Bedarf an Erzieherinnen und Erziehern für den geplanten Krippenausbau
der Abgeordneten Diana Golze, Klaus Ernst, Roland Claus, Katja Kipping, Elke Reinke, Volker Schneider (Saarbrücken), Frank Spieth und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Die Bundesregierung schreibt in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der Fraktion DIE LINKE. zum „Fachkräftemangel und Ausbau der Kindertagesbetreuung für unter Dreijährige“ (Bundestagsdrucksache 16/5231 vom 3. Mai 2007), dass sich bis 2013 „ein zusätzlicher Bedarf an Personen mit einer einschlägigen Ausbildung von ca. 92 000“ ergibt (Bundestagsdrucksache 16/5407 vom 23. Mai 2007). Die Ausbildungskapazitäten der Fachschulen für Sozialpädagogik liegen bei gleichbleibenden Kapazitäten bei etwa 60 000 Absolventinnen und Absolventen. Somit ergibt sich nach Angaben der Bundesregierung zumindest eine Personalbedarfslücke von etwa 30 000 Fachkräften.
Der sich abzeichnende Personalbedarf an qualifizierten Fachkräften soll durch arbeitslose Erzieherinnen und Erzieher sowie Personal in der Babypause und Absolvent(inn)en der Ausbildung gedeckt werden, die inzwischen anderen Berufen nachgehen. In diesem Zusammenhang nennt die Bundesregierung die Zahl von ca. 40 000 Personen, die im Jahr 2005 für Tätigkeiten als Erzieherin bzw. Erzieher in Deutschland arbeitsuchend gemeldet waren. Der Bedarf an Fachkräften sei somit rein rechnerisch gedeckt. Verwendet man aktuellere Zahlen der Bundesagentur für Arbeit und das realistischere Kriterium „arbeitslos“ wird deutlich, dass die Zahl der vorhandenen arbeitslosen Fachkräfte von der Bundesregierung als zu hoch angenommen wird: im April 2007 waren lediglich ca. 14 000 Erzieherinnen und Erzieher arbeitslos gemeldet.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen9
Korrigiert die Bundesregierung ihre Annahmen über die für den geplanten Ausbau der Kindertagesbetreuung notwendigen zusätzlichen Fachkräfte angesichts der aktuellen Statistiken von 2007?
Wenn nein, warum nicht?
In welchem Umfang soll zur Deckung des Fachkräftebedarfs dabei auf arbeitslos gemeldete Erzieherinnen und Erzieher zurückgegriffen werden (bitte nach Bundesländern ausweisen)?
Wie viele arbeitslos gemeldete Erzieherinnen und Erzieher werden laut den Prognosen der Bundesregierung für den Ausbau der Krippenbetreuung 2013 in den ostdeutschen und wie viele in den westdeutschen Bundesländern benötigt (bitte nach Bundesländern ausweisen)?
Wie gewährleistet die Bundesregierung, dass für den von ihr geplanten Krippenausbau auch das benötigte Fachpersonal vorhanden sein wird?
Welche Vereinbarungen wird die Bundesregierung diesbezüglich in der Bund-Länder-Arbeitsgruppe zum Krippenausbau mit den Ländern treffen, damit nicht nur ausreichende Betreuungsplätze, sondern auch qualifizierte Fachkräfte zur Verfügung stehen?
Wie sieht vor dem Hintergrund ihrer Krippenausbaupläne nach Informationen der Bundesregierung die länderspezifische Altersstruktur der arbeitslos gemeldeten Erzieherinnen und Erzieher im Jahre 2007 bzw. im Jahre 2013 aus (bitte Bundesländer einzeln differenzieren)?
Mit wie vielen arbeitslos gemeldeten Erzieherinnen und Erziehern, die heute bzw. 2013 älter als 50 Jahre alt sind, rechnen die Krippenausbaupläne der Bundesregierung (bitte nach Bundesland unterscheiden)?
Wie beabsichtigt die Bundesregierung vor diesem Hintergrund des voraussichtlichen Fachkräftemangels ihre Krippenausbaupläne bis 2013 zu verwirklichen?
Wie beurteilt die Bundesregierung die Auswirkungen eines Betreuungsgeldes (wie in Thüringen) auf die Teilnahme sozial benachteiligter Kinder an möglichst früher Förderung in der Krippe?
Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung hieraus hinsichtlich ihrer eigenen Bedarfsprognose zur Kleinkinderbetreuung?
Welche Vor- und welche Nachteile hätte nach Ansicht der Bundesregierung ein sogenanntes Gutscheinmodell für sozial benachteiligte Kinder (hinsichtlich der Erfahrungen in Hamburg und Berlin)?
Welche Rückschlüsse zieht die Bundesregierung daraus für ihre Bedarfsprognose zum Krippenausbau?