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Kleine AnfrageWahlperiode 12Beantwortet

Beteiligung und Finanzierung des Bundes an Forschungsprojekten, in denen Testosteron-Versuche mit Sportlern vorgenommen wurden (G-SIG: 12010481)

Widerspruch zwischen einem offiziellen Forschungsprojekt und der Verwendung einer offiziell verbotenen Doping-Substanz, Einbeziehung des seinerzeit aus der DDR übergesiedelten Doping-Experten, Professor Dr. Hartmut Riedel, Vernachlässigung der Aufsichtspflicht des Bundesinnenministers über das beteiligte Bundesinstitut für Sportwissenschaft, Forderung nach Verschärfung der Strafvorschriften für Doping-Manipulationen durch den Initiator des Projekts, Professor Dr. Joseph Keul, Aufzählung der in die Versuchsreihen einbezogenen Athleten und Sportarten, Information und Haltung der beteiligten Verbände und Personen, Regelung der Dopingkontrollen für diese Athleten, Kenntnisse von weiteren staatlich geforderten Forschungsvorhaben mit Doping-Substanzen

Ressort

Bundesministerium des Innern

Datum

11.12.1991

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 12/151908.11.91

Beteiligung und Finanzierung des Bundes an Forschungsprojekten, in denen Testosteron-Versuche mit Sportlern vorgenommen wurden

der Abgeordneten Dr. Willfried Penner, Wilhelm Schmidt (Salzgitter), Brigitte Adler, Hermann Bachmaier, Hans Gottfried Bernrath, Friedhelm Julius Beucher, Dr. Ulrich Böhme (Unna), Hans Büttner (Ingolstadt), Klaus Daubertshäuser, Dr. Marliese Dobberthien, Elke Ferner, Norbert Formanski, Katrin Fuchs (Verl), Arne Fuhrmann, Monika Ganseforth, Iris Gleicke, Günter Graf, Michael Habermann, Manfred Hampel, Christel Hanewinckel, Dr. Liesel Hartenstein, Reinhold Hiller (Lübeck), Ilse Janz, Ernst Kastning, Dr. Hans-Hinrich Knaape, Horst Kubatschka, Dr. Klaus Kübler, Eckart Kuhlwein, Uwe Lambinus, Klaus Lohmann (Witten), Dr. Christine Lucyga, Dorle Marx, Siegmar Mosdorf, Rudolf Müller (Schweinfurt), Volker Neumann (Bramsche), Gerhard Neumann (Gotha), Doris Odendahl, Günter Oesinghaus, Dr. Helga Otto, Bernd Reuter, Gudrun Schaich-Walch, Siegfried Scheffler, Dieter Schloten, Rolf Schwanitz, Bodo Seidenthal, Johannes Singer, Wieland Sorge, Margitta Terborg, Günther Tietjen, Hans-Günther Toetemeyer, Siegfried Vergin, Dr. Hans-Jochen Vogel, Hans Georg Wagner, Ernst Waltemathe, Gerd Wartenberg (Berlin), Reinhard Weis (Stendal), Gunter Weißgerber, Gudrun Weyel, Hermann Wimmer (Neuötting), Berthold Wittich, Verena Wohlleben

Vorbemerkung

Unter der Bezeichnung „Über den Einfluß der oralen Gabe von Testosterondecaoat auf die Regenerationsfähigkeit nach intensiven Trainings-, Test- oder Wettkampfbelastungen" ist 1985 vom Bundesinstitut für Sportwissenschaft unter Beteiligung des Bundesministers des Innern, des Deutschen Sportbundes und des Nationalen Olympischen Komitees ein Forschungsprojekt bewilligt worden, in dem bis 1987 an Sportlern herausgefunden werden sollte, ob Testosteron ein Substitutions- und Regenerationsmittel sei.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen8

1

Ist den Handelnden seinerzeit bewußt gewesen, daß es sich bei dem Forschungsprojekt um Versuche mit Sportlern handelte, bei denen eine bereits indizierte Doping-Substanz verwendet wurde?

Warum ist im Zusammenhang mit der Vergabe des Forschungsauftrags in den Gremien des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp), in denen der Bundesminister des Innern, der Deutsche Sportbund und das Nationale Olympische Komitee hochrangig vertreten waren, diese Frage nicht problematisiert worden?

2

Galt die Forschungsarbeit tatsächlich nur der Klärung der Frage, ob Testosteron ein Substitutions- und Regenerationsmittel sein kann, oder war nicht vielmehr durch die Einbeziehung des gerade in jener Zeit aus der Deutschen Demokratischen Republik übergewechselten „Doping-Experten" Prof. Dr. Hartmut Riedel eine willkommene Gelegenheit genutzt worden, um „Doping-Forschung" auch in der Bundesrepublik Deutschland zu intensivieren?

Welche nachweislichen Anteile hat Prof. Dr. Riedel am Forschungsprojekt wahrgenommen?

3

Ist der Bundesregierung, speziell dem Bundesminister des Innern, nicht auch der Widerspruch klargeworden, der darin liegt, daß ein offizielles Forschungsvorhaben mit einer offiziell verbotenen Substanz durchgeführt wird?

4

Hält die Bundesregierung in dem dargelegten Fall nicht auch die vom Bundesminister des Innern wahrzunehmende Fach- und Rechtsaufsicht über das Bundesinstitut für vernachlässigt?

Welche Folgerungen werden aus diesem Versäumnis gezogen?

5

Was ist nach Auffassung der Bundesregierung davon zu halten, wenn der Initiator dieses Forschungsprojekts, Prof. Dr. Joseph Keul, auch in anderem Zusammenhang von der Autorin Brigitte Berendonk in ihrem Buch „Doping Dokumente" als aktiv handelnder „Doping-Mediziner" (wie auch weitere Sportmediziner im Westen wie im Osten Deutschlands) angeprangert wird, dieser nun aber plötzlich eine Verschärfung der Strafvorschriften für die Doping-Manipulationen ins Gespräch bringt?

6

Hält die Bundesregierung nicht auch die ersten Reaktionen aus dem Bundesministerium des Innern, man wisse von diesem Forschungsprojekt überhaupt nichts (dpa-Meldung vom 28. Oktober 1991), für besonders belastend im Gesamtzusammenhang mit der zur Zeit mit großer Schärfe geführten öffentlichen Debatte über die Aufarbeitung der Doping-Problematik?

Wie wird sie weiter reagieren?

7

Welche Athleten aus welchen Sportarten waren in die Versuchsreihen des Forschungsprojekts einbezogen?

Waren alle dabei beteiligten Verbände und Personen voll informiert über Art und Umfang der Versuche, und haben sie dem zugestimmt?

In welcher Weise wurden der Wettkampfverkehr und die damit nicht auszuschließenden Dopingkontrollen für diese Athleten geregelt, um ein „Auffliegen" der Testosteron-Anwendung zu verhindern?

8

Sind der Bundesregierung weitere staatlich geförderte Forschungsprojekte mit Doping-Substanzen bekannt?

Bonn, den 8. November 1991

Dr. Willfried Penner Wilhelm Schmidt (Salzgitter) Brigitte Adler Hermann Bachmaier Hans Gottfried Bernrath Friedhelm Julius Beucher Dr. Ulrich Böhme (Unna) Hans Büttner (Ingolstadt) Klaus Daubertshäuser Dr. Marliese Dobberthien Elke Ferner Norbert Formanski Katrin Fuchs (Verl) Arne Fuhrmann Monika Ganseforth Iris Gleicke Günter Graf Michael Habermann Manfred Hampel Christel Hanewinckel Dr. Liesel Hartenstein Reinhold Hiller (Lübeck) Ilse Janz Ernst Kastning Dr. Hans-Hinrich Knaape Horst Kubatschka Dr. Klaus Kübler Eckart Kuhlwein Uwe Lambinus Klaus Lohmann (Witten) Dr. Christine Lucyga Dorle Marx Siegmar Mosdorf Rudolf Müller (Schweinfurt) Volker Neumann (Bramsche) Gerhard Neumann (Gotha) Doris Odendahl Günter Oesinghaus Dr. Helga Otto Bernd Reuter Gudrun Schaich-Walch Siegfried Scheffler Dieter Schloten Rolf Schwanitz Bodo Seidenthal Johannes Singer Wieland Sorge Margitta Terborg Günther Tietjen Hans-Günther Toetemeyer Siegfried Vergin Dr. Hans-Jochen Vogel Hans Georg Wagner Ernst Waltemathe Gerd Wartenberg (Berlin) Reinhard Weis (Stendal) Gunter Weißgerber Gudrun Weyel Hermann Wimmer (Neuötting) Berthold Wittich Verena Wohlleben

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