Holzbau und andere nachwachsende Rohstoffe im Baubereich
der Abgeordneten Christian Kühn (Tübingen), Harald Ebner, Oliver Krischer, Annalena Baerbock, Matthias Gastel, Bärbel Höhn, Sylvia Kotting-Uhl, Steffi Lemke, Peter Meiwald, Dr. Julia Verlinden und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Vorbemerkung
Bisher ist nachhaltiges Bauen im Wesentlichen mit Energiesparen in der Nutzungsphase in Verbindung gebracht worden. Diese Einschätzung greift nach Auffassung der Fragesteller zu kurz, ist sogar irreführend. Für die Erstellung eines Gebäudes wird das 20 bis 25-fache der Energie benötigt, die dieses Gebäude später pro Jahr benötigt. Angesichts dieser Relation stellt sich die Frage, wie zielführend es ist, lediglich den Energieverbrauch in der Nutzungsphase zu betrachten.
Herkömmlicher Vollwärmeschutz ist schwer zu recyceln, denn es werden verschiedene Baustoffe miteinander verklebt respektive verbaut. Eine sortenreine Trennung dieser Baustoffe ist oftmals kaum noch möglich.
Trotz Klimakrise ist nach wie vor Beton auf Basis des energieintensiven Zementes der Baustoff der Wahl. Unternehmen der Zementindustrie sind als energieintensive Unternehmen bislang in erheblichem Umfang von Energiesteuern und CO2-Kosten befreit und haben von daher wenig Anreiz zur Umstellung ihrer Produktion auf ökologischere Alternativen. Die Zementindustrie ist außerdem einer der größten Nutzer von Ersatzbrennstoffen aus Abfall, was dem Ziel einer Kreislaufwirtschaft zunehmend entgegensteht.
Durch die Substitution von Stahl und Beton durch Holz kann der Ausstoß von CO2 in die Atmosphäre um ein hohes Maß verringert werden. Für jeden Kubikmeter Holz, als Substitut für konventionelle Baumaterialien, gelangt ungefähr eine Tonne CO2 weniger in die Atmosphäre (Martin Höbarth, Holzverwendung als Beitrag zum Klimaschutz, Nachhaltiger Klimaschutz – österreichisches Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft). Dies ist vor allem bedingt durch die Fähigkeit von Holz, CO2 zu lagern. Bei einer 70 m2 Wohnung in einem mehrgeschossigen Wohnhaus entspricht dies, je nach Bautechnik, zwischen 15 und 25 Tonnen CO2. Klimaschutz lässt sich damit auch in hohem Maße im Baubereich erreichen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen40
Plant die Bundesregierung eine nationale Holzbaustrategie, bspw. nach schwedischem Vorbild?
Wenn ja, wann, und wenn nein, warum nicht?
Wie hoch ist der Anteil von nachwachsenden Rohstoffen am Dämmstoffmarkt, und wie hat sich dieser in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
Wie hoch ist der Marktanteil von nachwachsenden Rohstoffen im Baubereich, und wie hat sich dieser in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
Ist es Ziel der Bundesregierung, den Anteil von Holz und anderen nachwachsenden Rohstoffen im Baubereich zu erhöhen?
a) Wenn ja, wie?
b) Wenn nein, warum nicht?
Wie viele Unternehmen in Deutschland bieten ausschließlich nachwachsende Bau- und/oder Dämmstoffe an?
Wie viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind dort beschäftigt?
Wie viele Mehr-, Ein- und Zweifamilienhäuser wurden mit nachwachsenden Rohstoffen errichtet (bitte einzeln und nach Bundesländern aufschlüsseln)?
Inwieweit könnte nach Ansicht der Bundesregierung die Abschaffung der Steuerbefreiung für die stoffliche Nutzung von fossilem Erdöl und Erdgas dazu beitragen, umweltverträglichere Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gegenüber erdölbasierten Kunststoffprodukten zu fördern, und plant die Bundesregierung ggf. entsprechende Schritte?
Wenn nein, warum nicht?
Wann werden mit dem giftigen Flammschutzmittel Hexabromcyclododecan (HBCD) behandelte Dämmstoffe zu gefährlichem Abfall (Sondermüll) erklärt, und mit welcher Begründung?
Warum plant die Bundesregierung kein Marktanreizprogramm für nachwachsende Baustoffe vor dem Hintergrund ihrer eigenen Klimaschutzziele?
Unterstützt die Bundesregierung eine Vereinheitlichung der Länderbauordnungen?
Wenn ja, wie, und wenn nein, warum nicht?
Plant die Bundesregierung Änderungen in der Musterbauordnung im Hinblick auf nachwachsende Rohstoffe?
a) Wenn nein, warum nicht?
b) Wenn ja, welche?
Plant die Bundesregierung Änderungen in der Musterbauordnung im Hinblick auf Holzbau?
a) Wenn nein, warum nicht?
b) Wenn ja, welche?
Plant die Bundesregierung eine Musterbauordnung Holzbau?
a) Wenn nein, warum nicht?
b) Wenn ja, wie ist der Zeitplan?
Plant die Bundesregierung Initiativen im Bereich der Ausbildung bzw. des Studiums, um Holzbau und das Know-how weiterzuentwickeln bzw. dem Nachwuchsmangel in dem Bereich zu begegnen?
a) Wenn ja, welche?
b) Wenn nein, warum nicht?
Warum findet die sogenannte graue Energie in der Bewertung für KfW-Effizienzhäuser (KfW: Kreditanstalt für Wiederaufbau) oder der Energieeinsparverordnung (EnEV) keine Berücksichtigung?
Welche Liegenschaften der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) wurden in Holzbauweise errichtet?
Welche Liegenschaften der BImA wurden mit nachwachsenden Rohstoffen saniert?
Welche nachwachsenden Rohstoffe wurden hierbei eingesetzt?
Wie viele Gebäude wurden von der Bundesbauverwaltung in Holzbau errichtet?
Wie viele Gebäude wurden von der Bundesbauverwaltung mit nachwachsenden Rohstoffen saniert?
Welche nachwachsenden Rohstoffe wurden hierbei eingesetzt?
Plant die Bundesregierung in den kommenden Jahren den Anteil zu erhöhen?
a) Wenn nein, warum nicht?
b) Wenn ja, wie sieht die Strategie aus?
Warum sieht die Bundesregierung Holz in der Bauwirtschaft nicht als zentralen Baustein, die angestrebte CO2-Reduktion bis zum Jahr 2020 doch noch zu erreichen?
Welche Bedeutung hat die Kohlenstoff-Speicherkapazität von Holz aus Sicht der Bundesregierung hinsichtlich der nationalen wie globalen Klimaschutzziele bzw. im Zusammenhang mit den Herausforderungen der Großen Transformation?
Plant die Bundesregierung einen Architekturwettbewerb Holzbau?
a) Wenn nein, warum nicht?
b) Wenn ja, wie ist der Zeitplan?
Plant die Bundesregierung eine Neuauflage des Aktionsplans zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe?
a) Wenn nein, warum nicht?
b) Wenn ja, wie wird er ausgestaltet sein?
Wie hoch schätzt die Bundesregierung das Einsparpotential an grauer Energie von nachwachsenden Dämmstoffen im Vergleich zu
a) mineralischen, und
b) synthetischen Dämmstoffen?
Plant die Bundesregierung Änderungen bei der Bestimmung für Bemessungswerte von Dämmstoffen?
a) Wenn ja, welche, und warum?
b) Wenn nein, warum nicht?
Werden die Ergebnisse des Positionspapiers des Umweltbundesamts (UBA) „Nachhaltigkeitsaspekte in den Bauordnungen der Länder“ in den Nachhaltigkeits-Bewertungen von Bau- und Dämmstoffen zu finden sein?
Plant die Bundesregierung Änderungen beim Brandschutz im Holzbaubereich, und wenn nicht, warum nicht?
Wie wird das Programm Variowohnungen angepasst, um den Mittelabfluss zu erhöhen?
Plant die Bundesregierung Forschungsvorhaben im Bereich Holzbau?
a) Wenn ja, welche, und warum?
b) Wenn nein, warum nicht?
Was ist aus der Charta für Holz geworden?
Gibt es Pläne, die Charta für Holz wiederaufzulegen?
a) Wenn nein, warum nicht?
b) Wenn ja, wie ist der Zeitplan?
Sind die Ziele der Charta für Holz aus Sicht der Bundesregierung erreicht worden?
a) Wenn ja, stehen Aufwand und Ergebnisse aus Sicht der Bundesregierung in einem angemessenen Verhältnis zueinander?
b) Wenn nicht, welche Maßnahmen haben sich als unzureichend erwiesen?
Welche Entwicklungen schreibt die Bundesregierung der Charta für Holz gesichert zu?
Mit welchen Methoden wurden die Ergebnisse bzw. die Umsetzung evaluiert?
Welche Ergebnisse der Charta sprechen aus Sicht der Bundesregierung für und welche gegen eine Fortsetzung der Charta für Holz?
Werden die Ergebnisse der aktuellen Meinungsforschung der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V. (FNR) zu Dämmstoffen auf der Basis nachwachsender Rohstoffe in die weitere Arbeit bzw. Bewertung der Bundesregierung einfließen, und wenn ja wie, und wenn nicht, warum nicht?