Zurück zur Übersicht
Kleine AnfrageWahlperiode 19Beantwortet
Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss seit 2019
(insgesamt 12 Einzelfragen mit zahlreichen Unterfragen)
Fraktion
DIE LINKE
Ressort
Bundesministerium für Bildung und Forschung
Datum
04.08.2021
Antwortdauer
21 Tage
Aktualisiert
26.07.2022
BT19/3154114.07.2021
Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss seit 2019
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
[Kleine Anfrage
der Abgeordneten Dr. Birke Bull-Bischoff, Dr. Petra Sitte, Jan Korte,
Doris Achelwilm, Brigitte Freihold, Nicole Gohlke, Norbert Müller und
der Fraktion DIE LINKE.
Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss seit 2019
Im Oktober 2008 vereinbarten die Regierungschefs von Bund und Ländern ein
umfangreiches bildungspolitisches Maßnahmenpaket im Rahmen des Dresdner
Bildungsgipfels, welches bis 2015 umgesetzt werden sollte. Unter anderem
wurde das Ziel ausgegeben, die Anzahl der Schulabbrecherinnen und
Schulabbrecher von 8 auf 4 Prozent zu halbieren (https://www.kmk.org/fileadmin/Datei
en/pdf/Bildung/AllgBildung/2008-10-22-Qualifizierungsinitiative.pdf, S. 8).
Dieses Ziel wurde nach Ansicht der Fragestellenden bisher verfehlt. So lag die
Zahl der Jugendlichen ohne Schulabschluss 2010 und 2014 immer noch bei
6 Prozent und steigt seit 2013 auf knapp 7 Prozent im Jahr 2018 (Bericht
„Bildung in Deutschland 2020“ der Konferenz der Kultusminister der Länder
(KMK) und des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBFB),
S. 143). Im Zieljahr 2015 lag der Anteil bei 5,9 Prozent (vgl. Klaus Klemm/
Matthias Anbuhl: Der Dresdener Bildungsgipfel: von unten betrachtet,
Expertise zur sozialen Spaltung im Bildungssystem, DGB, 2018, S. 13). Nahezu die
Hälfte der Abgänge ohne Abschluss betrifft Schülerinnen und Schüler in
Förderschulen. Da sich dieser Anteil jedoch verringert, ist die insgesamte
Steigerung der Abgänge ohne Abschluss auf andere Schularten zurückzuführen.
Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischer Förderung erreichen
insgesamt eher einen Abschluss an sonstigen allgemeinbildende Schulen (Bericht
„Bildung in Deutschland 2020“ der KMK und des BMBFB, S. 144/145 und
vgl. Klaus Klemm/Matthias Anbuhl: Der Dresdener Bildungsgipfel: von unten
betrachtet, Expertise zur sozialen Spaltung im Bildungssystem, DGB, 2018,
S. 12). Dies deutet nach Ansicht der Fragestellenden darauf hin, dass
gemeinsamer Unterricht als eine Voraussetzung für inklusive Bildung auch die Zahl der
Abgänge ohne Abschluss positiv beeinflussen kann.
28 Prozent aller Hauptschulabschlüsse wurden 2018 nicht an
allgemeinbildenden, sondern nachträglich an beruflichen Schulen erworben, doppelt so viele
wie noch 2006 (Bericht „Bildung in Deutschland 2020“ der KMK und des
BMBF, S. 147). Jugendliche, die am Ende der allgemeinbildenden Schule diese
ohne Schulabschluss verlassen, haben trotz der zahlreichen Maßnahmen des
Übergangssektors faktisch keine Chancen auf eine berufliche Ausbildung
(Bericht „Bildung in Deutschland 2018“ der KMK und des BMBF, S. 121).
Deutscher Bundestag Drucksache 19/31541
19. Wahlperiode 14.07.2021
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der
Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Schulabschluss seit 2018 entwickelt
(bitte nach Bundesdurchschnitt, nach Bundesländern, in absoluten Zahlen
und in Prozent analog zur Anlage 1 der Antwort der Bundesregierung auf
die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 19/14705 aufschlüsseln)?
a) Wie hoch sind dabei die Anteile der Jugendlichen mit
sonderpädagogischem Förderbedarf, die den Schulabschluss verfehlten (bitte nach
Bundesdurchschnitt, nach Bundesländern, Förderschwerpunkt und
Schulart, in absoluten Zahlen und in Prozent aufschlüsseln)?
b) Hat die Bundesregierung seit 2019 Maßnahmen ergriffen, Kenntnis
darüber zu erlangen, aus welchen Gründen der Anteil der
Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Schulabschluss mit diagnostiziertem
Förderbedarf an Förderschulen vergleichsweise höher ist als an
allgemeinbildenden Schulen?
Falls ja, welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor?
Wenn keine Maßnahmen erfolgt sind, warum nicht?
c) Hat die Bundesregierung vorgesehen, den Weg zu einer inklusiven
Schule stärker zu fördern?
Wenn ja, warum?
Wenn nein, warum nicht?
2. Inwiefern zieht die Bundesregierung aus ihrer Beteiligung am
Maßnahmenpaket des Dresdner Bildungsgipfels den Schluss, mitverantwortlich zu
sein für das Erreichen der hierin definierten Ziele?
3. Hat die Bundesregierung seit 2019 Maßnahmen ergriffen, Kenntnis
darüber zu erlangen, welche Ursachen zur Steigerung der Quote der
Schulabgängerinnen und Schulabgänger ohne Schulabschluss seit 2013 führen?
Falls ja, welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor?
Wenn keine Maßnahmen erfolgt sind, warum nicht?
4. Wie, und wann wurde evaluiert, ob Bund und Länder mit dem
Maßnahmenpaket die vereinbarten Ziele 2015 erreicht haben?
War die Bundesregierung zufrieden mit dem Ergebnis des vereinbarten
Maßnahmenpakets?
Falls nicht, welche Schlüsse und Maßnahmen hat die Bundesregierung
hieraus abgeleitet?
5. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung ergriffen, um die
Quote der Schülerinnen und Schüler, die den Hauptschulabschluss
verfehlen, zu senken, seit sie in der Antwort zu Frage 1d auf
Bundestagsdrucksache 19/14705 festgestellt hat, dass ein Abschluss der Schule die
Voraussetzung für eine selbstbestimmte Berufswahl und eine erfolgreiche
Lebensgestaltung ist?
a) Hält die Bundesregierung nach wie vor an dieser Überzeugung fest?
Falls nein, warum nicht?
b) Wie begründet die Bundesregierung, dass sie einerseits in der Antwort
zu Frage 1d auf Bundestagsdrucksache 19/14705 feststellt, dass ein
Schulabschluss die Voraussetzung für eine selbstbestimmte Berufswahl
ist, andererseits aber in der Antwort zu Frage 5 auf
Bundestagsdrucksache 19/14705 darlegt, dass Jugendliche ohne Schulabschluss nicht
vom Ausbildungsmarkt ausgeschlossen sind?
c) Hält die Bundesregierung nach wie vor an dem damaligen Ziel des
Dresdener Bildungsgipfels fest, die Quote der Schülerinnen und
Schüler ohne Schulabschluss auf 4 Prozent zu reduzieren?
Wenn ja, bis wann, und mit welchen Maßnahmen?
Wenn nein, warum nicht?
6. Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, inwieweit sich die
„Qualitätsoffensive Lehrerbildung“ auf die Senkung der Quote der Schülerinnen und
Schüler, die den Hauptschulabschluss verfehlen, ausgewirkt hat?
Falls nein, warum nicht?
7. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der
Schülerinnen und Schüler ohne Schulabschluss seit 2019 in den ostdeutschen
Bundesländern im Vergleich zu dem in den westdeutschen Bundesländern
entwickelt (bitte nach Jahren, absoluten Zahlen und Prozentangaben
aufschlüsseln)?
a) Hat die Bundesregierung seit 2019 Maßnahmen ergriffen, Kenntnis
darüber zu erlangen, welche Ursachen auf die Niveauunterschiede der
Ländervergleiche (Ost bzw. West) zurückzuführen sind?
Falls ja, welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor?
Wenn keine Maßnahmen erfolgt sind, warum nicht?
b) Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung seit 2019 ergriffen, um
den Forschungsbedarf zu erfüllen, der in Frage 2b der Antwort der
Bundesregierung auf Bundestagsdrucksache 19/14705 bezüglich der
Diskrepanzen der höheren Quote der Schülerinnen und Schüler ohne
Abschluss in ostdeutschen Bundesländern trotz höherer
Lesekompetenz benannt wird?
Wenn keine Maßnahmen erfolgt sind, warum nicht?
8. Welche Schlüsse zieht die Bundesregierung daraus, dass laut
Bildungsbericht 2020 insbesondere junge Männer häufiger als junge Frauen die
Schule ohne Abschluss verlassen (s. Bericht „Bildung in Deutschland 2020“ der
KMK und des BMBF, S. 18)?
9. Wie viele Jugendliche ohne Schulabschluss sind nach Kenntnis der
Bundesregierung seit 2019 erfolgreich in eine vollqualifizierende
Berufsausbildung eingetreten (bitte nach Jahren, in absoluten Zahlen und
Prozentangaben aufschlüsseln)?
a) Wie viele dieser Jugendlichen sind direkt in eine Ausbildung
eingemündet (bitte nach Jahren; in absoluten Zahlen und Prozent
aufschlüsseln)?
b) Wie viele dieser Jugendlichen haben die berufliche Ausbildung
erfolgreich abgeschlossen (bitte nach Jahren, in absoluten Zahlen und
Prozentangaben aufschlüsseln)?
c) Wie viele dieser Jugendlichen sind (zunächst) in berufsvorbereitende
Maßnahmen bzw. in die Maßnahmen des Übergangssektors
eingemündet (bitte nach Jahren, in absoluten Zahlen und Prozentangaben
aufschlüsseln)?
d) Hat die Bundesregierung seit 2019 Maßnahmen ergriffen, Kenntnis
darüber zu erlangen, wie viele dieser Jugendlichen nach Beendigung der
Schulzeit einen Schulabschluss nachholen konnten?
Falls ja, welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor?
Wenn keine Maßnahmen erfolgt sind, warum nicht?
e) Hat die Bundesregierung seit 2019 Maßnahmen ergriffen, Kenntnis
darüber zu erlangen, wie viele Jugendliche ohne Schulabschluss in den
letzten zehn Jahren nicht erfolgreich in eine berufliche Ausbildung
einmünden und keinen Berufsabschluss erreichen konnten (bitte nach
Jahren in absoluten Zahlen und Prozentangaben aufschlüsseln)?
Falls ja, welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor?
Wenn keine Maßnahmen erfolgt sind, warum nicht?
10. Hat die Bundesregierung seit 2019 Maßnahmen ergriffen, Kenntnis
darüber zu erlangen, inwieweit Mobbing an Schulen eine Ursache für das
Verfehlen eines Schulabschlusses ist?
Falls ja, welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor?
Wenn keine Maßnahmen erfolgt sind, warum nicht?
a) Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung einen Zusammenhang
zwischen Mobbing und Schulabsentismus?
b) Falls die Bundesregierung keine Kenntnis von einem Zusammenhang
zwischen Mobbing und Schulabsentismus hat, aus welchem Grund
unterstützt sie das Vorhaben „Respekt Coaches“?
c) Hat die Bundesregierung Kenntnis darüber, inwieweit sich das
Vorhaben „Respekt Coaches“ auf die Senkung des Schulabsentismus
ausgewirkt hat?
Falls nein, warum nicht?
d) Hat die Bundesregierung seit 2019 Maßnahmen ergriffen, Kenntnis
darüber zu erlangen, ob es einen Zusammenhang zwischen
Schulabsentismus und dem Verfehlen eines Schulabschlusses gibt?
Falls ja, welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung vor?
Wenn keine Maßnahmen erfolgt sind, warum nicht?
11. Welche konkreten Maßnahmen hat die Bundesregierung seit 2019
ergriffen, um den Zusammenhang zwischen dem Verfehlen von
Schulabschlüssen und materieller Armut und Bildungsarmut zu untersuchen?
12. Welche Kenntnis hat die Bundesregierung zu einem möglichen
Zusammenhang zwischen dem Verfehlen von Schulabschlüssen und Schülerinnen
und Schülern aus Alleinerziehendenfamilien?
Hat die Bundesregierung vor, Maßnahmen zu ergreifen, hierüber Kenntnis
zu erlangen, und falls ja, welche?
Falls nein, warum nicht?
Berlin, den 13. Juli 2021
Amira Mohamed Ali, Dr. Dietmar Bartsch und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]
Ähnliche Kleine Anfragen
Aktivitäten und Gefährdungspotenzial der Partei "III. Weg"
DIE LINKE03.06.2026
Umsetzung der Feststellungsverfahren nach dem Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz und Ausgestaltung des geplanten Validierungszuschusses und die Rolle der Bundesregierung
DIE LINKE21.05.2026
Veräußerung von Kleinstflächen durch die Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH
DIE LINKE22.05.2026
Behebung und Aufarbeitung von Zahlungsverzögerungen bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH - Unterstützung der Partnerinnen und Partner im Globalen Süden
DIE LINKE11.05.2026