[Deutscher Bundestag Drucksache 17/1665
17. Wahlperiode 07. 05. 2010
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums der Verteidigung vom 6. Mai 2010
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Rainer Arnold, Dr. Hans-Peter Bartels,
Bernhard Brinkmann (Hildesheim), weiterer Abgeordneter und der Fraktion
der SPD
– Drucksache 17/1452 –
Gefährdung der Einsatzbereitschaft im zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die personelle Situation im zentralen Sanitätsdienst der Bundeswehr hat sich in
den letzten Jahren dramatisch verschlechtert. Für Sanitätsoffiziere, speziell für
Ärzte, ist der Dienst in den Streitkräften nicht mehr attraktiv genug. Ausgehend
von den Ergebnissen der Auswahlkonferenz für Ärzte im Dienstverhältnis eines
Soldaten auf Zeit in das eines Berufssoldaten im Jahr 2009 ist festzustellen, dass
das Interesse gerade junger und leistungsstarker Ärzte an einem Verbleib in der
Bundeswehr nach wie vor zu gering ist. Die Bewerberzahlen für
Neuanstellungen liegen deutlich unter dem benötigten Bedarf.
Der Personalumfang der Sanitätsoffiziere Arzt liegt aktuell signifikant unter
dem Niveau der Jahre 2007 und 2008. Die zeitlichen Belastungen im
Tagesbetrieb sind für die einzelnen Ärzte extrem hoch. Die Arbeitsmarktsituation für
Mediziner auf dem zivilen Arbeitsmarkt ist zurzeit überaus günstig. Der
einzelne Arzt wird immer häufiger zu Auslandseinsätzen herangezogen. Der Dienst
zwischen Einsatz und Grundversorgung überschreitet derzeit die personelle
Leistungsfähigkeit des Sanitätsdienstes.
Insbesondere vor dem Hintergrund hoher unplanmäßiger Kündigungen von
Ärzten hat der Bundesminister der Verteidigung im November 2008 die
Einrichtung einer abteilungsübergreifenden ministeriellen Arbeitsgruppe angewiesen,
die Vorschläge zur Verbesserung der Attraktivität und Funktionalität im
Sanitätsdienst der Bundeswehr erarbeitet hat. Die Empfehlungen der Arbeitsgruppe
wurden der Leitung des Bundesministeriums der Verteidigung im September
2009 vorgelegt. Die dringend notwendigen Maßnahmen mit Auswirkungen auf
die Struktur sollen erst in eine noch einzusetzende Strukturkommission
eingebracht werden.
Zur Erhaltung der Einsatzbereitschaft im zentralen Sanitätsdienst der
Bundeswehr sind rasch wirksame Maßnahmen zur Attraktivitätssteigerung und
sofortige Strukturentscheidungen notwendig. Der derzeitige Aufbau des
Sanitätsdienstes als selbstständiger Organisationsbereich bindet viel Personal.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Um den gestiegenen Einsatzanforderungen Rechnung zu tragen, hat sich der
Sanitätsdienst der Bundeswehr (SanDstBw) auch in Bezug auf die fachliche
Qualifikation seines Personals und die Personalumfänge konsequent neu
ausgerichtet. Damit ging ein zum Teil erheblicher personeller Aufwuchs in besonders
einsatzrelevanten Fachgebieten einher.
Im Bereich der Unteroffiziere des Sanitätsdienstes verlief die Umgestaltung des
Personalkörpers erfolgreich. Mit Ausnahme einiger weniger Spezialisten bei
den Heil- und Gesundheitsberufen, z. B. den Operationstechnischen
Assistenten, ist der erhöhte Zielumfang mit einer deutlich verbesserten
Professionalisierung weitgehend erreicht worden.
Anders stellt sich die Situation für die Ärztinnen und Ärzte im Sanitätsdienst dar.
Neben einem erheblichen personellen Fehl von derzeit knapp 400
Sanitätsoffizieren Arzt, das nicht zuletzt auf die massiven unvorhersehbaren
Personalverluste im Jahr 2008 zurückzuführen ist, stehen rund 200 weitere Ärztinnen und
Ärzte aufgrund familienbedingter Abwesenheiten zur Dienstleistung nicht zur
Verfügung.
Insbesondere vor dem Hintergrund dieser hohen Personalverluste hat der
Bundesminister der Verteidigung im November 2008 die Einrichtung einer
abteilungsübergreifenden ministeriellen Arbeitsgruppe angewiesen, die auf
Grundlage einer eingehenden Analyse der Gründe für diese Entwicklung
zukunftsweisende Vorschläge zur Steigerung der Attraktivität und Funktionalität im
Sanitätsdienst der Bundeswehr erarbeiten sollte, um eine nachhaltige
Verbesserung der Personallage vor allem der Sanitätsoffiziere zu erzielen.
Im Rahmen dieser Arbeitsgruppe „Attraktivität und Funktionalität des
Sanitätsdienstes der Bundeswehr“ (AG Attraktivität SanDstBw) erfolgte unter
Einbeziehung jeweils relevanter ministerieller Abteilungen, ziviler Experten sowie von
Sanitätsoffizieren aus verschiedenen Verwendungsbereichen eine fundierte
Sachstandsanalyse. Diese ergab, dass die Bundeswehr im Vergleich mit zivilen
Gesundheitsanbietern deutlich an Attraktivität und damit an
Konkurrenzfähigkeit im zunehmend schärferen Wettbewerb um qualifiziertes medizinisches
Fachpersonal verloren hat. Damit wurden die mangelnde Attraktivität der
Bundeswehr als Arbeitgeber und die Verfügbarkeit von sanitätsdienstlichem,
insbesondere ärztlichem Fachpersonal als Hauptproblemfeld identifiziert. Ausgehend
von diesen Erkenntnissen wurde ein abgestimmtes Konzept sich ergänzender
Maßnahmen erarbeitet, das vorrangig auf dieses Hauptproblemfeld abhebt. Das
Spektrum der enthaltenen Maßnahmen reicht von sofort umsetzbaren und
kostenneutralen Maßnahmen, deren Realisierung z. T. bereits eingeleitet oder sogar
abgeschlossen wurde, bis hin zu struktur- und finanzwirksamen Maßnahmen,
die teilweise aufgrund ihrer Komplexität mit hohem Abstimmungsbedarf
verbunden sind.
Angesichts der massiven Personalverluste im Jahr 2008 wurde als eine erste
Sofortmaßnahme für den zum Verlassen der Bundeswehr überwiegend genutzten
Übertritt in ein ziviles Beamtenverhältnis nach § 125 des
Beamtenrechtsrahmengesetzes ein Zustimmungsvorbehalt des Bundesministeriums der
Verteidigung (BMVg) normiert. Seit Inkrafttreten des entsprechenden Gesetzes waren
keine entsprechenden Entlassungen mehr zu verzeichnen.
Zusätzlich wurden sowohl parallel zur Arbeitsgruppe „Attraktivität und
Funktionalität des Sanitätsdienstes der Bundeswehr“ als auch unmittelbar nach deren
Abschluss einige als besonders wirksam bewertete Einzelmaßnahmen zur
Personalbindung und -gewinnung realisiert.
Dies erfolgte im Bewusstsein, dass es sich hierbei nur um einen ersten Schritt
handeln konnte, da erst durch Umsetzung eines umfassenden Bündels der
vorgeschlagenen synergetischen Maßnahmen, die in verschiedenen Lebensphasen
und Karriereabschnitten kurz-, mittel- und langfristig wirksam werden, eine
umfassende, nachhaltige Wirkung erzielbar sein würde. Dabei wurden
insbesondere im Bereich der Personalgewinnung Erfolge erzielt, die zumindest als
Indikatoren für die Richtigkeit des beschrittenen Weges dienen können.
So stieg die Zahl der Bewerberinnen und Bewerber für die Laufbahn der
Sanitätsoffizieranwärter in den Jahren 2009 und 2010. Es konnten trotz zunehmend
schwierigerer Rahmenbedingungen deutlich mehr Ärztinnen und Ärzte aus dem
zivilen Arbeitsmarkt für den Dienst in der Bundeswehr gewonnen werden als in
den Vorjahren. Auch wenn der Personalkörper der Sanitätsoffiziere (SanOffz)
Arzt aktuell (2 430) das Niveau wie zu Jahresbeginn 2007 (2 427) erreicht hat
und nur knapp unter dem Dreijahreshöchststand von 2008 (2 445) liegt, stellt
sich die Personallage im SanDstBw wegen des noch immer bestehenden Fehls
(Soll 2 804) an ärztlichem Personal als weiterhin kritisch dar.
Hinsichtlich der im Rahmen der Arbeitsgruppe vorgeschlagenen
strukturwirksamen Maßnahmen ist es zweckmäßig, sie in die Arbeit der Strukturkommission
einfließen zu lassen. Gerade für diese überwiegend komplexen Maßnahmen mit
weitreichenden Auswirkungen muss eine Einbettung in ein stimmiges
Gesamtkonzept erfolgen, um der bei einer isolierten Umsetzung bestehenden Gefahr
nachfolgend notwendiger Korrekturen in kurzem Zeitabstand vorzubeugen.
Trotz der aktuellen Belastungen und des Nachsteuerungsbedarfs zur
Verbesserung von Personalgewinnung und -bindung sowie zur strukturellen Optimierung
kann der SanDstBw seinen Auftrag einschließlich der derzeitigen
Einsatzerfordernisse erfüllen.
1. Wie bewertet die Bundesregierung angesichts der sich drastisch
verschlechterten personellen Lage die Entwicklung des Sanitätsdienstes als
selbstständiger Organisationsbereich neben den Teilstreitkräften?
Der SanDstBw wurde im Jahr 2001 im Zuge der „Erneuerung der Bundeswehr
von Grund auf“1 umfassend restrukturiert, um den zunehmenden
Einsatzerfordernissen gerecht zu werden. Ziel war es, Leistungsschwerpunkte zu bilden,
nicht einsatzrelevante Strukturen abzubauen und die organisatorische
Zersplitterung zu beseitigen. Hierzu wurden Kräfte und Mittel zentralisiert.
Die Bundeswehr verfügt mit dem SanDstBw über ein durchhaltefähiges und an
den Erfordernissen des Einsatzes wie den aktuellen wissenschaftlichen und
technologischen Entwicklungen ausgerichtetes militärisches
Gesundheitssystem. Dies sichert eine an den besonderen Bedürfnissen der Streitkräfte
ausgerichtete Gesundheitsversorgung, die für die Soldatinnen und Soldaten im
Auslandseinsatz eine Behandlung gewährleistet, die im Ergebnis dem fachlichen
Standard in Deutschland entspricht.2
Der SanDstBw hat sich zu einem der weltweit leistungsfähigsten Sanitätsdienste
entwickelt.
Gleichwohl gibt es Problemfelder und daraus resultierenden Handlungsbedarf.
Diese Problemfelder betreffen im Kern jedoch nicht die Struktur, vielmehr die
Attraktivität und somit die Verfügbarkeit insbesondere von Fachpersonal. Erst
sekundär werden teilweise organisatorische Aspekte berührt. Gerade vor dem
1 Kommission „Gemeinsame Sicherheit und Zukunft der Bundeswehr“ vom 23. Mai 2000 – Bericht der
Kommission an die Bundesregierung.
2 Maxime des Sanitätsdienstes gemäß Weißbuch 2006 zur Sicherheitspolitik Deutschlands und zur
Zukunft der Bundeswehr, S. 118.
Hintergrund der Personalverluste ist der Erhalt eines eigenständigen
Sanitätsdienstes mit weitestgehend zusammengefassten, ressourcensparenden Kräften
und Mitteln alternativlos, da nur so eine bestmögliche effiziente Nutzung der
begrenzten Ressourcen möglich ist (auf die Antwort zu Frage 6 wird verwiesen).
Die Einsatzrealität zeigte bereits Mitte der 1990er-Jahre, dass die Struktur mit
mehrheitlich in die Teilstreitkräfte Heer, Luftwaffe und Marine integrierten
sowie zusätzlichen zentralen Sanitätsdienststellen den Aufgaben einer
Einsatzarmee nicht mehr gerecht werden konnte. Die Reibungsverluste zwischen den
vier Sanitätsdienstanteilen der Bundeswehr, die bei Aufstellung und Ausbildung
der teilstreitkräfteübergreifenden Einsatzkontingente entstanden, waren enorm
– und das, obwohl für die damaligen Balkaneinsätze deutlich weniger
Fachpersonal als heute auszuplanen war.
2. Welche Optimierungsprozesse sind seit Anfang 2009 eingeleitet worden, um
den Sanitätsdienst zukunftsfähig auszurichten (vgl. Bundestagsdrucksache
16/12012)?
Möglichkeiten zur Optimierung wurden in einem
hierarchieebenenübergreifenden Ansatz analysiert und erarbeitet. Dabei traten neben die ministerielle AG
Attraktivität SanDstBw die Projektorganisation „Weiterentwicklung der
Ausbildung im Sanitätsdienst der Bundeswehr“, die Projektgruppe „Systemanalyse der
Regionalen Sanitätsdienstlichen Unterstützung“, die Arbeitsgruppe
„Führungsfähigkeit im Sanitätsdienst der Bundeswehr“ und letztlich auch die
Arbeitsgruppe zur „Stärke- und Schwächeanalyse im Sanitätsdienst der Bundeswehr“
im Rahmen der Zuarbeit zur aktuell eingerichteten Strukturkommission der
Bundeswehr.
Im Rahmen dieser Arbeits-/Projektgruppen wurde, neben dem Aspekt der
personellen Verfügbarkeit, die Optimierung folgender Prozesse eingeleitet:
a) Anpassung der Dotierung der Fachärzte in den Bundeswehrkrankenhäusern
b) Anpassung der Dotierung der Fachärzte in den regionalen
Sanitätseinrichtungen
c) Berücksichtigung familienbedingter Abwesenheiten bei der
Dienstpostenbemessung für Sanitätsoffiziere
d) Neuausrichtung der Bundeswehrkrankenhäuser
e) Führung der Bundeswehrkrankenhäuser
f) Betreuung der Sanitätsoffizieranwärterinnen und -anwärter
g) Auftrag, Fähigkeiten und Führung der regionalen Sanitätseinrichtungen
h) Verzahnung von Wissenschaft und Praxis im Bereich der
Psychotraumatologie
i) Stärkung von internationaler Integration zur Nutzung von Synergien
j) Weiterentwicklung der einsatzvorbereitenden Ausbildung (EVA)
k) Einsatzbezogener fachlicher Kompetenzerwerb
l) Postuniversitäre modulare Ausbildung von Sanitätsoffizieren.
3. Wie sehen die durch diese Optimierungsprozesse erreichten strukturellen,
organisatorischen und fachlichen Verbesserungen aus?
Zu Buchstabe a (vgl. Antwort zu Frage 2)
Anpassung der Dotierung der Fachärzte in den Bundeswehrkrankenhäusern
Erhöhung des Anteils der nach A15 dotierten Dienstposten (DP) für Facharzt
und Neubewertung der DP Sektionsleiter nach A16:
Ziel ist es, Fachpersonal für die Aus-, Fort- und Weiterbildung sowie den
(späteren) Verbleib in einem klinischen Fachgebiet zu gewinnen und in der Folge
eine höhere Kontinuität auf dem DP zu erreichen.
Die Neubewertungen sind anhand der wahrzunehmenden Aufgaben begründet
und haushaltsseitig anerkannt. Die Zuweisung der entsprechenden Planstellen
erfolgte bereits für das Haushaltsjahr 2010. Die Organisationsmaßnahme wurde
mit Wirksamkeit zum 27. März 2010 in Kraft gesetzt. Die darauf basierenden
Personalmaßnahmen werden derzeit realisiert.
Zu Buchstabe b
Anpassung der Dotierung der Fachärzte in den regionalen Sanitätseinrichtungen
Neubewertung der DP Chef Sanitätsstaffel (SanStff) nach A15 und Etablierung
eines Leiters Behandlung und Begutachtung (Facharzt für Allgemeinmedizin,
A15) in großen Sanitätszentren:
Ziel ist es, zum Facharzt weitergebildete Truppenärzte A14 länger am Standort
zu halten und die bislang erforderlichen Versetzungen zur Förderung zu
vermeiden. Durch die erweiterten Stehzeiten vor Ort ergeben sich positive Effekte auf
Akzeptanz und Motivation der betroffenen SanOffz, Verbesserung der
Kontinuitäten sowohl in der Patientenversorgung als auch in der zielgerichteten
Fortsetzung notwendiger Weiterbildungen (im Fachgebiet der Allgemeinmedizin)
sowie für Führung und Betrieb der regionalen Sanitätseinrichtungen.
Die Neubewertungen sind haushaltsseitig anerkannt. Die Zuweisung der
entsprechenden Planstellen erfolgte ebenfalls bereits für das Haushaltsjahr 2010.
Auf Grundlage der in Kraft gesetzten Organisationsmaßnahme werden die
darauf basierenden Personalmaßnahmen derzeit realisiert.
Zu Buchstabe c
Berücksichtigung familienbedingter Abwesenheiten bei der
Dienstpostenbemessung für Sanitätsoffiziere
Neuausbringung von 107 DP für SanOffz auf der Basis einer Änderung der
Jahresarbeitszeit im Funktionsdienst und des Personalbemessungsschlüssels
Truppenarzt:
Das bisherige Rational für die Jahresarbeitszeit im Funktionsdienst ließ außer
Acht, dass hinsichtlich querschnittlicher Forderungen an physische Fitness und
individuelle Grundfertigkeiten an SanOffz die gleichen Anforderungen, somit
aber auch der gleiche Zeitansatz für Ausbildung und Übung zu stellen sind wie
für alle Soldaten und Soldatinnen. Zudem waren Ausfallzeiten aufgrund von
Schwangerschaften und Mutterschutz zu berücksichtigen.
Diese Maßnahme ist bisher noch nicht realisiert. Zur Umsetzung ist eine
Umfangserhöhung der Laufbahn SanOffz im Personalstärkemodell (PSM)
notwendig. Diese erfordert entweder eine Kompensation, für die gegenwärtig jedoch
keine tragfähigen Optionen aufgezeigt werden können, oder eine Erweiterung
des PSM der Streitkräfte. Zudem bedingt dieser Vorschlag voraussichtlich
Mehrkosten für die Regeneration und Qualifizierung dieser 107 zusätzlichen
SanOffz.
Zu Buchstabe d
Neuausrichtung der Bundeswehrkrankenhäuser
Entwickeln und Verzahnung von fachlichen Schwerpunktbereichen und
Alleinstellungsmerkmalen der einzelnen Bundeswehrkrankenhäuser:
Ziel ist es, auf der Basis umfassender Regionalanalysen fachliche Schwerpunkte
in den Bundeswehrkrankenhäusern zu entwickeln. In einem Systemverbund
aller Bundeswehrkrankenhäuser soll zukünftig das klinische
Gesamtleistungsspektrum zur Erfüllung der Einsatzaufträge realisiert werden.
Bei Stärkung der Leistungs- und Zukunftsfähigkeit von Abteilungen ist zu
beachten, dass den wehrmedizinischen Besonderheiten umfassend Rechnung
getragen wird.
Zu Buchstabe e
Führung der Bundeswehrkrankenhäuser
Ziel ist es, die Beurteilungs- und Entscheidungsverantwortung für die
Bundeswehrkrankenhäuser in einem zentralen Führungselement zu bündeln. Dadurch
soll eine Verbesserung der Integration in das raschen und umfassenden
Veränderungszyklen unterliegende zivile deutsche Gesundheitssystem erreicht werden.
Durch eine gesteigerte Reaktionsfähigkeit auf regionale Entwicklungen und
soziodemographische Gegebenheiten kann wehrmedizinischen Erfordernissen
besser Rechnung getragen werden.
Dies kann aus Sicht des Sanitätsdienstes jedoch nur dann erfolgreich sein, wenn
die den örtlichen Verwaltungsabläufen übergeordneten Prozesse einschließlich
der rechtlichen Vertretung in Vertrags- und Verwaltungsangelegenheiten, die
bislang an unterschiedlichen Stellen außerhalb der Verantwortung des
ZSanDstBw wahrgenommen werden, in diesem Zuge ebenfalls
zusammengefasst werden.
Zur konkreten Ausgestaltung eines zentralen Führungselements wurde ein
Planungsmodell für die Führung der Bundeswehrkrankenhäuser unmittelbar aus
dem Sanitätsführungskommando (SanFüKdo) heraus entwickelt. Dies wäre in
der aktuellen Struktur des ZSanDstBw, mit Konsequenzen für die Ebene der
Sanitätskommandos, auch umsetzbar. Es ist aber nicht zweckmäßig, eine
aufbauorganisatorische „Insellösung“ zu schaffen. Vielmehr ist ein Gesamtkonzept
zur Struktur des Sanitätsdienstes erforderlich. Dieses soll im Rahmen der
weiteren Transformation der Streitkräfte unter Berücksichtigung der Ergebnisse der
gemäß dem Koalitionsvertrag eingesetzten Strukturkommission und weiterer
Parameter wie der Verkürzung der Wehrpflichtdauer in ein Gesamtkonzept der
Streitkräfte eingebracht werden. Aus diesem Grund wurden Teilelemente der
fachdienstlichen Führung der Bundeswehrkrankenhäuser zunächst
ablauforganisatorisch im SanFüKdo installiert.
Zu Buchstabe f
Betreuung der Sanitätsoffizieranwärterinnen und -anwärter
Entwicklung eines Tutoren-/Mentorensystems für Sanitätsoffizieranwärter
(SanOA):
Ziel ist es, mit Tutoren und Mentoren die militärische und sozial-berufliche
Orientierung der SanOA während des Studiums zu verbessern. Dabei sollen
auch Systemverständnis und Identifikation der SanOA mit den Streitkräften
verbessert werden.
Tutoren sind dabei (bundeswehr-)erfahrene, kommunikationsfähige SanOffz
mit Interesse an der Anleitung und Unterstützung junger Menschen. Mentoren
sind Professoren der Universitäten (nach Möglichkeit im Reservistenstatus) als
Ansprechpartner in Fragen zur Universität, zum Studium und zu zivilen
Bereichen.
Derzeit wird das Betreuungskonzept ausgestaltet. Anschließend ist ein
Pilotvorhaben bei einem Sanitätskommando vorgesehen.
Zu Buchstabe g
Auftrag, Fähigkeiten und Führung der regionalen Sanitätseinrichtungen
Ziel ist es, die erkennbare Überlastung der regionalen Sanitätseinrichtungen
durch divergierende parallele Aufträge zukünftig zu reduzieren. Bisherige
Untersuchungen zeigen, dass die regionale Zusammenführung der Fähigkeit zur
präklinischen, notfallmedizinischen Versorgung (Behandlungsebene/Role 1) in
geeigneten Organisationselementen des ZSanDstBw am besten die Balance
zwischen Nähe zur Truppe und effizienterer Zusammenfassung der Kräfte bei
gleichzeitiger Verzahnung militärischer und fachlicher Kompetenzen
ermöglicht. So können taktische Ausbildung, fachlicher Kompetenzerhalt, Vernetzung
mit der Truppe und Umgang mit dem Material verbessert werden.
Das Detailkonzept wird derzeit noch ausgearbeitet; eine abschließende Lösung
soll in das Gesamtkonzept der SK eingebracht werden.
Zu Buchstabe h
Verzahnung von Wissenschaft und Praxis im Bereich der Psychotraumatologie
Ziel ist es, die Versorgung und Betreuung psychisch traumatisierter Soldatinnen
und Soldaten zu optimieren. Vor diesem Hintergrund ist geplant, die derzeitige
Trennung zwischen dem Fachbereich Psychische Gesundheit am Institut für den
Medizinischen Arbeits- und Umweltschutz der Bundeswehr (Forschung) und
der Abteilung Psychiatrie des Bundeswehrkrankenhauses Berlin (Praxis)
aufzugeben und beide Anteile unter einem Dach im Bundeswehrkrankenhaus Berlin
zu einem „Trauma-Zentrum“ zusammenzuführen. Dabei wird nicht die
Zentralisierung der Behandlung verfolgt, sondern die enge Einbindung der Abteilung
Psychiatrie des Bundeswehrkrankenhauses Berlin mit dem Ziel eines
unmittelbaren Wissens- und Erfahrungstransfers zwischen wissenschaftlicher
Grundlagenarbeit und Forschung sowie medizinischer Versorgung.
Weiterführende Maßnahmen werden geprüft.
Zu Buchstabe i
Stärkung von internationaler Integration zur Nutzung von Synergien
Vertiefung der multinationalen Integration und Ausschöpfen der dadurch
entstehenden Synergieeffekte im Bereich der Gesundheitsüberwachung im Einsatz
und der Standardisierung der Prozesse multinationaler Zusammenarbeit sowie
der Einsatzauswertung:
Mit dem im Jahr 2010 am Sanitätsamt der Bundeswehr eingerichteten
„Deployment Health Surveillance Center“ ist es nunmehr möglich, im Rahmen der
NATO gesundheitsrelevante Einsatzdaten (epidemiologische Lage) zentral zu
erfassen, zu analysieren und zu beurteilen. Die multinationale Zusammenarbeit
auf dem Gebiet der Epidemiologie wird koordiniert, die NATO-
Kommandobehörden werden in Fragen der Epidemiologie wehrmedizinisch relevanter
Erkrankungen informiert, Handlungsoptionen zur Prävention von Erkrankungen
im Einsatz für die militärische Führung und die sanitätsdienstliche Versorgung
werden abgeleitet sowie die Gesamtthematik konzeptionell und technisch
weiterentwickelt.
Im Herbst 2009 wurde ein Dienstposten für einen deutschen SanStOffz Arzt
(Dotierung nach A 16) als stellvertretender Leiter und Chef des Stabes am durch
Ungarn als Lead Nation aufgestellten „Centre of Excellence for Military
Medicine“ eingerichtet. Ziel ist es, eigene konzeptionelle Vorstellungen und
Forderungen nach zertifizierten Qualitätsstandards für das Zusammenwirken im
multinationalen Verbund an zentraler Stelle zu platzieren und gleichzeitig am
Wissen der Partnernationen zu partizipieren.
Zu Buchstabe j
Weiterentwicklung der einsatzvorbereitenden Ausbildung (EVA)
Ziel ist es, die Soldatinnen und Soldaten des ZSanDstBw bestmöglich auf den
Einsatz in Afghanistan unter der verschärften Gefährdungslage vorzubereiten.
Dabei ist die Ausbildung einsatzorientiert, realitätsnah und am Bedarf der
Truppe auszurichten.
Die EVA der mobilen Kräfte des SanDstBw ist seit 2008 deutlich erweitert
worden, beginnend mit den sanitätsdienstlichen Anteilen der QRF3. Seit Ende 2009
nehmen alle mobilen Sanitätskräfte in der EVA für ISAF an einer erweiterten
Zusatzausbildung EAKK4, die zeitnah und mit spezifischem Bezug zum Einsatz
durchlaufen wird, sowie der gemeinsamen EVA mit dem Leitverband des
Heeres teil (sogenannte Kohäsionsausbildung). Zusätzlich wird seit 2009 eine
ergänzende Schießausbildung für die mobilen Kräfte beim DEU EinsKtgt ISAF
durchgeführt.
Zu Buchstabe k
Einsatzbezogener fachlicher Kompetenzerwerb
Ziel ist es, die Kompetenzen des Fachpersonals noch stärker an den
Anforderungen des Einsatzes zu orientieren.
Neben der Strukturierung und Professionalisierung der rettungsmedizinischen
Aus- und Weiterbildung wurde in einem weiteren Schritt der Kompetenzerwerb
in den chirurgischen Fachgebieten von Grund auf neu gestaltet. Der Inspekteur
des Sanitätsdienstes der Bundeswehr (InspSan) hat mit Weisung vom 29. Mai
2009 festgelegt, dass SanOffz Arzt Chirurgie zukünftig zwei
Facharztqualifikationen (sogenanntes Modell DUO) sowie weitere spezifische Kenntnisse
erwerben.
Derzeit wird die Strukturierung des einsatzbezogenen Kompetenzerwerbs der
SanStOffz Arzt Allgemeinmedizin erarbeitet; die Gebiete der Inneren Medizin,
Anästhesie und Intensivmedizin folgen.
Zu Buchstabe l
Postuniversitäre modulare Ausbildung von Sanitätsoffizieren
Ziel ist es, SanOffz nach dem Studium auf die nachfolgenden fachlichen
Verwendungen bzw. ihre Verwendungen in der Truppe vorzubereiten. Sie erhalten
seit 2008 eine lehrgangsgebundene postuniversitäre modulare Ausbildung
(PumA) von bis zu 22 Wochen Dauer. In diesem Rahmen absolvieren sie zu
Beginn ihres Werdeganges die Aufbauausbildung EAKK, eine Sprachausbildung
Englisch und erlangen approbationsgerecht die notwendigen Kenntnisse in der
Notfallmedizin.
3 QRF = Quick Reaction Force. Schnelle Eingreiftruppe des RC NORTH.
4 EAKK = Einsatzvorbereitende Ausbildung für Konfliktverhütung und Krisenbewältigung.
4. Welche notwendigen Anknüpfungspunkte im deutschen Gesundheitssystem
sind aufgrund der Optimierungsprozesse angelegt worden?
Neue Anknüpfungspunkte sind im Fokus in folgenden Bereichen angelegt
worden:
a) Vernetzung mit dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG),
Fachverbänden und Standesorganisationen,
b) Entwicklung der zivil-militärischen Zusammenarbeit (ZMZ) im SanDstBw,
c) Vernetzung im Rettungsdienst an den Standorten der
Bundeswehrkrankenhäuser.
Vernetzung mit BMG, Fachverbänden und Standesorganisationen
Als Anknüpfungspunkte zum deutschen Gesundheitssystem sind Verbindungen
zu verschiedenen Ansprechpartnern sowohl bei Fachverbänden als auch
Standesorganisationen und anderen Ressorts aufgenommen bzw. intensiviert
worden. Dies manifestiert sich u. a. durch die Vertretung des Führungsstabes im
Sanitätsdienst bei der ständigen Konferenz „Ärztliche Weiterbildung“ der
Bundesärztekammer und in der Expertenkommission des BMG zur Novellierung
des Rettungsassistentengesetzes. Im Rahmen der Erarbeitung des Modells DUO
(siehe Frage 3 zu Buchstabe k) bestand ein enger Schulterschluss mit
chirurgischen Fachgesellschaften (Berufsverband der Deutschen Chirurgen e. V.,
Deutsche Gesellschaft für Chirurgie e. V., die das Konzept fachlich mitgetragen
haben.
Entwicklung der zivil-militärischen Zusammenarbeit (ZMZ) im SanDstBw
Auf der Basis der Teilkonzeption „Zivil-Militärische Zusammenarbeit der
Bundeswehr“ (ZMZBw) werden neun sogenannte ZMZ-Stützpunkte Sanitätsdienst
betrieben, von denen aus die Sanitätstruppe neben ihrem militärischen
Kernauftrag subsidiäre Aufgaben im Rahmen der Hilfeleistung, Not- und Amtshilfe
übernimmt.
Ziel ist es, an jedem der neun ZMZ-Stützpunkte Kooperationen z. B. mit dem
DRK und vergleichbaren Hilfsorganisationen zu etablieren.
Vernetzung im Rettungsdienst an den Standorten der Bundeswehrkrankenhäuser
Um ihren Auftrag zur Ausbildung und zum Kompetenzerhalt erfüllen zu können
und das dazu erforderliche Patientengut zu erreichen, müssen die
Bundeswehrkrankenhäuser zwingend zivile Patienten behandeln. Hierzu nehmen sie an der
land- und luftgebundenen zivilen Rettung teil, um einerseits den Rettungsdienst
als Zuführungsweg für einsatzrelevante Erkrankungs- und Verletzungsfälle
insbesondere in die stationäre Versorgung zu nutzen und andererseits
einsatzrelevantes Fachpersonal durch professionelle Berufsausübung in Übung zu halten.
Mit der Neufassung des Vertrages zwischen der Bundesrepublik Deutschland
und dem Land Berlin über die Teilnahme des Bundeswehrkrankenhauses Berlin
am zivilen landgebundenen Rettungsdienst vom Juli 2009 verpflichtete sich die
Bundeswehr, neben dem bereits am Bundeswehrkrankenhaus Berlin
stationierten Notarztwagen drei weitere Rettungstransportwagen ganzjährig 24 Stunden
täglich in eigener Verantwortung für den Rettungsdienst in Berlin zur Verfügung
zu stellen. Hierfür wurden die Strukturen entsprechend angepasst.
5. Welche Defizite bei den Strukturen des Sanitätsdienstes sind im Rahmen der
Untersuchungen der ministeriellen Arbeitsgruppe „Attraktivität und
Funktionalität des Sanitätsdienstes der Bundeswehr“ festgestellt worden?
Folgende strukturelle Defizite wurden im Rahmen der AG Attraktivität
SanDstBw festgestellt:
a) Unzureichende Dotierung der Fachärzte in den Bundeswehrkrankenhäusern
b) Unzureichende Dotierung der Fachärzte in den regionalen
Sanitätseinrichtungen
c) Unzureichende Berücksichtigung familienbedingter Abwesenheiten bei der
Jahresarbeitszeit für Sanitätsoffiziere
d) Querschnittliche Strukturierung der Bundeswehrkrankenhäuser
e) Dezentralisierte Führung der Bundeswehrkrankenhäuser.
Auf die Antworten zu den Fragen 2 und 3 wird verwiesen.
6. Wo liegen nach Auffassung der Arbeitsgruppe die Stärken der jetzigen
Organisation des Sanitätsdienstes?
In den o. g. Arbeits- und Projektgruppen wurden folgende Stärken der
derzeitigen Organisation und Leistungsprozesse herausgearbeitet:
Vernetzung der sanitätsdienstlichen Fähigkeitsträger in einen Systemverbund
Die Zusammenfassung der Systemfähigkeitsträger in einem
Organisationsbereich bewirkte folgende Effekte:
– Standardisierung des Sanitätsdienstes hinsichtlich seiner Prozessabläufe,
dabei insbesondere die fachliche Versorgung und sanitätsdienstliche
Ausbildung in den Streitkräften, Strukturen, Ausrüstung sowie eine
– effizientere Leistungserbringung.
Als Beispiele für den unmittelbar messbaren Zugewinn durch die
Standardisierung eines ganzen Prozesses in einem OrgBereich sind zu nennen:
a) Rettungskette
Das frühzeitige, verzugslose und fachgerechte Einbringen ärztlicher Kompetenz
ist insbesondere in der notfallmedizinischen Versorgung für das Überleben sowie
das spätere Behandlungsergebnis von Erkrankten, Verletzten und Verwundeten5
von entscheidender Bedeutung. Um Leben zu retten und unnötige weitere
Komplikationen zu verhindern, beginnt die sanitätsdienstliche Versorgung so nah wie
möglich am Ort der Verwundung und wird durch eine geeignete
Anschlussversorgung fortgeführt. Dies wird durch das Gesamtsystem der Rettungskette, die
den Besonderheiten der jeweiligen Einsatzgebiete Rechnung trägt, erreicht. Die
Rettungskette erlaubt eine flexible Verwundetensteuerung innerhalb ihrer
fachspezifischen Anteile. Die Verwundeten werden verzugslos in die für ihre
Behandlung am besten geeignete Sanitätseinrichtung transportiert. Die Rettungskette
schließt den qualifizierten Verwundetenlufttransport (STRATAIRMEDEVAC)
mit speziell dafür ausgestatteten Luftfahrzeugen aus dem Einsatzgebiet zur
weiteren Behandlung und Rehabilitation ins Heimatland ein. Sie gewährleistet so
eine den individualmedizinischen Fallkonstellationen gerecht werdende
Behandlung.
5 Im weiteren Verlauf wird der Begriff Verwundung als Sammelbegriff für Erkrankung, Verletzung und
Verwundung genutzt.
b) Vorbeugender Gesundheitsschutz
Vorbeugender Gesundheitsschutz in der Bundeswehr wird durch
Individualmaßnahmen der Hygiene und Prävention, wie z. B. Impfmaßnahmen sowie durch
ein entsprechendes Netzwerk von spezifischen Maßnahmen zum Schutz der
militärischen Gemeinschaft vor Gesundheitsgefahren sichergestellt. Daran sind
alle vier Approbationen beteiligt. Im Gegensatz zu den vielfach
unterschiedlichen Zuständigkeiten im zivilen Bereich stellt eine zentrale Steuerung der
Maßnahmen sicher, dass alle Angehörigen der Bundeswehr gleichermaßen
erfasst werden. Dies trägt als Teil des vorbeugenden Gesundheitsschutzes
wesentlich zum Erhalt der Einsatzbereitschaft der SK bei.
Diesem Ziel dienen auch die Fach- und Forschungsinstitute des SanDstBw. Sie
unterstützen durch qualitativ hochwertige Forschung und Entwicklung die
Effizienz der gesundheitlichen Prävention und sanitätsdienstlichen Versorgung der
Soldatinnen und Soldaten und decken den erheblichen Beratungsbedarf von
Bundeswehr und Politik in diesem Bereich. Der Wissenschaftsrat hat die
Ressortforschungseinrichtungen des ZSanDstBw evaluiert und ihnen bis auf wenige
Ausnahmen gute bis sehr gute wissenschaftliche Leistungen sowie ein
Erbringen wissenschaftsbasierter Dienstleistungen auf hohem Niveau attestiert. Ein
Beispiel für den forschungsbasierten Wissenstransfer ist die Task-Force
Medizinischer ABC-Schutz, die im Rahmen von ABC-Gefährdungslagen eingesetzt
und aus Experten der jeweiligen Institute gebildet wird. Dadurch können
Krankheitsbilder, die im Klinikalltag nicht vorkommen und für die besondere
Kenntnisse im Umgang mit bestimmten Substanzen und Erregern erforderlich sind,
professionell erkannt und behandelt werden.
c) Unentgeltliche truppenärztliche Versorgung (utV)
Die medizinische und zahnmedizinische Versorgung der Soldatinnen und
Soldaten der Bundeswehr ist gesetzlich im Soldaten- und Bundesbesoldungsgesetz
verankert. Sie wird in Form der utV als Sachbezug gewährt. Die
Unentgeltlichkeit hat ihre Grundlage im dienstlichen Interesse an der Gesundheit im
Allgemeinen und in der Erhaltung bzw. Wiederherstellung der Einsatzfähigkeit der
Soldatinnen und Soldaten im Besonderen. Auch medizinische Leistungen zur
Gesunderhaltung, Früherkennung und Prophylaxe von gesundheitlichen
Schäden werden von der utV erfasst. Soldatinnen und Soldaten unterliegen nach dem
Soldatengesetz der Pflicht zur Gesunderhaltung und müssen Einschränkungen
des Grundrechts auf körperliche Unversehrtheit, wie z. B. spezifische Impf- und
Prophylaxemaßnahmen, und auch den Verzicht auf die freie Arztwahl tolerieren.
In einem funktionellen Ansatz werden für die Realisierung der utV Personal,
Material und Einrichtungen des SanDstBw genutzt, die die SK ohnehin zur
Erfüllung ihres Auftrages benötigen. Durch die Pflicht zur Erstvorstellung im
Krankheitsfall bei der zuständigen Truppenärztin oder dem zuständigen
Truppenarzt (Primärarztsystem) wird bundeswehreigene oder zivile fachärztliche
Kompetenz erst hinzugezogen, wenn dies aus ärztlicher Sicht erforderlich ist. So
werden unnötige und kostenintensive Erstkonsultationen von Fachärztinnen
oder Fachärzten, wie sie im zivilen Bereich häufiger vorkommen, mit dem
System der utV vermieden.
Im Unterschied zum zivilen Bereich berücksichtigt die utV dienstliche
Interessen und sieht in diesem Sinne eine abgestufte Krankschreibung vor. So können
auch gesundheitlich beeinträchtigte Soldatinnen und Soldaten eingeschränkt
Dienst verrichten und stehen damit dem Dienstherrn zur Verfügung. Hieraus
resultiert ein wesentlich niedrigerer Krankenstand als bei vergleichbaren zivilen
Status- und Berufsgruppen. Der Geschäftsbereich des BMVg verzeichnet bei
Soldatinnen und Soldaten lediglich fünf krankheitsbedingte Fehltage pro Jahr.
7. Wie wird zurzeit angesichts der eingeräumten Personalengpässe eine
bedarfsgerechte sanitätsdienstliche Versorgung flächendeckend
sichergestellt?
Da die flächendeckende truppenärztliche Versorgung der zu betreuenden Truppe
folgt, haben Stationierungsentscheidungen eine erhebliche Auswirkung auf den
Sanitätsdienst. Angepasst an die jeweilige Versorgungsstärke in einem Standort
wurden Sanitätseinrichtungen von bedarfsentsprechender Größe ausgebracht.
Dabei stellt sich die Herausforderung, mit relativ hohem Aufwand auch eine
Vielzahl kleinerer Einrichtungen an Kleinststandorten zu betreiben, um die
möglichst standortnahe Betreuung der Soldatinnen und Soldaten zu
gewährleisten.
Die utV wird durch SanOffz Arzt in den regionalen Sanitätseinrichtungen und
den Bundeswehrkrankenhäusern sichergestellt. Vorübergehende Vakanzen
werden durch ein (über-)regionales Vakanzenmanagement im Sinne einer
Ressourcenbündelung sowie durch die Einbindung von zivilen Vertragsärztinnen und
Vertragsärzten kompensiert. Mittelfristig wird sich der in diesem Jahr
eingerichtete Personalpool für Rettungsmediziner ebenfalls entlastend auswirken, da
kurzfristige einsatzbedingte Vakanzen im truppenärztlichen Bereich zunehmend
vermieden werden können.
Bei fachlich begründeter Notwendigkeit einer heimatnahen stationären
Versorgung wird auf qualifizierte Einrichtungen des zivilen Gesundheitswesens
zurückgegriffen. Damit ist die umfassende Versorgung der Soldatinnen und
Soldaten im Rahmen der utV gewährleistet.
8. In welchem Umfang erfolgt dabei eine Abstützung der truppenärztlichen
Versorgung auf Leistungen des zivilen Gesundheitswesens?
Soldatinnen und Soldaten können zur Behandlung zu zivilen Einrichtungen/
Krankenhäusern und Ärzten überwiesen werden. Hierfür können vielfältige
Gründe gegeben sein, z. B. die Veranlassung von Spezialdiagnostik/-behandlung
oder die Behandlung in Notfällen. Im Jahr 2009 erfolgten ca. 20 Prozent der bei
Soldatinnen und Soldaten durchgeführten diagnostischen bzw.
Behandlungsleistungen im zivilen Bereich.
9. Wie viele Sanitätsoffiziere erhalten die bis 2014 befristete monatliche
Stellenzulage in Höhe von 600 Euro für Fachärzte und Rettungsmediziner?
Die Zulage erhalten derzeit 1509 SanOffz.
10. Auf welche Akzeptanz stieß diese Stellenzulage bei Sanitätsoffizieren mit
nichtärztlicher Approbation?
Zu dieser Fragestellung liegen keine validierten Untersuchungsergebnisse vor.
Einzelgespräche und Rückmeldungen Betroffener sowie eine insgesamt geringe
Zahl entsprechender Eingaben und Beschwerden zeigen, dass die derzeitige
Ausgestaltung der Zulage durch SanOffz nichtärztlicher Approbation angesichts
der kritischen Personalsituation im ärztlichen Bereich zwar nicht in allen
Bereichen positiv bewertet, so doch zumindest „hingenommen“ wird.
11. Welche Möglichkeiten sieht die Bundesregierung für eine Umwandlung
dieser befristeten Stellenzulage in eine Leistungszulage für Fachärzte und
Rettungsmediziner?
Die Zulage für Fachärzte und Rettungsmediziner wurde mit Wirkung vom 1.
Januar 2009 eingeführt und bis Ende des Jahres 2014 befristet. Bislang wird keine
Notwendigkeit gesehen, diese in eine Zulage anderer Art umzuwandeln. Die
Bundesregierung erwägt, zur Sicherung des Personalbestandes anderweitige
finanzielle Verbesserungen zu schaffen. Ob und wann dies zu verwirklichen ist,
kann noch nicht eingeschätzt werden.
12. Wie wirken sich die deutlich früheren Weiterbildungszusagen (bereits nach
18 statt bisher 36 Monaten) auf eine längerfristige Bindung an den
Sanitätsdienst aus?
Junge SanOffz können mittlerweile bereits nach 18 Monaten ärztlicher Tätigkeit
eine Facharztzusage erhalten. Die diesbezüglichen, seit Ende 2008
durchgeführten Auswahlkonferenzen finden ein durchweg positives Echo. Mehr als die
Hälfte der betrachteten SanOffz hat die Weiterbildungszusage unter
entsprechender Weiterverpflichtung bereits angenommen. Über die deutlich frühere
Facharztzusage in den klinischen Fachgebieten hinaus werden seit Sommer
2009 bereits bei Abschluss des Studiums verbindliche Weiterbildungszusagen
für die Allgemeinmedizin ausgesprochen, wodurch bisher bereits 31 Ärzte für
das Fachgebiet gewonnen werden konnten. Insgesamt konnte durch bessere
Planbarkeit des beruflichen Werdeganges die Personalbindung im Sinne einer
höheren Berufszufriedenheit gesteigert werden. Inwieweit sich dies künftig auf
eine erhöhte Bereitschaft zu noch längerfristigen Dienstzeitverlängerungen
auswirkt, wird erst in einigen Jahren fundiert zu bewerten sein.
13. Wie sahen die im Sachstandsbericht der Arbeitsgruppe „Attraktivität und
Funktionalität des Sanitätsdienstes der Bundeswehr“
(Ausschussdrucksache 17(12)160) intensivierten Werbemaßnahmen aus (bitte aufgliedern
nach Printmedien, Hörfunk und Fernsehen sowie Internet im Vergleich
2008 zu 2009)?
Welche Zusatzkosten sind entstanden?
In Verantwortung der Personalgewinnungsorganisation der Streitkräfte wurden
in den Jahren 2008 und 2009 personalwerbliche Maßnahmen für den SanDstBw
ausschließlich im Bereich der Print- und der Onlinewerbung mit dem Ziel
durchgeführt, eine zeitnah wirkende Reaktion zu erreichen. Mit Blick auf die
Erstellung zeit- und kostenintensiver TV- und Radiospots erfolgte in den Bereichen
Rundfunk und Fernsehen noch keine Werbung. Weitere Werbemaßnahmen im
Rahmen des Zentralen Messe- und Eventmanagements der Bundeswehr und auf
geeigneten Tagungen bzw. Messen finden regelmäßig statt.
Im Jahr 2008 erfolgte dabei die Schaltung von 17 Printanzeigen mit einem
Kostenumfang von 60 850 Euro. Im Internet-/Onlinebereich wurden drei Anzeigen
mit einem Kostenumfang von 20 456 Euro veröffentlicht.
Im Jahr 2009 wurden 18 Printanzeigen mit einem Kostenumfang von 135 449
Euro publiziert.
Die Kostensteigerung resultiert im Wesentlichen aus einer
Schwerpunktverlagerung der Insertionen zugunsten des Deutschen Ärzteblattes sowie z. T. aus der
Buchung kostenintensiverer Anzeigenformate. Im Internet-/Onlinebereich
wurden zwei Anzeigen mit einem Kostenumfang von 17 034 Euro geschaltet.
Insgesamt entstanden durch die Werbung für den SanDstBw somit im Jahr 2008
Kosten in Höhe von 81 306 Euro und im Jahr 2009 Kosten in Höhe von 152 483
Euro. Zusatzkosten sind nicht entstanden.
In Zuständigkeit des Zentralen Sanitätsdienstes wurde im Rahmen der
Öffentlichkeitsarbeit der Schwerpunkt in 2009 auf die Internetpräsenz des Arbeitgebers
Sanitätsdienst gelegt. In das Internet wurden ausgewählte Stellenanzeigen für
SanOffz in Mangelverwendungen sowie 46 Beiträge und Jobporträts eingestellt.
Darüber hinaus wurden 42 Internetkurzfilme produziert. Die Kosten der Filme
beliefen sich auf 9 640 Euro. Seit dem IV. Quartal 2009 sind die Internetseiten der
Personalgewinnungsorganisation der Streitkräfte sowie des SanDstBw
miteinander verlinkt.
14. Wie wirkte sich diese zusätzliche Werbung auf die Anzahl der approbierten
Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger für den Sanitätsdienst aus
(Vergleich der Jahre 2007 bis 2009)?
Im Vergleich zu den Vorjahren ist es 2009 gelungen, die Anzahl der approbierten
Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteiger zu erhöhen. Dies gilt insbesondere
für den Bereich der Humanmedizin.
Bislang konnten im I. Quartal 2010 durch intensivierte personalwerbliche
Maßnahmen bereits 36 (34
6
) Einstellungen approbierter Seiteneinsteigerinnen und
Seiteneinsteiger, davon 27 (25
6
) mit ärztlicher Approbation, realisiert werden.
Darüber hinaus verfügen weitere 26 Bewerberinnen und Bewerber, davon
20 Ärztinnen und Ärzte, über eine feste Einstellungszusage für dieses Jahr. Als
besonders positives Signal ist zu werten, dass gegenüber dem Jahr 2007
(42,6 Prozent) mehr als doppelt so viele Seiteneinsteiger und
Seiteneinsteigerinnen (in 2010 bisher 94,4 Prozent) nach Abschluss der Eignungsübung in das
Dienstverhältnis eines Soldaten bzw. einer Soldatin auf Zeit übernommen
werden konnten. Die relativ hohe Zahl von Verlusten in vergangenen Jahren war
dadurch bedingt, dass noch parallel zur Eignungsübung weitere Bewerbungen im
zivilen Gesundheitssystem verfolgt wurden.
15. Welche Qualifikation und fachärztliche Ausrichtung hatten diese
Seiteneinsteiger?
Während im Jahr 2007 noch 50 Prozent aller eingestellten Seiteneinsteigerinnen
und Seiteneinsteiger über eine fachärztliche Qualifikation verfügten, nahm der
Anteil an eingestellten Fachärztinnen und Fachärzten vor dem Hintergrund der
erheblich gesteigerten Attraktivität zivilberuflicher Alternativen in den Jahren
2008 (35 Prozent) und 2009 (25 Prozent) ab. Für das Jahr 2010 kann bisher
wieder ein Anstieg an bereits fachärztlich qualifizierten eingestellten
Seiteneinsteigerinnen und Seiteneinsteigern auf derzeit 44 Prozent beobachtet werden.
2007 2008 2009
Einstellungen gesamt 61 (26
6
) 56 (43
6
) 81 (67
6
)
davon: Humanmediziner 50 (20
6
) 31 (22
6
) 63 (53
6
)
6 Tatsächliche Übernahme nach Ende der Eignungsübung.
Detaillierte Darstellung der eingestellten Seiteneinsteiger und
Seiteneinsteigerinnen, aufgeschlüsselt nach Qualifikationen, Fachgebieten und Jahren:
Humanmedizinische Fachgebiete:
16. Welche zusätzlichen Qualifikationsmaßnahmen mussten für diese
Seiteneinsteiger eingeleitet werden?
Jeder Seiteneinsteiger in der Laufbahn der SanOffz absolviert unmittelbar nach
der Einstellung einen zweiwöchigen Einweisungslehrgang zur Vermittlung
grundlegender militärischer Kenntnisse, der abhängig von der jeweiligen Ver-
Jahr der Einstellung und Qualifikation
2007 2008 2009
Zahnmedizin 4 4 2
Pharmazie 2 5 9
Veterinärmedizin 4 15 6
Psychologie 1 – 1
Fachgebiet Jahr der Einstellung und Qualifikation
2007 2008 2009
Facharzt
Assistenzarzt
Facharzt
Assistenzarzt
Facharzt
Assistenzarzt
Allgemeinmedizin 1 3 2 4 3 12
Anästhesie 6 5 3 2 1 7
Arbeitsmedizin – 4 – – 1 –
Augenheilkunde – – – – 1 –
Chirurgie 5 4 3 1 – 11
Dermatologie – – – – – 2
HNO 1 – – – 2 1
Innere Medizin 1 1 2 8 3 4
Mikrobiologie 1 1 – – 1 1
Mund-Kiefer-
Gesichts-Chirurgie 5 3 1 4 1 4
Neurochirurgie 2 2 – – – 1
Neurologie – – – – – 2
Psychiatrie 1 1 – – 2 1
Radiologie – – – – – 1
Urologie 2 1 – 1 1 –
wendung modular ergänzt wird. Bei längeren Verpflichtungszeiten mit
absehbarer Teilnahme an Auslandseinsätzen ist die vollständige einsatzvorbereitende
Ausbildung erforderlich. Der Umfang der erforderlichen fachlichen
Qualifikationsmaßnahmen orientiert sich am Weiterbildungsstand bei Einstellung.
Überwiegend wird dabei der Abschluss einer noch fehlenden Facharztanerkennung
angestrebt, wobei für Assistenzärzte ohne Weiterbildung im Fachgebiet
unterschiedlich strukturierte Modelle angeboten werden. Ziel ist es darüber hinaus,
möglichst alle Seiteneinsteiger auch die einsatzspezifischen fachlichen
Qualifikationen, z. B. die ATB Arzt Rettungsmedizin, erwerben zu lassen.
17. Ist die erhöhte Zahl der ab Wintersemester 2009/2010 der Bundeswehr zur
Verfügung stehenden zivilen Medizinstudienplätze von 220 vollständig
ausgenutzt worden (bitte Zahlen für das Wintersemester 2009/2010 und
das Sommersemester 2010 angeben)?
Initial konnten von den 198 zum Wintersemester 2009/2010 zugewiesenen
zivilen Humanmedizinstudienplätzen nur 184 genutzt werden. Dies begründet sich
nicht in einem Mangel geeigneter Bewerber, sondern ist einer terminlichen
Überschneidung von Einstellungsschluss und veränderter
Studienplatzzuweisung im Rahmen der erhöhten Zuweisungsquote geschuldet.
Erstmals zum Wintersemester 2009/2010 wurde durch die ZVS eine erhöhte
Zahl von Medizinstudienplätzen zur Verfügung gestellt. Diese war zum
Einstellungstermin 1. Juli 2009 zwar dem Grunde nach in Aussicht gestellt worden,
allerdings war die zeitgerechte Angabe des tatsächlichen Zuweisungsumfanges
nicht möglich.
Auch wenn vorsorglich erheblich mehr Bewerberinnen und Bewerber zum
1. Juli 2009 eingestellt wurden als sonst üblich, reichte dies nicht aus, um die
dann folgende überproportional hohe Studienplatzzuweisung vollständig
ausschöpfen zu können. Da mit Etablierung des Verfahrens die erforderlichen
Einstellungsumfänge nunmehr zeitgerecht planbar sind, ist künftig die
vollumfängliche Nutzung der zugewiesenen Medizinstudienplätze zu erwarten – so konnten
alle 22 zum Sommersemester 2010 zugewiesenen Medizinstudienplätze
vergeben werden.
18. Auf welche Art und Weise werden die Sanitätsoffiziere und
Sanitätsoffizieranwärter intensiver als bisher in die Weiterentwicklung personeller
Auswahlverfahren eingebunden?
Im Rahmen eines intensiven Informationsaustauschs bei
Vortragsveranstaltungen und Tagungen wird den truppendienstlichen und fachlichen Vorgesetzten
sowie allen interessierten SanOffz aktiv die Möglichkeit angeboten, mit der
Personalführung in einen aktiven und zielgerichteten Dialog einzutreten.
Grundlagen für Personalmaßnahmen werden hier transparent dargestellt und im Rahmen
der Evaluation von Informations- und Einplanungsveranstaltungen festgestellter
Optimierungsbedarf auf Realisierbarkeit geprüft und wo immer möglich
umgesetzt. Die Anzahl der Multiplikatoren konnte hierdurch deutlich erhöht und
wesentliche Erkenntnisse für effektive Anpassungen in der Laufbahngestaltung
und Verwendungsplanung gewonnen werden (z. B. frühe Facharztzusage,
langfristige Verwendungsplanung, Einsatzpool RettMed).
Darüber hinaus gibt es konkrete Initiativen zur verstärkten Einbindung von
SanOffz in personelle Auswahlverfahren. Zur Optimierung der SanOA-
Ersteinplanung in die Bundeswehrkrankenhäuser und in die klinischen Fachgebiete
zum Abschluss des Studiums wurde unter enger Einbindung des Deutschen
SanOA e. V. ein „Credit-Point-System“ erarbeitet, welches Leistungen während
Offizierausbildung und Studium differenziert abbildet, und diese Einplanung
auf eine breit akzeptierte, leistungsorientierte Grundlage stellt. Die Zusage der
Facharztausbildung zum Ende des ersten klinischen Weiterbildungsabschnitts
sowie die Einplanung in den Einsatzpool für SanOffz Rettungsmedizin werden
unter Einbeziehung von fachlichen Stellungnahmen des jeweiligen klinischen
Abteilungsleiters im Zielfachgebiet bzw. des Beauftragten für Rettungsmedizin
getroffen. Sowohl die Einplanungsveranstaltung zum Abschluss des Studiums
als auch die Einplanung in die Truppenarztverwendung werden evaluiert und
fortlaufend angepasst, neue Maßnahmen der Personalentwicklung werden durch
Informationsveranstaltungen begleitet.
19. Wie weit sind die Bemühungen gediehen, die Nutzung von Leerstellen
insbesondere für das Sanitätspersonal bei Elternzeit bereits ab sechs Monaten
Dauer gesetzlich zu ermöglichen?
Diese Thematik wird derzeit durch das Bundesministerium der Finanzen
ressortübergreifend bearbeitet.
20. Wann ist mit der Einrichtung des im Sachstandsbericht
(Ausschussdrucksache 17(12)160) angekündigten Personalpools für
Rettungsmedizinerinnen und -mediziner zur Verbesserung der Verfahren von
Ersatzgestellung bei kurzfristigem Ausfall von Personal bei Einsätzen zu rechnen?
Die entsprechende Erlassgrundlage ist erstellt, die Einrichtung des Pools
angewiesen. Erste Einplanungen (zunächst 5 SanOffz) erfolgten im Januar 2010.
21. Wie sehen die Erfahrungen mit den am 13. November 2009 veränderten
Durchführungsbestimmungen zu den Untersuchungen auf Auslands- und
Tropendienstverwendungsfähigkeit aus?
Belastbare Zahlenangaben können zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht erfolgen,
da die neuen Durchführungsbestimmungen des SanFüKdo erst seit einem
Quartal zur Anwendung kommen. Tendenziell lässt jedoch das beschriebene
Verfahren der abgestuften Untersuchung eine Zielerreichung mit ökonomischem
Kräfteansatz erwarten.
22. Wie hoch ist die Tagesantrittsstärke der Truppenärzte, mit Ausnahme der
Vertragsärzte, aufgeschlüsselt nach den Gründen der Abwesenheit?
Unter Berücksichtigung des Ergänzungspersonals zur Kompensation
einsatzbedingter Abwesenheiten betrug die Tagesantrittsstärke und damit der Anteil
Truppenärztinnen und Truppenärzte, die zur ärztlichen Versorgung im
Grundbetrieb tatsächlich zur Verfügung standen, im I. Quartal 2010 ca. 50 Prozent
(Besetzungsgrad der Dienstposten durchschnittlich 89 Prozent). Durch
zusätzliche militärische Personalverstärkungen im Rahmen des übergreifenden
Vakanzenmanagements konnte die Tagesantrittsstärke auf ca. 55 Prozent gesteigert
werden. Hierbei ist zu berücksichtigen, dass über die der Personalbemessung
zugrunde gelegte Jahresarbeitszeit hinaus bereits Urlaub, Krankheit und
allgemeinmilitärische Ausbildung als Abwesenheiten berücksichtigt sind und somit
die anfallenden Aufgaben bei einer Anwesenheit von 75 Prozent erfüllt werden
können. Verglichen mit den Werten aus dem Jahr 2008 sind vor allem die hohen
Aufwendungen für die Aus-, Fort- und Weiterbildung aufgrund gestiegener
militärischer oder ziviler Anforderungen hervorzuheben. Auch einsatz- oder
familienbedingte Abwesenheiten sind weiterhin ein wesentlicher Faktor für die
unvermindert hohen Abwesenheiten im truppenärztlichen Bereich. Die
prozentuale Gewichtung der Abwesenheitsgründe bezogen auf die Gesamtzahl der
Truppenärzte stellte sich wie folgt dar:
Ein Instrument zur Kompensation vorübergehender Abwesenheiten von
SanOffz Truppenarzt und zur zeitlich begrenzten Steigerung der ärztlichen
Präsenz in regionalen Sanitätseinrichtungen ist der Einsatz von Vertragsärztinnen
und Vertragsärzten. Dadurch wird eine ärztliche Tagesantrittsstärke in Höhe der
Sollgröße von 75 Prozent insgesamt erreicht.
Mit den Maßnahmen zur Flexibilisierung der Handhabung von Teilzeit
(Inanspruchnahme von Teilzeit auch von weniger als 50 Prozent der
Rahmendienstzeit) und Leerstellen (Nutzung von Leerstellen bereits bei Elternzeit von sechs
anstelle wie bisher zwölf Monaten) sollen weitere Werkzeuge zur Verfügung
gestellt werden, die möglicherweise zu einer Verbesserung der Tagesantrittsstärke
in den regionalen Sanitätseinrichtungen beitragen können.
23. Welche Möglichkeiten zur besseren Gewinnung von Vertragsärzten bzw.
Zeitarbeitspersonal zur Deckung der Versorgungslücken im ärztlichen
Bereich wurden ergriffen?
Zur Deckung von Versorgungsengpässen im ärztlichen Bereich werden
grundsätzlich Vertragsärztinnen und Vertragsärzte herangezogen. Es sind
unterschiedliche Maßnahmen zur Verbesserung der Gewinnung von Vertragsärzten
denkbar. Diese richten sich u. a. danach, in welcher Sanitätseinrichtung der
potenzielle Vertragsarzt tätig werden soll und an welchem Ort.
Derzeit wird die Verbesserung der Gewinnung von Vertragsärzten vor allem
durch die Festlegung eines im Hinblick auf die angestrebte Tätigkeit am
geplanten Einsatzort angemessenen Honorares unterstützt. Zudem werden, unter dem
Aspekt der Kontinuität und zugunsten einer höheren beiderseitigen
Planungsreichweite in Einzelfällen, anders als bisher üblich, vor allem Vertragsärzten in
Regionalen Sanitätseinrichtungen, in denen ein vakanter Dienstposten
wahrscheinlich längerfristig nicht besetzt werden kann, auch ausgedehnte
Tätigkeitszeiträume (bis zu einem Jahr) angeboten.
Aus-, Fort- und Weiterbildung 7 %
Mutterschutz/Elternzeit 5 %
Einsatz 7 %
Krankheit 7 %
Urlaub/Freistellung 9 %
Sonstiges
7
4 %
Vakante Dienstposten 11 %
7 Unter anderem Ausbildungsunterstützung/Sonderaufgaben.
24. Wie hoch war die Anzahl der Vertragsärzte, die 2009 im Vergleich zu 2008
für den Sanitätsdienst gewonnen werden konnten?
Mit Vertragsärztinnen und Vertragsärzten der Bundeswehr wird ein
Rahmenvertrag über ihre Tätigkeit geschlossen, dieser begründet kein
Angestelltenverhältnis. Auf Grundlage dieses Rahmenvertrages werden die Vertragsärzte der
Bundeswehr dann jeweils tageweise oder über einen längeren Zeitraum beauftragt,
sofern z. B. Dienstposten nicht besetzt oder der Dienstposteninhaber nicht
anwesend ist. Zum Ende des Jahres 2008 bestanden mit 1 433 Ärzten, zum Ende
des Jahres 2009 mit 1 676 Ärzten Rahmenverträge.
25. Wie sieht der Soll-Ist-Vergleich beim Aufwuchs klinischer
Gebietsärztinnen und -ärzte im Hinblick auf die Einnahme der Zielstruktur aus
(aufgeschlüsselt nach Fachgebiet/Funktion und Standort/
Bundeswehrkrankenhaus)?
Den Soll-Ist-Vergleich von Fachärzten klinischer Gebiete bitte ich
nachstehender Darstellung zu entnehmen.
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Eggesin 1 1 1 3
Augustdorf 1 1 1 1 1 1 1 1 1 5 4
Bonn 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 6 5
Erfurt 1 1 1 1 1 1 3 3
Fritzlar 1 1 1 1 1 1 1 4 3
Hammelburg 1 1 1 1 1 5
Hannover 1 1 1 1 1 1 1 1 4 4
Idar-Oberstein 1 1 1 1 1 5
Kempten 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 5 6
Kiel 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 6 6
Köln-Wahn 1 1 1 1 1 1 3 3
Kümmersbruck 1 1 1 1 1 1 1 1 5 3
Leipzig 1 1 1 1 1 1 1 1 1 5 4
München 1 1 1 1 1 1 3 3
Munster 1 1 1 1 4
Rostock 1 1 1 1 1 1 1 1 1 5 4
Seedorf 1 1 1 1 1 1 5 1
Sigmaringen 1 1 1 1 1 1 1 1 1 1 5 5
Wilhelmshaven 1 1 1 1 1 1 6
Gesamt 4 4 18 13 12 7 18 13 18 13 14 7 84 57
Fachgebiet F
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Augenheilkunde 3 2 2 1 6 5 1 1 4 3 18 13 2 2 36 27
Anästhesiologie 32 24 31 23 42 25 20 7 39 32 1 1 165 112
Chirurgie/
Orthopädie
26 24 19 18 30 28 10 6 34 27 18 13 4 4 141 120
Neurochirurgie 4 3 4 1 6 4 4 1 7 5 25 14
Dermatologie 5 6 5 6 6 4 1 1 5 4 12 7 34 28
HNO 6 7 7 7 11 12 3 1 9 10 4 4 2 2 42 43
Innere Medizin 16 10 14 7 21 13 7 5 23 20 18 13 3 4 102 72
Labormedizin 3 2 1 1 3 2 3 2 5 4 2 2 17 13
Mikrobiologie 1 1 13 6 11 5 25 12
Mund-, Kiefer-,
Gesichtschirurgie
5 4 6 4 7 4 18 12
Neurologie 4 3 4 3 6 3 4 4 2 0 20 13
Nuklearmedizin 2 2 2 1 3 3 7 6
Pathologie 2 1 2 0 4 2 4 3 12 6
Physiologie 3 3 2 1 5 4
Psychiatrie 6 2 8 3 6 3 1 1 6 6 14 7 3 2 44 24
Radiologie 7 6 6 3 12 8 3 1 11 10 3 1 42 29
Transfusionsmedizin
3 3 1 1 4 4
Urologie 7 5 8 5 7 7 7 5 29 22
Summe 123 97 117 83 168 121 50 24 166 138 84 57 24 16 36 25 768 561
Sonstige S
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Anästhesiologie 1 1 1 1
Chirurgie/Orthopädie 1 1 1 1 2 2 4 4
Mikrobiologie 1 1 9 5 11 5
Transfusionsmedizin 1 1 1 1
Labormedizin 1 1 1 1 2 2
Psychiatrie 3 2 3 2
Augenheilkunde 2 2 2 2
Innere Medizin 1 1 1 1 2 2 4 4
HNO 2 2 2 2
Neurologie 2 2
Radiologie 1 2 1 3 1
Physiologie 1 1 1 2 1
Gesamt 2 1 6 3 2 2 9 5 1 1 3 2 14 11 37 25
ZInstSanBw K
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Fachgebiet F
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Labormedizin 3 2 1 1 1 1 5 4
Mikrobiologie 3 2 4 2 6 2 13 6
Physiologie 3 3 3 3
Transfusionsmedizin 1 1 2 2 3 3
Gesamt 6 4 6 4 12 8 24 16
26. Wie sah die Entwicklung der vakanten Dienstposten in den regionalen
Sanitätseinrichtungen im Jahr 2009 aus?
27. Wie ist der aktuelle Stand der Vakanzen?
Im Bereich der regionalen Sanitätseinrichtungen lag unter Berücksichtigung des
Ergänzungspersonals zur Kompensation einsatzbedingter Abwesenheiten der
Anteil unbesetzter Dienstposten in der ersten Jahreshälfte 2009 bei ca. 6 Prozent
bis 7 Prozent8. Im September 2009 war ein sprunghafter Anstieg auf 11 Prozent
zu beobachten, der sich in den Folgemonaten im Bereich von ca. 12 Prozent
verstetigte. Hier zeigt sich nunmehr, dass die bekannten Personalverluste
vorzugsweise junger SanOffz Arzt im Jahr 2008 und zu Beginn des Jahres 2009 sich
zunehmend in Form von vakanten Dienstposten Truppenarzt auswirken. Im
I. Quartal 2010 waren durchschnittlich 11 Prozent der Truppenarztdienstposten
unbesetzt.
28. Waren schon Auswirkungen der eingeleiteten Maßnahmen zur Erhöhung
der Personalbindung und -gewinnung zu erkennen?
Die Anzahl der Bewerbungen zur Übernahme in das Dienstverhältnis eines
Berufssoldaten bzw. einer Berufssoldatin war in den Jahren 2008 und 2009
entgegen dem Trend der Personalverluste stabil – allerdings auf qualitativ und
quantitativ weiterhin unzureichendem Niveau. Gerade jüngere und leistungsstarke
SanOffz müssen verstärkt als Berufssoldatinnen und Berufssoldaten gewonnen
werden, um die Bildung eines ausgewogenen, bedarfsgerechten Personalkörpers
zu ermöglichen.
Zudem konnten neben einer deutlich erhöhten Einstellung von Ärztinnen und
Ärzten aus dem zivilen Arbeitsmarkt (auf die Antwort zu Frage 14 wird
verwiesen) im Jahr 2009 sechs und im laufenden Jahr bisher vier Verlängerungen der
Dienstzeit über die allgemeine Altersgrenze hinaus im Einvernehmen mit den
betroffenen SanOffz realisiert werden.
Insgesamt wurden im Zusammenwirken dieser Effekte die Verluste der Jahre
2008 und 2009 zwischenzeitlich quantitativ (allerdings nicht qualitativ) nahezu
ausgeglichen. Naturgemäß besteht bei Seiteneinsteigerinnen und
Seiteneinsteigern zur Ausbildung wehrmedizinischer Expertise und eigener Einsatzerfahrung
ein ergänzender militärischer und fachlicher Qualifizierungsbedarf, der erst im
Laufe einer entsprechenden Dienstzeit erfüllt werden kann. Diese positiven
Effekte lassen die bislang realisierten Einzelmaßnahmen als erfolgreich und
zielgerichtet erscheinen. Sie sind jedoch noch nicht ausreichend. Zur Bildung
des Zielpersonalkörpers besteht noch erheblicher Aufwuchsbedarf, der nur
durch eine weitere deutliche Steigerung von Personalbindung und -gewinnung
realisierbar ist. Hierzu stellt das von der AG Attraktivität SanDstBw
vorgeschlagene Maßnahmenpaket eine zielführende Grundlage dar.
8 Abweichend von der Bundestagsdrucksache 16/12012 wird hier berücksichtigt, dass auch eingerichtete DP
für Einsatzergänzungspersonal hinsichtlich der Tagesantrittsstärke Wirkung entfalten.
29. Wie ist der Stand der Initiative zur Schaffung eines § 50b des
Bundesbesoldungsgesetzes im Hinblick auf die Einführung einer finanziellen
Vergütung von ärztlichen Anwesenheits- und Rufdiensten in den
Bundeswehrkrankenhäusern?
30. Welchen Beratungsstand hat der Entwurf zur Änderung des
Bundesbesoldungsgesetzes im Hinblick auf die Möglichkeit, Verpflichtungsprämien
zur Gewinnung ärztlichen Personals für den Sanitätsdienst zu gewähren?
Die Gesetzentwürfe zur Vergütung ärztlicher Sonderdienste in
Bundeswehrkrankenhäusern sowie zur Schaffung von Prämien zur Gewinnung ärztlichen
Personals für militärische Verwendungen im Sanitätsdienst der Bundeswehr
werden zurzeit zwischen BMVg und Bundesministerium des Innern
abgestimmt. Sie sollen in das nächstmögliche geeignete Änderungsgesetz
aufgenommen werden.
31. Wie sieht die konkrete Ausgestaltung des zentralen Führungselementes zur
angekündigten Zentralisierung der Führung der
Bundeswehrkrankenhäuser aus?
Auf die Antwort zur Frage 3 Buchstabe e wird verwiesen.
32. Welche Auswirkungen hat diese Änderung auf die Führungsstruktur des
Bereichs der Sanitätskommandos?
Die Zentralisierung der Führung der Bundeswehrkrankenhäuser greift erheblich
in das bisherige funktionale Grundrational des regionalen Einsatz-,
Ausbildungs- und Inübunghaltungsverbundes ein, so dass ein Neuansatz für die
Führungsstruktur des gesamten Kommandobereichs des SanFüKdo erforderlich
ist. Konkrete Vorschläge hierzu werden im Rahmen der Arbeit der
Strukturkommission bewertet.
33. Welches Bild vom Sanitätsoffizier steht hinter dem geplanten
personalwerblichen Gesamtkonzept für die Laufbahn der Sanitätsoffiziere?
Personalwerbliche Maßnahmen für den Sanitätsdienst wurden in den letzten
Jahren intensiviert (auf die Antwort zu Frage 13 wird verwiesen). Damit wurde
der aufgrund der erheblichen Personalverluste formulierten Forderung des
Sanitätsdienstes Rechnung getragen.
Für ein im Rahmen eines personalwerblichen Gesamtkonzepts zugrunde zu
legendes Bild bzw. Anforderungsprofil des SanOffz sind folgende Eckpunkte
bedeutsam:
– Primäre Forderung ist eine hohe fachliche Kompetenz, d. h. die Befähigung,
approbationsspezifische Tätigkeiten vollverantwortlich wahrzunehmen.
– Diese Befähigung muss für das gesamte Spektrum der Einsatzversorgung in
unterschiedlichsten Szenarien bestehen. Dazu muss ein Sanitätsoffizier über
die belastbare Motivation verfügen, zusätzliche einsatzbezogene Aus- und
Weiterbildungen zu durchlaufen, um die erforderliche breite Expertise zu
erwerben.
– Neben der fachlichen sind gleichrangig eine wehrmedizinische und eine
allgemeinmilitärische Kompetenz aufzubauen, kontinuierlich zu erhalten und
weiterzuentwickeln.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333
– Mehr als im zivilen Gesundheitssystem sind Führungs- und fachliche
Managementaufgaben zu übernehmen, hierzu müssen die Bereitschaft und
die Befähigung bestehen bzw. zu entwickeln sein.
Ein werbliches Gesamtkonzept muss diese Forderungen in geeigneter Weise
zum Ausdruck bringen und die entsprechenden Berufsbilder authentisch
ansprechen. Erfahrungsgemäß besteht eine besondere Appetenz ziviler Bewerber für
einen Seiteneinstieg aufgrund guter Weiterbildungsmöglichkeiten in den
sanitätsdienstlichen Einrichtungen der Bundeswehr.
34. Wie hoch ist der Anteil der Ärztinnen und Ärzte im Sanitätsdienst, die
überwiegend mit Verwaltungstätigkeiten beschäftigt sind?
Im ZSanDstBw sind 95 Prozent aller SanOffz Arzt in Verwendungen, die eine
Approbation zwingend erforderlich machen. Hierzu gehören auch Tätigkeiten
im Bereich des vorbeugenden Gesundheitsschutzes, in der Begutachtung oder
auch in der wehrmedizinischen Forschung, die alle entscheidend für die
Einsatzfähigkeit der Streitkräfte sind und von approbiertem Fachpersonal erbracht
werden müssen.
Für lediglich 5 Prozent der Dienstposten ist eine Approbation gesetzlich oder
standesrechtlich nicht vorgeschrieben. Diese könnten theoretisch auch durch
Truppenoffiziere wahrgenommen werden. Der Großteil dieser Dienstposten,
u. a. in den Aufgabenbereichen der Weiterentwicklung des Sanitätsdienstes, der
Einsatzplanung oder auch der Lehre an der Sanitätsakademie, erfordert jedoch
tiefgehende und weitreichende sanitätsdienstliche Kenntnisse und Erfahrungen
(einschlägiges Studium und Vorverwendungen).
35. Ist dieser Anteil höher als in zivilen Krankenhäusern?
Im zivilen Gesundheitswesen, das als Referenz herangezogen werden könnte,
sind nach aktuellen Untersuchungen der Bundesärztekammer9 8,6 Prozent aller
berufstätigen und dort erfassten Ärztinnen und Ärzte außerhalb des ambulanten
bzw. stationären Sektors (z. B. in Behörden/Körperschaften) beschäftigt. Somit
ist der in Rede stehende Anteil im zivilen Gesundheitssystem höher als im
ZSanDstBw.
Dabei ist allerdings zu beachten, dass derartige Vergleiche eine grundlegende
Schieflage aufweisen. Die Fähigkeit zur sanitätsdienstlichen Unterstützung für
eine Einsatzarmee kann nicht durch eine Kopie des zivilen Gesundheitssystems
erfolgen. Vielmehr ist es erforderlich, unter völlig anders gearteten
Rahmenbedingungen medizinische Leistungen zu erbringen, die im Ergebnis dem Standard
in Deutschland gleichkommen. Dies bedingt aber bisweilen völlig differente
Konzepte und in der Folge auch Strukturen. Selbst prima vista analog
erscheinende Strukturelemente wie die Bundeswehrkrankenhäuser und zivile
Krankenhäuser sind im Kern nicht vergleichbar, da Zweck und Ziele sich fundamental
unterscheiden.
9 Vergleiche Kopetsch, Thomas, Mehr Ärzte – und trotzdem geringere Arbeitslosenquote, in: DÄrzteBl 107
(2010), S. 648–650.]