[Deutscher Bundestag Drucksache 18/5751
18. Wahlperiode 11.08.2015Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Martina Renner, Petra Pau,
Sevim Dağdelen, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/5634 –
Überblick über Straf- und Gewalttaten unter Bezugnahme auf den
„Nationalsozialistischen Untergrund“
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Nachdem das Bundesamt für Verfassungsschutz gemeinsam mit dem
Bundesminister des Innern, Dr. Thomas de Maizière, am 30. Juni 2015 den
Verfassungsschutzbericht 2014 vorgelegt hat, muss davon ausgegangen werden, dass
für das Jahr 2014 vonseiten der Länder und des Bundeskriminalamts (BKA)
keine Nachmeldungen von Straf- und Gewalttaten im Bereich politisch
motivierter Kriminalität (PMK)-rechts für die Jahre 2013 und 2014 erfolgen
werden. Vor diesem Hintergrund und angesichts der offensichtlich zunehmenden
Verherrlichung der rassistischen Mord- und Sprengstoffanschlagsserie des
„Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU) ist eine aktuelle
Bestandsaufnahme und ein Überblick zu der Anzahl der Straf- und Gewalttaten mit NSU-
Bezug dringend notwendig (vgl. Antworten der Bundesregierung auf die
Kleinen Anfragen der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksachen 18/4162
und 18/2166). Denn mit der deutlichen und glorifizierenden Bezugnahme auf
den NSU geht auch eine Einschüchterung potenzieller Opfer rassistischer und
rechter Gewalt einher. Beispielsweise im Stadtteil Silberhöhe in Halle/Saale,
wo die neonazistische Kameradschaft „Brigade Halle“ seit über einem Jahr
gegen aus Rumänien zugewanderte Roma hetzt, Aufmärsche veranstaltet und im
Dezember 2014 mit einer Banner-Aktion mit dem Slogan „Heute ist nicht alle
Tage – wir kommen wieder, keine Frage“ und der Pink-Panther-Figur einen
deutlichen Bezug auf das so genannte Bekennervideo des NSU nahm
(Mitteldeutsche Zeitung vom 6. Juni 2015,
www.mz-web.de/halle-saalekreis/
verfassungsschutz-sachsen-anhalt-brigade-halle-unter-beobachtung,
20640778,30886120.html).
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Dem Bundeskriminalamt (BKA) werden im Rahmen des Kriminalpolizeilichen
Meldedienstes Politisch motivierte Kriminalität (KPMD-PMK) Straftaten
gemeldet, die von der zuständigen Landespolizei als politisch motiviert bewertet
werden. Da im KPMD-PMK kein eigenständiges Themenfeld „Nationalsozia-Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 7. August 2015
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 18/5751 – 2 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodelistischer Untergrund (NSU)“ existiert, wird im Rahmen der statistischen
Erfassung im BKA das Kürzel „NSU“ in das Sachverhaltsfeld eingefügt, soweit aus
der entsprechenden Kriminaltaktischen Anfrage (KTA-PMK), mit welcher der
Sachverhalt durch das jeweilige Land dem BKA übermittelt wird, ein
entsprechender Zusammenhang erkennbar ist. Dieser Zusammenhang bezieht sich aber
nicht nur auf Straftaten im Sinne der Fragestellung („bei denen die
mutmaßlichen Täter und Täterinnen auf den ‚Nationalsozialistischen Untergrund‘ und/
oder auf die rassistische Mordserie an neun migrantischen Kleinunternehmern
Bezug nehmen“), sondern auf jegliche Straftaten mit der Thematik NSU.
1. Wie viele Straftaten sind dem BKA und/oder dem Gemeinsamen
Extremismus- und Terrorismusabwehrzentrum (GETZ) seit dem 4. November 2011
und damit dem breiten öffentlichen Bekanntwerden der Existenz des NSU
bekannt geworden, bei denen die mutmaßlichen Täterinnen und Täter auf
den NSU und/oder auf die rassistische Mordserie an neun migrantischen
Kleinunternehmern Bezug nehmen (bitte nach Jahr, Tatdatum, Tatort,
Bundesland, Delikt und Anzahl der Tatbeteiligten aufschlüsseln)?
Insgesamt wurden dem BKA im Rahmen des KMPD-PMK 259 Fälle im
Zusammenhang mit dem NSU übermittelt:
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Drucksache 18/5751 – 24 – Deutscher Bundestag – 18. WahlperiodeDarüber hinaus wurden im Gemeinsamen Extremismus- und
Terrorismusabwehrzentrum zur Bekämpfung des Rechtsextremismus/-terrorismus (GETZ-R)
folgende Sachverhalte bekannt, die Handlungen mit NSU-Bezug aufwiesen:
● 21. Juli 2015: Festnahme eines Tatverdächtigen nach einer Vielzahl von
Straftaten im Bereich PMK-rechts (Sachbeschädigung, Verwenden von
Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, Beleidigung, Bedrohung)
in Oberhausen/NW am 18. Juli 2015.
● 21. April 2015: Exekutivmaßnahmen in Zwickau/SN am 16. April 2015 im
Ermittlungsverfahren wegen Billigung von Straftaten nach § 140 des
Strafgesetzbuches (StGB) gegen einen rechtsextremistischen Liedermacher.
● 17. März 2015: Ermittlungsverfahren wegen Billigung von Straftaten nach
§ 140 StGB im Oktober 2014 gegen einen rechtsextremistischen
Liedermacher (Versandhandel „Oldschool Records“ in Wolfertschwenden/BY).
● 5. März 2015: Veröffentlichung des NSU-Bekennervideos im Internet –
Verdacht der Volksverhetzung, Gewaltdarstellung, Billigung von Straftaten.
● 16. Oktober 2014: Aktivitäten (Verleumdung, Verbotene Mitteilungen über
Gerichtsverhandlungen – Staatsanwaltschaft Zwickau) des als „Fatalisten“
bekannten Tatverdächtigen.
● 8. April 2014: Sachbeschädigung an Gedenktafel für NSU-Opfer am 7. April
2014 in Kassel/HE durch unbekannte Täter.
2. Wie viele im Sinne von Frage 1 einschlägige Straf- und Gewalttaten seit
dem 4. November 2011 sind dem BKA und/oder dem GETZ im Jahr 2013
für das Jahr 2012 nachgemeldet worden (bitte nach Jahr, Tatdatum, Tatort,
Bundesland, Delikt und Anzahl der Tatbeteiligten aufschlüsseln)?
3. Wie viele im Sinne von Frage 1 einschlägige Straf- und Gewalttaten seit
dem 4. November 2011 sind dem BKA und/oder dem GETZ im Jahr 2014
für das Jahr 2013 nachgemeldet worden (bitte nach Jahr, Tatdatum, Tatort,
Bundesland und Delikt, Anzahl der tatbeteiligten Frauen und Männer
aufschlüsseln)?
4. Wie viele im Sinne von Frage 1 einschlägige Straf- und Gewalttaten seit
dem 4. November 2011 sind dem BKA und/oder dem GETZ im Jahr 2015
für das Jahr 2014 nachgemeldet worden?
Die Fragen 2 bis 4 werden aufgrund ihres Sachbezuges zusammen beantwortet.
Die statistische Erhebung von Nachmeldungen ist nicht möglich. Die dem BKA
seit November 2011 im Rahmen des KPMD-PMK gemeldeten bzw.
nachgemeldeten Straftaten sind in der Tabelle in der Antwort zu Frage 1 enthalten.
Im GETZ-R wurden keine einschlägigen Straftaten nachgemeldet. Eine
entsprechende Pflicht zur Nachmeldung von Sachverhalten im Rahmen der
Zusammenarbeit im GETZ-R existiert nicht.
5. Bei wie vielen der dem BKA und/oder dem GETZ bekannt gewordenen
Straftaten, bei denen die mutmaßlichen Täterinnen und Täter auf den NSU
und/oder auf die rassistische Mordserie an neun migrantischen
Kleinunternehmern Bezug nehmen, handelt es sich um Gewalttaten (bitte nach Tatort,
Tatdatum, Bundesland und Delikt aufschlüsseln)?
Insgesamt wurden neun Straftaten dem Bereich der politisch motivierten
Gewaltkriminalität zugeordnet. Die bezeichneten Delikte sind in der auf die Ant-
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 25 – Drucksache 18/5751wort zu Frage 1 erstellten Tabelle kenntlich gemacht. Es handelt sich um die
Nummern 79, 95, 132, 143, 180, 187, 198, 252 und 255.
6. Bei wie vielen der dem BKA und/oder dem GETZ bekannt gewordenen
Straftaten, bei denen die mutmaßlichen Täterinnen und Täter auf den NSU
und/oder auf die rassistische Mordserie an neun migrantischen
Kleinunternehmern Bezug nehmen, handelt es sich um Propagandadelikte (bitte nach
Tatort, Tatdatum, Bundesland und Delikt aufschlüsseln)?
Im KPMD-PMK sind 120 Propagandadelikte im Sinne der Anfrage erfasst. Die
bezeichneten Delikte sind in der auf die Antwort zu Frage 1 erstellten Tabelle
kenntlich gemacht. Es handelt sich um die Nummern 1, 2, 6 bis 9, 12 bis 16, 19,
23, 24, 28, 31, 32, 38, 41, 43 bis 46, 48 bis 54, 57, 65, 70, 73, 74, 76, 82 bis 88,
90 bis 92, 101, 111, 119, 120, 128 bis 131, 133, 134, 136, 139 bis 141, 145, 146,
148 bis 153, 155, 157, 158, 163, 169, 172 bis 175, 177, 179, 181, 185, 188, 191,
193 bis 195, 197, 199 bis 208, 212, 213, 216, 218, 221 bis 223, 225 bis 227, 230,
233, 236 bis 239, 241, 243, 246 bis 248, 250, 254 und 256.
7. Wie viele der dem BKA und/oder dem GETZ bekannt gewordenen
Straftaten, bei denen die mutmaßlichen Täterinnen und Täter auf den NSU und/
oder auf die rassistische Mordserie an neun migrantischen
Kleinunternehmern Bezug nehmen, richteten sich gegen Migranten, Flüchtlinge oder von
Rassismus betroffene Personen und/oder deren Wohnhäuser,
Ladengeschäfte und Unterkünfte (bitte nach Tatort, Tatdatum, Bundesland, Delikt
und Anzahl der tatbeteiligten Frauen und Männer aufschlüsseln)?
Die Erhebung von PMK im Rahmen des KMPD-PMK knüpft an die
tatbestimmende politische Motivation des Täters und nicht an die Person des Opfers an.
Eine geforderte Auswertung anhand bestimmter Opfereigenschaften ist deshalb
nicht möglich.
Ausgehend von der Tätermotivation erfolgt im KPMD-PMK eine Zuordnung zu
verschiedenen im PMK-Definitionssystem festgelegten thematischen
Oberbegriffen und Unterhemen, darunter auch die Unterthemen „Rassismus“ und
„Fremdenfeindlich“.
Im KPMD-PMK wurden seit dem 4. November 2011 elf Straftaten im Sinne
dieser Anfrage dem Unterthema „Rassismus“ und 73 Straftaten im Sinne dieser
Anfrage dem Unterthema „Fremdenfeindlich“ zugeordnet. Die bezeichneten
Delikte sind in der auf die Antwort zu Frage 1 erstellten Tabelle kenntlich
gemacht.
Bei den dem Unterthema „Rassismus“ zugeordneten Straftaten handelt sich um
die Nummern 17, 21, 25, 38, 54, 57, 60, 102, 149, 164 und 204.
Bei den dem Unterthema „Fremdenfeindlich“ zugeordneten Straftaten handelt
sich um die Nummern 9, 11, 14, 17, 20, 21, 25 bis 27, 30, 32 bis 35, 38, 54 bis
58, 60, 61, 63, 69, 72, 77, 83, 85, 86, 90, 92, 95, 96, 102, 105 bis 108, 113, 116,
117, 122, 125, 135, 137, 147, 154 bis 156, 161, 162, 164, 170, 171, 174, 175,
180, 183 bis 185, 187, 192, 210, 215, 219, 224, 235, 240, 242, 251, 255, 257 und
258.
Eine politisch motivierte Straftat kann mehrere Themenfelder betreffen.
Dementsprechend ist nach den Richtlinien zum KPMD-PMK zur präzisen
Darstellung der Motivlage eine Mehrfachnennungen möglich. Diese Verfahrensweise
erlaubt eine differenzierte, trennscharfe, mehrdimensionale Auswertung und
Lagedarstellung. Dies führt jedoch nicht zu einer Erhöhung der Zähldelikte. Der
Vorteil der mehrdimensionalen Darstellung von Straftaten in den Themenfel-
Drucksache 18/5751 – 26 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiodedern ermöglicht eine facettenreiche Auswertung der Daten bei entsprechenden
Fragestellungen.
Die Summe der Themenfeldnennungen ist stets wesentlich höher als die Summe
der Straftaten, daher ist eine Addition der Themenfeldnennungen zur Ermittlung
der Straftatenanzahl nicht möglich.
Zu Angriffen auf „Wohnhäuser, Ladengeschäfte und Unterkünfte“ im Sinne der
Fragestellung liegen der Bundesregierung keine Erkenntnisse im Sinne der
Fragestellung vor.
8. In wie vielen der dem BKA und/oder dem GETZ bekannt gewordenen
Straftaten, bei denen die mutmaßlichen Täterinnen und Täter auf den NSU
und/oder auf die rassistische Mordserie an neun migrantischen
Kleinunternehmern Bezug nehmen, ist es nach Kenntnis der Bundesregierung
bislang zu einer Verurteilung von Tatbeteiligten gekommen (bitte nach
Tatort, Tatdatum, Bundesland, Urteil und zuständigem Gericht
aufschlüsseln)?
9. In wie vielen der dem BKA und/oder dem GETZ bekannt gewordenen
Straftaten, bei denen die mutmaßlichen Täterinnen und Täter auf den NSU
und/oder auf die rassistische Mordserie an neun migrantischen
Kleinunternehmern Bezug nehmen, ist es nach Kenntnis der Bundesregierung
bislang zu Freisprüchen von Angeklagten gekommen (bitte nach Tatort,
Tatdatum, Bundesland, Urteil und zuständigem Gericht aufschlüsseln)?
Die Fragen 8 und 9 werden aufgrund ihres Sachbezuges zusammen beantwortet.
Da im Wege des KPMD-PMK in der Regel keine Informationen zum
Verfahrensausgang mitgeteilt werden, kann eine Aussage im Sinne der Fragestellung nicht
getroffen werden.
Darüber hinausgehende Informationen liegen der Bundesregierung nicht vor.
10. In wie vielen der dem BKA und/oder dem GETZ bekannt gewordenen
Straftaten, bei denen die mutmaßlichen Täterinnen und Täter auf den NSU
und/oder auf die rassistische Mordserie an neun migrantischen
Kleinunternehmern Bezug nehmen, sind nach Erkenntnissen der Bundesregierung
Bezüge zu neonazistischen Kameradschaften, Vereinigungen oder
Parteien erkennbar (bitte nach Tatort, Tatdatum, Bundesland, Name der
jeweiligen Neonazi-Kameradschaft, Vereinigung und Partei aufschlüsseln)?
Die Länder haben im Wege des KPMD-PMK die nachfolgenden Einzelheiten im
Sinne der Fragestellung an das BKA übermittelt. Dabei handelt es sich um
freiwillige Angaben der Länder. Der tatsächliche Umfang der bei den Ländern
vorliegenden einschlägigen Erkenntnisse kann deshalb größer sein.
Für Einzelheiten zu den jeweiligen Delikten wird auf die in der Antwort zu
Frage 1 erstellten Tabelle verwiesen.
Nr.
(Tabelle zu Antwort 1)
Kameradschaft/Vereinigung/Partei
2 „Die Freiheit“
3 „GDL“ (vermutlich „German Defence League“)
10 „NPD“
17 „Nationaler Widerstand“
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 27 – Drucksache 18/575125 „Freie Kräfte Berlin“
35 „Verband der Rechten Parteien Deutschlands e. V.“
47 „AN GP“ (vermutlich „Autonome Nationalisten
Göppingen“)
56 „Nationale Sozialisten“; „Freies Netz Süd“
58 „NPD“
61 „LW-Freiheit-Team“ (Abkürzung nicht bekannt)
68 „FNS“ (vermutlich „Freies Netz Süd“); „Deutsche
Jugend“
77 Hinweis auf Internetseite „
www.fnhessen.net“
(vermutlich „Freies Netz Hessen“)
82 „NPD“
89 „Freie Nationalisten Weißenburg“
90 „Kommando Heimetschutz“ (Rechtschreibfehler im
Graffiti)
110 „Kommando Gerold Hess“
116 „Pro NRW“; „deutsch nationale Frauenschaft“
119 „OHJ“ (Abkürzung nicht bekannt)
123 „NPD“
138 „Anti-Antifa“
145 „Nationale Sozialisten Uslar“
154 „NPD“
180 „NPD“
190 „Nationale Sozialisten Jülich“
222 „Freies Netz“
227 „SKE“, „NSEB“ (Abkürzungen nicht bekannt)
232 „Sächsischer Heimatschutz“
247 „Nationaler Jugendclub Bleicherode“
251 „NPD“
256 „Freies Netz Saalfeld“
Nr.
(Tabelle zu Antwort 1)
Kameradschaft/Vereinigung/Partei
Drucksache 18/5751 – 28 – Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode11. In wie vielen der dem BKA und/oder dem GETZ bekannt gewordenen
Straftaten, bei denen die mutmaßlichen Täterinnen und Täter auf den NSU
und/oder auf die rassistische Mordserie an neun migrantischen
Kleinunternehmern Bezug nehmen, haben Staatsanwaltschaften nach Kenntnis
der Bundesregierung Ermittlungsverfahren wegen Werbung für eine
terroristische Vereinigung nach § 129a Absatz 5 Satz 2 des Strafgesetzbuchs
(StGB) eingeleitet (bitte nach Tatort, Tatdatum, Bundesland und
zuständiger Staatsanwaltschaft aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung sind keine entsprechenden Ermittlungsverfahren bekannt.
12. Inwieweit ist das GETZ mit Straf- und Gewalttaten befasst, bei denen sich
die Täterinnen und Täter auf die Mordserie des NSU und den NSU
beziehen?
Seit Arbeitsaufnahme des GAR/GETZ-R werden Informationen und
Sachverhalte mit auch nur möglichem Bezug zur Politisch motivierten
Kriminalitätrechts durch die teilnehmenden Behörden eingebracht, analysiert und bewertet.
Der Bedeutung des Strafverfahrens gegen Beate Zschäpe vor dem
Oberlandesgericht (OLG) München sowie der Möglichkeiten weitere Informationen zu
rechtsextremistischen Strukturen oder Personenverbindungen zu erlangen,
wurde Rechnung getragen und in der Zeit von Mai 2013 bis Februar 2014 ein
ständiger Tagesordnungspunkt „Polizeilich bzw. nachrichtendienstlich relevante
Ereignisse im Zusammenhang mit dem NSU-Prozess vor dem OLG München“
eingerichtet.
Aktuelle einschlägige Informationen und Sachverhalte werden darüber hinaus
bei Bedarf thematisiert.
13. In wie vielen Fällen haben Sicherheitsbehörden des Bundes und nach
Kenntnis der Bundesregierung der Länder bei Rechtsextremistinnen und
Rechtsextremisten seit dem 1. Januar 2012 Waffen, Sprengstoffe,
Sprengkörper und Hinweise auf Planungen und Durchführungen von
Wehrsportübungen gefunden sowie Hinweise feststellen können, dass sich diese
Personen ausdrücklich auf die rassistisch motivierte Mordserie und
Bombenanschläge des NSU beziehen (bitte einzeln nach Datum, Ort, Bundesland,
Art der Waffen- bzw. Sprengstofffunde und Wehrsportübung auflisten)?
Im KPMD-PMK sind vier Delikte im Sinne der Anfrage erfasst. Die
bezeichneten Delikte sind in der auf die Antwort zu Frage 1 erstellten Tabelle kenntlich
gemacht. Es handelt sich um die Nummern 71, 132, 170 und 171.
14. Inwieweit sind das Gemeinsame Abwehrzentrum gegen
Rechtsextremismus (GAR) bzw. das GETZ mit Straf- und Gewalttaten befasst, bei denen
sich die Täterinnen und Täter auf die Mordserie des NSU und den NSU
beziehen, und inwieweit hat sich das GAR bzw. das GETZ in den
einzelnen Fällen mit den mutmaßlichen Tätern und deren Umfeld beschäftigt,
und konnten hier Tendenzen zu einer Radikalisierung und zur Debatte
über terroristische Ansätze festgestellt werden (bitte einzeln auflisten)?
Auf die Antworten zu den Fragen 11 und 12 wird verwiesen.
Deutscher Bundestag – 18. Wahlperiode – 29 – Drucksache 18/575115. Inwieweit wurden namentlich die Aktivitäten der „Brigade Halle“ im
GAR bzw. im GETZ untersucht, und zu welchen Ergebnisse ist das GAR
bzw. das GETZ hierbei gekommen?
Die Aktivitäten der „Brigade Halle“ sind Gegenstand der Erörterungen im
GETZ-R und unterliegen einer fortlaufenden anlassbezogen Berücksichtigung.
Der Personenzusammenschluss war zunächst überwiegend virtuell aktiv, fällt
jedoch zunehmend durch Aktivitäten – darunter auch gewalttätige Übergriffe –
in der Realwelt auf.
16. In wie vielen Fällen haben Sicherheitsbehörden des Bundes und nach
Kenntnis der Bundesregierung der Länder bei Rechtsextremistinnen und
Rechtsextremisten seit dem 1. Januar 2012 feststellen können, dass diese
Personen in Netzwerken und Gruppierungen operieren bzw. neue
Netzwerke und Gruppierungen bilden, und dass sie sich dabei positiv auf die
rassistisch motivierte Mordserie und Bombenanschläge des NSU beziehen
(bitte einzeln, auch nach Bundesländern, auflisten)?
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung zur Kleinen Anfrage der Fraktion
DIE LINKE. zu Frage 8 auf Bundestagsdrucksache 18/2166 vom 21. Juli 2014
verwiesen. Darüber hinaus wurden folgende Fälle bekannt:
● Auf dem Titelblatt der Zeitschrift „Recht und Wahrheit“ (Ausgabe 5/2014)
des bekannten und in der Szene vernetzten Rechtsextremisten Meinolf
Schönborn ist ein Bild des „Rosaroten Panthers“ sowie die Schlagzeile „NSU
2.0“ abgedruckt. Im gleichnamigen Artikel werden die Taten des NSU
verharmlost sowie als staatliche Verschwörung dargestellt. Aus Sicht des Autors
Meinolf Schönborn müsse sich der Staat solcher Straftaten wie der des NSU
bedienen, um die Bevölkerung durch die Erzeugung künstlicher Feindbilder
zu verunsichern. Gleichzeitig könne so eine Rechtfertigung für die
Beobachtung der politisch rechten Opposition erlangt sowie die eigene Machtposition
gestärkt werden.
● Bei einer Kundgebung der Partei „Die Rechte“ am 21. Dezember 2014 in
Dortmund wurde von Teilnehmern mehrmals der Ausruf: „Mehmet hat’s
erwischt“ gerufen. Hierbei handelt es sich um eine Anspielung auf den im Juni
2006 in Dortmund ermordeten Mehmet Kubasik. Die Tat wird dem NSU
zugerechnet.
● Im Rahmen einer Durchsuchungsmaßnahme in mehreren Bundesländern am
16. April 2015 wurden auch Tonträger des in der Szene vernetzten
sächsischen rechtsextremistischen Liedermachers „Freilich Frei“ beschlagnahmt.
Mit dem Titel seiner veröffentlichten CD „Das Haus wird abgebrannt“
bezieht er sich auf die letzte Wohnanschrift des NSU-Trios und glorifiziert
deren Mitglieder. Ergänzend wird zu diesem Sachverhalt auf die Antwort der
Bundesregierung zur Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf
Bundestagsdrucksache 18/5439 vom 1. Juli 2015 verwiesen.
17. In wie vielen Fällen haben Sicherheitsbehörden des Bundes und nach
Kenntnis der Bundesregierung der Länder bei rechtsextremen,
rassistischen Netzwerken und Gruppierungen mit internationalen Beziehungen
feststellen können, dass diese sich positiv auf die rassistisch motivierte
Mordserie und Bombenanschläge des NSU beziehen (bitte einzeln, auch
nach Bundesländern, auflisten)?
Der Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse im Sinne der Fragestellung vor.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]