[Deutscher Bundestag
Drucksache
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14. Wahlperiode
22. 06. 2001
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 22. Juni 2001
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Fraktion der PDS
– Drucksache 14/6253 –
Bündnis für Demokratie und Toleranz
Am 23. Mai 2000 wurde in Berlin das „Bündnis für Demokratie und
Toleranz“ offiziell begründet, vor wenigen Tagen, am 23. Mai 2001, fand die
alljährliche zentrale Festveranstaltung, auf der sich das Bündnis der
Öffentlichkeit präsentiert, statt. Bis heute haben sich mehr als 800 Gruppen und
Einzelpersonen zur Mitarbeit am „Bündnis für Demokratie und Toleranz“
bereiterklärt.
In seiner im Internet nachlesbaren Selbstdarstellung erklärt das Bündnis,
„Kräfte sammeln und mobiliseren“, aber auch „selbst modellhafte Projekte“
initiieren zu wollen mit dem Ziel, „Prävention durch Unterstützung und
Förderung dezentraler Projekte, Beratungsstellen, mobile Beratungsteams,
pädagogischer und sozialer Initiativen“ zu erreichen. Es versteht sich als „Anlauf-
und Sammelstelle“ für Gruppen und Initiativen, als „Impulsgeber und
Koordinationspunkt“ (Bundesminster des Innern, Otto Schily, in seiner Rede
auf der Festveranstaltung am 23. Mai 2001).
Zudem wolle das Bündnis ein „Lexikon der Initiativen“ aufbauen, das „schon
bestehende Einrichtungen und Vorhaben zusammenfasst und zum Mit- oder
Nachahmen anreizt“.
Das Bündnis erhält neben regem Zuspruch jedoch auch kritische Resonanz.
Viele Initiativen sind enttäuscht und fühlen sich vereinnahmt.
Verschiedene Menschenrechtsorganisationen, unter ihnen „Aktion Courage“,
haben bereits die Einladung zur Auftaktveranstaltung am 23. Mai 2000 mit
der Begründung abgesagt, es müsse für das Bündnis eine definierte
Zielsetzung geben, allgemeine Absichtserklärungen reichten nicht aus. Effektives
Arbeiten sei nach Meinung von „Aktion Courage“ ohne klar formulierte Ziele,
ohne ausreichende finanzielle Absicherung nicht gewährleistet. Auch
vermeide es das Bündnis, Diskrimierungen von staatlicher Seite zu benennen,
was für „Aktion Courage“ unerlässlich sei (Junge Welt vom 23. Mai 2000).
Anlässlich der Festveranstaltung am 23. Mai formulierten auch in diesem Jahr
wieder verschiedene Initiativen ihre Kritik am „Bündnis für Demokratie und
Toleranz“. Das „Antirassistisch-Interkulturelle Informationszentrum in
Berlin“ etwa bemängelte, das Bündnis sei statt einer Arbeitsplattform lediglich
eine Absichtserklärung und lasse Präsenz vor Ort vermissen. Zudem verfüge
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es nicht über ausreichend finanzielle Ausstattung, um eigenes Geld zu
verteilen – mit einem Etat von 1,3 Mio. DM sei es nur bescheiden ausgestattet. Ein
geplanter Internetauftritt mit einem „Lexikon der Initiativen“ sei bisher nicht
umgesetzt, das Bündnis habe noch nicht einmal eine eigene Website.
Verbessert werden müssten auch die Beratungsleistungen des Bündnisses, meint der
Verein „Miteinander e.V.“ aus Magdeburg.
Eine grundsätzliche Ablehnung des Bündnisses formuliert „Pro Asyl“ und
lehnt eine Teilnahme am Bündnis ab, da es den Blick auf institutionelle
Hintergründe von Rassismus verstelle (vgl. tageszeitung vom 23. Mai 2001).
Vo r b e m e r k u n g
Das „Bündnis für Demokratie und Toleranz – gegen Extremismus und Gewalt“
(Bündnis) hat seine diesjährige zentrale Veranstaltung am 23. Mai, dem
Verfassungstag, in Berlin unter dem Motto „Jugend für Demokratie und Toleranz“
durchgeführt. Mehr als 600 überwiegend junge Menschen, die sich für die
Ziele des Bündnisses engagieren, haben teilgenommen.
Die Veranstaltung ist erfolgreich und harmonisch verlaufen, was auch darauf
zurückzuführen ist, dass in die Konzeption Erfahrungen aus der
Auftaktveranstaltung im Vorjahr aufgenommen werden konnten. Dabei sind insbesondere
die Bedürfnisse und Erwartungen der jungen Generation noch stärker
berücksichtigt worden.
Dementsprechend war das erfreulich starke Echo in der Presse durchweg
positiv. Entsprechendes gilt für die beteiligten Initiativen und
Nichtregierungsorganisationen. Grundsätzliche Kritik ist nicht laut geworden. Dies ist umso
bemerkenswerter, als die Entscheidungs- und Arbeitsstrukturen des Bündnisses sich
noch im Aufbau befinden, und zwar insbesondere hinsichtlich der
Geschäftsstelle, der Angebote an die angeschlossenen Initiativen und deren Vernetzung
u. a. im Internet.
Bisweilen geäußerte Kritik an einer zu geringen finanziellen Ausstattung des
Bündnisses liegt die Annahme zu Grunde, das Bündnis solle ein weiterer
Zuwendungsgeber sein. Für die finanzielle Förderung von Maßnahmen und
Projekten der Jugendarbeit sowie der politischen Bildungs- und
Öffentlichkeitsarbeit sind nach Auffassung der Bundesregierung allerdings ausreichende und
kompetente Institutionen vorhanden, die auch für Aktivitäten offen stehen, die
den Zielen des Bündnisses gerecht werden. Es wäre nicht sinnvoll, hierfür
besondere und möglicherweise konkurrierende Strukturen zu schaffen.
1. Welche „modellhaften Projekte“ wurden bisher durch das Bündnis
initiiert?
Das Bündnis hat bisher u. a. folgende Projekte mit Modellcharakter initiiert:
– Der „Victor-Klemperer-Jugendwettbewerb“ ist ein Beispiel für die
Kooperation des Bündnisses mit der Wirtschaft. Er ist in Zusammenarbeit mit der
Dresdner Bank und dem Aufbau-Verlag entwickelt und durchgeführt
worden und hat Jugendliche in großer Zahl (ca. 20 000 bei rd. 1 700
Wettbewerbsbeiträgen) angeregt, aus der Nazizeit Lehren für die Gegenwart zu
ziehen.
– In der Kampagne „Künstler bekennen Farbe“ haben populäre Interpreten der
Popmusik in Jugendzeitschriften gegen Fremdenfeindlichkeit und Gewalt
Stellung bezogen.
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– Die in diesem Jahr erstmals und künftig alljährlich am 23. Mai vom Bündnis
verliehene Auszeichnung „Botschafter für Toleranz“ soll herausragende
Initiativen und Projekte auszeichnen und zur Nachahmung empfehlen.
2. Inwieweit ist das Bündnis seinem Ziel, „Kräfte zu sammeln und zu
mobilisieren“, näher gekommen?
Über 800 Organisationen, Initiativen und Einzelpersonen haben sich bisher
dem Bündnis angeschlossen.
3. Inwieweit ist das Bündnis seinem Ziel, „Prävention durch Unterstützung
und Förderung dezentraler Projekte, Beratungsstellen, mobile
Beratungsteams, pädagogischer und sozialer Initiativen“ zu erreichen, näher
gekommen?
Wie in den Vorbemerkungen dargelegt, sind die Angebote des Bündnisses noch
in der Entwicklung. Dem in der Frage angesprochenen Ziel dient das Bündnis
bisher im Wesentlichen durch Beratung, Information und organisatorische
Hilfe.
4. Inwieweit ist das Bündnis tatsächlich „Anlauf- und Sammelstelle“ für
Gruppen und Initiativen geworden?
Siehe Antwort zu Frage 2.
5. Inwieweit ist das Bündnis tatsächlich „Impulsgeber und
Koordinationspunkt“ geworden?
Bei der Geschäftsstelle des Bündnisses gehen täglich ca. 70 Anfragen
(steigende Tendenz) ein. Die Beratungen und Vermittlungen durch die
Geschäftsstelle belegen die Funktion des Bündnisses als Impulsgeber und
Koordinationspunkt.
6. Hat sich das Bündnis nach Auffassung der Bundesregierung bisher
ausreichend im öffentlichen Bewusstsein als feste Institution verankert?
Wenn nein, worauf führt die Bundesregierung dies zurück?
Die Verankerung der Institution des Bündnisses im öffentlichen Bewusstsein
kann nicht von heute auf morgen gelingen. Sie beruht auf seriöser langfristiger
Arbeit. Die Grundlage hierfür hat das Bündnis u. a. durch seine jährliche
zentrale Veranstaltung am Verfassungstag, die Auszeichnung „Botschafter für
Toleranz“ und die Entwicklung von Modellprojekten geschaffen.
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7. Verfügt das Bündnis über ausreichend Personal, um die anfallende Arbeit
zu bewältigen?
Ist eine Aufstockung des Personals beabsichtigt, um die
Handlungsmöglichkeiten des Bündnisses zu erweitern?
Die erfreuliche Entwicklung des Bündnisses hat zur Folge, dass die Aufgaben
der Geschäftsstelle mit dem zunächst eingeplanten Personal nicht bewältigt
werden können. Daher werden der Geschäftsstelle demnächst zusätzliche
Mitarbeiter zur Verfügung gestellt.
8. Wie hoch waren die Kosten für die Gründungsveranstaltung am 23. Mai
2000 im Apollosaal der Staatsoper unter den Linden?
Die Gesamtkosten der Gründungsveranstaltung beliefen sich auf rd. 540 000,– DM.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung auf die Kleine Anfrage
der Abgeordneten Sabine Jünger und der Fraktion der PDS vom 29. Mai 2000
(Drucksache 14/3482), Frage 12 in Drucksache 14/3660 verwiesen.
9. Wie hoch waren die Kosten für die Veranstaltung am 23. Mai 2001 im
Roten Rathaus?
Die Kosten der Veranstaltung belaufen sich auf rd. 380 000,– DM.
10. Wie ist die Resonanz auf Diskussionsangebote bei Besuchen vor Ort
(Diskussionen in Schulen und Betrieben, Sportveranstaltungen etc. –
bitte nach den einzelnen Veranstaltungen aufschlüsseln)?
Bei Besuchen von Beiratsmitgliedern in Schulen, Betrieben und bei örtlichen
Initiativen, wurden Diskussionsangebote rege angenommen.
11. Welche Argumentationshilfen, Informations- und Lehrmaterialien
wurden bisher erstellt?
Wie werden diese angenommen (bitte nach einzelnen
Materialsammlungen aufschlüsseln)?
Bei der „Initiative Tageszeitung“ (ITZ) wurde eine Neuauflage der Arbeitshilfe
für Lokaljournalisten „Ausländer – Fremdenfeindlichkeit – Extremismus“ und
eine Sonderausgabe der „Drehscheibe“, einer Zeitschrift für Lokalredaktionen,
unter dem Titel „Gegen Rechts“ in Auftrag gegeben. Die Publikationen haben
einen festen Verteiler. Das Echo aus dem Kreise der Bezieher war
außerordentlich positiv. Die Resonanz auf die Sonderausgabe der Drehscheibe hat zu der
Entwicklung einer Seminarreihe für Lokaljournalisten und -politiker in den
neuen Ländern geführt, die nach wie vor durchgeführt wird.
12. Wann wird das „Lexikon der Initiativen“ fertig gestellt und der
Öffentlichkeit zugänglich sein?
Das „Lexikon der Initiativen“ wird derzeit aufgebaut und soll im Oktober 2001
im Internet verfügbar sein.
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13. Wann wird das Bündnis über eine eigene Website verfügen?
Das Bündnis hat bereits eine eigene, inhaltlich von ihm weitgehend selbst
gestaltete und verantwortete Website, die über
www.buendnis-toleranz.de separat
angesteuert werden kann. Aus technischen Gründen ist sie jedoch bisher in den
Internet-Auftritt des Bundesministeriums des Innern integriert. Es ist
vorgesehen, das Bündnis auch insoweit noch in diesem Jahr zu verselbstständigen.
14. Wie bewertet die Bundesregierung die bisherige Arbeit des Bündnisses?
Wo sieht sie Erfolge?
Wo sieht sie die Notwendigkeit von Verbesserungen?
Die bisherige Bilanz zeigt nach Auffassung der Bundesregierung eine positive
Entwicklung der Arbeit des Bündnisses auf. Dies haben auch
Bundesinnenminister Otto Schily und Bundesjustizministerin Prof. Dr. Herta Däubler-Gmelin
in ihren Reden am 23. Mai 2001 in Berlin deutlich gemacht. Im Übrigen wird
auf die Vorbemerkungen verwiesen.
15. Wie formuliert die Bundesregierung ein Jahr nach Aufnahme der Arbeit
im Bündnis die Ziele des Bündnisses?
Werden Ziele konkretisiert, sind Ziele hinzugekommen, mussten einzelne
Zielvorstellungen zurückgenommen werden?
Es besteht kein Anlass, die vor einem Jahr formulierten Zielsetzungen zu
verändern.
16. Welche Angebote müssen noch ausgebaut werden?
Generell ist es nach Auffassung der Bundesregierung nötig, die
Beratungstätigkeit des Bündnisses zu stärken und zu erweitern. Das gilt auch für Hinweise
und Hilfen zur finanziellen Förderung insbesondere kleinerer und lokaler
Initiativen und Projekte. Dies wird im Zuge der Personalverstärkung bei der
Geschäftsstelle des Bündnisses möglich werden. Die kurz- und mittelfristigen
Schwerpunkte der weiteren Entwicklung des Bündnisses sind:
– die Gestaltung des Internet-Auftritts,
– der Aufbau des „Lexikons der Initiativen“ und
– die Informationsarbeit, insbesondere für Lokalredakteure und -politiker,
sowie Auszubildende und jugendliche Arbeitnehmer in den Bauberufen.
17. Welche Organisationen haben eine Einladung zu der
Gründungsveranstaltung des Bündnisses am 23. Mai 2000 abgelehnt und mit welcher
Begründung?
Die Einladung zur Auftaktveranstaltung am 23. Mai 2000 hatten die „Aktion
Courage“, „amnesty international“ und „Pro Asyl“ abgelehnt, weil sie sich bei
deren Konzipierung nicht ausreichend beteiligt fühlten und befürchteten, dass
sich die Aktivität des Bündnisses auf diese Veranstaltung beschränken würde.
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18. Welche Organisationen haben eine Einladung zu der zentralen
Veranstaltung des Bündnisses in diesem Jahr abgelehnt und mit welcher
Begründung?
Es hat keine Organisation die Einladung zu der Veranstaltung am 23. Mai 2001
abgelehnt.
19. a) Wie reagiert das Bündnis auf solche Absagen?
b) Wie geht das Bündnis mit der in den Absagen formulierten
inhaltlichen Kritik um?
Entfällt – siehe Antwort zu Frage 18.
20. Wurde denjenigen Gruppen und Initiativen, die Kritik an dem Bündnis
und/oder an der zentralen Veranstaltung äußerten, geantwortet?
a) Wenn ja, was?
b) Wenn nein, warum nicht?
Bei der Geschäftsstelle des Bündnisses sind keine kritischen Stellungnahmen
zu dessen Arbeit insgesamt oder zu der Veranstaltung am 23. Mai 2001
eingegangen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 13 20, 53003 Bonn, Telefon (02 28) 3 82 08 40, Telefax (02 28) 3 82 08 44
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