Trotz der Bemühungen des Statistischen Bundesamtes, im Rahmen der verfügbaren Kapazitäten eine wesentliche Verbesserung der Datenbasis über die freien Berufe zu erreichen (vgl. Drucksache 8/3139 Seite 19), bestehen weiterhin Schwierigkeiten bei der Erfassung von Daten über die Angehörigen der freien Berufe.
Wichtigste Ausgangsgrundlage ist die Volks- und Berufszählung 1970. Bei den Repräsentativerhebungen im Rahmen des Mikrozensus, die eine zeitnähere Berichterstattung erlauben, müssen allerdings aufgrund der jeweils gegebenen und insbesondere bei kleinen Berufsgruppen auftretenden Stichprobenfehlern die Aussagen zurückhaltend interpretiert werden, da sie nicht in jedem Fall als statistisch ausreichend gesichert anzusehen sind. Daher ist neben den amtlichen Statistiken auch auf die Erhebungen und Berechnungen von Kammern und Verbänden der freien Berufe zurückzugreifen.
Gleichwohl stehen die gewünschten statistischen Daten nur teilweise zur Verfügung; eine Reihe von Berufsgruppen ist datenmäßig nur lückenhaft erfaßt. Im übrigen kommen Überschneidungen zwischen den Berufsgruppen vor. Die Vergleichbarkeit der Zahlenangaben — Angaben für 1981 liegen erst zum Teil vor — ist zudem durch zwischenzeitliche statistische Umstellungen teilweise beeinträchtigt.
Die nachfolgenden Angaben beruhen auf den Mitteilungen der Bundesarchitektenkammer über die bei den Länderkammern eingetragenen freiberuflichen Architekten; beamtete angestellte und gewerblich tätige Architekten sind nicht erfaßt. Die Zahlen der in der Berliner Architektenliste — eine Berufskammer besteht nicht — erfaßten Berufsangehörigen, sind erst ab 1980 in die Tabelle eingearbeitet.
Zahl der Architekten Jahr 1974 1978 1980 1981 Architekten 22 873 23 883 26 259 26 825 27 783 1) 28 386 1) Garten- und 479 587 691 731 Landschaftsarchitekten 757 1) 800 1) Innenarchitekten 611 780 846 895 913 1) 966 1) Insgesamt2) 23 963 25 250 27 796 28 451 29 453 1) 30 152 1)
- 1) einschließlich Berlin
- 2) Nach der Volks- und Berufszählung 1970 betrug die Zahl der Architekten-, Bauingenieur- und Vermessungsingenieurbüros (einschließlich gewerbliche Büros) insgesamt 29 144; eine Aufteilung auf die einzelnen Berufsgruppen ist nicht möglich.
Da in den amtlichen Statistiken Architekten, Bauingenieure und Vermessungsingenieure bzw. ihre Büros vielfach zusammen erfaßt werden und auch andere Ingenieurgruppen Leistungen im Bauwesen erbringen können (statistische Erfassung: sonstige Ingenieure und Techniker), wird auf Berechnungen und Schätzwerte der Berufsverbände zurückgegriffen.
Unter Berücksichtigung der in einzelnen Bundesländern in Kammern erfaßten bzw. vertretenen Beratenden Ingenieure (Rheinland-Pfalz, Saarland, Schleswig-Holstein) ergibt sich nach Auskunft des Verbandes Beratender Ingenieure (VBI) folgendes Bild für diese Berufsgruppe:
Zahl der Beratenden Ingenieure und ihrer Büros Jahr 1970 1974 1978 1980 1981 Beratende Ingenieure 6 700 7 800 11 000 11 100 11 400 Büros Beratender 5 200 6 000 8 500 8 600 8 800 Ingenieure
Zahl der öffentlich bestellten Vermessungsingenieure Jahr 1970 1974 1978 1980 1981 Öffentlich bestellte 410 483 522 575 630 Vermessungsingenieure ll 1)
- 1) Nach Angaben des Bundes der öffentlich bestellten Vermessungsingenieure
Neben den öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren sind nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Vermessungsingenieure ca. 300 freiberufliche Vermessungsingenieure im Bereich der Ingenieurvermessung tätig.
Im letzten Jahrzehnt nahm die Zahl der Prüfingenieure langsam zu; sie betrug 1981 insgesamt 660.
Die Zahl der freiberuflichen Sachverständigen – auch auf den Bausektor beschränkt – ist nur schwer zu ermitteln; denn die Bezeichnung „Sachverständiger" ist nicht geschützt, so daß sich jedermann als Sachverständiger bezeichnen und tätig werden kann. Darüber hinaus üben viele Sachverständige diese Tätigkeit nur neben ihrem eigentlichen Beruf aus. So hat z. B. der VBI die Zahl der Sachverständigen, die zugleich Beratende Ingenieure sind, mit 650 (1970), 790 (1974), 1200 (1978), 1200 (1980), 1300 (1981) angegeben.
Die Zahl der für das Bauwesen nach § 36 der Gewerbeordnung öffentlich bestellten und vereidigten Sachverständigen liegt nach einer Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelstages seit mehreren Jahren bei ca. 1500.
Aufgrund der amtlichen Statistiken ist es nicht möglich, die Zahl der Mitarbeiter entsprechend Nummer 1.1 aufzugliedern.
Die erst ab 1976 zur Verfügung stehenden Angaben über die Erwerbstätigen in der Wirtschaftsgruppe „Architekten- und Ingenieurbüros, Laboratorien und ähnliche Institute" gehen über die im Bauwesen tätigen freien Berufe hinaus, beziehen auch gewerbliche Büros ein und sind mit den erwähnten Unsicherheiten des Mikrozensus behaftet. Es wird daher auf Angaben der Verwaltungsberufsgenossenschaft bzw. Berechnungen der Berufsverbände zurückgegriffen.
Zahl der Mitarbeiter Jahr Beruf 1970 1974 1978 1980 1981 in Architektenbüros1 ) 59 525 61 561 56 149 64 233 bei Beratenden Ingenieureng) 51 000 60 000 64 000 66 000 65 000 bei öffentlich bestellten Vermessungsingenieuren3) — 5 500 7 500 — 7 200
- 1) Angaben der Verwaltungsberufsgenossenschaft; Zahlen von 1981 liegen noch nicht vor
- 2) Berechnungen des VBI
- 3) Berechnungen des Bundes der öffentlich bestellten Vermessungsingenieure
Nach Angaben der Arbeitsgemeinschaft Selbständiger Vermessungsingenieure beträgt die Zahl der Mitarbeiter der sich mit Ingenieurvermessungen beschäftigenden Büros insgesamt 3 000.
Da die amtlichen Statistiken bei den hier in Frage kommenden Gruppen der Auszubildenden keine Aufteilung auf Ausbildungsverhältnisse in freien Berufen enthalten, ist auch insoweit auf die Angaben der Verbände zurückzugreifen.
Nach Untersuchungen in verschiedenen Architektenkammern in den Jahren 1977 und 1978 sind 10,5 v. H. aller Mitarbeiter Auszubildende; auf der Basis dieser Zahlen hat die Bundesarchitektenkammer die Zahl der Auszubildenden geschätzt; ähnliche Schätzungen liegen vom VBI vor.
Zahl der Auszubildenden Jahr Beruf 1970 1974 1978 1980 1981 Architekten 6 250 6 460 5 400 6 750 — Beratende Ingenieure 5 070 5 800 5 300 7 900 7 800
Angaben für andere Berufsgruppen waren nicht zu ermitteln.
Auftragseingang und Auftragsbestand bei den im Bauwesen freiberuflich Tätigen werden von der amtlichen Statistik nicht erfaßt.
Einige Hinweise auf das Gewicht der einzelnen Baubereiche geben jedoch die Bauvolumensberechnungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung, Berlin.
Danach entfielen 1980 5,6 v. H. des Bauvolumens von insgesamt 255,2 Mrd. DM (in jeweiligen Preisen) auf Ausgaben für Architektenleistungen und amtliche Gebühren (nur zusammen nachgewiesen). Über 90 v. H. dieser Ausgaben entfielen auf Hochbaumaßnahmen - davon gut zwei Drittel auf den Wohnungsbau - und nur weniger als 10 v. H. auf Tiefbaumaßnahmen. Gegenüber 1970 hat sich diese Verteilung nur leicht entsprechend der veränderten Struktur des Bauvolumens zugunsten des Hochbaus und dabei auch des Wohnungsbaus verschoben.
Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf die parlamentarische Anfrage zur „Lage der Bauwirtschaft" erkennen lassen, welchen hohen Stellenwert sie den Bauinvestitionen einräumt und erklärt, daß sie bei der Überprüfung der Ausgabenprioritäten bemüht ist, investive Ausgaben möglichst zu schonen. Eine zügige Beratung der anstehenden Haushaltspläne und eine möglichst kontinuierliche Auftragsvergabe auf allen Ebenen kann nach Ansicht der Bundesregierung wesentlich mit dazu beitragen, die Situation der im Bauwesen tätigen freien Berufe zu stabilisieren und zu verbessern.
Die Bundesregierung hat die von ihr im Frühjahr 1979 dem Ifo-Institut in Auftrag gegebene und in der Vorbemerkung zu dieser Kleinen Anfrage erwähnten Studie „Frühindikator zur Kurzfristprognose der Hochbaunachfrage" vor. Ergänzt um Daten für die beiden letzten Quartale 1981 läßt diese Studie die Aussagen über die Auftragsstruktur bei Architekten für die Jahre 1980 und 1981, jedoch nicht für die anderen in Nummer 1.1 a) bis c) genannten freiberuflich Tätigen zu. Die Studie des Ifo-Instituts beruht auf Umfragen bei einer ausgewählten Anzahl von Architekten in vier Bundesländern.
A uftragsstruktur bei Architekten
Nach der Studie des Ifo-Instituts zeigt die Struktur der Aufträge für 1980 und 1981 quartalsweise folgendes Bild:
Von den erteilten Planungsaufträgen für Neubauten entfielen - Anteile in v. H. - auf Befragungsquartal 1- und 2-Familienhäuser Mehrfamilienhäuser Betriebsgebäude sonstige Nichtwohngebäude Planungsvolumen insgesamt 1/80 25 20 32 23 100 2/80 21 30 30 19 100 3/80 21 19 28 32 100 4/80 22 28 31 19 100 1/81 21 26 36 17 100 2/81 18 21 30 31 100 3/81 22 22 35 21 100 4/81 24 23 33 20 100
Die verschiedenen Gruppen der Architekten sind üblicherweise nicht in den Bereichen Straßenbau und Wasserwirtschaft tätig.
Nach der Größe „planerisch betreutes Investitionsvolumen" schätzt der VBI die Auftragsstruktur nach der vorgegebenen Aufschlüsselung in einer ersten Annäherung.
Auftragsstruktur bei Beratenden Ingenieuren
Jahr 1970 1974 1978 1980 1981 Bereich in v. H. Wohnungsbau 40 42 41 41 40 Industrie- und 26 24 25 26 25 Gewerbebau Öffentlicher Hochbau 11 10 9,5 8,6 9 Straßenbau 15 14 13 12 13 Bauten der 8 10 11 12 13 Wasserwirtschaft
In Zusammenhang mit der Aufstellung der „1. Verordnung zur Änderung der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI)" wurde für 1979 ein Teil des Auftragsvolumens für Ingenieure ermittelt.
- Straßen- und Brückenbau:
- — Bundesfernstraßen = 46 Mio. DM
- — Länderstraßen = 20 Mio. DM
- — Gemeindestraßen = 241 Mio. DM
- zusammen = 307 Mio. DM
- Wasserbauten des Bundes = 2 Mio. DM
- (Bauten der Wasserwirtschaft fallen in die Zuständigkeit der Länder)
Quantitative Aussagen über den Auftragsbestand sowie über das zu erwartende Bruttohonorar können der Studie des Ifo-Instituts nicht entnommen werden. Die erstmals 1979 vierteljährlich durchgeführten Erhebungen geben Hinweise auf das Planungsvolumen aufgrund der von den Architekten in den jeweiligen Quartalen neu abgeschlossenen Verträge.
Planungsvolumen für Neubauten bei Architekten (1/1980 = 100) Befragungs- 1- und Mehr- Betriebs- sonstige Planungsquartal 2-Familien- familien- gebäude Nichtwohn- volumen häuser häuser insgesamt 1/80 100 100 100 100 100 2/80 69 127 76 66 82 3/80 70 81 71 113 83 4/80 75 120 78 68 83 1/81 80 127 106 67 95 2/81 59 84 73 107 79 3/81 51 63 63 52 58 4/81 45 54 47 39 46 Quelle: Ifo-Institut
Neuabschlüsse von Architektenverträgen in 1/80 bei 63 v. H. 2/80 bei 56 v. H. 3/80 bei 54 v. H. 4/80 bei 58 v. H. 1/81 bei 57 v. H. 2/81 bei 52 v. H. 3/81 bei 48 v. H. 4/81 bei 46 v. H. der Architekten. Quelle: Ifo-Institut
In absoluten Zahlen ist im Jahre 1981 insgesamt ein Rückgang der Aufträge gegenüber 1980 nominal in der Größenordnung von 20 v. H. zu verzeichnen; dies gilt auch für Planungsaufträge für Neubauvorhaben von Betriebsgebäuden und Nichtwohngebäuden, die den in Nummer 1.3 der Kleinen Anfrage verwendeten Begriffen Industrie- und Gewerbebau sowie öffentlicher Hochbau zugeordnet werden können.
Qualitative Aussagen zur Auftragslage liegen für das 4. Quartal 1980 sowie für 1981 vor. Danach hatten im 4. Quartal 1981 21 v. H. der befragten Architekten ihre aktuelle Auftragslage als gut und 30 v. H. als schlecht bezeichnet. Im 4. Quartal 1981 sank der Anteil derer, die ihre Auftragssituation als gut ansahen, auf 11 v. H., während 50 v. H. sie als schlecht einschätzten.
Die voraussichtliche Auftragslage der nächsten sechs Monate wurde im 4. Quartal 1980 von 13 v. H. der Architekten eher günstiger und von 28 v. H. als eher ungünstiger beurteilt. Bis zum 3. Quartal 1981 verstärkte sich die negative Einschätzung durch die befragten Architekten (nur. noch 9 v. H. erwarteten eine eher günstige, 41 v. H. eine eher ungünstige Entwicklung).
Erstmals im 4. Quartal 1981 wurde die voraussichtliche Auftragssituation wieder positiver beurteilt. Der Anteil derer, die ihre künftige Auftragslage als ungünstig einschätzten, sank auf 34 v. H., während 12 v. H. der Befragten eine eher günstige Entwicklung erwarteten.
Nach Angaben des VBI können hinreichend genaue Angaben zum Auftragsbestand entsprechend der Aufschlüsselung in Nummer 1.3 nicht gemacht werden. Der VBI hat das planerisch betreute Investitionsvolumen in einer ersten Annäherung geschätzt.
Betreutes Investitionsvolumen bei Beratenden Ingenieuren (Mrd. DM) Jahr 1970 1974 1978 1980 1981 Bereiche Wohnungsbau 19 21 22 24 22 Industrie- und 12 12 13 15 14 Gewerbebau Öffentlicher Hochbau 5 5 5 5 5 Straßenbau 7 7 7 7 7 Bauten der 4 5 6 7 7 Wasserwirtschaft
Für andere freie Berufe liegen ähnlich detaillierte Umfragen bzw. Schätzungen nicht vor.
- Während in Baden-Württemberg Ende 1981 Prüfingenieure und Vermessungsingenieure eine gute bzw. zufriedenstellende Beschäftigung konstatierten (Antwort der baden-württembergischen Landesregierung auf eine Anfrage zur Lage der freien Berufe in Baden-Württemberg — Landtags-Drucksache 8/2216 —) rechneten demgegenüber nach einer Umfrage des Bundes öffentlich bestellter Vermessungsingenieure in Nordrhein-Westfalen die Vermessungsingenieure mit erheblichen Auftragsrückgängen. Inwieweit diese Aussagen repräsentativ sind oder auf den Besonderheiten in diesen Bundesländern beruhen, ließ sich nicht feststellen.
- Angaben über den Auftragsbestand öffentlich bestellter Sachverständiger liegen ebenfalls nicht vor; in der letzten Zeit bemühten sich nach Angaben des Deutschen Industrie- und Handelstages eine größere Zahl von Architekten um die Bestellung als Sachverständige nach § 36 der Gewerbeordnung.
Für die bestimmten Berufsgruppen und die geforderten Merkmale liegen direkte Angaben aus der amtlichen Statistik in den genannten Jahren nicht vor.
Der VBI hat aufgrund der ihm vorliegenden Unterlagen die Honorarumsätze geschätzt.
Honorarumsätze Beratender Ingenieure (Mio. DM) Jahr Bereich 1970 1974 1978 1980 1981 Wohnungsbau 228 257 268 288 272 Gewerbe- und 620 620 652 734 706 Industriebau Öffentlicher Hochbau 266 266 289 315 302 Straßenbau 440 436 429 436 394 Bauten der 285 368 458 500 485 Wasserwirtschaft
Weitere Angaben zu Gewinnen, Kosten und Nettoeinkommen konnten vom VBI nicht gemacht werden.
Hilfsweise lassen sich zur Ermittlung der gewünschten Angaben Daten aus der amtlichen Umsatzsteuer-, Einkommensteuer- und Kostenstrukturstatistik heranziehen.
Aufgrund der Umsatzsteuerstatistik ergibt sich folgendes Bild:
Zahl der Umsatzsteuerpflichtigen1), der Gesamtumsätze 2) sowie. der Durchschnittsumsätze in den Jahren 1970, 1972, 1974, 1976 und 1978 in Büros von Architekten, Bau- und Vermessungsingenieuren Jahr Steuerpflichtige Steuerbarer Umsatz (Tsd. DM) Durchschnittli- cher Umsatz (DM) 1970 25 336 3 781 075 149 237 1972 27 572 5 371 152 194 804 1974 27 917 6 047 393 216 620 1976 28 198 6 346 861 225 082 1978 30 501 7 491 330 245 609
- 1) nur Steuerpflichtige mit Umsätzen ab 12 000 DM
- 2) bei Regelsteuerarten ohne Umsatzsteuer; bei nach § 19 UStG besteuerten Gesamtbetrag der vereinnahmten Entgelte zuzüglich Steuer
Quelle: Statistisches Bundesamt
Angaben über Kosten und Reinertrag bei Architekten und Beratenden Ingenieuren ergeben sich aus der alle vier Jahre aufgrund einer Stichprobe durchgeführten Kostenstrukturstatistik des Statistischen Bundesamtes. Erhoben werden dabei die Einnahmen und Kosten von Praxen oder Büros, nicht von einzelnen Berufsangehörigen, mit jährlichen Einnahmen von mehr als 20000 DM. Die Kostenstruktur ist insoweit nur für die einzelnen Größenklassen darstellbar. Die Kostenstrukturstatistiken der Jahre 1971, 1975 und 1979 ergeben folgendes Bild:
Architekten
Gesamtkosten, Anteil der Personalkosten an den Einnahmen und Reinertrag Einnahmen von ... bis ... Tsd. DM Gesamtkosten in v. H. der Einnahmen Anteil der Personal- kosten an den Einnahmen in v. H. Reinertrag in v. H. der Einnahmen 1971 1975 1979 1971 3) 1975 1979 1971 1975 1979 20 - 50 39,6 47,5 43,4 7,4 7,2 6,2 60,4 52,5 56,6 50 - 80 44,3 46,8 41,1 17,6 11,2 9,0 55,7 53,2 58,9 80 - 100 52,2 53,7 42,5 27,5 18,7 12,6 47,8 46,3 57,5 100 - 250 59,7 1 ) 59,8 1 ) 51,9 - - 24,2 - - 48,1 250 - 500 65,2 2) 65,0 2 ) 62,2 - - 37,5 33,2 32,1 37,8 500 - 1 Mio. 67,1 70,7 67,1 48,5 45,8 41,0 32,9 29,3 32,9 1 Mio. - 5 Mio. 74,4 80,5 63,6 56,6 54,3 40,6 25,6 19,5 36,4
- 1) bis 200000 DM Umsatz p. a.
- 2) ab 200000 DM Umsatz p. a.
- 3) einschließlich Honorare für Mitarbeiter
Beratende Ingenieure Gesamtkosten, Anteil der Personalkosten an den Einnahmen und Reinertrag Einnahmen von ... bis ... Tsd. DM Gesamtkosten in v. H. der Einnahmen Anteil der Personal- kosten an den Einnahmen in v. H. Reinertrag in v. H. der Einnahmen 1971 1975 1979 1971 1 ) 1975 1979 1971 1975 1979 • 20 - 50 36,3 50,8 47,8 2,9 5,1 1,8 63,7 49,2 52,2 50 - 80 - 47,0 39,3 - 9,2 4,8 - 53,0 60,7 80 - 100 - 46,7 49,9 - 6,0 10,2 - 53,3 55,1 100 - 250 - - 53,0 - - 22,4 - - 47,0 250 - 500 62,8 68,3 61,3 - - 35,9 - 31,7 38,7 500 - 1 Mio. 66,9 70,3 67,5 49,2 45,3 42,7 33,1 29,7 32,5 1 Mio. - 2 Mio. - 77,6 73,9 - - 49,7 - 22,4 26,1 2 Mio. - 5 Mio. - - 76,9 - - 52,7 - - 23,1
- 1 ) einschließlich Honorare für Stellvertretung
- Quelle: Statistisches Bundesamt
Bei den Architektur- und Ingenieurbüros differieren die Anteile des Reinertrages und der Personalkosten an den Einnahmen sehr stark in Abhängigkeit von den Größenklassen der Einnahmen. Dabei bestätigt sich auch die schon 1975 festzustellende Tendenz: Je höher die Einnahmen, desto größer der Personalkostenanteil und desto geringer der Anteil des Reinertrags an den Einnahmen. In beiden Berufsgruppen lag der Reinertrag 1979 bei den Größenklassen bis einschließlich 80 000 bis 100 000 DM deutlich über 50 v. H.; in der Größenklasse 50 000 bis 80 000 DM bei den Beratenden Ingenieuren über 60 v. H.
Während von 1971 bis 1975 die Kosten sich bei diesen beiden Berufsgruppen erhöhten, ist im Zeitraum 1975 bis 1979 der Kostenanteil insgesamt auch einschließlich der Personalkosten im Verhältnis zu den Einnahmen gesunken.
Die Entwicklung der Einkommensteuerstatistik zeigt folgendes Bild:
Zahl der Steuerpflichtigen und durchschnittliche Einkünfte der im Bauwesen tätigen freien Berufe Berufsgruppe Jahr 1968 1971 1974 1977 Architekten Steuerpflichtige 24 102 25 117 24 893 24 739 Einkünfte 42 200 60 500 63 090 67 790 Sonstige Steuer- Ingenieure pflichtige 5 304 6 914 9 010 8 746 und Einkünfte 46 470 72 020 64 677 70 301 Techniker (nicht nur Baubereich)
Quelle: Statistisches Bundesamt
Die gewünschte Aufgliederung läßt sich nicht ohne weiteres durchführen, da die erwähnten Berufsgruppen nicht eindeutig bestimmten Studien- oder Fachrichtungen zuzuordnen sind. Im Hinblick darauf sind die Absolventenzahlen „Architekten/ Innenarchitekten, Gartenbau- und Landschaftspflege, Bauingenieurwesen, Vermessungswesen und Raumplanung" in den Prüfungsjahren 1975/1979 einander gegenübergestellt worden. Diese Gegenüberstellung zeigt, daß, während die Zahl der Studienabschlüsse generell von 1975 bis 1979 um 17,2 v. H. stieg, in diesen Fachrichtungen eine Steigerung um 44,8 v. H., d. h. von 5 903 (1975) auf 8 548 (1979) zu verzeichnen war. Die Zuwächse sind insbesondere auf die Fachrichtungen Architektur/Innenarchitektur und Bauingenieurwesen zurückzuführen.
Faßt man die Zahl der Absolventen von Hochschulen und Fachhochschulen/Ingenieurschulen in den in Frage kommenden Bereichen aufgrund der statistischen Unterlagen zusammen, so ergibt sich folgendes Bild:
Berufe Jahr 1970 1974 1978 1979 Architekten/ Innenarchitekten 2 086 2 821 3 611 3 231 Bauingenieurwesen 2 733 2 307 3 132 3 162 Vermessungsingenieure 590 725 706 894 Raumplaner 28 47 107 Quelle: Wissenschaftsrat
Eine detaillierte Vorausschätzung der Absolventenzahlen für 1982 bis 1985 in diesen Fachgruppen müßte eine Vielzahl fachspezifischer Faktoren (z. B. Abbrecherquote, männlich — weiblicher Anteil etc.) berücksichtigen, was ohne größeren Zeit- und Verwaltungsaufwand nicht realisierbar ist. Die vorläufigen Zahlen über die Studienanfänger in den ingenieurwissenschaftlichen Fächern der Wintersemester 1980/1981 und 1981/1982 lassen erkennen, wie flexibel Studenten auf Arbeitsmarktsignale reagieren.
Auf der Basis einer nicht nach Fachrichtungen differenzierten Vorausschätzung der Hochschulabsolventen durch die Kultusministerkonferenz (KMK-Dokument 72/Juli 1981) ergeben sich folgende Tendenzzahlen:
Prognose der Hochschulabsolventen Jahr KMK-Prognose ... ergibt bei KMK-Prognose ... ergibt bei einer der Studienan- 20 v.H. der Absolventen Quote von 7,1 v.H. fänger insgesamt Ingenieurquote insgesamt bzw. 8,2 v.H. an (Mittelwert) Studienanfänger den Prüfungen (Mittelwert) folgende Wissenschaft Absolventen 1000 bei 7,1 bei 8,2 Ingenieur 1000 1000 1000 1982 213 42,6 124 8,8 10,2 1983 224 44,8 127,7 9,1 10,5 1984 231 46,2 130,4 9,3 10,7 1985 233 46,6 138,3 9,8 11,3
Die Ursache für die Zunahme der Absolventen liegt in erster Linie in der allgemeinen demographischen Entwicklung. Auch bei gleichbleibender oder - wie in den letzten Jahren - sogar rückläufiger Studienaufnahme von Hochschulberechtigten wird sich wegen der geburtenstarken Jahrgänge die Zahl der Hochschulabsolventen noch erhöhen. Allerdings ist die Aussagekraft derartiger Darstellungen begrenzt; denn Absolventenzahlen in bestimmten Fachrichtungen sagen nichts darüber aus, welcher Anteil dieser Absolventen freiberuflich tätig werden will oder wird und berücksichtigen auch nicht, daß wegen der bestehenden Substitutionsbeziehungen diese freiberuflichen Tätigkeiten auch von anderen Ingenieuren und Angehörigen anderer Berufsgruppen wahrgenommen werden können.
Nicht zuletzt aufgrund der festzustellenden Flexibilität und Reaktionsfähigkeit der Studenten auf Arbeitsmarktsignale, aber auch wegen der nicht gelösten Probleme der Vorhersage der wirtschaftlichen Entwicklung, sind exakte längerfristige Prognosen über den Bedarf und das Angebot in bestimmten Fachrichtungen nicht möglich.