BundestagKleine Anfragen
Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 18Beantwortet

Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Hochzeitskleidern in Asien

Kenntnisse zur Beschäftigung von Minderjährigen in der Textilproduktion bzw. zur Herstellung von Brautmoden aus asiatischer Produktion, Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen; Brautkleiderimporte aus Asien bzw. Myanmar nach Deutschland und der EU, Unterzeichnung von Verhaltenskodizes durch Unternehmen, deutsche Brautkleiderunternehmen als Mitglieder im Bündnis für nachhaltige Textilien (Textilbündnis)<br /> (insgesamt 9 Einzelfragen)

Fraktion

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Ressort

Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Datum

10.07.2017

Antwortdauer

19 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 18/1286021.06.2017

Arbeitsbedingungen bei der Herstellung von Hochzeitskleidern in Asien

der Abgeordneten Renate Künast, Nicole Maisch, Luise Amtsberg, Volker Beck (Köln), Katja Keul, Monika Lazar, Irene Mihalic, Özcan Mutlu, Dr. Konstantin von Notz, Hans-Christian Ströbele und der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

Vorbemerkung

Ein großer Teil der in Deutschland und Europa verkauften Brautkleider stammen aus asiatischer Produktion. Aufgrund der aufwendigen und feingliedrigen Herstellung von Brautkleidern sind in den Fabriken besonders häufig minderjährige Mädchen beschäftigt, die unter schwierigen Bedingungen arbeiten müssen (diese und die folgenden Angaben basieren auf im Rahmen der Dienstreise der Abgeordneten Renate Künast nach Myanmar vom 2. bis 5. Februar 2016 geführten Gesprächen).

Eine der größten von 17 asiatischen Firmen für Brautkleider ist Wedtex Industrial Corporation. An den Standorten in Myanmar fertigen ca. 2 500 meist sehr junge Näherinnen aufwendige Kleider mit Spitzen, Perlen und Verzierungen an. Täglich entstehen hier ca. 30 Hochzeitskleider. Sie verlassen die Fabrik mit einem durchschnittlichen Wert von ca. 500 Euro und werden im europäischen Einzelhandel in der Regel für mehr als 3 000 Euro verkauft.

Die Lage in der myanmarischen Brautkleiderfabrik, in der viele minderjährige Mädchen unter schwierigen Bedingungen arbeiten, ist vergleichbar mit vielen weiteren asiatischen Produktionsstandorten. Die wenigen Verbesserungen, die es in Brautkleiderfabriken in den vergangenen Jahren gegeben hat, wurden durch den Druck von EU-Unternehmen entlang ihrer Lieferketten auf exportorientierte Firmen, wie auch Wedtex Industrial Corporation eine ist, herbeigeführt.

Die Standards bzgl. Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie Arbeitssicherheit sind jedoch nach wie vor problematisch. Darüber hinaus fehlt es den Verwaltungen an Durchsetzungskraft und -kompetenz, um Recht und Regeln durchzusetzen. Veränderungen hin zu besseren Arbeits- und Produktionsbedingungen kommen daher nur zustande, wenn Nichtregierungsorganisationen wie Greenpeace, Industrie- und Handelskammern in den jeweiligen Ländern, Verbände oder Unternehmen selbst tätig werden.

Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland wissen in der Regel nicht, wie und unter welchen Bedingungen ihre Brautkleider hergestellt wurden. Deutschland hat als wichtiger Handelspartner Myanmars und weiterer asiatischer Länder, in denen Großteile der Brautkleidung hergestellt werden, eine besondere Verantwortung.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen9

1

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung generell vor bezüglich der Beschäftigung von minderjährigen Mädchen und Jungen in der Textilproduktion?

2

Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor bezüglich der Arbeitsbedingungen speziell bei der Herstellung von Brautmoden aus asiatischer Fabrikation?

3

Inwiefern führt die Bundesregierung mit der International Labour Organisation (ILO) Gespräche, um die Arbeitsbedingungen von Minderjährigen in Textilfabriken zu verbessern? Werden hierbei auch speziell die Arbeitsbedingungen in Fabriken, in denen Hochzeitskleider von häufig minderjährigen Mädchen hergestellt werden, thematisiert?

4

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, wie viele Brautkleider aus Asien bzw. Myanmar nach Deutschland bzw. in die Europäische Union importiert werden? Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über den Anteil der in Asien gefertigten Brautkleider im deutschen bzw. europäischen Markt?

5

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung darüber, wie viele und welche asiatischen Brautkleiderfabriken sich der Business Social Compliance Initiative (BSCI) angeschlossen und den BSCI-Verhaltenskodex unterschrieben haben?

6

Welche Erkenntnisse hat die Bundesregierung über asiatische Brautkleiderfabriken, die Kodexe mit höheren Produktionsstandards unterschrieben haben?

7

Gibt es deutsche Brautkleiderunternehmen oder -ketten, die dem Textilbündnis als Mitglied beigetreten sind?

8

Wenn ja, a) wie viele Unternehmen sind das, b) um welche Unternehmen handelt es sich, und c) in welchen Ländern lassen diese Firmen jeweils produzieren?

9

Wenn nein, a) hat die Bundesregierung die Absicht, gerade diese Unternehmen mit in das Textilbündnis aufzunehmen, und b) welche Gespräche werden bereits geführt oder sind für welchen Zeitraum beabsichtigt?

Berlin, den 20. Juni 2017

Katrin Göring-Eckardt, Dr. Anton Hofreiter und Fraktion

Ähnliche Kleine Anfragen