Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
9. Wahlperiode
Drucksache 9/229
13.03.81
Sachgebiet 221
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Lenzer, Pfeifer, Dr. Probst, Gerstein,
Dr. Bugl, Engelsberger, Dr. Hubrig, Eymer (Lübeck), Maaß, Neuhaus, Prangenberg,
Weirich, Dr. Riesenhuber, Dr. Stavenhagen, Rühe, Spilker, Dr. Laufs,
Dr. Kunz (Weiden), Röhner und der Fraktion der CDU/CSU
— Drucksache 9/194 —
Grundlagenforschung in der Bundesrepublik Deutschland
Der Bundesminister für Forschung und Technologie — 214 — 3600 Q
— hat mit Schreiben vom 9. März 1981 die Kleine Anfrage namens
der Bundesregierung wie folgt beantwortet:
1. Wie hoch ist der Anteil der Grundlagenforschung im
Gesamthaushalt des Bundesministeriums für Forschung und Technologie,
aufgeschlüsselt jeweils für das Ist der Jahre 1975 bis 1980, für den
Haushaltsentwurf 1981 und für die mittelfristige Finanzplanung
1982 his 1984?
Der Anteil der Grundlagenforschung am Gesamthaushalt des
Bundesministeriums für Forschung und Technologie betrug 1975:
31 v. H., 1976: 34 v.H., 1977: 34 v.H., 1978: 34 v. H., 1979: 31 v. H.
und 1980 (vorläufiges Ist): 31 v. H.
Dieser Anteil soll auch in den Jahren 1981 bis 1984 erreicht
werden.
2. Aus welchen Haushaltstiteln des Einzelplans 30 werden Vorhaben
der Grundlagenforschung gefördert, und wie ist in diesen Titeln
der jeweilige Anteil an Grundlagenforschung, aufgeschlüsselt für
die Jahre 1980 bis 1984?
Von den über 150 Titeln des Einzelplans 30 sind rund 60 Titel mit
unterschiedlichen Anteilen der Grundlagenforschung
zuzuordnen. Förderungsbereiche der Grundlagenforschung sind
insbesondere:
a) Allgemeine Forschungsförderung (insbesondere Max-Planck-
Gesellschaft und einige Institute der Blauen Liste);
b) Sozial- und geisteswissenschaftliche Einrichtungen sowie
Vorhaben;
c) Physikalisch-chemische Grundlagenforschung (insbesondere
DESY, GSI, HMI, ISAS, CERN, ILL, Verbundforschung);
d) Energieforschung (insbesondere KFA, KfK, GSF, IPP);
e) Weltraumforschung;
f) Meeres- und Polarforschung;
g) Forschung für Umwelt und Gesundheit;
h) Bundesanstalten.
3. Wie hoch ist der Anteil der Grundlagenforschung in den einzelnen
Großforschungseinrichtungen?
Der Anteil der Grundlagenforschung ist in den einzelnen
Großforschungseinrichtungen unterschiedlich:
Das Alfred-Wegener-Institut für Polarforschung, Bremerhaven
(AWI), die Stiftung Deutsches Elektronen-Synchrotron, Hamburg
(DESY), das Deutsche Krebsforschungszentrum, Heidelberg
(DKFZ), die Gesellschaft für Schwerionenforschung mbH,
Darmstadt (GSI), das Hahn-Meitner-Institut für Kernforschung Berlin
GnibH (HMI) und das Max-Plank-Institut für Plasmaphysik,
Garching (IPP) betreiben fast ausschließlich
Grundlagenforschung.
Die Gesellschaft für Biotechnologische Forschung, Stöckheim
(GBF), die Gesellschaft für Strahlen- und Umweltforschung,
Neuherberg (GSF) und die Kernforschungsanlage Jülich (KFA) .
weisen ebenfalls einen bedeutenden Anteil an
Grundlagenforschung auf.
Bei der Deutschen Forschungs- und Versuchsanstalt für Luft- und
Raumfahrt e. V., Porz-Wahn (DFVLR), dem GKSS-
Forschungszentrum Geesthacht GmbH (GKSS), der Gesellschaft für
Mathematik und Datenverarbeitung mbH, Birlinghoven (GMD) und
dem Kernforschungszentrum Karlsruhe (KfK) ist der Anteil an der
Grundlagenforschung verhältnismäßig gering.
Von den Gesamtausgaben des Bundesministeriums für Forschung
und Technologie zur Förderung der Grundlagenforschung in den
Jahren 1975 bis 1980 entfiel etwa ein Drittel auf die Förderung der
Grundlagenforschung in den Großforschungseinrichtungen.
4. Nach welchen Kriterien ordnet der Bundesminister für Forschung
und Technologie aus Projekttiteln geförderte Vorhaben im Bereich
der Grundlagenforschung zu, wie erfolgt diese Zuordnung bei der
institutionellen Förderung?
Die methodisch-statistische Abgrenzung der
Grundlagenforschung erfolgt entsprechend der internationalen Definition des
Frascati-Handbuchs III der OECD.
Danach wird der „reinen" Grundlagenforschung die Forschung
zugeordnet, die eine Erweiterung der wissenschaftlichen
Erkenntnisse zum Ziele hat, ohne an der praktischen Anwendbarkeit
orientiert zu sein, und der „anwendungsorientierten"
Grundlagenforschung diejenigen Arbeiten, die in ihren ebenfalls
grundlegenden Themenstellungen durch die praktische Bedeutung des
Forschungsthemas beeinflußt sind.
In der Regel wird die Selbsteinschätzung der
Zuwendungsempfänger zugrundegelegt. Dabei können sich
Abgrenzungsprobleme und Zuordnungsungenauigkeiten in verschiedenen
Richtungen ergeben.]