Gesundheitsschädigende Gefährdung durch Pyrethrum und Pyrethroide („naturidentische” Insekten- und Schädlingsbekämpfungsmittel)
der Abgeordneten Antje-Marie Steen, Brigitte Adler, Lieselott Blunck, Ursula Burchardt, Marion Caspers -Merk, Dr. Marliese Dobberthien, Elke Ferner, Karl Hermann Haack (Extertal), Dr. Liesel Hartenstein, Reinhold Hiller (Lübeck), Ilse Janz, Horst Jungmann (Wittmoldt), Susanne Kastner, Klaus Kirschner, Siegrun Klemmer, Dr. Hans-Hinrich Knaape, Horst Kubatschka, Eckart Kuhlwein, Brigitte Lange, Markus Meckel, Ulrike Mehl, Jutta Müller (Völklingen), Gerhard Neumann (Gotha), Doris Odendahl, Manfred Opel, Horst Peter (Kassel), Dr. Martin Pfaff, Renate Rennebach, Gudrun Schaich-Walch, Siegfried Scheffler, Horst Schmidbauer (Nürnberg), Ursula Schmidt (Aachen), Dr. R. Werner Schuster, Erika Simm, Dr. Cornelie Sonntag-Wolgast, Wieland Sorge, Uta Titze, Gudrun Weyel, Verena Wohlleben
Vorbemerkung
Die sogenannten Pyrethroide werden vermehrt in Haushalten mit dem Hinweis größerer Umweltverträglichkeit an Stelle der eindeutig als gesundheitsschädlich erkannten und verbotenen Insektizide wie Lindan oder DDT eingesetzt. Doch das natürliche Pyrehtrum und die Pyrethroide, als sogenannte naturidentische Insekten- und Schädlingsbekämpfungsmittel, stellen ein nicht zu vernachlässigendes Risiko dar. Insbesondere ist die Gefährdung der menschlichen Gesundheit eindeutig.
Nach dem bereits 1984 erstellten Jahresbericht des Forschungszentrums für Umwelt und Gesundheit GmbH (GSF), Neuherberg, werden sie als hoch toxisch beschrieben. Sie blockieren die Informationsübertragung im Nervensystem. Die hohe Toxizität der als Nervengift wirksamen Substanzen übersteigt die der früher verwendeten Insektizide. Es kann bereits bei niedrigen Dosen, durch Akkumulation der Pyrethroide, zu folgenschweren Vergiftungen mit dem Krankheitsbild schwerer Nervenläsionen kommen. Diese Wirkungen haben sich in Testexperimenten bei Tieren als irreversibel erwiesen. Zudem wurden in Tierversuchen frucht- und erbgutschädigende Effekte beobachtet. Untersuchungen des Bundesgesundheitsamtes weisen auf einen nur langsam verlaufenden Abbau der Wirkstoffe hin und lassen vermuten, daß nachhaltige Veränderungen auch im menschlichen Erbgut möglich sind.
Wir fragen deshalb die Bundesregierung:
Fragen10
Trifft es zu, daß das Bundesgesundheitsamt bereits zahlreiche Fälle von Pyrethroidvergiftungen registriert hat, und wo hat eine Veröffentlichung dieser Toxizitätsfälle stattgefunden?
Ist der Bundesregierung bekannt, daß nach der Verwendung in geschlossenen Räumen die Ausdünstungen der Pyrethrumprodukte zu schweren gesundheitlichen Belastungen führen, da diese Ausdünstungen über viele Jahre erfolgen und sich nur langsam abbauen?
In welcher Form erfolgen Warnungshinweise bezüglich dieser langanhaltenden Gesundheitsschädigung?
Ist der Bundesregierung bekannt, daß es bereits aufgrund von Pyrethroidvergiftungen zu Rentenansprüchen gekommen ist?
Ist der Bundesregierung bekannt, daß ausländische Labors bei Fütterungsexperimenten nachgewiesen haben, daß Pyrethroide in chemisch veränderter Form in Gehirnen-von Versuchstieren (Hühner, Kühe, Affen) gespeichert werden?
Hat die Bundesregierung Erkenntnisse darüber, welche Folgen die Speicherung der o. g. Stoffe im menschlichen Gehirn auf den gesamten Organismus hat (z. B. Symptome des Parkinson)?
Hat die Bundesregierung aus den bisherigen Erkenntnissen einen Handlungsrahmen bzg. des Umgangs mit den entsprechenden Substanzen abgeleitet?
Welche Vorkehrungen hat die Bundesregierung bisher getroffen, um die Verbraucher über die Toxizität der Pyrethroide zu informieren?
Wie begründet und gewährleistet die Bundesregierung die Unbedenklichkeit für diese Präparate, vor allem im Sinne des Verbraucherschutzes, trotz der oben genannten Erkenntnisse?
Plant die Bundesregierung die Untersagung des Einsatzes pyrethrum- und pyrethroidhaltiger Produkte?