Eisenbahnstrecke Nürnberg–Prag im Rahmen der Transeuropäischen Netze
der Abgeordneten Dr. Valerie Wilms, Matthias Gastel, Dr. Anton Hofreiter, Elisabeth Scharfenberg, Stephan Kühn (Dresden), Tabea Rößner, Markus Tressel und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Die zweigleisige Bahnlinie Nürnberg–Marktredwitz(–Hof–Leipzig/Dresden, bzw. –Schirnding–Eger–Prag) ist im Abschnitt Hersbruck–Pegnitz, dem „Oberen Pegnitztal“, durch etliche Brücken- und Tunnelbauwerke gekennzeichnet. In diesem Abschnitt durchfährt die Bahn das Flusstal der Pegnitz mittels 23 eiserner Fachwerkbrücken und sieben Tunnel sowie auf Dämmen und wenigen Einschnitten. Aufgrund der technischen Leistung der damaligen Erbauer (Entstehungszeit um das Jahr 1870) und des entstandenen harmonischen Landschaftsbildes stehen die Brücken und Tunnel unter Denkmalschutz.
Die 23 Brückenträger des Gleises Hersbruck–Pegnitz wurden einmalig im Jahre 1900 in gleicher Form erneuert, die 23 Träger in Gegenrichtung erst im Jahre 1930. Seitdem wurden keine Erneuerungen vorgenommen. Die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 18/1840 („Zustand der Eisenbahnbrücken in Bayern“, siehe auch www.zeit.de/mobilitaet/2014-09/deutsche-bahn-brueckenzustand vom 2. September 2014) hat ergeben, dass gerade die Strecke Nürnberg–Hof ein „Hot Spot“ erneuerungs- bzw. renovierungsbedürftiger Brücken ist. Es stellt sich aufgrund der historischen Bauwerke die Frage nach einem Vorgehen, das sowohl dem Denkmalschutz als auch der Erneuerungswürdigkeit nachkommt. Die Strecke ist vor allem für den Regionalverkehr und viele Pendler nach bzw. aus Nürnberg sehr wichtig.
Im Jahr 2011 veröffentlichte die Deutsche Bahn Netz AG (DB Netz AG) im Zuge der Brückensanierung schon sehr weit gediehene Pläne, sämtliche 23 Brücken abzureißen und durch längere Betonbrücken zu ersetzen. An diesen Plänen hält die Deutsche Bahn AG (DB AG) weiterhin fest, obwohl sie sich gezwungen sah, selbst ein Gutachten in Auftrag zu geben, das schließlich im November 2014 veröffentlicht wurde (vgl. www.br.de/nachrichten/mittelfranken/inhalt/bahn-bruecken-pegnitztal-100.html). Darin wird festgehalten, dass 19 der 23 Brücken durch geeignete und erprobte technische Maßnahmen unter differenzierter Anwendung technischer Regeln mindestens für weitere 30 Jahre volltauglich unter Berücksichtigung aller Sicherheitsaspekte ertüchtigt werden können.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen9
a) Welche Maßnahmen zum Erhalt, zum Ausbau bzw. Neubau planen die Bundesregierung bzw. nach Kenntnis der Bundesregierung die DB AG entlang der Eisenbahnstrecken Nürnberg–Marktredwitz–Hof/Eger sowie Hof–Regensburg (bitte auch abschnittsweise die jeweiligen Kosten aufführen)?
b) Welche Maßnahmen auf den Strecken aus Frage 1a befinden sich im sogenannten Bezugsfall für den Bundesverkehrswegeplan?
c) Welche Maßnahmen auf den Strecken aus Frage 1a wird die DB AG nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2015 beginnen, und in welcher Höhe wurden dafür durch die DB AG bzw. den Bund Mittel bereitgestellt?
a) Welche Streckenführung bzw. Streckenführungen (Eisenbahn) ist bzw. sind auf dem TEN-Korridor (TEN – Transeuropäische Netze) zwischen Nürnberg und Prag vorgesehen?
b) Welche Streckenführung bzw. Streckenführungen wird bzw. werden im Bundesverkehrswegeplan mit welcher Priorität berücksichtigt?
a) Liegen der Bundesregierung bzw. nach Kenntnis der Bundesregierung der DB AG Pläne vor, Güter- und Personenzüge auf dieser Strecke zukünftig auf getrennten Trassen verkehren zu lassen, und wenn ja, mit welchen jeweiligen Streckenführungen?
b) Welches Gutachten ist der Bundesregierung bzw. der DB AG in diesem Zusammenhang bekannt, und welche Schlüsse zieht die Bundesregierung daraus?
c) Sind bei der Wirtschaftlichkeitsberechnung der Streckenführung über Marktredwitz–Schirnding Tunnelumbauten bzw. Tunnelneubauten einbezogen worden, und wenn ja, mit welchen Kosten, und welchem Ergebnis?
d) Wann ist nach Kenntnis der Bundesregierung bzw. nach Kenntnis der DB AG mit einer durchgehenden Elektrifizierung der Strecke Nürnberg–Marktredwitz–Hof/–Eger zu rechnen?
e) Ist nach Kenntnis der Bundesregierung mit weiteren Elektrifizierungen von Strecken auf dem TEN-Korridor Nürnberg–Prag zu rechnen, und wenn ja, auf welchen Streckenabschnitten?
Inwieweit ist nach Auffassung der Bundesregierung im Rahmen der Elektrifizierung der Strecke Nürnberg–Marktredwitz–Hof/–Eger ein Erhalt des historischen Brücken- und Tunnelbestands möglich (bitte für jeweilige Brücken und Tunnel nennen)?
Welche Bedeutung misst die Bundesregierung der elektrifizierten Strecke Hof–Regensburg für die Hafenhinterlandanbindung der norddeutschen Seehäfen bei, und durch welche Maßnahmen wird die Bundesregierung zusammen mit der DB AG dieser Bedeutung nachkommen?
a) Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung aus dem von der DB Netz AG in Auftrag gegebenen Gutachten des Büros Büchting und Streit (München), nach dem 19 der insgesamt 23 sich auf der Strecke befindenden historischen Brücken bei geeigneter Instandsetzung und Pflege noch eine Lebensdauer von mindestens 30 Jahren haben können?
b) Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die Bundesregierung aus der Äußerung der DB Netz AG, die 13 der 23 auf der Strecke befindlichen historischen Brücken hingegen für zum heutigen Zeitpunkt bereits abrissreif und erneuerungsfähig hält (www.br.de vom 28. November 2014 „Hoffnung für fünf historische Brücken“)?
Welche Vergleichsrechnungen für den Erhalt bzw. den Neubau der 23 historischen Brücken gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung (bitte jeweilige Ergebnisse darstellen), und welche Schlüsse zieht die Bundesregierung daraus?
Inwieweit unterstützt die Bundesregierung den Vorschlag, nach einem Brückenneubau die dann entstehenden Betonbrücken zur Herstellung des historischen Eindrucks mit einem stählernen Untergrund zu versehen?
Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung, die Anforderungen des Denkmalschutzes bei der Instandsetzung oder Erneuerung der Brücken zu berücksichtigen?