Maßnahmen gegen die tödliche Pilzinfektion (Batrachochytrium salamandrivorans, Bsal) für Salamander und Molche
der Abgeordneten Steffi Lemke, Nicole Maisch, Annalena Baerbock, Bärbel Höhn, Sylvia Kotting-Uhl, Oliver Krischer, Christian Kühn (Tübingen), Peter Meiwald, Dr. Julia Verlinden und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Amphibien gehören weltweit zur am stärksten bedrohten und am schnellsten schwindenden Wirbeltiergruppe. Neben der Zerstörung ihrer Lebensräume durch den Menschen sind auch Pathogene wie Pilz- und Viruserkrankungen für den dramatischen Rückgang einzelner Arten verantwortlich. Die Ausbreitung eines aus Asien stammenden Hautpilzes (Batrachochytrium salamandrivorans, Bsal), der auch Salamanderfresser genannt wird, hat in den Niederlanden bereits zum Auslöschen der dortigen Feuersalamander-Bestände geführt. Auch in Belgien wurden bereits Tiere infiziert und die Population stark dezimiert. In Deutschland wurde Bsal bereits in einer Privathaltung von Salamandern und Molchen nachgewiesen sowie seit November 2015 in drei Feuersalamander-Populationen im Eifel-Nationalpark, Nordrhein-Westfalen (http://wwwnc.cdc.gov/eid/article/22/7/16-0109_article).
Es besteht die akute Gefahr, dass sich diese tödliche Krankheit in ganz Europa ausbreitet und somit auch die heimischen Salamander- und Molchbestände, die Laborstudien zufolge besonders anfällig für eine Bsal-Infektion sind, gefährdet.
Als wahrscheinlichster Verbreitungsweg von Bsal gilt die Einfuhr über den Lebendtierhandel. Seit Februar 2016 gelten in den USA deshalb ein Importverbot sowie ein Verbot des Handels innerhalb des Landes für 201 Arten von Salamandern und Molchen. Bereits im Sommer 2015 verhängte die Schweiz ein temporäres Importverbot für Molche und Salamander. Auch das Standing Committee der Berner Konvention empfiehlt den Mitgliedstaaten Handelsbeschränkungen, um die weitere Ausbreitung des Pilzes einzudämmen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen12
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Ursache und Herkunft des Erregers Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) in Europa und Deutschland?
a) Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Ausbreitung von Bsal in der Europäischen Union und in Deutschland? b) Welche Arten sind konkret betroffen und/oder gefährdet?
Unterstützt die Bundesregierung ein von Naturschutzverbänden in Vorbereitung befindliches System zum Monitoring von Amphibienbeständen verbunden mit einem Bsal-Screening?
a) Wenn ja, wie sieht die Unterstützung konkret aus?
b) Wenn nein, warum nicht?
Wird sich die Bundesregierung auf EU-Ebene für ein Importverbot von Salamandern und Molchen einsetzen?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über Maßnahmen und Strategien zur Bekämpfung von Bsal in den Niederlanden und Belgien, den beiden bisher am stärksten betroffenen EU-Mitgliedstaaten?
Inwieweit plant die Bundesregierung eine mit den Niederlanden und Belgien abgestimmte Vorgehensweise, um auf EU-Ebene zügig einen temporären Importstopp zu erreichen, um die weitere Ausbreitung zu verhindern?
a) Wird die Bundesregierung mit Verweis auf das Tiergesundheitsgesetz umgehend einen nationalen Importstopp verhängen? b) Wenn nein, warum nicht?
Wird sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass der Erreger Bsal in der EU-Tiergesundheitsverordnung gelistet wird?
Wird sich die Bundesregierung dafür einsetzen, dass alle Salamander und Molche in Anhang B der Verordnung (EG) Nr. 338/97 gelistet werden?
Welche sonstigen Aktivitäten plant die Bundesregierung, um den tödlichen Pilz Bsal einzudämmen?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über konkrete Aktivitäten oder Managementpläne in den Bundesländern?
Wann wird die Bundesregierung die im Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD angekündigten deutlichen Einschränkungen des Handels mit und der Privathaltung von Wildtieren umsetzen?