a) Die Frage läßt sich auf der Basis der gegenwärtig verfügbaren Daten nur mit Einschränkungen beantworten. Aus der amtlichen Statistik der Bundesanstalt für Arbeit lassen sich nur gewisse Anhaltspunkte für die Beschäftigungssituation von Fachhochschulabsolventen im Vergleich zu Absolventen von wissenschaftlichen Hochschulen gewinnen. Dabei muß berücksichtigt werden, daß bei Hochschulabsolventen ein größerer Teil von Angebot und Nachfrage nicht über die Bundesanstalt für Arbeit mit ihren Fachvermittlungsstellen läuft, d. h. der Einschaltungsgrad der Fachvermittlungsstellen bei Bewerbungen und Einstellungen tendenziell niedriger als bei nichtakademischen Berufen ist, und die amtliche Statistik mithin nur einen Teil des tatsächlichen Arbeitsmarktgeschehens erfaßt.
b) Differenzierte Angaben über die Arbeitslosigkeit von Hochschulabsolventen liegen aus der sog. „Sonderuntersuchung der Bundesanstalt für Arbeit (Strukturanalyse)" vor, die jeweils im September eines jeden Jahres durchgeführt wird. Die letzten amtlichen Ergebnisse liegen für September 1980 vor (abgedruckt in den Amtlichen Nachrichten der Bundesanstalt für Arbeit Nr. 2/1981); die vorläufigen Ergebnisse der Strukturanalyse vom September 1981 sind Anfang Januar 1982 vorgelegt worden (im folgenden Absatz, soweit vorhanden, in Klammern angefügt).
Zusammengefaßt ergibt sich für September 1980 und September 1981 folgendes Bild der registrierten Arbeitslosigkeit von Hochschul- und Fachhochschulabsolventen: Insgesamt rd. 42 000 (59 866) arbeitslosen Hochschul- und Fachhochschulabsolventen standen rd. 19 000 offene Stellen gegenüber. Von den arbeitslosen Absolventen hatten 13 600 (18 999) einen Fachhochschulabschluß und 28 300 (40 867) einen Hochschulabschluß. Gemessen an der Gesamtzahl der abhängig beschäftigten Erwerbspersonen der entsprechenden Ausbildung betrug die sog. qualifikationsspezifische Arbeitslosenquote bei den Fachhochschulabsolventen 2,4 v. H., bei den Hochschulabsolventen 2,2 v. H. Betrachtet man einzelne Fachrichtungen, so ergibt sich ein wesentlich differenzierteres Bild. So gab es bei den Ingenieuren rd. 2 700 (4 045) Arbeitslose mit Hochschulabschluß und rd. 4 200 (6 174) Arbeitslose mit Fachhochschulabschluß. Bei den Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlern wurden 4 900 (6 762) Arbeitslose mit Hochschul- und nur 900 (1 395) mit Fachhochschulabschluß registriert. Von Arbeitslosigkeit besonders betroffen sind unter den Fachhochschulabsolventen die sozialpflegerischen Berufe (September 1980: 3 314, September 1981: 4 582) und die Ingenieure (September 1980: 4 158, September 1981: 6 174), bei den Hochschulabsolventen die Lehrer (September 1980: 8 550, September 1981: 13 473).
c) Die beigefügte Tabelle 4 bietet einen Überblick über die Bewerberzahlen und die Vermittlungen im ersten Halbjahr 1981, getrennt nach Hochschul- und Fachhochschulabschluß. Dabei zeigt sich, daß das Vermittlungsergebnis (Vermittlungen in Prozent der Bestände an Bewerbern) bei den Fachhochschulabsolventen durchgängig höher, bei der Vermittlung von Berufsanfängern sogar erheblich höher liegt als bei Hochschulabsolventen.
Tabelle 5 gliedert die Bestände an Bewerbern im ersten Halbjahr 1981 nach zehn größeren Berufsgruppen und getrennt nach Hochschul- und Fachhochschulabschluß auf.
- Tabelle 4:
- Bewerbungen und Vermittlungen von Hochschul- und Fachhochschulabsolventen im 1. Halbjahr 1981
- Bewerber darunter
- Hochschulabsolventen Fachhochschulabsolventen Frauen Ausländer
- insgesamt mit ohne insgesamt mit ohne Berufs- Berufs- Berufs- Berufserfahrung erfahrung erfahrung erfahrung
- Bewerbungen - in absoluten Zahlen 66 364 44 671 24 391 20 280 21 648 14 427 7 221 25 768 3 734
- - in Prozent (Zeilenprozentuierung) 100,0 67,3 36,8 30,6 32,6 21,7 10,9 38,8 5,6
- Vermittlungen - in absoluten Zahlen 7 302 3 988 2 110 1 878 3 304 1 780 1 524 1 845 279
- - in Prozent (Zeilenprozentuierung) 100,0 54,6 28,9 25,7 45,2 24,4 20,9 25,3 3,8
- Anteil der vermittelten Bewerber in v.H. der Bewerbungen insgesamt 11,0 8,9 8,7 9,3 15,3 12,3 21,1 7,2 7,5
Quelle: Zentralstelle für Arbeitsvermittlung der Bundesanstalt für Arbeit, Frankfurt am Main; Zusammenstellung durch BMBW
- Tabelle 5: Statistik der Fachvermittlung der BA für besonders qualifizierte Fach- und Führungskräfte - Bestände an Bewerber- und Stellenangeboten im 1. Halbjahr 1981 -
- Lfd. Nr.: Berufsgruppen Stellen angebote insgesamt Bewerber insgesamt darunter mit darunter Hochschul-, Fachhoch- Frauen Ausländer Universitäts- schulniveau niveau
- 1 Ingenieure 11 883 11 675 3 646 8 014 1 112 1 104
- 2 Naturwissenschaftler 1 139 4 669 4 054 611 1 238 426
- 3 Ärzte, Apotheker, Tierärzte 3 947 1 694 1 694 - 743 370
- 4 Soziale, sozialpädagogische und gehobene hauswirtschaftliche Berufe 1 401 10 216 4 729 5 485 6 404 260
- Lfd. Nr.: Berufsgruppen Stellen- angebote insgesamt Bewerber insgesamt darunter mit darunter Hochschul- Fachhoch- Frauen Ausländer Universitäts- schulniveau niveau
- 5 Qualifizierte kaufmännische und Verwaltungsberufe 3 365 5 632 2 715 2 893 605 199
- 6 Publizisten, Lehrer, Künstler und andere geisteswissenschaftliche Berufe 1 034 19 175 16 667 2 508 11 144 805
- 7 Rechts-, wirtschafts- und sozialwissenschaftliche Berufe 1 762 11 548 10 160 1 387 3 966 406
- 8 Berater und Führungskräfte der Land- und Forstwirtschaft 98 1 406 897 509 489 140
- 9 Luftverkehrsberufe 78 213 -- 213 2 11
- 10 Sonstige Berufe 1 136 111 25 65 13
- Insgesamt 24 708 66 364 44 673 21 645 25 768 3 734
Quelle: Zentralstelle für Arbeitsvermittlung der Bundesanstalt für Arbeit, Frankfurt am Main; Zusammenstellung durch BMBW
d) Die bisherige Eingliederung insbesondere der Fachhochschulabsolventen konnte mit vergleichsweise geringen Friktionen erfolgen. Dies sind — stark verkürzt und ohne die notwendige Differenzierung nach Fachrichtungen — die Ergebnisse einer vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesanstalt für Arbeit gemeinsam mit dem Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft durchgeführten Erhebung bei zwei Fachhochschulabsolventenjahrgängen (vgl. „Berufliche Integration von Fachhochschulabsolventen", in: Mitteilungen aus der Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Nr. 1/1980, S. 77 ff.). Besonders aufschlußreich war, daß 35 v. H. der erwerbstätigen Fachhochschulabsolventen einen neu eingerichteten Arbeitsplatz einnahmen, 7 v. H. eine Tätigkeit ausübten, die vor ihnen ein Absolvent mit einem wissenschaftlichen Hochschulabschluß erledigte, und 17,8 v. H. Aufgabengebiete wahrnahmen, die vor ihnen von einem Nichthochschulabsolventen wahrgenommen wurden.
e) Die bisher noch — mit Ausnahmen bei Lehrern, sozialpädagogischen und einigen geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen — vergleichsweise günstige Entwicklung kann voraussichtlich sowohl für Hochschulabsolventen wie für Fachhochschulabsolventen ungünstiger werden. Gründe hierfür sind das Zusammentreffen einer unbefriedigenden wirtschaftlichen Entwicklung (schwache Konjunktur, zu geringes oder sogar rückläufiges Wachstum) und eines finanzpolitisch bedingten restriktiven Einstellungsverhaltens der öffentlichen Hand mit den Auswirkungen ungewöhnlicher Schwankungen in der Bevölkerungsentwicklung (die geburtenstarken Jahrgänge durchlaufen jetzt das Hochschulsystem und suchen danach Arbeitsplätze im Beschäftigungssystem).
Der Anteil der Erwerbspersonen mit abgeschlossener Hochschul- bzw. Fachhochschulausbildung an allen Erwerbspersonen wird von jetzt 7,5 v. H. (Hochschulabsolventen 5,2 v. H., Fachhochschulabsolventen 2,3 v. H. — die Angaben stammen aus dem Mikrozensus von 1978) auf ca. 10,0 v. H. im Jahre 1985 (darunter Fachhochschulabsolventen ca. 2,7 v. H.) und ca. 12,0 v. H. im Jahre 1990 (darunter Fachhochschulabsolventen ca. 3,2 v. H.) ansteigen. Es ist dabei — auch im Vergleich mit anderen Industrienationen — weniger die absolute Höhe dieser sog. „Akademikerquote" als ihr vor allem demographisch bedingtes Anwachsen innerhalb weniger Jahre, das den Arbeitsmarkt vor besondere Probleme stellen wird. Aus heutiger Sicht dürften jedoch mittelfristig die Arbeitsmarktchancen für Absolventen der meisten Fachrichtungen in den Ingenieurwissenschaften sowie für Absolventen einiger naturwissenschaftlicher Fächer besser sein als die durchschnittlichen Beschäftigungsaussichten aller Hochschulabsolventen.