Kupferhaltige Trinkwasser und frühkindliche Leberzirrhose
der Abgeordneten Michael Müller (Düsseldorf), Hermann Bachmaier, Friedhelm Julius Beucher, Lieselott Blunck, Ursula Burchardt, Marion Caspers-Merk, Klaus Daubertshäuser, Dr. Marliese Dobberthien, Ludwig Eich, Lothar Fischer (Homburg), Arne Fuhrmann, Monika Ganseforth, Dr. Liesel Hartenstein, Renate Jäger, Horst Jungmann (Wittmoldt), Susannè Kastner, Siegrun Klemmer, Volkmar Kretkowski, Horst Kubatschka, Dr. Klaus Kübler, Klaus Lennartz, Ulrike Mehl, Jutta Müller (Völklingen), Jan Oostergetelo, Manfred Reimann, Harald B. Schäfer (Offenburg), Otto Schily, Karl-Heinz Schröter, Dietmar Schütz, Ernst Schwanhold, Hans Georg Wagner, Wolfgang Weiermann, Reinhard Weis (Stendal), Dr. Axel Wernitz
Vorbemerkung
In den letzten Jahren sind in Verbindung mit der Verwendung von kupferhaltigem Wasser für die Säuglingsernährung 22 Fälle frühkindlicher Leberzirrhose bekanntgeworden, davon 13 mit Todesfolge. In vielen Fällen stammte das verwendete Wasser aus Privatbrunnen und war stark sauer und korrosiv. Schon frühzeitig nach Bekanntwerden dieser Informationen reichte die Universitätskinderklinik München zusammen mit der GSF Neuherberg und dem Bundesgesundheitsamt Berlin ein Forschungsverbundprojekt zur Förderurig beim Bundesministerium für Forschung und Technologie ein. Dieses Projekt war interdisziplinär angelegt und umfaßte epidemiologische, klinische, biochemische und wasserchemische Aspekte des Problems.
Mit der Hilfe einer derartigen Studie sollten die Bedingungen untersucht werden, unter denen Erkrankungsfälle dieser Art auftreten können, um auf wissenschaftlicher Grundlage zu einer eindeutigen Bewertung von Kupferleitungen für den Wassertransport zu kommen und um daraus möglicherweise notwendige ordnungsrechtliche Konsequenzen zu ziehen. Bisher hat das Bundesministerium für Forschung und Technologie noch keine Entscheidung über die Förderung dieses wichtigen Projekts getroffen.
Wir fragen deshalb die Bundesregierung:
Fragen7
Wann haben die Antragsteller ihr Vorhaben erstmals zur Förderung vorgelegt? Wann wurde ihnen bei der allseits erkannten Dringlichkeit des Vorhabens ein Anfangs- oder Zwischenbescheid erteilt?
Ist es richtig, daß dieses Forschungsprojekt deshalb durch das Bundesministerium für Forschung und Technologie nicht zur Förderung vorgesehen wurde, weil es – ein zu komplexes Projekt sei, – sich um eine unmittelbar gesundheitsbezogene Forschung handele, die nicht vom Bundesministerium für Forschung und Technologie, sondern nur vom Bundesminister für Gesundheit gefördert werden könne?
Ist es richtig, daß das Bundesministerium für Gesundheit aktuelle gesundheitsbezogene Forschungsvorhaben, sofern sie unter aktiver Beteiligung des Bundesgesundheitsamtes abgewickelt werden, aus angeblich haushaltsrechtlichen Gründen nicht fördert?
In welchem Umfang kann das Bundesgesundheitsamt aktuelle gesundheitsbezogene Forschungsvorhaben mit dem vorhandenen Personalbestand und den vorhandenen Finanzmitteln durchführen? Stimmt es, daß dem Bundesgesundheitsamt für derartige Vorhaben seit einigen Jahren keine Zeitstellentitel mehr zur Verfügung stehen?
Wie bewertet die Bundesregierung die Finanz- und Personalausstattung des Wasser-, Boden- und Luftinstituts des Bundesgesundheitsamtes? In welchem Umfang kann damit eine umweltbezogene Gesundheitsforschung durchgeführt werden?
Seit wann liegt ein reduzierter Projektantrag zum Zusammenhang von „Kupferhaltigem Trinkwasser und frühkindlicher Leberzirrhose" den Entscheidungsgremien des Bundesministers für Forschung und Technologie vor? Ist hierzu eine Entscheidung gefallen, und wann sind die Antragsteller durch einen Zwischenbescheid über den Stand des Verfahrens informiert worden?
Was gedenkt die Bundesregierung zu unternehmen, um Forschungen zur Klärung der ursächlichen Beteiligung von Kupfer und/oder anderer wasserseitiger Faktoren an der Entstehung der frühkindlichen Leberzirrhose zu fördern?