Entwicklung der atypischen Beschäftigung in den vergangenen Jahren und in der Corona-Krise
der Abgeordneten Susanne Ferschl, Matthias W. Birkwald, Jutta Krellmann, Sylvia Gabelmann, Dr. Achim Kessler, Katja Kipping, Pascal Meiser, Cornelia Möhring, Jessica Tatti, Harald Weinberg, Pia Zimmermann, Sabine Zimmermann (Zwickau) und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
„Die Zahl der atypischen Beschäftigungsverhältnisse in Deutschland verharrt auf hohem Niveau.“ Auf diesen seit Jahren bestehenden Zustand wies das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung erneut hin (WSI Policy Brief 6/2019).
Im Gegensatz zur Finanzmarktkrise 2008/2009 hat die Corona-Krise atypische Beschäftigungsverhältnisse in besonders starker Weise betroffen. Atypisch Beschäftigte sind wesentlich schlechter abgesichert als Menschen in Normalarbeitsverhältnissen (vgl. https://www.iab-forum.de/warum-die-corona-krise-atypisch-beschaeftigte-besonders-stark-trifft/). Die Corona-Krise wirkt sich somit asymmetrisch aus und belastet bestimmte Teile der Gesellschaft und des Erwerbslebens stärker als andere.Vor diesem Hintergrund wollen wir die Bundesregierung zur Entwicklung der atypischen Beschäftigung jetzt und in den vergangenen 16 Jahren befragen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen13
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl und der Anteil der Beschäftigten in einem Normalarbeitsverhältnis sowie in einem atypischen Arbeitsverhältnis in den vergangenen 16 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln die absoluten und relativen Werte darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter, Beschäftigten mit und ohne deutschem Pass sowie nach Ost und West, Branchen und Bundesländern differenzieren)?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl und der Anteil von sozialversicherungspflichtigen Vollzeitbeschäftigten sowie Teilzeitbeschäftigten und geringfügig Beschäftigten in den vergangenen 16 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln die absoluten und relativen Werte darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter, Beschäftigten mit und ohne deutschem Pass sowie nach Ost und West, Branchen und Bundesländern differenzieren)?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl und der Anteil von befristet Beschäftigten sowie von Leiharbeitsbeschäftigten in den vergangenen 16 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln die absoluten und relativen Werte darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter, Beschäftigten mit und ohne deutschem Pass sowie nach Ost und West, Branchen und Bundesländern differenzieren)?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl und der Anteil von Erwerbstätigen und abhängig Beschäftigten in den vergangenen 16 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln die absoluten und relativen Werte darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter, Ost und West, Branchen und Bundesländern differenzieren)?
Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl und der Anteil von sogenannten Solo-Selbstständigen im Vergleich zur Erwerbsbevölkerung und zu anderen Formen der Selbstständigkeit in den letzten 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln die absoluten und relativen Werte darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter, Ost und West, Branchen und Bundesländern differenzieren)?
Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Arbeitszeitvolumen in Stunden und in Vollzeitäquivalenten in den vergangenen 20 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr einzeln die absoluten und relativen Werte darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter, Ost und West, Branchen und Bundesländern differenzieren)?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Niedriglohnanteil von Normalbeschäftigten im Vergleich zu atypisch Beschäftigten, und wie haben sich diese Werte in den vergangen 16 Jahren entwickelt (bitte für jedes Jahr, für das entsprechende Daten vorhanden sind, einzeln die Werte darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter, Beschäftigten mit und ohne deutschem Pass sowie nach Ost und West, Branchen und Bundesländern differenzieren)?
Wie viele Abgänge aus Arbeitslosigkeit erfolgen nach Kenntnis der Bundesregierung in eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitbeschäftigung, wie viele in eine Teilzeitbeschäftigung von bis zu 20 Stunden, wie viele in eine befristete Beschäftigung, und wie viele in eine geringfügige Beschäftigung (bitte für die vergangenen 16 Jahre jeweils einzeln die relativen Werte bezogen auf alle Abgänge aus der Arbeitslosigkeit darstellen; bitte nach Abgängen aus den Rechtskreisen des Dritten und Zweiten Buches Sozialgesetzbuch (SGB III und SGB II) unterscheiden sowie nach Geschlecht, Alter, Beschäftigten mit und ohne deutschem Pass sowie nach Bund, Ost und West, Branchen und Bundesländern differenzieren)?
Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der Normalarbeitsverhältnisse am gesamtwirtschaftlichen Arbeitsvolumen in Stunden, und wie hoch ist der Anteil, der auf atypischen Beschäftigungsverhältnissen beruht (bitte für die vergangenen 16 Jahre jeweils einzeln die relativen Werte bezogen auf das gesamte Arbeitsvolumen in Stunden darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter, Beschäftigten mit und ohne deutschem Pass sowie nach Bund, Ost und West, Branchen und Bundesländern differenzieren)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Entwicklung der Zahl und des Anteils von Werkvertragsbeschäftigten vor (bitte für jedes Jahr, für das entsprechende Daten vorhanden sind, einzeln die Werte darstellen; bitte nach Geschlecht, Alter, Beschäftigten mit und ohne deutschem Pass sowie nach Ost und West, Branchen und Bundesländern differenzieren)?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung zu der in ihrer Antwort zu Frage 13 auf Bundestagsdrucksache 19/13048 gemachten Aussage, dass atypische Beschäftigung von Beschäftigten „erwünscht“ sein könnte (sofern statistische Erkenntnisse bestehen, bitte für die letzten 16 Jahre gesondert darstellen sowie nach Beschäftigungsart, Geschlecht, Branche, Alter, Beschäftigten mit und ohne deutschem Pass sowie nach Ost und West und Bundesländern differenzieren, sofern keine statistischen Erkenntnisse bestehen, anderweitig auf die genannten Elemente eingehen)?
a) Welche Interessen verfolgen Beschäftigte nach Kenntnis der Bundesregierung mit der Suche nach bzw. mit Aufnahme von einer atypischen Beschäftigung im Gegensatz zu einem Normalarbeitsverhältnis?
b) Welche Interessen verfolgen Unternehmen nach Kenntnis der Bundesregierung mit dem Angebot einer atypischen Beschäftigung im Gegensatz zu einem Normalarbeitsverhältnis?
Wie bewertet die Bundesregierung ihre in dieser Legislatur sowie in den vergangenen drei Legislaturen unternommenen Bemühungen und veranlassten Gesetzesänderungen im Hinblick auf die Frage von atypischer Beschäftigung?
a) Inwiefern konnten Normalarbeitsverhältnisse gestärkt werden?
b) Welche Hemmnisse bei der Stärkung des Normalarbeitsverhältnisses bestehen nach Kenntnis der Bundesregierung seitens der Wirtschaft?
c) Warum wurde die in der Antwort zu Frage 13 auf Bundestagsdrucksache 19/13048 angegebene Planung zur Einschränkung sachgrundloser Befristung nicht umgesetzt (bitte begründen)?
d) Welche Vorhaben müssen nach Kenntnis der Bundesregierung in Zukunft umgesetzt werden, um das Normalarbeitsverhältnis zu stärken?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung über die Krisenanfälligkeit von atypischen Beschäftigungsverhältnissen, die das Interactive Advertising Bureau (IAB) anhand von Branche, Kündigungsschutzregeln, vormals erzieltem Einkommen und bestehender Arbeitslosenversicherung definiert (vgl. https://www.iab-forum.de/warum-die-corona-krise-atypisch-beschaeftigte-besonders-stark-trifft/), und insbesondere über die Krisenauswirkungen auf atypische Beschäftigungen in der Corona-Krise (sofern statistische Erkenntnisse bestehen, bitte nach Beschäftigungsart, Geschlecht, Branche, Alter, Beschäftigten mit und ohne deutschem Pass sowie nach Ost und West und Bundesländern gesondert darstellen, sofern keine statistischen Erkenntnisse bestehen, anderweitig auf die genannten Elemente eingehen)?