[Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie vom
4. Juli 2017 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Deutscher Bundestag Drucksache 18/13078
18. Wahlperiode 07.07.2017
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dieter Janecek, Anja Hajduk,
Kai Gehring, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
– Drucksache 18/12662 –
Beitrag der zivilen Raumfahrt für Klimaschutz und Innovation
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Rund 1,5 Mrd. Euro investiert der Bund jährlich in die zivile Raumfahrt. Im Etat
des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie machen die für zivile
Raumfahrt und Weltraumforschung zur Verfügung gestellten Mittel knapp ein
Fünftel des Gesamtbudgets aus. Auch im Etat des Bundesministeriums für
Bildung und Forschung wird ein dreistelliger Millionenbetrag für die nationale
Weltraumforschung und Weltraumtechnik zur Verfügung gestellt. In
Anbetracht der Höhe der von staatlicher Seite bereitgestellten finanziellen Mitteln ist
die politische Schwerpunktsetzung innerhalb der deutschen Raumfahrtagenda
samt ihrer ökologischen, technologiepolitischen und industriepolitischen
Auswirkungen ein Prozess, der sowohl in der parlamentarischen als auch in der
öffentlichen Debatte vergleichsweise wenig Aufmerksamkeit erfährt und der
Zivilgesellschaft auch nur beschränkt Mitwirkungsmöglichkeiten einräumt.
Im November 2010 hat die damalige schwarz-gelbe Bundesregierung ihre
Raumfahrtstrategie vorgelegt. Eine nach außen sichtbare konzeptionelle
Überarbeitung dieser Strategie ist seitdem nicht erfolgt. Allerdings setzt die
Bundesregierung nach eigener Aussage „bewusst neue Akzente“ (Bericht der
Koordinatorin der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt vom
23. März 2017, Bundestagsdrucksache 18/11692) und nennt in diesem
Zusammenhang die weiter zunehmende Digitalisierung in Wirtschaft und Gesellschaft
sowie einen rasanten Aufstieg von privaten Geschäftsmodellen in der
Raumfahrt. Auf der Ministerratskonferenz der Europäischen Weltraumorganisation
(ESA) im Dezember vergangenen Jahres in Luzern hat die Bundesregierung
finanzielle Zusagen in einer Höhe von rund 2 Mrd. Euro gemacht. Die mit diesen
Programmzusagen gesetzten Prioritäten in der deutschen Raumfahrtagenda
entscheiden nicht zuletzt auch angesichts der Tragweite, die sie für den deutschen
Haushalt haben, ganz wesentlich über den Nutzen der zivilen Raumfahrt für die
Allgemeinheit, zukünftige Technologieentwicklungen, unternehmerische
Entscheidungen und damit einhergehende Geschäftsmodelle.
Die Zielsetzungen im Bereich der zivilen Raumfahrt und Weltraumforschung,
die in diesem Zusammenhang gewählten Instrumente und Programme sowie die
Höhe der jeweils dafür bereitgestellten finanziellen Mittel bedürfen daher einer
kontinuierlichen Überprüfung anhand differenzierter und transparenter
Kriterien: Eine grundsätzliche Priorisierung sollten die Raumfahrtmissionen und
Forschungsprogramme erfahren, die in möglichst vielen Lebensbereichen für
möglichst viele Menschen eine Verbesserung ihrer Lebensqualität mit sich bringen.
Eine nachhaltige und zukunftsfähige Raumfahrtagenda muss deshalb ganz
wesentlich den Beitrag in den Fokus nehmen, den die zivile Raumfahrt zur
Klimaforschung und ökologischen Transformation der Gesellschaft leisten kann.
Zahlreiche technische Anwendungen unter anderem im Gesundheitswesen oder
im Bereich der erneuerbaren Energien gehen auf Entdeckungen im und für das
All zurück. Daher ist es entscheidend, Technologie- und Innovationstransfers
sowie interdisziplinäre Synergien bei technologiepolitischen Entscheidungen zu
berücksichtigen und neben Erkenntnissen der Grundlagenforschung den
innovativen Beitrag der zivilen Raumfahrt auch auf andere Gebieten mitzudenken.
Nicht zuletzt gilt beim Einsatz von Steuermitteln das Effizienzgebot.
Gerade im Bereich der Klimaforschung ist der Beitrag der zivilen Raumfahrt
essentiell. Der Blick aus dem Weltraum auf unsere Erde erlaubt uns, die
Auswirkungen des Klimawandels zum Beispiel auf Gletscher, Seen und Wüsten
besser zu untersuchen. Kontinuität in der Finanzierung und in der Sicherung der
Datenbasis ist dabei unerlässlich. Gerade in Zeiten, in denen die Verfügbarkeit
und öffentliche Zugänglichkeit verlässlicher und vergleichbarer Daten über die
Veränderungen der Erde und die Bedrohungen durch die Klimakrise einen so
hohen Stellenwert einnehmen, muss sich diese Bedeutung in der politischen
Schwerpunktsetzung der deutschen Raumfahrtagenda deutlich erkennbar
wiederfinden.
Gleichzeitig können die zivile Raumfahrt und Weltraumforschung einen
bedeutenden Beitrag leisten zu Innovationen, die der Allgemeinheit und einer
vielfältigen, innovativen Unternehmenslandschaft zugutekommen. In kaum einem
Industriezweig wird so viel Geld in Forschung und Entwicklung investiert wie in
der Raumfahrt. Damit Innovationen aus der Weltraumforschung aber für mehr
Menschen positive Wirkung entfalten, spielen ein Mehr an Transparenz sowie
die Einbindung der Zivilgesellschaft in die Entscheidungen über die
Forschungs-agenden in der europäischen Raumfahrtforschung und nicht zuletzt
auch die standardisierte Bereitstellung der mit Steuermitteln erhobenen Daten
für die Öffentlichkeit eine große Rolle. Hier gibt es noch einen erheblichen
Nachholbedarf. So ist zum Beispiel nicht nur für die Zivilgesellschaft nicht
immer ersichtlich, wo genau die Trennlinien zwischen ziviler und militärischer
Nutzung verlaufen, aus welchen Gründen welche Forschungsschwerpunkte
gesetzt werden und zu welchen Daten freier Zugang besteht.
Eine neue Herausforderung für die europäische Raumfahrt liegt in der aktuell
zu beobachtenden Kommerzialisierung der Raumfahrtbranche beziehungsweise
in der Zunahme privater Akteure, denen es zunehmend lukrativ erscheint, mit
eigener Technik im Weltraum aktiv zu sein. Immer mehr Schnittstellen
zwischen Raumfahrt und Digitalwirtschaft ermöglichen es den Akteuren des so
genannten New Space, zumeist stark anwendungsorientiert neue Perspektiven,
Technologien und Herangehensweisen zu entwickeln, um damit neue
Geschäftsmodelle in einer staatlich subventionierten Branche mit hohen Kosten
und Zutrittsschranken tragfähig zu machen. Nicht zuletzt, diese neuen
Entwicklungen lassen eine Überprüfung sinnvoll erscheinen, welche aktuellen
staatlichen Investitionen mittel- und langfristig zukunftsfähig sind.
1. Wurden von Seiten der Bundesregierung angesichts der aktuellen
Tendenzen, Chancen und Herausforderungen für die deutsche und europäische
Raumfahrt bereits Pläne gefasst oder Schritte in die Wege geleitet, die aus
dem Jahr 2010 vorliegende Raumfahrtstrategie zu überarbeiten?
Die Raumfahrtstrategie der Bundesregierung zielt darauf, die Raumfahrt
umfassend zur Bewältigung zentraler globaler Herausforderungen zu nutzen und dabei
auch ihr ökonomisches Potenzial noch stärker auszuschöpfen. Mit diesem
Anspruch ist sie angesichts der aktuellen Tendenzen, Chancen und
Herausforderungen für die deutsche und europäische Raumfahrt nach wie vor aktuell. Insofern
ist eine grundlegende Überarbeitung derzeit nicht geplant.
a) Wenn ja, welcher Zeithorizont wurde dabei ins Auge gefasst, und welche
neuen inhaltlichen Ausrichtungen, Schwerpunkte sowie
Schlüsselprojekte waren dafür ausschlaggebend?
b) Wenn nein, welche Gründe haben für die Bundesregierung bisher
dagegen gesprochen, und ist die Bundesregierung der Auffassung, dass die
Raumfahrtstrategie aus dem Jahr 2010 noch in all ihren Aspekten aktuell
ist?
Die Fragen 1a und 1b werden gemeinsam beantwortet.
Auf die Antwort zu Frage 1 wird verwiesen.
2. Welchen Beitrag leistet die zivile Raumfahrt aus Sicht der Bundesregierung
zum Klimaschutz, und welche konkreten Maßnahmen hat die
Bundesregierung in die Wege geleitet, um die Potentiale der zivilen Raumfahrt und
Weltraumforschung noch stärker für den Klimaschutz nutzbar zu machen?
Die Bundesregierung beteiligt sich an der Entwicklung der zivilen Raumfahrt und
der Weltraumforschung. Sie beteiligt sich u. a. umfassend an der Ausgestaltung
und Weiterentwicklung nationaler und europäischen
Erdbeobachtungskapazitäten. Das europäische Erdbeobachtungsprogramm Copernicus ist ein wichtiges
Beispiel. Copernicus stellt neben den Erdbeobachtungssatelliten und anderen
Erdbeobachtungsdaten (z. B. Insitu-Messdaten) sogenannte thematische Dienste
und Datenprodukte bereit.
Die zivile Raumfahrt trägt durch die Erhebung von atmosphärischen,
ozeanografischen und anderen erdbezogenen Zustandsdaten zur Erforschung von globalen
Klimaveränderungen bei. Damit ist die zivile Raumfahrt Teil eines
Instrumentariums, auf das die Klimaforschung insgesamt zurückgreift. Dies umfasst Beiträge
zum Prozessverständnis des Klimawandels, als Datengrundlage zur
Unterstützung von Forschung und Entwicklung, insbesondere durch die Messung
wesentlicher Klimavariablen (Essential Climate Variables, ECV);
zur Überwachung der Auswirkungen des Klimawandels, z. B. den
Veränderungen der Atmosphäre, der Kryosphäre, des Meeresspiegels, der
Landbedeckung und -nutzung oder der Temperatur der Land- und Ozeanoberflächen;
zur Überwachung der Wirksamkeit politischer Maßnahmen zur Eindämmung
des Klimawandels oder zur Anpassung an den Klimawandel.
Deutschland beteiligt sich führend an den relevanten Satellitenprogrammen der
Europäischen Weltraumorganisation ESA und von EUMETSAT. Hervorzuheben
sind das Erdbeobachtungsrahmenprogramm der ESA, dessen verschiedene
Missionen verschiedene Aspekte des Klimasystems erforschen, die ESA-
Klimainitiative und die polar umlaufenden und geostationären EUMETSAT-Missionen.
Die Satellitenfamilien des Copernicus-Programms von ESA und EU liefern
Beiträge zur Überwachung des Klimawandels. Der Copernicus-Klimadienst erstellt
auf dieser Grundlage ein umfassendes Informationsangebot.
Die Daten des Copernicus-Programms werden kostenlos für jeden Nutzer und
jede Art der Nutzung zur Verfügung gestellt.
Die unter Copernicus operationell betriebenen Dienste liefern wichtige
Datengrundlagen für Klima- und Umweltfragestellungen; so liefern die Dienste
„Atmosphärenmonitoring“ und „Klimamonitoring“ zum Beispiel Informationen zu
atmosphärischen Spurengasen und Essentiellen Klimavariablen. „Ozeandienst“
und „Landdienst“ stellen Datengrundlagen für einen effektiven Klimaschutz oder
für die Erarbeitung von Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel bereit.
Hervorzuheben sind die Informationen zu Meeresspiegelschwankungen,
Monitoring von Landdynamiken, Vegetationsveränderungen, Binnengewässern oder
globalen Energieflüssen.
Um die Daten und Potentiale der Satellitenfernerkundung für den Klimaschutz
effektiv nutzbar zu machen, fördert die Bundesregierung eine Vielzahl an
Projekten. Die „Satellite Application Facility on Climate Monitoring“ (CM SAF) wird
vom Deutschen Wetterdienst (DWD) als nationalem meteorologischen Dienst
geleitet, welcher auch eine maßgebliche Rolle bei der ESA „Climate Change
Initiative“ und der Umsetzung des Copernicus Programms wahrnimmt. Im
Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz, Bau und
Reaktorsicherheit wird derzeit untersucht, inwieweit sich die Daten von Copernicus für ein
Ozonprognoseverfahren einsetzen lassen. Im Rahmen eines weiteren Vorhabens
werden Verfahren entwickelt, um den operationellen Einsatz von Satellitendaten
für die nationale Berichterstattung zur Luftqualität zu etablieren. Eine
Machbarkeitsstudie untersucht Möglichkeiten zur bundesweiten Baumartenerkennung, da
die Baumartenzusammensetzung bei der Entwicklung von Maßnahmen zur
Anpassung an den Klimawandel von Bedeutung ist. Eine weitere Studie hat die
Nutzbarkeit von Copernicus-Daten und -Diensten für das Monitoring der
Indikatoren der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel evaluiert.
Alle Erdbeobachtungsmissionen des Nationalen Raumfahrtprogramms tragen
wesentlich zur Messung von ECV oder von Auswirkungen des Klimawandels
bei: TerraSAR-X/TanDEM-X (seit 2007/10), MERLIN (ab 2021), EnMAP (ab
2019), METimage (ab 2021), GRACE und dessen Nachfolgemission GRACE
Follow-On (ab 2017). Genauere Informationen zu den einzelnen Missionen
finden sich unter
www.dlr.de.
Diese Missionen des Nationalen Raumfahrtprogramms werden mit Beiträgen aus
Forschung und Technologie des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt
(DLR) unterstützt und ergänzt.
Zusätzlich betreibt Deutschland eigene Forschungs- und Entwicklungsarbeiten,
v. a. im DLR. Das DLR trägt damit wesentlich zur Realisierung nahezu aller
nationalen und europäischen Projekte und Missionen bei und nutzt die gewonnenen
Daten gemeinsam mit weiteren Forschungseinrichtungen zur Erforschung von
Klimaveränderungen als Teil des globalen Wandels durch
Modellierung von Klimaveränderungen auf Basis von satelliten- und
flugzeuggestützten Messdaten,
Entwicklung und Erprobung von Algorithmen zur Gewinnung umwelt- und
klimarelevanter Variablen (ECV),
Betrieb von Satellitenmissions-Nutzlast-Segmenten zur operationellen
Gewinnung qualifizierter Geodaten für die klimarelevanten Wissenschaften sowie
Entwicklung von Monitoring- und Umwelt-Frühwarnsystemen auf der Basis
von nationalen und europäischen Erdbeobachtungsdaten wie TerraSAR-X,
TanDEM-X und den Sentinel-Satelliten.
Ein weiteres mögliches Projekt ist die Satellitenmission Tandem-L. Sie hat zum
Ziel, tagesaktuell und in bisher nicht erreichter Qualität auch dynamische
Prozesse wie z. B. Biomassewachstum und -verteilung oder Wasser- und Eismengen
zu ermitteln. Mit Tandem-L könnten somit die Folgen des Klimawandels in
terrestrischen Ökosystemen umfassend und in hoher zeitlicher Abdeckung erkenn-
und quantifizierbar gemacht werden. Tandem-L wird derzeit vom
Wissenschaftsrat evaluiert.
Als Instrument für eine optimierte Routenführung und Verkehrssteuerung im
Straßenverkehr sowie eine effizientere Spurführung in der Landwirtschaft leisten
die Europäischen Satellitennavigationssysteme Galileo und EGNOS einen
Beitrag zur Reduzierung von Emissionen und somit zum Klimaschutz.
3. Auf welchem aktuellen Stand befinden sich Projektplanungen, zukünftig
mittels entsprechender Technik im Weltraum global
Treibhausgaskonzentrationen zu messen und ihre Entstehung beziehungsweise ihre
Ursprungsquellen sichtbar zu machen?
Wasserdampf als klassische meteorologische Variable wird bereits global
überwacht, so dass entsprechend lange dekadische Zeitreihen und deren
Quellenanalyse vorliegen.
Die Ausweitung der globalen Beobachtung und Quellenanalyse einer Vielzahl
von Treibhausgasen u. a. im Rahmen des EU-Copernicus-Programms (z. B.
Sentinel-Missionen, Copernicus Klimadienst) läuft. Des Weiteren werden die in Bau
befindlichen europäischen Wettersatelliten (Meteosat Third Generation) im
Rahmen der technischen Möglichkeiten verstärkt darauf ausgelegt, Treibhaus- und
Spurengase zu beobachten.
Von 2003 bis 2014 wurden globale CO2-Konzentrationen vom Instrument SCIA-
MACHY auf Envisat gemessen. Die deutsch-französische Mission MERLIN zum
Methan-Monitoring befindet sich in Bau. Der Start ist für 2021 vorgesehen. Eine
CO2-Monitoring-Mission im Rahmen des europäischen Copernicus-Programms
befindet sich momentan in der Diskussion. Die Programmentscheidung für die
Entwicklung fällt 2019. Der Start ist 2025 möglich.
4. Ab welchem Zeitpunkt rechnet die Bundesregierung voraussichtlich mit der
Einsatzfähigkeit einer derartigen Technik, und ist geplant, die
entsprechenden Daten öffentlich zugänglich zu machen?
Es wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen. Die Daten sollen öffentlich
zugänglich gemacht werden. Die bereits existierenden Produkte sind in der Regel
öffentlich zugänglich. Auch für die zukünftigen Produkte ist ein öffentlicher
Zugang zu den Daten geplant.
5. Sind der Bundesregierung aktuell Missionen zur Messung von
Treibhausgasen von anderen Staaten bekannt?
a) Wenn ja, welche?
Der Bundesregierung sind die Missionen folgender Staaten bekannt:
USA: OCO-2, Japan: GOSAT, Frankreich: MicroCarb und China: TanSat.
b) War eine deutsche Beteiligung an diesen oder vergleichbaren Missionen
geplant, und wenn nein, warum nicht?
Frankreich warb um eine Beteiligung bei MicroCarb. Auf eine deutsche
Beteiligung wurde allerdings verzichtet, weil mit dem verfolgten Konzept CO2-
Monitoring nicht in ausreichender Genauigkeit möglich ist, im Gegensatz zur avisierten
Copernicus-CO2-Mission.
6. Liegen der Bundesregierung Zahlen dazu vor, wie sich die
Treibhausgasemissionen der deutschen und europäischen Raumfahrt in den
vergangenen zehn Jahren entwickelt haben, und welche bisher verfolgten
beziehungsweise zukünftig geplanten Ansätze zur Treibhausgasreduktion sind aus Sicht
der Bundesregierung besonders vielversprechend?
Der Anteil der durch die europäische Raumfahrt selbst erzeugten Treibhausgase
an der gesamten (europäischen) Treibhausgasproduktion ist verschwindend
gering. Verschiedene Studien wurden dazu weltweit durchgeführt, u. a. mit Mitteln
der Europäischen Weltraumorganisation ESA. Die der Bundesregierung
vorliegenden Resultate lassen allerdings keine belastbare Quantifizierung zu.
7. Wie schätzt die Bundesregierung das Kosten-Nutzen-Verhältnis und die
ökologische Bilanz von der Wiederverwendung von Trägerraketen ein?
Die ökologische Bilanz einer Rakete hängt ganz wesentlich von der Auswahl der
Treibstoffe in der Unter- und Oberstufe ab und weniger von der
Wiederverwendung der vergleichsweise wenig ins Gewicht fallenden metallischen
Strukturanteile. So ist z. B. in der Flugphase in der höheren Atmosphärenschicht die
Verwendung von Wasserstoff/Sauerstoff als Treibstoff (wie bei Ariane 5 und 6) dem
Einsatz von Kerosin/Sauerstoff (wie bei Falcon 9) vorzuziehen. Die Nutzung der
Kombination Methan/Sauerstoff wird noch untersucht.
8. Verfolgt die Bundesregierung langfristig das Ziel, Trägerraketen mehrfach
zu verwenden?
Bis zum Jahr 2024 werden erhebliche Bundesmittel im Rahmen des europäischen
Entwicklungsprogramms Ariane 6 der Europäischen Weltraumorganisation ESA
gebunden. Die anschließende Entwicklung einer mehrfach wiederverwendbaren
Rakete würde erneut Mittel in noch höherem Maße beanspruchen als bisher
(absolut und jährlich). Dies würde den finanziellen Spielraum zur verstärkten
Nutzung der Raumfahrt für z. B. die Klimaforschung entsprechend reduzieren. Es gilt
daher abzuwägen, ob der Nutzen einer wiederverwendbaren Trägerrakete den
Entwicklungsaufwand rechtfertigt; hierzu und wird auch auf die Antwort zu
Frage 7 verwiesen. Auf technologischem Gebiet unternimmt die Bundesrepublik
im ESA-Programm allerdings Vorstudien, um ihre Bewertungskompetenz für
neue Technologien zu erhalten. Zusätzlich werden im Rahmen der DLR-eigenen
Forschung seit einigen Jahren grundlegende Technologien und Systemansätze für
den Bau zukünftiger wiederverwendbarer Trägersysteme entwickelt, mit
Schwerpunkt auf Aerodynamik und Materialien.
9. Welchen Programmen der zivilen Raumfahrt und Weltraumforschung mit
deutscher Beteiligung kommt aus Sicht der Bundesregierung eine besondere
Bedeutung für den Klimaschutz und die Klimaforschung zu, und welche
finanziellen Zusagen der Bundesregierung haben diese Programme bisher
erhalten?
Basisdaten aus den EUMETSAT- und EOEP-Missionen sind wichtiger
Grundpfeiler für die Überprüfung von Klimamodellen. Zur Unterstützung der
Umsetzung des Pariser Klimaabkommens sind Satellitenmissionen mit Fähigkeiten zur
Messung der Treibhausgase (v. a. Kohlendioxid und Methan), neben anderen
Monitoringinstrumenten, von besonderer Bedeutung.
Die Copernicus- und EUMETSAT-Programme haben aufgrund ihres
langfristigen Monitoring-Charakters besondere Bedeutung für den Klimaschutz. Die ESA-
Programme (EOEP, CCI, CCI+) haben große Relevanz für die Klimaforschung.
Alle drei genannten sind europäische Programme, an denen sich Deutschland
führend beteiligt.
10. Gibt es aus Sicht der Bundesregierung angesichts des zuletzt ungewöhnlich
starken Temperaturanstiegs in den Polarregionen einen akuten
Handlungsbedarf, die Veränderungen der Polarregionen auch aus dem Weltraum noch
besser zu dokumentieren?
Eine Verstetigung und Verstärkung des Monitorings der Polarregionen ist aus
Sicht der Bundesregierung von großer Bedeutung.
Derzeit wird die Erweiterung der Copernicus Weltraumkomponente um eine
entsprechende Mission diskutiert.
a) Wenn ja, welche Maßnahmen sind dahingehend geplant, und werden in
diesem Zusammenhang zusätzlich generierte Daten auch öffentlich zur
Verfügung gestellt?
Derzeit sind Polar-Monitoring als Erweiterung des Copernicus-Programms sowie
die POLARIS-Mission als ESA-Programm in der Diskussion. Sowohl die EU im
Copernicus-Programm als auch die ESA verfolgen dabei eine Open-Data-Politik.
Das DLR betreibt mit GARS O’Higgins in der Antarktis sowie in der kanadischen
Arktis in Inuvik polare Bodenstationen, mit deren Hilfe wichtige Daten zur
Klimaforschung über den Polarregionen aufgezeichnet und regionale Forschung und
Dienste unterstützt werden. Mit den gewonnenen Daten werden Verfahren u. a.
zur Bilanzierung von Gletscher- und Meereisentwicklungen entwickelt sowie die
Schneebedeckung in den Periglazial- und Hochgebirgen der Erde regelmäßig
erfasst.
b) Wenn nein, warum nicht?
Kann vor dem Hintergrund der Antwort zu Frage 10 entfallen.
11. An welchen Stellen sieht die Bundesregierung noch Nachbesserungsbedarf
was die Bereitstellung spezifischer Daten und Satellitenaufnahmen für die
Bereiche Klimaschutz und Klimaforschung an die Wissenschaft und die
Zivilbevölkerung betrifft, und welche Priorität nimmt für die Bundesregierung
in diesem Zusammenhang ein verbesserter Zugang zu häufig nachgefragten
Satelliteneinstellungen mit der entsprechenden geografischen Abdeckung,
der ausreichenden Auflösung und den notwendigen Zeitintervallen ein?
Mit beginnender Umsetzung des Pariser Abkommens steigt die Bedeutung des
Verständnisses von Treibhausgasenquellen und entsprechender
Beobachtungskapazität für ein verbessertes Treibhausgasmonitoring.
Die Bundesregierung hält die aktuell diskutierten Copernicus-Erweiterungen für
sehr bedeutsam; hierzu wird auf Antwort zu Frage 2 verwiesen. Bezüglich des
Datenzugangs sind eigens dafür betriebene Plattformen und deren Kontinuität
wichtig; hierzu wird auf die Antwort zu Frage 18 verwiesen.
Gleichzeitig untersucht die DLR-eigene Forschung Möglichkeiten, durch eigene
Kleinsatellitenkonzepte europäische Entwicklungen zu flankieren.
12. Ist nach Einschätzung der Bundesregierung die Kontinuität der für die
Klimaforschung relevanten Daten in zumindest dem Umfang und in der
Qualität, in dem und mit der sie aktuell durch die im Weltraum vorhandene
Technik zur Verfügung gestellt werden können, auch zukünftig gesichert?
Die Kontinuität ist durch die nachhaltigen Programme der EU und EUMETSAT
grundsätzlich bis ca. 2035 gesichert. Sofern Copernicus- und EUMETSAT-
Programme auch künftig in demselben Maße weiterfinanziert und entsprechend
erweitert werden, ist eine darüberhinausgehende Kontinuität gewährleistet. Auf
internationaler Ebene z. B. der WMO wird regelmäßig eine Lückenanalyse
durchgeführt, um programmatisch und missionsweise Diskontinuitäten in den
Messungen zu vermeiden. Da sich abzeichnet, dass die USA in den nächsten Jahren ihre
Investitionen in die Beobachtung von Klimavariablen deutlich reduzieren werden
(z. B. durch die geplante Einstellung von OCO-3), gewinnen europäische
Missionen für die gesamte Weltgemeinschaft nochmals an Bedeutung (hierzu wird auf
die Antwort zu Frage 13 verwiesen).
a) Wenn ja, auf welche konkrete technische Ausstattung und welche
konkreten politischen Zusagen basiert die Bundesregierung die Einschätzung,
dass die Kontinuität dieser Daten gesichert ist?
Die Einschätzung der Bundesregierung beruht auf den aktuell beschlossenen
Programmen, die z. T. einen Zeitraum bis 2035 abdecken. Zusätzlich laufen die
Planungen der Europäischen Kommission, von ESA und EUMETSAT über den
Zeittraum ab 2035. Aktuelle Planungen der Europäischen Kommission, von ESA und
EUMETSAT sind zwar bezüglich technischer Spezifikationen noch nicht
vollständig ausgearbeitet und beschlossen, gehen aber in die Richtung einer
Sicherung der Datenkontinuität.
b) Wenn nein, welche konkreten Bemühungen unternimmt die
Bundesregierung, um die Kontinuität dieser Daten sicherzustellen, und ist es aus Sicht
der Bundesregierung überhaupt möglich, diese Kontinuität zum jetzigen
Zeitpunkt noch vollumfänglich zuzusichern?
Da es sich um europäische Programme handelt, kann die Bundesregierung die
Kontinuität nur gemeinsam mit ihren europäischen Partnern sicherstellen.
Entsprechende Beschlüsse sind v.a. mit Blick auf den nächsten mehrjährigen
Finanzrahmen der EU (für 2021 ff.) und bei der nächsten ESA-Ministerratskonferenz
2019 zu fällen.
13. Welche Konsequenzen hat aus Sicht der Bundesregierung die Entscheidung
des derzeit amtierenden Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika,
die Finanzierung der Erdbeobachtung für Klimaforschung auslaufen zu
lassen, und welche direkten und indirekten Konsequenzen ergeben sich
diesbezüglich für die europäische und nationale Raumfahrt?
Sollten die USA die Finanzierung der Erdbeobachtung für Klimaforschung
tatsächlich beenden, stünden fünf diesbezügliche US-Satellitenmissionen (PACE,
OCO-3 und -2, CLAREO, DSCOVR) nicht mehr zur Verfügung. Diese
Missionen liefern derzeit Klimadaten, die im internationalen Austausch als Basis für
Klimamodelle dienen. Deutschland ist nicht als Kooperationspartner an diesen
US-Missionen beteiligt.
Die Erdbeobachtungssatelliten der EU und der ESA – zum Beispiel die Sentinel-
Satelliten der EU – sowie von EUMETSAT werden an internationaler Bedeutung
gewinnen, auch wenn sie keinen vollumfänglichen Ersatz für fehlende und nicht
mehr verwirklichte Erdbeobachtungsmissionen der NASA darstellen. Dasselbe
gilt gegebenenfalls für die deutschen nationalen Erdbeobachtungsprojekte
(TerraSAR, TanDEM, und künftig EnMAP oder METimage).
14. Welcher Anteil der Raumfahrtmissionen und
Weltraumforschungsprogramme mit deutscher Beteiligung dient ausschließlichen zivilen Zwecken,
und um welche handelt es sich dabei konkret?
Grundsätzlich verfolgen die vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie
(BMWi) finanzierten Raumfahrtaktivitäten zivile Zwecke. Das BMWi fördert die
deutschen Raumfahrtaktivitäten auf nationaler und europäischer Ebene. Dazu
gehören nationale Projekte, die deutschen Beiträge zur Europäischen
Weltraumorganisation ESA sowie der Bereich „Raumfahrtforschung und -technologie“ des
Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR).
Die GRACE-FO Mission ist eine rein wissenschaftliche, also zivile Mission. Dies
ist u. a. dokumentiert im Memorandum of Understanding zwischen NASA und
GFZ: „GRACE-FO is a continuation of the science initiated by the United States-
German GRACE mission that was launched in 2002.“
Die vom Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur finanzierten
EUMETSAT-Programme, das Copernicus-Programm und das Galileo-
Programm, sowie das globale Satellitennavigationssystem (GNSS) der Europäischen
Union sind zivile Systeme unter ziviler Kontrolle.
a) Aus welchen Gründen ist in diesen Fällen eine militärische Nutzung
ausgeschlossen?
Eine spätere militärische Nutzung zivil entwickelter Technologien kann nicht
grundsätzlich ausgeschlossen werden. Vielfach reicht aber die räumliche
Auflösung für eine militärische Nutzung nicht aus (z. B. GRACE-FO).
b) Bei welchen konkreten Raumfahrtmissionen und
Weltraumforschungsprogrammen mit deutscher Beteiligung waren sowohl eine zivile als auch
eine militärische Nutzung von Anfang an geplant?
Die Satellitenkommunikationsmission Heinrich-Hertz ist eine
ressortgemeinsame Mission, bei welcher sich militärischer (BMVg) und ziviler Nutzer (BMWi)
den Satelliten teilen und getrennte Nutzlasten betreiben.
c) Bei welchen Raumfahrtmissionen und Weltraumforschungsprogrammen
mit deutscher Beteiligung ist zudem eine klare Trennung zwischen ziviler
und militärischer Nutzung nicht möglich, und aus welchen Gründen?
Grundsätzlich ist bei Raumfahrtmissionen und
Weltraumforschungsprogrammen, deren Daten bzw. Signale frei bzw. öffentlich verfügbar sind, eine Nutzung
auch durch militärische Stellen nicht auszuschließen.
Die Verbreitung von kommerziell vermarkteten Erdbeobachtungsdaten wird in
Deutschland durch das Satellitendatensicherheitsrecht reglementiert.
15. Wie viele finanzielle Mittel werden jährlich von der Bundesregierung für die
bemannte Raumfahrt bereitgestellt (bitte um jährlichen, nach Ressorts
aufgeschlüsselten Überblick von 2010 bis 2017 und Finanzplanung bis 2021),
und wie schätzt die Bundesregierung mit Hinblick auf die technologischen
Entwicklungen in der Mechatronik und Robotik die Zukunft der
bemannten Raumfahrt ein?
Die Bundesregierung stellte aus dem Etat des BMWi im Rahmen des deutschen
ESA-Beitrags und des Nationalen Programms für Weltraum und Innovation
Mittel in folgender Höhe für die astronautische Raumfahrt bereit bzw. hat folgende
Planungen (jeweils in Mio. Euro):
2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021
Ist Ist Ist Ist Ist Ist Ist Soll Soll Soll Soll Soll
133,05 132,86 131,74 129,63 140,25 162,43 166,98 198,15 250,97 274,15 249,65 168,12
Mit dem technologischen Fortschritt steigt die Relevanz von robotischen
Explorationsmissionen. Das automatische Landen und das Erkunden von Oberflächen
auf Himmelskörpern (Mond, Mars, Asteroiden, Kometen) mit (teil-)autonom
agierenden robotischen Systemen ist für die führenden Raumfahrtagenturen
zunehmend beherrschbar geworden und dient der Erschließung neuen Wissens über
den Weltraum. Die astronautische Raumfahrt wird durch automatische
Versorgungsfahrzeuge und durch Robotersysteme z. B. bei Außenarbeiten auf der ISS
unterstützt. Der Umfang automatisierter Experimentabläufe und Tele-
Wissenschaft von der Erde aus wird zunehmen. Allerdings werden Astronauten aufgrund
ihrer kognitiven Fähigkeiten in der näheren Zukunft nach wie vor bei der
Durchführung von Forschungsaufgaben benötigt. Dazu gehören auch medizinische
Untersuchungen unter Weltraumbedingungen, bei denen sie als Probanden dienen.
Durch den zunehmenden Einsatz von Systemen, die mit künstlicher Intelligenz
ausgestattet sind, wird die Effizienz der Astronautenaktivitäten gesteigert.
16. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung bisher zur Hebung
von branchenübergreifenden Synergien im Bereich der Raumfahrt und
Weltraumforschung angestoßen, und liegen der Bundesregierung Kenntnisse
darüber vor, wie groß der Anteil an kleinen und mittleren Unternehmen ist, der
von den Angeboten der Initiative INNOspace profitiert?
Das DLR mit eigener Forschung in den Schwerpunkten Luftfahrt, Raumfahrt,
Energie, Verkehr sowie dem Querschnittsbereich Sicherheit zielt in seiner neuen
Gesamtstrategie darauf ab, Synergiepotenziale durch die enge Verknüpfung der
in den Schwerpunkten stattfindenden Arbeiten noch besser zu nutzen.
Das DLR-Raumfahrtmanagement führt seit 2013 im Auftrag des BMWi die
Initiative INNOspace durch. Hierbei wurden in Kooperation mit den zuständigen
Landesministerien bisher fünf branchenübergreifende Fachtagungen zu Themen
Raumfahrt und Automotive, maritime Wirtschaft, Informationstechnologie,
Produktionsprozesse und neue Werkstoffe sowie Energie, Versicherungen,
Bauwesen und Kritische Infrastrukturen durchgeführt. Zusätzlich fanden im Jahr 2015
zwei Workshops zu den Themen Raumfahrt und Energiewende bzw. Verifizieren
und Validieren statt.
Im März 2017 startete das BMWi in Kooperation mit dem DLR-Raumfahrt-
management die Initiative „Raumfahrt bewegt“. Gemeinsam mit Fachverbänden der
Mobilitätsbranchen, der Bitkom und der IG Metall wurde ein
branchenübergreifender Dialog zwischen Raumfahrt und der Mobilitätsbranche vereinbart.
Teilnehmer an den o. a. Dialogmaßnahmen waren mit signifikantem Anteil kleine
und mittlere Unternehmen (KMU), z. B. INNOspace-Tagung Energie,
Versicherungen, Bauwesen und Kritische Infrastrukturen: 45 Prozent, Workshop
Verifizieren und Validieren: 57 Prozent, Raumfahrt bewegt: 28 Prozent.
Das DLR-Raumfahrtmanagement fördert im Nationalen Programm für Weltraum
und Innovation seit 2014 Innovations- und Transfervorhaben. Von den 19
Vorhaben, die aktuell in der Förderung sind bzw. waren, haben 21 Prozent eine KMU-
Beteiligung als Zuwendungsempfänger bzw. Auftragnehmer.
17. Mit welchen Maßnahmen möchte die Bundesregierung in Kooperation mit
der ESA sicherstellen, dass von den Programmen ScyLight und Electra
insbesondere hochinnovative kleine und mittlere Unternehmen profitieren und
dass bei der entsprechenden Ausrichtung der Programme der Anwenderseite
eine größere Beachtung als bei vergangenen Programmen zukommt?
Die ESA-ARTES-Programme ScyLight und Electra besitzen klare inhaltliche
und technische Zielstellungen und dienen deshalb nicht primär der Unterstützung
von KMU. Grundsätzlich sind innovative KMU jedoch beitragsfähig.
Aus den Erfahrungen im Electra-Vorgängerprogramm SmallGEO ist davon
auszugehen, dass im Electra-Programm KMU vom Hersteller beauftragt bzw. als
Zulieferer berücksichtigt werden und damit weiter gestärkt werden. Auch im
neuen Programm ScyLight ist ein gesteigertes Interesse von KMU und
Forschungseinrichtungen an einer möglichen Förderung zu beobachten.
18. Wie werden sich nach Ansicht der Bundesregierung neue Analysemethoden
im Bereich Big Data auf die zukünftige Ausrichtung von
Raumfahrtmissionen und die zukünftige Weltraumforschung auswirken (bitte um Nennung
von Beispielen)?
In der Vielzahl und Vielfalt der unterschiedlichen Daten liegt noch viel Potenzial
hinsichtlich einer synergetischen Auswertung, das mit neuen Analysemethoden
im Bereich Big Data gehoben werden kann und muss, z. B. durch eine
gemeinsame Auswertung von Landoberfläche-, Vegetations- und Atmosphärendaten
zusammen mit in situ erhobenen Daten. Die Bundesregierungen geht von folgenden
Auswirkungen aus:
Neue Märkte für Raumfahrtdienstleistungen werden durch Big Data weiter
angeschoben und privatwirtschaftliche Geschäftsmodelle gewinnen an
Bedeutung.
Besonders für Weltraumwissenschafts- und Erdbeobachtungsmissionen mit
ihren extrem hohen Datenaufkommen wurden und werden Analysemethoden
entwickelt, die auch jenseits der Wissenschaft Anwendungen finden werden.
Es ergeben sich in Erdbeobachtung wie auch in der Weltraumwissenschaft
interessante Transferpotenziale (Spin-In- und Spin-Off-Effekte).
Deutschland hat mit seiner Expertise im Umgang mit großen Datenmengen ein
hohes Maß an technologischen Fähigkeiten erreicht, die zum Teil
Alleinstellungsmerkmale aufweisen und dazu beitragen, auch im ESA-Rahmen und bei weiteren
internationalen Kooperationen Spitzenpositionen zu belegen.
a) Welche Vorkehrungen treffen nach Kenntnis der Bundesregierung die
deutsche und europäische Raumfahrt dahingehend (bitte um Nennung
von Beispielen)?
Die Bundesregierung fördert Technologien und Infrastrukturen zu Datenempfang
und -prozessierung sowie auch fortschrittlichste Technologien zur
Langzeitarchivierung, zur Datenauswertung oder zur Verschneidung und Verknüpfung von
Daten unterschiedlicher Sensoren. Sie sind Basis einer effektiven Nutzung von Big
Data innerhalb und außerhalb der Raumfahrt.
In der Erdbeobachtung ist z. B. der Aufbau von CODE-DE, der nationalen
Plattform zur Nutzung der Copernicus-Daten mit Implementierung von Big-Data-
Analysemöglichkeiten, von Bedeutung. Mit der Umsetzung von CODE-DE ist
das Deutsche Fernerkundungsdatenzentrum des DLR beauftragt. Das DLR-
Raumfahrtmanagement hat zudem ein Förderprogramm für neuartige
Analysemethoden von Big Data in der Erdbeobachtung gestartet. Auf europäischer Ebene
sind der Aufbau von Plattformen im Rahmen von Copernicus und thematischer
Plattformen im ESA-EOEP-Programm zu nennen.
Der DWD betreibt mit der Satellite Application Facility on Climate Monitoring
(CM SAF) ein internationales Datenzentrum, das ebenfalls mit dem stetig
wachsenden Datenvolumen umgehen muss und entsprechende Planungen eingeleitet
hat.
Die Herausforderungen, die mit der verstärkten Digitalisierung verbunden sind,
sind u. a. Thema des neu gegründeten DLR-Institutes für Datenwissenschaften in
Jena, motiviert durch die in der Raumfahrt anfallenden umfangreichen
Datenmengen und den damit verbundenen Herausforderungen bei Verarbeitung,
Speicherung und Verteilung der Daten.
b) Welche konkreten Planungen und Problemstellungen gibt es in diesem
Zusammenhang in der Frage der Archivierung und eines öffentlichen
Zugangs zu den anfallenden Daten?
Neben den internationalen Archiven, beispielsweise bei der ESA, bei Copernicus
und bei EUMETSAT, existieren auf nationaler Ebene Archive für Satellitendaten
und satellitenbasierte Klimadatensätze (z. B. beim DWD, DLR, DKRZ). Die
Interoperabilität der Archive, deren Vernetzung und der Zugang werden derzeit
ausgebaut.
19. Wie viele Patente hat das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR)
nach Kenntnis der Bundesregierung innerhalb der letzten zehn Jahre jährlich
angemeldet, und wie viele davon jeweils im Ausland?
Wie viele Lizenzen hat das DLR im selben Zeitraum jährlich an
Unternehmen vergeben, und wie viele unterschiedliche Unternehmen haben im
jeweils genannten Jahr Lizenzen vom DLR bezogen?
Nach Kenntnis der Bundesregierung stellt sich die Anzahl der jährlichen
Patentanmeldungen insgesamt sowie die Anzahl der jährlichen Patentanmeldungen im
Ausland1 durch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) innerhalb
der letzten zehn Jahre wie folgt dar:
Jahr Prioritätsbegründende Erstanmeldungen
insgesamt
Prioritätsbegründende
Auslandsanmeldungen
(= Summe der internationalen (PCT),
europäischen (EP) und nationalen Anmeldungen im
Ausland)
2007 304 131
2008 249 113
2009 259 127
2010 376 134
2011 334 120
2012 319 119
2013 369 118
2014 281 90
2015 290 92
2016 292 63
1 Hinweis: Es ist möglich, dass Schutzrechte in mehreren Ländern gleichzeitig angemeldet worden sind. Grundsätzlich werden ca. ein
Viertel bis ein Drittel der deutschen Schutzrechte im Ausland nachgemeldet.
Nach Kenntnis der Bundesregierung stellt sich die Anzahl der jährlich durch das
DLR vergebenen Lizenzen2 innerhalb der letzten zehn Jahre wie folgt dar:
Jahr Lizenz-Verträge mit der Wirtschaft Lizenz-Verträge mit der Wissenschaft
2007 13 3
2008 14 2
2009 13 0
2010 20 2
2011 12 2
2012 10 0
2013 12 1
2014 18 1
2015 16 0
2016 29 6
20. Gibt es nach Ansicht der Bundesregierung im Bereich der Entwicklung und
Produktion von Raumfahrttechnik noch nicht umfassend genutzte Synergie-
und Effizienzpotentiale, und wenn ja, welche sind das?
Sieht die Bundesregierung Möglichkeiten, derartige Potentiale durch
politische Maßnahmen noch stärker zu nutzen, zum Beispiel über
wettbewerbsfördernde Maßnahmen oder durch veränderte finanzielle Anreize von
staatlicher Seite dergestalt, dass in den Produktionsstufen, wo das möglich ist,
noch stärker auf bereits entwickelte und vorhandene Technik
zurückgegriffen wird, und Innovation damit stärker auf neue Produktionsprozesse
fokussiert werden kann?
Sicherlich bestehen noch zu hebende Synergie-und Effizienzpotentiale, bei denen
es sich sowohl um Spin-Off-Effekte, also um Transfers aus der Raumfahrt in
andere Wirtschaftsbereiche, als auch um Spin-In-Effekte handelt, d. h. um die
Nutzung anderweitig, z. B. in der IT-Branche, entwickelter (produktions-)
technologischer Neuerungen in der Raumfahrt.
Diese zu erkennen und zu nutzen, sind typische Aufgaben der FuE-Einrichtungen
und der Industrie und ergeben sich häufig durch konkrete Fragestellungen. Die
Bundesregierung unterstützt die deutschen FuE-Einrichtungen und die Industrie
bei der Möglichkeit, am europäischen und globalen Wettbewerb teilzunehmen.
Zu konkreten Beispielen der Unterstützung bei der Nutzung von Synergie- und
Effizienzpotenzialen im Rahmen der Initiative INNOspace wird auf die Antwort
zu Frage 16 verwiesen.
21. Inwiefern sieht die Bundesregierung in diesem Zusammenhang
Veränderungsbedarfe beim DLR?
Das Zusammenspiel der verschiedenen Schwerpunkte des DLR und dessen
Mehrwert können noch verbessert werden. Dazu hat das DLR im Rahmen des gerade
abgeschlossenen Strategieprozesses eine Querschnittsinitiative gestartet. In
einem neuen Querschnittsbereich Digitalisierung werden die relevanten Arbeiten
2 Hinweis: Grundsätzlich hat das DLR mit keinem Unternehmen mehr als einen Lizenzvertrag pro Kalenderjahr abgeschlossen.
in den Schwerpunkten noch enger verknüpft und mit Querschnittsprojekten ein
über die bestehenden Schwerpunkte hinausgehender, technologischer Mehrwert
für Deutschland geschaffen.
22. Wie viele junge, innovative Start-ups gibt es nach Kenntnis der
Bundesregierung zum jetzigen Zeitpunkt, die sich zum Beispiel mit neuen digitalen
Dienstleistungen, innovativen Drohnenanwendungen oder privaten
Raumfahrtprojekten im Bereich Raumfahrt engagieren, und wie hat sich ihre Zahl
über den Zeitraum der vergangenen zehn Jahre entwickelt?
Die Gründerzentren ESA BIC Bavaria und Darmstadt haben bereits über 150
Unternehmensgründungen unterstützt und damit die innovativen Ideen für die
Nutzung von Raumfahrttechnologien und -infrastrukturen in andere
Wirtschaftsbereiche gefördert. Ein Schwerpunkt dieser Unternehmensgründungen liegt auf
Softwarelösungen, Apps und digitalen Anwendungen, insbesondere in den
Bereichen Navigation, Kommunikation und Bildverarbeitung. Die Entwicklung der
letzten zehn Jahre ist positiv. Das Forschungszentrum DLR setzt „Big Data“-
Techniken in seiner datenwissenschaftlichen Forschung ein, mit Anwendungen
z. B. in der Erdbeobachtung und im Flugzeugbau. Ausgründungen aus der
Forschungseinrichtung DLR heraus werden in diesem Bereich grundsätzlich
unterstützt, wenn das Marktpotential erkennbar und die technologische Reife gegeben
ist.
23. Welche Beispiele hat die Bundesregierung vor Augen, wenn es ihr darum
geht, insbesondere die „Disruptionspotenziale“ (Bericht der Koordinatorin
der Bundesregierung für die Deutsche Luft- und Raumfahrt: Die deutsche
Luft- und Raumfahrt – Innovation und Hochtechnologie für eine Welt im
Wandel, vom 23. März 2017) der Start-up-Szene im Bereich der zivilen
Raumfahrt gezielt zu erschließen, und in welchen konkreten Entwicklungs-
und Produktionsbereichen sieht sie hierfür spezielle Ansatzpunkte?
Die Bundesregierung will junge Unternehmen, die noch keinen direkten Bezug
zur Raumfahrt haben, für diese Zukunftsbranche interessieren und so neue Ideen
aus anderen Bereichen für die Raumfahrt erschließen. Besonders
erfolgversprechend erscheinen in dieser Hinsicht die IT-Branche, besonders die vernetzte
Produktion (Industrie 4.0), Big Data, Internet of Things (IoT) und die
Mobilitätsbranche. Konkrete Beispiele sind digitale Dienstleistungen, die Raumfahrtdaten
nutzen, innovative Drohnenanwendungen oder sogar private Raumfahrtprojekte.
24. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, welcher Anteil an
weltweiten Raumfahrtaktivitäten zum aktuellen Zeitpunkt auf
privatwirtschaftliche Initiativen zurückzuführen ist, und sind der Bundesregierung in
diesem Zusammenhang Zahlen bekannt, die den entsprechenden deutschen
und europäischen Umfang und Anteil an privatwirtschaftlichen
Weltraumaktivitäten abbilden?
Vom weltweiten Raumfahrtumsatz (Raumfahrttechnologie, Datennutzung und
-anwendung) von 288,3 Mrd. Euro im Jahr 2015 wurden rund 76 Prozent nicht
durch staatliche Raumfahrtbudgets finanziert. Darin enthalten sind weit
überwiegend Umsätze in der Anwendung, z. B. Satellitenfernsehen, und Datennutzung,
z. B. auch Datenkäufe staatlicher Ankerkunden aus dem Nicht-Raumfahrtbereich
(zivile wie militärische).
Für Deutschland existieren nur belastbare Zahlen zum Umsatz der eigentlichen
Raumfahrttechnologie-Branche, die somit mit den o. a. Werten nicht vergleichbar
sind: Der Umsatz der deutschen Raumfahrtindustrie betrug 2015 rund 2,5 Mrd.
Euro mit einem privatwirtschaftlichen Anteil von rund 43 Prozent. Diese Quote
ist vergleichbar mit der des europäischen Raumfahrtmarktes insgesamt, der 2015
einen kommerziellen Anteil von rund 44 Prozent aufwies. Im Jahr 2016 stieg
Umsatz der deutschen Raumfahrtindustrie auf 2,9 Mrd. Euro bei einem
kommerziellen Anteil von 49 Prozent. Dieser positive Trend besteht bereits seit über einem
Jahrzehnt; zum Vergleich: Im Jahr 2006 lag die Quote kommerziellen Umsatzes
noch bei 20 Prozent.
25. Welche geeigneten Maßnahmen und Aktivitäten (vgl. gemeinsame
Erklärung zum Branchendialog Luft- und Raumfahrt des Bundesministers für
Wirtschaft und Energie am 12. Januar 2016) hat die Bundesregierung bisher
ergriffen, um die deutsche Raumfahrt auf die Herausforderungen durch die
zunehmende Kommerzialisierung des Weltraums und einen sich
verändernden globalen Wettbewerb einzustellen, und welche Ergebnisse hat in diesem
Zusammenhang die angekündigte Evaluierung des Nationalen Programms
für Weltraum und Innovation erbracht?
Im Jahr 2016 wurde die Studie „New Space – Geschäftsmodelle an der
Schnittstelle von Raumfahrt und digitaler Wirtschaft“ veröffentlicht. In Umsetzung der
dort gegebenen Handlungsempfehlungen wurde die Komponenteninitiative des
DLR-Raumfahrtmanagements gestärkt, Förder- und Beschaffungsverfahren
wurden überprüft und z. T. angepasst sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen
geprüft. Außerdem wurden Dialoge mit der Industrie sowie Branchenkonferenzen
durchgeführt, z. B. im Rahmen der Initiativen INNOspace oder „Raumfahrt
bewegt“ (hierzu wird auch auf die Antwort zu Frage 16 verwiesen). Der neu
geschaffene Ideenwettbewerb „INNOspace Masters“ wurde bereits zweimal
durchgeführt.
Eine Evaluierung des Nationalen Programms für Weltraum und Innovation hat
noch nicht stattgefunden.
26. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung im Zeitraum der
vergangenen zehn Jahre die durchschnittlichen Kosten je auf einer Rakete
platziertem Kilogramm entwickelt, zu denen es Anbietern in globalem Rahmen
möglich war, Technik in den Weltraum zu befördern, und welche möglichen
Konsequenzen hat die Bundesregierung bisher aus dieser Entwicklung für
ihre Schwerpunkte und Finanzplanungen im Bereich der zivilen Raumfahrt
gezogen?
Ein weltweiter Preisvergleich für Transportkosten von Nutzlast ins All ist nicht
ohne weiteres möglich. Der Raumtransport-“Markt“ ist in der Realität kein
klassischer offener Markt, bei dem sich Preise über Angebot und Nachfrage bilden.
Ein Großteil der jährlichen Starts sind z. B. militärisch motiviert und somit nicht
für ausländische Raketenbetreiber zugänglich. Preisinformationen zu diesen
Starts liegen nicht vor.
Am sinnvollsten lässt sich die Preisentwicklung für den geostationären
Transferorbit darstellen: In diesem Segment des Raumtransportes herrschen
Bedingungen, die einem freien Markt am nächsten kommen. Marktführer im zugänglichen
Markt ist der europäische Anbieter Ariane Group (früher Arianespace). Der von
Ariane Group in diesem Segment angebotene Träger Ariane 5 hatte vor zehn
Jahren einen Preis von 20 Mio. Euro pro Tonne Nutzlast. Heute sind es 15 bis
16 Mio. Euro pro Tonne. Diese Preisentwicklung wird in den Finanzplanungen
berücksichtigt.
Die Bundesregierung hat auf der ESA-Ministerratskonferenz 2014 beschlossen,
sich am Entwicklungsprogramm der Ariane-6-Trägerrakete zu beteiligen. Ziel ist
eine Kostensenkung um mehr als 40 Prozent im Vergleich zur Ariane 5, dies
bedeutet einen Zielpreis von rund 8 Mio. Euro pro Tonne.
27. Wie viele deutsche Unternehmen wurden in den vergangenen zehn Jahren
jeweils im Rahmen von durch den deutschen Staat mitfinanzierten
Raumfahrtprojekten mit der Entwicklung und Produktion von Weltraumtechnik
beauftragt, und wie viele dieser Unternehmen wurden in den jeweiligen
Jahren erstmalig mit einem derartigen Auftrag betraut?
In den vergangenen zehn Jahren haben ca. 465 deutsche Unternehmen aus
deutschen Steuermitteln finanzierte Weltraumtechnik entwickelt und produziert (im
Rahmen des deutschen ESA-Engagements und des Nationalen Programmes für
Weltraum und Innovation). Seit 2006 wurden im Nationalen Programm
ca. 80 Unternehmen erstmalig mit derartigen Aufgaben betraut. Für die ESA
liegen solche Daten nicht vor.
Hinzu kommen etliche deutsche KMU, die als Unterauftragnehmer an o. a.
Projekten beteiligt waren. Eine genaue Zahl liegt hierzu nicht vor.
28. Zu welchen der Handlungsempfehlungen im Bereich „Rahmenbedingungen:
Wettbewerbsfähigkeit sichern“ der vom Bundeswirtschaftsministerium in
Auftrag gegebenen Studie „NewSpace“ wurden seit Erscheinen der Studie
im Frühjahr 2016 bereits erste Schritte in die Wege geleitet, und welche
waren das konkret?
Es wird auf die Antwort zu Frage 25 verwiesen.
29. Inwiefern sieht die Bundesregierung die zunehmende Bedeutung der
Kommerzialisierung der Raumfahrt auch in der finanziellen Schwerpunktsetzung
im Rahmen der deutschen Zusagen auf der ESA-Ministerratskonferenz und
innerhalb des Budgets des DLR abgebildet, und wie begründet die
Bundesregierung die im Vergleich mit anderen europäischen Staaten eher geringere
Fokussierung der finanziellen Zusagen auf
Technologieentwicklungsprogramme?
Der strategische Schwerpunkt der Ministerratskonferenz 2016 lag für
Deutschland auf den Raumfahrtanwendungen. Entsprechend der Raumfahrtstrategie
wurden die Erdbeobachtung mit EOEP-5 (296 Mio. Euro), die
Satellitenkommunikation mit dem ARTES-Programm (160 Mio. Euro) und die
Technologieförderprogramme (63 Mio. Euro) gestärkt. Auch innerhalb des Nationalen Programms für
Weltraum und Innovation bilden die Anwendungsprogramme einen großen
Schwerpunkt. Im Haushaltsjahr 2016 wurden rund 100 Mio. Euro in diese
Bereiche investiert.
Deutschland steht aber auch zu den langfristig eingegangenen Verpflichtungen
bei der Internationalen Raumstation und der Entwicklung der Trägerrakete
Ariane 6. Deren Entwicklung, in die Deutschland 2014 substanzielle Mittel investiert
hat, ist ein Beispiel für die Stärkung der Kommerzialisierung in der europäischen
Raumfahrt. Denn die Firma Ariane Group wird sich mit diesem Träger am Markt
positionieren und dabei mehr Verantwortung übernehmen. Die auf der
Ministerratskonferenz gezeichneten Mittel wurden ausgewogen auf neue Programme und
langfristige Verpflichtungen verteilt.
30. Wie viele Objekte hat das Weltraumlagezentrum seit seiner Inbetriebnahme
jährlich im erdnahen Orbit registriert, und welche Prognosen werden dort
hinsichtlich der Zunahme der zu beobachtenden Objekte innerhalb der
kommenden zehn Jahre angestellt?
Das Weltraumlagezentrum wird erst ab 2018 mit dem Überwachungs- und
Bahnverfolgungsradar GESTRA und einem Teleskop über eigene Sensorik verfügen.
Deswegen wurden bislang keine Objekte durch das Weltraumlagezentrum erfasst
und katalogisiert („registriert“). Stattdessen nutzt das Weltraumlagezentrum
bislang die verfügbaren Bahndaten des US-amerikanischen Kataloges sowie seit
Mitte 2016 den hoch genauen US-amerikanischen SP-Katalog. Dadurch konnte
das Weltraumlagezentrum seit Inbetriebnahme ca. 17 500 Objekte verarbeiten,
um beispielsweise Berechnungen für die Annäherungen zweier Objekte, den
Wiedereintritt von Objekten oder zu Überflügen von Satelliten durchzuführen.
Nach derzeitiger Planung wird das Weltraumlagezentrum innerhalb der nächsten
zehn Jahre ca. 10 000 bis 15 000 Objekte beobachten können. Ferner wird
erwartet, dass weitere Beobachtungsdaten durch die Sensoren anderer europäischer
Staaten im Rahmen des Programms EU-SST der Europäischen Union verfügbar
sein werden. In den kommenden Jahren ist mit einer weiteren Zunahme an
Weltraumschrott – und somit auch mit einer Zunahme der zu beobachtenden Objekte –
zu rechnen (im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 32 verwiesen).
31. Wie viele Kollisionswarnungen und Wiedereintrittsvorhersagen hat das
Weltraumlagezentrum seit seiner Inbetriebnahme jährlich ausgesprochen
beziehungsweise übermittelt, und nach welchen Kriterien wird entschieden,
welchem Empfängerkreis derartige Informationen zugänglich gemacht
werden?
Seit 2012 wurden 76 Kollisionswarnungen verschickt (2012: 9, 2013: 9, 2014:
15, 2015: 15, 2016: 16, 2017: bislang 12, Stand: 7. Juni 2017). Den
Empfängerkreis von Kollisionswarnungen bilden die Eigentümer und/oder Betreiber der
durch das Weltraumlagezentrum (WRLageZ) betreuten Satelliten, vorgesetzte
zivile und militärische Dienststellen des WRLageZ sowie Empfänger entsprechend
der internationalen Verpflichtungen im Rahmen der EU-SST-Projekte.
Seit 2012 wurden 147 Wiedereintrittswarnungen erstellt (2012: 17, 2013: 14,
2014: 45, 2015: 45, 2016: 18, 2017: bislang 8; Stand: 7. Juni 2017). Der
Empfängerkreis für Wiedereintrittsvorhersagen richtet sich nach der Betroffenheit
aufgrund geografischer Randbedingungen (z. B. Bodenspur, Sichtbarkeit):
Informiert werden Behörden/Dienststellen (im Kontext Zivilschutz/Polizei) bzw.
Bundeswehrdienststellen (Einsatzgebiete), vorgesetzte zivile und militärische
Dienststellen des WRLageZ sowie Empfänger entsprechend der internationalen
Verpflichtungen im Rahmen der EU-SST-Projekte.
32. Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, in welcher Anzahl oder in
welchem Volumen sich aktuell Objekte, die von der Erde aus gesendet
wurden und die nicht mehr funktionsfähig sind – sogenannter
Weltraumschrott – im Erdorbit befinden?
a) Wenn ja, welche?
Erfasst und katalogisiert sind derzeit etwa 17 000 Objekte mit einer Gesamtmasse
von ca. 7 500 t. Diese teilen sich auf in knapp 10 000 Trümmerteile aus
Explosionen und Kollisionen, ca. 3 000 intakte Satelliten, die nicht mehr aktiv sind, und
jeweils etwas weniger als 2 000 Raketenoberstufen und missionsbedingte
Rückstände. Neben den Objekten, die erfasst und katalogisiert sind und typischerweise
größer als etwa 10 cm im Durchmesser sind, gibt es eine Vielzahl weiterer
Weltraumschrottteile im Orbit, deren Verteilung mit Hilfe von Modellen berechnet
werden. Nach dem in Deutschland entwickelten ESA-MASTER-Modell
befinden sich ca. 750 000 Trümmer mit einem Durchmesser größer 1 cm und etwa
150 Mio. Trümmer mit einem Durchmesser größer 1 mm im Erdorbit.
b) Inwiefern bewertet die Bundesregierung den menschlich verursachten
Weltraumschrott als eine mögliche Bedrohung für neue
Weltraummissionen und für unseren Planeten?
c) Welche weiteren Erkenntnisse hat die Bundesregierung über mögliche
Auswirkungen von menschlich verursachtem Weltraumschrott?
Die Fragen 32b und 32c werden gemeinsam beantwortet.
Der Weltraumschrott stellt ein Risiko für bemannte und unbemannte Raumfahrt
dar, da er im Falle einer Kollision auch von kleinen Teilen mit Satelliten oder
Raumfahrzeugen zu Schäden, Leistungseinbußen, Systemausfällen oder gar einer
vollständigen Zerstörung führen kann. Durch solche Kollisionen droht die Zahl
der Trümmer im Orbit in Zukunft weiter anzuwachsen.
Es wird erwartet, dass in den nächsten Jahren kommerzielle Betreiber große
Flotten, sogenannte Mega-Konstellationen, von Satelliten für Breitband-
Kommunikation in den niedrigen Erdorbit bringen werden. Sollten diese Pläne realisiert
werden, kann sich die Anzahl der weltweit derzeit etwa 1 000 aktiv betriebenen
Satelliten im Orbit innerhalb weniger Jahre mehr als verdoppeln.
Wiedereintretende Raumfahrzeuge verglühen zu großen Teilen in der
Atmosphäre. Bei großen Raumfahrzeugen können je nach Beschaffenheit 10 bis
30 Prozent der Masse die Erdoberfläche erreichen. Es ist aber weltweit kein Fall
bekannt, in dem es dabei zu einem ernsthaften Sach- oder Personenschaden
gekommen wäre.
33. Aus welchen Gründen wurde das Programm Deutsche Orbitale Servicing
Mission (DEOS) im Rahmen der ESA-Ministerkonferenz 2016 nicht
ausgewählt?
Gibt es Bestrebungen seitens der Bundesregierung, dieses Programm im
Rahmen des Nationalen Raumfahrtprogramms oder im Rahmen weiterer
internationaler Kooperationen weiterzuführen?
Die Deutsche Orbitale Servicing Mission (DEOS) war ein im Nationalen
Programm für Weltraum und Innovation betriebenes Projekt, das aus budgetären
Gründen nicht weitergeführt wurde. Mit der ESA-Ministerratskonferenz 2016
steht es in keinem Zusammenhang.
Eine Weiterführung des DEOS-Projekts ist aus budgetären Gründen derzeit nicht
möglich. Allerdings werden im Nationalen Programm für Weltraum und
Innovation im Programm Robotik und Automation sowie in den DLR-
Forschungsinstituten Technologien weiterentwickelt, die für künftige Anwendungen im
Satelliten-Servicing nutzbar wären.
34. Wie positioniert sich die Bundesregierung hinsichtlich der Notwendigkeit
eines von mehreren Akteuren geforderten Weltraumgesetzes, und bei welchen
zu erwartenden Entwicklungen in der Raumfahrt wird aus Sicht der
Bundesregierung eine gesetzliche Regulierung von Raumfahrtaktivitäten
notwendig?
Die Weltraumverträge der Vereinten Nationen verpflichten Deutschland zu einer
Genehmigung und Überwachung nichtstaatlicher Raumfahrtaktivitäten. Neben
der steigenden Bedeutung einer funktionsfähigen Weltrauminfrastruktur für die
moderne Industriegesellschaft machen auch die wachsende Zahl universitärer
Kleinsatelliten sowie die mögliche Zunahme privatwirtschaftlicher
Raumfahrtaktivitäten künftig eine gesetzliche Regelung erforderlich. Ein entsprechender
Gesetzentwurf wird erarbeitet.
35. Welchen Beitrag kann aus Sicht der Bundesregierung die Raumfahrt im
Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit leisten?
Die zivile Raumfahrt leistet für die aktuellen Belange der
Entwicklungszusammenarbeit (EZ) bereits heute einen wichtigen Beitrag, und zwar konkret mit
satellitengestützter Fernerkundung und Geoinformationssystemen. Diese kommen
derzeit insbesondere in den Bereichen Klimaschutz, Anpassung an den
Klimawandel, Stärkung der Resilienz der vom Klimawandel betroffenen Länder, bei
Frühwarnsystemen und der Hilfe nach Naturkatastrophen bzw. generell
humanitärer Hilfe sowie in den Bereichen Stadtplanung, Katasterwesen, Waldmonitoring
und Ernteprognosemodellen in Entwicklungsländern zum Einsatz. Dabei steht
insbesondere die arme und vulnerable Bevölkerung im Vordergrund. Die
Verwendung von Fernerkundungsdaten führt zu mehr Transparenz, höherer
Informationsdichte und effizienteren Monitoringsystemen. In der EZ werden Daten aus
unterschiedlichen Raumfahrt-Missionen genutzt. Durch die heutige und
zukünftige Datenpolitik des kostenfreien Zugangs zu einer Vielzahl von
Fernerkundungsdaten und Auswertemodulen ist dies zunehmend möglich.
In folgenden Projekten/Bereichen der deutschen EZ werden Satellitendaten
genutzt:
G7-InsuResilience Initiative für Klimarisikoversicherung: Indexbasierte
Klimarisikoversicherungen (bspw. gegen Dürre, Wirbelstürme,
Überschwemmungen, etc.) greifen bei der Indexkalibrierung und bei der Kalkulation im
Auszahlungsfall auf historische und aktuelle Wetterdaten von
Satellitensystemen zurück.
REDD-Vorhaben (Reducing Emissions from Deforestation and Forest
Degradation): Nutzung von Satellitendaten zur Identifizierung des
Waldabdeckungsgrades und der qualitativen Beschreibung der Waldabdeckung sowohl bei der
Programmkonzeption (Bedarfsanalyse) als auch beim Monitoring der
Fortschritte oder der Aufdeckung von illegalem Holzabbau.
Nach Naturkatastrophen oder nach Konflikten können mit Hilfe von
Satellitendaten (etwa zu Schadensbereichen bei Erdbeben, zur gezielten
Verbesserung der Infrastruktur in großen Langzeitflüchtlingscamps) Maßnahmen
gezielter und schneller geplant und umgesetzt werden (siehe auch Copernicus-
Dienst für Katastrophen- und Krisenmanagement). Satellitengestützte
Frühwarnsysteme ermöglichen gegensteuernde Maßnahmen, die die mit
Naturkatastrophen einhergehenden Kosten substantiell senken können. Darüber hinaus
erleichtern sie die Diskussion um Präventionsmaßnahmen und mittel- bis
langfristige Überlegungen zur den gesellschaftlichen und technischen
Voraussetzungen, um mit künftigen Katastrophen umgehen zu können.
Stadtplanung in Megastädten in Entwicklungsländern wie auch
Landvermessung für Katastervorhaben in ländlichen, oftmals unwegsamen Regionen
profitieren gleichermaßen von Satellitendaten, da die notwendigen Informationen
kostengünstig beschafft werden können. Satellitengestützte Katasterdaten und
die darauf aufbauenden Grundbucheintragungen erweitern den
Handlungsspielraum von Landwirten, indem sie ihre Eigentumsrechte nachweisen und
das Land verkaufen oder mit einer Bankhypothek belegen können, um etwa
Saatgut auf Kredit zu kaufen.
Die Satellitendaten bieten auch die Grundlage für die Erarbeitung von
Kartenmaterial und können als Entscheidungsgrundlage zur nachhaltigen
Bewirtschaftung der Grundwasserressourcen genutzt werden.
Der Einsatz von satellitengestützten Daten erfordert auch immer die Schulung der
lokalen Fachkräfte in der Nutzung, Bearbeitung und Interpretation der
Satellitendaten.
36. In welchem Umfang arbeitet die Bundesregierung im Weltraumbereich mit
Entwicklungsländern zusammen?
a) Stellt die Bundesregierung Daten, die aus den nationalen und
europäischen Raumfahrtprogrammen resultieren, öffentlichen und
zivilgesellschaftlichen Akteuren gezielt zur Verfügung?
Die generierten Daten werden im Rahmen der bilateralen und internationalen
Entwicklungszusammenarbeit (EZ) mit den jeweiligen Partnerländern generell
geteilt. Über das europäische Copernicus Programm steht ein beispielloses
Volumen frei verfügbarer Daten bereit. Deutschland ist ein maßgeblicher Partner
dieses Programms. Darüber hinaus arbeiten verschiedene Programme der deutschen
EZ an operationellen Diensten, die diese Daten für Länder effizient nutzbar
machen. Für besondere Anwendungen werden auch nicht frei verfügbare Daten (von
kommerziellen Anbietern wie Rapid Eye) gezielt bereitgestellt.
b) Inwiefern findet im Weltraumbereich ein Technologie- und
Wissenstransfer mit Partnerländern, insbesondere mit Entwicklungsländern, statt?
Die Zusammenarbeit mit Partnerländern ist in allen Bereichen eng. Verschiedene
Programme arbeiten gezielt an der Verbesserung der Kapazitäten in den
Partnerländern, um Fernerkundungsdaten effizient einzusetzen. Beispielsweise ist das
DLR im Rahmen der „Global Forest Observation Initiative“ in Programmen zum
Technologietransfer involviert, und über die Deutsche Gesellschaft für
Internationale Zusammenarbeit (GIZ) werden Aktivitäten zu Capacity Building im
Bereich Fernerkundung umgesetzt.
Beispielhaft steht hierfür das Projekt „Remote Sensing-Based Information and
Insurance for Crops in Emerging Economies (RIICE)“:
Seit 2012 wird der Einsatz einer neuartigen, satellitengestützten Technologie
erprobt, die Regierungen in Asien (aktuelle Partnerländer: Indien, Kambodscha,
Thailand und Vietnam) Daten für verbesserte Ernteprognosen an die Hand gibt
und sie in die Lage versetzt, Risikomanagementinstrumente für ihre Kleinbauern
zu entwickeln und zu verbessern. Auf Basis dieser satellitengestützten
Technologie lassen sich bereits existierende oder neu einzuführende Ernteausfall-
Versicherungsprogramme geografisch ausweiten und effizienter gestalten. Durch
zeitnah verfügbare, verlässliche und akkurate satellitengestützte Ernteertrags- und
Schadendaten können die Kleinbauern von einem verbesserten
Versicherungsschutz profitieren. Der Ansatz von RIICE ist es, nationale technische
Implementierungspartner im Aufbau, Nutzung (z. B. Landwirtschaftsministerien) und
Anwendung der Technologie (z. B. Versicherungssektor) zu schulen und zu
unterstützen.
Ziel ist die Verbesserung der Resilienz und Ernährungssicherheit von
Kleinbauern. Für die Entwicklung und Erprobung dieser neuen Technologie haben sich
öffentliche und private Partner zusammengeschlossen. Das Public Private
Partnership umfasst die GIZ (im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche
Zusammenarbeit), die Allianz Re, das International Rice Research Institute
(IRRI), sarmap SA (ein Schweizer Unternehmen für Satellitentechnologie) und
die Schweizer DEZA. Der internationale Rückversicherer Swiss Re hat ebenfalls
zugesagt, dem Konsortium ab 2017 beitreten zu wollen.
c) Verfolgt die Bundesregierung das Ziel, diese Kooperationen
grundsätzlich auszubauen, und wenn nein, warum nicht?
Technischer Fortschritt (Qualität von Satellitendaten, Datenverarbeitung, etc.) hat
die Nutzung von Satellitendaten für die Entwicklungs-zusammenarbeit erst in den
letzten Jahren ermöglicht. Das Potential ist hier noch lange nicht ausgeschöpft.
So könnten z. B. künftig alle Vorhaben, bei denen die Vegetationsbedeckung eine
Rolle spielt (etwa im Kontext Aufforstung, Schutzgebietsmanagement,
Wassereinzugsgebietsmanagement), Fernerkundungsdaten nutzen.
Mit Blick auf das enorme Potential der Nutzung satellitengestützter
Fernerkundung und von Geoinformationssystemen sowie auf die Verpflichtungen, die die
Bundesregierung im Rahmen vieler internationaler Initiativen – insbesondere im
Bereich Klimaschutz/Klimawandel – eingegangen ist, ist davon auszugehen, dass
Kooperationen mit Entwicklungsländern hinsichtlich der Nutzung
satellitengestützter Daten künftig verstärkt werden.
Der Aufbau der notwendigen Infrastruktur zur Datensammlung und -verarbeitung
sowie der notwendige Institutionen- und Kapazitätsaufbau für die Nutzung der
Daten wird die Entwicklungszusammenarbeit in Zukunft voraussichtlich noch
stärker beschäftigen.
Satz: Satzweiss.com Print, Web, Software GmbH, Mainzer Straße 116, 66121 Saarbrücken,
www.satzweiss.com
Druck: Printsystem GmbH, Schafwäsche 1-3, 71296 Heimsheim,
www.printsystem.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]