[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung vom 18. Januar 2017 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/10926
18. Wahlperiode 20.01.2017
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Eva Bulling-Schröter, Caren Lay,
Annette Groth, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 18/10754 –
Deutsche Beteiligung am größten Solarthermie-Kraftwerk der Erde in
Ouarzazate, Marokko
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Kampf gegen die fortschreitende Erderwärmung erfordert nicht nur eine
rasante Minderung bei der Verbrennung von Kohle, Öl und Gas sowie das
Einsparen von Energie im großen Maßstab. Um das Ziel des Übereinkommens von
Paris einzuhalten, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 Grad Celsius,
möglichst auf 1,5 Grad Celsius über vorindustriellen Werten zu begrenzen, bedarf
es parallel weltweit enormer Anstrengungen, um den Ausbau regenerativer
Energien voranzutreiben. Hierbei wird – auch angesichts der verbleibenden Zeit
zum Umsteuern – ein vorrangig dezentrales Erzeugungssystem von zentralen
Elementen unterstützt werden müssen. Zu Letzteren können weltweit neben
großen Windparks in teilweise extrem windhöfigen Gebieten auch solare
Großkraftwerke in Regionen mit hoher Sonneneinstrahlung zählen. Dies
insbesondere auch dann, wenn deren Systeme Speichermöglichkeiten integrieren. Sie
können insbesondere im globalen Süden ein Element sein, mit dem die fossile
Phase der dort vielfach schnell wachsenden Volkswirtschaften zügig
übersprungen oder zumindest deutlich verkürzt werden kann. Dies wäre möglich, wenn
die Projekte tatsächlich – wie von den Projektträgern angekündigt – große
regenerativ erzeugte Energiemengen für urbane Räume bereitstellen können, die
eine konzentrierte hohe Energienachfrage haben – und dies zuverlässig über den
gesamten Tag-Nacht-Zyklus hinweg zu voraussichtlich überschaubaren Kosten.
Schon seit langem sind für o. g. regenerative Großprojekte u. a. Regionen in
Nordafrika im Gespräch. Ebenso lange gibt es von Teilen von Umwelt- und
Entwicklungsorganisationen dagegen Vorbehalte – etwa im Zusammenhang mit
jenen Vorhaben, die im Rahmen der weitgehend gescheiterten Desertec-
Initiative geplant waren. Kritisch hinterfragt wurde nicht nur, dass dezentrale Ansätze
für den Ausbau erneuerbarer Energien in den Regionen weit weniger
Unterstützung erfahren könnten als solcherart Großprojekte, sondern auch Planungen,
nach denen zumindest ein kleinerer Teil der künftig in den regenerativen
Großprojekten erzeugbaren Strommengen nach Europa exportiert werden sollten,
obgleich es naheliegender sei, in Afrika erzeugten Ökostrom für die Energiewende
und den Energiebedarf in Afrika selbst einzusetzen. Zudem werden bei
laufenden Projekten Fragen nach einer gerechten Beteiligung der örtlichen
Bevölkerung, nach Verdrängungseffekten alternativer Nutzungen, nach Übernutzung
von Wasserreservoirs u. a. m. gestellt (vgl.
www.cadtm.org/The-
Ouarzazatesolar-plant-in).
Gerade wenn solche ersten Großprojekte für erneuerbare Energien in
Nordafrika mit erheblicher deutscher Beteiligung entstehen, müssen
Bundesregierung, Parlament und Zivilgesellschaft genauestens prüfen, inwieweit diese
tatsächlich einen Beitrag zu einer klimafreundlichen und gerechten Entwicklung
in den jeweiligen Regionen leisten. Zwar ist nachvollziehbar – auch mit Blick
auf bestehende vielfältige Konflikte im Zuge der deutschen Energiewende –,
dass sich solcherart Projekte im globalen Süden ebenfalls nicht gänzlich
konfliktfrei bzw. fern jeglicher Nutzungskonflikte, problematischer
Verteilungsoder Mitnahmeeffekte realisieren lassen. Hätten jedoch Vorwürfe ihre
Berechtigung, nach denen solche Projekte systematisch einer Agenda folgen, welche
die Abhängigkeit nordafrikanischer Länder von fossilen Energieimporten gegen
eine Abhängigkeit von ausländischen Technologieimporten eintauscht und
dabei wenig Rücksicht auf die örtlichen Gegebenheiten nimmt – nunmehr unter
einer Klimaschutzfahne – wäre dies ein schlechtes Signal für künftige Vorhaben
ähnlicher Art.
Nahe der südmarokkanischen Kleinstadt Ouarzazate wird im Rahmen einer
Public-private-Partnership der mit 580 Megawatt (MW) aktuell weltweit größte
Solarkraftwerkskomplex errichtet bzw. schon teilweise betrieben. Dieser erste
große Solarkomplex im Norden Afrikas, der den Namen „NOORo“ trägt, soll
nach Fertigstellung von insgesamt vier geplanten Teilabschnitten auf einer
Fläche von 3 000 Hektar (ha) mit jeweils unterschiedlicher Technologie rund
1,3 Millionen Menschen in Marokko mit Strom versorgen. Als
Langzeitperspektive ist vorgesehen, „eines Tages Solarstrom für die Energieversorgung
Europas zu exportieren“ (Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW),
Projektinformation, 10/2016). In dem Komplex werden laut KfW verschiedene
Solartechnologien zur Anwendung kommen. So sollen zur Stromgewinnung zwei
Parabolrinnenkraftwerke, ein Solarturmkraftwerk und ein Photovoltaikkraftwerk gebaut
werden (NOORo I bis IV). Für die ersten drei auf Solarthermie basierenden
Kraftwerkstypen wird wegen ihrer englischen Bezeichnung Concentrating Solar
Power (CSP) auch der Begriff CSP-Kraftwerk benutzt.
Durchführungsorganisation des Projekts im Königreich Marokko ist die
Marokkanische Agentur für nachhaltige Energie (MASEN). Die Finanzierung für das
rund 2,2 Mrd. Euro teure Vorhaben wird über zahlreiche öffentliche und private
Geldgeber sichergestellt, einen Löwenanteil trägt mit 829 Mio. Euro durch
Mittel des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (BMZ) das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit (BMUB) und die Kreditanstalt für Wiederaufbau sowie ein „über
eine Ausschreibung identifizierter privater Investor“ (ebd.). Auch die für ein
einzelnes Projekt enorme Summe an öffentlichen Geldern spricht für detaillierte
Fragen zu sozialen, technisch-ökonomischen, ökologischen und
entwicklungspolitischen Aspekten des Vorhabens.
1. Welche technischen Charakteristika und Kenndaten haben die Projekte
NOORo I bis IV im Einzelnen?
Kenngröße NOORo I NOORo II NOORo III NOORo IV
Technologie CSP Parabolrinnen CSP Parabolrinnen CSP Turmtechnologie Photovoltaik
Leistung 160 MW 200 MW 150 MW ca. 70 MW
Speicherdauer 3h 7h 7-8h n/a
2. Was sind nach Kenntnis der Bundesregierung die besonderen
Charakteristika bzw. erwarteten Vor- und Nachteile der gewählten CSP-Technologie
im Vergleich zu NOORo IV (Photovoltaik) bzw. zu möglichen Alternativen
andernorts (zentrale und dezentrale Photovoltaik mit Batteriespeicher
versus zentrale Solarthermie mit Wärmespeicher und Stromrückgewinnung
daraus, insbesondere unter Berücksichtigung von Systemdienstleistungen wie
Versorgungssicherheit bei Dunkelheit)?
Die in NOORo I-III verwendete CSP-Technologie erlaubt es, mit der
gespeicherten Energie bis zu 8 Stunden Strom zu erzeugen, um eine Versorgungssicherheit
auch bei Dunkelheit sicherzustellen und die Abendspitze abzudecken.
Beim Photovoltaikkraftwerk, NOOR IV, wird nur Strom produziert, wenn auch
die Sonne scheint. Die Speicherung in Batterien in der erforderlichen
Größenordnung ist derzeit noch zu ineffizient und befindet sich noch in der
Entwicklungsphase.
3. Aus welchen Gründen engagiert sich die Bundesregierung in Marokko so
herausragend für die Förderung einer zentralen Form der Energiegewinnung
und -speicherung im Bereich der erneuerbaren Energien gegenüber
möglichen dezentralen Formen?
Gibt es ähnliche Vorhaben mit dezentraler Energiegewinnung und -
speicherung mit deutscher Unterstützung?
Die Bundesregierung unterstützt Marokko bei der Umsetzung seiner
ambitionierten Pläne zum Ausbau der erneuerbaren Energien und der Minderung der
Treibhausgasemissionen. Marokko ist einerseits abhängig vom Import fossiler
Energieträger für die Stromerzeugung, verfügt andererseits aber über ausgezeichnete
geografische Bedingungen zur Stromproduktion aus Sonne (und Wind) und ein
vergleichsweise gut ausgebautes Elektrizitätssystem. Daher kommt – wie in der
marokkanischen Energiestrategie und in seinem Beitrag zum Paris-Abkommen
(„Nationally Determined Contribution“, NDC) ausgewiesen – neben dezentralen
Maßnahmen auch zentralen Erzeugungskapazitäten eine wichtige Rolle zu. Vor
diesem Hintergrund engagiert sich die Bundesregierung in Marokko
standortabhängig sowohl für zentrale als auch dezentrale Formen der Energiegewinnung
und -speicherung. Zentrale Formen der Energieerzeugung werden gewählt, wenn
Erzeugungs- und Übertragungskosten von zentralen Formen in der Summe
geringer als die Erzeugungskosten von dezentralen Formen sind.
Der CSP-Technologie wird wegen der integrierten thermischen Speicheroption
ein hohes Ausbaupotenzial zugesprochen, das zum kurz- und mittelfristigen
Ausbalancieren des Stromversorgungssystems (z. B. Spitzenlastkappung) und zur
bedarfsgerechten Bereitstellung des gespeicherten Stroms in den Abendstunden
einen positiven Beitrag leisten kann.
Im Rahmen des ländlichen Elektrifizierungsprogramms „Programme d’
électrification rurale globale“ (PERG) wurden mit Unterstützung der Kreditanstalt für
Wiederaufbau (KfW) im Auftrag der Bundesregierung knapp 52 000 Haushalte
in 3 600 Dörfern in Marokko durch dezentrale Photovoltaiksysteme mit Strom
versorgt.
Weiter finanziert die Bundesregierung mehrere kleine PV-Kraftwerke im
Umfang von jeweils 10 bis 30 MW in abgelegenen Gebieten in Marokko sowie ein
Vorhaben, bei dem landesweit rund 600 Moscheen mit Photovoltaikanlagen
ausgestattet werden sollen.
4. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anschlussgrad der
Bevölkerung an eine öffentliche Stromversorgung?
Nach Kenntnis der Bundesregierung sind 99 Prozent der Haushalte an das
Stromnetz angeschlossen.
5. Handelt es sich bei den CSP-Projekten nach Kenntnis der Bundesregierung
um ein experimentelles Pilotprojekt zur anwendungsorientierten
Erforschung neuer Technologien?
Wenn ja, welche Erwartungen knüpft die Bundesregierung daran?
Wenn nein, warum nicht?
Bei den beiden Projekten handelt es sich nicht um experimentelle Projekte.
Allerdings unterstützt die Bundesregierung darüber hinaus die Kooperation
zwischen dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) und MASEN zur
Entwicklung einer CSP-Technologie, die speziell an Wüstenverhältnisse
angepasst ist und die bei Ouarzazate unter realen Bedingungen getestet werden soll.
Es werden in erster Linie erprobte Technologien eingesetzt. Das solare
Turmkraftwerk (NOORo III) kann jedoch aufgrund seiner Größe als Pilotprojekt
bezeichnet werden. Durch das Vorhaben zur Entwicklung einer speziell an
Wüstenverhältnisse angepassten CSP-Technologie sollen einerseits technologische
Grundlagen für einen genuin marokkanischen Anteil an der industriellen
Wertschöpfung für kommerzielle CSP-Kraftwerke gelegt sowie andererseits die an
den Wüsteneinsatz besonders angepasste Heliostat-Technik des DLR weiter
erforscht werden.
6. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Finanzierung aus
deutschen, nichtdeutschen und internationalen öffentlichen Mitteln für das
NOORo-Projekt (aufgeschlüsselt nach Kraftwerken, Projektbestandteilen,
Vergabeinstitution, Zeitpunkt, ggf. Haushaltstitel)?
Kraftwerk Deutscher
Finanzierungsbeitrag
(jeweils KfW bzw. DLR im
Auftrag der
Bundesregierung)
Zeitpunkt
(Abschluss des
Darlehens- bzw.
Finanzierungsvertrags)
Finanzierungsbeitrag weiterer
Geber: Agence Française
de Développement, Europäische
Investitionsbank, Weltbank,
Afrikanische Entwicklungsbank,
Europäische Union
NOORo I 100 Mio EUR Darlehen im
Auftrag des BMZ (IKLU)
15 Mio EUR Zuschuss im
Auftrag des BMUB (IKI)
2012 Darlehen: 255 Mio EUR und bis zu
497 Mio USD
Zuschuss: 30 Mio EUR
NOORo II 330 Mio EUR Darlehen im
Auftrag des BMZ (IKLU)
2014 Darlehen: 220 Mio EUR und 157
Mio USD
Zuschuss: 33 Mio EUR
NOORo III 324 Mio EUR Darlehen im
Auftrag des BMUB
(IKI/DKTI)
2014 Darlehen: 128 Mio EUR und 101
Mio USD Zuschuss: 43 Mio EUR
NOORo IV 60 Mio EUR Darlehen im
Auftrag des BMZ (IKLU)
2016
Vorhaben zur
Entwicklung
einer CSP-
Technologie
833.823 EUR im Auftrag des
AA
2015 und 2016
Vergabeinstitution für die Leistung, insbesondere Detailkonzeption, Bau und
Betrieb der Kraftwerke, ist jeweils die Marokkanische Agentur für Erneuerbare
Energien (MASEN).
7. Welche Finanzierungsinstrumente sind nach Kenntnis der Bundesregierung
dabei zum Einsatz gekommen (Direktzuschüsse, Kreditverbilligungen,
Tilgungszuschüsse etc.), und was sind die jeweiligen Konditionen (Verzinsung,
Laufzeit, Rückzahlung, Auflagen)?
Geber Finanzierungsinstrument Laufzeit in Jahren Freijahre
KfW Zinsverbilligtes Darlehen 15 4
KfW Zuschuss, IKI n/a n/a
8. Wird die Finanzierung auf die deutsche ODA-Quote(ODA: Official
Development Assistance – öffentliche Entwicklungszusammenarbeit)
angerechnet?
Wenn ja, warum?
Die Finanzierung wird auf die deutsche ODA-Quote angerechnet, weil das
Zuschusselement nach OECD/DAC-Methodik die für die Anrechenbarkeit relevante
Untergrenze von 25 Prozent übersteigt.
9. Wer ist der über eine Ausschreibung identifizierte private Investor, der zur
Finanzierung eingangs genannter 829 Mio. Euro von deutscher Seite
beiträgt?
Welchen finanziellen Beitrag leistet er?
Bei den 829 Mio. Euro handelt es sich um den Finanzierungsbeitrag der deutschen
Seite und nicht um die Gesamtkosten des Solarkomplexes.
Die über eine internationale öffentliche Ausschreibung identifizierten
Konsortialpartner der Projektgesellschaft sind:
NOORo I: ACWA Power International, ARIES, TSK;
NOORo II: ACWA Power International, SENER;
NOORo III: ACWA Power International;
NOORo IV: ACWA Power International, Chint Electric.
Der finanzielle Beitrag der Konsortialpartner ist in den Verträgen zwischen
MASEN und den Konsortialpartnern festgelegt und daher vertraulich.
10. Welche deutschen Unternehmen, Investoren und privaten Finanzinstitute
sind nach Kenntnis der Bundesregierung am NOORo-Projekt direkt und
indirekt beteiligt?
Wie war die Art der Auftragsvergabe?
In welchen Bereichen des Projekts und mit welchen Investitions- und
Auftragssummen sowie Finanzierungsbeträgen sind oder werden sie aktiv (bitte
aufschlüsseln nach Unternehmen, Art und Prozent des Anteils am Projekt,
Jahr der Investition/Finanzierung, Betrag)?
Es sind zahlreiche deutsche Unternehmen, wie z. B. Siemens und Schott, als
Unterauftragnehmer der Projektgesellschaft beteiligt. Zur Beteiligung von deutschen
Investoren oder privaten Finanzinstituten liegen der Bundesregierung keine
Informationen vor.
Die genauen Angaben sind Gegenstand der Verträge zwischen der
Projektgesellschaft und Unterauftragnehmern und aus diesem Grund vertraulich.
Die Vergabe der Projektgesellschaft erfolgte durch eine international öffentliche
Ausschreibung. Die deutschen Unternehmen sind Subunternehmer der
Projektgesellschaft.
Diese Informationen sind Gegenstand der Verträge zwischen der
Projektgesellschaft und Unterauftragnehmern und daher vertraulich.
11. Hat die Bundesregierung für die in Frage 10 aufgeführten Beteiligungen
Subventionen, Exportgarantien oder andere Hilfen gewährt?
Wenn ja, welche (bitte nach Art der Unterstützung, Unternehmen, Sektor,
Jahr aufschlüsseln)?
Die Bundesregierung hat für die in der vorhergehenden Frage aufgeführten
Beteiligungen keine Exportkreditgarantien oder andere Hilfen übernommen.
12. Welche nichtdeutschen Unternehmen, Investoren und privaten
Finanzinstitute sind nach Kenntnis der Bundesregierung direkt und indirekt an dem
NOORo-Projekt beteiligt?
Wie war die Art der Auftragsvergabe?
In welchen Teilbereichen des Projekts und mit welchen Investitions- und
Auftragssummen sowie Finanzierungsbeträgen sind oder werden sie aktiv
(bitte aufschlüsseln nach Unternehmen, Art und Prozent des Anteils am
Projekt, Jahr der Investition/Finanzierung, Betrag)?
Es sind u. a. marokkanische, spanische, indische, chinesische und saudische
Unternehmen beteiligt. Die genauen Angaben sind Gegenstand der Verträge
zwischen der Projektgesellschaft und Unterauftragnehmern und aus diesem Grund
vertraulich.
Die Vergabe der Projektgesellschaft erfolgte durch eine international öffentliche
Ausschreibung.
13. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle
Projektentwicklungsstand (u. a. erzielte installierte Leistung und bereits produzierte
Strommenge)?
NOORo I: Inbetriebnahme: Januar 2016, installierte Leistung 160 MW,
220 GWh Stromproduktion im 1. Halbjahr 2016
NOORo II: knapp 50 Prozent Projektfortschritt (Juni 2016), Betriebsstart
voraussichtlich Ende 2017
NOORo III: ca 45 Prozent Projektfortschritt (Juni 2016), Betriebsstart
voraussichtlich Mitte 2018.
14. Handelt es sich nach Kenntnis der Bundesregierung bei den bei den CSP-
Projekten angewandten Technologien um patentierte Lizenzen?
Woher kommen diese?
Was kostet ihre Nutzung?
Welche am Projekt beteiligten Akteure werden Nutzungsrechte an neu
entwickelten Technologien erhalten?
Dazu liegen der Bundesregierung keine Angaben vor.
15. Hat die Bundesregierung Kenntnis von möglichen Auswirkungen durch
Sandeinwirkung (Sandstürme) auf die Leistungsfähigkeit der Anlagen,
insbesondere auf die Sonnenspiegel?
Wenn ja, welche?
Sandstürme können die Leistungsfähigkeit der Kraftwerke einschränken. Zum
Schutz gegen Sandstürme wurden technische Vorkehrungen (Windschutzzaun)
getroffen, welche sich bereits bewährt haben.
16. Von welchen Nutzungskonkurrenzen bezüglich natürlicher Ressourcen kann
nach Kenntnis der Bundesregierung beim Betrieb des Solarkomplexes
ausgegangen werden, und wie werden diese gemanagt bzw. kompensiert (Land,
Wasser, Agrarwirtschaft, Tourismus)?
Die Umwelt- und Sozialstudien, durchgeführt nach internationalen Richtlinien
(Weltbank- und EU-Richtlinien), gehen von Wasser- und
Landnutzungskonkurrenzen aus. Um diesen zu begegnen, hat der Projektträger MASEN, wie in den
Richtlinien gefordert, Beschwerde- und Kompensationsmechanismen
eingerichtet.
Landkauf:
Die für die NOORo-Projekte gebrauchte Fläche wurde, bevor die Solarkraftwerke
erbaut wurden, weder landwirtschaftlich noch anderweitig wirtschaftlich genutzt.
Sie befanden sich im Eigentum der Gemeinde Ait Oukrour Toundout. Die
Ermittlung der Grundstücksfläche wie auch der Verkauf wurde nach den internationalen
Umwelt- und Sozialrichtlinien durchgeführt.
17. Bei welchen bei den NOORo-Projekten eingesetzten Technologien besteht
nach Kenntnis der Bundesregierung für welche Funktion ein wie hoher
Wasserbedarf (absolut)?
Aus welchen Quellen wird dieser befriedigt?
Wie hoch ist der prozentuale Anteil der Wasserentnahme von nahegelegenen
Staudämmen (bitte dem jeweiligen Staudamm zuordnen)?
Kraftwerk Funktion Wasserverbrauch pro Jahr
NOORo I Reinigung und Kühlung 1.75 Mio m³
NOORo II Reinigung 0,28 Mio m³
NOORo III Reinigung 0,16 Mio m³
NOORo IV Reinigung ca. 0,01 Mio m³
Wie in den nachfolgenden Fragen beschrieben, liegt Ouarzazate in einer
wasserarmen Region. Auch aus diesem Grund werden in den verschiedenen
Ausbaustufen von NOORo weiterentwickelte Technologien eingesetzt. NOORo II und
NOORo III setzen kein Wasser mehr zur Kühlung ein. Dadurch kann der jährliche
Wasserverbrauch um über 90 Prozent gegenüber NOORo I reduziert werden
(siehe Aufstellung).
Das Wasser stammt aus dem Stausee Mansour Eddahbi.
Der voraussichtliche Wasserverbrauch des NOORo Solarkomplexes entspricht
0,7 Prozent des durchschnittlichen jährlichen Zuflusses des Stausees Mansour
Eddahbi. Im Vergleich dazu bezieht die Landwirtschaft unterhalb des Staudamms
62 Prozent des jährlichen Zuflussvolumens.
18. Besteht nach Kenntnis der Bundesregierung jetzt oder künftig (auch unter
Berücksichtigung der erwarteten Erderwärmung) ein Wasserproblem in der
Region um Ouarzazate?
Mit welchen Tätigkeiten in der Region wird es ggf. verschärft?
Welchen Anteil hätte hieran der prognostizierte Wasserverbrauch der
NOORo-Projekte?
Die Region Ouarzazate liegt in einer wasserarmen Region. Der Stausee wurde
gebaut, um die Wasserversorgung sowie den Bedarf für die Landwirtschaft
sicherzustellen. Derzeit gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung kein akutes
Wasserproblem. Der Stausee führt genug Wasser, um die verschiedenen
Wasserentnahmen bereitzustellen. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit
unterstützt darüber hinaus das entsprechende Wassereinzugsgebiet Souss-Massa-Draa
bei der Umsetzung eines integrierten Wasserressourcenmanagements.
Eine Zunahme der Bewässerungslandwirtschaft ohne wasserarme
Bewässerungseinrichtungen könnte die Situation verschärfen.
Die Befriedigung der Nachfrage für die Bewässerungslandwirtschaft könnte
durch den NOORo Komplex in einer längeren Trockenperiode um 1 Prozent
verringert werden. Sollte dieser Fall eintreten, werden Kompensationsmöglichkeiten
angeboten.
19. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung zum einen die Kosten je
Kilowatt (kW) installierter Leistung (einschließlich Speichersystemen) und
zum anderen die erwarteten durchschnittlichen Stromgestehungskosten je
Kilowattstunde (kWh) des am weitesten fortgeschrittenen CSP-Projekts
NOORo I im Vergleich zu den entsprechenden Kosten bestehender fossiler
Erzeugung im marokkanischen Strommarkt gerechnet
Die Kosten je kW installierter Leistung können nicht genannt werden, da diese
Rückschlüsse auf vertrauliche Angaben zulassen würden.
Bei Gestehungskosten handelt es sich um eine rechnerische und analytische
Größe, die vor allem dem Vergleich verschiedener Technologien dient.
Aussagekräftiger bzgl. der tatsächlichen Kosten der Stromerzeugung des Solarkomplexes
ist der Tarif der einzelnen Kraftwerke. Dieser liegt bei ca. 13 Eurocent/kWh für
NOORo I.
Die geschätzten Kosten, die beim staatlichen Energieversorger ONEE für die
fossile Erzeugungsalternative entstehen, liegen bei etwa 7 bis 9 Eurocent/kWh.
a) vor deutschen Subventionen,
Es kann nur eine allgemeine Aussage zum geschätzten Beitrag der
konzessionären Finanzierungen aller Geber gemacht werden. Eine isolierte Darstellung des
deutschen Beitrages ist nicht möglich. Der Tarif ohne konzessionäre
Finanzierungen hätte sich Schätzungen zufolge auf etwa 17 Eurocent/kWh für NOORo I
belaufen.
b) nach deutschen Subventionen?
Die oben genannten Tarife spiegeln die Kosten pro kWh unter Berücksichtigung
der konzessionären Finanzierungen aller Geber. Eine isolierte Darstellung des
deutschen Beitrages ist nicht möglich.
20. Kann die Bundesregierung Angaben zu den Kosten der anderen drei
geplanten Kraftwerke entsprechend Frage 19 machen?
Die Tarife der anderen drei Kraftwerke belaufen sich auf
NOORo II : ca. 11 Eurocent/kWh
NOORo III : ca. 12 Eurocent/kWh
NOORo IV : ca. 4 Eurocent/kWh.
Geschätzte Tarife ohne Bereitstellung von konzessionären Finanzierungen der
Gebergemeinschaft:
NOORo II: etwa 14 Eurocent/kWh
NOORo III: etwa 15 Eurocent/kWh
NOORo IV: etwa 5 Eurocent/kWh.
21. Bestehen unter Einbeziehung deutscher Subventionsbeiträge
Differenzkosten zur fossilen Erzeugung?
Wenn ja, wie hoch sind sie nach Kenntnis der Bundesregierung je kWh, wer
trägt diese, bzw. wie werden sie ggf. auf wen verteilt?
Basierend auf den Angaben unter Frage 19 und 20 bestehen Differenzkosten je
kWh von:
NOORo I: 4 bis 6 Eurocent
NOORo II: 2 bis 4 Eurocent
NOORo III: 3 bis 5 Eurocent
NOORo IV: -3 bis -5 Eurocent.
Die Differenzkosten (NOORo I-III) trägt der marokkanische Staat.
22. Welche Rolle spielten nach Kenntnis der Bundesregierung das
marokkanische Königshaus bzw. Unternehmen des marokkanischen Königs bei der
Finanzierung und Umsetzung des NOORo-Vorhabens sowie bei der
Verwendung etwaiger Gewinne aus den Projekten?
Nach Kenntnis der Bundesregierung ist das marokkanische Königshaus nicht mit
Unternehmen am NOORo-Projekt beteiligt.
23. Welches Unternehmen mit welchen Eigentümern verkauft den mittels der
NOORo-Kraftwerke hergestellten Strom und über welches System (Formen
der Direktvermarktung an Abnehmer, Strombörse, wenn vorhanden, etc.)?
Die Marokkanische Agentur für Erneuerbare Energien (MASEN) kauft den
Strom zu einem für 25 (NOORo I-III) bzw. 20 (NOORo IV) Jahre vertraglich
festgelegten Abnahmetarif, der durch internationale öffentliche Ausschreibung
ermittelt wurde, von der Projektgesellschaft und verkauft ihn zu einem vertraglich
festgelegten Einspeisetarif an die nationale Stromversorgungsgesellschaft
(ONEE) weiter. Eigentümer der Projektgesellschaften NOORo I-IV sind die unter
Frage 9 genannten Konsortialpartner und als Minderheitenanteilseigner jeweils
der Projektträger MASEN.
24. Welche Anforderungen folgen nach Kenntnis der Bundesregierung aus den
NOORo-Projekten an den Netzausbau, und welche Zusatzkosten folgen
daraus für die Netzentgelte bzw. für vergleichbare Entgelte/Umlagen in
Marokko oder der Region um Ouarzazate?
Das Solarkraftwerk wird über eine 180 km lange 225 KV Freileitung an das
vorhandene Stromnetz angeschlossen. Über daraus resultierende Zusatzkosten liegen
der Bundesregierung keine Informationen vor.
25. Hat die Bundesregierung Informationen zu Erwartungen über die künftige
Entwicklung der in den Fragen 21 bis 24 benannten Kosten?
Mit der Realisierung weiterer CSP-Projekte sowie aufgrund von Skaleneffekten
bei großen Projekten ist mit einer Kostensenkung der CSP-Technologie zu
rechnen. Allerdings wird diese voraussichtlich nicht im gleichen Maße stattfinden,
wie sie die PV-Technologie erfahren hat.
26. Wie bewertet die Bundesregierung die Subventionen und Zusatzkosten für
das Projekt unter Berücksichtigung externer Kosten der marokkanischen
fossilen Erzeugung sowie entsprechender Kostenprognosen für den theoretisch
möglichen Neubau zumindest emissionsärmerer fossiler Kraftwerke?
Die Subventionen und Zusatzkosten sind in Anbetracht der positiven Wirkungen
auf Klimaschutz, Energieunabhängigkeit und lokale Wertschöpfung angemessen.
27. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die derzeitigen
Strompreise in Marokko für Privathaushalte und Industrie (bitte mit üblicher
Unterteilung aller Preisbestandteile wie Erzeugung, Gewinn, Netzentgelte,
Steuern, Abgaben darstellen)?
Welche Prognosen liegen zu ihrer künftigen Entwicklung vor?
Die Stromtarife differenzieren nach Spannungsgruppe, Abnahmemenge und
Abnehmerkategorie (Privathaushalte, Gewerbe/Industrie, Landwirtschaft,
Verwaltung/öffentliche Versorgung), sowie im Höchst-, Hoch- und
Mittelspannungsbereich auch nach Tageszeit. Sie sind zu finden unter:
www.one.org.ma/.
Eine Darstellung mit der Unterteilung nach Preisbeständteil liegt der
Bundesregierung nicht vor.
Durch Subventionskürzungen ist für 2017 ein durchschnittlicher Preisanstieg von
4,6 Prozent vorgesehen. Privathaushalte mit einem Verbrauch von unter 100 kWh
pro Monat werden von den anstehenden Tariferhöhungen ausgenommen.
28. Führt das NOORo-Projekt nach Kenntnis der Bundesregierung zu
steigenden Strompreisen in Marokko oder in der Region?
Gibt es ggf. Tarifermäßigungen für bestimmte Bevölkerungs- oder
Wirtschaftsgruppen?
Nach Kenntnis der Bundesregierung führt das Projekt nicht zu steigenden
Strompreisen.
Durch ein gestaffeltes Tarifsystem werden Kleinverbraucher geringer belastet
und somit insbesondere die Belange der ärmeren Bevölkerung berücksichtigt.
29. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung die derzeitigen
Gestehungskosten je Kilowattstunde Strom in Marokko aus Öl, Gas und Kohle,
und welche Prognosen liegen zu ihrer künftigen Entwicklung vor?
Um eine Vergleichbarkeit mit den in den Fragen 19 bis 21 genannten Tarifen zu
gewährleisten, werden hier die Kosten genannt, die beim staatlichen
Energieversorger ONEE im Durchschnitt für die Stromerzeugung entstehen. Basierend
auf einem Brennstoffmix aus Gas, Kohle und Öl werden diese auf etwa
7 bis 9 Eurocent/kWh geschätzt. Die künftige Entwicklung hängt von der
Entwicklung der Rohstoffpreise ab, die nicht vorhergesagt werden kann.
30. Wie hoch sind nach Kenntnis der Bundesregierung in Marokko die
derzeitigen Gestehungskosten je Kilowattstunde Strom aus Windkraft und
Photovoltaik und welche Prognosen liegen zu ihrer künftigen Entwicklung vor?
Um Vergleichbarkeit mit den in Fragen 19 bis 21 genannten Kosten
sicherzustellen, beziehen sich die folgenden Angaben ebenfalls auf Tarife als Ergebnisse von
aktuellen Ausschreibungen. Für Photovoltaik ist von etwa 4 Eurocent/kWh
auszugehen, für Wind von etwa 3 Eurocent/kWh. Die Preise variieren z. B. nach
Region, Größe, Sonneneinstrahlung, Windverfügbarkeit und Marktsituation.
Diese Kosten sind nicht unmittelbar mit denen aus der Antwort zu Frage 29
vergleichbar, da bei fluktuierenden erneuerbaren Energien zusätzlich Kosten für
Speicherung und Netzintegration anfallen.
31. Wie hoch wären nach Kenntnis der Bundesregierung in Marokko die
derzeitigen Gestehungskosten je Kilowattstunde Strom aus Windkraft und
Photovoltaik unter Berücksichtigung notwendiger Speicher zur Sicherstellung
einer vergleichbaren Versorgungssicherheit auch bei Windflaute bzw. in
Nachtstunden, die ein CSP-System bietet, und welche Prognosen liegen zu
ihrer künftigen Entwicklung vor?
Als Alternative zu Salzspeichern, wie sie bei CSP-Kraftwerken eingesetzt
werden, können derzeit alleine Pumpspeicherkraftwerke eine vergleichbare
Versorgungssicherheit gewährleisten. Voraussetzung hierfür ist aber ausreichend
Wasserverfügbarkeit, die in Marokko sehr begrenzt ist. Die Speicherung in Batterien
in der erforderlichen Größenordnung ist derzeit noch zu ineffizient und befindet
sich noch in der Entwicklungsphase.
32. Wie setzen sich nach Kenntnis der Bundesregierung die aktuellen Anteile
der Primärenergieträger/Erzeugungsarten an der Primärenergie-, der
Endenergie- und der Stromerzeugung in Marokko zusammen?
Anteile der verschiedenen Energieträger an der Primärenergiebereitstellung
(Total primary energy source, TPES, Stand 2012):
Öl (68 Prozent), Kohle (16 Prozent), Biokraftstoffe und Abfälle (7 Prozent),
Gas (6 Prozent), Stromnettoimporte (2 Prozent), Wasser- und Windkraft
(insgesamt 1 Prozent).
Anteile von Primärenergieträgern am Endenergiebedarf (Stand 2012):
Öl (73,4 Prozent), Elektrizität (16,5 Prozent), Biokraftstoffe (9,5 Prozent),
Gas (0,5 Prozent) und Kohle (0,1 Prozent).
Anteile von Primärenergieträgern an der Stromerzeugung (Stand 2015):
Thermische Kraftwerke: 84 Prozent (darunter 57 Prozent Kohle, 19 Prozent
Gas, 7 Prozent Öl);
Erneuerbare Energieträger: 15 Prozent (darunter Wind 8,4 Prozent, Wasser
6,3 Prozent, Solar 0,02 Prozent).
33. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil von CSP-Strom
im Strommix aktuell und in Zukunft?
CSP-Strommix aktuell: Derzeit befindet sich nur das erste CSP Kraftwerk
NOORo I in Betrieb, was einem CSP-Anteil von 1 Prozent der Gesamtproduktion
entspricht.
CSP Strommix in der Zukunft: Ab Ende 2017 und Mitte 2018 werden die
Solarkraftwerke NOORo II und III in Betrieb gehen. Dann beträgt der CSP-Anteil ca.
4 Prozent bezogen auf die Gesamtproduktion von 2015.
34. Wie hoch liegt nach Kenntnis der Bundesregierung in Marokko der
Importanteil für Primärenergie und für Strom am Verbrauch des Landes, und
wie hoch der jeweilige Exportanteil?
Welche Rolle spielen dabei fossile Energierohstoffe?
Importanteil für Primärenergie: 96 Prozent.
Stromnachfrage: Etwa 85 Prozent der Stromnachfrage wird durch die nationale
Stromproduktion gedeckt. 15 Prozent des Stroms wird aus Spanien importiert.
Exportanteil: 0 Prozent.
Fossile Energieträger stellen sowohl für die Primärenergiebereitstellung als auch
für die Stromproduktion eine äußerst signifikante Rolle dar (s. Antwort zu
Frage 32).
35. Welche Pläne hat nach Kenntnis der Bundesregierung die marokkanische
Regierung hinsichtlich des Ausbaus ihres Energiesystems?
Wie bewertet die Bundesregierung den in der Energiestrategie des Landes
parallel zum Ausbau regenerativer Erzeugung geplanten Ausbau von
Erzeugungsanlagen im fossilen und evtl. nuklearen Bereich?
Im Stromsektor soll bis 2020 der Anteil der erneuerbaren Energien bei 42 Prozent,
und bis 2030 bei 52 Prozent der installierten Produktionskapazität liegen.
Derzeit werden durch die zuständigen Institutionen (ONEE, MEMEE etc.) in
Marokko mit deutscher Unterstützung Ausbaupläne zum Energiemix 2030/2050
erarbeitet. Die endgültigen Ausbaupläne stehen noch nicht fest.
36. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung das Stromsystem in Marokko
organisiert?
Welche Akteure gibt es?
MEMEE (Ministère de l’Energie, des Mines, de l’Eau et de l’
Environnement): Federführendes Ministerium für den Energiesektor.
ONEE (Office Nationale de l’Electricité et de l’Eau Potable): Nationale
Strom- und Wassergesellschaft.
MASEN (Moroccan Agency for Sustainable Energy): Hauptverantwortlich
für die Umsetzung des marokkanischen Solarplans, seit 2016 ebenfalls
zuständig für den Ausbau von Wind- und Wasserkraft in Marokko.
Kommunale Versorgungsbetriebe (sogenannte „Régies“): Stromverteilung in
Marrakech, Fès, Mèknes, Kénitra, El Jadida, Larache, Safi, formal der
jeweiligen Kommune unterstellt, unter Aufsicht des Innenministeriums.
Private Versorgungsunternehmen („Gestion déléguée“): Stromverteilung
derzeit in den Großregionen Casablanca, Rabat, Tanger und Tétouan.
Wie ist der Strommarkt gestaltet?
Marokko treibt eine schrittweise Liberalisierung des Strommarktes voran.
Die Produktion wird seit 1994 zunehmend von privaten Erzeugern
übernommen (2015: 65 Prozent).
Der regulative Rahmen für die Einspeisung von privat erzeugtem Strom in
das Niedrig- und Mittelspannungsnetz befindet sich in der Vorbereitung.
Die Stromverteilung wird zu knapp 60 Prozent von der nationalen
Stromversorgungsgesellschaft, ansonsten von kommunalen Vertreiberbetrieben und in
größeren Städten von privaten Anbietern übernommen.
Tarife sind gestaffelt nach Tageszeit, Verbrauchergruppe und
Abnahmemenge und sind subventioniert.
Hohe Energieimporte für die Stromerzeugung belasten die Handelsbilanz
und Energiesubventionen für Verbraucher belasten den Staatshaushalt.
37. Auf welchen Berechnungen beruht nach Kenntnis der Bundesregierung die
Annahme einer Stromversorgung von 1,3 Millionen Menschen durch das
NOORo-Projekt?
Die Annahme beruht auf einem Pro-Kopf-Verbrauch von 850 kWh/Jahr (2015,
International Energy Agency, IEA) und einer erwarteten Stromproduktion des
Solarkomplexes NOORo I-IV von knapp 1 200 GWh jährlich.
Wie soll der Strom angesichts bislang fehlender Stromtrassen vom Projekt
in Richtung stark bewohnter Ballungsgebiete geleitet werden?
Welche Investitionen und Bauvorhaben sind hier nötig bzw. geplant?
Auf die Antwort zu Frage 24 wird verwiesen.
38. Welche wissenschaftlichen Studien liegen dem Engagement Deutschlands
beim NOORo-Projekt zugrunde (bitte auflisten nach Titel,
Forschungseinrichtung, Auftraggeber, Kosten, Jahr der Veröffentlichung und zugänglicher
Quelle)?
Es liegen Studien zur Untersuchung der technischen Machbarkeit sowie zur
Umwelt- und Sozialverträglichkeit zugrunde. Es handelt sich um Studien, die der
Projektträger und -entwickler MASEN an namhafte internationale Consultants
vergeben und finanziert hat. Weiter wurden zwei Studien durch die
Bundesregierung finanziert:
Titel Forschungseinrichtung
Auftraggeber
Kosten
(TEUR)
Jahr Quelle
Solar Technologies in
Morocco – Industry and Value
chain Assessment
Fraunhofer Institute for Solar
Energy Systems (ISE)
BMZ 80 2012 MASEN
Feasibility Study on a
Moroccan Solar R&D Platform
DLR
BMZ 90 2013 MASEN
39. Von welchen das NOORo-Projekt vorbereitenden, begleitenden und
evaluierenden Forschungsvorhaben hat die Bundesregierung Kenntnis?
Soll es insbesondere von deutscher Seite weitere geben?
Wenn ja, welche?
Das Wuppertal-Institut hat zusammen mit Germanwatch eine vom BMZ
geförderte Studie mit dem Titel „Social CSP - Energy and development: exploring the
local livelihood dimension of the NOORo I CSP project in Southern Morocco“
(2015), durchgeführt (
http://wupperinst.org/en/p/wi/p/s/pd/449/).
Das Bonn International Center of Conversion (BICC) führt das vom BMZ
geförderte Forschungsvorhaben „Middle East North Africa Sustainable Electricity
Trajectories (MENA SELECT)“ durch, bei dem zukünftige Strompfade
modelliert und in einem Multi-Stakeholder-Prozess diskutiert werden (
http://menaselect.
info/).
Der US-amerikanische Think Tank „Climate Policy Initiative“ hat im August eine
Studie „San Giogio Case Study Report: Ouarzazate I CSP“ herausgegeben, die
sich mit den Herausforderungen der Finanzierung solcher Projekte und dem
konkreten Finanzierungsmodell von NOORo I befasst (
https://climatepolicyinitiative.
org/publication/san-giorgio-group-case-study-ouarzazate-i-csp/).
Folgende Vorhaben sind geplant oder befinden sich in Durchführung:
Unterstützung Marokkos bei der Etablierung einer Solartestplattform in
Benguerir als internationale Referenzgröße für Solarforschung unter
Wüstenbedingungen;
Unterstützung Marokkos bei der Planung der zukünftigen Ausgestaltung der
Solarforschungsplattform am Standort Ouarzazate;
Kooperationsinitiativen mit deutschen Forschungseinrichtungen und
Forschern.
40. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über Beschwerden der
lokalen Bevölkerung vor, sie sei beim Verkauf von Gemeindeland für das
NOORo-Projekt nicht ausreichend konsultiert und finanziell beteiligt
worden, um wieviel Land und welchen Kaufpreis je Quadratmeter handelt es
sich hierbei, und in welchem Verhältnis steht dieser Kaufpreis zu den in der
Region üblichen Bodenpreisen?
Zu Beginn der Bauarbeiten gab es verschiedene Proteste bzgl. der
Beschäftigungsmöglichkeiten beim Bau des Solarkomplexes. Diese traten nach Kenntnis
der Bundesregierung aber nicht mehr auf, nachdem die Bevölkerung ausreichend
informiert und ein Beschwerdemechanismus eingeführt wurde. Weiter wurde
auch der Rekrutierungsprozess transparent über das marokkanische Arbeitsamt
gesteuert.
Beschwerdemechanismus:
Zur Regelung von Konflikten/Beschwerden hat MASEN einen
Beschwerdemechanismus eingerichtet. Es stehen unterschiedliche Kontaktmöglichkeiten zur
Verfügung:
ein Kontaktformular auf der Website von MASEN;
ein am Solarkomplex aufgestellter Beschwerdebriefkasten;
ein Sozialexperte vor Ort in Ouarzazate, der als Ansprechpartner für die
Lokalbevölkerung zur Verfügung steht und Anregungen und Beschwerden
nachgeht.
Landkauf: siehe auch Antwort zu Frage 16
Grundstücksfläche: 3 000 ha zu 10 000 MAD/ha.
Der Kaufpreis des Gemeindelandes wurde von einer Expertenkommission
auf Basis ähnlicher Landtransaktionen als Marktpreis ermittelt. Dies
entspricht den internationalen Umwelt- und Sozialrichtlinien.
Mit dem Erlös (rund 2,7 Mio. Euro) aus dem Landverkauf werden Projekte
zur gesellschaftlichen Entwicklung der Ait Oukrour Toundout Gemeinde
finanziert.
41. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung über Beschwerden der
lokalen Bevölkerung vor, die Einnahmen vom Verkauf von Gemeindeland für
das NOORo-Projekt seien (zum Teil) nicht transparent bzw. nicht für das
Gemeinwohl verwendet worden?
Auf die Antwort zu Frage 40 wird verwiesen.
42. Welche Kenntnisse liegen der Bundesregierung zum Nutzen für die lokale
Bevölkerung durch das Projekt vor?
Folgender Nutzen entsteht für die lokale Bevölkerung:
lokale Beschäftigung;
mit den Erlösen aus dem Landverkauf (Gemeinde Ait Oukrour Toundout an
MASEN) werden Projekte zur gesellschaftlichen Entwicklung der Ait
Oukrour Toundout Gemeinde finanziert.
Wie viele der im Projekt angestellten Arbeitskräfte kommen aus dem lokalen
Umfeld, und wie viele davon sind Frauen?
NOORo I (in der Betriebsphase): 26 Arbeitnehmer (39 Prozent) aus dem
lokalen Umfeld, insgesamt 5 Frauen;
NOORo II + III (Bauphase, Stand Juni 2016): 2 600 Marokkaner, 1 140
Arbeitnehmer aus dem lokalen Umfeld, insgesamt 24 Frauen.
43. Welchen beim NOORo-Projekt bislang aufgetretenen Problemen bezüglich
der Beteiligung und Teilhabe der örtlichen Bevölkerung sowie hinsichtlich
von Nutzungskonflikten muss nach Ansicht der Bundesregierung im Verlauf
der weiteren Projektabwicklung und bei ähnlich gelagerten künftigen
Projekten mit öffentlicher deutscher Beteiligung stärker entgegengetreten
werden und mit welchen Mitteln?
Wie bei den NOORo-Projekten werden auch bei zukünftigen Vorhaben
internationale Umwelt- und Sozialverträglichkeitsstandards angewandt, die die
Beteiligung der Bevölkerung und den Umgang mit Nutzungskonflikten regeln.
44. Wie viele Anlagen mit welcher Leistung müssten nach Kenntnis der
Bundesregierung in Marokko nach dem Vorbild des NOORo-Projekts realisiert
werden, um „zunächst einmal den eigenen Bedarf des Landes“ (Kreditanstalt
für Wiederaufbau, Projektinformation, 10/2016) an (regenerativem) Strom
zu decken?
Es müssten drei weitere Solarkomplexe mit vergleichbarer Leistung realisiert
werden.
45. Welche politischen und technischen Schritte wurden nach Kenntnis der
Bundesregierung bisher eingeleitet, um einen Export von Strom von Marokko in
die EU möglich zu machen, sowohl von europäischer wie marokkanischer
Seite?
Von welchen Strommengen und welchem Anteil an der Erzeugung des
NOORo-Projekts wird hier ausgegangen?
Am 17. November 2016 wurde im Rahmen der COP22 in Marrakesch eine
Absichtserklärung zur Erarbeitung einer „Roadmap for Sustainable Electricity
Trade“ (SET) zwischen Marokko, Frankreich, Spanien, Portugal und
Deutschland im Beisein der Europäischen Kommission unterschrieben. Langfristiges Ziel
der Erklärung ist die Integration der Energiemärkte und ein regionaler Austausch
von Strom aus erneuerbaren Energien zum beiderseitigen Vorteil zwischen
Marokko und dem europäischen Energiebinnenmarkt. Die Erklärung sieht auch die
Erstellung von Analysen zur Klärung der möglichen und handelbaren
Strommengen aus erneuerbaren Energien vor.
Derzeit wird der Strom in Marokko verbraucht und könnte erst mittel- bis
langfristig exportiert werden. Genaue Angaben liegen der Bundesregierung nicht vor.
46. Welche Seite treibt nach Kenntnis der Bundesregierung die Idee eines
Stromexports nach Europa gegenwärtig voran, die deutsche bzw.
europäische oder die marokkanische?
Wie bewertet die Bundesregierung dies?
Initiiert wurde die Absichtserklärung zur Erarbeitung einer SET Roadmap
(s. Frage 45) primär von marokkanischer Seite, insbesondere von der
Marokkanischen Agentur für Erneuerbare Energien (MASEN) im Auftrag des
Königshauses. Wie dargestellt, zielt diese Absichtserklärung nicht auf einen einseitigen
Stromexport von Marokko in die EU, sondern auf eine stärkere Integration der
Energiemärkte und einen regionalen Austausch von Strom aus erneuerbaren
Energien ab. Da die Bundesregierung dieses Ziel unterstützt, hat sie die
Absichtserklärung mit unterzeichnet.
47. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit die Kapazität und
Auslastung der Interkonnektoren zwischen Marokko und dem europäischen
Festland, und wo verlaufen diese?
Zwischen Marokko und Spanien (Puerto de la Cruz – Melloussa) bestehen zwei
Seekabel mit jeweils 400 kV und einer Gesamtkapazität von 1 400 MW. Laut
Angaben der Comité Maghrébin de l'Electricité (COMELEC) betrug der
Stromaustausch im Jahr 2014 rund 5 836 GWh/a. Die Auslastung ist im Jahr 2014 auf
fast 50 Prozent der technischen Kapazität gestiegen und hat damit nahezu ihre
sicherheitstechnische Kapazitätsgrenze nach dem üblicherweise angewendeten
N-1-Kriterium für Versorgungssicherheit erreicht.
48. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung ein Ausbau der Interkonnektoren
zwischen Marokko und dem europäischen Festland geplant?
Wenn ja, durch wen, mit welchem Ziel, welchem Verlauf und welcher
Kapazität?
Der marokkanische und der portugiesische Netzbetreiber (Office National de
l’Electricité et de l’Eau Potable, ONEE, sowie Redes Energéticas Nacionais,
REN) haben für den Bau einer Leitung zwischen Portugal und Marokko mit einer
Gesamtkapazität von 1 000 MW eine von beiden Seiten paritätisch finanzierte
Machbarkeitsstudie ausgeschrieben. Das Projekt ist nicht im aktuell
veröffentlichten europäischen Netzentwicklungsplan 2016 (Ten Year Network
Development Plan – TYNDP) aufgelistet. Marokko strebt allerdings die Aufnahme des
Vorhabens in die 3. Liste der „Projects of Common Interest“ (PCI) der EU an und
will die Leitung bis 2020 in Betrieb nehmen.
Zudem wird derzeit auch eine Machbarkeitsstudie für eine dritte Leitung
(1 400 MW) zwischen Marokko und Spanien vorbereitet.
49. In welche Richtung fließen nach Kenntnis der Bundesregierung derzeit die
Stromflüsse zwischen Marokko und dem europäischen Festland absolut und
netto?
Der Stromaustausch zwischen Spanien und Marokko findet bislang fast
ausschließlich in Form von Stromimporten Marokkos aus Spanien statt. Die genauen
Handelsmengen für die Jahre 2011 bis 2014 waren wie folgt (Angaben
COMELEC Dezember 2015):
Interkonnektion Kapazität (MW) Max.
Stromaustausch (GWh/a)
Stromaustausch (GWh/a)
2011 2012 2013 2014
Spanien –> Marokko 1.400 12.264 4.510 4.903 5.374 5.836
Marokko –> Spanien 1.400 12.264 8 5 3 2
50. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung ein Ausbau von Interkonnektoren
zwischen Marokko und afrikanischen Nachbarstaaten geplant?
Wenn ja, zwischen welchen Ländern, durch wen, mit welchem Ziel und
welcher Kapazität?
Der Bundesregierung sind keine konkreten Pläne zum Ausbau von
Interkonnektoren zwischen Marokko und afrikanischen Nachbarstaaten bekannt.
51. Ist nach Kenntnis der Bundesregierung ein Stromexport Marokkos in andere
afrikanische Staaten geplant?
Wenn ja, in welche und in welcher Höhe?
Grundsätzlich ist bekannt, dass sich Marokko als strategische Energiedrehscheibe
der Region etablieren möchte. Konkretere Informationen zur Höhe eines
angestrebten Stromexports liegen aber nicht vor.
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ISSN 0722-8333]