[Deutscher Bundestag Drucksache 18/5758
18. Wahlperiode 12.08.2015Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Irene Mihalic, Monika Lazar, Volker
Beck (Köln), weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/5356 –
Politisch motivierte Kriminalität in Deutschland im Jahr 2014
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss zum so genannten
Nationalsozialistischen Untergrund (PUA-NSU) hatte in seinem Abschlussbericht das
derzeitige polizeiliche System zu Erfassung politisch motivierter Kriminalität
(PMK) scharf kritisiert: So sei das polizeiliche Instrumentarium zur Analyse
rechtsextremistischer Gewalt über den gesamten Untersuchungszeitraum
„fehlerhaft“ gewesen. Dies hätte zur Folge gehabt, dass das Lagebild des
polizeilichen Staatsschutzes über den Rechtsextremismus in Deutschland
„unzutreffend“ gewesen sei (Bundestagsdrucksache 17/14600, S. 861).
Trotz dieses Befundes weichen auch in der aktuellen Statistik die PMK-
Ergebnisse wieder signifikant von den Erhebungen der zivilgesellschaftlichen
Opferberatungsstellen ab. Zudem ist fraglich, ob einige der in dieser Statistik
angewandten Kategorien zur Abbildung der gesellschaftlichen Realität geeignet
sind:
I. Anfang Mai 2015 hat das Bundesministerium des Innern (BMI) seine
Jahresstatistik zum Aufkommen von PMK in Deutschland im Jahr 2014
vorgestellt (
www.bmi.bund.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2015/05/pks-
und-pmk-2014.html).
Die wichtigsten Ergebnisse lauten:
● Die Zahl der PMK-Delikte ist demnach im letzten Jahr erneut angestiegen
(+ 3,3 Prozent, bzw. absolut: 32 700). PMK-rechts-Delikte sind – wenn
auch auf hohem Niveau – nahezu gleich geblieben (– 0,1 Prozent, bzw.
absolut: 17 020). Die Zahl der PMK-links-Delikte sank demgegenüber um
6,5 Prozent, bzw. absolut: 8 113).
● Deutlich gestiegen ist die Zahl von PMK-Gewaltdelikten (+ 18,3 Prozent,
bzw. absolut: 3 368). Die Fälle rechter Gewalt haben sich deutlich erhöht
(+ 23 Prozent, bzw. absolut: 1 029). Demgegenüber ist die Zahl politisch
links motivierter Gewaltdelikte fast gleich geblieben (+ 0,3 Prozent, bzw.
absolut: 1 664).Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 10. August 2015
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/5758 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode● Im Jahr 2014 gab es ein Viertel mehr politisch motivierte
Körperverletzungsdelikte (absolut: 2 285), bei denen – so das BMI – 2 059 Personen
verletzt wurden (+ 10 Prozent). 38 Prozent der Opfer wurden durch
rechtsmotivierte, 39 Prozent durch linke Gewalt verletzt.
● Das BMI registrierte zudem 15 versuchte PMK-Tötungsdelikte.
● Und schließlich meldet das BMI für das Jahr 2014 einen Anstieg der so
genannten fremdenfeindlich motivierten Straftaten um 21,5 Prozent (absolut:
3 945). Die Zahl der antisemitischen Straftaten hat sich sogar um 25,2
Prozent erhöht (absolut: 1 596). Dramatisch angestiegen sind im letzten Jahr
auch die Angriffe auf Asyl- und Flüchtlingsunterkünfte. 203 Überfälle
zählte die Polizei – in 175 Fällen sei hier von einer rechtsmotivierten
Tatmotivation auszugehen (2013: 58).
Auffallend ist auch die Entwicklung im Phänomenbereich „PMK-Ausländer“:
Insgesamt wurden 2 549 Delikte hier registriert – ein Anstieg in nur einem Jahr
um 192 Prozent. Die Zahl von Gewaltdelikten hat sich hier um 134 Prozent auf
390 Fälle erhöht und die der Körperverletzungen sogar um 153 Prozent (auf
insgesamt 278). 2 014 der PMK-Ausländerdelikte – also rund 80 Prozent –
wurden als extremistisch eingestuft (+ 270 Prozent) – bei den PMK-
Gewaltdelikten lag diese „Extremismusquote“ bei 66 Prozent (absolut: 259 Fälle – eine
Steigerung von 240 Prozent).
II. Am 27. April 2015 haben die Beratungsstellen für Betroffene rechter,
rassistischer und antisemitischer Gewalt der ostdeutschen Bundesländer und
Berlin erneut ihre Fallzahlen für das Jahr 2014 vorgelegt. Erneut fällt auf, dass
diese zivilgesellschaftlichen Beratungsstellen zum Teil deutlich höhere Zahlen
erfassen, als die PMK-Statistik des Bundeskriminalamtes (BKA).
III. Darüber hinaus weist die vom BMI vorlegte PMK-Statistik nach
Auffassung der Fragesteller große Lücken auf – so dass sich auch nicht einmal
annähernderweise ein valides Bild der PMK in Deutschland ergibt:
● Hasskriminalität: Hier weist das BMI erneut nur Daten für die
Themenbereiche Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus aus, nicht aber die Zahl
von Hassverbrechen aufgrund der sexuellen Orientierung bzw. aufgrund
des gesellschaftlichen Status (insbesondere gegen Wohnungslose) bzw.
Hassdelikte gegen Behinderte, gegen Muslime oder gegen Sinti und Roma
in Deutschland.
● Tötungsdelikte: Das BMI unterlässt es erneut, die politisch motivierten
Todesfälle (zumindest durch Orts- und Datumsangabe) näher zu bezeichnen.
Das macht es unmöglich, diese Angaben kritisch zu überprüfen.
● Gewalttaten gegen Polizistinnen bzw. Polizisten: Die BMI-Statistik enthält
keine Angaben über politisch motivierte Gewalttaten gegen Polizistinnen
bzw. Polizisten in Deutschland.
● Aufklärungsquote: Diese liegt bei 43 Prozent (PMK-insgesamt) bzw. bei
57 Prozent (bei PMK-Gewaltdelikte). Unklar ist jedoch, ob es hier
Unterschiede zwischen den Bereichen „Rechts“, „Links“ bzw. „Ausländer“ gibt.
● „Extremismusquote“: Das BMI erklärt, dass im letzten Jahr 73 Prozent aller
PMK-Delikte einen „extremistischen“ Charakter gehabt hätten (die also
– so die offizielle Definition – „darauf abzielten, bestimmte
Verfassungsgrundsätze zu beseitigen oder außer Geltung zu setzen“). Dieser Befund ist
undifferenziert. Denn seit Jahren lassen sich, wenn man die PMK-Statistik
des BKA mit der des Bundesamtes für Verfassungsschutz abgleicht (vgl.
Verfassungsschutzbericht 2013, S. 38 und 43), signifikante Unterschiede
zwischen den PMK-Bereichen „Rechts“ und „Links“ nachweisen: Bei
PMK-rechts-Straftaten insgesamt – aber auch bei der Teilmenge rechter
Gewalt- und Körperverletzungsdelikte – liegt die „Extremismusquote“ seit
mindestens sieben Jahren zwischen 95 und 98 Prozent (2014: 97 Prozent
insgesamt bzw. 96 Prozent bei rechten Gewaltdelikten). Im selben Zeitraum
wurde bei linksmotivierten Straftaten in deutlich weniger Fällen eine
„extremistische“ Motivation vermutet (2014: 55 Prozent insgesamt bzw.
60 Prozent bei Gewaltdelikten). Fast die Hälfte aller linksmotivierten Straf-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 3 – Drucksache 18/5758taten hatten demnach also auch im Jahr 2014 zwar einen politischen, aber
keinen „extremistischen“ Hintergrund.
● Abbildung von Demonstrationsdelikten in der PMK-Statistik: Die dem
Bereich PMK-links zugeordneten Straftaten stehen auffallend häufig im
Zusammenhang mit Demonstrationen. Die offizielle Statistik schlüsselt diese
Daten aber nicht auf. Nur händisch konnte die Bundesregierung – auf eine
entsprechende Nachfrage hin – ermitteln, dass sich die PMK-links
zugeschriebenen Demonstrationsdelikte zu rund einem Viertel (24 Prozent) aus
Fällen der Nötigung sowie gewaltlosen Verstößen gegen das
Versammlungsgesetz zusammensetzen (vgl. Bundestagsdrucksache 18/1724, S. 7
bzw. 19).
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Antwort auf die Kleine Anfrage erforderte eine Zusammenstellung der in
den letzten 14 Jahren erfassten Straftaten im Bereich der „Politisch motivierten
Kriminalität“ (PMK). Auch wenn diese Angaben in der Vergangenheit bereits
mehrfach Gegenstand von parlamentarischen Anfragen waren, resultierte
hieraus – wie insbesondere der Umfang der Antwort der Bundesregierung zeigt –
ein Zeit- und Ressourcenaufwand, der den Zeitrahmen, der für die
Beantwortung von Kleinen Anfrage grundsätzlich zur Verfügung steht, deutlich
überschreitet.
Dem Bundeskriminalamt (BKA) werden im Rahmen des Kriminalpolizeilichen
Meldedienstes Politisch motivierte Kriminalität (KPMD-PMK) jene Straftaten
gemeldet, die seitens der zuständigen Landespolizei als politisch motiviert
bewertet wurden.
Grundsätzlich erfolgt die Erfassung und Bewertung politisch motivierter Taten
durch die Behörden des jeweils zuständigen Landes in eigener Verantwortung.
Von dort werden als PMK eingestufte Sachverhalte per Kriminaltaktischer
Anfrage (KTA) an das BKA übermittelt. Im BKA werden die bundesweiten Zahlen
im Dateisystem LAPOS („Lagebild Auswertung politisch motivierte
Straftaten“) zusammengeführt und analysiert.
Es wird darauf hingewiesen, dass – wie auch in anderen statistischen
Erfassungen von Straftaten – entsprechend den PMK-Erfassungsgrundsätzen bei
Verwirklichung mehrerer Deliktsarten unterschiedlicher Deliktsqualität durch eine
Tathandlung derjenige Straftatbestand angeführt wird, der die höchste
Deliktsqualität und Strafandrohung aufweist. Ferner erfolgt keine Unterscheidung
zwischen Versuch und Vollendung.
Der LAPOS-Fallzahlen-Datenbestand ab 2001 ist in zwei Systemen erfasst: Die
Anwendung „LAPOS-Neu“ enthält die Straftaten mit der Tatzeit 2001 bis 2009,
die Anwendung „LAPOS 3“ enthält die Straftaten ab der Tatzeit 2010.
Erst mit der Einführung von „LAPOS 3“ ab 2010 wurde der Datenbestand
revisionssicher, das heißt, dass die jeweils gültigen Jahresfallzahlen mit dem
Stichtag 31. Januar des Folgejahres trotz späterer Nacherfassung stets wieder
abgerufen werden können. Da die Vorgängerversion diese Möglichkeit nicht hatte,
können die für den Zeitraum von 2001 bis 2009 durchgeführten
Fallzahlenerhebungen mittels LAPOS aufgrund von Nacherfassungen – geringe –
Abweichungen gegenüber den seinerzeit erhobenen und veröffentlichten Jahresfallzahlen
aufweisen.
Fragen, wie viele Taten darauf abzielten, Verfassungsgrundsätze in Deutschland
zu beseitigen bzw. außer Geltung zu setzen, wurden dahingehend interpretiert,
dass sie sich auf die Einstufung als „extremistische Taten“ beziehen. Zur
grundsätzlichen Extremismus-Einstufung wird auf die Antwort der Bundesregierung
vom 7. Juni 2010 auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. zur „Poli-
Drucksache 18/5758 – 4 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodetisch motivierten Kriminalität“ (Bundestagsdrucksache 17/1928, Antwort zu
Frage 2) verwiesen. Vor dem Hintergrund, dass die Erfassung und Bewertung
politisch motivierter Taten durch die Behörden des jeweils zuständigen Landes
in eigener Verantwortung erfolgt, liegen der Bundesregierung keine
Erkenntnisse darüber vor, welche Einzelinformationen zur Einstufung einer Tat als
extremistisch geführt haben.
PMK-Delikte – Allgemein
1. Wie viele PMK-Gewaltdelikte (entsprechend dem offiziellen Katalog
Politisch motivierter Gewaltdelikte) wurden in den Jahren 2001 bis 2014 durch
die Polizei aufgenommen (bitte nach Jahren sowie nach den PMK-
Phänomenbereichen „Rechts“, „Links“, „Ausländer“ bzw. „Sonstige“
aufschlüsseln)?
a) Wie viele Fälle einer politisch motivierten
● Sachbeschädigung,
● Nötigung und Bedrohung,
● Widerstandshandlung gegen die Polizei
wurden in den Jahren 2001 bis 2014 durch die Polizei registriert (bitte
nach Jahren sowie nach den PMK-Phänomenbereichen „Rechts“,
„Links“, „Ausländer“ bzw. „Sonstige“ aufschlüsseln)?
b) Wie viele gewaltlose PMK-Delikte, aufgeschlüsselt nach Verstößen
gegen das Versammlungsgesetz, gegen das Waffenrecht,
Propagandadelikten (bitte nach Verbreiten von Propaganda, Verwenden verbotener
Kennzeichen, Volksverhetzung, Störung der Totenruhe aufschlüsseln),
anderen Straftaten, wurden in den Jahren 2001 bis 2014 durch die
Polizei erfasst (bitte nach Jahren sowie nach den PMK-Phänomenbereichen
„Rechts“, „Links“, „Ausländer“ bzw. „Sonstige“ aufschlüsseln)?
Nachfolgend werden die in den Jahren 2001 bis 2014 erfassten PMK-Taten,
aufgeschlüsselt nach Jahren, Phänomenbereichen und Gewalttaten dargestellt:
PMK-insgesamt PMK-rechts PMK-links PMK-Ausländer PMK-Sonstige
gesamt
davon
Gewalt
gesamt
davon
Gewalt
gesamt
davon
Gewalt
gesamt
davon
Gewalt
gesamt
davon
Gewalt
2001 26 520 2 368 14 725 980 4 418 1 168 1 020 144 6 357 76
2002 21 690 1 930 12 933 940 3 639 806 845 103 4 273 81
2003 20 477 1 870 11 576 845 3 614 803 1 743 122 3 544 100
2004 21 178 1 800 12 553 832 3 521 789 603 86 4 501 93
2005 26 401 2 448 15 914 1 034 4 898 1 240 771 71 4 818 103
2006 29 050 2 522 18 142 1 115 5 363 1 209 691 121 4 854 77
2007 28 538 2 541 17 607 1 054 5 866 1 247 902 129 4 163 111
2008 31 801 2 529 20 422 1 113 6 724 1 188 1 484 143 3 171 85
2009 33 917 3 044 19 468 959 9 375 1 822 966 144 4 108 119
2010 27 180 2 636 16 375 806 6 898 1 377 917 153 2 990 300
2011 30 216 3 108 16 873 828 8 687 1 809 1 010 256 3 646 215
2012 27 440 2 464 17 616 842 6 191 1 291 868 179 2 765 152
2013 31 645 2 848 17 042 837 8 673 1 659 874 167 5 056 185
2014 32 700 3 368 17 020 1 029 8 113 1 664 2 549 390 5 018 285
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 5 – Drucksache 18/5758In den Jahren 2001 bis 2014 erfasste Sachbeschädigungen (fallen nicht unter die
Gewalttaten), aufgeschlüsselt nach Jahren und Phänomenbereichen:
In den Jahren 2001 bis 2014 erfasste Nötigungen und Bedrohungen,
aufgeschlüsselt nach Jahren und Phänomenbereichen:
PMK-rechts PMK-links PMK-Ausländer PMK-Sonstige
2001 393 1 822 113 384
2002 294 1 416 54 395
2003 281 1 424 56 279
2004 291 1 254 55 492
2005 583 1 639 40 667
2006 514 1 732 75 535
2007 935 2 507 145 319
2008 1 365 3 265 254 773
2009 1 784 4 309 205 1 677
2010 1 512 3 146 142 588
2011 1 685 4 047 148 1 208
2012 1 319 2 942 125 580
2013 1 171 3 660 87 1 678
2014 936 3 625 199 1 836
PMK-rechts PMK-links PMK-Ausländer PMK-Sonstige
2001 275 177 74 88
2002 160 73 45 50
2003 118 82 39 65
2004 122 74 44 75
2005 111 96 33 113
2006 169 90 59 82
2007 164 115 42 47
2008 165 153 43 56
2009 170 131 68 59
2010 147 148 27 140
2011 149 99 50 168
2012 166 102 60 75
2013 172 157 58 106
2014 224 191 115 126
Drucksache 18/5758 – 6 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeIn den Jahren 2001 bis 2014 erfasste Widerstandshandlungen, aufgeschlüsselt
nach Jahren und Phänomenbereichen:
In den Jahren 2001 bis 2014 erfasste Verstöße gegen das Versammlungsgesetz,
aufgeschlüsselt nach Jahren und Phänomenbereichen:
PMK-rechts PMK-links PMK-Ausländer PMK-Sonstige
2001 16 222 9 4
2002 44 137 4 9
2003 54 188 9 18
2004 53 178 9 11
2005 50 187 4 22
2006 56 181 8 10
2007 52 175 2 8
2008 47 164 7 4
2009 58 259 6 9
2010 52 180 5 51
2011 42 223 18 28
2012 59 203 15 30
2013 62 328 31 20
2014 48 263 46 59
PMK-rechts PMK-links PMK-Ausländer PMK-Sonstige
2001 76 471 32 48
2002 65 496 36 67
2003 53 523 31 105
2004 104 616 19 91
2005 194 843 19 195
2006 209 913 35 111
2007 227 1 064 54 95
2008 400 1 078 43 96
2009 330 1 648 55 134
2010 193 1 050 34 127
2011 221 1 468 101 159
2012 222 802 59 105
2013 112 1 924 69 639
2014 200 1 137 186 169
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 7 – Drucksache 18/5758In den Jahren 2001 bis 2014 erfasste Verstöße gegen das Waffengesetz,
aufgeschlüsselt nach Jahren und Phänomenbereichen:
In den Jahren 2001 bis 2014 erfasste Propagandadelikte, aufgeschlüsselt nach
Jahren, Phänomenbereichen und Verbreiten und Verwenden von verbotenen
Kennzeichen:
PMK-rechts PMK-links PMK-Ausländer PMK-Sonstige
2001 11 12 5 2
2002 6 7 4 1
2003 8 10 2 1
2004 13 7 3 0
2005 15 17 4 3
2006 13 13 4 4
2007 21 19 5 3
2008 13 7 2 1
2009 33 26 2 3
2010 25 15 2 0
2011 11 23 2 2
2012 12 16 3 2
2013 17 16 3 2
2014 33 9 33 6
PMK-rechts PMK-links PMK-Ausländer PMK-Sonstige
2001 9 418 131 56 5 125
– davon Verbreiten 101 1 5 16
– davon Verwenden 9 317 130 51 5 109
2002 8 538 195 48 2 968
– davon Verbreiten 52 0 2 10
– davon Verwenden 8 486 195 46 2 958
2003 7 951 169 60 2 489
– davon Verbreiten 37 0 4 7
– davon Verwenden 7 914 169 56 2 482
2004 8 455 179 25 3 201
– davon Verbreiten 48 0 3 14
– davon Verwenden 8 407 179 22 3 187
Drucksache 18/5758 – 8 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode2005 10 905 276 17 3 175
– davon Verbreiten 79 0 0 14
– davon Verwenden 10 826 276 17 3 161
2006 12 629 561 22 3 381
– davon Verbreiten 86 0 1 13
– davon Verwenden 12 543 561 21 3 368
2007 11 954 214 24 3 114
– davon Verbreiten 82 2 1 11
– davon Verwenden 11 872 212 23 3 103
2008 14 283 141 34 1 605
– davon Verbreiten 98 0 0 4
– davon Verwenden 14 185 141 34 1 601
2009 13 295 159 33 1 364
– davon Verbreiten 60 4 3 5
– davon Verwenden 13 235 155 30 1 359
2010 11 401 126 16 1 253
– davon Verbreiten 45 1 0 2
– davon Verwenden 11 356 125 16 1 251
2011 11 475 90 12 1 194
– davon Verbreiten 36 0 1 2
– davon Verwenden 11 439 90 11 1 192
2012 12 250 105 14 1 155
– davon Verbreiten 36 0 0 1
– davon Verwenden 12 214 105 14 1 154
2013 11 680 83 21 1 321
– davon Verbreiten 51 0 0 8
– davon Verwenden 11 629 83 21 1 313
2014 11 071 102 46 1 324
– davon Verbreiten 40 0 4 7
– davon Verwenden 11 031 102 42 1 317
PMK-rechts PMK-links PMK-Ausländer PMK-Sonstige
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 9 – Drucksache 18/5758In den Jahren 2001 bis 2014 erfasste Volksverhetzungen, aufgeschlüsselt nach
Jahren und Phänomenbereichen:
In den Jahren 2001 bis 2014 erfasste Fälle der Störung der Totenruhe,
aufgeschlüsselt nach Jahren und Phänomenbereichen:
PMK-rechts PMK-links PMK-Ausländer PMK-Sonstige
2001 2 870 29 56 101
2002 2 360 18 64 78
2003 1 843 11 26 60
2004 2 142 7 38 69
2005 2 350 14 24 28
2006 2 655 21 55 71
2007 2 520 11 60 56
2008 2 238 7 53 44
2009 2 042 13 64 71
2010 1 485 10 54 43
2011 1 664 9 24 38
2012 1 796 11 36 39
2013 1 770 12 30 35
2014 1 951 12 159 92
PMK-Ausländer PMK-links PMK-rechts PMK-Sonstige
2001 1 0 31 0
2002 0 2 35 0
2003 0 1 27 4
2004 0 5 20 2
2005 0 8 30 3
2006 0 7 15 4
2007 0 1 19 0
2008 0 5 32 2
2009 2 8 24 4
2010 0 5 19 2
2011 1 4 17 2
2012 0 2 12 4
2013 0 2 19 4
2014 0 4 12 3
Drucksache 18/5758 – 10 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode2. Wie sortierten sich die PMK-Delikte in den Jahren 2001 bis 2014 inhaltlich
(bitte nach Jahren, nach den vier PMK-Phänomenbereichen „Rechts“,
„Links“, „Ausländer“ bzw. „Sonstige“ sowie nach den Ober- und
Unterthemen des „Themenfeldkatalogs – PMK“ aufschlüsseln, vgl.
Bundestagsdrucksache 18/1724, S. 20, Antwort zu Frage 10a)?
Wie bereits in der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der
Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN „Der Themenfeldkatalog der Polizei zur
Erfassung der Politisch motivierten Kriminalität in Deutschland“
(Bundestagsdrucksache 17/14751 vom 16. September 2015, Antwort zu Frage 5) dargestellt,
ist der Themenfeldkatalog ein polizeiliches Arbeitsmittel, das Rückschlüsse auf
strategische und planerische Aspekte der Polizeiarbeit zulässt. Eine
Beantwortung dieser Frage in dem für die Öffentlichkeit einsehbaren Teil käme einer
Offenlegung gleich und ist der Bundesregierung aus Gründen der Vertraulichkeit
somit nicht möglich.
Ein Bekanntwerden dieses polizeitaktischen Arbeitsmittels kann dazu führen,
dass polizeiliche Bekämpfungsansätze gezielt unterlaufen werden, indem sich
entsprechende Straftäter die strategisch-taktischen Überlegungen zu Eigen
machen und ihr Verhalten danach ausrichten. Die Antwort der Bundesregierung auf
diese Frage muss – entsprechend der Einstufung des Themenfeldkatalogs – als
„Verschlusssache – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft werden und kann
der gesondert übermittelten Anlage entnommen werden.*
3. Wie viele Schändungen von NS-Denkmälern (NS – Nationalsozialismus)
bzw. NS-Gedenkstätten hat die Polizei in den Jahren 2001 bis 2014
registriert (bitte nach Jahren und Bundesländern aufschlüsseln)?
In welchen Ober- bzw. Unterthemen wurden bzw. werden diese
Schändungen innerhalb des PMK-Themenfeldkatalogs einsortiert?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse vor.
Eine Recherche nach NS-Denkmälern bzw. NS-Gedenkstätten als Angriffsziel
ist in der Fallzahlendatei LAPOS nicht möglich, da keine entsprechenden
Erfassungs- bzw. Abfragewerte existierten.
4. Wie viele Straftaten und wie viele Gewalttaten wurden in den Jahren 2001
bis 2014 im Unterthema „Autonomer Nationalismus“ innerhalb des
Themenfeldes „Nationalsozialismus/Sozialdarwinismus“ registriert?
In den Jahren 2008 bis 2014 wurden die nachfolgenden Fallzahlen erfasst:
Straftaten davon Gewalttaten
2008 219 12
2009 482 26
2010 509 28
2011 356 15
2012 347 12
* Das Bundesministerium des Innern hat die Antwort als „VS – Nur für den Dienstgebrauch“ eingestuft.
Die Antwort ist im Parlamentssekretariat des Deutschen Bundestages hinterlegt und kann dort von
Berechtigten eingesehen werden.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 11 – Drucksache 18/5758Für den Zeitraum 2001 bis 2007 liegen keine Erkenntnisse vor.
5. Wie erklärt sich die Bundesregierung den Anstieg der Fallzahlen im
Phänomenbereich „PMK-Ausländer“ im Jahr 2014 gegenüber dem Jahr 2013?
a) Könnte es sein, dass hierfür u. a. auch ein Zusammenhang mit Protesten
gegen den Terror des „Islamischen Staat[s]“ (IS) in Syrien bzw. dem Irak
besteht?
b) Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung z. B. darüber, wie viele
der PMK-Ausländer-Delikte (z. B. bei Demonstrationen von Yeziden
oder Kurden in Deutschland gegen den Terror des „Islamischen Staat[s]“
in Syrien bzw. dem Irak) das Ziel hatten, in Deutschland
Verfassungsgrundsätze zu beseitigen bzw. außer Geltung zu setzen?
Im Phänomenbereich PMK-Ausländer hat sich die Zahl der erfassten Straftaten
im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr nahezu verdreifacht. Dieser Entwicklung
liegen überwiegend öffentliche Auseinandersetzungen im Zusammenhang mit
der Lageentwicklung im Irak und Syrien sowie mit dem Gaza-Konflikt
zugrunde, die sich durch die israelische Militäroperation im Spätsommer
verschärften. Diese Konflikte führten gerade bei Angehörigen betroffener
Volksgruppen zu einer Vielzahl von Protestveranstaltungen, in deren Verlauf es zu
einem erheblichen Straftatenaufkommen kam.
Darüber hinaus trugen eine hohe Zahl von Einzelverfahren, insbesondere wegen
der finanziellen Unterstützung der kurdischen Arbeiterpartei PKK sowie
Spendengelderpressungen für die PKK als auch wegen des Werbens für die im
September verbotene terroristische Vereinigung Islamischer Staat (IS), zum Anstieg
der Straftaten bei.
Im Jahr 2014 betrug der Anteil der politisch motivierten Straftaten mit
extremistischem Hintergrund in diesem Bereich etwa 80 Prozent und lag damit über den
Angaben für das Jahr 2013 (ca. 62 Prozent).
6. Wird der gewaltbereite Islamismus bzw. Salafismus inzwischen innerhalb
des „Kriminalpolizeilichen Meldedienstes Politisch motivierte
Kriminalität“ (KPMD-PMK) erfasst?
Wenn nein, warum nicht?
Wenn ja, innerhalb welcher Ober- bzw. Unterbegriffe werden diese Delikte
innerhalb des PMK-Themenfeldkatalogs einsortiert?
a) Wurden in diesem Themenfeldkatalog diesbezüglich neue Ober- bzw.
Unterbegriffe eingefügt, und wenn ja, wann wurden welche neuen
Begriffe dort aufgenommen?
b) Inwiefern wird in der PMK-Statistik unterschieden, ob es sich um
Straftaten handelte, die islamistische Ziele bzw. das Vorgehen des IS
unterstützen bzw. die sich dagegen richteten?
Islamistische Straftaten, darunter auch als Teilmenge salafistische Straftaten,
werden im Rahmen des KPMD-PMK im Phänomenbereich PMK-Ausländer
erfasst. Sie werden im Themenfeldkatalog dem Oberbegriff „Islamismus/
Fundamentalismus“ zugeordnet. Für salafistisch motivierte Straftaten gibt es kein
2013 237 6
2014 150 0
Straftaten davon Gewalttaten
Drucksache 18/5758 – 12 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodeseparates Unterthema, so dass diese statistisch nicht gesondert beziffert werden
können.
Bezüglich der relevanten Ober- und Unterthemen wird auf die als
Verschlusssache übermittelte Anlage in der Antwort zu Frage 2 verwiesen.
In der PMK-Statistik wird durch die Auswahl des Phänomenbereiches
unterschieden, welche grundsätzliche Zielrichtung Straftaten verfolgen.
So werden z. B. Straftaten, die zur Verfolgung islamistischer Ziele begangen
werden, dem Phänomenbereich PMK-Ausländer zugeordnet. Eine weitere
Differenzierung erfolgt durch die Auswahl einschlägiger Themenfelder, welche die
Motivlage widerspiegeln.
Straftaten mit entgegengesetzter bzw. anderer Zielrichtung können z. B. durch
Beibehaltung des Themenfeldes und Zuordnung zu einem anderen
Phänomenbereich dargestellt werden.
7. Wie haben sich die Fallzahlen in den Deliktsbereichen des gewaltbereiten
Islamismus bzw. Salafismus in den letzten vier Jahren entwickelt?
Als Deliktsbereiche im Sinne der Fragestellung werden Straf- und Gewalttaten
definiert. Diese haben sich im Phänomenbereich PMK-Ausländer in den letzten
vier Jahren im Oberbegriff Islamismus/Fundamentalismus wie folgt entwickelt:
Bezüglich der salafistischen Delikte wird auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen.
8. Bei wie viele Straftaten bzw. Gewaltdelikten, die die Polizei im Jahr 2014
in den Phänomenbereich „PMK-Ausländer“ einsortiert hat, handelt es sich
um Straftaten, die im Ausland begangen wurden, um die Verhältnisse und
Entwicklungen in Deutschland zu beeinflussen, und auf welchem Wege
wurden diese Auslandsdelikte dem BKA bekannt?
Im Jahr 2014 registrierte das BKA im Phänomenbereich PMK-Ausländer
19 politisch motivierte Straftaten mit Tatort im Ausland und Bezügen in die
Bundesrepublik Deutschland. Es handelte sich dabei um 17 Straftaten und zwei
Gewaltdelikte.
Diese Straftaten wurden dem BKA durch Einleitung von Ermittlungsverfahren
durch die Generalbundesanwaltschaft oder Mitteilungen von obersten
Bundesbehörden bekannt.
Straftaten davon Gewalttaten
2011 112 9
2012 137 18
2013 193 9
2014 467 44
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 13 – Drucksache 18/5758Hasskriminalität
9. Wie viele politisch motivierte Straftaten hat die Bundesregierung im Jahr
2001 bis 2014 registriert, die
a) aus Fremdenfeindlichkeit,
b) aufgrund der sexuellen Orientierung,
c) aufgrund des gesellschaftlichen Status des Tatopfers (insbesondere
Wohnungslose) erfolgten, bzw. die aus
d) behindertenfeindlichen,
e) antisemitischen,
f) islamfeindlichen, bzw.
g) antiziganistischen Motiven begangen wurden
(bitte jeweils aufschlüsseln nach den Phänomenbereichen „Rechts“,
„Links“, „Ausländer“ bzw. „Sonstige“ sowie nach den Straftatengruppen
Tötungsdelikte, differenziert nach vollendet bzw. versucht,
Körperverletzungen, differenziert nach den §§ 223, 224, 226, 227 und 231 des
Strafgesetzbuches – StGB), Brand- und Sprengstoffdelikte, Propagandadelikte,
Sachbeschädigungen)?
10. Wie viele dieser in den Jahren 2001 bis 2014 erfassten Hassdelikte hatten
nach Ansicht der Bundesregierung das Ziel, in Deutschland
Verfassungsgrundsätze zu beseitigen bzw. außer Geltung zu setzen (bitte entsprechend
der Auflistung in Frage 9 sowie nach Jahren aufschlüsseln)?
Die Fragen 9, 9a bis 9g und 10 werden aufgrund des Sachbezugs zusammen
beantwortet.
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10
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 33 – Drucksache 18/5758Zu den Fragen 9f, 9g und 10
Für Straftaten, die aus einer islamfeindlichen bzw. antiziganistischen Motivation
begangen werden, gibt es keine separaten Unterthemen, so dass diese statistisch
nicht gesondert beziffert werden können. Sie sind derzeit Teilmenge der
„Hasskriminalität“.
11. Nach welchen, und in welcher Dienstvorschrift enthaltenen Grundsätzen
wird entschieden, wann in einem Hassdelikt erkennbar ist, dass diese Tat
mit der Absicht verübt wurde, in Deutschland bestimmte
Verfassungsgrundsätze zu beseitigen bzw. außer Geltung zu setzen?
Wie bereits in der Antwort der Bundesregierung vom 7. Juni 2010 auf die Kleine
Anfrage der Fraktion DIE LINKE. zur „Politisch motivierten Kriminalität“
(Bundestagsdrucksache 17/1928, Antwort zu den Fragen 1 und 2) ausgeführt,
erfolgt die Bewertung politisch motivierter Straftaten gemäß den Vorschriften
zum KPMD-PMK.
12. Wie viele der in den Jahren 2001 bis 2014 erfassten antisemitischen
Straftaten wurden im Themenfeld „Hasskriminalität“, und wie viele im
Oberthema „Krisenherde/Bürgerkriege“ (Unterthema „Antiisraelisch“)
einsortiert (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
In den Jahren 2001 bis 2014 wurden im Themenfeld „Hasskriminalität“
insgesamt die nachfolgenden Angaben erfasst:
Straftaten davon Gewalttaten
2001 1 697 29
2002 1 857 43
2003 1 518 49
2004 1 622 45
2005 1 814 57
2006 1 814 51
2007 1 658 64
2008 1 561 47
2009 1 690 41
2010 1 268 37
2011 1 239 29
2012 1 374 41
2013 1 275 51
2014 1 596 45
Drucksache 18/5758 – 34 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeHiervon wurden die nachfolgenden Straftaten in das Unterthema (UT) „Israel-
Palästina-Konflikt“ und teilweise auch in das Unterthema „Antisemitisch“
eingeordnet:
13. Wie viele Schändungen jüdischer Friedhöfe hat die Polizei in den Jahren
2001 bis 2014 registriert?
a) Werden diese Friedhofsschändungen in der PMK-Statistik als
Gewaltdelikte erfasst, und wenn nein, warum nicht, bzw. als was werden diese
Delikte in der PMK-Statistik ausgewiesen?
b) Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2001
bis 2014 die Aufklärungsquote bei den Schändungen jüdischer
Friedhöfe entwickelt?
Bezüglich der Entwicklung der Straftaten, die im Zusammenhang mit jüdischen
Friedhöfen stehen, wird für die Jahre 2001 bis 2013 auf die Antwort der
Bundesregierung auf die Kleine Anfrage der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
„Antisemitismus in Deutschland“ (Bundestagdrucksache 18/4173 vom 3. März
2015, Antwort zu Frage 12) verwiesen. Im Jahr 2014 wurden insgesamt
27 PMK-Taten im Zusammenhang mit jüdischen Friedhöfen erfasst, davon 26
im Bereich PMK-rechts und eine Tat im Bereich PMK-sonstige.
Die Straftaten zum Nachteil jüdischer Friedhöfe werden in LAPOS mit dem
Unterthema „Antisemitisch“ und dem LAPOS-Angriffsziel „Friedhof“
recherchiert.
Die Erfassung entsprechender Straftaten erfolgt grundsätzlich aufgrund der
verletzten Strafrechtsnorm in Würdigung der Umstände der Tat und/oder der
Einstellung des Täters.
Straftaten i. Z. m. dem
Israel-Palästina-Konflikt
davon Straftaten mit
antisemitischem Hintergrund
2001 36 15
2002 293 159
2003 71 57
2004 78 56
2005 55 18
2006 116 54
2007 38 16
2008 68 30
2009 350 159
2010 92 52
2011 61 12
2012 71 24
2013 41 23
2014 575 214
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 35 – Drucksache 18/5758Insofern werden Straftaten nicht per se dem Bereich der Gewalttaten
zugeordnet. Gewalttaten im Bereich der PMK sind Tötungsdelikte, Köperverletzungen,
Brandstiftungen, Sprengstoffdelikte, Landfriedensbruch, gefährliche Eingriffe
in den Bahn-, Luft- und Straßenverkehr, Freiheitsberaubung, Raub, Erpressung,
Widerstandsdelikte und Sexualdelikte.
Im Zeitraum 2001 bis 2014 lag die Aufklärungsquote zwischen 6,1 Prozent im
Jahr 2011 und 22,2 Prozent im Jahr 2008. Für das Jahr 2014 wurde eine
Aufklärungsquote von 11,1 Prozent verzeichnet.
14. Wie viele der im Jahr 2014 erfassten 203 Angriffe auf Asyl- und
Flüchtlingsunterkünfte wurden mit der Absicht verübt, bestimmte (welche?)
Verfassungsgrundsätze zu beseitigen bzw. außer Geltung zu setzen?
a) Wie viele der im Jahr 2014 erfassten 28 Angriffe auf Asyl- und
Flüchtlingsunterkünfte, die als nicht rechtsmotiviert eingestuft worden sind,
wurden aus welchen tatumständlichen Überlegungen heraus, einem
anderen (welchem?) PMK-Phänomenbereichen zugeordnet (bitte
aufschlüsseln)?
b) Wie viele dieser 28 nicht rechtsmotiviert eingestuften Angriffe auf
Asyl- und Flüchtlingsunterkünfte wurden nach Ansicht der
Bundesregierung mit der Absicht verübt, bestimmte (welche?)
Verfassungsgrundsätze zu beseitigen bzw. außer Geltung zu setzen?
Seitens der zuständigen Landesbehörden wurden von 203 Delikten 176 als
extremistisch eingestuft. Hinsichtlich der Umstände, die zur Einstufung als
extremistisch geführt haben, wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung
verwiesen.
Von den 28 Delikten gegen Asylunterkünfte wurden
● drei Delikte der PMK-links,
● 23 Delikte der PMK-Sonstige und
● zwei Delikte der PMK-Ausländer
zugeordnet.
Im Einzelnen:
Bewertung als PMK-links
In zwei dieser drei Fälle haben die Ermittlungen ergeben, dass die Angaben, die
der Erstzeuge und gleichzeitig Meldende des Brandes gegenüber der Polizei
machte, nicht mit den objektiven Gegebenheiten in Übereinstimmung zu
bringen waren. In Würdigung aller Ermittlungsergebnisse und Gesamtumstände
ergab sich der Verdacht, dass der Zeuge den Brand (1. Delikt) selbst verursacht hat
und auch für die zuvor festgestellten Schmierereien (2. Delikt) verantwortlich
ist. Der selbst in dem Mehrfamilienhaus wohnende und dem linken Spektrum
zuzuordnende Tatverdächtige steht dabei im Verdacht, dass er die Absicht
verfolgte, die Tat als fremdenfeindlich motiviertes Delikt erscheinen zu lassen.
Im dritten Fall hat ein dem linken Spektrum zuzuordnender Täter eine
Sachbeschädigung mittels Farbe an einem Hinweisschild einer Unterkunft begangen.
Bewertung als PMK-Ausländer
Es handelt sich hier um eine politisch motivierte Auseinandersetzung zwischen
in der Unterkunft wohnhaften Personen. Offensichtlich gab es eine
Meinungsverschiedenheit über eine falsche Religionsausübung. Das zuständige
Landeskriminalamt wurde um Überprüfung der Sachverhalte sowie deren jeweilige
Zuordnung zum Themenfeld gebeten und hat die Bewertungen bestätigt.
Drucksache 18/5758 – 36 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeZuordnung zur PMK-sonstige
Straftaten gegen Asylunterkünfte als direktes Angriffsziel, bei denen im
Rahmen der Erstbewertung eine politische Motivation nicht auszuschließen war,
aber ergänzend in Würdigung der Umstände der Tat und/oder der Einstellung
des Täters keine Anhaltspunkte dafür vorlagen, dass sie nach verständiger
Betrachtung einer „rechten“ Orientierung zuzurechnen sind, werden im Bereich
„Sonstige/Nicht zuzuordnen“ erfasst. Diese Vorgehensweise wurde im Rahmen
der Gremienbefassung zur Gewährleistung einer erweiterten Lagedarstellung
durch Anpassung des bestehenden Meldedienstes beschlossen, um einen
bundesweiten Lageüberblick über alle Straftaten gegen Asylunterkünfte zu erhalten.
Straftaten im Zusammenhang mit Asylunterkünften, bei denen eine politische
Motivation gänzlich auszuschließen ist (z. B. persönliche Racheakte oder
Streitigkeiten zwischen Asylbewerbern), werden im Rahmen des KPMD-PMK nicht
registriert.
Seitens der zuständigen Landesbehörden wurden von den genannten 28
Delikten sechs als extremistisch eingestuft wurden. Hinsichtlich der Gründe für die
getroffene Einstufung wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung
verwiesen.
15. Kann die Bundesregierung die Befunde der Beratungsstellen für
Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt der ostdeutschen
Bundesländer und Berlin für das Jahr 2014 bestätigen:
a) Anstieg rassistischer Gewalttaten um mehr als 30 Prozent,
b) dass rassistische Gewalttaten mehr als die Hälfte (60 Prozent) aller der
in Ostdeutschland bzw. in Berlin dokumentierten Angriffe ausmachen,
c) 131 rechtsmotivierte Angriffe auf (vermeintliche) politische
Gegnerinnen bzw. Gegner,
d) 99 rechtsmotivierte Angriffe gegen nichtrechte bzw. alternative
Personen,
e) 31 rechtsmotivierte homophobe Gewalttaten,
f) 23 rechtsmotivierte antisemitische Gewalttaten,
g) sieben rechtsmotivierte Angriffe gegen Journalistinnen bzw.
Journalisten,
h) sechs rechtsmotivierte Angriffe gegen Menschen mit einer
Behinderung,
i) vier sozialdarwinistische Überfälle auf Wohnungslose
(bitte aufschlüsseln), und welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen
zieht die Bundesregierung daraus?
16. Wenn nein, wie lauten die diesbezüglichen Daten in der PMK-Statistik des
BKA bezogen auf die ostdeutschen Bundesländer und Berlin für das Jahr
2014 (bitte nach Bundesländer aufschlüsseln)?
Die Fragen 15 und 16 werden aufgrund ihres Sachbezugs zusammen
beantwortet.
Der Anstieg rassistischer Gewalt im Phänomenbereich PMK-rechts bezogen auf
die ostdeutschen Länder einschließlich Berlin betrug im Jahr 2014 mit 61
Gewalttaten gegenüber dem Vorjahr (43) ca. 40 Prozent.
Im Jahr 2014 wurden im Phänomenbereich PMK-rechts bundesweit 130
rassistische Gewalttaten erfasst. Hiervon wurden 61 in den ostdeutschen Ländern und
Berlin verübt. Das entspricht einem Anteil von ca. 47 Prozent. Die Summe der
politisch rechts motivierten Straftaten mit rassistischem Hintergrund betrug im
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 37 – Drucksache 18/5758Jahr 2014 im Bereich der ostdeutschen Länder und Berlin insgesamt 352. Das
heißt, der Anteil rassistischer Gewalttaten betrug ca. 17 Prozent.
Bezogen auf die ostdeutschen Länder und Berlin wurden im Jahr 2014 im
Phänomenbereich PMK-rechts im Unterthema „gegen links“ 392 Straf- und davon
64 Gewalttaten, im Unterthema „gegen sonstige politische Gegner“ wurden
183 politisch rechts motivierte Straf-, davon 36 Gewalttaten, im Unterthema
„Sexuelle Orientierung“ wurden vier Gewalttaten, im Unterthema
„Antisemitisch“ wurden neun Gewalttaten und im Unterthema „Behinderung“ wurden
zwölf Straf-, davon eine Gewalttat gemeldet.
Für Straftaten, die sich gegen Journalisten richten, gibt es kein separates
Themenfeld. Insofern ist eine Auswertung zu Fallzahlen der PMK zu „Angriffen
gegen Journalisten“ nicht möglich.
Im Jahr 2014 wurden im Phänomenbereich PMK-rechts bezogen auf die
ostdeutschen Länder und Berlin 50 Gewalttaten mit dem Oberbegriff
„Nationalsozialismus/Sozialdarwinismus“ erfasst. Inwiefern auch „Wohnungslose“ von
diesen Straftaten betroffen waren, kann aufgrund fehlender Kriterien nicht
ausgewertet werden.
Im Übrigen wird auf die Antworten zu den Fragen 9 und 10 verwiesen.
Mögliche Differenz zwischen polizeilicher und zivilgesellschaftlicher PMK-
Statistik
17. Wie setzen sich die im Jahr 2014 von der Polizei erfassten 1 029
rechtsmotivierten Gewalttaten zusammen (bitte entsprechend dem offiziellen
Katalog Politisch motivierter Gewaltdelikte aufschlüsseln), und wie
verteilten sich diese rechten Gewaltdelikte auf die einzelnen Bundesländer?
Im Jahr 2014 wurden folgende rechtsmotivierte Gewalttaten aufgeschlüsselt auf
die einzelnen Länder erfasst:
BB BE BW BY HB HE HH MV NI NW RP SH SL SN ST TH
Tötungsdelikte 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
vollendet 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
versucht 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Körperverletzungen
67 79 24 57 4 21 17 31 49 332 29 20 2 75 42 51
Brandstiftungen 0 13 0 3 0 0 0 0 1 6 0 0 0 2 1 0
Sprengstoffdelikte
0 2 0 1 0 0 0 0 0 1 0 0 0 2 0 0
Landfriedensbruch
1 6 0 2 0 1 0 0 1 8 1 0 0 3 1 0
Gefährliche
Eingriffe
0 3 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0 0 1
Freiheitsberaubung
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0
Raub 0 0 0 1 0 2 0 1 0 3 0 0 0 1 0 0
Erpressung 0 1 0 3 0 0 1 0 0 2 0 0 0 0 0 1
Drucksache 18/5758 – 38 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode18. Wie verteilten sich die im Jahr 2014 von der Polizei erfassten 900 Opfer
rechter Körperverletzungsdelikte auf die einzelnen Bundesländer?
Infolge der im Jahr 2014 gemeldeten politisch rechts motivierten 900
Körperverletzungen wurden 764 Personen verletzt:
In der bundesweiten Fallzahlendatei sind nur die Personen erfasst, die aufgrund
einer mit Strafe bedrohten Handlung tatsächlich körperlich geschädigt wurden.
Widerstandsdelikte
4 6 0 1 0 1 0 3 3 17 3 1 0 2 3 4
Sexualdelikte 1 0 0 0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0
Summe 73 111 24 68 4 25 19 35 54 370 33 21 2 86 47 57
Land Verletzte
BB 64
BE 67
BW 31
BY 62
HB 3
HE 22
HH 18
MV 20
NI 55
NW 206
RP 25
SH 14
SL 2
SN 78
ST 28
TH 69
Summe 764
BB BE BW BY HB HE HH MV NI NW RP SH SL SN ST TH
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 39 – Drucksache 18/575819. Erkennt die Bundesregierung signifikante Unterschiede zwischen den
PMK-Zahlen des BKA und denen der Beratungsstellen, und wenn ja,
welche?
Welche Ursachen haben diese möglichen statistischen Unterschiede aus
Sicht der Bundesregierung?
Die Kriterien, die zivilgesellschaftlichen Statistiken in Bezug auf die Erfassung
von Opfern rechter Straftaten zugrunde liegen, lehnen sich zwar grundsätzlich
an das polizeiliche Erfassungssystem an. Sie sind jedoch in der Regel um
weitere Tatbestände, wie etwa Bedrohung, Nötigung oder Sachbeschädigung, die
sich indirekt gegen bestimmte Personengruppen und deren Existenzgrundlage
richtet, erweitert. In die Erfassung und Dokumentation der Fallzahlen der
Opferberatung fließt zudem die subjektive Einschätzung der Opfer mit ein.
Unterschiede zwischen den PMK-Zahlen des BKA und denen der
Beratungsstellen sind allerdings nicht ausschließlich mit voneinander abweichenden
Erfassungskriterien zu begründen. Es handelt sich dabei institutionell bedingt auch
um unterschiedliche Fälle. Da nicht jede rechte Straftat bei der Polizei zur
Anzeige gebracht wird und nicht jedes Opfer rechter Gewalt eine Beratungsstelle
aufsucht, können in der PMK-Statistik Fälle erfasst sein, die bei den
Beratungsstellen nicht erfasst wurden und umgekehrt Fälle in die Statistik der
Beratungsstellen eingehen, die nicht zur Anzeige gebracht wurden.
20. Könnte es sein, dass der Polizei nur ein Ausschnitt des
Gesamtaufkommens rechter Straftaten bekannt wird bzw. sie diese entsprechend erfasst?
Wenn ja, könnte dies die Qualität des polizeilichen Lagebilds über den
Rechtsextremismus in Deutschland beeinträchtigen?
Die Polizeibehörden von Bund und Ländern erfassen alle ihnen
bekanntgewordenen politisch motivierten Straftaten im Rahmen des KPMD-PMK. Hierbei
handelt es sich um objektive Meldungen von Deliktsachverhalten der Polizeien
der Länder sowie des BKA. Diese bilden die Grundlage für die Erstellung
phänomenologischer Lagebilder.
Da nicht bestimmt werden kann, wie hoch die Zahl von Sachverhalten ist, die
nicht der Polizei gemeldet werden und insofern auch keine gesicherte
Anteilsbestimmung erfolgen kann, sind Aussagen hinsichtlich qualitativer Merkmale
nicht möglich.
21. Hat die Bundesregierung Vorschläge entwickelt, um diese möglichen
Unstimmigkeiten zwischen den polizeilichen und den zivilgesellschaftlichen
Statistiken in Zukunft gegebenenfalls zu minimieren?
Wie bereits in den Antworten der Bundesregierung auf zahlreiche
parlamentarische Anfragen dargestellt (vgl. zuletzt Antwort der Bundesregierung,
Bundestagsdrucksache 18/740 vom 10. März 2014), reicht im Rahmen der
zivilgesellschaftlichen Betrachtung von Delikten als Anhaltspunkt für das Vorliegen einer
entsprechenden Tatmotivation bei ihrer Bewertung oftmals aus, dass die Täter
bzw. Tatverdächtigen aus einem rechten Milieu kamen. Unabhängig von den
konkret geschilderten Einzelfällen verkennt ein solcher Ansatz jedoch generell
folgende Aspekte:
● Kriminell auffällige Personen aus dem rechtsextremen Milieu weisen oftmals
auch eine Karriere in der Allgemeinkriminalität auf. So liegen jährlich zu
ca. 50 Prozent der im Zusammenhang mit politisch rechts motivierten Taten
ermittelten Täter bzw. Tatverdächtigen bereits Vorerkenntnisse aus der
Allgemeinkriminalität vor. Würde man die Zugehörigkeit zu einem bestimmten
Drucksache 18/5758 – 40 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodepolitischen Milieu als ausreichend für die Zuordnung einer Straftat zur
politisch motivierten Kriminalität ansehen und damit auf die politische
Tatmotivation verzichten, würden auch Straftaten der Allgemeinkriminalität als PMK
gezählt.
● Nicht immer werden alle für die Einordnung einer Straftat relevanten
Erkenntnisse der Polizei auch in vollem Umfang der Öffentlichkeit zeitnah
bekannt, schon um eine Gefährdung des laufenden Ermittlungsverfahrens zu
vermeiden. Dies gilt insbesondere bei Taten, wo sich Täter und Opfer bereits
vorher kannten und nicht ein einziges Motiv, sondern eine Gemengelage
mehrerer Motive die Tat ausgelöst hat.
Zugleich verdeutlichen diese Aspekte, wie sinnvoll die nach dem geltenden
polizeilichen Definitionssystem PMK und im Rahmen des KPMD-PMK
vorgesehene Ermittlung der Tatmotivation in Würdigung aller bekannt gewordenen
Umstände des konkreten Einzelfalles und/oder der Einstellung des Täters ist.
Die Bundesregierung begrüßt die bereits bestehenden Initiativen der Länder
zum Dialog und Austausch mit zivilgesellschaftlichen Akteuren und
wissenschaftlichen Einrichtungen bezüglich der Erfassung politisch motivierter
Kriminalität. Dies trägt zu einer gegenseitigen Sensibilisierung und weiteren
Optimierung der Straftatenerfassung und einer Verbesserung der Opferbetreuung bei.
Erfahrungen und Erkenntnisse aus diesem Dialog finden schon heute Eingang in
die Erstellung und Überarbeitung polizeifachlicher Arbeitsmittel und Leitfäden
durch die zuständigen Bund-Länder-Arbeitsgruppen.
Aufklärungsquote
22. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung in den Jahren 2001 bis
2014 die Aufklärungsquote bei den PMK-Delikten insgesamt bzw. bei den
PMK-Gewaltdelikten entwickelt (bitte nach den PMK-
Phänomenbereichen „Rechts“, „Links“, „Ausländer“ bzw. „Sonstige“ aufschlüsseln)?
Die Entwicklung der Aufklärungsquoten in den Jahren 2001 bis 2014 stellte sich
aufgeschlüsselt nach Gewalttaten und Phänomenbereichen in Prozent wie folgt
dar:
PMK-Ausländer PMK-links PMK-rechts PMK-Sonstige
gesamt
davon
Gewalt gesamt
davon
Gewalt gesamt
davon
Gewalt gesamt
davon
Gewalt
2001 51 62 41 66 46 73 28 42
2002 50 47 42 68 47 79 33 72
2003 86 62 42 64 47 79 42 70
2004 65 72 44 65 50 80 51 68
2005 80 58 49 67 50 76 47 79
2006 56 58 49 69 49 78 46 66
2007 54 57 41 61 45 74 46 67
2008 44 63 36 56 40 74 53 61
2009 51 58 36 55 40 76 43 49
2010 66 69 35 52 39 79 57 60
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 41 – Drucksache 18/575823. Wie erklärt sich die Bundesregierung mögliche unterschiedliche
Aufklärungsquoten zwischen diesen vier PMK-Phänomenbereichen?
Bei dem KPMD-PMK handelt es sich um eine Eingangsstatistik. Da zahlreiche
Resultate aus den laufenden Ermittlungen erst nach dem Stichtag für die
gültigen und vergleichbaren Jahresfallzahlen (31. Januar des Folgenjahres) bekannt
werden, kann die Aufklärungsquote nur eine nachrangige Bedeutung
einnehmen.
Der Bundesregierung liegen zu den Gründen der unterschiedlichen
Aufklärungsquoten keine Erkenntnisse vor.
„Extremistische“ PMK-Gewaltdelikte
24. Ist es zutreffend, dass bei den PMK-rechts-Straftaten insgesamt, aber auch
bei der Teilmenge rechter Gewalt- und Körperverletzungsdelikte – seit
mindestens sieben Jahren in 95 bis 98 Prozent der Fälle auch eine
„extremistische“ Motivation angenommen wurde (vgl. auch Bundesamt für
Verfassungsschutz, Jahresbericht 2013, S. 37 f.)?
In den Jahren 2008 bis 2014 betrug der Anteil der als extremistisch bewerteten
Straftaten an der Gesamtzahl der PMK-rechts-Straf- und Gewalttaten ca. 91 bis
97 Prozent.
25. Ist es ebenfalls zutreffend, dass im selben Zeitraum bei linksmotivierten
Straftaten in lediglich der Hälfte aller Fälle (46 Prozent bis 55 Prozent)
eine „extremistische“ Motivation erkannt wurde (vgl. auch Bundesamt für
Verfassungsschutz, Jahresbericht 2013, S. 43)?
In den Jahren 2008 bis 2014 betrug der Anteil der als extremistisch bewerteten
Straftaten an der Gesamtzahl der PMK-links-Straf- und Gewalttaten ca. 46 bis
68 Prozent.
2011 53 59 33 47 39 75 48 52
2012 57 64 33 54 40 78 58 61
2013 67 68 40 54 43 78 52 58
2014 50 63 32 50 45 64 47 70
PMK-Ausländer PMK-links PMK-rechts PMK-Sonstige
gesamt
davon
Gewalt gesamt
davon
Gewalt gesamt
davon
Gewalt gesamt
davon
Gewalt
Drucksache 18/5758 – 42 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode26. Wie bewertet die Bundesregierung die strukturell unterschiedliche
„extremistische“ Qualität von PMK-rechts-Delikten und PMK-links-Delikten,
und welche Schlussfolgerungen gedenkt die Bundesregierung aus diesem
Faktum zu ziehen?
Hinsichtlich der Grundsätze der Bewertung politisch motivierter Straften als
extremistisch wird auf die Vorbemerkung der Bundesregierung verwiesen.
Maßgeblich für die Bewertung des Einzelfalles sind stets die Umstände der Tat, der
Hintergrund des Täters sowie dessen Motivation.
Die Extremismus-Einstufung von Delikten wird im Rahmen der gemäß der
Empfehlung des 2. Untersuchungsausschusses der 17. Legislaturperiode des
Deutschen Bundestages (NSU-Untersuchungsausschuss;
Bundestagsdrucksache 17/14600 vom 22. August 2013) angeregten Überprüfung des
Themenfeldkataloges PMK (Politisch motivierte Kriminalität) im Kreis der Fachexperten
diskutiert und geprüft.
Da das bundesweit einheitlich geltende Definitionssystem zur Erfassung
politisch motivierter Kriminalität im Jahr 2001 mit Beschluss der
Innenministerkonferenz (IMK) in Kraft gesetzt wurde, können Änderungen jedoch nur durch die
zuständigen Gremien der IMK erfolgen.
27. a) Hat sich das Definitionssystem-PMK vor dem Hintergrund einer seit
Jahren durchgängigen fast 100-prozentigen „Extremismusquote“ von
PMK-rechts-Delikten aus Sicht der Bundesregierung dabei bewährt,
das selbstgesteckte Ziel umzusetzen, nämlich auch solche
rechtsmotivierten Straftaten zu erfassen, die bis zum Jahr 2001 (aufgrund des
Extremismus-Erfordernisses der damaligen „Polizeilichen
Kriminalstatistik – Staatsschutz“) nicht registriert wurden, und wenn ja, wo
tauchen diese nichtextremistischen PMK-rechts-Delikte in der heutigen
PMK-Statistik auf?
b) Oder werden PMK-rechts-Straftaten heute grundsätzlich als
extremistisch eingestuft?
c) Oder werden auch heute noch rechte Straftaten erst dann als solche
erfasst, wenn sie bereits eine „extremistische“ Qualität angenommen
haben, was aus Sicht der Fragesteller zur Folge haben dürfe, dass die
nichtrechtsextremen Straftaten nach wie vor nicht in der PMK-Statistik
abgebildet werden?
Seit der Einführung des Meldedienstes PMK im Jahr 2001 werden auch solche
Straftaten erfasst, die zuvor aufgrund der ausschließlich auf den „Extremismus-
Begriff“ basierenden Erfassung nicht in der Statistik enthalten waren. Diese
Straftaten spiegeln sich in allen Phänomenbereichen und Deliktsgruppen wider.
Nach den Richtlinien des KPMD-PMK, werden Straftaten im Phänomenbereich
PMK-rechts nicht grundsätzlich als extremistisch eingestuft, sondern im
Einzelfall durch die zuständigen Behörden der Länder bewertet.
Politisch motivierte Gewalt gegen Polizistinnen und Polizisten
28. Wie viele politisch motivierte Straftaten richteten sich im Jahr 2014 gegen
Polizeibeamtinnen und -beamte?
Im Jahr 2014 wurden insgesamt 3 963 politisch motivierte Straftaten mit dem
Unterthema „Polizei“ im Oberbegriff „Innen- und Sicherheitspolitik“ durch die
Länder gemeldet.
Zu beachten ist, dass in der BKA-Zentraldatei LAPOS nicht gezielt die Opfer
nach Berufsgruppen, sondern nur die politisch motivierten Straftaten mit einer
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 43 – Drucksache 18/5758gegen die Polizei gerichteten Motivlage sowie deren bundesweite Anzahl der
Verletzten ausgeworfen werden können. Die Motivlage wird durch
Themenfelder dargestellt; im vorliegenden Fall durch das Unterthema „Polizei“ im
Oberbegriff „Innen- und Sicherheitspolitik“. Weiterhin zu beachten ist, dass es sich
bei Nennung des Unterthemas „Polizei“ auch um Straftaten handeln kann, die
sich nicht explizit gegen Polizeibeamtinnen und Polizeibeamte sondern z. B.
auch gegen Polizeigebäude oder Polizeifahrzeuge richten können.
29. Wie setzten sich diese politisch motivierten Straftaten gegen Polizistinnen
und Polizisten im Jahr 2014 zusammen (bitte zum einen aufschlüsseln
nach den PMK-Phänomenbereichen „Rechts“, „Links“, „Ausländer“ bzw.
„Sonstige“ sowie nach den Straftatengruppen Tötungsdelikte, vollendet
bzw. versucht, Körperverletzungen, einzeln aufschlüsseln nach den
§§ 223, 224, 226, 227 und 231 StGB, Brand- und Sprengstoffdelikte;
Meinungsäußerungsdelikte, gewaltsame Widerstandshandlungen und
Nötigungshandlungen)?
Im Jahr 2014 wurden die nachfolgenden politisch motivierten Straftaten im
Unterthema „Polizei“ aufgeschlüsselt auf Phänomenbereiche erfasst:
* Für die als „Meinungsäußerungsdelikte“ genannten Straftaten wurden die Beleidigungsdelikte gemäß
den §§ 185 bis 188 StGB ausgewiesen.
PMK-
Ausländer
PMK-links PMK-rechts
PMK-
Sonstige
Tötungsdelikte
0 6 0 0
vollendet 0 0 0 0
versucht 0 6 0 0
KV-Delikte
gesamt
82 582 202 40
§ 223 31 187 24 22
§ 224 51 394 178 18
§ 226 0 1 0 0
§ 227 0 0 0 0
§ 231 0 0 0 0
Brand-/
Sprengdelikte
0 17 1 3
Beleidigung
§§ 185–188*
25 273 92 89
Widerstand 44 254 47 38
Nötigung 0 17 0 4
Drucksache 18/5758 – 44 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode30. Wie viele der politisch motivierten Straftaten gegen Polizistinnen und
Polizisten wurden in dem Themenfeld Hasskriminalität (Unterthema:
„gesellschaftlicher Status“), und wie viele in dem Themenfeld Innen- und
Sicherheitspolitik (Unterthema: „Polizei“), im Themenfeld „Konfrontation/
Politische Einstellung“ (Unterthema: „gegen den Staat, seine
Einrichtungen und Symbole“) oder in einem anderen Themenbereich (welchem?)
abgelegt?
a) Werden diese Vorkommnisse ggf. mehrfach (also parallel in
verschiedenen Rubriken) registriert, und wenn ja, welche Folge hat dies für die
Zählweise dieser PMK-Delikte?
b) Hat die mögliche Erfassung von politisch motivierten Straftaten gegen
Polizistinnen und Polizisten in verschiedenen PMK-Themenfeldern
Folgen für die Erstellung bzw. für die Übersichtlichkeit polizeilicher
Lagebilder, und wenn nein, warum nicht?
Bezüglich der im Sinne der Fragestellung aufgeschlüsselten Fallzahlen des
Unterthemas „Polizei“ wird auf die Antwort zu Frage 29 verwiesen.
Im Jahr 2014 wurden im Sinne der Fragestellung in den jeweiligen
Phänomenbereichen die nachfolgenden Fallzahlen im Unterthema „gesellschaftlicher
Status“ erfasst:
PMK-
Ausländer
PMK-links PMK-rechts PMK-
Sonstige
Tötungsdelikte 0 0 0 0
vollendet 0 0 0 0
versucht 0 0 0 0
KV-Delikte
gesamt
0 0 0 0
§ 223 0 0 0 0
§ 224 0 0 0 0
§ 226 0 0 0 0
§ 227 0 0 0 0
§ 231 0 0 0 0
Brand-/
Sprengdelikte
0 0 0 0
Beleidigung
§§ 185–188
0 0 2 1
Widerstand 0 0 0 0
Nötigung 0 0 0 0
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 45 – Drucksache 18/5758Im Jahr 2014 wurden im Sinne der Fragestellung in den jeweiligen
Phänomenbereichen die nachfolgenden Fallzahlen im Unterthema „gegen den Staat“
erfasst:
Eine politisch motivierte Straftat kann mehrere Themenfelder betreffen.
Dementsprechend ist nach den Richtlinien zum KPMD-PMK zur präzisen
Darstellung der Motivlage eine Mehrfachnennung möglich. Diese Verfahrensweise
erlaubt eine differenzierte, trennscharfe, mehrdimensionale Auswertung und
Lagedarstellung. Dies führt jedoch nicht zu einer Erhöhung der Zähldelikte. Der
Vorteil der mehrdimensionalen Darstellung von Straftaten in den
Themenfeldern ermöglicht eine facettenreiche Auswertung der Daten bei entsprechenden
Fragestellungen.
Die Summe der Themenfeldnennungen ist stets wesentlich höher als die Summe
der Straftaten, daher ist eine Addition der Themenfeldnennungen zur Ermittlung
der Straftatenanzahl nicht möglich.
31. Nach welcher Dienstvorschrift werden die hier abgefragten Straftaten
gegen Polizeibeamtinnen und -beamte den Themenfeldern
„Hasskriminalität“, „Innen- und Sicherheitspolitik“ bzw. „Konfrontation/Politische
Einstellung“ oder einem anderen Themenbereich zugordnet?
Auf die Antwort zu Frage 11 wird verwiesen.
Die Zuordnung zu Themenfeldern erfolgt nach polizeifachlicher Bewertung des
Einzelfalles (Tatumstände, Motivlage, Tathintergrund). Jeder Fall wird einzeln
nach der gleichen Vorgehensweise bewertet; gesonderte Vorschriften für
bestimmte Straftatengruppen – wie z. B. gegen die Polizei gerichtete Straftaten –
PMK-
Ausländer
PMK-links PMK-rechts PMK-
Sonstige
Tötungsdelikte
0 5 0 0
vollendet 0 0 0 0
versucht 0 5 0 0
KV-Delikte
gesamt
10 233 173 7
§ 223 7 75 11 5
§ 224 3 157 162 2
§ 226 0 1 0 0
§ 227 0 0 0 0
§ 231 0 0 0 0
Brand-/
Sprengdelikte
0 9 1 3
Beleidigung
§§ 185–188
3 137 51 52
Widerstand 21 98 20 5
Nötigung 0 5 0 3
Drucksache 18/5758 – 46 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodegibt es nicht. Dies würde einer möglichst unvoreingenommenen
Gleichbehandlung in der Bewertung jeder einzelnen Straftat entgegenstehen.
Erfassung von Demonstrationsdelikten in der PMK-Statistik des BKA
32. Werden die im Zuge von Demonstrationen erfolgten PMK-Delikte
gesondert erfasst?
Wenn nein, warum nicht – angesichts dessen, dass sich z. B. linke Gewalt,
so der Jahresbericht 2014 des Bundesamtes für Verfassungsschutz auf
Seite 137, sich vornehmlich „als sogenannte Massenmilitanz […] im
Zusammenhang mit Demonstrationen […]“ ergibt?
Wenn ja, wie setzten sich in den Jahren 2009 bis 2014 die im Zuge von
Demonstrationen erfolgten PMK-Delikte zusammen (bitte nach Jahren, nach
Bundesländern und den vier PMK-Phänomenbereichen „Rechts“,
„Links“, „Ausländer“ bzw. „Sonstige“ sowie anhand der Parameter
a) Gewaltdelikte, also Tötungsdelikte, differenziert nach vollendet bzw.
versucht, Körperverletzungen, differenziert nach den §§ 223, 224, 226,
227 und 231 StGB, Landfriedensbruch, Brandstiftung, Eingriffe in den
Schiffs-, Luft-, Bahn- und Straßenverkehr,
b) Sachbeschädigungen, Nötigungen, Bedrohung sowie Widerstand
gegen die Polizei, bzw.
c) gewaltlose Delikte, Verstoß gegen das Versammlungsgesetz bzw.
gegen das Waffengesetz sowie Propagandadelikte aufschlüsseln)?
Politisch motivierte Straftaten im Zusammenhang mit demonstrativen
Ereignissen werden entsprechend in LAPOS erfasst und können gesondert recherchiert
und dargestellt werden.
In den Jahren 2009 bis 2014 wurden in den einzelnen Phänomenbereichen die
nachfolgenden Fallzahlen im Zusammenhang mit Demonstrationen erfasst:
Drucksache 18/5758 – 48 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode33. Wie setzten sich in den Jahren 2009 bis 2014 im Unterthema
„Demonstrationen gegen rechts“ die PMK-links-Delikte zusammen (bitte nach Jahren,
nach Bundesländern und nach den Parametern
a) Gewaltdelikte, also Tötungsdelikte, differenziert nach vollendet bzw.
versucht, Körperverletzungen, differenziert nach den §§ 223, 224, 226,
227 und 231 StGB, Landfriedensbruch, Brandstiftung, Eingriffe in den
Schiffs-, Luft-, Bahn- und Straßenverkehr,
b) Sachbeschädigungen, Nötigungen, Bedrohung sowie Widerstand
gegen die Polizei, bzw.
c) gewaltlose Delikte, Verstoß gegen das Versammlungsgesetz bzw.
gegen das Waffengesetz sowie Propagandadelikte aufschlüsseln)?
In den Jahren 2009 bis 2014 wurden im Phänomenbereich PMK-links im
Unterthema „Demonstrationen gegen rechts“ die nachfolgenden Fallzahlen erfasst:
Zu
3
3.
, 3
3a
b
is
3
3c
In
d
en
J
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t:
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 51 – Drucksache 18/575834. Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über die Gründe (z. B. über
ein entsprechendes Großereignis) dafür, dass rund die Hälfte aller im Jahr
2013 PMK-links zugordneten Verstöße gegen das Versammlungsgesetz
(1 010 Fälle) in nur einem Monat (Juni 2013) begangen worden sein sollen
(Bundestagsdrucksache 18/1724, S. 13)?
Anlässlich der Demonstration „Europäische Solidarität gegen das Krisenregime
von EZB und Troika“ (Aufzug „Blockupy“) am 1. Juni 2013 in Frankfurt/Main
wurden 945 Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das
Versammlungsgesetz – überwiegend wegen Vermummung/Schutzbewaffnung – eingeleitet.
Hinsichtlich der Zählweise von Straftaten dieser Art ist festzustellen, dass bei
der Vermummung/Schutzbewaffnung nach gültiger Rechtslage auf den
individuellen Tatvorsatz abgestellt wird und daher jeder Tatverdächtige als ein Fall zu
zählen ist.
35. Angesichts der Darstellung der Bundesregierung, dass „[politisch
motivierte] Straftaten des sog. ‚bürgerlichen Spektrums‘ [in der PMK-
Statistik] dem Bereich PMK-Sonstige zuzuordnen sind, wenn keine
Anhaltspunkte für eine anderweitige Tatmotivation erkennbar sind“
(Bundestagsdrucksache 18/1724, S. 21), ist zu fragen, mit welchen Ereignissen die in
der PMK-Statistik auffälligen Zuordnungen in den Monaten August und
September 2013 zusammenhängen (im August 2013 gab es 572 PMK-
„Sonstige“-Sachbeschädigungen sowie 537 PMK-„Sonstige“-Verstöße
gegen das Versammlungsgesetz und im September 2013 wurden 662
PMK-„Sonstige“-Sachbeschädigungen erfasst, vgl. ebd. S. 15 f.)?
Die im August 2013 unter PMK-Sonstige/Nicht zuzuordnen registrierten
572 Sachbeschädigungen betrafen in der Mehrzahl Sachbeschädigungen, die im
Zusammenhang mit den Landtagswahlen in Bayern (15. September 2013), den
Landtagswahlen in Hessen und den Bundestagswahlen (beide 22. September
2013) gemeldet wurden (insgesamt 538 Delikte, die Mehrzahl davon
Sachbeschädigungen an Wahlplakaten).
Von den im August 2013 unter PMK-Sonstige/Nicht zuzuordnen registrierten
537 Verstößen gegen das Versammlungsgesetz wurden 523 anlässlich der
Gegenveranstaltungen zu einem von der rechten Szene angemeldeten
„Trauermarsch“ in Bad Nenndorf/NI unter dem Thema „Gefangen, gefoltert,
gemordet. – Damals wie heute: Besatzer raus!“ gemeldet. Die Beschuldigten nahmen
an einer Sitzblockade teil, um die nicht verbotene Versammlung zu stören.
Von den im September 2013 registrierten 660 Sachbeschädigungen wurden
611 im Kontext der im September stattgefundenen Landtagswahlen in Bayern,
Hessen bzw. Bundestagswahlen gemeldet.
Drucksache 18/5758 – 52 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeErfassung von PMK-Delikten gegen die sog. Gentrifizierung von Stadtteilen
36. Werden in der PMK-Statistik auch solche politisch motivierten Straftaten
erfasst, die sich mittel- oder unmittelbar gegen die sog. Umstrukturierung
(„Gentrifizierung“) bestimmter Stadtviertel richten?
Wenn ja, wie viele dieser Anti-Gentrifizierungs-Straftaten wurden dort in
den Jahren 2001 bis 2014 erfasst (bitte aufschlüsseln nach Jahren, nach
den PMK-Phänomenbereichen „Rechts“, „Links“, „Ausländer“ bzw.
„Sonstige“ sowie differenziert nach den Straftatengruppen
Tötungsdelikte, aufgeschlüsselt nach vollendet bzw. versucht, Körperverletzungen,
aufgeschlüsselt nach den §§ 223, 224, 226, 227 und 231 StGB, Brand- und
Sprengstoffdelikte, Sachbeschädigungen)?
Politisch motivierte Straftaten, die sich u. a. gegen die Umstrukturierung
bestimmter Stadtviertel richten, werden im Rahmen des KPMD-PMK mit dem
Unterthema „Umstrukturierung“ im Oberbegriff „Sozialpolitik“ erfasst.
In den Jahren 2001 bis 2014 wurden im Unterthema „Umstrukturierung“ in den
einzelnen Phänomenbereichen die nachfolgenden Fallzahlen erfasst:
PMK-links
PMK-rechts
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Tötungsdelikte 0 0 0 0 0 0 1 0 1 0 1 1 1 4
vollendet 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
versucht 0 0 0 0 0 0 1 0 1 0 1 1 1 4
KV-Delikte
gesamt 1 31 30 11 24 4 20 7 163 46 161 161 117 41
§ 223 0 18 11 4 14 2 5 3 17 12 34 34 24 19
§ 224 1 13 19 7 10 2 15 4 146 34 127 127 93 22
§ 226 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
§ 227 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
§ 231 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Brand-/
Sprengdelikte 0 1 2 0 5 1 8 28 74 13 60 60 21 15
Sachbeschädigungen 10 60 30 59 82 79 191 139 409 179 601 601 446 276
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Tötungsdelikte 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
vollendet 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
versucht 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Körperverletzungen gesamt 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
§ 223 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
§ 224 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 53 – Drucksache 18/5758PMK-Sonstige
Im Phänomenbereich PMK-Ausländer wurden im Zusammenhang mit der sog.
Umstrukturierung keine Fallzahlen erfasst.
37. Ist es zutreffend, dass Anti-Gentrifizierungs-Straftaten, wie z. B.
„Brandanschläge auf Nobelkarossen“, zum einen innerhalb des Oberbegriffs
„Hasskriminalität“ erfasst werden (als vermeintliche „Straftaten aufgrund
des gesellschaftlichen Status“, vgl. Bundestagsdrucksache 18/740, S. 5),
dass gleichzeitig aber innerhalb des Themenfeldkatalogs-PMK unter dem
bestehenden Oberbegriff „Sozialpolitik“ aber auch das Unterthema
„Umstrukturierung“ existiert mit den erläuternden Stichpunkten
„Hausbesetzungen, Wohnraum- und Hauptstadtproblematik“?
a) Werden diese Vorkommnisse ggf. mehrfach, also parallel in
verschiedenen Rubriken, registriert, und wenn ja, welche Folge hat dies für die
Zählweise dieser PMK-Delikte?
b) Hat die mögliche Erfassung von politisch motivierten Straftaten von
Anti-Gentrifizierungs-Straftaten in verschiedenen PMK-Themenfel-
§ 226 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
§ 227 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
§ 231 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Brand-/
Sprengdelikte 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Sachbeschädigungen
0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 4
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Tötungsdelikte 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
vollendet 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
versucht 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
KV-Delikte
gesamt
0 0 1 0 0 0 0 0 1 1 9 9 3 0
§ 223 0 0 1 0 0 0 0 0 1 0 1 1 2 0
§ 224 0 0 0 0 0 0 0 0 0 1 8 8 1 0
§ 226 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
§ 227 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
§ 231 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0 0
Brand-/
Sprengdelikte
0 0 0 0 0 0 1 0 0 0 0 0 0 0
Sachbeschädigungen
0 2 5 4 5 1 4 1 4 3 10 10 7 5
2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014
Drucksache 18/5758 – 54 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodedern Folgen für die Erstellung bzw. für die Übersichtlichkeit
polizeilicher Lagebilder, und wenn nein, warum nicht?
Die in der Fragestellung genannten Straftaten können nach Bewertung des
Einzelfalles – je nach konkreter Motivlage des Sachverhaltes – dem Oberbegriff
„Hasskriminalität“ ggf. mit entsprechenden Unterthemen, zusätzlich dem
Oberbegriff „Sozialpolitik“ ggf. mit entsprechenden Unterthemen und ggf. weiteren
Themenfeldern zugeordnet werden.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 30 verwiesen.
38. Nach welcher Dienstvorschrift werden die Straftaten gegen die
Gentrifizierung von Stadtteilen den Themenfeldern „Hasskriminalität“, „Innen-
und Sicherheitspolitik“ bzw. „Konfrontation/Politische Einstellung“ oder
einem anderen Themenbereich zugeordnet?
Auf die Antworten zu den Fragen 11 und 31 wird verwiesen.
PMK-Tötungsdelikte
39. Welche der 15 politisch motivierten Tötungsdelikte (vollendet bzw.
versucht) wurden im Jahr 2014 den Phänomenbereichen „Rechts“, „Links“,
„Ausländer“ bzw. „Sonstige“ zugeordnet (bitte neben den jeweiligen
Phänomenbereich auch nach Datum, Ort, Angaben zum Tatopfer bzw. zum
Tathergang wie auf Bundestagsdrucksache 18/1724, S. 22 sowie zum
jeweiligen Themenbereich, also Fremdenfeindlichkeit, Antisemitismus,
Antiziganismus, Islamfeindlichkeit, Behindertenfeindlichkeit,
Homophobie, gesellschaftlicher Status oder Gewalt gegen Polizisten etc.
aufschlüsseln)?
Im Jahr 2014 wurden 16 Tötungsdelikte registriert, davon ein vollendetes
(PMK-links, 12. Juli 2014) und 15 versuchte. Hinzu kommt ein weiteres
vollendetes Tötungsdelikt (PMK-rechts, 22. Oktober 2014), welches am 1. Juni 2015
nachgemeldet wurde. Von den Tötungsdelikten wurden acht dem Bereich
PMK-links, zwei dem Bereich PMK-rechts, sechs dem Bereich PMK-Ausländer
und eins dem Bereich Sonstige/Nicht zugeordnet.
Die entsprechenden Themen (UT=Unterthema) sind nach der
Sachverhaltsdarstellung aufgeführt.
Unterthemen zu islamfeindlichen und antiziganistischen Straftaten sind derzeit
nicht vorhanden; diesbezüglich wird auf die Antwort zu Frage 9 verwiesen.
PMK-links
12. Juli 2014: Nürnberg/BY (vollendetes Tötungsdelikt)
Der alkoholisierte Geschädigte schwenkte im Bereich des Nürnberger
Hauptbahnhofs eine Reichskriegsflagge und rief u. a. „Ich bin Nazi. Mein Hobby ist
es, Juden zu vergasen“.
Nachdem ein Tatverdächtiger versuchte ihn zu schlagen, schlug ein weiterer
Tatverdächtiger dem Geschädigten mit der Faust ins Gesicht, so dass dieser zu
Boden ging und das Bewusstsein verlor. Er wurde lebensbedrohlich verletzt und
musste reanimiert werden. Am 18. Juli 2014 erlag er seinen Verletzungen.
Themenfelder: UT „gegen rechts“
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 55 – Drucksache 18/57581. Mai 2014: Hamburg/HH
Im Zusammenhang mit dem angemeldeten Aufzug: „Das Proletariat hat kein
Vaterland!“ wurden zwei Molotowcocktails auf einen mit zwei Polizisten
besetzten Funkstreifenwagen geworfen.
Ein Molotowcocktail durchschlug die Heckscheibe, der andere zerbarst im
Bereich des hinteren Stoßfängers. Drei Tatverdächtige konnten ermittelt werden.
Themenfelder: UT „Polizei“, UT „gegen den Staat, seine Einrichtungen und
Symbole“, UT „Tag der Arbeit“
23. August 2014: Dortmund/NW
Aus einer rechten Versammlung spaltete sich eine größere Personengruppe ab
und zog zu einer durch die linke Szene besetzten Kirche. Unmittelbar vor dem
Objekt wurden die Personen von Polizisten aufgehalten. In diesem Moment
begaben sich mehrere Besetzer auf das Flachdach der Kirche und warfen
mindestens drei große Steine (Ziegel und Betonplatte) auf die vor der Kirche
befindlichen Polizisten und die Personen des rechten Spektrums. Eine Betonplatte
schlug im Abstand von etwa einem Meter neben den Polizisten auf, die jedoch
nicht verletzt wurden.
Themenfelder: UT „Polizei“, UT „gegen rechts“
28. August 2014: Hamburg/HH – vier versuchte Tötungsdelikte
Im Rahmen der „Squatting-Days“, einem mehrtägigen Protestcamp zum Thema
Hausbesetzung, Leerstandsproblematik und Zwischennutzung wurden die
Einsatzkräfte bei der geplante Räumung eines besetzten Objekts u. a. mit sog.
Polenböllern, mit Farbe gefüllten Gläsern, Farbeimern und Feuerlöschern
beworfen. Mehrere Polizisten wurden teilweise schwer verletzt.
1. Der Wurf eines Porzellanwaschbeckens durch einen 30-jährigen
Tatverdächtigen wurde als versuchter Totschlag bewertet.
2. Als versuchter Totschlag wurde der Wurf einer Holztür durch einen 20-
jährigen Tatverdächtigen bewertet.
3. Der Wurf einer massiven Holztür wurde als versuchter Totschlag bewertet,
konnte jedoch keiner bestimmten Person zugeordnet werden.
4. An dem als versuchtem Totschlag eingeschätzten Wurf einer
Nachtspeicherheizung sollen bis zu drei Personen beteiligt gewesen sein. Die Tathandlung
konnte jedoch keinem Täter zugeordnet werden.
Themenfelder: UT „Polizei“, UT „gegen den Staat, seine Einrichtungen und
Symbole“, UT „Umstrukturierung“
15. November 2014: Hannover/NI
Nach Beendigung einer HoGeSa-Versammlung (HoGeSa – Hooligans Gegen
Salafisten) wurden vier der Teilnehmer von ca. 30 bis 40 Personen, vermutlich
aus der linken Szene, u. a. mit Messern angegriffen und verletzt.
Zwei Geschädigte wurden erheblich verletzt. Einer von ihnen, ein 45-jähriger
Hooligan, erlitt durch Gewaltanwendung gegen Rumpf und Kopf potenziell
lebensbedrohliche Verletzungen.
Themenfelder:
UT „gegen rechts“
Drucksache 18/5758 – 56 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodePMK-rechts
26. September 2014: Berlin/BR
Im Rahmen eines gemeinschaftlichen Haschischkonsums äußerte der
Tatverdächtige, dass der türkischstämmige Geschädigte keinen „deutschen Namen“
habe und er alle Türken hassen würde, weil sie sich deutsche Frauen nähmen
und das Blut verunreinigen würden. Der Tatverdächtige schlug dem
Geschädigten daraufhin mit einem Hammer mehrfach auf den Kopf. Dessen
Lebensgefährtin griff ein und konnte den Hammer an sich nehmen. Der Geschädigte sprang
aus dem Fenster der im Erdgeschoss gelegenen Wohnung und flüchtete sich in
ein Geschäft.
Themenfelder: UT „Fremdenfeindlich“
22. Oktober 2014: Limburg/HE (vollendetes Tötungsdelikt)
Drei deutsche Staatsangehörige töteten im Rahmen eines Streits in einer
Obdachlosenunterkunft eine 55-jährige Person aus Ruanda.
Themenfelder: UT „Fremdenfeindlich“, UT „Verherrlichung/Propaganda“
PMK-Ausländer
6. Februar 2014: Ditzingen/BW
Die beiden türkischstämmigen, politisch unterschiedlich interessierten
Tatbeteiligten waren Arbeitskollegen hatten regelmäßig Auseinandersetzungen. Bei
erneuten Streitigkeiten verletzte der spätere türkische Geschädigte seinen
kurdischen Kollegen an der Nase, der daraufhin mehrfach auf ihn einstach und damit
schwer verletzte. Anwesende Kollegen verhinderten weitere Tathandlungen.
Themenfelder: UT „PKK/Kurden/TUR“, UT „Konfrontation zwischen
Ausländern“
10. August 2014: Bremen/HB
Der spätere Geschädigte bemühte sich, aufgrund einer vorangegangenen
gefährlichen Körperverletzung zwischen Jesiden/Kurden und Muslimen zu vermitteln
und verabredete ein Treffen mit Vertretern beider Seiten.
Während dieser Gespräche fuhren zwei Pkw besetzt mit ca. acht bis zehn
Personen vor, die ausstiegen und den Geschädigten sofort angriffen. Sie setzten
Macheten, Hackbeile, Teleskopschlagstöcke sowie eine Schusswaffe ein und
verletzten den Geschädigten schwer.
Themenfelder: UT „Religion“, UT „Konfrontation zwischen Ausländern“
6. Oktober 2014: Celle/NI – zwei versuchte Tötungsdelikte
Ein muslimischer Tschetschene wurde aus einer gewalttätigen jesidischen
Menschenmenge heraus körperlich angegriffen und verletzt. Ursächlich für das
gewalttätige Verhalten war die Annahme, die muslimischen Tschetschenen seien
Salafisten und mitverantwortlich für die Gräueltaten der Terrororganisation
„Islamischer Staat“ im Nordirak bzw. Syrien.
1. Der Tatverdächtige schlug dem Geschädigten u. a. mit einem
Teleskopschlagstock auf den Hinterkopf und verletzte ihn schwer.
2. Der Tatverdächtige schlug dem Geschädigten u. a. mit einem
Teleskopschlagstock ins Gesicht und auf den Hinterkopf und verletzte ihn schwer.
Themenfelder: UT „Religion“, UT „Konfrontation zwischen Ausländern“, UT
„Irak“
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 57 – Drucksache 18/575811. Oktober 2014: Bad Salzuflen/NW
Mehrere Tatverdächtige schütteten im Bereich der Haustür eines
Moscheegebäudes Benzin aus und entzündeten es. Die Eingangstür zu den Wohnungen und
den Gebetsräumen geriet in Brand. Alle Bewohner konnten durch die Feuerwehr
über das Dach gerettet werden. Hintergrund der Tatbegehung waren die
Vorgänge im nordsyrischen Kobane. Die Haupttäter wollten ein Zeichen gegen
Salafisten setzen und mutmaßten, dass in der angegriffenen Moschee Salafisten
verkehren würden.
Themenfelder: UT „Konfrontation zwischen Ausländern“, UT „Syrien“
14. Dezember 2014: Hannover/NI
Ein Insasse einer Justizvollzugsanstalt gab an, er sei von PKK-Kadern zur
Tötung eines Beamten der Polizei Hannover aufgefordert worden, ohne dass es zur
Tatausführung kam. Hintergrund ist, dass der Polizeibeamte mit Ermittlungen
i. Z. m. der PKK befasst gewesen und u. a. für Beschlagnahmen, Festnahmen
von PKK-Kadern sowie mehrfache Durchsuchungen des Hauses des Vereins
Kurdistan-Volkshaus-Hannover verantwortlich gewesen sein soll.
Themenfelder: UT „PKK/Kurden/TUR“
PMK-Sonstige/Nicht zuzuordnen
12. Oktober 2014: Sanitz/MV
Unbekannte Täter warfen gegen Mitternacht zwei mit Brandbeschleuniger
gefüllte Flaschen gegen die Fassade eines Ausländerwohnheims. Eine Flasche
zerschlug an einem Baugerüst, von wo die Flammen auf ein Kunststofffenster
übergriffen. Der zweite Brandsatz wurde von alarmierten Polizeikräften brennend
auf dem Grünstreifen neben dem Gebäude sichergestellt.
Themenfelder: UT „gegen Asylunterkünfte“
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]