nach ihrem Abschluss evaluiert werden.
6. Welchen Bedarf sieht die Bundesregierung, Projekte in den Bereichen
Versöhnung, Traumaarbeit und Dialog in Kenia auszubauen, und was
unternimmt sie dafür konkret (bitte mit Begründung)?
Tausende Delikte der Unruhen nach den Wahlen von 2007/2008 sind
strafrechtlich und psychologisch nicht aufgearbeitet; zudem hat keine ausreichende
Aufarbeitung der zahlreichen Menschenrechtsverletzungen stattgefunden. Der
durch die Bundesregierung geförderte Aufbau der „International and Organized
Crimes Division“ am kenianischen Obersten Gerichtshof soll dieser
Aufarbeitung dienen. Die Bundesregierung plant zudem vor dem Hintergrund der sich
Drucksache 18/5552 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodemehrenden Zeichen für eine Verschärfung gesellschaftlicher Spannungen durch
die Ausgrenzung von Bevölkerungsgruppen entlang religiöser, kultureller oder
politischer Bruchlinien in Kenia und Ostafrika Projekte zur Förderung von
Versöhnung und interkulturellen Dialog; z. B. mit Vorhaben im Rahmen des ZFD
oder in Zusammenarbeit mit der Deutschen Welle-Akademie, die im Herbst
2015 einen Mediendialog zum Thema „Inklusion sozialer Minderheiten“ mit
kenianischen, tansanischen und deutschen Journalisten durchführen wird. Dabei
soll die Verantwortung der Medien bei der Berichterstattung zu sozialer
Ausgrenzung und innergesellschaftlichen Spannungen im Mittelpunkt stehen. Der
mögliche Ausbau der Maßnahmen ist Gegenstand von laufenden Planungs- und
Abstimmungsprozessen innerhalb der Bundesregierung bzw. mit Projektträgern,
insbesondere dem ZFD.
7. Welche Bedeutung misst die Bundesregierung genderspezifischen
Ansätzen im Bereich der zivilen Krisenprävention und Konfliktmediation bei,
und wie viele Projekte zur Stärkung der Rolle von Frauen in
Friedensprozessen hat die Bundesregierung seit dem Jahr 2005 in Kenia gefördert (bitte
einzeln nach Projekt, Organisation, Laufzeit und finanziellem
Fördervolumen auflisten)?
Die Bundesregierung misst genderspezifischen Ansätzen in der zivilen
Krisenprävention und bei der Friedenskonsolidierung eine sehr hohe Bedeutung zu.
Sämtliche Aktivitäten und Maßnahmen der Bundesregierung orientieren sich
seit Dezember 2012 am Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der VN-
Sicherheitsratsresolution 1325 zu „Frauen, Frieden und Sicherheit“. Die
Bundesregierung unterstützt insbesondere den Fokus der „Peacebuilding Commission“ der
VN auf die Rolle von Frauen bei der Gestaltung von Friedensprozessen. Ferner
werden durch die Bundesregierung geförderte Projekte grundsätzlich auch nach
ihrem Beitrag zur Stärkung der Rolle von Frauen in den jeweiligen Kontexten
beurteilt. Seit dem Jahr 2005 wurden durch die Deutsche Gesellschaft für
internationale Zusammenarbeit (GIZ) folgende Vorhaben umgesetzt:
● 2014 bis 2017: „Unterstützung für südsudanesische Flüchtlinge und
aufnehmende Gemeinden in Kenia“ mit Mitteln i. H. v. 6 Mio. Euro;
● 2008 bis 2018: „ZFD: Dialogförderung und Gewaltminderung – Stärkung
zivilgesellschaftlicher Akteure“;
● 2009 bis 2014: „Förderung von Frieden und Sicherheit in der East African
Community (EAC)“ in einem Umfang von 4,55 Mio. Euro;
● 2011 bis 2016: Stärkung der zivilen Komponente und der Organisation der
East-African Standby Force (EASF) mit 5,47 Mio. Euro;
● 2012 bis 2014: „Unterstützung von Flüchtlingen und einheimischer
Bevölkerung in Kenia“, mit Mitteln i. H. v. 7,1 Mio. Euro;
● 2011 bis 2014: „Stabilisierung der Lebensgrundlagen der örtlichen
Bevölkerung und Stärkung friedlichen Konfliktbearbeitung um das Flüchtlingslager
Dadaab“ mit 5 Mio. Euro.
8. Wie viele Projekte zum Schutz und zur Aus- und Weiterbildung von
Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidigern hat die
Bundesregierung seit dem Jahr 2005 in Kenia gefördert (bitte einzeln nach
Projektinhalt, Organisation, Laufzeit und finanziellem Fördervolumen
auflisten)?
Es wurden fünf Vorhaben gefördert:
● 1. Mai 2005 bis 31. Dezember 2005: „Touch Africa“ Sensibilisierung für
Menschenrechtsverletzungen an Witwen und Waisen“, 10 000 Euro;
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/5552● 1. September 2014 bis 31. Dezember 2015: Kenya National Commission on
Human Rights. Stärkung der Kommunikation und Vernetzung von
kenianischen Menschenrechtsorganisationen zum Schutz vor Übergriffen, 132 000
Euro;
● Seit dem Jahr 2009 wird über die GIZ/ZFD eine lokale Organisation durch
eine Friedensfachkraft unterstützt, um Gewaltopfern im Kontext des
„Transitional Justice“ Prozesses zu helfen (juristische Ahndung, Aufarbeitung von
Ungerechtigkeiten und Menschenrechtsverletzungen, Reintegration/
Rehabilitation betroffener Gruppen).
● Seit dem Jahr 2013 berät eine weitere Friedensfachkraft eine lokale
Organisation bei der Entwicklung der Kapazitäten zivilgesellschaftlicher Akteure in
ziviler Konfliktbearbeitung. Das Projekt leistet einen Beitrag zur
Rechtssicherheit, Stärkung der Menschenrechte und zur konfliktsensiblen Umsetzung
der Landreformen; 120 000 Euro pro Friedenskraft (Personalkosten inklusive
aller Projektmittel an den Partner).
● Seit dem Jahr 2013 unterstützt die Bundesregierung das Kenia-Projekt der
Peace Brigades International (pbi), das auf die Stärkung und den Schutz von
kenianischen Menschenrechtsverteidigerinnen und
Menschenrechtsverteidigern zielt und sich für Rechtsstaatlichkeit/Transparenz und gegen
Straflosigkeit, Korruption und Diskriminierung benachteiligter Gruppen einsetzt.
9. Mit welchen Maßnahmen und Verfahren prüft und gewährleistet die
Bundesregierung die Umsetzung der „Leitlinien der Europäischen Union zum
Schutz von Menschenrechtsverteidigern“ in den staatlichen Institutionen
Kenias bzw. in den von der Bundesregierung in Kenia geförderten
Projekten?
Die EU-Leitlinien zum Schutz von Menschenrechtsverteidigern enthalten
Handlungsempfehlungen für die Europäische Union und ihre Mitgliedstaaten.
Die Leitlinien sind nicht an Drittstaaten adressiert. Der Geist der Leitlinien, der
Schutz und die Förderung der Menschenrechte, wird im Kontakt mit den
staatlichen Institutionen Kenias und bei allen Projekten der Bundesregierung in
Kenia als Querschnittsvorgabe berücksichtigt.
10. In welchem Umfang wurden entsprechend den EU-Leitlinien spezielle
humanitäre Visa für den vorübergehenden Schutz von kenianischen
Staatsangehörigen ausgestellt und Schutzprogramme für bedrohte
Menschenrechtsverteidigerinnen und Menschenrechtsverteidiger eingerichtet?
Das Instrument des humanitären Visums für den vorübergehenden Schutz ist
weder im nationalen noch im europäischen Visums- und Aufenthaltsrecht
vorgesehen. Gemäß § 22 des Aufenthaltsgesetzes besteht die Möglichkeit einer
Aufnahme aus dem Ausland aus völkerrechtlichen, dringenden humanitären
oder politischen Gründen. Auf dieser Rechtsgrundlage wurde in den letzten drei
Jahren kein Visum an einen kenianischen Staatsangehörigen erteilt. Es lässt sich
keine Aussage treffen, ob im Übrigen Schengen- oder nationale Visa an
kenianische Menschenrechtsverteidiger erteilt wurden, da dieser Aspekt statistisch
nicht separat erfasst wird. Im Rahmen der EU-Richtlinien für
Menschenrechtsverteidiger verfügt die EU-Delegation in Nairobi über finanzielle Mittel, um
bedrohten Menschenrechtsverteidigern oder in Schwierigkeiten geratenen
Menschenrechtsorganisationen Kleinzuwendungen bis zu 10 000 Euro aus dem „EU
Instrument for Democracy and Human Rights“ auszuzahlen. Laut Auskunft der
EU-Delegation Nairobi wurde in den zurückliegenden 48 Monaten ein Antrag
gestellt, welchem stattgegeben wurde.
Drucksache 18/5552 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode11. Wie viele Asylanträge mit Bezug zur Menschenrechtsarbeit haben
Menschen aus Kenia seit dem Jahr 2005 gestellt, und wie viele davon wurden
mit welcher Begründung bewilligt bzw. abgelehnt?
Von Januar 2005 bis Mai 2015 wurden in Deutschland 1 326 Asylanträge von
kenianischen Staatsangehörigen gestellt. Im genannten Zeitraum hat das
Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) in 31 Fällen (2,7 Prozent)
kenianischen Staatsangehörigen die Rechtsstellung eines Flüchtlings nach dem
Abkommen über die Rechtsstellung der Flüchtlinge vom 28. August 1951
(Genfer Flüchtlingskonvention) zuerkannt und in 47 Fällen (4 Prozent) ein
Abschiebungsverbot festgestellt. 93,3 Prozent aller entschiedenen kenianischen
Asylanträge wurden vom BAMF abgelehnt oder eingestellt. Angaben zu
Asylantrags- oder Entscheidungsgründen werden statistisch nicht erfasst, sodass der
Bundesregierung hierzu keine Erkenntnisse vorliegen.
12. Schätzt die Bundesregierung die Landverteilung als konfliktrelevant ein,
und wenn ja, welche Maßnahmen hat sie in den letzten fünf Jahren in
diesem Zusammenhang ergriffen?
Die Bundesregierung schätzt die Landverteilung als konfliktrelevant ein. Die
Konfliktlagen sind zum Teil historisch begründet (unklare Landnutzungsrechte
seit der Kolonialisierung und nach der Unabhängigkeit) oder resultieren aus
ungelösten Fällen von internen Vertreibungen nach ethnischen Konflikten. Zudem
wird der Zugang zu Land durch Machtverhältnisse und ethnische Zugehörigkeit
beeinflusst. Der Zustrom von Flüchtlingen, und die damit verbundenen
Ressourcenkonflikte mit der ortsansässigen Bevölkerung wirken verschärfend. Die
Bundesregierung unterstützt Maßnahmen, die auf Deeskalation und Einigung beim
Zugang zu Ressourcen hinarbeiten. Beispiele für solche Maßnahmen sind:
● 01/2015 bis 12/2017: Unterstützung für südsudanesische Flüchtlinge und
aufnehmende Gemeinden, in dem lokalen gewaltfreie
Konfliktbearbeitungsmechanismen gestärkt werden, um Konflikten um Feuerholz, Weidegrund
und Wasser zwischen der lokalen Bevölkerung und den v. a. aus dem
Südsudan stammenden Flüchtlingen vorzubeugen oder ggf. bestehende
Konflikte gewaltfrei zu lösen. Umfang: 6 Mio. Euro.
● 01/2014 bis 12/2016: Vorhaben zur Ernährungssicherheit und Dürreresilienz
in Kenia mit einem Volumen von 6,4 Mio. Euro durch nachhaltige
Intensivierung der landwirtschaftlichen Produktion als Schlüssel zur Erhöhung der
Ernährungssicherheit in ausgewählten Regionen. Die Umsetzung geschieht
vor allem durch Politikberatung und Koordination auf nationaler Ebene
sowie Kapazitätsentwicklung in den Bezirken („Counties“).
● 2009 bis 2018: Förderung von Versöhnung und Demokratisierung durch
Stärkung der „Transitional Justice“-Prozesse in Kenia: Das ZFD-Vorhaben
leistet durch die Unterstützung einer konfliktsensiblen Implementierung der
Landpolitik und der friedlichen Bearbeitung von Landkonflikten einen
Beitrag zur Versöhnung. Hierzu werden Binnenflüchtlinge und ihre
Aufnahmegemeinden unterstützt, Probleme wie den Kampf um Ressourcen, gewaltfrei
zu lösen.
● 2015 bis 2019: „Transparency International Land and Corruption in Africa“
i. H. v. 3 Mio. Euro. Das Vorhaben zielt auf die Korruptionsbekämpfung im
Landbereich in ausgewählten afrikanischen Ländern durch die Stärkung von
Transparenz, Integrität und Rechenschaftspflicht sowie durch die Stärkung
zivilgesellschaftlicher Gruppen. In den Jahren 2015 und 2016 sind auch
Aktivitäten in Kenia geplant.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/555213. Sieht die Bundesregierung regionale Disparitäten und die schlechte
wirtschaftliche Situation in peripheren Räumen als Ursachen von Konflikten
an?
In welcher Weise wirken von der Bundesregierung getragene oder
geförderte Maßnahmen auf einen Ausgleich der unterschiedlichen regionalen
Entwicklungschancen hin?
Sieht die Bundesregierung in solchen Maßnahmen Möglichkeiten, auf die
Ursachen von Konflikten einzuwirken?
Die Bundesregierung erkennt grundsätzlich an, dass starke regionale
Missverhältnisse in der Verteilung von und im Zugang zu knappen Ressourcen und
wirtschaftlichen Entwicklungspotenzialen mitursächlich für konflikteskalierende
Prozesse sein können.
Die Bundesregierung fördert z. B. in dem in den Jahren 2014 bis 2016 mit
160 000 Euro unterstützten Vorhaben „Enhancing Citizen Participation and
Conflict Management in County Governance“ die Bürgerbeteiligung an
politischen Entscheidungsprozessen auf der dezentralen, sogenannte County-Ebene.
Die in der neuen Verfassung vorgesehene Dezentralisierung sieht eine
signifikante Verlagerung von Zuständigkeiten, etwa für Wasser- und
Gesundheitspolitik oder auch Landfragen, von der Zentralregierung in Nairobi an die neuen
County-Verwaltungen vor. Insbesondere dieser Prozess ist dazu geeignet,
regionale Disparitäten mittel- und langfristig zu verringern. Im Rahmen von
Zivilbildungsmaßnahmen sollen Bürgergruppen und Nichtregierungsorganisationen
in zwölf traditionell benachteiligten und als konfliktsensitiv identifizierten
Gemeinden (sogenannte Counties) zunächst in allgemeiner Form für die
verfassungsmäßigen Aufgaben und Verantwortlichkeiten der Counties sensibilisiert
werden. In der Folge sollen sie über spezifische Instrumente und Foren, über die
sie an dezentralen politischen Entscheidungsprozessen teilhaben und
mitgestalten können, aufgeklärt werden.
Die meisten gewaltsam ausgetragenen Konflikte gehen nicht auf eine einzige
Ursache zurück, sondern bilden vielmehr mehrere Konfliktlinien ab, die sich
etwa entlang ethnischer, regionaler oder religiöser Grenzen konstituieren
können. Konflikte zwischen Zentrum und Peripherie sind dabei nicht zwingend
ausschließlich in ökonomischen Verwerfungen begründet. Daher setzt die
Bundesregierung bei der Planung und Durchführung von Maßnahmen der zivilen
Krisenprävention auf eine regionalspezifische und multidimensionale Analyse
von Konfliktlagen vor Ort.
14. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, inwieweit Konflikte im
Zusammenhang mit Umweltproblemen und dem Klimawandel
gewaltförmig ausgetragen werden?
Wenn ja, inwieweit haben diese Erkenntnisse Einfluss auf die bilaterale
Zusammenarbeit, insbesondere bezogen auf Instrumente, Programme und
Vereinbarungen zur zivilen Konfliktbearbeitung?
Die Bundesregierung verfolgt die laufende wissenschaftliche Debatte über
mögliche Zusammenhänge zwischen Veränderungen in Umwelteinflüssen und
Klima sowie Eskalation und Verlauf gewaltförmiger Konflikte und lässt sich
regelmäßig über den Stand der Forschung unterrichten. Im Rahmen der 21.
Sitzung des Beirats zivile Krisenprävention am 10. November 2014 wurde etwa
über eine laufende Studie eines Konsortiums der Beratungsorganisation Adelphi
und Partner zum Zusammenhang von Klimawandel und fragiler Staatlichkeit im
Auftrag der G7-Außenminister beraten. Von dieser Studie erhofft sich die
Bundesregierung nähere Rückschlüsse über die konkreten Risiken, die sich
mittel- und langfristig abzeichnen und darüber, ob die vorhandenen politischen
Strukturen und Prozesse diesen Risiken hinreichend begegnen können.
Drucksache 18/5552 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode15. Welchen Handlungsbedarf sieht die Bundesregierung hinsichtlich des
Schutzes der sich unter sehr prekären Bedingungen in Kenia aufhaltenden
somalischen Flüchtlinge, und welche Schlussfolgerungen und
Konsequenzen zieht sie aus den durch die kenianische Regierung angekündigten
Zwangsrückführungen der Flüchtlinge aus Somalia (
www.cnn.com vom
11. April 2015 „Kenyan official to U.N.: Relocate worldʼs largest refugee
camp, or weʼll do it“?
Die Bundesregierung unterstützt u. a. im Rahmen der humanitären Hilfe die in
den kenianischen Flüchtlingslagern Dadaab und Kakuma aufhältigen
Flüchtlinge aus Somalia und Südsudan und anderen Staaten. Es gibt keine offizielle
Ankündigung der kenianischen Regierung, Flüchtlinge aus Somalia
zwangsweise in ihr Heimatland zurückzuführen. Die kenianische Regierung bekennt
sich weiterhin zu der zwischen dem Flüchtlingshilfswerk der Vereinten
Nationen UNHCR, Somalia und Kenia getroffenen Vereinbarung zur freiwilligen
Rückführung somalischer Flüchtlinge. Das völkerrechtliche Gebot der
Nichtzurückweisung bleibt durch das Prinzip der Freiwilligkeit unberührt.
16. Welche eigenen Instrumente zur Krisenfrüherkennung nutzt die
Bundesregierung im Fall Kenias, und inwieweit sind diese bislang von Bedeutung
gewesen?
Der Bundesregierung stehen zur Krisenfrüherkennung in erster Linie die
Berichte der deutschen Auslandsvertretungen sowie die vom Auswärtigen Amt,
dem Bundesministerium der Verteidigung, dem Bundesministerium für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sowie dem
Bundesnachrichtendienst erstellten Krisenfrüherkennungs-Analysen zur Verfügung, die in
regelmäßigen Abständen aktualisiert werden und Konfliktrisiken identifizieren.
Mit dem neu geschaffenen Referat „Frühwarnung und Szenarienplanung“ (S04)
hat das Auswärtige Amt zudem eine zentrale Stelle für die Krisenfrüherkennung
geschaffen, die zu einer effektiven gemeinsamen Krisenfrüherkennung der
Bundesregierung beitragen wird.
17. Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die
Bundesregierung aus den Verfassungsreformen seit dem Jahr 2010, und inwieweit hält
sie den Stand der Umsetzung für ausreichend?
Kenia ist nach der Verfassung von August 2010 eine Präsidialrepublik. Der
Staatspräsident verfügt über weitreichende Exekutivvollmachten. Ihm
unterstehen sowohl die Regierung als auch die Streitkräfte. Nach friedlicher
Annahme der neuen Verfassung mit großer Mehrheit im Referendum vom August
2010 bahnen sich mit der Umsetzung des Grundrechtekatalogs, den Reformen
in den Feldern Sicherheit und Justiz sowie der Einführung einer dezentralen
Bezirksverwaltung wichtige Änderungen an. Kenia wird ein dezentral
aufgebautes und verwaltetes Land. Einen Schritt in diese Richtung hat Kenia mit den
Wahlen vom 4. März 2013 gemacht: Neben dem Präsidenten und
Vizepräsidenten wurden erstmals Gouverneure und Parlamente auf Bezirksebene gewählt.
Die Bundesregierung unterstützt auch weiterhin den umfassenden
Reformprozess und den Umbau der Staatsstruktur. Die Vorgaben der kenianischen
Verfassung sind noch nicht vollständig umgesetzt, so z. B. die Polizeireform, die die
demokratische Legitimität und Kontrolle der kenianischen Polizei verbessern
soll. Durch die neue Verfassung wurde die Stellung der Justiz deutlich gestärkt,
denn mit dem Supreme Court wurde eine weitere Ebene mit der Aufgabe
etabliert, Anrufungsinstanz für die Prüfung der Gültigkeit von
Präsidentschaftswahlen zu sein und Kompetenz über die Fälle auszuüben, in denen die Inter-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/5552pretation oder Anwendung der Verfassung in Frage steht. Im Verfassungstext
wurden erstmals auch rechtsstaatliche Justizverfahrensrechte festgeschrieben
(Rechtswegegarantie sowie Strafverfahrensrechte). Die Bundesregierung
unterstützt den Aufbau der kenianischen Justiz, hier insbesondere den Aufbau der
„International und Organized Crimes Division“.
18. Mit welchen Maßnahmen unterstützt die Bundesregierung kenianische
Bemühungen um eine Bekämpfung der weitverbreiteten Korruption?
Korruption ist ein wesentliches Entwicklungshemmnis in Kenia. Dies wird
seitens der internationalen Gemeinschaft gegenüber den kenianischen Partnern
thematisiert, so auch von deutscher Seite in den regelmäßig stattfindenden
Konsultationen zur gemeinsamen weiteren Ausgestaltung der
Entwicklungszusammenarbeit sowie anlassbezogen seitens der Deutschen Botschaft in Nairobi. An
der speziellen Geberarbeitsgruppe zu Antikorruption nimmt die Botschaft
gemeinsam mit der GIZ (derzeit Gruppenvorsitz) teil, berät sich zu den
Reformfortschritten der Regierung und bereitet entsprechende Positionen der
internationalen Gemeinschaft vor. Kenia ist Pilotland zur Umsetzung des im Jahr 2012
veröffentlichten Strategiepapiers des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung „Antikorruption und Integrität in der
deutschen Entwicklungszusammenarbeit“. Die Bundesregierung finanziert seit dem
Jahr 2013 ein Vorhaben zur Unterstützung von Rechenschaft und Integrität in
Kenia in Höhe von 7 Mio. Euro, in dem die wesentlichen, staatlichen Akteure
entlang der Anti-Korruptionskette, angefangen von der Korruptionsprävention
(z. B. staatliches Beschaffungswesen, Rechnungshof) über die Ermittlung (Anti-
Korruptions- und weitere unabhängige Aufsichtsbehörden) bis hin zur
Verfolgung (Staatsanwaltschaft, Justiz) beraten werden. Die Eigenverantwortung
und der Reformwille der kenianischen Partner stehen hierbei im Mittelpunkt.
Dieses Vorhaben wird im Sinne des „EU Joint Programming“ über Ko-
Finanzierungen auch von Schweden und Finnland unterstützt.
19. Sieht die Bundesregierung die ökonomische und soziale Situation im
Land, insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit, als mögliche Ursache für
Krisen an, und welche Maßnahmen sollten aus ihrer Sicht ergriffen
werden, um daran etwas zu ändern?
Fördert die Bundesregierung entsprechende Vorhaben?
Die Bundesregierung erkennt grundsätzlich an, dass wirtschaftliche Krisen und
angespannte soziale Lagen mitursächlich für konflikteskalierende Prozesse sein
können. Die kenianische Volkswirtschaft wächst aber seit Jahren
überdurchschnittlich, ein Mittelstand entsteht und die Wirtschaftsstruktur diversifiziert.
Kenia ist das einzige Land innerhalb der East African Community (EAC), das
keinen „least-development-country“-Status hat. Allerdings gibt es in Kenia
regional teilweise erhebliche Disparitäten. Besonders die Grenzregionen zu
Äthiopien und Somalia und die kenianische Küste sind mit schwierigen
wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, geringen Erwerbschancen und sinkenden
Wachstumsraten konfrontiert. An der kenianischen Küste macht die hohe
Jugendarbeitslosigkeit nicht nur für Radikalisierung empfänglich, sondern auch
für Sezessionsbestrebungen. Diesen Entwicklungen versucht die
Bundesregierung durch verschiedene Vorhaben entgegen zu wirken, z. B.:
● „Dialog ermöglichen“: Angesichts der sich verschlechternden
Sicherheitslage an der muslimisch dominierten Küste und der damit einhergehenden
Verschärfung des Tons bzw. der Beziehungen zwischen Zivilgesellschaft und
Regierung wird unter Leitung der Kenya National Commission on Human
Rights der Dialog zwischen Zivilgesellschaft und lokalen Regierungsver-
Drucksache 18/5552 – 12 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodetretern bzw. Sicherheitskräften (Polizei, Antiterrorpolizei) in Mombasa
gefördert und die Vernetzung innerhalb der Zivilgesellschaft gestärkt.
● „Randgruppen integrieren, Radikalisierung verhindern“: Die kenianische
Nichtregierungsorganisation MUHURI (Muslims for Human Rights) fördert
durch Trainings, Begegnungen und Diskussionsforen das Verständnis
zwischen Jugendlichen und Sicherheitskräften.
● „Justiz stärken, Vertrauen schaffen“: Über den in den Jahren 2013 bis 2015
vom Auswärtigen Amt finanzierten und inhaltlich begleiteten Aufbau einer
International and Organized Crimes Division (IOCD) zur Aufklärung inter-
und transnationaler Verbrechen, wurde die kenianische Justiz gestärkt.
20. Vor dem Hintergrund der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine
Anfrage auf Bundestagsdrucksache 18/4626, in der eine Reihe von Projekten
benannt werden, die die Bundesregierung gefördert hat,
a) was weist das in den Jahren 2007 bis 2009 mit insgesamt über 500 000
Euro geförderte „Trainingszentrum für Frieden und Sicherheit PSTC“
als „zivil“ aus, was war genau Gegenstand der Förderung, welche
Organisation hat die entsprechenden Mittel erhalten, welche Zielgruppen
sollten erreicht werden, und wie wurde die Verwendung der Mittel
evaluiert,
Das Peace Support Training Center (PSTC) bereitet insbesondere Teilnehmer an
afrikanischen und VN-geführten Friedensmissionen auf ihre Einsätze vor. Die
deutsche Förderung umfasste neben dem Bau eines Unterrichtsgebäudes mit
Bibliothek die Einführung von Lehrinhalten zur Stärkung der zivilen
Komponenten der Friedensmissionen. Es handelte sich um die Entwicklung und
Durchführung von Kursen für zivile „Peacekeeper“ zur zivil-militärischen
Zusammenarbeit in Friedensmissionen, zu Demobilisierung, Entwaffnung und
Wiedereingliederung (DDR), sowie um die Entwicklung von Unterrichtsmodulen zu
Gender- und zu Menschenrechtsfragen. Diese wurden über die beiden
genannten Kurse hinaus auch in andere Kurse, z. B. für Polizisten, integriert. Die
Maßnahmen wurden durch die GIZ zusammen mit dem PSTC durchgeführt und
anhand einer Projektfortschrittskontrolle evaluiert.
b) was war genau Gegenstand der Förderung der Maßnahme „Förderung
von sozialer Gerechtigkeit, Versöhnung und nationaler Kohäsion“, wer
hat die entsprechenden Mittel erhalten, und wie wurde die Verwendung
der Mittel evaluiert,
Gegenstand der Maßnahme war die Stärkung staatlicher und nichtstaatlicher
Schlüsselakteure hinsichtlich des laufenden Reformprozesses und im Hinblick
auf die Gewährleistung von sozialer Gerechtigkeit, Versöhnung und nationaler
Kohäsion, v. a. im Nachgang zu den Nachwahlunruhen der Jahre 2007 und
2008. Im Mittelpunkt stand einerseits die Enthüllung und Aufarbeitung
vergangenen staatlichen Unrechts sowie andererseits die Stärkung einer kohärenten,
gerechten und stabilen Gesellschaft. Die Maßnahme wurde durch die GIZ
zusammen mit dem kenianischen Ministerium für Justiz, nationale Kohäsion und
Verfassungsangelegenheiten durchgeführt und anhand einer
Projektfortschrittskontrolle evaluiert.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 13 – Drucksache 18/5552c) was war genau Gegenstand der Förderung der Maßnahme „Aufbau und
Stärkung lokaler Friedensaktivitäten“, worin besteht der Bezug zur
Krisenprävention, wer hat die entsprechenden Mittel erhalten, und wie
wurde die Verwendung der Mittel evaluiert,
Bei der Maßnahme ging es um interethnischen und interreligiösen Dialog und
Reintegration von zurückgekehrten Flüchtlingen/IDPs, Versöhnungs- und
Jugendarbeit. Die Bundesregierung hat die Maßnahme über den Zivilen
Friedensdienst (ZFD) gefördert. Die Mittel gingen an die Trägerorganisation
Arbeitsgemeinschaft für Entwicklungshilfe e. V. (AGEH). Engagement Global hat im
Jahr 2014 die sachgerechte Verwendung der Mittel und die Zweckerfüllung
geprüft.
d) was war genau Gegenstand der Förderung der Maßnahme „Förderung
von guter Regierungsführung in Kenia unter besonderer
Berücksichtigung des Rechtszugangs für Opfer geschlechterspezifischer Gewalt“,
worin besteht der Bezug zur Krisenprävention, wer hat die
entsprechenden Mittel erhalten, und wie wurde die Verwendung der Mittel
evaluiert,
Gegenstand der Maßnahme war die Stärkung der Institutionen und
Mechanismen im „Governance, Justice, Law and Order Sector“ (GJLOS) zur Förderung
und Aufrechterhaltung von Rechtsstaatlichkeit. Dies stand vor allem im
Zusammenhang mit der Verabschiedung der neuen Verfassung als Ergebnis des
Reformprozesses im Nachgang zu den Nachwahlunruhen in den Jahren 2007
und 2008. Die Verfassung findet seit den Parlaments- und
Präsidentschaftswahlen im März 2013 Anwendung und macht Reformen in den Bereichen Achtung
der Menschenrechte, Stärkung der Rechtsstaatlichkeit und Integrität sowie
Gleichberechtigung der Geschlechter notwendig. Zur Förderung ihrer
Nachhaltigkeit und Kohärenz unterstützte die Maßnahme den sektorweiten und
partizipativen Ansatz der kenianischen Regierung und trug somit zur Entschärfung des
hiermit verbundenen Krisenpotentials bei. Die Maßnahme wurde durch die GIZ
zusammen mit dem kenianischen Ministerium für Justiz, nationale Kohäsion
und Verfassungsangelegenheiten, durchgeführt und anhand einer
Projektfortschrittskontrolle evaluiert.
e) was war genau Gegenstand der Förderung der Maßnahme
„Stabilisierung der Lebensgrundlagen“, worin besteht der Bezug zur
Krisenprävention, wer hat die entsprechenden Mittel erhalten, und wie wurde die
Verwendung der Mittel evaluiert,
Die Maßnahme hatte zum Zweck, die Lebensgrundlagen der ortsansässigen
Bevölkerung im Umfeld des Flüchtlingslagers Dadaab zu verbessern und Ansätze
friedlicher Konfliktbearbeitung einzuführen. Mittel waren Aufbau und
Rehabilitierung der wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur,
Produktionsverbesserung und Diversifizierung der Land- und Viehwirtschaft, Verbesserung der
Einkommensmöglichkeiten aus landwirtschaftlichen und
außerlandwirtschaftlichen Aktivitäten sowie Stärkung von Kompetenzen der Dialogfähigkeit und
gewaltfreien Konfliktbewältigung. Der Bezug zur Krisenprävention bestand in
Maßnahmen wie der Unterstützung lokaler „Peace Committees“, die
Sensibilisierungsmaßnahmen und Foren durchgeführt haben, um potentielle und
bestehende Konflikte zu mindern. Mittels Radiosendungen wurden spezifische
Konfliktlösungsbeiträge ausgestrahlt. Empfänger der Projektmittel war die GIZ.
Die Verwendung der Mittel wird durch eine unabhängige
Wirtschaftsprüfergesellschaft evaluiert.
Drucksache 18/5552 – 14 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodef) was war genau Gegenstand der Förderung der Maßnahme
„Entwicklung des Wasser- und Sanitärsektors“, worin besteht der Bezug zur
Krisenprävention, wer hat die entsprechenden Mittel erhalten, und wie
wurde die Verwendung der Mittel evaluiert?
Gegenstand der Maßnahme „Programm zur Reform des Wassersektors“ war die
Erhöhung eines nachhaltigen Zugangs der armen Stadtbevölkerung zu
unbedenklichem Trinkwasser und Basissanitärversorgung und die Verbesserung
der Wasserressourcenbewirtschaftung. Dabei wurden vier Komponenten
berücksichtigt: die Unterstützung des Wasserministeriums bei der Sektorreform,
die Regulierung des Wassersektors, die armutsbezogene Finanzierung durch den
Water Services Trust Fund und die Stärkung der Leistungsfähigkeit der Behörde
für Wasserressourcenmanagement. Die Regulierung des Wassersektors und die
Finanzierung von Wasser- und Sanitärversorgungsmaßnahmen in den
Siedlungen der armen Stadtbevölkerung waren entscheidende Elemente zur Armuts-
und Menschenrechtsorientierung der Reform und trugen somit dazu bei, das
Krisenpotential der knappen Ressource Wasser zu entschärfen. Die Maßnahme
wurde durch die GIZ zusammen mit dem kenianischen Ministerium für Wasser
und Bewässerung durchgeführt und anhand einer Projektfortschrittskontrolle
evaluiert.
21. Teilt die Bundesregierung die Besorgnis der Antragsteller über Übergriffe
der kenianischen Sicherheitskräfte, und wenn ja,
In den Berichten der VN-Sonderberichterstatter für Kenia, Philip Alston (2009)
und Christof Heyns (2011), der Europäischen Union, der Deutschen Botschaft
in Nairobi, aber auch von Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty
International (2008 bis 2014) oder der „Open Society Justice Initiative“ (November
2013) werden der kenianischen Polizei schwere Menschenrechtsverstöße
vorgeworfen, insbesondere systematische willkürliche Hinrichtungen. Die
Bundesregierung nimmt diese Hinweise sehr ernst.
a) hat die Bundesregierung entsprechende Vorfälle gegenüber
kenianischen Regierungsstellen angesprochen,
In Übereinstimmung mit den sowohl durch die VN-Berichterstatter Philip
Alston und Christof Heyns als auch in der Studie der Open Society Foundation
aus November 2013 unterstrichenen Erfordernissen wird die Bundesregierung
den noch anhaltenden Reformprozess im Sicherheitsbereich in Kenia weiter
unterstützen. Die Bundesregierung wird in diesem Zusammenhang auch weiterhin
die Einhaltung und die Förderung menschenrechtlicher Standards anmahnen.
b) welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um in den
kenianischen Sicherheitskräften die Orientierung an rechtsstaatlichen und
menschenrechtlichen Prinzipien zu stärken,
Das Bundeskriminalamt führt Lehrgänge und Schulungen in Kenia durch. Ziel
ist es, die kenianische Polizei an rechtsstaatliche Standards heranzuführen und
den Sachbeweis im polizeilichen Ermittlungsverfahren zu stärken. Dabei
werden die Themen Rechtsstaatlichkeit, Demokratie und Menschrechte in die
Lehrgangsinhalte integriert.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 15 – Drucksache 18/5552c) welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um auf eine den
Bevölkerungsanteilen entsprechende Zusammensetzung der
kenianischen Sicherheitskräfte hinzuwirken?
Keine. Die Bundesregierung hat keinen Einfluss auf die Personalrekrutierung
der kenianischen Sicherheitskräfte.
22. Welche Formen der Kooperation im polizeilichen Bereich hat es zwischen
der Bundesrepublik Deutschland und Kenia seit dem Jahr 2005 gegeben?
a) Welche Kooperationsvorhaben gibt es?
Kenia ist ein wichtiger Partner für die polizeiliche Aufbauhilfe, insbesondere als
Begünstigter im Rahmen des vom Auswärtigen Amt und dem
Bundesministerium des Innern finanzierten Projektes Polizeiaufbau Ostafrika (Kenia, Ruanda,
Tansania, Uganda, Äthiopien). Hauptpartner auf kenianischer Seite ist die
Kriminalpolizei (CID). Das Bundeskriminalamt führt seit dem Jahr 2008 zu
Gunsten Kenias Lehrgänge und ausbildungsbegleitende Ausstattungsmaßnahmen im
Rahmen der bilateralen polizeilichen Aufbauhilfe durch.
b) Was sind die Themen der Kooperation?
Themen der aktuellen Kooperation sind die Verbesserung der materiellen
Beweisführung und dadurch die Stärkung des Sachbeweises im rechtsstaatlichen
Ermittlungsverfahren. Ein weiterer Schwerpunkt ist die Unterstützung der
Polizeischule in Nairobi durch gezielte Ausstattungsmaßnahmen
(Unterrichtsmobiliar, IT-Technik) zur Verbesserung der Unterrichtsgestaltung und Beratung
bei der Überarbeitung der Ausbildungspläne (Curricula) zur Erreichung
internationaler Standards. Weiterhin wird versucht, Einfluss auf die
Ausbildungsmaßnahmen zur flächendeckenden Wissensvermittlung zu nehmen, indem
Trainer in den Bereichen Tatortarbeit und basiskriminalpolizeiliche Ermittlungen
ausgebildet werden. Ergänzend werden Multiplikatoren in den Bereichen
„Bekämpfung der Rauschgiftkriminalität“ und „Todesermittlungen“ unter
Beachtung rechtsstaatlicher Prinzipien fortgebildet.
c) Gibt es neben der Kooperation mit der Anti-Terror-Einheit ATPU noch
andere Kooperationen mit Anti-Terror-Einheiten, und wenn ja,
welche?
Es findet keine Zusammenarbeit mit anderen kenianischen Anti-Terror-
Dienststellen statt.
d) Inwieweit wird im Rahmen der Polizeikooperation sichergestellt, dass
die Ausbildungsinhalte die Einhaltung menschen- und
grundrechtlicher Standards durch die kenianischen Polizeieinheiten befördern?
Die Lehrgangsinhalte dienen der Förderung der Rechtsstaatlichkeit und der
Wahrung der Menschenrechte. Die Stärkung des Sachbeweises dient
insbesondere dazu, transparente und nach demokratischen Gesichtspunkten ausgerichtete
Ermittlungsverfahren durchzuführen. Im Übrigen wird auf die Antwort der
Bundesregierung auf die Schriftliche Frage 44 des Abgeordneten Niema Movassat
auf Bundestagsdrucksache 18/815 verwiesen.
Drucksache 18/5552 – 16 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodee) In welcher Weise reagieren die Programme darauf, dass extralegale
Tötungen im Polizeigewahrsam immer wieder vorkommen
(Menschenrechtsbericht der Bundesregierung und Open-Society-Bericht
über Menschenrechtsverletzungen durch kenianische Anti-Terror-
Einheiten aus dem Jahr 2013)?
Die Menschenrechtslage in Kenia wird regelmäßig durch das Auswärtige Amt
und das Bundeskriminalamt beobachtet. Die Bundesregierung nimmt auch die
von Nichtregierungsorganisationen übermittelten Hinweise auf die unterstellte
Vorgehensweise der ATPU ernst. Eine direkte Unterstützung der ATPU ist
derzeit ausgesetzt. Sofern einzelne Beamte der ATPU an behördenübergreifenden
Ausbildungsmaßnahmen des Bundeskriminalamts teilnehmen, werden sie
gemäß der in den Antworten zu den Fragen 21b und 22d gemachten Angaben
unterrichtet.
f) Zu welchen Ergebnissen sind bisherige Evaluierungen der
Polizeikooperation gekommen, wie viele Evaluierungen hat es bisher gegeben
und zu welchen Zeitpunkten, welche Aspekte wurden hierbei
untersucht und wie, und anhand welcher Kriterien wurden die
Evaluierungen durchgeführt?
Im Oktober 2013 fand eine umfassende Evaluierung der in den
vorangegangenen Jahren durchgeführten bilateralen polizeilichen Aufbauhilfe zugunsten
Kenias statt. Dabei wurde festgestellt, dass es zur weiteren Stärkung
rechtsstaatlicher Polizeiarbeit in verschiedenen Bereichen beim „National Police Service
(NPS) Kenya“ weiterer Schulungen und ergänzender Ausstattungshilfe bedarf.
Für die Inhalte der aktuellen Kooperation mit Kenia wird auf die Antwort zu
Frage 22b verwiesen.
g) Wie häufig, wie systematisch und auf welche Art und Weise hat der
BKA-Verbindungsbeamte überprüft und sichergestellt, dass im
Rahmen der Kooperation zur Verfügung gestelltes Wissen und zur
Verfügung gestellte Technik nicht zu extralegalen Handlungen und
Menschenrechtsverletzungen durch die kenianische Polizei eingesetzt
wurden (bitte die Inhalte und Schlussfolgerungen der Berichte des BKA-
Verbindungsbeamten zitieren)?
Die Verbindungsbeamten des Bundeskriminalamts prüfen regelmäßig im
Rahmen von Arbeitsbesuchen, Lehrgängen und Besprechungen, wie das der
kenianischen Polizei vermittelte Wissen und das Ausstattungsmaterial genutzt und
angewandt werden. Hierbei wurden keine missbräuchlichen Nutzungen
festgestellt.
Das Bundeskriminalamt überprüft im Rahmen der Aufgabenwahrnehmung
zudem regelmäßig die aktuelle politische Lage in Kenia. Dazu werden offen
zugängliche Quellen (z. B. internationale Presse) und Berichte des Auswärtigen
Amts genutzt.
23. Welche Formen der Kooperation auf militärischem Gebiet hat es zwischen
der Bundesrepublik Deutschland und Kenia seit dem Jahr 2005 gegeben?
Eine Zusammenarbeit erfolgte im gesamten Zeitraum in Form der Gewährung
von Militärischer Ausbildungshilfe sowie seit dem Jahr 2010 durch das
bilaterale Jahresprogramm, innerhalb dessen bis heute zwei Maßnahmen
durchgeführt wurden: Im Jahr 2011 erfolgte ein Informationsbesuch des kenianischen
National Defence College bei verschiedenen Einrichtungen der Bundeswehr
und im Jahr 2012 wurde eine multinationale VN-Ausbildung in Nairobi
finanziert.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 17 – Drucksache 18/5552a) Welche Ausbildungsmissionen, an denen die Bundeswehr beteiligt ist,
gab es seit dem Jahr 2005 in Kenia (bitte einzeln unter Angabe der
Anzahl deutscher Soldaten aufführen)?
Seit dem Jahr 2005 gab es keine Ausbildungsmission in Kenia, an der die
Bundeswehr beteiligt war.
b) Welche Manöver haben seit dem Jahr 2005 unter Beteiligung deutscher
und kenianischer Soldaten stattgefunden?
Bilaterale Übungsvorhaben der Bundeswehr mit kenianischen Streitkräften
fanden seit dem Jahr 2005 nicht statt. Deutsche und kenianische Soldatinnen
und Soldaten waren im Jahr 2015 an den multinationalen Übungen SILENT
WARRIOR 15 und EASTERN ACCORD 15 beteiligt.
c) Welche Militäreinsätze haben seit dem Jahr 2005 unter Beteiligung
deutscher und kenianischer Soldaten stattgefunden?
Seit dem Jahr 2005 erfolgte eine Beteiligung sowohl kenianischer als auch
deutscher Soldatinnen und Soldaten an folgenden Einsätzen:
● AMIS (African Union Mission in Sudan),
● MINUSMA (United Nations Multidimensional Integrated Stabilization
Mission in Mali),
● UNAMID (African Union/United Nations Hybrid operation in Darfur),
● UNIFIL (United Nations Interim Force in Lebanon),
● UNMEE (United Nations Mission in Ethiopia and Eritrea),
● UNMIL (United Nations Mission in Liberia),
● UNMIS (United Nations Mission in Sudan) und
● UNMISS (United Nations Mission in the Republic of South Sudan).
d) Wie viele Bundeswehrangehörige halten sich derzeit dienstlich in
Kenia auf?
Es halten sich drei Bundeswehrangehörige dauerhaft in Kenia auf.
24. Welche Mitglieder der Bundesregierung haben seit Beginn der 18.
Wahlperiode Kenia besucht?
Falls sie dabei von Vertreterinnen und Vertretern von Unternehmen,
Organisationen oder Verbänden begleitet wurden, welche waren dies?
Der Bundesminister des Auswärtigen, Dr. Frank-Walter Steinmeier, besuchte
Kenia im Februar 2015. Folgende Vertreterinnen und Vertreter von
Unternehmen, Organisationen und Verbänden begleiteten den Bundesminister:
a) als Mitglieder der Wirtschaftsdelegation und von Verbänden:
Frank Berger, Mitglied des Vorstands, AMG Mining AG
Heike Bergmann, Mitglied der Geschäftsführung, Voith Hydro GmbH & Co.
KG
Sabine Dall’Omo, Geschäftsführerin, Siemens (Pty) Ltd.
Prof. Roland Dieterle, Geschäftsführer, Spacial Solutions International
GmbH
Drucksache 18/5552 – 18 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeRoland Göhde, Geschäftsführer, Sysmex Partec GmbH
Fabian Guhl, Gründer und Geschäftsführer, Ampion e. V.
Andreas Berger, Vorstandsmitglied, Allianz Global Corporate & Speciality
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Arnulf Christa, Mitglied der Geschäftsleitung, BAUER Spezialtiefbau
GmbH
Eckardt Dauck, Vorstand, STRAWTEC Group AG
Helmut P. Gauff, Vorsitzender des Beirats, GAUFF GmbH & Co.
Engineering KG
Ingo Giersemehl, Mitglied des Vorstands, Kochendörfer & F.EE Hydropower
GmbH
Mansour Hamza, Geschäftsführer, Fichtner GmbH & Co. KG.
b) als Mitglieder der Kulturdelegation:
Prof. Dr. Klaus-Dieter Lehmann (Präsident Goethe-Institut)
Prof. Dr. Christoph Nix (Intendant Theater Konstanz)
Prof. Dr. Dr. Hermann Parzinger (Präsident Stiftung Preußischer
Kulturbesitz)
Prof. Dr. Arnold van Zyl (Rektor Technische Universität Chemnitz)
Prof. Dr. Margret Wintermantel (Präsidentin Deutscher Akademischer
Austauschdienst)
Prof. Dr. Martin Roth (Direktor Victoria and Albert Museum London).
Weitere Besuche von Mitgliedern der Bundesregierung aus dem
Geschäftsbereich anderer Bundesministerien sind nicht erfolgt. Eine Reise des
Bundesministers für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, Dr. Gerd Müller,
nach Kenia ist für Mitte Juli 2015 geplant.
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Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]