BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Förderung des Spitzensports von Menschen mit Behinderung

Internationales Leistungsniveau und -dichte im Spitzensport von Menschen mit Behinderung, Anforderungen an Professionalisierung und Finanzierung, Beitrag der Sportverbände und Länder, Talentfindung und -förderung im Nachwuchsbereich, Entwicklung des Schul- und Breitensports; Sportler im Bundeskader mit und ohne Behinderung, hauptamtlich tätige Sportfunktionäre, Trainer und sonstiges Sportpersonal, Beschäftigung beim Bund bzw. Sportverbänden, Tätigkeit im Behinderten- bzw. Nichtbehindertensport; Schwerbehindertenquote im Bund; Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Spitzenathleten mit Behinderung; Startrecht bei internationalen Wettkämpfen im Nichtbehindertensport; Förderung von Spitzen- und Breitensport durch den Bund 2014 bis 2017<br /> (insgesamt 21 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

15.08.2016

Antwortdauer

19 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/929927.07.2016

Förderung des Spitzensports von Menschen mit Behinderung

der Abgeordneten Katrin Kunert, Dr. André Hahn, Ulla Jelpke, Jan Korte, Katrin Werner, Birgit Wöllert und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

In den letzten Jahren hat der internationale Wettbewerb im Behindertensport weiter zugenommen. Das Interesse am Spitzensport von Menschen mit Behinderung nimmt zu, Weltmeisterschaften, Weltcupveranstaltungen und andere internationale Wettkämpfe finden inzwischen in fast allen Teilen der Welt statt. Das internationale Leistungsniveau und die Leistungsdichte im Spitzensport von Menschen mit Behinderung steigen seit einigen Jahr kontinuierlich an. Immer mehr Staaten und nationale Sportverbände fördern den Leistungssport von Menschen mit Behinderung im gleichen Umfang, wie den Leistungssport von Menschen ohne Behinderung.

Der Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes e. V. (DBS), Friedhelm Julius Beucher, sagte u. a. während des Parlamentarischen Frühstücks in Berlin am 11. Mai 2016 mit Blick auf die Paralympics in Rio de Janeiro, dass mit den derzeitigen Mitteln der Leistungsstand im internationalen Vergleich nicht zu halten sei. Bereits im Jahr 2013 wurde gegenüber dem Bundesinnenministerium ein Finanzbedarf von 4,7 Millionen Euro artikuliert. Dem stehen aktuell 3,2 Millionen Euro gegenüber. Der DBS braucht vergleichbare professionelle Strukturen wie die konkurrierenden Sportverbände. Derzeit verfügt der DBS über sieben hauptamtliche Bundestrainer. Die Mehrzahl der 44 Nationalmannschaften wird durch Honorarkräfte betreut. Es fehlen Mittel für hauptamtliche Trainerinnen und Trainer, für ein ganzjähriges professionelles Training und die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen. Ebenso fehlen barrierefreie Sportanlagen für den Spitzen- und den Breitensport.

Wenn die Bundesrepublik Deutschland auch künftig eine der führenden Nationen im sportlichen Wettkampf von Menschen mit Behinderung bleiben möchte, müssen die Sportverbände die Rahmenbedingungen für die Sportlerinnen und Sportler, Trainingsumfang und -methoden anpassen, Wettkampfstrukturen weiter entwickeln und auch eine ganzjährige Teilnahme an internationalen Veranstaltungen gewährleisten. Daraus erwachsen eine Reihe neuer Anforderungen hinsichtlich Professionalisierung und Finanzierung des Sports. Hierzu müssen auch der Bund und die Länder einen angemessenen Beitrag leisten. Das betrifft sowohl Fragen der Finanzierung, der Nachwuchsgewinnung und der Förderung von Spitzensportlerinnen und Spitzensportlern mit Behinderung. Getreu dem Motto: „Ohne Breite keine Spitze und ohne Spitze keine Breite“ stehen auch neue Herausforderungen für die Entwicklung des Schulsportes (einschließlich des Sports an Berufsschulen und Hochschulen) sowie des Breitensports.

Es reicht auch nicht aus, den Sport von Menschen mit Behinderung gleichermaßen zu fördern, wie den Sport von Menschen ohne Behinderung, denn eine Gleichbehandlung von Ungleichen verfestigt Ungleichheit. Im Behindertensport bestehen deutlich höhere Aufwendungen für Sportgeräte und -anlagen, an Betreuungspersonal und für Reisekosten. So besteht zum Beispiel ein großer finanzieller Unterschied zwischen einer Basketballmannschaft und einer Rollstuhlbasketballmannschaft. Diese behindertenbedingten Nachteile müssen – so auch die sich aus der UN-Behindertenrechtskonvention ergebenen Verpflichtungen des Staates – ausgeglichen werden. Hinzu kommt, dass im Nichtbehindertensport deutlich mehr private Gelder von Sponsoren sowie durch Werbung und Fernsehübertragungen zur Verfügung stehen.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen21

1

Inwieweit teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass der internationale Wettbewerb im Behindertensport in den letzten Jahren weiter zugenommen hat, und dass das internationale Leistungsniveau und die Leistungsdichte im Spitzensport von Menschen mit Behinderung seit einigen Jahr kontinuierlich ansteigen?

2

Inwieweit ist es ein Anliegen der Bundesregierung, dass die Bundesrepublik Deutschland auch künftig eine der führenden Nationen im sportlichen Wettkampf von Menschen mit Behinderung bleibt?

3

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Bundesregierung zur Förderung des Spitzensports von Menschen mit Behinderung in Deutschland, und welchen Beitrag müssen dafür aus Sicht der Bundesregierung die Sportverbände sowie die Länder leisten?

4

Welche Konsequenzen ergeben sich daraus für die Bundesregierung zur Förderung des Schul- und Breitensports von Menschen mit Behinderung in Deutschland, und welchen Beitrag müssen dafür aus Sicht der Bundesregierung die Sportverbände sowie die Länder leisten?

5

Wie viele Sportlerinnen und Sportler sind derzeit nach Kenntnis der Bundesregierung im Bundeskader (bitte aufschlüsseln nach A-, B- und C-Kadern, Geschlecht sowie Sportlern mit und ohne Behinderung)?

6

Wie viele dieser und weiterer im Spitzen- bzw. Leistungssport aktiven Sportlerinnen und Sportler sind derzeit beim Bund beschäftigt (bitte aufschlüsseln nach Bundesbehörden sowie getrennt nach Behinderten- und Nichtbehindertensport sowie Geschlecht)?

7

Wie viele dieser Sportlerinnen und Sportler sind darüber hinaus nach Kenntnis der Bundesregierung im öffentlichen Dienst in Ländern und Kommunen beschäftigt und können dadurch im erforderlichen Umfang ihren Sport ausüben (bitte aufschlüsseln nach Ländern sowie Sportlerinnen und Sportler mit und ohne Behinderung)?

8

Wie viele Trainerinnen und Trainer, Sportfunktionäre und sonstiges Personal (Mediziner, Sportwarte usw.) sind derzeit nach Kenntnis der Bundesregierung im Spitzensport hauptamtlich tätig (bitte aufschlüsseln nach Trainern, Sportfunktionären und sonstigem Personal für den Spitzensport von Menschen mit bzw. ohne Behinderung)?

9

Wie viele dieser im Spitzen- bzw. Leistungssport tätigen Trainerinnen und Trainer, Sportfunktionäre und sonstigen Beschäftigten sind derzeit beim Bund beschäftigt (bitte aufschlüsseln nach Bundesbehörden sowie getrennt nach Behinderten- und Nichtbehindertensport)?

10

Wie viele dieser im Spitzen- bzw. Leistungssport tätigen Trainerinnen und Trainer, Sportfunktionäre und sonstigen Beschäftigten sind derzeit mit Förderung durch den Bund bei Sportverbänden beschäftigt (bitte aufschlüsseln nach Art der Tätigkeit, nach Behinderten- und Nichtbehindertensport sowie Sportverbänden)?

11

Wie viele Guides für Spitzenathletinnen und -athleten mit Behinderung werden gefördert, und wie viele davon sind beim Bund beschäftigt (bitte aufschlüsseln nach Bundesbehörden)?

12

Welche Veränderungen hat es seit März 2014 bezüglich der Anzahl der im Spitzen- bzw. Leistungssport aktiven Sportlerinnen und Sportler sowie Trainerinnen und Trainer und sonstigem Sportpersonal, die beim Bund beschäftigt sind, gegeben (bitte aufschlüsseln nach Bundesbehörden, nach Sportlern, Trainern und sonstigem Personal sowie getrennt nach Behinderten- und Nichtbehindertensport)?

13

Wie hoch ist die aktuelle Schwerbehindertenquote im Bund (bitte aufschlüsseln nach Ausbildung und Arbeit sowie Bundesbehörden)?

14

Welche Anstrengungen hat das BMI in den letzten drei Jahren unternommen, um weitere Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Spitzenathletinnen und -athleten mit Behinderung zu suchen, die es ermöglichen, professionelleres Training mit Beruf und Ausbildung in Einklang zu bringen?

Welche Ergebnisse wurden dabei erreicht?

Worin liegen aus Sicht der Bundesregierung die Ursachen, trotz aller Anstrengungen nicht bessere Ergebnisse erreicht zu haben?

Ist es beabsichtigt, die Beschäftigungsinitiative auszuweiten, wenn ja, durch welche Maßnahmen?

Wenn nein, warum nicht?

15

Wie viele der in Bundesbehörden geschaffenen Ausbildungs- und Arbeitsplätze für Spitzenathletinnen und -athleten mit Behinderung sind aktuell nicht besetzt, und welche Anstrengungen wird das BMI unternehmen, um diese Stellen zu besetzen?

16

In welchem Umfang fördert der Bund den Spitzensport sowie den Breitensport in den Jahren 2014 bis 2016 und welche Förderungen sind für 2017 auf Grundlage des von der Bundesregierung beschlossenen Entwurfs des Bundeshaushaltsplanes vorgesehen (bitte aufschlüsseln nach Jahren, Förderungen für den olympische Spitzensport, den nichtolympischen Spitzensport, den paralympischen Spitzensport und die Deaflympics; für den Breitensport von Menschen mit bzw. ohne Behinderungen; nach Zuweisungen an die Sportverbände, Personal- und Sachkosten des Bundes in den jeweiligen Bundesbehörden sowie Projektförderungen und sonstige Förderungen in den jeweiligen Bundesministerien)?

17

Mit welchen Maßnahmen unterstützt bzw. beabsichtigt die Bundesregierung, die zunehmende Professionalisierung im Spitzensport für Menschen mit Behinderungen zu unterstützen?

18

Inwieweit gewährleistet die Bundesregierung, dass der im Spitzensport von Menschen mit Behinderungen gestiegenen Professionalisierung Rechnung getragen werden kann und der Deutsche Behindertensportverband (DBS) sowie der Gehörlosenverband (DGS) im internationalen Vergleich wettbewerbsfähig bleiben?

Inwieweit schlägt sich das zukünftig in der Finanzierung des Spitzensports von Menschen mit Behinderungen nieder?

19

Teilt die Bundesregierung die Auffassung des DBS, dass sich das gegenwärtige Leistungsniveau im Spitzensport von Menschen mit Behinderung nur annähernd aufrechterhalten lässt, sofern die Sportjahresplanung auf 5 Millionen Euro aufgestockt wird?

Wenn ja, welche Konsequenzen zieht sie daraus für das Finanzierungsjahr 2017 bzw. die Folgejahre?

Wenn nein, warum nicht?

20

Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung unter dem Gesichtspunkt der Inklusion zur frühzeitigen Talentfindung und -förderung im Nachwuchsbereich des Spitzensports von Menschen mit Behinderungen?

21

In welcher Weise unterstützt die Bundesregierung den Sportler Markus Rehm und den DBS in ihren Bemühungen, auch mittels internationaler Gutachten das Startrecht bei internationalen Wettkämpfen im Nichtbehindertensport zu bekommen?

Berlin, den 27. Juli 2016

Dr. Sahra Wagenknecht, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen