[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Matthias Gastel, Stefan Gelbhaar,
Oliver Krischer, weiterer Abgeordneter und der Fraktion BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN
– Drucksache 19/23919 –
Zukunft Doppelstock-Fahrzeugstrategie im Schienenpersonenverkehr
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Dachstrategie der DB AG „Starke Schiene“ sieht eine Verdoppelung der
Fahrgastzahlen und deutlich mehr Güterverkehr bis 2030 vor. Auch die
Bundesregierung verfolgt dieses verkehrspolitische Ziel.
Das Schienennetz und insbesondere die Knoten sind heute schon stark
ausgelastet und verspätungsanfällig. Nicht nur die Verdoppelung der
Fahrgastzahlen, sondern auch der D-Takt mit mehr zeitgleichen Anschlüssen erfordert
höhere Netzkapazitäten, die über die Verstärkung des Aus- und Neubaus
mittelbis langfristig aufgebaut werden können. Nach Auffassung der Fragesteller
muss das Ziel der Verdoppelung der Fahrgastzahlen also mit einer
Ausbaustrategie für das Netz und einer vergleichsweise schnell umsetzbaren
Fahrzeugstrategie untersetzt werden, die konsequent auf Doppelstockwagen (kurz:
Dosto-Wagen oder „Dosto“) setzt. Doppelstöckige Reisezugwagen bzw.
Triebzüge ermöglichen je nach Bauweise ca. 40 Prozent mehr Platzkapazität
als einstöckige Wagen (Quelle:
https://www.verkehr.tu-darmstadt.de/media/ve
rkehr/bs/schriftenreihe_bs/b7.pdf, Seite 12). Zudem sind sie bei Reisenden
sehr beliebt und bieten eine angenehme, ruhige Fahrdynamik.
Ein weiteres wichtiges verkehrspolitisches Ziel ist die durchgängige
Barrierefreiheit. Hier stehen wir vor dem Dilemma der Bahnsteighöhen, die seit der
Entscheidung der Bundesregierung für die einheitliche Regelhöhe 76 cm über
Schienenoberkante (SOK) nicht mehr mit Doppelstockwagen, die eine untere
Fußbodenhöhe von 44 cm über SOK aufweisen, kompatibel sind. Bislang gibt
es für dieses Problem keine befriedigenden Lösungen seitens der Hersteller.
Die in der Entwicklung befindlichen 76er-Stadler-Dosto-Wagen werden
Komforteinschränkungen in der Kopfhöhe, durch viele steile Rampen (Quelle:
https://barrierefreiebahn.de/verrampte-zuege/) und dadurch z. T.
Sitzplatzverluste mit sich bringen, ebenso wie die BR 446 Twindexx Vario von
Bombardier, die seit kurzem auf der Riedbahn verkehren. Siemens hat mit dem Desiro
nur an den einstöckigen Endwagen 76er-Einstiege, die Doppelstockwagen
sind weiterhin auf 55 cm Höhe ausgelegt.
Im Fernverkehr werden derzeit neue Dosto-IC-Garnituren angeschafft.
Praktisch alle der von Bombardier und Stadler gelieferten Dosto-Wagen sind auf
Deutscher Bundestag Drucksache 19/24928
19. Wahlperiode 04.12.2020
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr und digitale
Infrastruktur vom 3. Dezember 2020 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
55 cm Einstiegshöhe konstruiert, mit wenigen Ausnahmen bei Einstiegen über
den Drehgestellen mit zwei bis drei Stufen, um dort auf die Fußbodenhöhe
130 cm über SOK zu gelangen. Für die ICE-Flotte, das Flaggschiff und
Rückgrat des Schienenpersonenfernverkehrs, sind jedoch bis auf gelegentliche
Gedankenäußerungen (Quelle:
https://www.zdf.de/nachrichten/heute/bahn-invest
iert-milliarden-in-zuege-und-will-30-minuten-takt-fuer-ice-100.html) keine
konkreten Pläne zur Anschaffung von doppelstöckigem Wagenmaterial
bekannt, obwohl hier die längsten Züge mit den höchsten Sitzplatzkapazitäten
gefahren werden.
Wir bitten bei Tabellendarstellungen jeweils um Summenbildung (quer und
längs).
1. Wie viele Doppelstockwagen sind derzeit in Deutschland im Einsatz
(bitte nach Hersteller und nach S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr und
gemäß dem deutschen Fahrzeugeinstellungsregister aufgliedern)?
4. Wie viele der in Bestellung befindlichen und sich durch laufende
Ausschreibungsverfahren ergebende Dosto-Wagen werden bereits auf den
gleichen Strecken befindliche Dosto-Wagen ersetzen (bitte nach
Hersteller und nach S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr aufgliedern)?
6. Wie viele Reisezugwagen sind in Deutschland derzeit insgesamt im
Einsatz (einstöckige und doppelstöckige gesamt)?
12. Wie beurteilt die Bundesregierung mögliche Sitzplatzverluste in 76er-
Dosto-Wagen?
Werden die derzeit verfügbaren bzw. in Entwicklung befindlichen
Lösungen als standardtauglich angesehen?
Falls ja, warum?
Falls nein, warum nicht?
13. Begnügt sich die Bundesregierung bei der Zielformulierung der
Barrierefreiheit im Schienenverkehr damit, dass einzelne Wagen bzw. einzelne
Türen eines Zugverbundes barrierefrei vom Bahnsteig erreichbar sein
müssen?
Wann ja, warum, wenn nein, was ist die Zielsetzung der
Bundesregierung?
14. Wie beurteilt die Bundesregierung die beiden derzeit in Deutschland
verfolgten technischen Lösungsansätze, insbesondere hinsichtlich der
Skalierungs- und Standardtauglichkeit:
a) Eingeschossige Endwagen mit 76er-Einstieg und doppelstöckige
Mittelwagen mit 55er-Einstieg (vgl. Siemens Desiro)?
b) Volle Ausnutzung der nach TSI-PRM zulässigen Rampensteigung
von 15 Prozent bzw. 18 Prozent innerhalb der Doppelstockwagen
und weitere Rampen im Obergeschoss, um die Kopfhöhe im
Einstiegsbereich zu gewährleisten (vgl. Bombardier Twindexx Vario –
Riedbahn, Stadler Kiss – Hamburg–Lübeck)?
Die Fragen 1, 4, 6, 12, 13 und 14 bis 14b werden aufgrund ihres
Sachzusammenhangs gemeinsam beantwortet.
Die Gestaltung und Bestellung von Eisenbahnfahrzeugen obliegen im
Schienenpersonennahverkehr (SPNV) den Ländern. Im
Schienenpersonenfernverkehr wird dies vom jeweiligen Unternehmen entschieden.
Im deutschen nationalen Fahrzeugeinstellungsregister sind 3.002
Doppelstockwagen sowie 7.098 Reisezugwagen im Status „aktiv“ eingetragen. Es erfolgt
keine Differenzierung nach Hersteller oder Einsatzgebiet.
Nach Auskunft der Deutschen Bahn AG (DB AG) befinden sich für den
Nahverkehr folgende Dosto-Wagen in der Bestellung:
Elektronetz Ost Schleswig-Holstein (SHO): 72 Stadler Kiss.
Netz 4 Rheintal Los 1 (BW): 30 Siemens Desiro (BR 1462).
SPNV Netz Franken-Südthüringen (BY): 36 Siemens Desiro (BR 1462) und 32
Siemens Desiro (BR 4462).
Die Fahrzeuge ersetzen vorhandene Dosto-Wagen.
2. Für wie viele Doppelstockwagen liegen derzeit in Deutschland
Bestellungen vor (bitte nach Hersteller und nach S-Bahn-, Regional- und
Fernverkehr und gemäß dem deutschen Fahrzeugeinstellungsregister
aufgliedern)?
Nach Auskunft der Deutschen Bahn AG (DB AG) hat die DB Regio AG
folgende Bestellungen getätigt:
• 72 Stadler Kiss Dosto in vierteiligen Triebzügen (inkl. Triebköpfen),
• 66 Siemens Desiro Dosto in vierteiligen Triebzügen (BR 1462),
• 32 Siemens Desiro Dosto in sechsteiligen Triebzügen (BR 4462).
Die DB Fernverkehr AG hat acht 6-teilige Stadler KISS-Doppelstock-
Triebzüge sowie 15 weitere 5-teilige Bombardier Doppelstock-Züge bestellt,
die die vorhandene Intercity 2-Flotte verstärken werden. Die von der DB
Fernverkehr AG bestellten Fahrzeuge werden die Fahrzeugflotte erweitern.
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung zu Frage 17 auf
Bundestagsdrucksache 19/22478 verwiesen.
Über Bestellungen von Doppelstock-Wagen durch nichtbundeseigene
Eisenbahnen liegen der Bundesregierung keine eigenen Informationen vor.
3. Wie viele Doppelstockwagen ergeben sich nach Kenntnis der
Bundesregierung durch aktuelle Ausschreibungsverfahren (bitte nach Hersteller
und nach S-Bahn-, Regional- und Fernverkehr und gemäß dem
deutschen Fahrzeugeinstellungsregister aufgliedern)?
Beim Eisenbahn-Bundesamt liegen nur für wenige in Ausschreibungsverfahren
befindliche Fahrzeuge Zulassungsanträge vor. In aktuell laufenden
Vergabeverfahren im SPNV sind nach Auskunft der DB AG 55 Doppelstockwagen des
Herstellers Bombardier Transportation zum Einsatz bei der DB Regio AG
geplant.
5. Aus wie vielen Doppelstockwagen setzt sich im Durchschnitt ein Zug
zusammen?
Was ist die derzeit verkehrende minimale und maximale Anzahl?
Was ist die technisch mögliche minimale und maximale Anzahl?
7. Wie viele Kombi-Züge mit doppelstöckigen und einstöckigen Wagen
innerhalb eines Zugverbundes gibt es in Deutschland (bitte nach in Betrieb,
in Bestellung, in laufender SPNV-Ausschreibung und gemäß dem
deutschen Fahrzeugeinstellungsregister aufgliedern)?
Die Fragen 5 und 7 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) gestalten den Fahrzeugeinsatz
eigenverantwortlich.
Nach Auskunft der DB AG besteht ein Doppelstockzug der DB Regio AG in
der Regel aus fünf Wagen. Die Doppelstockzüge werden mit mindestens drei
und maximal neun Wagen gebildet.
Die von der DB Fernverkehr AG eingesetzten Stadler KISS-Doppelstock-
Triebzüge verkehren aktuell mit vier Doppelstockwagen. Die weiteren
beschafften KISS-Doppelstock-Triebzüge bestehen aus sechs Wagen. Die
Bombardier Doppelstock-Züge bestehen aus jeweils fünf Doppelstockwagen und
einer Lokomotive. Nach Auskunft der DB AG gibt es im Regelverkehr keine
Kombi-Züge, die aus den klassischen doppelstöckigen und einstöckigen
Reisezugwagen gebildet werden. Bei den bestellten Elektrotriebzügen des Herstellers
Siemens (Desiro) sind die Triebköpfe einstöckig und die Mittelwagen
doppelstöckig.
Für nichtbundeseigene EVU liegen der Bundesregierung keine eigenen
Informationen vor.
8. Wie bewertet die Bundesregierung das Potenzial von Dosto-Wagen zur
Kapazitätssteigerung im Schienenverkehr?
Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der Fragesteller, dass ein
Dosto-Wagen gegenüber einem einstöckigen Wagen ca. 40 Prozent mehr
Platzkapazität bietet?
Falls nein, zu welchen Ergebnissen kommt die Bundesregierung?
16. Gibt es Pläne oder Überlegungen, perspektivisch auch für die ICE-Flotte
Dosto-Wagen anzuschaffen, und falls ja, welche Überlegungen, falls
nein, warum nicht?
17. Hat die Deutsche Bahn AG die Beschaffung von doppelstöckigen ICE
bereits in der Vergangenheit in Erwägung gezogen, und bestehen derzeit
konkrete Absichten, mittelfristig eine doppelstöckige ICE-Generation zu
beschaffen, und wenn ja, welche Anforderungen (z. B. Antriebsleistung,
Sitzplatzkapazität) stellt die DB an doppelstöckige ICE?
23. Welche betriebswirtschaftlichen Effekte hätten Dosto-ICE gegenüber
einstöckigen ICE-Zügen (bitte nach Betriebskosten, Energieverbrauch
und Klimawirkung angeben)?
Die Fragen 8, 16, 17 und 23 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Nach Auskunft der DB AG sollen nach der Konzernstrategie die
Fahrgastzahlen im Fernverkehr auf über 260 Millionen verdoppelt werden. Im Nahverkehr
erwartet sie bis 2040 einen Zuwachs von über 1 Mrd. Fahrgäste pro Jahr.
Die Kapazität neuer Fahrzeuge ist – unter Berücksichtigung der geforderten
Komfortmerkmale – deshalb zentrales Kriterium für die Bestellung. Im
Nahverkehr bestimmen die Aufgabenträger die Fahrzeugmerkmale, auf deren Basis
dann ein Ausschreibungsverfahren gestartet wird.
Doppelstockfahrzeuge haben bei gleicher Länge ca. 40 Prozent mehr
Platzkapazität gegenüber einstöckigen Fahrzeugen. Eigene betriebswirtschaftliche
Erkenntnisse über Dosto-ICE liegen der Bundesregierung nicht vor.
9. Wie beurteilt die Bundesregierung die Problematik der aktuellen
Komptabilitätsproblematik von Bahnsteigregelhöhe und Dosto-Eingangshöhe
in Bezug auf das Ziel der vollständigen Erreichung der Barrierefreiheit?
10. Wie beurteilt die Bundesregierung die vielen notwendigen steilen
Rampen in 76er-Dosto-Wagen (vgl. TSI-PRM, zulässig sind 15 Prozent bzw.
18 Prozent) vor dem Hintergrund des Ziels „Barrierefreiheit“?
Werden die derzeit verfügbaren bzw. in Entwicklung befindlichen
Lösungen für 76er-Dosto-Wagen als standardtauglich angesehen?
Falls ja, warum?
Falls nein, warum nicht?
Die Fragen 9 und 10 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Alle von der DB Fernverkehr AG beauftragten Neufahrzeuge entsprechen nach
Auskunft der DB AG den Vorgaben der „Technischen Spezifikation für die
Interoperabilität bezüglich eingeschränkt mobiler Personen im konventionellen
transeuropäischen Eisenbahnsystem und im transeuropäischen
Hochgeschwindigkeitsbahnsystem“ (TSI PRM) der Europäischen Union.
Die DB Fernverkehr AG hat sich verpflichtet, für künftige Neufahrzeuge
Rampen innerhalb der Fahrzeuge nur mit Neigungen von 6 Prozent, bei kurzen
Rampen bis 1 Meter Länge mit maximal 12 Prozent zu realisieren.
Im Übrigen wird auf die Antwort der Bundesregierung zu den Fragen 17 und
18 der Kleinen Anfrage auf Bundestagsdrucksache 19/18841 und der
Antworten zu den Fragen 15 und 21 der Kleinen Anfrage auf Bundestagsdrucksache
19/20331 verwiesen.
11. Wie beurteilt die Bundesregierung die geringe Kopfhöhe im
Einstiegsbereich bzw. in den darüberliegenden Zugängen zum Obergeschoss in 76er-
Dosto-Wagen vor dem Hintergrund des Ziels eines angemessenen
Reisekomforts?
Werden die derzeit verfügbaren bzw. in Entwicklung befindlichen
Lösungen als standardtauglich angesehen?
Falls ja, warum?
Falls nein, warum nicht?
Die Innenraumhöhen sind bei einem Doppelstockwagen durch das
Lichtraumprofil für den Wagen eingeschränkt und insofern ggf. niedriger als in
einstöckigen Fahrzeugen. Im Oberstock kann nach Auskunft der DB AG die
Innenraumhöhe durch den Verzicht auf Gepäckablagen an der Decke erhöht werden. Erste
Konzepte werden nach Auskunft der DB AG hierfür erarbeitet.
15. Wo können detaillierte, maßstabsgetreue Längs- und Querschnitte dieser
neuen Züge und Wagen eingesehen werden (bitte mindestens für
Bombardier, Stadler und Siemens differenzieren)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine eigenen Informationen vor.
18. Beabsichtigt die Bundesregierung, den Deutschlandtakt mit einer
Fahrzeugstrategie zu flankieren, auch um das Ziel der Verdoppelung der
Fahrgastzahlen bis 2030 zu erreichen?
Wenn ja, bis wann sollen die Eckdaten einer Fahrzeugstrategie für den
Deutschlandtakt festgelegt werden, und welche Parameter sollen dabei
einfließen?
Wenn nein, warum verzichtet die Bundesregierung auf eine
Fahrzeugstrategie, die auf den Deutschlandtakt abgestimmt ist?
19. Mit welchen konkreten Maßnahmen will die Bundesregierung das selbst
gesteckte Ziel der Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030 erreichen,
und welche Maßnahmen im Bereich des rollenden Materials dienen
diesem Ziel?
20. Stimmt die Bundesregierung der Einschätzung der Fragesteller zu, dass
das Ziel der Verdoppelung der Fahrgastzahlen bis 2030 zwingend mit
einer Fahrzeugstrategie untermauert werden muss, die auch im
Fernverkehr konsequent auf doppelstöckige Reisezugwagen bzw. Triebzüge
setzt?
21. Welchen Anteil an der Verdoppelung der Fahrgastzahlen sollen folgende
Maßnahmen nach der Zielstellung der Bundesregierung haben:
Kapazitätssteigerung durch Aus- und Neubau (einschließlich Verlängerung von
Bahnsteigen), Verdichtung des Angebots, Einsatz von
Fernverkehrszügen mit größerer Sitzplatzkapazität (hier einstöckige Züge), Einsatz von
Doppelstockzügen im Fernverkehr?
Die Fragen 18 bis 21 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Bedienung der im Zielfahrplan Deutschlandtakt hinterlegten
Fernverkehrslinien und der Einsatz rollenden Materials obliegt den
Fernverkehrsunternehmen. Der SPNV obliegt den Ländern.
Mit dem Zielfahrplan Deutschlandtakt ist das Ziel der Verdoppelung der
Fahrgastzahlen umsetzbar. Die dafür notwendigen Infrastrukturausbauten werden
von der Bundesregierung zusammen mit der DB Netz AG vorangetrieben.
Der Deutschlandtakt und das Ziel der Fahrgastverdopplung werden nach
Auskunft der DB AG durch eine Flottenstrategie der einzelnen am Personenverkehr
beteiligten EVU des Nah- und Fernverkehrs unterstützt. Nach Auskunft der DB
AG werden bei der DB Fernverkehr AG diese Anforderungen im Rahmen der
Strategie „Starke Schiene“ aufgegriffen. Angebot und Nachfrage werden für
das Ziel der Verdoppelung der Fahrgastzahlen ermittelt. Darauf aufbauend
werden die notwendigen Kapazitäten abgeleitet. Eine Erkenntnis daraus ist der
notwendige Ausbau der Fernverkehrsflotte auf bis zu 600 Fahrzeuge. Hierzu
werden Ausschreibungen entsprechend am Markt platziert. Die Umsetzung der
Anforderungen obliegt den jeweiligen Anbietern. Für den zukünftigen
Instandhaltungsbedarf wird an fast allen Werkstandorten der DB AG die Kapazität der
Werke erweitert.
22. In welchen Bahnhöfen mit Fernverkehrshalten sind nach dem dritten
Gutachterentwurf des Deutschlandtakts Bahnsteigverlängerungen
erforderlich bzw. geplant (bitte bisherige Nutzlänge des Bahnsteigs und
künftige Nutzlänge des Bahnsteigs angeben, weiterhin bitte angeben, welche
Bahnsteige verlängert werden sollen)?
Im Zuge der Planungen zum Deutschlandtakt wird angenommen, dass die
Bahnsteige den Anforderungen der Musterzüge gemäß der Methodik des
Bundesverkehrswegeplans entsprechen (abrufbar unter:
https://www.bmvi.de/Share
dDocs/DE/Anlage/G/BVWP/bvwp-methodenhandbuch.pdf?__blob=publicatio
nFile). Im Rahmen der vorhabenspezifischen Planung wird durch den
Vorhabenträger geprüft, ob im Einzelfall Bahnsteiganpassungen erforderlich sind.
24. Liegen der Bundesregierung Erfahrungsberichte über den Einsatz des
TGV Duplex der SNCF vor?
Sind der Bundesregierung Erfahrungen der SNCF mit dem Betrieb
bekannt (bitte Energieverbrauch je Sitzplatz, Betriebskosten je Sitzplatz,
Zuglänge je Sitzplatz im Vergleich zu einstöckige TGV-Zügen und im
Vergleich zu einstöckige ICE-Zügen angeben)?
Nein.
25. Auf welchen Bahnstrecken in Deutschland ist der TGV Duplex
zugelassen?
Es wird auf die Anlage verwiesen.
26. Welche Einstiegshöhe über SOK hat der TGV Duplex?
Beim TGV 2N2 beträgt die Höhe des Fahrgasteinstiegs über der Schiene (bei
Normallast) 0,59 m.
27. Wie hoch ist die typische maximale und die typische minimale
Auslastung bezogen auf die Sitzplätze (inklusive Klappsitze) in folgenden
beispielhaften Dosto-Strecken: Hamburg–Lübeck, Berlin–Rostock,
Mönchengladbach–Münster, Frankfurt–Heidelberg, Stuttgart–Singen und
München–Augsburg?
a) Wie viele Plätze werden in den o. g. Strecken typischerweise
angeboten (bitte in Sitzplätze, Klappsitze, Stehplätze, Fahrradstellplätze
differenzieren)?
b) Wird an den o. g. Strecken die Platzkapazität an die Nachfrage
angepasst, wenn ja wie, wenn nein, warum nicht?
c) An welchen der o. g. Strecken werden bei Nachfrageschwankungen
innerhalb eines Zuglaufes, z. B. im Zulauf auf Großstädte, Züge
verstärkt bzw. geschwächt?
Die Fragen 27 bis 27c werden gemeinsam beantwortet.
Die Strecken werden von verschiedenen EVU, darunter auch
nichtbundeseigenen Eisenbahnen, befahren. Hierzu liegen keine Werte vor. Für den Nahverkehr
sind die Länder verantwortlich.
Auf Nachfrageveränderungen reagiert die DB Fernverkehr AG bei Bedarf im
Zuge der beiden jährlichen Fahrplanwechsel. Im Rahmen eines
Flügelkonzeptes bieten die Regionalbahnlinien RB 67/RB68 nach Auskunft der DB AG
umsteigefreie Verbindungen zwischen Frankfurt (Main) Hbf – Darmstadt Hbf –
Mannheim Hbf/Schwetzingen bzw. Heidelberg Hbf/Wiesloch-Walldorf. Im
Bahnhof Neu-Edingen/Friedrichsfeld werden die Zugteile jeweils getrennt bzw.
vereinigt.
Berlin – Rostock
Nach Auskunft der DB AG bietet die DB Regio AG je nach Zugkonfiguration
Platzkapazitäten von rund 500 Sitzplätzen in der Saison (April – Oktober) und
420 Plätzen außerhalb der Saison (November – März) an.
Saison Nichtsaison
feste Sitze 2. Klasse 316 272
feste Sitze 1. Klasse 28 28
Klappsitze 157 120
Fahrradstellplätze 72 36
Keine Angabe zu Stehplätzen.
Durch die DB Fernverkehr AG werden auf der Strecke Berlin – Rostock an
einem Durchschnittstag 4.560 Sitzplätze, 272 Klappsitze und 128
Fahrradstellplätze in doppelstöckigen Intercity 2 angeboten.
Lübeck – Hamburg
5-Wagen Dosto
feste Sitze 2. Klasse 509
feste Sitze 1. Klasse 74
Klappsitze 53
Fahrradstellplätze 12
Stehplätze: 645/ Zugelassene Personen: 1.228.
7-Wagen Dosto
feste Sitze 2. Klasse 716
feste Sitze 1. Klasse 111
Klappsitze 59
Fahrradstellplätze 12
Stehplätze: 895/ Zugelassene Personen: 172.
Auf der Linie Lübeck – Hamburg wird laut DB AG das ganze Jahr die gleiche
Kapazität angeboten.
München – Augsburg
Nach Auskunft der DB AG verkehrt auf der Relation ein Mischkonzept mit
ET440 und Dostozügen.
Die Dostozüge bestehen überwiegend aus 5 Wagen (1x Lok, 4x Dosto-
Mittelwagen und 1x Dosto-Steuerwagen) mit 549 Sitzplätzen 2. Kl. (23x Klappsitze),
38x 1. Klasse und rund 130 Stehplätzen.
Mönchengladbach – Münster
(Düsseldorf – Münster der Linie RE 2)
Nach Auskunft der DB AG werden auf der Linie RE 2 zwischen Düsseldorf
und Münster in der Regel 570 Sitzplätze angeboten. Hinzu kommen
Mehrzweckabteile in den Steuerwagen und ein Fahrradstellplatz in einem Mittelwagen.
In beiden sind Klappsitze/Fahrradstellplätze vorhanden.
Frankfurt – Heidelberg
Die RB67/RB68 verkehren zwischen Frankfurt (Main) Hbf und Mannheim
Hbf/Schwetzingen bzw. Heidelberg Hbf nach Auskunft der DB AG im Rahmen
eines Flügelkonzeptes. Im Bahnhof Neu-Edingen/Friedrichsfeld werden die
Zugteile jeweils getrennt bzw. miteinander vereint. Dies führt zu
unterschiedlichen Fahrzeugkonfigurationen und Sitzplätzen auch innerhalb des Laufwegs
der RB68 von Frankfurt (Main) Hbf nach Heidelberg.
Zu den Hauptverkehrszeiten verkehren die RB67/RB68 mit acht
Doppelstockwagen (zwei vierteilige Züge) mit bis zu 806 Sitzplätzen (davon 108
Klappsitze) und 36 Fahrradstellplätzen.
Die Flügelzüge zwischen Frankfurt (Main) Hbf und Neu-Edingen/
Freidrichsfeld verkehren unter der Woche mit sieben Wagen (ein dreiteiliger Zug
gekuppelt mit einem vierteiligen Zug) mit mindestens 673 Sitzplätzen (davon 97
Klappsitze) und 36 Fahrradstellplätzen. Am Wochenende verkehren sechs
Wagen (zwei dreiteilige Züge) mit 540 Sitzplätzen (davon 86 Klappsitze) und 36
Fahrradstellplätzen.
Stuttgart – Singen
Auf der Strecke Stuttgart – Singen werden nach Auskunft der DB AG an einem
Durchschnittstag 7.854 Sitzplätze, 102 Klappsitze und 153 Fahrradstellplätze in
doppelstöckigen Intercity 2 angeboten. Stehplätze werden in den Zügen von
DB Fernverkehr AG nicht ausgewiesen.
28. Wie lang sind die kürzesten Doppelstockgarnituren auf diesen Strecken
(Anzahl der Wagen, Sitzplatzkapazität angeben)?
Berlin – Rostock
Nach Auskunft der DB AG umfassen die kürzesten Garnituren in der
Nichtsaison vier Wagen mit 420 Sitzplätzen.
Bei der DB Fernverkehr AG kommen nach Auskunft der DB AG vierteilige
Stadler KISS-Doppelstock-Triebzüge mit einer Kapazität von 285 Sitzplätzen
(zzgl. 17 Klappsitze) zum Einsatz.
Hamburg – Lübeck
Die kürzesten Garnituren fahren nach Auskunft der DB AG auf der RB81 mit
fünf Doppelstockwagen und 420 Sitzplätzen.
Mönchengladbach – Münster
(Düsseldorf – Münster der Linie RE 2)
Die kürzesten Doppelstockgarnituren auf der Linie RE 2 zwischen Münster und
Düsseldorf bestehen aus fünf Doppelstockwagen, mit einer Sitzplatzanzahl von
570.
Augsburg – München
Nach Auskunft der DB AG besteht die kürzeste Dosto-Garnitur aus fünf Wagen
(1x Lok, 4x Dosto-Mittelwagen und 1x Dosto-Steuerwagen).
Frankfurt – Heidelberg
Zwischen Neu-Edingen/Friedrichsfeld und Heidelberg besteht nach Auskunft
der DB AG die kürzeste Doppelstock-Garnitur zur Hauptverkehrszeit aus vier
Wagen (ein vierteiliger Zug) mit einer Sitzplatzkapazität von 403 Sitzen. In den
Tagesrandlagen mit weniger Fahrgästen ist ein Zug mit drei Teilen und 270
Sitzplätzen im Einsatz.
Auf dem Abschnitt zwischen Neu-Edingen/Friedrichsfeld und Frankfurt
verkehren als kürzeste Zuglänge zwei dreiteilige Züge gekoppelt mit einer
Sitzplatzkapazität von 540 Sitzplätzen.
Stuttgart – Singen
Auf der Strecke Stuttgart – Singen kommen laut Auskunft der DB AG
üblicherweise 5-teilige Bombardier Doppelstock Intercity 2 mit einer Kapazität von
462 Sitzplätzen (zzgl. sechs Klappsitzen) zum Einsatz.
29. Gibt es Überlegungen seitens der Bundesregierung im Rahmen der
europäischen Ratspräsidentschaft, beim Aufbau eines europäischen
Nachtzugnetzes auf Dosto-Wagen zu setzen?
30. Falls ja, kann die Bundesregierung sich vorstellen, eine Art breit
angelegten, offenen Gestaltungswettbewerb für „Dosto-Nachtzugwagen der
Zukunft“ auszuloben, um die Bevölkerung mitzunehmen in Bezug auf das
künftige europäische Reisen?
Die Fragen 29 und 30 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Entscheidung Nachtzugverkehre anzubieten, obliegt den einzelnen EVU.
Für die Entwicklung und Gestaltung von Fahrzeugen sind die Besteller bzw.
Hersteller verantwortlich.
31. Lässt sich nach Einschätzung der Bundesregierung das im
Koalitionsvertrag zwischen CDU, CSU und SPD definierte Ziel einer Verdoppelung
der Fahrgastzahlen ohne den deutlich verstärkten Einsatz von
Doppelstockzügen erreichen?
Es wird auf die Antworten zu den Fragen 8 und 18 verwiesen.
32. Lassen sich nach Einschätzung der Bundesregierung die Pariser
Klimaziele ohne den deutlich verstärkten Einsatz von Doppelstockzügen
erreichen?
Zur Erreichung der Ziele des Übereinkommens von Paris werden sämtliche
Erzeugungs- und Verbrauchsektoren einen Beitrag leisten müssen. Im
Verkehrsbereich gilt dies für sämtliche Verkehrsträger, auch für den
Schienenpersonenverkehr. Der Einsatz von Doppelstockzügen kann zur Steigerung der
Kapazität beitragen und somit einen positiven Einfluss auf Verlagerung auf den
klimafreundlichen Verkehrsträger Schiene haben.
Deutscher Bundestag – 19. Wahlperiode – 11 – Drucksache 19/24928
Anlage
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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