[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 20/905 –
Internationale Digitalpolitik der Bundesregierung im Rahmen der deutschen
G-7-Präsidentschaft 2022
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Am 1. Januar 2022 hat die Bundesrepublik Deutschland für ein Jahr die
Präsidentschaft der G 7 übernommen. In ihrem G-7-Programm (
https://www.g7ger
many.de/resource/blob/974430/2000068/b3d051fef6ffc2d04250d17c1efad30
7/2022-01-21-g7-programm-data.pdf?download=1) kündigt die
Bundesregierung u. a. an, sich für eine „inklusive globale digitale Ordnung“ einzusetzen
und dass sie im Rahmen der G-7-Präsidentschaft „sicheren und zuverlässigen
grenzüberschreitenden Datenaustausch fördern, digitalen Ungleichheiten
entgegenwirken, die Sicherheit im Internet stärken, für verantwortliches
Staatenverhalten im Cyberraum eintreten, fairen Wettbewerb ermöglichen und
Konnektivität verbessern“ will. Außerdem will die Bundesregierung sich dafür
einsetzen, „das Potenzial der Digitalisierung für eine nachhaltige Lebens- und
Wirtschaftsweise noch besser zu nutzen und gleichzeitig den digitalen
Fortschritt an sich nachhaltig und inklusiv gestalten“ sowie sich „für ein offenes,
zuverlässiges und sicheres Internet einsetzen, das demokratische Grundsätze
und die universellen Menschenrechte stärkt – und nicht beschränkt“.
Weiterhin möchte die Bundesregierung im Rahmen der G 7 „ein gemeinsames
Verständnis der G 7 entwickeln, in welchen Bereichen der globalen digitalen
Ordnung wir die internationale Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern
stärken müssen“ und strebt „eine stärkere internationale Koordinierung bei der
Setzung von Standards und Normen an, die in eine offene, demokratische und
regelbasierte Ordnung eingebettet sind“.
Mit dem Organisationserlass vom 8. Dezember 2021 wurde vom
Bundeskanzler Olaf Scholz veranlasst, dass die Zuständigkeiten für die nationale,
europäische und internationale Digitalpolitik aus dem Geschäftsbereich des
Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) in den
Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) übertragen
wird. Der Bundesminister für Digitales und Verkehr Dr. Volker Wissing hat im
Zusammenhang mit der G-7-Präsidentschaft angekündigt, „starke Impulse für
die wichtigen Zukunftsthemen Digitalisierung, Konnektivität und Mobilität zu
setzen“ (BMDV vom 1. Januar 2022;
https://www.bmvi.de/DE/Themen/G7-Pr
aesidentschaft/g7-praesidentschaft.html).
Deutscher Bundestag Drucksache 20/1273
20. Wahlperiode 31.03.2022
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr
vom 31. März 2022 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
1. Was sind nach Ansicht der Bundesregierung die drei zentralen
Herausforderungen im Bereich der internationalen Digitalpolitik, zu denen ein
Austausch der G 7 im Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft im
Jahr 2022 erfolgen muss?
Mit ihrer internationalen Digitalpolitik tritt die Bundesregierung der
Fragmentierung des Internets entgegen und setzt sich für ein globales, offenes, freies
und sicheres Internet als Motor für Teilhabe, Innovation sowie gesellschaftliche
und wirtschaftliche Entwicklung ein. Die Bundesregierung unterstützt eine
dezentrale Internet Governance, die von einem umfassenden und integrativen
Multistakeholder-Prozess getragen wird, und wirkt aktiv an der Entwicklung
internationaler Rahmenbedingungen mit, die grenzüberschreitende Datenflüsse
bei Wahrung des hohen europäischen Schutzniveaus ermöglichen.
Die rasante Entwicklung digitaler Technologien und auf ihnen beruhender
Geschäftsmodelle, die zunehmende Konzentration von Marktmacht bei einer
geringen Anzahl von Digitalkonzernen und die Zunahme von missbräuchlicher
Nutzung dieser Technologien durch staatliche und nichtstaatliche Akteure
erfordern eine wertebasierte und innovationsfördernde Regulierung neuer
Technologien und digitaler Märkte, die eine sichere, diskriminierungsfreie und
selbstbestimmte Nutzung digitaler Technologien gewährleistet.
Die klimaneutrale Ausgestaltung der Digitalisierung ist eine weitere
Herausforderung. Die Bundesregierung hat die G7-Partner deshalb eingeladen, im
Rahmen des G7-Digitalministerprozesses auch über mögliche gemeinsame
Schritte zur Verbesserung der Umweltbilanz digitaler Technologien und
Dienste zu beraten.
2. Was versteht die Bundesregierung unter einer „inklusiven digitalen
globalen Ordnung“?
Für eine inklusive digitale globale Ordnung gilt es, einen freien, offenen,
sicheren und stabilen Cyberraum zu wahren und die multilaterale Kooperation zu
fördern. Die Bundesregierung setzt sich für die Anwendung der bestehenden
völkerrechtlichen Regeln im Cyberraum ein. Des Weiteren setzt sich die
Bundesregierung für sicheren Zugang zum Internet und zu digitalen
Kommunikationsmitteln ein, bei gleichzeitiger Wahrung von Menschenrechten und
Beachtung menschenrechtlichen Standards in der Nutzung.
3. Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte sich die Bundesregierung
im Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft für eine „inklusive
digitale globale Ordnung“ einsetzen?
Cyber-Kapazitätsaufbau bildet einen integralen Bestandteil des internationalen
Acquis zu verantwortlichem Staatenverhalten im Cyberraum. Die
Bundesregierung verfolgt dabei einen umfassenden Ansatz von Cyber-Kapazitätsaufbau,
womit der institutionelle Aufbau, die Schaffung eines rechtlichen und
regulativen Rahmens, Strategieentwicklung, technische Ausstattung, Cyber Diplomacy
sowie Aus- und Fortbildung von Fachpersonal umfasst sind.
Im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft hat die Bundesregierung unter
Federführung des Auswärtigen Amts (AA) eine Initiative mit Partnerstaaten in
Westafrika entwickelt, die einen substantiellen Beitrag zur Überwindung
digitaler Ungleichheiten („digital divide“) leisten und durch die genannten
Beratungs- und Ausbildungsleistungen die digitale globale Ordnung stärken
soll.
Im Übrigen wird auf die Antworten zu den Fragen 6 und 7 verwiesen.
4. Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte die Bundesregierung im
Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft einen „sicheren und
zuverlässigen grenzüberschreitenden Datenaustausch“ fördern?
Strebt die Bundesregierung im Rahmen der G-7-Präsidentschaft
Fortschritte beim Thema „EU-US-Privacy-Shield“ an?
Die Bundesregierung setzt die im Vorjahr unter Vorsitz des Vereinigten
Königreiches verabredete Zusammenarbeit zu freien Datenflüssen mit Vertrauen
(„Roadmap for Cooperation on Data Free Flow with Trust“) fort.
In diesem Zusammenhang strebt die Bundesregierung an, einen Schwerpunkt
auf einen förderlichen internationalen Rahmen für die Entstehung von
internationalen Datenräumen (International Data Spaces) zu setzen.
Das Thema „Freie Datenflüsse mit Vertrauen“ bildet auch einen Schwerpunkt
der von der deutschen G7-Präsidentschaft organisierten G7-Multistakeholder-
Konferenz am 6. April 2022, die sich den Themen „Daten-Governance und
Datenflüsse“ sowie „Zusammenspiel von Digitalisierung und Umwelt“ („Data
Governance and Flows and the Digital-Environment Nexus“) widmet.
Für einen neuen Angemessenheitsbeschluss gemäß der Datenschutz-
Grundverordnung für die Vereinigten Staaten von Amerika (USA) ist die Europäische
Kommission zuständig. Zur Vorbereitung dieses Angemessenheitsbeschlusses
führt die Europäische Kommission seit August 2020 mit der US-Regierung
fortdauernde Gespräche über einen verbesserten Rechtsrahmen in den USA, der
die Anforderungen des Urteils des Europäischen Gerichtshofes vom 16. Juli
2020 (Rechtssache C-311/18) vollumfänglich abbildet.
Die Bundesregierung teilt den Ansatz der EU-Kommission, dass ein neuer
Angemessenheitsbeschluss nur erlassen werden kann, wenn den Anforderungen
des genannten Urteils genügt wird und unterstützt die Verhandlungen
dementsprechend.
5. Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte die Bundesregierung im
Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft die Initiative „Global
Gateway“ der Europäischen Union im Digitalbereich forcieren, die weltweit
ca. 300 Mrd. Euro für Infrastrukturprojekte in Ländern des Globalen
Südens und davon ca. 150 Mrd. Euro für die Länder Afrikas – unter
anderem auch zur Digitalisierung – mobilisieren soll?
Rund 10 Prozent der Mittel des Finanzierungsinstruments der EU, das
„Neighbourhood, Development and International Cooperation Instrument“, d. h. ca.
8 Mrd. Euro, sollen unter der Initiative „Global Gateway“ in Projekte im
Digitalbereich fließen. Die Bundesregierung will gemeinsam mit ihren EU-Partnern
diese Mittel für eine bessere Vernetzung Europas und der Welt einsetzen und
die Partnerländer bei der Überwindung der digitalen Kluft unterstützen, damit
sie gleichberechtigter Teil des globalen digitalen Ökosystems werden.
Im Rahmen dieser Initiative beinhaltet das Global Gateway Afrika-Europa
Investitionspaket entsprechende Maßnahmen zum Aufbau einer zuverlässigen,
sicheren und bezahlbaren sowie ressourcen- und klimaschonenden digitalen
Infrastruktur vor. Mit dem Ziel der Entwicklung sogenannter „Team Europe
Initiativen“ zur Umsetzung des Global Gateway Afrika-Europa
Investitionspakets haben sich zudem innerhalb des sogenannten Digital for Development –
Hub elf EU-Mitgliedstaaten, darunter Deutschland, zur Arbeitsgruppe „Digitale
Konnektivität“ zusammengeschlossen.
Geplant werden z. B. der Ausbau von Unterseekabeln und terrestrischen
Glasfaserkabeln sowie der Aufbau von sogenannten grünen Cloud- und
Dateninfrastrukturen. Außerdem sind Projekte zur Entwicklung eines Rechtsrahmens für
den digitalen Wandel geplant, in dessen Mittelpunkt der Mensch steht und
damit auch die Grundsätze einer vertrauenswürdigen Konnektivität wie etwa der
Datenschutz.
Ergänzend dazu wird die EU im Asien-Pazifik-Raum mit Global Gateway die
Entwicklung von digitalen Standards und Partnerschaften fördern.
Als Teil der Digitalallianz EU-Lateinamerika plant die EU, den Rest
Lateinamerikas an das existierende Unterseekabel „BELLA“ anzuschließen.
Außerdem ist die weitere Beschleunigung des digitalen Wandels auch in der
europäischen Nachbarschaft u. a. durch Stromleitungen zwischen dem Kaukasus und
der EU geplant.
Im Rahmen der Umsetzung der G7-Infrastrukturinitiative, die unter britischer
G7-Präsidentschaft 2021 ins Leben gerufen wurden, wird sich die
Bundesregierung eng mit der EU Global Gateway Initiative und weiteren bestehenden
Initiativen der G7-Partner (USA Build Back Better World, GBR Green Clean
Initiative) koordinieren.
6. Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte die Bundesregierung im
Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft darüber hinaus dazu
beitragen, die Länder des Globalen Südens und insbesondere Afrikas besser in
die globalen Datennetze einzubinden, um auch damit dazu beitragen,
eine nachhaltige Entwicklung in diesen Ländern zu ermöglichen?
Um eine nachhaltige digitale Transformation in den Ländern des Globalen
Südens zu erreichen, ist es nach Auffassung der Bundesregierung wichtig, dass
zur besseren Einbindung in die globalen Datennetze nicht nur die Frage der
sogenannten Abdeckungslücke (coverage gap) adressiert wird, die auch heute
noch fast 40 Prozent der Menschheit vom Internet- bzw. Mobilfunknetz-
Zugang ausschließt. Vielmehr muss auch die Lücke bei der Nutzung (usage gap)
reduziert werden, denn rund 40 Prozent derjenigen Menschen, die zwar
technische Zugänge zum Internet bzw. Mobilfunknetz haben, können diesen aber aus
Kostengründen, Sprachbarrieren oder mangelnder Bildung nicht nutzen (vgl.
OECD Development Cooperation Report 2021).
Die Bundesregierung hat darauf im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft
hingewiesen und unterstützt entsprechende Vorhaben des „EU-Afrika Global
Gateway Investitionspakets“. Dabei geht es insbesondere auch um Maßnahmen
zur Regulierung und zum Kapazitätsaufbau in afrikanischen Partnerländern.
7. Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte die Bundesregierung im
Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft „digitalen Ungleichheiten“
entgegenwirken?
Um bestehenden digitalen Ungleichheiten entgegenzuwirken, bekennt sich die
Bundesregierung in ihrem Programm der deutschen G7-Präsidentschaft zur
Förderung einer offenen digitalen Infrastruktur und sogenannter digitaler
öffentlicher Güter. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit
und Entwicklung (BMZ) ist Rahmen dessen beispielsweise auch in der u. a.
vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP) und dem
Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF) mitgetragenen „Digital Public
Goods Alliance“ (
https://digitalpublicgoods.net) aktiv.
8. Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte die Bundesregierung im
Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft „die Sicherheit im Internet
stärken“?
Ein im Rahmen des G7-Digitalministerprozesses für das vierte Quartal 2022
geplanter Multistakeholder-Dialog soll untersuchen, wie eSafety-Technologien
funktionieren und bereits eingesetzt werden und welche politischen
Rahmenbedingungen das bestehende Online-Umfeld sicherer machen können.
Neben technischen Lösungen bedarf es auch der Aufklärung und Befähigung
von Menschen aller Altersgruppen, um informierte Entscheidungen für eine
sichere Internetnutzung zu treffen.
Bei einer Konferenz der Kultur- und Medienministerinnen und -minister im
Juni 2022 werden die G7-Partner sich austauschen über die Darstellung von
Demokratie in den Medien und das gemeinsame Wirken für eine offene
Gesellschaft, sowohl in analogen als auch in digitalen Medien.
9. Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte die Bundesregierung im
Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft für „verantwortliches
Staatenverhalten im Cyberraum“ eintreten?
Die Vereinbarung von Regeln für verantwortliches Staatenverhalten im
Cyberraum steht im Mittelpunkt einer Arbeitsgruppe der Vereinten Nationen, der
Open Ended Working Group on Security of and in the Use of Information and
Communications Technologies (OEWG, aktuelles Mandat 2021 bis 2025),
an der die Bundesregierung mitwirkt. Inhaltliche Schwerpunkte der OEWG
sind die Erarbeitung vertrauensbildender Maßnahmen, gemeinsamer
Grundsätze für Kapazitätsaufbau im Cybersicherheitsbereich und die Umsetzung bzw.
Anwendung des Völkerrechts im Cyberraum.
Die Bundesregierung setzt sich ebenfalls in der Organisation für Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa (OSZE) für die Umsetzung der 2016 dort
beschlossenen sechzehn vertrauensbildenden Maßnahmen ein (s.
www.osce.org/home/
resources/Permanent Council Decision No. 1202 /2016), durch Konkretisierung
der Maßnahmen, finanzielle Förderung zur Umsetzung und Austausch.
Deutschland ist Mitglied der Freedom Online Coalition, die inzwischen 34
Staaten umfasst, mit weiteren nichtstaatlichen Akteuren zusammenarbeitet und
zu verschiedenen Fragestellungen u. a. gemeinsame Erklärungen erarbeitet.
Auch in diesem Rahmen setzt sich die Bundesregierung neben ihrem
Engagement in den einschlägigen VN-Gremien für die Beachtung der Menschenrechte
im Internet und digitalen Medien ein.
10. Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte die Bundesregierung im
Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft einen „fairen Wettbewerb
ermöglichen und Konnektivität verbessern“?
Unter deutscher G7-Präsidentschaft will die Bundesregierung aufbauend auf
den Ergebnissen der britischen G7-Präsidentschaft den zunächst erforderlichen
Vergleich der gesetzgeberischen Aktivitäten der G7 mit Blick auf
marktmächtige digitale Plattformen vornehmen. Zusätzlich sollen politische
Entscheidungsträger und Leiter nationaler Wettbewerbsbehörden der G7 den Austausch
über Fragen des digitalen Wettbewerbs fortsetzen.
Gut funktionierende und global vernetzte Ströme – Güter, Personen, Daten –
haben eine zentrale Bedeutung für eine bessere Vernetzung. Ganz besonders
gilt dies für Deutschland als eine der weltweit führenden Exportnation und
wichtiges Transitland Europas. Im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft
will die Bundesregierung das grenzüberschreitende Fließen dieser Ströme
weiter optimieren. Diesbezüglich wird auf die Antwort zu Frage 4 verwiesen.
11. Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte die Bundesregierung im
Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft „das Potenzial der
Digitalisierung für eine nachhaltige Lebens- und Wirtschaftsweise noch besser
nutzen und gleichzeitig den digitalen Fortschritt an sich nachhaltig und
inklusiv gestalten“?
Im Rahmen ihrer G7-Präsidentschaft führt die Bundesregierung am 6. April
2022 eine Multistakeholder-Konferenz zu den Themen Daten-Governance und
Datenflüsse sowie dem Zusammenspiel von Digitalisierung und Umwelt
(„Data Governance and Flows and the Digital-Environment Nexus“) durch.
Expertinnen und Experten aus Gesellschaft, Wirtschaft und Wissenschaft der
G7-Staaten tauschen sich aus über verschiedene Wirkungsfaktoren der
Digitalisierung zum Wohle der Umwelt und über Möglichkeiten für eine
umweltfreundlichere Digitalisierung mit dem Ziel, Empfehlungen und Vorschläge für
politische Maßnahmen zur Verbesserung der Energie- und Ressourceneffizienz
digitaler Technologien zu erarbeiten, die in den G7-Digitalministerprozess
Eingang finden können.
12. Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte sich die Bundesregierung
im Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft „für ein offenes,
zuverlässiges und sicheres Internet einsetzen, das demokratische Grundsätze und
die universellen Menschenrechte stärkt – und nicht beschränkt.“?
34. Beabsichtigt die Bundesregierung, die Internet Governance im Rahmen
der deutschen G-7-Präsidentschaft auf globaler Ebene im Jahr 2022
weiter zu stärken und zu fördern, und wenn ja, mit welchen konkreten
Maßnahmen?
Die Fragen 12 und 34 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Bundesregierung engagiert sich im Rahmen ihrer G7-Präsidentschaft für
ein abgestimmtes und einheitliches Auftreten gleichgesinnter Staaten in
bestehenden Prozessen der Internet Governance sowie in multilateralen Foren
(z. B. UN, ITU, ICANN, IGF, OEWG, G7, G20, OECD, OSZE, WTO,
Menschenrechtsrat, Freedom Online Coalition).
13. In welchen Bereichen der globalen digitalen Ordnung muss aus Sicht der
Bundesregierung die internationale Zusammenarbeit mit gleichgesinnten
Partnern gestärkt werden?
27. Beabsichtigt die Bundesregierung, im Rahmen der deutschen G-7-
Präsidentschaft mit weiteren Staaten über die G 7 hinaus zur inhaltlichen und
prozessualen Ausgestaltung der globalen internationalen Digitalpolitik in
Austausch zu treten?
a) Wenn ja, bitte die Staaten konkret nennen, mit denen die G 7 im Jahr
2022 aus Sicht der Bundesregierung diesbezüglich in Austausch
treten sollte?
b) Wenn nein, warum beabsichtigt dies die Bundesregierung im
Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft im Jahr 2022 nicht (bitte
erläutern)?
29. Beabsichtigt die Bundesregierung, im Rahmen der deutschen G-7-
Präsidentschaft im Jahr 2022 Weichen für eine offene, freie und
verantwortungsvolle digitale Grundordnung über die G 7 hinaus auf globaler
Ebene zu stellen, und wenn ja, bitte näher erläutern?
Die Fragen 13, 27 und 29 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Laut der Agenda des Generalsekretärs der Vereinten Nationen soll anlässlich
des UN Summit for the Future im September 2023 ein „Global Digital
Compact“ beschlossen werden, mit dem sich Staaten und Wirtschaft auf ethische
Grundprinzipien einer weltweiten digitalen Ordnung festlegen. Der Compact
soll über einen inklusiven Multi-Stakeholder-Prozess mit intensiver Einbindung
von Staaten, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft entwickelt werden.
Ausarbeitung und Konsultationsprozess wird in der Verantwortung des UN
Tech Envoy liegen. In diesem Prozess will die Bundesregierung die
internationale Zusammenarbeit mit gleichgesinnten Partnern stärken.
14. Mit welchen konkreten Maßnahmen strebt die Bundesregierung im
Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft „eine stärkere internationale
Koordinierung bei der Setzung von Standards und Normen an, die in eine
offene, demokratische und regelbasierte Ordnung eingebettet sind“?
Aufbauend auf den Arbeiten der italienischen und britischen G7-
Präsidentschaften 2017 und 2021 strebt die Bundesregierung beim Thema Internationale
Normung und Standardisierung unter deutscher G7-Präsidentschaft an, mit den
G7-Partnern zu erörtern, wie sie möglichst konkret das internationale,
weitgehend privatwirtschaftlich organisierte Ökosystem für die Entwicklung von
industriegeführten und marktrelevanten, fairen und regelbasierten Normen und
Standards, unter Einbeziehung zahlreicher Interessengruppen und technischer
Experten und von den internationalen Normungsorganisationen koordiniert,
unterstützen können. Dazu gehört das Bekenntnis zur Normungsarbeit auf der
Grundlage der WTO-TBT-Grundsätze Transparenz, Offenheit, Unparteilichkeit
und Konsens, Wirksamkeit und Relevanz, Kohärenz und Einbeziehung der
Entwicklungsländer.
Konkrete Inhalte werden im Verlauf der deutschen G7-Präsidentschaft
gemeinsam mit den G7 erarbeitet. Im September 2022 sollen bei einer hochrangigen
Multi-Stakeholder-Veranstaltung mit Vertretern der Regierungen,
Industrieexperten, Normungsorganisationen sowie von Wissenschaft und
Zivilgesellschaft, entsprechende Handlungsempfehlungen diskutiert und ggfs.
verabschiedet werden. Diese Empfehlungen sollten handlungsleitend für die G7-Partner
sein, wie sie die Prozesse der industriegetriebenen, innovations- und den
neuesten Stand der Technik fördernden internationalen Normung und
Standardisierung unterstützen können.
15. Mit welchen konkreten Maßnahmen möchte das BMDV starke Impulse
für die wichtigen Zukunftsthemen Digitalisierung, Konnektivität und
Mobilität setzen (bitte einzeln nach Zukunftsthemen Digitalisierung,
Konnektivität und Mobilität aufschlüsseln)?
Die neue Digitalstrategie der Bundesregierung wird wichtige Impulse für den
Bereich der Digitalisierung setzen. Die Digitalstrategie, die vom
Bundesministerium für Digitales und Verkehr (BMDV) federführend betreut wird, soll die
digitalpolitischen Schwerpunkte und Ziele der Bundesregierung in der
laufenden Legislaturperiode deutlich machen. Einzelne Maßnahmen, die die
digitalpolitischen Schwerpunktsetzungen vorantreiben, werden von den zuständigen
Ressorts in eigener Verantwortung erarbeitet und umgesetzt. Ergänzend
kommen Strategien der einzelnen Ressorts hinzu, etwa Gigabit-, Daten- oder
Startup-strategie.
Zum Thema Konnektivität hat das BMDV am 17. März 2022 Eckpunkte für
eine umfassenden Gigabitstrategie mit einem Bündel von Maßnahmen
vorgestellt, um den Weg für eine flächendeckende Versorgung mit Glasfasernetzen
(FTTH) und dem neuesten Mobilfunkstandard zu ebnen. Im zweiten Quartal
soll die Gigabitstrategie beschlossen werden.
Das BMDV setzt die Vorgaben des Koalitionsvertrags zur
Mobilitätsdatenstrategie um. Ziel ist es, datenbasierte Geschäftsmodelle auf der Grundlage von
Daten durch Zugang zu datenschutzkonformen, fairen
Wettbewerbsbedingungen zu ermöglichen. Hierzu wird das BMDV an der Erarbeitung eines
Rechtsrahmens für Datennutzung und Datenzugang mitwirken, erst europäisch (IVS,
TEN-V-VO, Data Act), dann, soweit keine europäisch harmonisierten
Regelungen bestehen, national (Mobilitätsdatengesetz, Datengesetz). Im Gesetz zum
autonomen Fahren wird das BMDV die Regelungen verbessern,
Haftungsfragen klären und die Datenhoheit der Nutzer sicherstellen.
16. Welche weiteren Initiativen und Projekte plant die Bundesregierung im
Rahmen der G-7-Präsidentschaft in der Digitalpolitik?
17. Welche weiteren Initiativen und Projekte plant das BMDV im Rahmen
der G-7-Präsidentschaft in der Digitalpolitik?
26. Welche konkreten eigenen inhaltlichen Akzente und neuen Modelle der
Kooperation zur Bewältigung globaler Herausforderungen möchte die
Bundesregierung zusätzlich zu den im Rahmen der vergangenen G-7-
Präsidentschaften auf den Weg gebrachten Ergebnissen, Beschlüssen und
Weichenstellungen 2022 einbringen und umsetzen?
Die Fragen 16, 17 und 26 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Als G7-Präsidentschaft bringt die Bundesregierung Vorschläge in die G7-
Arbeitsgruppen, auch die Digital and Tech Working Group, ein, die sich am
veröffentlichten Programm der deutschen G7-Präsidentschaft orientieren.
18. Welche Rolle spielt das BMDV innerhalb der Bundesregierung im
Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft aufgrund seiner neuen
Zuständigkeit für die „internationale Digitalpolitik“?
Das BMDV ist federführend zuständig für die Durchführung des G7-
Digitalministerprozesses („G7 Digital and Tech Working Group“) und bereitet das
Treffen der Digitalministerinnen und -minister am 10. und 11. Mai 2022 in
Düsseldorf vor.
19. Was sind bzw. wie lauten die Grundsätze der Bundesregierung im
Bereich der internationalen Digitalpolitik?
20. Was sind bzw. wie lauten die Grundsätze der Bundesregierung im
Bereich der internationalen Digitalpolitik im Rahmen der deutschen G-7-
Präsidentschaft im Jahr 2022?
Die Fragen 19 und 20 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Bundesregierung betreibt eine aktive Digitalpolitik für ein globales,
offenes, freies und sicheres Internet und bekennt sich zum Multi-Stakeholder-
Ansatz der Internet Governance und zu dem internationalen, weitgehend
privatwirtschaftlich organisierten System für die Entwicklung von industriegeführten
und marktrelevanten, fairen und regelbasierten Normen und Standards.
Mit ihrer internationalen Digitalpolitik verfolgt die Bundesregierung das Ziel
digitaler Souveränität in einer offenen, vernetzten Welt. Sie bezieht sich auf den
EU-Besitzstand, die EU-Vorschriften und laufende Gesetzgebungsverfahren der
EU in Bezug auf Datenschutz, Privatsphäre, Cybersicherheit, künstliche
Intelligenz, digitale Dienste und Märkte sowie Datenflüsse und wirkt an deren
Ausgestaltung mit. Die Bundesregierung will Deutschlands Rolle als Exportnation
auch in der digitalen Welt festigen und dabei werteorientiert vorgehen.
Die Bundesregierung tritt deshalb für eine menschenzentrierte, wertebasierte
und innovationsfördernde Regulierung neuer Technologien und digitaler
Dienste ein und unterstützt das unter japanischer G20-Präsidentschaft 2019
entwickelte Konzept der freien Datenflüsse mit Vertrauen (Data Free Flow with
Trust). Datenlokalisierungen steht die Bundesregierung grundsätzlich kritisch
gegenüber.
Die Bundesregierung engagiert sich in allen relevanten multilateralen Foren
dafür, dass das Internet auf den Grundprinzipien der Menschenrechte und
Grundfreiheiten, der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit sowie des Schutzes der
Privatsphäre beruhen sollte, um allen Menschen eine sichere und
diskriminierungsfreie Nutzung von Online-Angeboten und digitalen Diensten zu
ermöglichen.
Die Bundesregierung verfolgt im digitalen Raum eine Politik der Deeskalation
und spricht sich gegen die Weitergabe von Überwachungstechnologien an
repressive Regimes sowie für den Schutz ziviler Infrastruktur vor
Cyberangriffen aus.
Die Bundesregierung unterstützt die Aktivitäten im Rahmen der Vereinten
Nationen, mit denen die Schaffung digitaler öffentlicher Güter gefördert
werden sollen. Open-Source-Software, offene Daten, offene Modelle für künstliche
Intelligenz, offene Standards und offene Inhalte ohne restriktive Lizenzen oder
technische Sperren können den Nutzen der Digitalisierung für die Menschheit
maximieren und als Katalysator für eine nachhaltige Entwicklung auf globaler
Ebene dienen.
21. Was sind nach Ansicht der Bundesregierung weitere Zukunftsthemen,
die in der diesjährigen G-7-Ratspräsidentschaft im Bereich der
internationalen Digitalpolitik im Mittelpunkt bzw. Vordergrund stehen sollten
(bitte die konkreten Themen durch die Bundesregierung nennen)?
Mit dem Fortschreiten der Digitalisierung hat die Cybersicherheit kritischer
Infrastrukturen beispielsweise in den Sektoren Verkehr, Energie und
Telekommunikation eine entscheidende Rolle eingenommen. Gleichzeitig sind diese
Infrastrukturen so stark miteinander vernetzt, dass sich ein Cyberangriff häufig
nicht auf ein Zielobjekt oder Zielland beschränkt. Um dieser Cyberbedrohung
der Infrastrukturen wirksam zu begegnen, will die Bundesregierung den
Austausch und die Zusammenarbeit stärken.
22. Was sind die konkreten Vorhaben der Bundesregierung hinsichtlich der
Anknüpfung an Ergebnissen und Beschlüssen vorheriger G-7-
Präsidentschaften im Bereich der internationalen Digitalpolitik?
23. Wird die Bundesregierung an den in der Ministererklärung vom 28. April
2021 der Digital- und Technologieminister im Rahmen der britischen
G-7-Präsidentschaft dargelegten Maßnahmen zur Digitalpolitik
festhalten, darauf aufbauen und diese 2022 umsetzen?
24. Wie wird die Bundesregierung an folgende sechs Maßnahmen im
Bereich der internationalen Digitalpolitik aus der Ministererklärung vom
28. April 2021 anknüpfen und diese im Jahr 2022 im Einzelnen jeweils
konkret weiter umsetzen: „(1) Promoting Secure, Resilient, and Diverse
Digital, Telecoms, and ICT Infrastructure Supply Chains; (2) A
Framework for G7 Collaboration on Digital Technical Standards; (3) A G7
Roadmap for Cooperation on Data Free Flow with Trust; (4) G7 Internet
Safety Principles; (5) Deepening Cooperation on Digital Competition;
(6) A Framework for G7 Collaboration on Electronic Transferable
Records“ (Quelle:
https://assets.publishing.service.gov.uk/government/uplo
ads/system/uploads/attachment_data/file/981567/G7_Digital_and_Techn
ology_Ministerial_Declaration.pdf) (bitte einzeln nach den sechs
genannten Maßnahmen aufschlüsseln)?
Die Fragen 22 bis 24 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Bundesregierung knüpft größtenteils an die unter britischer G7-
Präsidentschaft erzielten Ergebnisse an und stellt die Kontinuität der inhaltlichen Arbeit
des Digitalministerprozesses sicher.
Das in Frage 24 unter (1) genannte Thema wird von der deutschen
Präsidentschaft in diesem Jahr nicht weiterverfolgt. Es wurde unter britischer G7-
Präsidentschaft abschließend erörtert.
Zu dem unter (2) genannten Thema wird auf die Antwort zu Frage 14
verwiesen.
Zu dem unter (3) genannten Thema wird auf die Antwort zu Frage 4 verwiesen.
Zu dem unter (4) genannten Thema wird auf die Antwort zu Frage 8 verwiesen.
Zu dem unter (5) genannten Thema wird auf die Antwort zu Frage 10
verwiesen.
Zu dem unter (6) genannten Thema werden die Experten der G7-Partner den
Dialog untereinander und mit der betroffenen Wirtschaft über geeignete
einschlägige rechtliche Rahmenbedingungen zur Erleichterung der Nutzung und
Akzeptanz rechtsverbindlicher elektronischer Kommunikation zwischen
Unternehmen (insbesondere mit begebbaren Dokumenten wie Konnossementen,
sogenannten „electronic transferable records“) und mit Behörden fortsetzen und
vertiefen. Ferner werden sie den Dialog über praktische Lösungen für derartige
Kommunikation über elektronische Plattformen sowie über Beispiele für
bewährte Praktiken fortsetzen und vertiefen.
25. An welche weiteren Ergebnisse und Beschlüsse vergangener G-7-
Präsidentschaften im Bereich der internationalen Digitalpolitik möchte die
Bundesregierung im Rahmen ihrer G-7-Präsidentschaft anknüpfen (bitte
die Ergebnisse und Beschlüsse mit Verweis auf die einzelnen
spezifischen Beschluss- und Ergebnisvorlagen weiterer vergangener G-7-
Präsidentschaften darlegen und nennen)?
Unter japanischer Präsidentschaft wurde 2016 der G7-Digitalministerprozess
begründet. Die G7 stimmten bei dieser Gelegenheit der von Japan
vorgeschlagenen „Charta für die digital vernetzte Welt“ („Charter for the Digitally
Connected World“) zu, die mit ihrer Zielbestimmung (verbesserte Lebensqualität,
Wirtschaftswachstum durch Innovation, nachhaltige und inklusive
Entwicklung), den gemeinsamen Prinzipien für die digital vernetzte Welt (Förderung
und Schutz von Menschenrechten, des freien Informationsflusses,
Unterstützung des Multistakeholder-Ansatzes, Stärkung der digitalen Konnektivität und
Inklusion) und der G7-IKT-Strategie die Grundlage für die Arbeit aller
weiteren G7-Präsidentschaften legte und von diesen fortentwickelt wurde. Auch die
deutsche G7-Präsidentschaft handelt in diesem Sinne und setzt sich für eine
umfassende internationale Zusammenarbeit zur Förderung des freien
Informationsflusses, des Schutzes der Privatsphäre und der Cybersicherheit sowie zur
Nutzung digitaler Technologien zur Bewältigung globaler Herausforderungen
ein.
28. Plant die Bundesregierung, im Rahmen der G-7-Präsidentschaft auch
über die EU-Gesetzgebungsvorhaben Digital Markets Act (DMA) und
Digital Services Act (DSA) mit den anderen G-7-Staaten zu sprechen?
Ja. Es wird auf die Antwort zu Frage 10 verwiesen.
30. Wie und mit welchen Maßnahmen beabsichtigt die Bundesregierung, den
folgenden Punkt im Rahmen der G-7-Präsidentschaft umzusetzen:
„Anknüpfend an bestehende Prozesse wollen wir in der G 7 geeignete
präventive Ansätze zur Verbesserung der Informationsintegrität entwickeln
und unsere Bürgerinnen und Bürger noch besser dabei unterstützen,
Desinformation und Verschwörungsideologien zu erkennen und aktiv
entgegentreten zu können.“ (Quelle:
https://www.g7germany.de/resource/bl
ob/974430/2000068/be22c645010baa6c4bf7c7efd41a7a11/2022-01-21-g
7-programm-data.pdf?download=1)?
Die Bundesregierung ist in verschiedenen Formaten vertreten, die einem
intensiven Austausch zum Umgang mit Desinformation dienen, darunter EU, G7
und NATO. Schwerpunkt ist der Austausch von Erkenntnissen, Analysen und
möglichen Reaktionen. Im Rahmen von G7 beteiligt sich die Bundesregierung
konkret am G7 Rapid Response Mechanism (RRM), um Bedrohungen fremder
Staaten für die G7-Demokratien zu erkennen und eine bessere Koordinierung
zum Umgang mit hybriden Bedrohungen u. a. durch den Austausch von
Informationen und Analysen zu erreichen. In der aktuellen Situation des russischen
Angriffskrieges auf die Ukraine kommt dem RRM eine besondere Bedeutung
zu. Die G7 arbeiten im RRM mit einem gesamtgesellschaftlichen Ansatz eng
mit der Zivilgesellschaft und anderen relevanten Akteuren zusammen.
Das AA wird im Rahmen von G7 eine Konferenz zum Thema Desinformation
ausrichten, die Regierungsvertreter, Forscher und die Zivilgesellschaft
zusammenbringt, um aktuelle und zukünftige Herausforderungen im Zusammenhang
mit Desinformation zu diskutieren. Das Bundesministerium des Innern und für
Heimat wird im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft ebenfalls eine
Konferenz im Rahmen des G7 RRM durchführen.
Für Juni 2022 hat die BKM die G7-Partner zu einem Medien- und
Kulturministertreffen eingeladen zum Austausch über die Darstellung von Demokratie in
den Medien und das gemeinsame Wirken für eine offene Gesellschaft. Zudem
wird die Bundesregierung im Rahmen des G7-Prozesses an eine Initiative
Kanadas anknüpfen, zu der sich Ende 2019 neben den G7-Staaten Deutschland,
Frankreich und Kanada auch Australien und Finnland zusammengeschlossen
haben, um Leitlinien zur Stärkung und Förderung der Vielfalt von Online-
Inhalten („Diversity of Content Online“) zu erarbeiten.
Deutschland gehört zu den wichtigsten und weltweit sichtbarsten Gebern in der
Medien-Entwicklungszusammenarbeit (Medien-EZ). Einer der Schwerpunkte
der deutschen Medien-EZ ist die Stärkung von Medienkompetenz (Media and
Information Literacy) gegen Desinformation. Im Mai 2021 startete das BMZ
die Initiative „Transparenz und Medienfreiheit – Krisenresilienz in der globalen
Pandemie“ zur Stärkung lokaler Medien in den Partnerländern v. a. bei
Gesundheitsberichterstattung (Fakten-Check) sowie beim Umgang mit Krisen (auch
Klima, Flucht). Im Rahmen der Initiative werden Mitarbeiterinnen und
Mitarbeiter sowie Medienschaffende ausgebildet, geschult und beraten, etwa auch
mit Blick auf finanzielle Aspekte und Einnahmen, und die Kommunikation
zwischen lokalen Behörden, Hilfsorganisationen und Medien wird verbessert.
31. Wie und mit welchen Maßnahmen beabsichtigt die Bundesregierung den
folgenden Punkt im Rahmen der G-7-Präsidentschaft umzusetzen: „Wir
wollen durch gemeinsame Wissenschaft und Forschung geeignete
Ansätze und Gegenstrategien zur Eindämmung von Desinformation
entwickeln“ (Quelle:
https://www.g7germany.de/resource/blob/974430/200
0068/be22c645010baa6c4bf7c7efd41a7a11/2022-01-21-g7-programm-d
ata.pdf?download=1)?
Zu vertraulichen Gesprächen äußert sich die Bundesregierung grundsätzlich
nicht.
Sofern sich die G7-Partner auf gemeinsame Initiativen und Projekte
verständigen, finden diese Eingang in die Erklärungen der Fachministerinnen und
Fachminister.
32. Mit welchen multinationalen Stakeholdern beabsichtigt die
Bundesregierung im Rahmen der deutschen G-7-Präsidentschaft hinsichtlich der
inhaltlichen und prozessualen Ausgestaltung ihrer internationalen
Digitalpolitik in Austausch zu treten?
Welche institutionellen Formate für eine vertiefte Zusammenarbeit mit
multinationalen Stakeholdern würden aus Sicht der Bundesregierung für
einen solchen Austausch 2022 in Betracht kommen?
33. Wie beabsichtigt die Bundesregierung im Rahmen der deutschen G-7-
Präsidentschaft mit der Zivilgesellschaft hinsichtlich der inhaltlichen und
prozessualen Ausgestaltung ihrer internationalen Digitalpolitik in den
Austausch zu treten?
Die Fragen 32 und 33 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Während der deutschen G7-Präsidentschaft ist ein umfassender Dialog mit
nichtstaatlichen Akteuren in insgesamt sieben offiziell mandatierten
Dialogsträngen (Business7, Civil7, Labour7, Science7, Think7, Women7 und Youth7)
vorgesehen. Innerhalb der Dialogstränge erarbeiten Vertreterinnen und Vertreter
der jeweiligen Gruppen unabhängig gemeinsame Positionen zu den Themen
der G7-Agenda. Die Meinungsbildungsprozesse liegen eigenverantwortlich bei
den Gruppen.
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ISSN 0722-8333]