[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Detlev Spangenberg, Dr. Robby
Schlund, Paul Viktor Podolay, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der AfD
– Drucksache 19/18774 –
Coronavirus (SARS-CoV-2/COVID-19) und die Rolle der
Weltgesundheitsorganisation bei der Bekämpfung in Deutschland
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Deutschland ist einer der größten Geldgeber der Weltgesundheitsorganisation
(WHO) (
https://www.who.int/about/finances-accountability/reports/mtr_18-1
9_final.pdf?ua=1). Im Jahr 2017 zahlte Deutschland insgesamt rund 108 Mio.
Euro an diese Organisation (
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktuelle
s/fuer-eine-starke-globale-gesundheitspolitik-450680), die die weltweite Lage
von Krankheit und Gesundheit überwacht. Gut 63 Mio. Euro zahlte das
Bundesministerium für Gesundheit (ebd.). Hiervon waren 26,6 Mio. Euro
vorgeschriebene Mitgliedsbeiträge, 35 Mio. Euro freiwillige Beiträge (ebd.).
Auch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (25 Mio. Euro) und das Auswärtige Amt (17 Mio. Euro) beteiligten
sich an Maßnahmen der WHO (
https://www.bundesregierung.de/breg-de/aktu
elles/fuer-eine-starke-globale-gesundheitspolitik-450680). Im Gesetz zum
Bundeshaushalt 2020 sind signifikante Zuwächse für die WHO vorgesehen
(
https://www.bundeshaushalt.de/fileadmin/de.bundeshaushalt/content_de/dok
umente/2020/soll/Epl_Gesamt_mit_HG_und_Vorspann.pdf).
Die Verfassung der Weltgesundheitsorganisation legt fest, dass ihr Ziel die
Verwirklichung des bestmöglichen Gesundheitsniveaus bei allen Menschen ist
(
https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19460131/20140508000
0/0.810.1.pdf, Artikel 1). Ihre Hauptaufgabe ist die Bekämpfung von
Erkrankungen, mit besonderem Schwerpunkt auf Infektionskrankheiten (
https://ww
w.who.int/news-room/fact-sheets/detail/millennium-development-goals-
(mdgs).
Die Globale Allianz für Impfstoffe und Immunisierung (Global Alliance for
Vaccines and Immunization, auch Impfallianz Gavi genannt) ist ein Projekt
der WHO, an dem auch die Bill & Melinda Gates Foundation und einige
Nichtregierungsorganisationen und Impfhersteller beteiligt sind (
https://www.
gavi.org/our-alliance/governance). Sie wurde im Jahre 2000 gegründet, um die
Impfraten weltweit zu steigern. Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel sagte
während der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums (WEF) im Januar 2020
in Davos der Impfallianz Gavi weitere 600 Millionen Euro zu. Mit dem Geld
sollten bis 2025 Krankheiten durch Impfungen bekämpft werden (
https://ww
w.aerzteblatt.de/nachrichten/108867/Merkel-sagt-weitere-600-Millionen-
Deutscher Bundestag Drucksache 19/19097
19. Wahlperiode 12.05.2020
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit vom 11. Mai 2020
übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Euro-fuer-Impfallianz-Gavi-zu). „Deutschland hatte der Impfallianz schon für
den Zeitraum 2016 bis 2020 insgesamt 600 Mio. Euro zugesagt. Gavi hatte
Deutschland um eine Erhöhung der Gelder für den weltweiten
Gesundheitsschutz auf 700 Millionen Euro gebeten […] Die nächste Finanzierungsrunde
findet im kommenden Jahr für die Zeit von 2021 bis 2025 statt. Gavi hofft, in
diesem Zeitraum mindestens 9,4 Milliarden US-Dollar (rund 8,5 Milliarden
Euro) zur Verfügung zu haben“ (
https://www.aerzteblatt.de/nachrichten/10886
7/Merkel-sagt-weitere-600-Millionen-Euro-fuer-Impfallianz-Gavi-zu).
Im Jahr 2015 gründete die WHO den Notfallfonds „Contingency Fund for
Emergencies, kurz CFE, um finanziell schnell auf Epidemien reagieren zu
können. Deutschland ist seit Gründung des Fonds mit 33,6 Mio. Euro
Geberland Nummer Eins (
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/en/press/2
019/who-contingency-fund.html).
1. Erhält die Bundesregierung finanzielle Unterstützung vom Epidemie-
Notfallfonds der WHO (CFE), für den sie in der Vergangenheit der größte
Beitragszahler gewesen ist (vgl. Vorbemerkung der Fragesteller), um
SARS-CoV-2 und COVID-19 in Deutschland zu bekämpfen?
Wenn ja, in welcher Form und Höhe, und wenn nein, warum nicht?
Mit dem Notfallfonds (CFE) leistet die Weltgesundheitsorganisation (WHO)
schnelle Hilfe bei der Bekämpfung von akuten Gesundheitskrisen. Finanzmittel
aus dem CFE werden nicht an Länder ausgezahlt, sondern für Maßnahmen der
WHO verwendet. Diese Maßnahmen gelten für alle Gesundheitskrisen, die mit
dem Level 2 oder höher des Emergency Response Framework der WHO
eingestuft werden, ohne Unterscheidung nach Krankheiten und Krisentypen
(„allhazard-approach“). Im Rahmen der Reaktion auf COVID-19 hat die WHO
nach Kenntnis der Bundesregierung in Deutschland keine solchen Maßnahmen
durchgeführt.
2. Welche weitere Unterstützung erhält Deutschland von der WHO, um
SARS-CoV-2 und COVID-19 in Deutschland zu bekämpfen (bitte nach
Form der Unterstützung, Projekt und gegebenenfalls Quantität
aufschlüsseln)?
Die WHO in Genf hat die Initiative Solidarity Trial zur Bewertung von
Therapeutika für COVID-19 ins Leben gerufen, um u. a. die mögliche Wirkung zur
Behandlung von Covid-19 mit bereits gegen andere Erkrankungen
zugelassenen Arzneimitteln zu erforschen. In Deutschland übernimmt das Deutsche
Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) gemeinsam mit dem Deutschen
Zentrum für Lungenforschung (DZL) die Aufgabe, diesen Solidarity Trial zu
koordinieren.
Zudem hat das WHO-Regionalbüro für Europa Fachliche Leitlinien erstellt
u. a. auch spezifisch für die Europäische Region, welche in die Empfehlungen
der Bundesregierung einfließen (z. B. „COVID-19 Versorgung von Kindern mit
akuten Atemwegsinfektionen“, „Erwägung zur Gesundheitsversorgung für
ältere Menschen während der COVID-19-Pandemie“, „Psychische Gesundheit und
COVID-19“, zu finden unter
www.euro.who.int/de/health-topics/health-emerge
ncies/coronavirus-covid-19/novel-coronavirus-2019-ncov-technical-guidance).
Des Weiteren bietet die WHO diverse Schulungen an, welche auch hier in
Deutschland genutzt werden können (z. B. zu „Methoden für Nachweis,
Prävention, Reaktion und Bekämpfung“, „Infektionsschutz und -bekämpfung für
das Neuartige Coronavirus“, zu finden unter
www.euro.who.int/de/health-topic
s/health-emergencies/coronavirus-covid-19/training-courses).
3. In welcher Form, und in welchem Ausmaß wird nach Kenntnis der
Bundesregierung die Impfallianz Gavi die Bekämpfung der SARS-CoV-2
Pandemie unterstützen?
Die Impfallianz Gavi wurde im Jahr 2000 ins Leben gerufen, um die Impfrate
von Kindern in den ärmsten Ländern der Welt zu erhöhen und gleichzeitig den
gerechten Zugang zu neuen Impfstoffen zu beschleunigen. Dabei sieht Gavi es
als zentral an, Gesundheitssysteme nachhaltig zu stärken und Länder somit auf
Krankheitsausbrüche vorzubereiten. Momentan unterstützt Gavi Partnerländer
weltweit bei der Bekämpfung der SARS-CoV-2-Pandemie mit finanziellen
Mitteln sowie Flexibilität beim Einsatz von Gavi-finanzierten Ressourcen. Als
öffentlich-private Partnerschaft, die alle wichtigen Akteure im Bereich der
weltweiten Immunisierung zusammenführt, kann Gavi zukünftig eine
wesentliche Rolle dabei spielen, einen Impfstoff gegen SARS-CoV-2 allen Ländern
erschwinglich und fair zur Verfügung zu stellen.
4. Wird die Impfallianz Gavi Deutschland bei der Bekämpfung von SARS-
CoV-2 und COVID-19 unterstützen?
Wenn ja, inwiefern (bitte nach Art und Umfang der Unterstützung
aufschlüsseln), und wenn nein, warum nicht?
Als globale Impfallianz hat Gavi zum Ziel, sichere und wirksame Impfstoffe in
den ärmsten Ländern verfügbar zu machen und dadurch Infektionskrankheiten
wie Masern und Polio auszurotten, die sich weltweit und über Ländergrenzen
hinweg verbreiten können. Die SARS-CoV-2-Pandemie lässt als Gesundheits-
und Wirtschaftskrise kein Land der Welt unberührt und stellt insbesondere
Länder mit schwacher Gesundheitsinfrastruktur vor große Herausforderungen.
Hungersnöte, Unruhen und Anstieg von Fluchtbewegungen können die Folge
sein. Gavi unterstützt bereits die Ausbildung von Gesundheitspersonal, und den
Ausbau von diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten besonders in
diesen Ländern und leistet damit einen wichtigen Beitrag, eine weitere globale
Ausweitung der Corona-Pandemie zu unterbinden. Nur wenn COVID-19 und
andere Infektionskrankheiten über Ländergrenzen bekämpft werden, kann die
Pandemie weltweit und in Deutschland beendet werden.
5. Wie schätzt die Bundesregierung in Anbetracht eines Berichtes des
Auswärtigen Amts vom 13. Februar 2020 (S. 7,
https://www.auswaertiges-am
t.de/blob/2124042/4e51859cb462573a3fc341ef1d778776/ebola-merkblatt-
nordkivuituri-data.pdf), in dem konstatiert wird, dass tansanische
Behörden nur eingeschränkt mit der WHO kooperieren, die
Kooperationswilligkeit aller Mitgliedsländer der WHO in Bezug auf die Meldung von SARS-
CoV-2 und COVID-19-Fällen an die WHO ein?
Der in der Fragestellung zitierte Bericht bezieht sich auf einen Einzelfall von
September 2019, der bis heute nicht abschließend aufgeklärt werden konnte.
Die Zusammenarbeit der tansanischen Behörden mit der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) verläuft nach Aussage der WHO mittlerweile effizienter.
Insgesamt gilt, dass die WHO auf die Kooperation ihrer Mitgliedstaaten
angewiesen ist. Im Rahmen der Internationalen Gesundheitsvorschriften (IHR 2005)
hat die WHO alle Mitgliedstaaten aufgefordert, Fälle von COVID-19
unverzüglich zu melden. Die WHO hat den Mitgliedstaaten fallbasierte Meldeformulare
und wöchentliche Vorlagen für aggregierte Meldungen zur Verfügung gestellt,
dafür Werkzeuge und Online-Meldekanäle entwickelt und den Mitgliedstaaten
technische Anleitung und direkte Unterstützung zur Erleichterung der Meldung
gegeben.
6. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse darüber vor, welche spezifischen
Maßnahmen in der Volksrepublik China zu der radikalen Ausbremsung
des Virus geführt haben (
https://www.forbes.com/sites/carlieporterfield/20
20/04/07/china-heavily-criticized-for-its-coronavirus-numbers-claims-
nonew-deaths/#1f55e16b77ad)?
Wenn ja, welche Maßnahmen waren dies, wie unterscheiden sich diese
von den Maßnahmen der Bundesregierung, und wird die Bundesregierung
die Erkenntnisse auch in Deutschland anwenden?
Durch die Mitgliedschaft in der WHO und den internationalen Austausch
beispielsweise in Foren wie G20 liegen der Bundesregierung Kenntnisse über
Maßnahmen in der Volksrepublik China im Kampf gegen die COVID-19-
Pandemie vor.
Die Volksrepublik China setzte u. a. folgende Maßnahmen um: Abriegelung
von Städten, strenge Quarantäne- und Isolierungsvorschriften, weitreichende
Einschränkungen der Bewegungsfreiheit und Verbot von Versammlungen,
Einschränkungen des Wirtschaftslebens, inkl. Schließung von Geschäften und
Unternehmen, Schließung von Bildungseinrichtungen, Nutzung von digitalen
Technologien zur Überwachung von Bewegungen und zur Nachverfolgung von
Kontakten, Maskenpflicht, Einreisebeschränkungen. Die Bundesregierung
nimmt diese Maßnahmen zur Kenntnis. Die in Deutschland umgesetzten
Maßnahmen basieren auf den demokratischen Grundwerten, richten sich aus an den
Leitlinien der WHO und basieren auf Daten und Erkenntnissen aus den
nachgeordneten Bundesbehörden.
7. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse darüber vor, ob die WHO plant,
ein internationales, unabhängiges Komitee einzuberufen, um die
Verteilung des künftigen SARS-CoV-2-Impfstoffes global zu koordinieren?
Bislang liegen der Bundesregierung dazu keine Kenntnisse vor.
8. Plant die Bundesregierung eine zentrale Koordinationsstelle in
Deutschland zu implementieren, die die Verteilung des künftigen SARS-CoV-2-
Impfstoffes national koordinieren wird?
a) Wenn nein, warum nicht?
b) Wenn ja, liegt ein Verteilungsschlüssel der Impfdosen vor, und wie
sieht dieser aus?
Aktuell steht kein Impfstoff zum Schutz vor COVID-19 zur Verfügung. Laut
einer aktuellen Übersichtsarbeit befinden sich mit Stand 8. April 2020 mehr als
100 Impfstoff-Kandidaten in der Entwicklung. Die meisten Impfstoff-
Kandidaten befinden sich derzeit noch in der präklinischen bzw. explorativen
Entwicklungsphase, einige Kandidaten werden bereits in klinischen Phase I
Studien untersucht (Stand: 15. April 2020). Derzeit ist unklar, wann ein
zugelassener Impfstoff zum Schutz von COVID-19 zur Verfügung stehen wird.
Die Bereitstellung eines vorläufig in klinischen Prüfungen getesteten
COVID-19-Impfstoffkandidaten hängt von den Ergebnissen der derzeit
laufenden klinischen Prüfungen ab. Die Bundesregierung prüft derzeit, bei
aussichtsreichen Entwicklungen unterstützende Maßnahmen mit den Entwicklern zu
vereinbaren, damit parallel zur wissenschaftlichen Entwicklung des Impfstoffs
bereits ausreichende Produktionskapazitäten für einen Impfstoff aufgebaut
werden können. Zudem wird es erforderlich sein, Bevölkerungsgruppen zu
definieren, die von einer COVID-19-Impfung besonders profitieren werden, wie
beispielsweise vulnerable Personen und das medizinisches Personal. Vor diesem
Hintergrund wurde die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut
(RKI) beauftragt, ein risikoorientiertes Priorisierungskonzept für eine mögliche
Impfoption zu entwickeln, da nicht damit zu rechnen ist, dass unmittelbar
ausreichend Impfstoff für die Gesamtbevölkerung zur Verfügung steht.
9. Wie viele Epidemien sind nach Kenntnis der Bundesregierung momentan
weltweit aktiv, und wie viele dieser Epidemien befinden sich nach
Kenntnis der Bundesregierung in SARS-CoV-2 Risikogebieten (bitte nach Staat,
Region, Art der Krankheit, Dauer, Anzahl der infizierten und Anzahl der
Toten aufschlüsseln)?
Laut der WHO sind alle Regionen als SARS-CoV-2 Risikogebiete einzustufen,
da COVID-19-Fälle in 212 Ländern weltweit gemeldet wurden. Es gibt täglich
eine Vielzahl von Epidemien, die in der Regel von regionaler oder nationaler
Tragweite sind, wie die Verbreitung von Ebola in der Demokratischen Republik
Kongo. Die WHO reagiert gerade aktiv gegen 29 Notfälle im Zusammenhang
mit Infektionskrankheiten. Diese stehen u. a. im Zusammenhang mit Ebola,
Polio, Masern, Malaria, HIV, Cholera, Lassafieber, MERS-CoV, Hepatitis und
Rifttalfieber. Das WHO Emergency Dashboard gibt einen Überblick über alle
aktuellen globalen Ereignisse für jedes Land, einschließlich der Ausbrüche von
Infektionskrankheiten (
https://extranet.who.int/publicemergency).
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]