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Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet

Förderung von Ostdeutschen in Begabtenförderungswerken

(insgesamt 14 Einzelfragen)

Fraktion

DIE LINKE

Ressort

Bundesministerium für Bildung und Forschung

Datum

18.05.2021

Antwortdauer

14 Tage

Aktualisiert

26.07.2022

Deutscher BundestagDrucksache 19/2926204.05.2021

Förderung von Ostdeutschen in Begabtenförderungswerken

der Abgeordneten Matthias Höhn, Dr. Gesine Lötzsch, Simone Barrientos, Dr. Birke Bull-Bischoff, Dr. Diether Dehm, Andrej Hunko, Kerstin Kassner, Victor Perli, Sören Pellmann, Żaklin Nastić, Dr. Petra Sitte, Dr. Kirsten Tackmann, Sabine Zimmermann und der Fraktion DIE LINKE.

Vorbemerkung

Ostdeutsche sind in Führungspositionen von Verwaltung, Justiz, Wirtschaft, Wissenschaft, Medien oder Militär in sehr deutlicher Weise unterrepräsentiert. Die fehlende Repräsentanz ist ein Grund, weshalb sich zwei Drittel der Ostdeutschen noch immer als „Menschen zweiter Klasse“ behandelt fühlen, wie die Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ in ihrem Abschlussbericht feststellt. Die Kommission schlägt deshalb eine Reihe von Maßnahmen vor, um die Minderrepräsentation von Ostdeutschen in gesellschaftlichen Führungspositionen zu bekämpfen.

Eine Teillösung sieht die Kommission in einer stärkeren Begabtenförderung von Ostdeutschen. Die Kommission sieht in der bisherigen Begabtenförderung Veränderungsbedarf: „Zwar werden selbstverständlich auch Ostdeutsche von den bestehenden Begabtenförderungswerken gefördert, doch genügt das bisherige Ausmaß ihrer Förderung nicht, um hinsichtlich der bestehenden Minderrepräsentation von Ostdeutschen in Führungspositionen einen echten Aufholprozess zu bewirken.“ (Abschlussbericht der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“, S. 17/18) Die Begabtenförderung von Ostdeutschen könne dazu beitragen, langfristig informelle Netzwerke zu stärken, Erfahrungsaustausch und Unterstützung zu bieten und damit den Aufstieg in Führungspositionen zu begünstigen. Die Kommission schlägt die Gründung eines „Begabtenförderungswerks Ostdeutschland“ in der finanziellen und organisatorischen Größenordnung des Bayerischen Elitenetzwerks vor.

Wir fragen die Bundesregierung:

Fragen14

1

Teilt die Bundesregierung die Einschätzung der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“, wonach das bisherige Ausmaß der Förderung von Menschen in Ostdeutschland nicht genügt, „um hinsichtlich der bestehenden Minderrepräsentation von Ostdeutschen in Führungspositionen einen echten Aufholprozess zu bewirken“ (Abschlussbericht der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“, S. 17/18)?

2

Wie bewertet die Bundesregierung den Vorschlag der Kommission „30 Jahre Friedliche Revolution und Deutsche Einheit“ für den Aufbau eines zusätzlichen „Begabtenförderungswerks Ostdeutschland“?

3

Arbeitet die Bundesregierung an der Einrichtung eines „Begabtenförderungswerks Ostdeutschland“? Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung eingeleitet, um die Einrichtung eines „Begabtenförderungswerks Ostdeutschland“ zu bewirken?

4

Wie sieht der Zeitplan der Bundesregierung aus, um ein Begabtenförderungswerk Ostdeutschland einzurichten?

5

In welcher finanziellen Höhe plant die Bundesregierung die Ausstattung eines Begabtenförderungswerks Ostdeutschland?

6

Wie hoch waren die Mittel, die das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) jeweils an die bestehenden Begabtenförderungswerke zugewiesen hat (bitte nach Jahren – 2010 bis heute – gesamt und Begabtenförderungswerken aufgeschlüsselt angeben)?

7

Wie viele Personen erhielten bisher eine Förderung durch die Begabtenförderungswerke (bitte nach Jahren – 2010 bis heute –, Begabtenförderungswerken und Art der Förderung – Studienförderung, Promotionsförderung, Sonstige Förderung aufteilen)?

8

Wie viele dieser durch die Begabtenförderungswerke geförderten Personen a) sind in den ostdeutschen Ländern und wie viele in Berlin geboren (bitte auch Anteil angeben), b) sind weiblichen Geschlechts (bitte auch nach Anteil angeben), c) haben einen Migrationshintergrund (Geförderte selbst oder mindestens ein Elternteil wurden nicht mit deutscher Staatsangehörigkeit geboren; bitte auch nach Anteil angeben), d) haben jeweils einen niedrigen, mittleren, gehobenen und hohen Bildungshintergrund im Sinne der Definition der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks (vgl. „Glossar zum Hauptbericht und zum Sonderbericht“ der 21. Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks, S. 11 f., www.sozialerhebung.de; bitte auch Anteil angeben)?

9

Wie viele Personen erhielten bisher eine Förderung durch die Begabtenförderungswerke aufgeteilt nach Hochschulstandort Ostdeutschland und Westdeutschland (bitte nach Jahren – 2010 bis heute –, Begabtenförderungswerken und Art der Förderung – Studienförderung, Promotionsförderung, sonstige Förderung aufteilen, und bitte auch Anteil angeben)?

10

Wie viele dieser Personen a) sind in den ostdeutschen Ländern und wie viele in Berlin geboren (bitte auch Anteil angeben), b) sind weiblichen Geschlechts (bitte auch nach Anteil angeben), c) haben einen Migrationshintergrund (bitte auch nach Anteil angeben), d) haben jeweils einen niedrigen, mittleren, gehobenen und hohen Bildungshintergrund (bitte auch nach Anteil angeben)?

11

Wie stellt die Bundesregierung ausreichend Datenmaterial sicher, um Bedarfe oder auch Fortschritte bei der angemessenen Begabtenförderung von Ostdeutschen zu erfassen?

12

Hält es die Bundesregierung für notwendig, den Geburtsort beziehungsweise das Geburtsbundesland bei der Begabtenförderung gegenüber dem BMBF zu erfassen, sofern dies bisher nicht der Fall gewesen ist?

13

Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um den Anteil an Ostdeutschen bei der Begabtenförderung zu erhöhen?

14

Welche Maßnahmen der Förderung sieht die Bundesregierung für Ostdeutsche, die bereits im öffentlichen Dienst tätig sind, etwa beim Aufstieg in Führungspositionen der Ministerien und anderer Bundesbehörden?

Berlin, den 22. April 2021

Amira Mohamed Ali, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion

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