Entwicklung der Anzahl von Unfällen mit Wildtieren und Maßnahmen zu deren Vermeidung
der Abgeordneten Matthias Gastel, Steffi Lemke, Stephan Kühn (Dresden), Harald Ebner, Tabea Rößner, Markus Tressel, Dr. Valerie Wilms und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
18 Menschen kamen im vergangenen Jahr bei Verkehrsunfällen mit Wildtieren ums Leben, 2 824 wurden zum Teil schwer verletzt. Mehr als 250 000 größere Wildtiere wie Rehe oder Wildschweine wurden dabei getötet. Und fast jeder zweite Autofahrer ist bereits mindestens einmal mit einem Wildtier kollidiert oder musste einem solchen ausweichen (ADAC Motorwelt 10/2015).
Für Autofahrerinnen und Autofahrer stellen querende Wildtiere eine erhebliche Gefahrenquelle dar. Zugleich stellt das in Deutschland dicht gesponnene Straßen- und Schienennetz eine Zerschneidung von Lebensräumen wild lebender Tiere dar. In Gesprächen mit Vertretern von Jagdverbänden wurde den Fragestellern immer wieder berichtet, dass an vielen stark befahrenen Verkehrswegen Wildtierwanderungen nicht mehr funktionieren und sich die Genpools auseinanderentwickeln.
Mit dieser Kleinen Anfrage schließen die Fragesteller an vorangegangene Initiativen (Bundestagsdrucksachen 18/2403 und 18/2819) an, um die Datenlage zu aktualisieren und sich über neue Entwicklungen zu erkundigen. Darüber hinaus wird erneut nach der Gefährdung der Bestände gefragt. Diese Frage wurde nach Auffassung der Fragesteller in den Antworten auf die vorangegangenen Kleinen Anfragen (Bundestagsdrucksachen 18/2522 und 18/3579) unzureichend beantwortet, obwohl es durchaus wissenschaftliche Quellen für die Beantwortung dieser Frage gibt. So werden in der Arbeit „Wirkung von Barrieren auf Säuger und Reptilien“ der Öko-Log Freilandforschung aus dem Jahr 2007 Wildkatzen, Rothirsche und Dachse als besonders gefährdet beschrieben.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen15
Wie viele Verkehrsunfälle (auch Bagatellunfälle) unter Beteiligung von Wildtieren wurden in den einzelnen Jahren von 1995 bis 2014 im Rahmen der amtlichen Straßenverkehrsunfallstatistik nach Kenntnis der Bundesregierung erfasst (bitte differenziert nach Unfällen mit Personenschaden sowie schwerwiegenden Unfällen mit Sachschaden Anzahl und Kosten tabellarisch darstellen)?
Wie viele Verkehrsunfälle unter Beteiligung von Wildtieren wurden in den einzelnen Jahren von 1995 bis 2014 im Rahmen der amtlichen Straßenverkehrsunfallstatistik nach Kenntnis der Bundesregierung in den einzelnen Bundesländern erfasst (bitte tabellarisch darstellen)?
Wie teilte sich die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle in den Jahren von 1995 bis 2014 mit Wildtieren auf Bundesautobahnen, Bundesstraßen, Landesstraßen und Straßen in kommunaler Baulast auf?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die von Versicherungen erstatteten Schadenssummen bei Verkehrsunfällen unter Beteiligung von Wildtieren in den einzelnen Jahren von 1995 bis 2014 entwickelt (bitte tabellarisch darstellen)?
Wie viele Wildunfälle auf Bahntrassen wurden in den einzelnen Jahren von 1995 bis 2014 von der DB AG nach Kenntnis der Bundesregierung erfasst (bitte differenziert nach Unfällen mit Personenschaden sowie Angaben zum Sachschaden Anzahl und Kosten tabellarisch darstellen)?
Welche Studien über die Wirksamkeit von Wildschutzzäunen an Bundesfernstraßen bzw. des DB-Schienennetzes sind der Bundesregierung bekannt?
Welcher Anteil des DB-Schienennetzes ist nach Kenntnis der Bundesregierung mit Wildschutzzäunen ausgerüstet, und in welchem Umfang plant die DB AG, in den nächsten fünf Jahren weitere Wildschutzzäune zu errichten?
Welche neuen Forschungsvorhaben und Langzeitstudien zur Vermeidung von Wildtierunfällen sind seit der Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 18/2522 nach Kenntnis der Bundesregierung abgeschlossen oder neu begonnen worden, und was wurde aus dem in der Antwort zu Frage 6 auf Bundestagsdrucksache 18/2522 angekündigten und vom BMVI geförderten, gemeinsam mit dem Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft beauftragten Forschungsvorhaben?
Welche geschützten Wildtierarten werden nach Kenntnis der Bundesregierung durch Verkehrsunfälle in ihren Populationen erheblich beeinträchtigt? Wie stellt sich die Gefährdung der Bestände dar?
Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über das in Schleswig-Holstein derzeit in der Testphase befindliche Totfundkataster, das die Universität Kiel zusammen mit den Jagdverbänden mit dem Ziel einer bundesweiten Anwendung aufzubauen beabsichtigt (siehe Bundestagsdrucksache 18/2522), bis wann wird nach Kenntnis der Bundesregierung die Testphase abgeschlossen sein, und bis wann wird ein bundesweites Totfundkataster eingeführt werden können?
Wo gingen nach Kenntnis der Bundesregierung seit dem Jahr 2013 neue Wildwarnanlagen und Grünbrücken in Betrieb (bitte aufgeschlüsselt nach Bundesländern und mit Angaben zu den Kosten darstellen)?
Welche der in der Antwort zu Frage 18 auf Bundestagsdrucksache 18/2522 angeführten Projekte in Planung im Rahmen des Bundesprogramms Wiedervernetzung konnten mittlerweile realisiert werden?
Wo sind nach Kenntnis der Bundesregierung neue Wildwarnanlagen und Grünbrücken geplant (bitte aufgeschlüsselt nach Bundesländern, Jahr der geplanten Fertigstellung und mit Angaben zu den vorgesehenen Kosten darstellen)?
Dürfen nach Kenntnis der Bundesregierung in der Nähe von Querungshilfen, wie Grünbrücken, Jagdeinrichtungen aufgestellt werden, und darf dort der Jagd nachgegangen werden, und was ist die Position der Bundesregierung hierzu?
Wie viele Mittel aus den Um- und Ausbautiteln wurden von den Ländern für Wiedervernetzungsmaßnahmen ausgegeben?