Ökologische Vorteile von Getränkeverpackungen auf realistischen Grundlagen ermitteln
der Fraktion der CDU/CSU
Vorbemerkung
Die Verbesserung der ökologischen Gesamtbilanz von unterschiedlichen Getränkeverpackungen ist ein wichtiger Hebel für Abfallvermeidung, Klima- und Ressourcenschutz.
Die Vorteile unterschiedlicher Arten von Getränkeverpackungen sind von verschiedenen Faktoren abhängig. Entscheidend im Mehrwegflaschenbereich gerade im Vergleich zu Einwegpfand und Einweggetränkeverpackungen sind Transportwege und Wiederbefüllungsraten.
In Deutschland setzen immer mehr Getränkeabfüller auf eigene, individuelle Mehrwegflaschen, anstatt auf einheitliche Flaschen aus einem deutschlandweiten Pool zurückzugreifen. Allein im Bierbereich stieg der Anteil von Individual-Mehrwegflaschen laut einem Bericht des Umweltbundesamtes von 15 Prozent im Jahr 2012 auf 42 Prozent im Jahr 2017. Dadurch reduziert sich in Deutschland die Umweltfreundlichkeit des Systems Mehrweg im Getränkebereich. In einem im Jahr 2020 veröffentlichten Bericht stellte das Umweltbundesamt fest, dass Individual-Mehrwegverpackungen, die nicht nur regional vertrieben werden, mit weiten Transportentfernungen unnötige CO2-Emissionen verursachen können.
In einem aktuellen Forschungsvorhaben weist das Umweltbundesamt zudem aus, dass eine Individual-Mehrwegflasche für Bier in Deutschland im Schnitt 537 Kilometer transportiert wird – 210 Kilometer mehr als beispielsweise ein Bier in einer Getränkedose. Zudem zeigt die Untersuchung, dass über 9,5 Prozent der Mehrwegverschlüsse aus Metall nicht in den Kreislauf zurückkommen und als Abfall verloren gehen (Teilbericht „Ökobilanzielle Analyse von Optimierungspotenzialen bei Getränkeverpackungen“, Zwischenbericht – Stand April 2022 – Herausgeber Umweltbundesamt).
Ein wissenschaftlich fundierter Vergleich der ökologischen Gesamtwirkungen unterschiedlicher Getränkeverpackungen, also sowohl im Bereich Mehrweg, Einwegpfand, als auch Einweg, scheint daher dringend geboten. Die Entwicklungen im Bereich der Mehrweggetränkeverpackungen ist hinsichtlich der bisher häufig postulierten ökologischen Vorteile neu zu beurteilen.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen11
Wie hat sich der Ressourcenverbrauch und Transportaufwand für bzw. von Mehrweggetränkeflaschen seit dem Jahr 2002 bis heute entwickelt?
Hat die Bundesregierung eine Position zu der Feststellung namhafter Forschungsinstitute (z. B. Ökopol, GVM), wonach die Wiederbefüllungsrate („Umläufe“) von Mehrwegglasflaschen eine entscheidende Kennziffer ist, um die Umweltfreundlichkeit von Mehrwegflaschen zu beurteilen, und wenn ja welche, und wenn nein, warum nicht?
Welche aktuellen Daten (nicht älter als zehn Jahre) liegen der Bundesregierung zu den Wiederbefüllungsraten von Individual-Mehrwegflaschen einerseits und standardisierten Mehrwegflaschen (Pool-Flaschen) andererseits vor?
Welche aktuellen Kenntnisse (nicht älter als fünf Jahre) hat die Bundesregierung hinsichtlich des Transportaufwandes (bitte in Lkw-Kilometern angeben), der durch den Rücktransport der unterschiedlichen Mehrwegflaschentypen und Kästen nach der Rückgabe durch den Verbraucher zum Abfüllort entsteht?
Wie viele Sortierzentren gibt es gegenwärtig in Deutschland?
Wie unterscheidet sich der Sortieraufwand bei Mehrweg-Pool und Mehrweg-Individual?
Inwieweit sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf, den Transportaufwand bei Mehrweg zu reduzieren, und welche Möglichkeiten dafür sieht die Bundesregierung?
Was unternimmt die Bundesregierung, um dem Trend zu Individualisierung bei Mehrwegflaschen zu begegnen?
Welche aktuellen Kenntnisse (nicht älter als fünf Jahre) hat die Bundesregierung hinsichtlich des Einsatzes von Recyclingmaterial (Scherben) bei der Herstellung von Mehrwegflaschen?
Wie hoch ist der durchschnittliche Anteil an Recyclingmaterial in Mehrwegflaschen?
Welche Kenntnisse hat die Bundesregierung bezüglich der Einsatzquote fossiler Energieträger bei der Herstellung und beim Recycling von Mehrwegflaschen?
Für wie sinnvoll hält es die Bundesregierung – angesichts der völlig unterschiedlichen Ökologie von Individual-Mehrwegflaschen und Pool-Mehrwegflaschen – diese in dem aktuellen Forschungsvorhaben des Umweltbundesamtes mit dem Titel „Optimierungspotenziale von Getränkeverpackungen“ nicht getrennt zu betrachten?
Welche Hintergründe gibt es, im genannten Forschungsprojekt unterschiedliche Verpackungsgrößen miteinander zu vergleichen – z. B. eine 0,33 Liter Einweggetränkeverpackung mit einer wesentlich größeren 0,5 Liter Getränkeverpackung, und wie wird hier eine Vergleichbarkeit der Ergebnisse erreicht?