[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit vom 17. Mai 2016 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/8511
18. Wahlperiode 19.05.2016
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Peter Meiwald, Dr. Harald Terpe,
Steffi Lemke, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/8329 –
Gewässerqualität in Mecklenburg-Vorpommern
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Sauberes Wasser ist für Menschen eine lebensnotwendige Grundlage. Bei
Wasserverunreinigungen drohen gesundheitliche Schäden und eine nachhaltige
Störung des biologischen Gleichgewichts der Arten, die mit dem verunreinigten
Wasser in Berührung kommen. Aus vornehmlich diesen Gründen sind unsere
Gewässer vor Schadstoffeinträgen zu schützen sowie umfassende Kontrollen zu
gewährleisten.
Die Europäische Union hat mit der seit Dezember 2000 gültigen
Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union
einheitlich geltende Umweltziele für den Schutz des Grundwassers und der
Oberflächengewässer aufgestellt. Damit wurde die rechtliche Basis dafür geschaffen,
wie unser Wasser auf einem hohen Niveau zu schützen ist. Als Hauptziel wird
angestrebt, dass Flüsse, Seen, Küstengewässer und Grundwasser nach
Möglichkeit bis zum Jahr 2015 – spätestens bis zum Jahr 2027 – einen guten
ökologischen Zustand erreichen.
In Deutschland befinden sich große Anteile der Oberflächengewässer in keinem
guten Zustand, auch viele Grundwasserkörper sind mit Nitrat und Pestiziden
belastet. Es besteht die Gefahr, dass durch verschmutztes Wasser an Land auch
die Wasserqualität vor allem im sensiblen Meeresgebiet der Ostsee Schaden
nimmt. Im Hinblick auf die Erreichung des „guten Meereszustands“ gemäß der
Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) müssen beide Bereiche aufgrund
der jeweiligen Wechselwirkung zusammen betrachtet werden.
Zustand der Grundwasserkörper in Mecklenburg-Vorpommern
1. Wie hat sich das Messstellennetz bei Grundwasserkörpern in Mecklenburg-
Vorpommern nach Kenntnis der Bundesregierung in den vergangenen
zehn Jahren entwickelt?
Über die Entwicklung des Grundwassermessnetzes in Mecklenburg-
Vorpommern liegen der Bundesregierung nur Daten für den Zeitraum 2009 und 2015 vor.
Insgesamt hat sich das Messnetz in diesem Zeitraum nach Kenntnis der
Bundesregierung nicht wesentlich verändert. Die Messstellendichte ist größer geworden.
2. a) In wie vielen Bewirtschaftungsplänen des ersten Zyklus sind nach
Kenntnis der Bundesregierung Ausnahmen in Mecklenburg-Vorpommern für
Grundwasserkörper von der Auflage des Erreichens eines guten
Gewässerzustands gewährt worden?
b) Wo liegen diese Grundwasserkörper (bitte Ort und Messstellennummer
angeben)?
Die Fragen 2a und 2b werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
In Mecklenburg-Vorpommern sind 2009 im ersten Bewirtschaftungszyklus
52 Grundwasserkörper ausgewiesen worden. Von diesen 52 Grundwasserkörpern
haben vier Körper den guten mengenmäßigen Zustand und 18 Körper den guten
chemischen Zustand verfehlt. Für diese Körper mussten Ausnahmeregelungen in
Anspruch genommen werden.
Anzahl der Wasserkörper 52
Anzahl Ausnahmen für den mengenmäßigen Zustand 4
Anzahl Ausnahmen für den chemischen Zustand 18
Die Lage der genannten Grundwasserkörper ist der Broschüre „Auf dem Weg zu
guten Gewässern“ (S. 41, Karte 9) zu entnehmen.
3. Was sind die Hauptursachen für die Nichteinhaltung eines guten
Gewässerzustands in den Grundwasserkörpern?
Nach den Angaben aus dem Bewirtschaftungsplan 2015 sind die wesentlichen
Ursachen für eine Verfehlung des guten chemischen Zustands Belastungen durch
Stickstoff (Nitrat und/oder Ammonium), Chlorid und Sulfat.
4. Geht die Bundesregierung davon aus, dass durch die bestehenden
Maßnahmen im nächsten Bewirtschaftungszyklus eine Verbesserung der
Grundwasserkörper in Mecklenburg-Vorpommern entsprechend dem
Verbesserungsgebot der WRRL erreicht werden kann?
Die Bundesregierung geht davon aus, dass Mecklenburg-Vorpommern geeignete
Maßnahmen ergriffen hat, um den Zustand der Grundwasserkörper zu verbessern.
5. Bei welchen der in Frage 2 angesprochenen Grundwasserkörpern ist nach
Kenntnis der Bundesregierung eine Verbesserung der Zustandsklasse zu
erwarten?
Die Bundesregierung geht davon aus, dass sich grundsätzlich in allen betroffenen
Grundwasserkörpern die Belastung verringern wird. Aufgrund der sehr langen
Verweilzeiten des Grundwassers werden Maßnahmen jedoch nur langsam
wirksam, so dass eine Verbesserung der Situation über einen längeren Zeitraum zu
erwarten ist.
6. a) Welche 15 Grundwasserkörper sind nach Kenntnis der Bundesregierung
in Mecklenburg-Vorpommern am höchsten mit Nitrat und Pestiziden
belastet (bitte Ort und Messstellennummer angeben)?
c) Wo werden dabei die in der Grundwasserverordnung festgelegten
Schwellenwerte überschritten (bitte Messwert angeben)?
Die Fragen 6a und 6b werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Bundesregierung liegen keine grundwasserkörperbezogenen Messdaten aus
Mecklenburg-Vorpommern vor. Es gibt allerdings keinen Grundwasserkörper in
Mecklenburg-Vorpommern, der aufgrund einer Belastung mit Pestiziden in
einem schlechten chemischen Zustand ist. Von den in der Antwort zu Frage 3
genannten Grundwasserkörpern weisen 15 Körper so hohe
Stickstoffkonzentrationen (Nitrat und/oder Ammonium) auf, dass der gute chemische Zustand verfehlt
wird. Welche der oben genannten Körper davon betroffen sind, geht aus den
bisher vorliegenden Daten nicht eindeutig hervor.
7. Bei welchen Grundwasserkörpern in Mecklenburg-Vorpommern wurden
nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2015 die in der
Grundwasserverordnung festgelegten Schwellenwerte für Biozidprodukte einschließlich
relevanter Stoffwechsel-, Abbau- und Reaktionsprodukte überschritten (bitte
nach Messwert, Ort und Messstellennummer aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen gegenwärtig keine Angaben über die Belastung von
Grundwasserkörpern durch Biozidprodukte einschließlich relevanter Stoffwechsel-,
Abbau- und Reaktionsprodukte vor.
8. Bei welchen Grundwasserkörpern in Mecklenburg-Vorpommern wurden
nach Kenntnis der Bundesregierung im Jahr 2015 die in der
Grundwasserverordnung festgelegten Schwellenwerte für Arsen, Cadmium, Blei,
Ammonium, Chlorid, Sulfat und die Summe aus Tri- und Tetrachlorethen
überschritten (bitte nach Substanz, Messwert, Ort und Messstellennummer
aufschlüsseln)?
Der Bunderegierung liegen keine Einzelmesswerte für Grundwasserkörper in
Mecklenburg-Vorpommern vor. Es liegen lediglich Angaben darüber vor,
aufgrund welcher Stoffe ein Grundwasserkörper in einem schlechten chemischen
Zustand ist. Wie in der Antwort zu Frage 3 ausgeführt, sind die wesentlichen
Ursachen für eine Verfehlung des guten chemischen Zustands Belastungen durch
Stickstoff (Nitrat und/oder Ammonium), Chlorid und Sulfat.
9. Welche Auswirkungen können die dokumentierten, nicht guten chemischen
Wasserqualitäten auf die Trinkwassergewinnung haben?
Welche konkreten Erkenntnisse bezüglich der Auswirkungen der im
Anhang 2 der Grundwasserverordnung genannten Substanzen auf die
Trinkwasserqualität liegen der Bundesregierung vor?
Der Unternehmer und der sonstige Inhaber einer Wasserversorgungsanlage
dürfen Wasser, das den Anforderungen der Trinkwasserverordnung nicht entspricht,
nicht als Trinkwasser abgeben und anderen nicht zur Verfügung stellen. Sofern
also das Rohwasser den Qualitätsanforderungen der Trinkwasserverordnung
nicht unmittelbar entspricht, ist das Wasser vor Abgabe entsprechend technisch
aufzubereiten. Art und Umfang dieser Aufbereitungsmaßnahmen sind von der
Qualität des gewonnenen Rohwassers abhängig. Für eine gute Qualität des
Trinkwassers sorgen die Prozesse der Trinkwassergewinnung (meist aus Grundwasser
und wo nicht, dann unter Einbeziehung von Bodenpassage oder Uferfiltration)
und/oder der Trinkwasseraufbereitung, die Verunreinigungen sehr wirksam
entfernen. Alternativ müssen die Wasserversorger auf unbelastete
Rohwasservorkommen ausweichen bzw. Wasser verschiedener Güte verschneiden. Generell
können Verunreinigungen wegen des dargestellten Zusatzaufwands zu einer
(bislang meist nur geringfügigen) Erhöhung der Aufbereitungskosten und somit der
Wasserpreise führen.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 18 verwiesen.
10. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Anzahl der
Entnahmestellen für Trinkwasser in Mecklenburg-Vorpommern in den vergangenen
zehn Jahren entwickelt, die sich zur Trinkwassergewinnung eignen, ohne
dass es der Beimischung von Wasser aus anderen
Trinkwasserentnahmestellen bedarf?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Angaben vor.
11. a) Inwieweit sind nach Ansicht der Bundesregierung in Mecklenburg-
Vorpommern mehr Grundwasserkörper in einem besseren chemischen bzw.
mengenmäßigen Zustand als vor zehn Jahren?
b) Wenn ja, in welcher Größenordnung, und wenn nein, inwieweit hat sich
der Zustand der einzelnen Grundwasserkörper verschlechtert (bitte nicht
nur die Veränderung der Zustandsklasse angeben, sondern möglichst auch
die absolute Verschlechterung innerhalb einer Zustandsklasse)?
Die Fragen 11a und 11b werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Der Bundesregierung liegen lediglich Informationen für die Veränderung in den
letzten sechs Jahren vor. Ein Vergleich zwischen der Bewertung im ersten und
zweiten Bewirtschaftungszyklus ist nur eingeschränkt möglich, weil sich
zwischen 2004 (Bewertung im Rahmen der Bestandsaufnahme), 2009 (erster
Bewirtschaftungszyklus) und 2015 (zweiter Bewirtschaftungszyklus)
Bewertungsmethoden modifiziert wurden und die Datenbasis deutlich verbessert werden konnte.
Im Hinblick auf den mengenmäßigen Zustand hat sich in drei
Grundwasserkörpern keine Veränderung ergeben. In vier Grundwasserkörpern ist die Situation
schlechter geworden und in einem Körper hat sich die Situation verbessert.
Der chemische Zustand ist in acht Grundwasserkörpern unverändert geblieben.
In 16 Körpern hat sich der Zustand verschlechtert und in zehn Körpern ist eine
Verbesserung eingetreten.
Zustand der Oberflächengewässer in Mecklenburg-Vorpommern
12. In wie vielen Bewirtschaftungsplänen des ersten Zyklus sind nach Kenntnis
der Bundesregierung Ausnahmen in Mecklenburg-Vorpommern für
Oberflächenwasserkörper von der Auflage des Erreichens eines guten
Gewässerzustands gewährt worden?
Die Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie ist Aufgabe der Länder. Diese sind
für die Bestandsaufnahme der Gewässerqualität, für die Festlegung von
Maßnahmen zur Wiederherstellung des guten Zustandes und für die Inanspruchnahme
von Ausnahmen (Fristverlängerungen oder weniger strenge Umweltziele)
verantwortlich. Die dafür zu Grunde zu legenden Informationen liegen dort in der
notwendigen Detailtiefe und räumlichen Zuordnung vor. Eine Darstellung
aggregierter Informationen zur Gewässerqualität nach WRRL für Deutschland enthält die
Broschüre des Umweltbundesamtes (UBA) „Auf dem Weg zu guten Gewässern“
vom Mai 2010. Die Broschüre steht unter
www.umweltbundesamt.de/sites/
default/files/medien/publikation/long/4012.pdf zum Download zur Verfügung.
Nachfolgende Tabelle enthält Details zu den Oberflächenwasserkörpern in
Mecklenburg-Vorpommern (Stand: Bewirtschaftungsplan 2009):
Anzahl Wasserkörper 1066
Anzahl Ausnahmen 920
- Ausnahmen wegen Ökologischem Zustand, davon: 920
- Ausnahmen wegen Chemischem Zustand 5
13. Was sind die Hauptursachen für die Nichteinhaltung eines guten
Gewässerzustands bei den Oberflächenwasserkörpern?
Spezielle Informationen zu Mecklenburg-Vorpommern liegen der
Bundesregierung nicht vor. In Deutschland sind die Oberflächengewässer zum überwiegenden
Teil aufgrund von Beeinträchtigungen der biologischen Qualitätskomponenten in
einem mäßigen bis schlechten Zustand. In den Flüssen sind die aquatischen
Lebensgemeinschaften (Fischfauna, Makrozoobenthos und Gewässerflora) vor
allem durch die überwiegend als „nicht gut“ beurteilte Hydromorphologie,
allgemeine Bedingungen – wie Nährstoffbelastungen, Sauerstoffdefizit,
Wärmebelastungen durch Kraftwerkseinleitungen oder auch die Salzbelastung sowie
Schadstoffbelastungen beeinträchtigt. In den Seen hingegen spielt die
Nährstoffbelastung die dominierende Rolle. In Übergangs- und Küstengewässern sind
Nährstoffeinträge der größte Belastungsfaktor. Zudem sind die Übergangsgewässer in
der Regel in ihrer Hydromorphologie stark beeinträchtigt, was zu der schlechten
Einstufung der Gewässerfauna und -flora beiträgt.
14. Inwieweit geht die Bundesregierung davon aus, dass durch die bestehenden
Maßnahmen innerhalb des zweiten Bewirtschaftungszyklus eine deutliche
Verbesserung der Oberflächenwasserkörper in Mecklenburg-Vorpommern
erreicht werden kann?
Die Bundesregierung geht davon aus, dass die Maßnahmenprogramme des
zweiten Bewirtschaftungszyklus zu Verbesserungen der Gewässerqualität führen.
Dabei ist die Zeitspanne zur naturnahen Ausprägung und Wiederbesiedlung der
Gewässer zu beachten, die je nach Situation ggf. viele Jahre betragen kann, nachdem
Belastungen z. B. der Gewässermorphologie behoben wurden.
15. Welche zehn Seen sind nach Kenntnis der Bundesregierung in Mecklenburg-
Vorpommern am höchsten mit Nitrat, Ammonium, Chlorid, Eisen, Phosphat,
Mangan, Sulfat und Pestiziden belastet?
Wo werden dabei vorhandene Grenzwerte überschritten?
Das Umweltbundesamt erhält von den Bundesländern innerhalb einer
Verwaltungsvereinbarung die Gewässerzustandsdaten des Überblicksmessnetzes. Dieses
ist konzentriert auf größere Flüsse und Seen und enthält aus Mecklenburg-
Vorpommern 18 Messstellen an Seen. Für das aktuelle Bezugsjahr (2014) liegen zu
den angefragten Stoffen Daten zu folgenden Seen aus Mecklenburg-Vorpommern
(Überblicksmessnetz, Mittelwerte in mg/l) vor:
2014
Borgwallsee Breiter
Luzin
Conventer
See
Kummerower
See
Müritz
(Außenmüritz)
Müritz
(Binnenmüritz)
Ammonium-N 0,005 0,062 0,010 0,111 0,113 0,394
Chlorid 32,750 17,633 43,250 37,100 37,050
Eisen 0,005 0,001 0,012 0,010 0,009 0,009
Mangan 0,007 0,000 0,004 0,009 0,009 0,009
Nitrat-N 0,024 0,015 0,011 0,212 0,037 0,036
Orthophosphat-P 0,005 0,001 0,005 0,018 0,004 0,002
Sulfat 55,350 36,900 179,500 77,200 79,700 79,350
Pagelsee Plauer
See
Schaalsee
(MV)
Schweriner See
(Außensee)
Schweriner See
(Innensee)
Tollensesee
Ammonium-N 1,780 1,043 0,518 0,771 0,039 0,114
Chlorid 12,500 39,700 21,000 32,800 34,200 29,167
Eisen 0,008 0,009 0,014 0,002
Mangan 0,008 0,007 0,009
Nitrat-N 0,005 0,027 0,031 0,061 0,064 0,114
Orthophosphat-P 0,006 0,002 0,009 0,020 0,094 0,025
Sulfat 67,900 55,400 63,100 45,617
Daten zu Pestiziden in diesen Seen liegen nicht vor.
16. Welche zehn Fließgewässer sind nach Kenntnis der Bundesregierung in ihrer
Gesamtheit in Mecklenburg-Vorpommern am höchsten mit Nitrat,
Ammonium, Phosphat, Chlorid, Sulfat und Pestiziden belastet (bitte mit Daten zu
den einzelnen Messstellen in den Flüssen inklusive deren genauen
geografischen Positionierung auflisten)?
Dem Umweltbundesamt werden jährlich Daten für zwölf repräsentative
Messstellen des Landes Mecklenburg-Vorpommern übermittelt. Die Messstellen
gehören zum Überblicksüberwachungsmessnetz und zum operativen Messnetz.
Diese Messnetze wurden für die Umsetzung der EG-Wasserrahmenrichtlinie
eingerichtet. Es handelt sich um Messstellen an mittelgroßen Fließgewässern. In
kleinen Fließgewässern können höhere Konzentrationen auftreten.
Für das aktuelle Bezugsjahr (2014) liegen zu den angefragten Stoffen folgende
Daten dieser Fließgewässermessstellen in Mecklenburg-Vorpommern vor
(Jahresmittelwerte in mg/l nach Größe absteigend sortiert):
Nitrat-N in mg/l
Gewässer Messstelle Mittelwert (2014)
Stepenitz Rodenberg 2,57
Trebel Wotenick 1,73
Tollense Demmin 1,68
Peene Anklam 1,25
Sude Bandekow 1,20
Recknitz Ribnitz 1,08
Elde Parchim 0,89
Warnow Kessin 0,81
Uecker Ueckermünde 0,80
Nebel Wolken 0,71
Ammonium-N in mg/l
Gewässer Messstelle Mittelwert (2014)
Trebel Wotenick 0,210
Uecker Ueckermünde 0,184
Peene Anklam 0,171
Nebel Wolken 0,111
Recknitz Ribnitz 0,106
Sude Bandekow 0,097
Stepenitz Rodenberg 0,090
Elde Dömitz 0,087
Tollense Demmin 0,079
Warnow Kessin 0,078
Gesamt-Phosphor in mg/l
Gewässer Messstelle Mittelwert (2014)
Stepenitz Rodenberg 0,149
Uecker Ueckermünde 0,138
Sude Bandekow 0,135
Trebel Wotenick 0,133
Peene Anklam 0,126
Tollense Demmin 0,121
Recknitz Ribnitz 0,116
Elde Dömitz 0,114
Elde Parchim 0,097
Warnow Kessin 0,095
Chlorid in mg/l
Gewässer Messstelle Mittelwert (2014)
Recknitz Ribnitz 233
Peene Anklam 81
Sude Bandekow 60
Trebel Wotenick 60
Nebel Wolken 57
Warnow Kessin 50
Tollense Demmin 50
Uecker Ueckermünde 45
Stepenitz Rodenberg 41
Elde Dömitz 40
Sulfat in mg/l
Gewässer Messstelle Mittelwert (2014)
Trebel Wotenick 94
Uecker Ueckermünde 90
Peene Anklam 90
Recknitz Ribnitz 86
Tollense Demmin 84
Elde Dömitz 78
Nebel Wolken 66
Warnow Kessin 62
Nebel Ahrenshagen 57
Stepenitz Rodenberg 54
Zur Stoffgruppe der Pestizide gehört eine Vielzahl von Stoffen. Daten zur
Belastung der Summe der Pestizide liegen der Bundesregierung nicht in ähnlich
auswertbarer Form vor. Über entsprechende Detailinformationen verfügt das
Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-
Vorpommern.
17. Inwiefern wirkt sich die dokumentierte, nicht gute ökologische
Wasserqualität auf die Artenvielfalt in Seen und Flüssen aus?
Welche weiteren Auswirkungen auf die Umwelt sind festzustellen?
Nicht ausreichend gute Lebensräume, mangelhafte Durchgängigkeit, nicht
ausreichend gute allgemeine Bedingungen – wie Nährstoff- oder Salzbelastungen,
Sauerstoffdefizit oder Wärmebelastungen und Überschreitungen von
Schadstoffgrenzwerten können verhindern, dass sich die typspezifische
Artenzusammensetzung von Gewässern einstellt und die Artenvielfalt aller Gewässerorganismen
verringert wird. Die Beziehungen sind aber komplex und im Einzelfall nur schwer
beschreibbar.
Über weitergehende Detailinformationen könnte das Landesamt für Umwelt,
Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern verfügen.
18. Welche Auswirkungen können die dokumentierten, nicht guten
ökologischen Wasserqualitäten auf die Trinkwassergewinnung haben?
Sofern die Überschreitung bei Oberflächengewässern auf
Umweltqualitätsnormen beruht, die aus ökotoxikologischen Gründen unter den Werten der
Trinkwasserverordnung liegen, hat dies keine unmittelbaren Auswirkungen auf die
Trinkwassergewinnung.
Nicht gute ökologische Wasserqualitäten können die Trinkwassergewinnung
erschweren, wenn dadurch Schadstoffe ins Trinkwasser gelangen, die dann
entweder zu einem höheren Aufwand in der Trinkwasseraufbereitung führen oder aber
dazu, dass Brunnen aufgegeben und durch andere ersetzt werden müssen. Dies
gilt zum einen für chemische Stoffe, die durch menschliche Aktivitäten ins
Grundwasser gelangen. Ferner können hohe Nitratkonzentrationen langfristig zur
Mobilisierung von geogenem Uran führen.
Darüber hinausgehend wird auf die Antwort zu Frage 9 verwiesen.
19. In welchem Umfang ging die Versauerung der Gewässer in Mecklenburg-
Vorpommern zurück, und auf welche Maßnahmen führt die
Bundesregierung diese Entwicklung zurück?
Die Versauerung von Binnengewässern kann unterschiedliche Gründe haben.
Man kann natürliche Ursachen (geologisch bedingt) und anthropogen bedingte
Ursachen unterscheiden. Bei anthropogen bedingter Gewässerversauerung
dominieren in den Binnengewässern der Bundesrepublik zwei Hauptursachen:
Schwefel- und Stickstoffeinträge aus der Luft sowie grundwasserbedingte Versauerung
von Oberflächengewässern als Folge des Bergbaus. Die Versauerung tritt vor
allem in Gewässern mit basenarmen Einzugsgebieten auf.
Bei einem Großteil der Binnengewässer in Mecklenburg-Vorpommern waren in
der Vergangenheit nur geringe Versauerungstendenzen bedingt durch Schwefel-
und Stickstoffeinträge aus der Luft (saurer Regen) zu verzeichnen.
Aufgrund der deutlichen Verringerung der Schwefel- und Stickstoffeinträge aus
der Luft in den letzten 30 Jahren ist auch die hingegen immense Versauerung
basenarmer Gewässer des Harzes oder des Thüringer Waldes in den 70er-/80er-Jahren
deutlich rückläufig.
Auch eine bergbaubedingte Versauerung spielt in Mecklenburg-Vorpommern
gegenwärtig keine dominante Rolle als Gewässerbelastung und besitzt allenfalls
lokale Relevanz.
Eine Überwachung der Gewässerversauerung in den Binnengewässern der
Bundesrepublik Deutschland erfolgt einerseits durch ein Langzeit-Monitoring im
Rahmen des Übereinkommens über weiträumige grenzüberschreitende
Luftverunreinigung (Convention on Long-range Transboundary Air Pollution, LRTAP)
welches am 13. November 1979 in Genf geschlossen wurde und am 16. März 1983
in Kraft trat. Des Weiteren erfolgt ein kontinuierliches Monitoring potentieller
Versauerungstendenzen in den Binnengewässern im Rahmen der Umsetzung der
EG-Wasserrahmenrichtlinie (EG-WRRL 2000).
20. Was müsste nach Ansicht der Bundesregierung passieren, damit die
europäische WRRL eingehalten wird und keine Ausnahmegenehmigungen mehr
beantragt werden müssen?
Ausnahmemöglichkeiten sind integraler Bestandteil der WRRL-Bewirtschaftung
und dienen dem Ausgleich von Nutzungen und Schutzgütern. Generell wird in
Deutschland angestrebt, mit den Fristverlängerungen die Ziele zumindest
langfristig zu erreichen, und von der Möglichkeit der Zielabsenkung nur in
Einzelfällen Gebrauch zu machen.
Eine Vielzahl von einzelnen Faktoren spielt bei der Beeinflussung des
Gewässerzustandes eine Rolle. Einige Gewässerbeeinträchtigungen wie die
Nitratbelastungen des Grundwassers lassen sich im Rahmen eines Bewirtschaftungszyklus nicht
vollständig beseitigen, so dass in Zukunft auch von den Möglichkeiten der
Fristverlängerung Gebrauch gemacht werden muss und weitere
Bewirtschaftungszyklen zur Erreichung des guten Zustands erforderlich sind. In Einzelfällen ist
auch die Festlegung weniger strenger Umweltziele unumgänglich. Ein Verzicht
auf die Ausnahmemöglichkeiten der Wasserrahmenrichtlinie ist nach derzeitigem
Kenntnisstand auf absehbare Zeit nicht realistisch.
21. Sind nach Ansicht der Bundesregierung in Mecklenburg-Vorpommern mehr
Grundwasserkörper und Oberflächengewässer in einem besseren
ökologischen Zustand als vor zehn Jahren?
Eine Bewertung des ökologischen Zustands von Grundwasserkörpern ist nach der
WRRL nicht vorgesehen.
Der Gewässerzustand der Oberflächengewässer Mecklenburg-Vorpommerns
wird aufgrund der rechtlichen Vorgaben der EG-Wasserrahmenrichtlinie seit
etwa zehn Jahren deutlich flächendeckender und intensiver erfasst als in der
Vergangenheit. Vergleiche der Veränderungen des Gewässerzustandes zwischen
dem ersten Bewirtschaftungsplan (2010) und dem zweiten Bewirtschaftungsplan
(2016) zeigen keinen eindeutigen Trend des ökologischen Zustandes der
Gewässer in den letzten sechs Jahren. Geringe Verschiebungen der prozentualen Anteile
der Gewässer in der sehr guten, guten, mäßigen, unbefriedigenden oder
schlechten ökologischen Zustandsklasse zwischen 2010 und 2016 sind größtenteils auf
methodische Veränderungen bei der Bewertung (Bewertungsverfahren) und
natürliche Variabilität der bewerteten biologischen Qualitätskomponenten
zurückzuführen. Bei Fließgewässern zeigt sich eine geringfügig positive Tendenz,
wobei etwa 30 Wasserköper 2016 der guten ökologischen Zustand erreichen – 2010
waren es nur drei Wasserkörper. Bei Seen hat sich der Anteil gut oder sehr gut
bewerteter Wasserkörper hingegen aufgrund methodischer Veränderungen der
Bewertungsverfahren deutlich reduziert.
22. Welche Auswirkungen des Klimawandels auf Wassermenge, veränderte
Hoch- und Niedrigwasserphasen u. Ä. sind nach Kenntnis der
Bundesregierung in den Gewässern von Mecklenburg-Vorpommern zu beobachten, und
welche Auswirkungen haben diese auf die Artenvielfalt?
Mecklenburg-Vorpommern zählt zu den niederschlagärmsten Regionen
Deutschlands. Die Niederschläge variieren deutlich zwischen Sommer und Winter. Die
Bundesregierung geht davon aus, dass sich bis zum Ende des Jahrhunderts die
Jahresniederschlagsmengen nur relativ geringfügig verändern werden. Allerdings
ist mit einer deutlichen Verschiebung der saisonalen Niederschläge zu rechnen.
Die Winterniederschläge können sich um 5 bis 50 Prozent erhöhen, während sich
die Sommerniederschlagsmengen um 0 bis 50 Prozent verringern. Damit ist
insgesamt von einer Zunahme der sommerlichen Trockenheit auszugehen. Einige
Teile Mecklenburg-Vorpommerns könnten deutschlandweit mit am stärksten von
sommerlicher Trockenheit betroffen sein. Insbesondere im Sommer und im
Herbst erhöht sich das Risiko für Niedrigwasserereignisse. Wie in vielen
Regionen Deutschlands ist eine Zunahme von Starkregenereignissen möglich, dies
erhöht auch die Wahrscheinlichkeit von Hochwasserereignissen. Zudem ist ein
Anstieg des mittleren Wasserspiegels der Ostsee bis 2100 um 20 bis 30 cm vor allem
im Bereich der Außen- und Boddenküsten möglich. Dies hätte Auswirkungen auf
die Küste, aber auch in Flussmündungsbereichen ist mit längeren Überflutungen
und dauerhaften Vernässungen zu rechnen
Auf die aquatische Lebensgemeinschaft in Fließgewässern wirken vor allem ein
geringerer Durchfluss und eine geringere Wassermenge. Die entstehenden Folgen
können vielfältig sein. Aus in den Sommermonaten vermutlich oft höheren
Wassertemperaturen würde eine niedrigere Sauerstoffkonzentration folgen. Das
würde Stress für die im Wasser lebenden Tiere, z. B. Fische, bedeuten. Weiterhin
könnten durch die niedrigen Wasserstände besondere Lebensräume, z. B.
Laichplätze in den Auen nicht mehr erreichbar sein. Die veränderte
Fließgeschwindigkeit hätte Auswirkungen auf das Sohllückensystem am Grund eines Flusses. Hier
kann es zu einer verstärkten Sedimentation kommen, das wiederum den
Rückzugsraum vieler Insekten einschränken würde.
Neben diesen allgemeinen Ausführungen sind der Bundesregierung keine
konkreten Untersuchungen zu den Auswirkungen des Klimawandels auf die
aquatische Lebensgemeinschaft und die Artenvielfalt in Mecklenburg-Vorpommern
bekannt.
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken,
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