[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 20/4199 –
Energiesicherheit im Osten Deutschlands
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Der Deutsche Bundestag hat im April 2022 beschlossen, dass die
Bundesregierung einen Ausstiegsfahrplan für russische Öl- und Gasimporte auf den
Weg bringen muss (Bundestagsdrucksache 20/1550). Dieser
Ausstiegsfahrplan der Bundesregierung liegt bis heute nicht vor. Dies trägt nach Ansicht der
fragestellenden Fraktion zur Verunsicherung an den Energiemärkten bei.
Nachdem der Bundeskanzler Olaf Scholz und die ostdeutschen
Regierungschefs in der „Riemser Erklärung“ am 13. Juni 2022 zentrale
Weichenstellungen für Ostdeutschland festgehalten haben, hat die Fraktion der CDU/CSU die
Bundesregierung noch einmal aufgefordert, die Einhaltung der Zusagen zur
Versorgungssicherheit Ostdeutschlands zu gewährleisten
(Bundestagsdrucksache 20/2346). Die Fraktion der CDU/CSU forderte, dass die ostdeutschen
Raffinerien auf alternativen Transportwegen vollständig mit dem benötigten
Öl versorgt werden müssen. Eine ausreichende Versorgung Ost- und
Mitteldeutschlands mit Treibstoff müsse zu jedem Zeitpunkt gesichert sein. Zudem
müsse es eine Garantie für den Erhalt der wirtschaftlichen Infrastruktur an den
ostdeutschen Raffineriestandorten geben.
Am 16. September 2022 verkündete die Bundesregierung verschiedene
Maßnahmen für die ostdeutschen Raffineriestandorte und Häfen (
https://www.bm
wk.de/Redaktion/DE/Pressemitteilungen/2022/09/20220916-
bundesregierunglegt-umfassendes-zukunftspaket-vor-sicherung-pck-transformation-raffineriest
andorte-und-haefen.html). Viele Fragen zur Umsetzung dieser Maßnahmen
und zur Gewährleistung der Energieversorgungssicherheit sind bislang
offengeblieben.
1. Welche Preissteigerungen und Versorgungsengpässe (Mobilität,
Produktion und Wärme) erwartet die Bundesregierung für Ostdeutschland bei
Umsetzung des im Europäischen Rat beschlossenen Ölembargos für
Öllieferungen per Schiff aus Russland und der hierzu abgegebenen
freiwilligen Protokollerklärung der Bundesregierung zum Bezugsstopp von
russischem Pipelineöl in Deutschland, und auf welche externe Expertise
stützt sich die Einschätzung der Bundesregierung?
Die Auswirkungen eines reduzierten Produktausstoßes bei Teillastbetrieb der
Raffinerien PCK Schwedt und TRM Leuna in Folge einer Unterbrechung der
Deutscher Bundestag Drucksache 20/4401
20. Wahlperiode 07.11.2022
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz
vom 4. November 2022 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Lieferung von Rohöl russischer Herkunft ist hinsichtlich der zu
substituierenden Mengen anspruchsvoll, aber beherrschbar. So würde der innerdeutsche
Transportaufwand für Mineralölprodukte zunehmen, was aber durch die
Priorisierung für Energietransporte durch die Energiesicherungstransportverordnung
erleichtert wird.
Je nach Szenario sind lokale, temporäre Versorgungsengpässe und
Preissteigerungen nicht auszuschließen, vergleichbar mit den Auswirkungen des
Rheinniedrigwassers in Teilen Süddeutschlands in diesem Sommer. Die Preise für
Rohöl und Ölprodukte werden grundsätzlich durch den Weltmarkt vorgegeben.
Die betroffenen Marktteilnehmer werden die bislang aus Russland bezogenen
Mengen an Rohöl dann auf dem Weltmarkt zu Marktpreisen beziehen. Die
Preisdifferenz zwischen Urals Rohölen und der Sorte Brent liegt derzeit bei
durchschnittlich 20 Dollar pro Barrel.
Für die Bewertung der Handlungsoptionen bei einer Unterbrechung russischer
Öllieferungen wurde die Prognos AG beauftragt. Daneben stützt sich die
Einschätzung der Bundesregierung auf regelmäßige Gespräche mit Partnerländern,
nationalen wie internationalen Unternehmen und Organisationen in der
Mineralölbranche.
2. In welcher Weise würde die sichere Versorgung auf bisherigem Niveau
von Kraftstoffen in Ostdeutschland und der ostdeutschen Industrie nach
einer Aussetzung russischer Ölimporte abgesichert werden?
Im Normalbetrieb der beiden Raffinerien Schwedt und Leuna hat
Ostdeutschland einen Überschuss an Mineralölprodukten, sodass ein Teil der Produktion
in andere Regionen exportiert wird. Eine Minderproduktion müsste über
Transporte aus anderen Regionen Deutschlands bzw. über Importe ausgeglichen
werden. Zudem sind die in den ostdeutschen Bundesländern vorhandenen
Mineralölverteillager in die Lage versetzt worden, die sichere Versorgung mit
Kraftstoffen in Ostdeutschland zu unterstützen.
3. Was hat die Bundesregierung dazu veranlasst, die Maßnahmen zur PCK
Raffinerie in Schwedt, die beteiligte Gesellschafterin Rosneft
Deutschland GmbH (ferner auch die RN Refining & Marketing GmbH) unter die
Treuhandverwaltung der Bundesnetzagentur zu stellen, zum betreffenden
Zeitpunkt am 16. September 2022 zu ergreifen?
Die im Markt bestehenden Unsicherheiten über die sanktionsrechtliche
Behandlung von Rosneft Deutschland und der RN Refining & Marketing führten
dazu, dass sich Vertragspartner sowohl von Rosneft Deutschland und RN
Refining & Marketing selbst als auch von Unternehmen, an denen diese beteiligt
sind, gelöst haben und die Abwicklung verbleibender Vertragsverhältnisse
erheblichen Verzögerungen unterlag.
Die Ablehnung der Bereitstellung von betriebsnotwendigen Dienstleistungen
für die Rosneft Deutschland und die RN Refining & Marketing erfolgte bereits
in der Vergangenheit und trat in zunehmender Häufigkeit auf. Mehrere große
IT-Dienstleister sowie Dienstleister im Zahlungsverkehr haben ihre
Kooperation mit Rosneft Deutschland und RN Refining & Marketing sowie mit
Unternehmen, an denen diese beteiligt sind, eingestellt oder angekündigt, dass sie die
Fortsetzung der für die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs erforderlichen
Dienstleistungen vor dem Hintergrund der gegenwärtigen
Gesellschafterstruktur nicht fortsetzen wollen. Ausgehende Zahlungen von der Rosneft
Deutschland und der RN Refining & Marketing wurden aus denselben Gründen
teilweise nur verzögert ausgeführt. Warenkreditversicherungen wurden nicht mehr
abgeschlossen. Die Versorgung mit Hilfs- und Betriebsstoffen war nur noch
unzureichend möglich. Problematisch war auch die Belieferung mit Ersatzteilen.
Dies führte zu erheblichen Mehrkosten für die jeweiligen Raffinerien und
Beteiligungsgesellschaften und beeinträchtigte den Geschäftsbetrieb auch und
gerade in Bezug auf kritische Betriebsprozesse. Auch die verpflichtende
Durchführung der Jahresabschlussprüfung der Rosneft Deutschland und der RN
Refining & Marketing wurde seitens ihrer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
abgelehnt. Aus dem Gesellschafterkreis der Bayernoil-Raffinerie war bekannt, dass
Rosneft Deutschland aufgrund des durch Overcompliance geprägten Verhaltens
ihrer Dienstleister, namentlich Speditionsunternehmen und Kreditinstituten,
zum einen nicht in der Lage war, bereits verarbeitete Rohölprodukte aus den
Lagern der Bayernoil-Raffinerie abzutransportieren, sodass es dort auch für die
übrigen Gesellschafter zu erheblichen Engpässen bei der Zwischenlagerung
ihrer Produktionsanteile kam. Dies wiederum hatte eine Drosselung der
Produktionskapazitäten nach sich gezogen. Gleichzeitig kam Rosneft Deutschland ihren
Belieferungsverpflichtungen mit Rohöl nicht nach.
4. Sind Presseberichte (z. B.
https://www.rbb24.de/studiofrankfurt/wirtscha
ft/2022/09/polen-pck-raffinerie-uebernahme-treuhand-rosneft-orle
n.html) zutreffend, dass von polnischer Seite die Forderung formuliert
wurde, dass eine Belieferung mit Öl über den polnischen Hafen Danzig
nur erfolgen könne, wenn sich die Eigentümerstruktur bei der PCK-
Schwedt ändert, und wenn ja, in welcher Weise wurde auf die Forderung
reagiert?
Mit der polnischen Regierung finden seit dem Ausbruch des Angriffskrieges
Russlands gegen die Ukraine kontinuierlich Gespräche zur Sicherstellung der
Ölversorgung und verstärkten bilateralen Kooperation statt. Die polnische
Regierung hat die Anordnung der Treuhandverwaltung der Rosneft Deutschland
begrüßt. Aktuell finden Gespräche der PCK-Gesellschafter zur Lieferung von
Rohöl über den Hafen Gdansk mit den polnischen Betreibern PERN und
Naftoport statt. Diese Gespräche führen die Gesellschafter der PCK jeweils
eigenständig, sie werden jedoch fortlaufend von der Bundesregierung politisch
flankiert. Ziel ist es, die Zusammenarbeit im Ölbereich zur optimalen Versorgung
der Raffinerien in Schwedt, Leuna, Plock und Danzig weiter zu stärken und die
Transportlogistik zu verbessern.
5. Welche Anhaltspunkte dafür liegen vor und wie hoch bewertet die
Bundesregierung das Risiko, dass in Reaktion bzw. infolge der in Frage 3
genannten Entscheidung der Bundesregierung Öllieferungen aus
Russland ausgesetzt werden?
Der Bundesregierung liegen keine Anhaltspunkte für ein Aussetzen der
Öllieferungen aus Russland anlässlich der Entscheidung, die Rosneft Deutschland und
die RN Refining & Marketing unter Treuhandverwaltung zu stellen, vor. Im
Übrigen beteiligt sich die Bundesregierungen nicht an Spekulationen. Die
Bundesregierung hat diverse Maßnahmen getroffen, um die
Energieversorgungssicherheit in Deutschland im Bereich Rohöl- und Mineralölprodukte zu
gewährleisten (u. a. Speicherstand-Monitoring,
Energiesicherungstransportverordnung und Erleichterungen im Transportsektor, Vorkehrungen gemeinsam
mit dem Erdölbevorratungsverband (EBV) bezüglich der strategischen
Ölreserven Deutschlands etc.).
6. Hat die Bundesregierung im Vorfeld ihrer Entscheidung vom 16.
September 2022 diesbezüglich Gespräche mit russischen
Regierungsvertretern bzw. mit Vertretern von Rosneft geführt, und mit jeweils welchen
Erkenntnissen bzw. Ergebnissen?
Die Bundesregierung hat im Vorfeld der Anordnung einer Treuhandverwaltung
über die Rosneft Deutschland GmbH keine Gespräche mit russischen
Regierungsvertretern geführt. Es gab jedoch Gespräche mit Vertretern von Rosneft
Deutschland. Auch diese Gespräche haben das Gesamtbild gestützt, dass das
Unternehmen aufgrund von Overcompliance mit beträchtlichen und
zunehmenden Problemen zu kämpfen hat.
7. Hat die Bundesregierung im Vorfeld ihrer Entscheidung vom 16.
September 2022 diesbezüglich Gespräche mit europäischen Partnern bzw.
mit Vertretern von Rosneft geführt, und mit jeweils welchen
Erkenntnissen?
Die PCK-Raffinerie in Schwedt ist mit dem polnischen Pipelinesystem
verbunden und versorgt auch Westpolen mit Mineralölprodukten. Aus diesem Grund
wurden dazu Gespräche mit der polnischen Regierung geführt. Im Übrigen
wird auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen.
8. Mit welcher Menge Rohöl kann die PCK Raffinerie in Schwedt ab dem
1. Januar 2023 fortlaufend nach aktueller Vereinbarung versorgt werden?
Die Versorgung der PCK-Raffinerie ist über die Pipeline Rostock-Schwedt als
auch über das polnisch-deutsche Leitungssystem u. a. vom Hafen Danzig-
Schwedt möglich. Gespräche der PCK-Gesellschafter (Rosneft Deutschland,
Shell, Eni) zu Liefervereinbarungen sind fortlaufend und werden eigenständig
geführt. Laut Unternehmensangaben verhandeln die PCK-Gesellschafter
derzeit über die künftigen langfristigen Vertragsgestaltungen in Bezug auf die
Belieferung über den Hafen Danzig bzw. dem Pipelinesystem des polnischen
Betreibers PERN. Diese Kapazitäten sind jedoch insbesondere aufgrund der
Nutzung des Pipelinesystems durch die polnischen Raffinerien und die TRM Leuna
begrenzt.
Nach Ansicht der Bundesregierung ist und bleibt die Pipeline Rostock-Schwedt
ein wichtiges Standbein für die Versorgung der PCK mit nicht russischem
Rohöl. Jeden Monat werden von den Gesellschaftern der PCK bereits Cargos
unterschiedlicher Rohölsorten über Rostock zugeführt. Die Pipeline Rostock-
Schwedt kann im jetzigen technischen Zustand circa 5 bis 6,8 Millionen
Tonnen Rohöl pro Jahr vom Hafen Rostock in die Raffinerie PCK in Schwedt
verpumpen und soll während des laufenden Betriebes modernisiert werden, um die
Durchleitungskapazität auf circa 9 Millionen Tonnen Rohöl pro Jahr zu
erhöhen (der Hafen Rostock ist für diese Kapazität bereits ausgelegt).
9. Welche Menge Rohöl stünde der PCK Raffinerie in Schwedt zur
Verfügung, wenn die Lieferungen von russischem Öl sofort eingestellt
würden?
In Schwedt stehen raffinerieeigene Rohölbestände mit schwankenden Mengen
zur Versorgung der PCK zur Verfügung. Das Bundesministerium für Wirtschaft
und Klimaschutz (BMWK) hat die TRM Leuna und die PCK Schwedt zur
Maximierung ihrer Lagerbestände aufgefordert. Zur Versorgung der PCK-
Raffinerie über den Hafen Rostock wird auf die Antwort zu Frage 8 verwiesen.
10. Sollten die kalkulierten Mindestmengen an Öl für einen Weiterbetrieb
der PCK Raffinerie in Schwedt nicht sicher zur Verfügung stehen, mit
welchen Auswirkungen rechnet die Bundesregierung, und gibt es für
eine solche Situation einen Notfallplan?
Über den Versorgungsweg der Pipeline Rostock-Schwedt kann nach
Expertenangaben die technisch notwendige Mindestmenge zum Betrieb der PCK-
Raffinerie sichergestellt werden (siehe die Antwort zu Frage 8). Bei
Versorgungsengpässen können grundsätzlich Bestände des Erdölbevorratungsverband
(EBV) abgerufen werden.
11. Ist die Wärmeversorgung, die bisher über die PCK Raffinerie in Schwedt
erfolgt, ohne russisches ÖL vollständig gesichert?
Der Betrieb des Kraftwerks Schwedt ist nach Betreiberangaben auch bei einer
Versorgung der PCK-Raffinerie über den Hafen Rostock gewährleistet.
12. Welche Ölmenge wird aktuell über die Pipeline aus Rostock bezogen,
und zu wie viel Prozent ist die PCK Raffinerie in Schwedt damit
ausgelastet?
Die Pipeline Rostock-Schwedt kann im jetzigen Zustand circa 5 bis 6,8
Millionen Tonnen Öl pro Jahr vom Hafen Rostock in die Raffinerie PCK in Schwedt
verpumpen. Jeden Monat werden von den Gesellschaftern der PCK (Rosneft
Deutschland, Shell, Eni) bereits Cargos unterschiedlicher Rohölsorten darüber
zugeführt. Derzeit bezieht die PCK weiterhin Rohöl über die Druschba
Pipeline. Da die Rostock-Schwedt-Rohölleitung künftig ein wichtiges Standbein zur
Belieferung mit nichtrussischen Rohölsorten ist, soll die Leitung während des
laufenden Betriebes modernisiert werden, um die Durchleitungskapazität auf
circa 9 Millionen Tonnen pro Jahr zu erhöhen (der Hafen Rostock ist für diese
Kapazität bereits ausgelegt).
13. Welche Ölmengen können derzeit ohne bauliche Veränderungen
maximal über die Pipeline aus Rostock bezogen werden?
Auf die Antwort zu Frage 8 wird verwiesen.
14. Wie ist der Zeitplan für die Ertüchtigung der Pipeline Rostock-Schwedt
auf eine „stabile, jährliche Maximal-Kapazität von ca. 9 Millionen
Tonnen/Jahr“ (
https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Downloads/XYZ/zukun
ftspaket-transformation-der-raffinerien-schwedt-und-leuna.pdf?__blob=p
ublicationFile&v=4; S. 3)?
Die Durchführung des Vorhabens zur Ertüchtigung der Pipeline Rostock-
Schwedt obliegt der Eigentümerin dieser Pipeline, der PCK-Raffinerie. Als
erste Schätzung wurde von PCK eine Dauer des Vorhabens von circa zwei bis drei
Jahren benannt. Eine Fokus-Arbeitsgruppe „Ertüchtigung Pipeline“ –
gemeinsam geleitet von BMWK und dem Land Brandenburg mit Teilnahme von
Vertretern aus weiteren Ressorts im Rahmen der von der Bundesregierung
eingerichteten Task Force – monitort und begleitet politisch den Prozess der
Pipeline-Ertüchtigung. Detailliertere Ergebnisse einer technischen
Untersuchung verschiedener Ertüchtigungsoptionen einschließlich des jeweiligen
Zeitplans, durch die von der PCK-Raffinerie beauftragten Ingenieurbüros, werden
derzeit geprüft. Die Bewertung ist noch nicht abgeschlossen.
15. Wovon hängt die 100-prozentige Finanzierung der Ertüchtigung der
Pipeline Rostock-Schwedt durch den Bund ab?
Die Bundesförderung der Ertüchtigung der Pipeline ist abhängig von der
Verfügbarkeit ausreichender Haushaltsmittel sowie den Vorgaben des Haushalts-
und Zuwendungsrechts. Die Bundesregierung arbeitet darauf hin, dass zum
Haushalt 2023 ein entsprechender Haushaltstitel ausgebracht wird. Die
Entscheidung zum Bundeshaushalt 2023 obliegt dem Deutschen Bundestag. Ferner
handelt es sich bei der geplanten Zuwendung an die Raffinerie PCK um eine
staatliche Beihilfe, die von der EU-Kommission genehmigt werden muss. Das
BMWK steht hinsichtlich der Finanzierung der Pipelineertüchtigung in
Gesprächen mit der EU-Kommission.
16. Wie ist der Zeitplan für die Realisierung der vollständig vom Bund zu
tragenden Investitionen in den Ausbau des bestehenden Liegeplatzes
sowie die Errichtung eines Redundanz-Liegeplatzes im Rostocker Hafen
(
https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Downloads/XYZ/zukunftspaket-tr
ansformation-der-raffinerien-schwedt-und-leuna.pdf?__blob=publication
File&v=4; S. 3)?
Die Investitionsentscheidungen und damit verbundene Zeitpläne für den
Ausbau des bestehenden Liegeplatzes und die Errichtung eines Redundanz-
Liegeplatzes werden derzeit von den Eigentümern und der Hafengesellschaft
vorbereitet. Der Bund steht zu den Planungen mit den Unternehmen und auch
dem Bundesland Mecklenburg-Vorpommern im Austausch.
17. Gibt es rechtlich durchsetzbare Ansprüche zur Versorgung der PCK
Raffinerie in Schwedt über die aus Danzig kommende Pipeline?
Verträge über die Belieferung der PCK-Raffinerie mit Rohöl schließen die drei
Gesellschafter der PCK, Rosneft Deutschland, Shell und Eni, mit den Rohöl-
Lieferanten bzw. mit Blick auf die Häfen Danzig und Rostock sowie den
polnischen Pipelinebetreiber PERN, jeweils eigenständig. Die PCK-Raffinerie ist
eine sogenannte Lohnverarbeitungs-Raffinerie, die das gelieferte Öl im Auftrag
der drei Gesellschafter zu verschiedenen Produkten verarbeitet. Die
Gesellschafter vermarkten im Anschluss die Produkte in ihren jeweiligen
Vertriebsstrukturen eigenständig. Laut Unternehmensangaben verhandeln die
Gesellschafter der Raffinerien Schwedt und Leuna derzeit über die künftigen
langfristigen Vertragsgestaltungen in Bezug auf die Belieferung über den Hafen Danzig
bzw. dem Pipelinesystem der PERN. Seitens der Bundesregierung können im
Übrigen keine Angaben zu Betriebs- und Geschäftsgeheimnissen gemacht
werden.
18. Welche Ölmenge kann für die PCK Raffinerie in Schwedt technisch
maximal über die aus Danzig kommende Pipeline bezogen werden, und wer
besitzt die Durchleitungsrechte für die Pipeline?
Der polnische Teil der Pipeline wird vom staatlichen polnischen Unternehmen
PERN, der deutsche Teil der Pipeline ab der polnischen Grenze bis zu den
beiden Raffinerien in Schwedt und Leuna wird von dem Joint Venture
Mineralölverbundleitung GmbH Schwedt (MVL) der beiden Gesellschafter PCK
Raffinerie GmbH (45 Prozent) und TotalEnergies Raffinerie Mitteldeutschland
GmbH (55 Prozent) betrieben. Informationen zur derzeitigen technischen
Kapazität des Hafens in Gdansk und des polnischen Pipelinesystems sind
öffentlich zugänglich (
www.pern.pl/en/services/crude-oil/oil-transshipment/; www.p
ern.pl/en/services/crude-oil/crude-oil-transport/): Der Hafen Danzig hat derzeit
eine gesicherte Kapazität von 36 Millionen Tonnen pro Jahr, die nach
Unternehmensangaben möglicherweise erhöht werden könnte. Die Pomeranian
Pipeline Gdansk-Plock hat eine Kapazität von 30 Millionen Tonnen pro Jahr. Ein
zweiter Leitungsstrang der Pomeranian Pipeline ist in Bau und soll nach
Expertenschätzungen bis zu 30 Prozent Kapazitätserhöhung ermöglichen. Für eine
Weiterleitung über den westlichen Abschnitt der Druschba-Pipeline in Polen ist
nach Unternehmensangaben eine theoretische Menge von circa 14 Millionen
Tonnen pro Jahr vorhanden, die maximale theoretische Kapazität der Druschba-
West beträgt circa 27 Millionen Tonnen pro Jahr.
Als Ergebnis der deutsch-polnischen Regierungsgespräche wurde eine
technische deutsch-polnische Unternehmensarbeitsgruppe etabliert, die an der
Optimierung der Logistik im Gesamtsystem arbeitet, mit dem Ziel Engpässe zu
beseitigen und die Transportkapazitäten zu erhöhen.
19. Über welche Rahmenbedingungen ist die Bundesregierung mit der
polnischen Regierung mit Blick auf Öllieferungen über Danzig nach Schwedt
im Gespräch?
Auf die Antwort zu Frage 4 wird verwiesen.
20. Ist es richtig, dass ein polnischer Ölkonzern die Anteile von Rosneft an
der PCK Raffinerie in Schwedt übernehmen möchte, und wenn ja, wie
hat sich die Bundesregierung dazu positioniert (z. B.
https://www.manag
er-magazin.de/unternehmen/energie/rosneft-raffinerie-polen-macht-eigen
tuemer-wechsel-bei-schwedt-zur-bedingung-fuer-hilfe-a-83e1bfbc-c34c-
4a73-8f9b-cae9189526ca)?
Mehrere Unternehmen haben gegenüber dem BMWK im Laufe der
vergangenen Monate ihr Interesse am Standort Schwedt bekundet.
21. Wie hoch zu welchen jeweiligen Zeitpunkten schätzt die
Bundesregierung unter Berücksichtigung weiterer Lieferverpflichtungen an Dritte die
tatsächlich mögliche Liefermenge aus Danzig an die PCK Raffinerie in
Schwedt ein?
Die Bundesregierung hat keinen Einblick in die Lieferverträge der polnischen
Unternehmen PERN (Pipeline-Betreiber) und Naftoport (Hafenbetreiber), um
belastbare Angaben dazu machen zu können. Unter Berücksichtigung der
derzeitigen technischen Kapazitäten, Bedarfe und Optimierungspotenziale (siehe
dazu die Antwort zu Frage 18) würde die Bundesregierung die Bereitstellung
von Liefermengen in der Größenordnung circa 2 bis 3 Millionen Tonnen pro
Jahr begrüßen.
22. Prüft die Bundesregierung alternative Versorgungsquellen,
beispielsweise mit kasachischem Öl, und welche Fortschritte in den Gesprächen mit
der kasachischen Regierung hat die Bundesregierung bislang erzielt?
Die Bundesregierung hat alternative Versorgungsquellen geprüft. Gespräche
mit der kasachischen Regierung und Unternehmen, die zur
Versorgungssicherheit mit Mineralölprodukten in Deutschland beitragen, werden durch die
Bundesregierung politisch flankiert. Darüber hinaus äußert sich die
Bundesregierung nicht zu laufenden Verhandlungen.
23. Wird die Bundesregierung die abgegebene Protollerklärung zum
Beschluss des Europäischen Rates umsetzen (siehe Frage 1), sofern es nicht
gelingt, den Bedarf aus nichtrussischen Quellen zu decken und die
Versorgungssicherheit zu gewährleisten?
Wenn ja, auf welcher Rechtsgrundlage?
Auf die Antwort der Bundesregierung zur Schriftlichen Frage 6/034 des
Abgeordneten Philipp Amthor wird verwiesen.
24. Welche weiteren rechtlichen oder logistischen Risiken sieht die
Bundesregierung im Hinblick auf die Versorgung der PCK Raffinerie in
Schwedt nach Anordnung der Treuhandverwaltung?
Die Treuhandverwaltung ist zunächst auf sechs Monate befristet, kann aber um
jeweils bis zu sechs weitere Monate verlängert werden, wenn die
Voraussetzungen weiterhin vorliegen. Gegen die Treuhandanordnung ist eine Klage vor dem
Bundesverwaltungsgericht anhängig.
25. Wie hoch sind die geplanten Investitionskosten der geplanten
Transformation zur klimafreundlichen Raffinerie, aus welchen Mitteln werden
diese bereitgestellt, und wird die Bundesnetzagentur dazu einen
Investitionsplan vorlegen?
Das Zukunftspaket „Sicherung der PCK und Transformation in den
Raffineriestandorten und Häfen beschleunigen“ beinhaltet verschiedene Maßnahmen im
Sinne der Fragestellung. So sollen im Rahmen eines Sonderprogramms der
Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ (GRW)
gewerbliche Investitionen von Unternehmen, wirtschaftsnahe
Infrastrukturmaßnahmen sowie nichtinvestive und weitere Maßnahmen zur Steigerung der
Standortattraktivität und der Wettbewerbsfähigkeit gefördert werden. Zur
Stärkung der Grundlagen für eine beschleunigte Transformation enthält das
Zukunftspaket darüber hinaus zusätzliche Ansatzpunkte, um die Grundlagen für
eine beschleunigte Transformation zu verbessern. So werden für Regionen, die
zum Fördergebiet des GRW-Sonderprogramms gehören, zusätzliche 100 Mio.
Euro bereitgestellt, um weitere Projekte in ausgewählten, bereits bestehenden
Förderprogrammen des Bundes durchzuführen bzw. gestiegene Projektkosten
auszugleichen. Auch weitere im Zukunftspaket vorgesehene Maßnahmen wie
etwa die Förderung eines EXIST-Start-up-Labors in Schwedt sowie die
Einrichtung einer Taskforce Investorenanwerbung bei der Germany Trade & Invest
(GTAI) sollen zu einer Beschleunigung der Transformation beitragen.
Die Vorlage eines Investitionsplans gehört nicht zu den Aufgaben der
Bundesnetzagentur als Treuhänderin über die Rosneft Deutschland und die RN
Refining & Marketing.
26. Mit welchen Energieträgern plant die Bundesregierung für die Zukunft
der PCK Raffinerie in Schwedt (z. B. grünem Wasserstoff) und, sofern
diese dazu gedacht sind, Öl zu substituieren, welche Menge an zusätzlich
installierter Leistung an Strom aus erneuerbaren Energien erachtet die
Bundesregierung als erforderlich, um die PCK Raffinerie in Schwedt
dann in der Auslastung auch nachhaltig betreiben zu können?
Die Transformationsaktivitäten obliegen der PCK-Raffinerie bzw. ihren
Anteilseignern. Die Transformation ist ein kontinuierlicher Prozess, der bereits
jetzt von den Gesellschaftern und der PCK Schwedt vorangetrieben wird, um
einen zukunftsfähigen Betrieb zu ermöglichen.
Das von der Bundesregierung am 16. September 2022 vorgelegte umfassende
Maßnahmenpaket zur Transformation der ostdeutschen Raffineriestandorte und
Häfen, die für die Energieimporte benötigt werden, ermöglicht eine umfassende
Unterstützung der Transformation in den Regionen, indem sowohl betriebliche
Investitionen als auch die Modernisierung der wirtschaftsnahen Infrastruktur
und begleitende Maßnahmen zur Steigerung der Attraktivität der Standorte
gefördert werden können (also auch langfristige Investitionen in die
Wasserstoffwirtschaft). Für den Aufbau neuer Wertschöpfung wird mit diesem Paket u. a.
auch ein Start-up-Labor Schwedt gefördert. Eine Arbeitsgruppe im Rahmen der
Bund-Länder-Task-Force „Schwedt“ befasst sich u. a. mit der Übersicht über
mögliche geplante Projekte, die auch die Thematik grünen Wasserstoff
adressieren.
27. Welche Fläche ist für Windkraftanlagen und/oder Solaranlagen nach dem
Stand der Technik erforderlich, um die als notwendig erachtete Leistung
für Schwedt und Leuna an Erneuerbare-Energien-Erzeugungsanlagen zu
installieren?
Eine weitere Fokus-Arbeitsgruppe „Stärkung des Wirtschaftsstandortes“ –
gemeinsam geleitet vom BMWK und dem Land Brandenburg mit Teilnahme von
Vertretern aus weiteren Ressorts im Rahmen der von der Bundesregierung
eingerichteten Task Force – beschäftigt sich u. a. mit der Prüfung von
Flächenverfügbarkeiten.
28. Wie sieht der Zeitplan für die laufenden Gespräche mit potenziellen
Investoren für den Standort Schwedt aus?
Mehrere Unternehmen haben gegenüber dem BMWK im Laufe der
vergangenen Monate ihr Interesse am Standort Schwedt bekundet.
29. Wie will die Bundesregierung in Zusammenarbeit mit der
Bundesnetzagentur die Gas- und Ölversorgung des wichtigen Chemie- und
Raffineriestandorts Leuna in den nächsten Monaten sicherstellen?
Der Bundesregierung sieht keine Anhaltspunkte dafür, dass die Gas- und
Ölversorgung des Chemie- und Raffineriestandorts Leuna in den nächsten Monaten
nicht sichergestellt ist.
30. Wie will die Bundesregierung sicherstellen, dass die Vorreiterrolle bei
Forschungs- und Produktionsvorhaben zur Erzeugung von sogenanntem
grünen Wasserstoff des Chemie- und Raffineriestandorts Leuna erhalten
bleibt?
Die Bundesregierung fördert gemeinsam mit der Landesregierung im Rahmen
des wichtigen Vorhabens von gemeinsamem europäischem Interesse (IPCEI)
Wasserstoff in Leuna den Aufbau von 100 Megawatt Elektrolyseleistung und
die Produktion von bis zu 11 000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr. Der erzeugte
Wasserstoff soll überwiegend in der Raffinerie eingesetzt werden, vorgesehen
ist aber auch eine Einspeisung in den Wasserstoff-Backbone. Das Vorhaben
wird aktuell von der Europäischen Kommission geprüft. Die Inbetriebnahme ist
gegenwärtig für 2024 geplant.
Zudem wird im Rahmen des Energieforschungsprogramms der
Bundesregierung das Reallabor „Energiepark Bad Lauchstädt“ seit 1. September 2021
gefördert, das die Herstellung, den Transport, die Speicherung und den
wirtschaftlichen Einsatz von grünem Wasserstoff in industriellem Maßstab untersucht.
31. Wie gedenkt die Bundesregierung, im Falle des Wegfalls der Gas- und
Ölversorgung, die mit dem Chemie- und Raffineriestandort Leuna
verbundenen Lieferketten zu erhalten?
Auf die Antwort zu Frage 29 wird verwiesen.
32. Welcher volkswirtschaftliche Schaden würde bei Wegfall der Gas- und
Ölversorgung für den Chemie- und Raffineriestandort Leuna
einschließlich seiner damit verbundenen Lieferketten entstehen?
Auf die Antwort zu Frage 29 wird verwiesen.
33. Welche alternativen Pipelineverbindungen zur Versorgung des Chemie-
und Raffineriestandorts Leuna sind geplant, und wann sollen diese in
Betrieb gehen?
Dazu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Im Übrigen wird
auf die Antwort zu Frage 29 verwiesen.
34. Welche konkreten Ansätze hat die Bundesregierung, die Förderlücke für
Chemieparks im Energiekostendämpfungsprogramm für energieintensive
Unternehmen zu schließen?
Das Energiekostendämpfungsprogramm konnte vor allem aufgrund
beihilferechtlicher Restriktionen Chemieparks bisher nicht bezuschussen. Die
Bundesregierung hat sich daher dafür eingesetzt, im Befristeten Krisenrahmen die
entsprechende beihilferechtliche Möglichkeit zu schaffen. Gemäß des
Wirtschaftlichen Abwehrschirms wird aber das Energiekostendämpfungsprogramm in den
Maßnahmen der Strom- und Gaspreisbremsen aufgehen und nicht mehr
fortgesetzt.
35. Wie begründet sich die Aufteilung der Bundesmittel in Höhe von
375 Mio. Euro im Rahmen des Maßnahmenpakets für die einzelnen
Bundesländer (
https://www.bmwk.de/Redaktion/DE/Downloads/XYZ/zukun
ftspaket-transformation-der-raffinerien-schwedt-und-leuna.pdf?__blob=p
ub l i ca t ionF i l e&v=4; S. 2: Brandenburg 50 Prozent, Mecklenburg-
Vorpommern 25 Prozent, Sachsen-Anhalt 25 Prozent)?
Grundsätzlich orientiert sich die Höhe der im Zukunftspaket vorgesehenen
Maßnahmen einschließlich des GRW-Sonderprogramms an den erwarteten
Aufgaben zur nachhaltigen Sicherung der Energieversorgung sowie zur
Erhaltung der Wertschöpfung und Beschäftigung insbesondere angesichts der durch
den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ausgelösten negativen Effekte auf
die dortige Wirtschaftsstruktur und zur Beschleunigung der Transformation.
36. Mit welchen Problemen rechnet die Bundesregierung, wenn die
Bundesmittel zu 50 Prozent von den Ländern gegenzufinanzieren sind, und sieht
die Bundesregierung darin ein Hemmnis für einen zügigen
Mittelabfluss?
Da das GRW-Sonderprogramm in enger Abstimmung mit den betroffenen
Ländern konzipiert wurde, geht die Bundesregierung davon aus, dass die Länder
die erforderliche Kofinanzierung wie vorgesehen bereitstellen werden.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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