Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
12. Wahlperiode
Drucksache 12/4424
24. 02. 93
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe
der PDS/Linke Liste
— Drucksache 12/4170 —
Der Verein für das Deutschtum im Ausland, die Verwendung von Bundesmitteln
zur Förderung deutscher Minderheiten in osteuropäischen Ländern
und der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Horst Waffenschmidt
1989 wurde der Parlamentarische Staatssekretär im Bundesministerium
des Innern, Dr. Horst Waffenschmidt, der jetzige Aussiedlerbeauftragte
der Bundesregierung, in den Verwaltungsrat des Vereins für das
Deutschtum im Ausland (VDA) gewählt (vgl. Globus 5/1989). Dr. Horst
Waffenschmidt sitzt in diesem VDA-Gremium u. a. neben dem
Vorsitzenden der rechtsextremen Österreichischen Landsmannschaft, Helmut
Kowarik, und dem wegen seiner rechtsextremen Vergangenheit
umstrittenen ehemaligen Bürgermeister von Kronshagen, Thomas Darsow.
In der Zeitschrift „DER SPIEGEL" 35/1992 wird darauf hingewiesen,
daß Mittel aus dem Bundeshaushalt, die dem VDA gegeben wurden „in
den Kassen versickerten". Die Zeitschrift „DER SPIEGEL" stellt fest, daß
der VDA, nachdem er lange Zeit ein Schattendasein geführt hat, 1990
„neuen Schwung" erhalten hat, „seit die Bundesregierung unter ihrem
Aussiedlerbeauftragten Dr. Horst Waffenschmidt (CDU) versucht, mit
Millionengaben Deutschstämmige in der ehemaligen Sowjetunion vom
Treck in die Bundesrepublik abzuhalten". Allein seit 1990 hat der VDA
112,4 Mio. DM für Projekte in der früheren UdSSR erhalten.
„DER SPIEGEL" schreibt: „Der unverhoffte Geldsegen kam den
Vereinsherren zupaß. Um so strenger rügte der Bundesrechnungshof ihr
Geschäftsgebaren. Die Prüfer aus Frankfurt stellten unter anderem fest,
daß
— eine ,schlüssige Konzeption' für das Bonner Mega-Projekt fehlte, die
Hilfe dadurch gar nicht oder an falscher Stelle ankam;
— der VDA mit dem Millionen-Auftrag überfordert war, das Bonner
Innenministerium sich aber nur ,auf die Rolle des Geldgebers'
beschränkt und keine wirksame Kontrolle ausgeübt habe;
— der Deutschtumsverein mit den Steuergeldern allzu freizügig
umging. Statt bei Auslandsdeutschen landete ein Teil der Mittel erst
einmal auf Festgeldkonten des VDA. Statt die Aufträge
auszuschreiben, schusterte der VDA ,einer ihm nachstehenden Firma Aufträge
zu weit überhöhten Preisen' (Rechnungshof) zu" ( „DER SPIEGEL"
35/1992, S. 25).
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern vom 23.
Februar 1993 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich — in kleinerer Schrifttype — den Fragetext.
Und zum Verhalten des Bundesministeriums des Innern (BMI) vermerkt
„DER SPIEGEL" : „Wegen der ,besonderen politischen und
wirtschaftlichen Dringlichkeit', so ein BMI-Vermerk vom 19. Dezember 1990,
müsse das Geld für den VDA ,ohne das normalerweise schriftliche
Antragsverfahren bewilligt werden'. Schon neun Tage später wurden
34,6 Mio. Mark aus der Bundeskasse überwiesen — im voraus und
telegrafisch" (ebenda).
Die Gelder, die der VDA für projektierte Käsereien, Metzgereien und
Bäckereien für die Rußlanddeutschen aus Bundesmitteln erhielt,
wanderten zum Teil auf ein Festgeldkonto der Deutschen Bank und
brachten dem VDA allein 1991 rund 432 000 DM Zinsen. Die Zeitschrift „DER
SPIEGEL" schreibt weiter: „Dem Auswärtigen Amt war die ganze
Millionen-Aktion von Anfang an suspekt. ,Die Projekte' tadelten die
Diplomaten bei einer Besprechung im April 1991, seien ,im Prinzip
Geschenke, mit denen relativ wenige beglückt würden' ''.
An anderer Stelle schreibt die Zeitschrift „DER SPIEGEL" : „Wie
geschmiert liefen die Geschäfte mit BMI-Geldern vor allem, wenn alte
Bekannte und VDA-nahe Firmen eingeschaltet wurden. ,Freihändig', so
kritisiert der Rechnungshof, habe der VDA die Abwicklung des
34,6 Millionen-Projekts an eine Firma mit Sitz in Salzgitter und Moskau
vergeben. Anfragen deutscher Firmen, die mitmachen wollten, wurden
von der Botschaft in Moskau wahrheitsgemäß beschieden: Der VDA
habe das Projekt ,exklusiv' vergeben.
Trotz des Protestes der deutschen Diplomaten wurden Ausschreibungen
weiterhin nicht vorgenommen. Dafür kam — nach Rechnungshof-
Recherchen auf Weisung des VDA-Bundesgeschäftsführers Karsten Schla
-
melcher — immer wieder die Firma Interform in Moskau zum Zuge.
Wer dahintersteckt, ermittelte die Botschaft für die Frankfurter Prüfer:
Neben dem russischen Kleinunternehmen ,Kolak' mit einer ,kleinen
formellen Beteiligung' (Rechnungshof) die Verlags- und Vertriebs
GmbH aus Sankt Augustin bei Bonn als Mehrheitseigentümer. Deren
Gesellschafter ist laut Bericht der VDA.
Neben Geschäftsführer Karsten Schlamelcher sitzt auch der Moskauer
VDA-Bürochef Joachim Müller im Interform-Vorstand zusammen mit
einem dritten Deutschen, der laut Rechnungshof zugleich ,Projektarbeit
für den VDA und das BMI leistet' — als ,Berater von Staatssekretär Dr.
Waffenschmidt (Prüfbericht). (...)
Ende 1991 beantragte der VDA beim BMI knapp zwei Mio. Mark für
100 000 Wörterbücher, schon im Dezember kam das Geld aus Bonn. Den
Auftrag bekam natürlich Interform, obwohl laut Rechnungshof ein
Einkauf bei Langenscheidt in Deutschland 638400 Mark, der Druck bei
einem Moskauer Verlag gar 1,2 Mio. Mark billiger geworden wäre"
(ebenda).
Vorbemerkung
1. Mit der Kleinen Anfrage wird erneut versucht, den Verein für
das Deutschtum im Ausland (VDA) in den Geruch des
Rechtsextremismus zu bringen. Derartige Verdächtigungen sind
grundlos und daher zurückzuweisen.
Auf die Antworten der Bundesregierung auf die Kleinen
Anfragen der Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/
Linke Liste (Drucksachen 12/2355, 12/3088 und 12/3294) in
Drucksache 12/2455 vom 21. April 1992, Drucksache 12/3191
vom 27. August 1992 und Drucksache 12/3641 vom 5.
November 1992 wird Bezug genommen.
Der VDA verfolgt satzungsgemäß keine parteipolitischen Ziele,
ist überkonfessionell und steht auf dem Boden des
Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland.
Der VDA genießt wegen seiner langjährigen, behutsamen und
erfolgreichen Tätigkeit zugunsten deutscher Minderheiten
nicht nur Wertschätzung und Anerkennung in Deutschland.
Auch die Regierungen anderer Länder, in denen Deutsche
leben, würdigen die Arbeit des VDA.
Für die Mitarbeit in den Gremien des VDA haben sich zahl
reiche, in Wirtschaft, Politik und im gesellschaftlichen Leben
bewährte und anerkannte Persönlichkeiten zur Verfügung
gestellt, darunter auch Vertreter des Bundes und der Länder.
Ihnen allen ist für diesen selbstlosen Einsatz zu danken.
Im übrigen ist es im zusammenwachsenden Europa nur zu
begrüßen, wenn in solchen Organisationen wie dem VDA auch
Bürger anderer europäischer Staaten vertreten sind.
Mit Bezug auf die Vorbemerkung und die Fragen 11, 13, 15 bis
17 und 20 wird der Vollständigkeit halber festgestellt, daß der
Bundesregierung keine Informationen darüber vorliegen, daß
deutsche oder ausländische Rechtsextremisten dem
Verwaltungsrat des VDA angehören.
2. Darüber hinaus stützt sich die Kleine Anfrage im wesentlichen
auf Behauptungen, die einem den VDA betreffenden Beitrag
des Wochenmagazins „DER SPIEGEL" (Nr. 35/1992)
entnommen sind. Hierbei handelt es sich um Informationen, die „DER
SPIEGEL" von der Bundesregierung nicht bekannter Seite aus
einem noch nicht abgeschlossenen Prüfungsverfahren des
Bundesrechnungshofes erhalten hat.
Die Bundesregierung sieht sich gehindert, vor dem förmlichen
Abschluß des laufenden Prüfungsverfahrens zu diesen
Behauptungen öffentlich Stellung zu nehmen. Die vom
Wochenmagazin „DER SPIEGEL" bezogenen Schlußfolgerungen teilt sie
nicht.
1. Ist der Bundesregierung bekannt, daß der Parlamentarische
Staatssekretär Dr. Horst Waffenschmidt 1989 in den Verwaltungsrat des
VDA gewählt worden ist?
Ja.
a) Wenn ja, seit wann ist der Bundesregierung diese Tatsache
bekannt?
Der Bundesregierung war diese Tatsache von Anfang an bekannt.
b) Hat die Bundesregierung durch die Mitgliedschaft des
Parlamentarischen Staatssekretärs Dr. Horst Waffenschmidt im
Verwaltgungsrat des VDA nicht die Gefahr eines „Personalfilzes"
(„DER SPIEGEL" 35/1992) gesehen?
Nein. Vertreter der Bundesregierung sind in Aufsichtsgremien
zahlreicher bundesweit tätiger Organisationen vertreten, mit
denen die Bundesregierung bei der Erfüllung ihrer Aufgaben
zusammenarbeitet oder deren Arbeit sie fördert.
Im übrigen wird auf Nummer 1, Abs. 5 der Vorbemerkung
verwiesen.
2. In welchen Punkten insgesamt hat der Bundesrechnungshof das
Geschäftsgebaren des VDA gerügt?
3. Trifft es zu, daß der VDA bei der Vergabe von aus Bundesmitteln
finanzierten Aufträgen keine Ausschreibungen vorgenommen hat,
und wenn ja, in welchen konkreten Fällen ist dies geschehen?
4. Trifft es zu, daß die VDA-nahe „Interform" immer wieder Aufträge
aus Bundesmitteln erhalten hat, auch wenn die „Interform" die
Aufträge völlig überteuert ausgeführt hat, und wenn ja, welche genaue
Kenntnis hat die Bundesregierung davon?
5. Trifft es zu, daß der VDA laut BMI-Vermerk vom 19. Dezember
1990 wegen der „besonderen politischen und wi rtschaftlichen
Dringlichkeit" 34,6 Mio. DM „ohne das normalerweise schriftliche
Antragsverfahren bewilligt" ( „DER SPIEGEL" 35/1992) hatte und
der VDA schon neun Tage später die Gelder im voraus und
telegrafisch überwiesen bekommen hatte, und wenn ja, wie erklärt die
Bundesregierung dies?
6. Trifft es zu, daß diese Gelder dann zum Teil, trotz der angeblichen
Dringlichkeit, monatelang auf einem Festgeldkonto bei der
Deutschen Bank lagen und dem VDA allein 1991 rund 432 000 DM
Zinsen brachten, und wenn ja, seit wann hat die Bundesregierung
davon Kenntnis, wie bewertet sie dies und welche Konsequenzen
hat sie daraus gezogen oder gedenkt sie daraus zu ziehen?
a) Womit war — vor diesem Hintergrund — die „besondere
politische und wirtschaftliche Dringlichkeit" der Bewilligung der
34,6 Mio. DM begründet worden?
b) Wie ist der Einsatz dieser Gelder durch den VDA von der
Bundesregierung kontrolliert worden?
7. Trifft es zu, daß in einer Besprechung im April 1991 im Auswärtigen
Amt die Projekte des VDA in der GUS als „im Prinzip Geschenke,
mit denen relativ wenige beglückt würden" bezeichnet worden
sind, und wenn ja, wie ist diese Kritik weiter verfolgt worden?
Das Prüfungsverfahren ist noch nicht abgeschlossen (siehe
Nummer 2 der Vorbemerkung).
8. Welche Schritte hat die Bundesregierung im einzelnen
unternommen, um die gegen den VDA in der Kleinen Anfrage „Der Verein
für das Deutschtum im Ausland und der Einsatz von Bundesmitteln
zur Förderung deutscher Minderheiten in osteuropäischen
Ländern" (Drucksache 12/3294) erhobenen Vorwürfe zu prüfen?
Auf die Antwort auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ulla
Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste (Drucksache 12/3294)
in Drucksache 12/3641 vom 5. November 1992 wird Bezug
genommen.
In der Zwischenzeit haben wiederum zahlreiche Gespräche mit
den gewählten Vertretern der deutschen Minderheiten
stattgefunden, bei denen die Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung so
weit wie möglich mit ihnen abgestimmt wurden. Verantwortliche
rußlanddeutsche Funktionsträger haben noch am 18. Januar 1993
in Bonn gegenüber der Bundesregierung die Arbeit des VDA und
die Betreuung zahlreicher Projekte durch den VDA ausdrücklich
gelobt, so z. B. die beiden deutschen Landräte Prof. Bruno Reiter
aus Asowo (Gebiet Omsk) und Josef Bernhardt aus Halbstadt
(Altai-Gebiet).
a) War der Bundesregierung zu diesem Zeitpunkt die immerhin
schon in der Zeitschrift „DER SPIEGEL" veröffentlichte Rüge
des Bundesrechnungshofes an dem VDA bekannt?
Deutscher Bundestag — 12. Wahlperiode Drucksache 12/ 4424
Die genannte Veröffentlichung war bekannt.
b) Hält sie heute ihre dazu am 5. November 1992 gegebene
Antwort (Drucksache 12/3641) aufrecht?
c) Bleibt die Bundesregierung nach nochmaliger Vorhaltung bei
ihrer Antwort?
Die Bundesregierung hält an ihrer zutreffenden Antwort in
Drucksache 12/3641 vom 5. November 1992 fest.
9. In welcher seiner Funktionen wurde der Parlamentarische
Staatssekretär Dr. Horst Waffenschmidt zur Aufklärung des Sachverhalts
befragt?
Zu einer Befragung des Parlamentarischen Staatssekretärs Dr.
Horst Waffenschmidt bestand kein Anlaß.
10. Wie viele Vertreterinnen/Vertreter aus der Bundesregierung, hohe
Beamte aus dem BMI, dem Auswärtigen Amt oder anderen
Ministerien haben führende Positionen im VDA inne oder sind in den
Verwaltungsrat gewählt worden?
Weder Vertreter der Bundesregierung noch Beamte aus
Bundesministerien haben eine Position im VDA inne.
Dem Verwaltungsrat des VDA gehört, wie erwähnt, der
Parlamentarische Staatssekretär Dr. Horst Waffenschmidt an (siehe
Nummer 1 der Vorbemerkung und Antwort zu Frage 1). Als
Ersatzmitglied gehört dem Verwaltungsrat ein Beamter des
Auswärtigen Amtes an. Er nimmt diese Aufgabe nicht im dienstlichen
Auftrag, sondern aufgrund p rivater Initiative wahr.
11. Ist der Bundesregierung bekannt, daß der Parlamentarische
Staatssekretär Dr. Horst Waffenschmidt im Verwaltungsrat des VDA dort
neben den Vorsitzenden der rechtsextremen Österreichischen
Landsmannschaft, Helmut Kowarik, sitzt?
Siehe Vorbemerkung.
Die Bundesregierung verurteilt jedwede extremistische oder
antisemitische Äußerung auf das schärfste.
a) Welche verfassungsschutzrelevanten Erkenntnisse hat die
Bundesregierung über die Österreichische Landsmannschaft und
deren Zeitschrift „Eckartbote"?
Keine.
b) Ist der Bundesregierung bekannt, daß in der Zeitschrift „Eckart
-
bote” 4/1977 u. a. der Schillerpreisträger Hein rich Härtle wie
folgt „gewürdigt" wurde: Er unternimmt es, „das jahrtausend
alte Phänomen der jüdischen Einzigartigkeit und der weltweiten
Judengegnerschaft auf seine Grundtatsachen zurückzuführen.
(...) Er weist nach, was den Juden die instinktive Feindschaft
aller Völker eingetragen hat: der Auserwähltheitsglaube ihrer
Religion (,Jahweismus'), ihre durch das Rabbinertum bewußt
hochgezüchtete und bewahrte blutsmäßige und geistige
Inzucht, kurzum ihre völlige Andersartigkeit, die sie in jeder
Umwelt als Fremdkörper erscheinen ließ."?
c) Ist der Bundesregierung bekannt, daß in dem gleichen Artikel
der Antisemitismus als „natürliche Abwehrreaktion aller
Wirtsvölker" bezeichnet wird?
d) Ist der Bundesregierung bekannt, daß in der gleichen Ausgabe
der Zeitschrift „Eckartbote" die Vergasung von sechs Mio.
Juden in deutschen KZ als „bösartige Propaganda" bezeichnet
wurde, die „der geschichtlichen Wahrheitsforschung in keiner
Weise" standhält?
Nein.
e) Wieso ist die Österreichische Landsmannschaft und deren
Zeitschrift „Eckartbote" nicht unter Verbindungen zu
ausländischen Rechtsextremisten im Verfassungsschutzbericht
aufgeführt?
Dazu bestand kein Anlaß.
12. Was hat man heute nach Kenntnis der Bundesregierung unter
— Volkstumsarbeit,
— Grenzlandsdeutschen,
— deutsche Schutz- und Kulturarbeit im Ausland
zu verstehen?
Die Grundsätze kultureller Hilfe der Bundesregierung für die
Deutschen in Mittel- und Osteuropa sind im Bericht der
Bundesregierung zur Verbesserung der kulturellen Lage der Deutschen
in Mittel- und Osteuropa (Drucksache 12/2310 vom 20. März
1992) enthalten.
13. Hat die Bundesregierung bei der Prüfung des VDA auf seine
Tauglichkeit als Mittlerorganisation festgestellt, daß Vertreter
rechtsextremer österreichischer und italienischer Gruppierungen in
dessen Verwaltungsrat sitzen?
Auf die Antwort zu Frage 4 auf die Kleine Anfrage der
Abgeordneten Ulla Jelpke und der Gruppe der PDS/Linke Liste
(Drucksache 12/3088) in Drucksache 12/3191 vom 27. August 1992 sowie
Nummer 1 der Vorbemerkung wird Bezug genommen.
a) Hat sich der Parlamentarische Staatssekretär Dr. Horst
Waffenschmidt vor seiner Bereitschaft, im Verwaltungsrat des VDA
tätig zu werden, darüber informiert, warum Vertreter
österreichischer und italienischer Organisationen in diesem
Gremium vertreten sind?
Siehe Vorbemerkung (Nummer 1).
b) Befürchtet die Bundesregierung, daß diese Mittlerorganisation
durch diese Zusammensetzung des Verwaltungsrates in
großdeutschen Geruch kommen könnte?
Nein.
14. Hat die Bundesregierung verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse
darüber, daß 1976 beim Wissenschaftlichen Dienst des Deutschen
Bundestages eine Ausarbeitung über das Auslandsdeutschtum in
Auftrag gegeben wurde und daß sich dieses Gutachten u. a. auf
Artikel der rechtsextremen Zeitungen „Nation Europa" und die
„Eckart-Schriften" stützte?
Nein.
Wenn ja, welche?
Entfällt.
i) Ist der Bundesregierung bekannt, daß dieses Gutachten als
Büchlein herausgegeben wurde, und wie bewertet die
Bundesregierung dies?
Nein.
15. Hat die Bundesregierung verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse
darüber, daß das Verwaltungsratsmitglied des VDA, Thomas
Darsow, früher Aktivist des rechtsextremen Ostpolitischen Deutschen
Studentenverbandes war und dort Kontakte zum Hilfskomitee
Südliches Afrika, zur Jugendorganisation der NPD, den Jungen
Nationaldemokraten und der rechtsextremen „Göttinger Runde" hatte
und bis 1979 in der rechtsextremen Zeitung „Tendenz" Redakteur
war?
Wenn ja, welche?
Nein.
16. Hat die Bundesregierung aufgrund Erkenntnissen des
Bundesamtes für Verfassungsschutz feststellen können, daß Bernd Längin, bis
1989 Chefredakteur der VDA-Zeitung „Globus", in der
rechtsextremen Zeitung „Wir selbst" publizierte?
Nein.
17. Ist der Bundesregierung aufgrund Recherchen des Bundesamtes für
Verfassungsschutz bekannt, daß der stellvertretende Bundesvorsit
-
zende des VDA, Dr. Rolf Sauerzapf, Mitglied in der rechtsextremen
Evangelischen Notgemeinschaft Deutschlands ist und u. a. Referent
beim Hilfskomitee Südliches Afrika war und in der Zeitung
„Criticón" publizierte?
Drucksache 12 /4424 Deutscher Bundestag — 12. Wahlperiode
Nein.
18. Welche Differenzen hatte die Bundesregierung mit dem VDA in der
Republik Südafrika wegen dessen Umgang mit der „Kameradschaft
ehemaliger deutscher Soldaten und Internierter"?
Die Bundesregierung hat keine Erkenntnisse über eine Tätigkeit
einer „Kameradschaft ehemaliger deutscher Soldaten und
Internierter" in Südafrika. Ihr liegen deshalb auch keine Erkenntnisse
über die behauptete Zusammenarbeit einer solchen Organisation
mit dem VDA vor.
19. Hatte oder hat die Bundesregierung Differenzen mit dem
„Deutschen Verein' in Pretoria, weil dessen Club laut Beschluß von 1950
nicht „für alle Rassen zugänglich" (Globus 4/1989) war und ist?
Soweit der Bundesregierung bekannt, sind im „Deutschen Verein
— Pretoria" Gäste aller Bevölkerungsgruppen zugelassen. Nähere
Kenntnisse über den Verein, bei dem es sich um eine private
Organisation handelt, hat die Bundesregierung nicht.
20. Ist der Bundesregierung aufgrund Recherchen des Bundesamtes für
Verfassungsschutz bekannt, daß Toni Herget (u. a. Autor in der
rechtsextremen „Deutschen-Wochenzeitung", Referent bei der
Gesellschaft für freie Publizistik, Mitglied im rechtsextrem
durchsetzten Witiko-Bund) in der VDA-Zeitung „Globus" publizierte?
Nein.
21. Trifft es zu, daß der VDA in der Zeit von 1933 bis 1945 von den
Nazis auch zu Zwecken der Spionage genutzt wurde, und welche
Kenntnisse hat die Bundesregierung darüber?
Nicht bekannt.
22. Wurde und wird der VDA, oder werden dessen Mitglieder heute
vom Bundesnachrichtendienst bei der Auskundschaftung anderer
Länder genutzt, und wenn ja, wann, in welchen Ländern, und wie
geschah bzw. geschieht dies (bitte genau aufführen)?
Über die Tätigkeit des Bundesnachrichtendienstes wird der
Deutsche Bundestag ausschließlich in den gesetzlich dafür
vorgesehenen Gremien unterrichtet.]