[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 20/5448 –
Forschungs- und Innovationsförderung des Bundes im Bereich der
Lebenswissenschaften – Einjahresbilanz der Bundesministerin für Bildung und
Forschung
1. Welche politischen Schwerpunktsetzungen hat
Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger im Bereich der Lebenswissenschaften
vorgenommen?
Wie macht sich die Schwerpunktsetzung der Bundesministerin
bemerkbar?
Die politischen Schwerpunkte der Bundesregierung im Bereich der
Lebenswissenschaften sind unter anderem darauf ausgerichtet, das Potenzial und die
neuen Technologien der Lebenswissenschaften zu nutzen, um zur Bewältigung der
großen gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit beizutragen.
Um Innovationen und Transfer zu beschleunigen, stärkt das Bundesministerium
für Bildung und Forschung (BMBF) die Leistungsfähigkeit der
lebenswissenschaftlichen Forschung und Entwicklung, verbessert deren Transfer und setzt
sich für innovationsfördernde rechtliche Rahmenbedingungen ein.
Zur Erreichung der oben genannten Ziele wurden Schwerpunkte in der
Projektförderung und institutionellen Förderung unter anderem in folgenden Bereichen
gesetzt:
– Volkskrankheiten und altersabhängige Erkrankungen besser verstehen und
therapieren,
– Potenziale der Digitalisierung für die Gesundheitsforschung sowie
gesundheitliche und pflegerische Versorgung heben,
– Strukturen der medizinischen Forschung und der Gesundheitsforschung
stärken,
– Innovationskraft der Gesundheitsforschung und Gesundheitswirtschaft
stärken,
– Prävention auf Basis eines One Health Ansatzes verbessern,
– Deutschlands internationale Verantwortung in der Gesundheitsforschung
wahrnehmen,
Deutscher Bundestag Drucksache 20/5871
20. Wahlperiode 27.02.2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung vom
27. Februar 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
– das Innovationspotenzial der Biotechnologie nutzen.
Ergänzend wird auf die am 8. Februar 2023 veröffentlichte Zukunftsstrategie
Forschung und Innovation der Bundesregierung, insbesondere das Kapitel
„Gesundheit für alle verbessern“ und die weiteren Informationen auf der Homepage
des BMBF verwiesen.
2. Welchen Maßnahmen und Initiativen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 unternommen, um Ausgründungen
im Bereich der Lebenswissenschaften zu erhöhen und eine
Gründungskultur in diesem Bereich zu etablieren?
Ein wichtiges Element der Start-up-Strategie der Bundesregierung zur
Förderung von Gründungen in den Lebenswissenschaften ist die geplante Neuauflage
der Gründungsoffensive Biotechnologie (GO-Bio). Die vorangegangene
Fördermaßnahme GO-Bio wird derzeit extern evaluiert.
Im Rahmen der Fördermaßnahme „START-interaktiv: Interaktive Technologien
für Gesundheit und Lebensqualität“ wurden sieben Projekte mit Bezug zur
digital unterstützten Gesundheit und Pflege zur Förderung ausgewählt, in denen
bestehende Forschungsteams mit Ausgründungsabsicht an Hochschulen oder
Einzel- und Verbundvorhaben mit Start-ups im Lead gefördert werden.
3. Welche Maßnahmen und Initiativen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 unternommen, um bessere
Rahmenbedingungen für Risikokapitalgeber im Bereich der
Lebenswissenschaften zu schaffen, damit es Innovationen bis zur Marktreife schaffen?
Zu besseren Rahmenbedingungen für Risikokapitalgeber in den
Lebenswissenschaften tragen Fördermaßnahmen wie GO-Bio und „KMU-innovativ:
Biomedizin“ bei.
4. Wie weit ist der Aufbau des im Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN und SPD (S. 83) angekündigten
deutschlandweiten Netzwerkes von Kompetenzzentren und interdisziplinären
Ambulanzen zur Erforschung und Sicherstellung einer bedarfsgerechten
Versorgung rund um die Langzeitfolgen von COVID-19 sowie der Myalgischen
Enzephalomyelitis/des Chronischen Fatigue-Syndroms (ME/CFS)
fortgeschritten?
Wie sieht der Zeitplan aus, und wie viele Mittel stellt die
Bundesregierung hierfür zur Verfügung (bitte titelscharf auflisten)?
Über die Einrichtung und den Betrieb von Kompetenzzentren und
Spezialambulanzen entscheiden die entsprechenden Kliniken. Ziel der Bundesregierung
ist es, bereits vorhandene Ambulanzen bundesweit zu vernetzen und auf
Einrichtung neuer Ambulanzen für Long-/Post-COVID hinzuwirken. In diesem
Zusammenhang plant das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) einen
Förderschwerpunkt für versorgungsnahe Forschungsprojekte zu Long-/Post-
COVID einschließlich COVID19-assoziiertem ME/CFS. Durch die Schaffung
eines Netzwerks soll der Informationsaustausch angeregt,
Versorgungsforschung initiiert und so die Versorgung der Betroffenen verbessert werden. Der
mit den Long-/Post-COVID-Ambulanzen intendierte Austausch zwischen
Forschung und Versorgung wird sich auch auf Aspekte von ME/CFS nach
COVID-19-Infektion erstrecken. Dadurch wird ein wichtiger Beitrag zur
weiteren Erforschung von ME/CFS als postinfektiöses Krankheitsgeschehen und
dessen Versorgung geleistet. Insgesamt beabsichtigt die Bundesregierung, ihre
Aktivitäten im Bereich der Förderung Long-/Post-COVID-bezogener
Forschung – vorbehaltlich der zur Verfügung stehenden Haushaltsmittel – weiter
zu verstärken. Das BMG wurde basierend auf einem Maßgabebeschluss des
Haushaltsausschusses damit beauftragt, dem Haushaltsausschuss einen Bericht
zur COVID-19- und Long-/Post-COVID-Forschung vorzulegen. Dieser wird in
Kürze vorliegen und eine Auflistung der bereits bestehenden und geplanten
vom Bund (mit-)finanzierten Forschungsvorhaben und -studien beinhalten
sowie noch bestehende Forschungsbedarfe benennen. Das BMG beabsichtigt die
Versorgungsforschung und epidemiologische Forschung zu Long-/Post-COVID
in erheblichem Maße zu stärken; das Ergebnis des regierungsinternen
Haushaltsaufstellungsverfahrens ist abzuwarten.
5. Wie fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF)
die Forschung an „Long-COVID“ (bitte sämtliche Förderlinien samt
Laufzeit und Fördersumme tabellarisch auflisten)?
6. Welche Förderrichtlinien wurden im Jahr 2022 für die Forschung zu
„Long-COVID“ durch das BMBF veröffentlicht (bitte den Titel der
Förderlinie, das Startdatum und die im Jahr 2022 verfügbaren Fördermittel
tabellarisch auflisten)?
Die Fragen 5 und 6 werden im Zusammenhang beantwortet.
Die nachfolgende Tabelle enthält Fördermaßnahmen bzw. Förderlinien, die das
BMBF zum Thema Long-/Post-COVID-Syndrom aufgelegt hat. Die unter der
laufenden Nummer 2 und 3 aufgeführten Förderaktivitäten wurden durch das
BMBF im Jahr 2022 gestartet.
Lfd.
Nr. Maßnahme/Richtlinie Förderlaufzeit Fördersumme (in Euro)
1 Förderung von Forschungsvorhaben zu
Spätsymptomen von COVID-19 (Long-COVID)
Förderrichtlinie vom 30.05.2021
01.12.2021 bis
29.02.2024
6,5 Mio.
2 Hybride Interaktionssysteme zur Aufrechterhaltung
der Gesundheit auch in Ausnahmesituationen (HIS)
Änderungsbekanntmachung vom 06.09.2022 zur
Förderrichtlinie vom 26.11.2020 zur Ergänzung eines
neuen Moduls zu Post-COVID-19
voraussichtlich
01.09.2023 bis
31.08.2025
ca. 6 Mio. im Jahr 2022
noch nicht mittelwirksam
3 Nationale Klinische Studien-Gruppe Post-COVID-
Syndrom und ME/CSF
01.10.2022 bis
31.12.2023
ca. 10 Mio. davon 5 Mio. in
2022
Darüber hinaus tragen weitere Fördermaßnahmen des BMBF zur Förderung der
Forschung zum Thema Long-/Post-COVID-Syndrom bei. Insbesondere ist in
diesem Zusammenhang das „Netzwerk Universitätsmedizin“ zu nennen, u. a.
mit den Kohorten des Teilvorhabens „Nationales Pandemie Kohortennetzwerk“
(NAPKON). Hier kann eine finanzielle Abgrenzung zu der Förderung der
Forschung zu COVID-19 aufgrund des Studienkonzepts nicht eindeutig
vorgenommen werden.
Im Rahmen der institutionellen Förderung des BMBF befassen sich eine Reihe
von Einrichtungen intensiv mit dem Thema Long-/Post-COVID-Syndrom. Zu
nennen sind insbesondere das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ), das
Deutsche Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE), das
Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung (HZI), das Helmholtz Zentrum
München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt (HMGU),
das Max-Delbrück-Centrum für Molekulare Medizin (MDC), das Berlin
Institute of Health @ Charité (BIH), das Deutsche Zentrum für Diabetesforschung
(DZD), das Deutsche Zentrum für Infektionskrankheiten (DZIF), das Deutsche
Zentrum für Herz-Kreislauf-Forschung (DZHK), das Deutsche Zentrum für
Lungenkrankheiten (DZL) und das Deutsche Rheumaforschungszentrum
(DRFZ).
7. Wie hoch war die Bewilligungsquote in den entsprechenden Förderlinien
zur Long-COVID-Forschung, bzw. wie viele der Anträge bzw.
eingereichten Projektskizzen haben schließlich zu einer Bewilligung geführt?
Wie hoch war das Antragsvolumen (auch auf Skizzenebene), und wie
viel ist bewilligt worden (bitte jeweils die Anzahl und die Bewilligungen
sowie die Summe nennen)?
Bei der Richtlinie zur Förderung von Forschungsvorhaben zu Spätsymptomen
von COVID-19 (Long-COVID) sind in einem einstufigen Verfahren 56
Anträge mit einer Antragssumme in Höhe von insgesamt 33,9 Mio. Euro
eingegangen. Es werden zehn Verbundprojekte mit einer Fördersumme in Höhe von
insgesamt 6,5 Mio. Euro gefördert.
Bei dem durch die Änderungsbekanntmachung zur Maßnahme „Hybride
Interaktionssysteme zur Aufrechterhaltung der Gesundheit auch in
Ausnahmesituationen (HIS)“ ergänzten Modul zu den gesundheitlichen Spätfolgen einer
COVID-19-Erkrankung wurden bis zum Stichtag 15. November 2022
insgesamt 17 Projektskizzen mit einer Antragssumme von insgesamt ca. 21,1 Mio.
Euro eingereicht. Von den 17 Projektskizzen wurden nach Durchlaufen des
Begutachtungsverfahrens fünf für die derzeit laufende Weiterverfolgung
ausgewählt. Für die fünf Projekte sind Mittel in Höhe von insgesamt ca. 5,7 Mio.
Euro vorgesehen. Weitere 0,4 Mio. Euro werden für die mit dem neuen Modul
einhergehende Aufstockung des Begleitprojektes der Fördermaßnahme HIS
benötigt, so dass sich das Antragsvolumen auf insgesamt ca. 6 Mio. Euro
belaufen wird.
8. Welche relevanten neuen Maßnahmen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 im Bereich der
Gesundheitsforschung selbst initiiert (bitte den Titel des Projektes, das Startdatum und
die im Jahr 2022 verfügbaren Fördermittel tabellarisch auflisten)?
In der folgenden Tabelle werden relevante neue Förderrichtlinien des BMBF,
die im Jahr 2022 im Bereich der Gesundheitsforschung veröffentlicht wurden,
aufgelistet. Aufgrund des Zeitbedarfs für die Antragseinreichung und -auswahl
sind diese Fördermaßnahmen im Jahr 2022 noch nicht mittelwirksam.
Lfd.
Nr. Im Jahr 2022 veröffentlichte Förderrichtlinie
1 Richtlinie zur Förderung von Zuwendungen für die „Bilaterale Zusammenarbeit in Computational
Neuroscience: Deutschland – USA“ vom 27. September 2022
2 Richtlinie zur Förderung von interdisziplinären Nachwuchszentren für reproduktive Gesundheit vom
2. September 2022
3 Richtlinie zur Erforschung der Zusammenhänge zwischen Biodiversität und menschlicher Gesundheit –
ein Beitrag zur Forschungsinitiative zum Erhalt der Artenvielfalt vom 9. August 2022
4 Richtlinie zur Förderung von präklinischen konfirmatorischen Studien und systematischen Reviews
vom 20. Juli 2022
5 Richtlinie zur Förderung von Projekten zum Thema KMU-innovativ: Biomedizin vom 15. Juli 2022
6 Richtlinie zur Förderung klinischer Studien mit hoher Relevanz für die Patientenversorgung vom
14. Juli 2022
Lfd.
Nr. Im Jahr 2022 veröffentlichte Förderrichtlinie
7 Richtlinie zur Förderung von Interventionsstudien für gesunde und nachhaltige Lebensbedingungen und
Lebensweisen vom 9. Mai 2022
8 Call for Proposals for Grant Funding of Product Development Partnerships (PDP) to fight Poverty-
related and Neglected Diseases (PRND) vom 4. April 2022
9 Richtlinie zur Förderung der Medizininformatik-Initiative: Ausbau- und Erweiterungsphase vom 17.
Januar 2022
Ergänzend wird auf die Antwort zu den Fragen 5 und 6 verwiesen.
9. Welche relevanten neuen Maßnahmen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 im Bereich der Medizintechnik
selbst initiiert (bitte den Titel des Projektes, das Startdatum und die im
Jahr 2022 verfügbaren Fördermittel tabellarisch auflisten)?
Im Jahr 2022 wurden keine neuen Förderrichtlinien im Bereich der
Medizintechnik veröffentlicht.
10. Welche Maßnahmen wurden im Jahr 2022 zur Stärkung der
a) Hochschulmedizin,
Es wird auf die Tabelle in der Antwort zu Frage 8, laufende Nummer 2, 4, 6
und 9 verwiesen.
b) Versorgungsforschung und
Im Jahr 2022 wurden keine neuen Förderrichtlinien veröffentlicht.
c) Medizininformatik
initiiert?
Es wird auf die Tabelle in der Antwort zu Frage 8, laufende Nummer 9,
verwiesen.
11. Welche relevanten neuen Maßnahmen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 im Bereich der globalen
Gesundheit selbst initiiert (bitte den Titel des Projektes, das Startdatum und die
im Jahr 2022 verfügbaren Fördermittel tabellarisch auflisten)?
Es wird auf die Tabelle in der Antwort zu Frage 8, laufende Nummer 8,
verwiesen.
12. Was konkret hat Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger im
Rahmen der G7-Präsidentschaft zur Stärkung der globalen Gesundheit
erreicht?
Welche neuen Initiativen wurden mit den G7-Mitgliedstaaten im
Forschungsbereich auf den Weg gebracht?
Themen der Globalen Gesundheit wurden insbesondere von den
Gesundheitsministerinnen und Gesundheitsministern der G7-Staaten behandelt. Das BMBF
setzt sich gemeinsam mit BMG und anderen betroffenen Ressorts erfolgreich
dafür ein, dass die G7-Staaten ihre Aktivitäten zur Bekämpfung der
Antimikrobiellen Resistenz (AMR) verstärken. In diesem Kontext hat das BMBF im Jahr
2022 seine Beteiligung an der internationalen Partnerschaft „Global Antibiotic
Research and Development Partnership“ (GARDP) um weitere 50 Mio. Euro
erhöht. GARDP hat als Ziel, bis zum Jahr 2025 fünf neue
Behandlungsmöglichkeiten für Krankheiten bereitzustellen.
Darüber hinaus hat sich die Bundesrepublik Deutschland erfolgreich dafür
eingesetzt, dass die Forschung und Entwicklung zu neuen medizinischen
Gegenmaßnahmen (Impfstoffe, Diagnostika, Therapeutika) von den G7-Staaten
weiterhin durch eine angemessene Finanzierung unterstützt wird. Das BMBF hat
hierfür im Jahr 2022 zugesagt, sich an der zweiten Programmperiode der
„Coalition für Epidemic Preparedness“ (CEPI) mit weiteren 100 Mio. Euro für die
Impfstoffentwicklung bis zum Jahr 2026 zu beteiligen.
Außerdem wurde im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft das Thema
Long-/Post-COVID durch die Forschungsministerinnen und
Forschungsminister der G7-Staaten verhandelt. In der Abschlusserklärung werden entsprechend
dem Schwerpunkt „Gesundes Leben“ der deutschen Präsidentschaft
insbesondere die Bedeutung einer global vernetzten Erhebung und gemeinsamen
Nutzung von Forschungsdaten zum Thema Long-/Post-COVID sowie die
Unterstützung der “Global Clinical Platform for COVID-19“ der
Weltgesundheitsorganisation (WHO) unterstrichen.
13. Welche relevanten neuen Maßnahmen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 im Bereich der neuen Methoden in
den Lebenswissenschaften selbst initiiert (bitte den Titel des Projektes,
das Startdatum und die im Jahr 2022 verfügbaren Fördermittel
tabellarisch auflisten)?
Im Jahr 2022 wurden keine neuen Förderrichtlinien im Bereich der neuen
Methoden in den Lebenswissenschaften veröffentlicht.
14. Welche relevanten neuen Maßnahmen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 im Bereich der Biotechnologie
selbst initiiert (bitte den Titel des Projektes, das Startdatum und die im
Jahr 2022 verfügbaren Fördermittel tabellarisch auflisten)?
Es wird auf die Tabelle in der Antwort zu Frage 8, laufende Nummer 5,
verwiesen.
15. Welche neuen Maßnahmen hat Bundesforschungsministerin Bettina
Stark-Watzinger im Jahr 2022 ergriffen, um den im Koalitionsvertrag
formulierten Anspruch, Deutschland zum international führenden
Biotechnologie-Standort zu machen, zu realisieren?
Es wird auf die Antworten zu den Fragen 8 und 14 verwiesen.
16. Welche Maßnahmen und Initiativen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 unternommen, um bessere
Rahmenbedingungen für Risikokapitalgeber im Bereich der Biotechnologien
zu schaffen, damit es Innovationen bis zur Marktreife schaffen?
Es wird auf die Antwort zu Frage 3 verwiesen.
17. Welche Biotechnologie-Start-ups haben im Jahr 2022 von Förderlinien
des BMBF profitiert (bitte die Förderlinien, Unternehmen und jeweilige
Fördersumme tabellarisch auflisten)?
Die Bundesregierung erhebt keine statistischen Angaben über die Förderung
von Start-ups. Es werden Daten zur Firmenstruktur im Rahmen der
Unterteilung in kleine, mittelständische und Großunternehmen erhoben. Nach
Definition des Bundesverbands Deutsche Startups e. V. sind Start-ups solche
Unternehmen mit einer innovativen und skalierbaren Geschäftsidee, die jünger als zehn
Jahre sind. Im Bereich der Biotechnologie kann daher davon ausgegangen
werden, dass Biotechnologie-Start-ups eine Teilgruppe der kleinen und mittleren
Unternehmen (KMU) sind. Das BMBF hat im Jahr 2022 156 KMU in 35
Fördermaßnahmen mit insgesamt rund 73 Mio. Euro gefördert. Die im Hinblick
auf das Fördervolumen der KMU im Jahr 2022 im Bereich Biotechnologie
relevantesten Förderrichtlinien sind in der folgenden Tabelle aufgelistet.
Lfd.
Nr. Förderrichtlinie
Fördersumme
in 2022
(in Euro)
1 Förderung der klinischen Entwicklung von versorgungsnahen COVID-19-
Arzneimitteln und deren Herstellungskapazitäten
35,1 Mio.
2 Förderung von Forschung und Entwicklung dringend benötigter Therapeutika gegen
SARS-CoV-2
23,2 Mio.
3 Wettbewerb GO-Bio 3,2 Mio.
4 Innovationsinitiative Industrielle Biotechnologie 1,8 Mio.
5 KMU-innovativ: Biotechnologie – BioChance 1,5 Mio.
6 KMU-innovativ: Bioökonomie 1,4 Mio.
7 Förderung von Projekten zum Thema Gezielter Wirkstofftransport 1,4 Mio.
8 Maßgeschneiderte biobasierte Inhaltsstoffe 1,0 Mio.
18. Was haben das BMBF und das Bundesministerium für Gesundheit
(BMG) im Jahr 2022 unternommen, um Förderprogramme aus dem
Bereich der Grundlagenforschung mit Ausgründungsinitiativen des
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) zu verzahnen und
Synergien herzustellen?
Die Weiterentwicklung der Fördermaßnahme GO-Bio wird auf die Instrumente
des Programms Existenzgründungen aus der Wissenschaft (EXIST) abgestimmt
werden. Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 2 verwiesen.
19. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung im Jahr 2022 ergriffen, um
Investitionsprüfungsverfahren nach der Außenwirtschaftsverordnung für
die Beteiligung an Biotechnologie-Start-ups in starken Wachstumsphasen
zu beschleunigen?
Welche durchschnittliche Bearbeitungszeit haben etwaige Prüfverfahren
derzeit?
Ziel der Investitionsprüfung ist es, deutsche und europäische
Sicherheitsinteressen beim Erwerb deutscher Unternehmen durch ausländische Investoren zu
wahren, sicherheitsgefährdende Abhängigkeiten zu reduzieren und gleichzeitig
die Attraktivität Deutschlands für Investoren aus dem Ausland zu erhalten. Aus
dieser anspruchsvollen Zielsetzung ergeben sich komplexe Prüfverfahren. Die
Zahl der deutschen Investitionsprüfverfahren, die im Jahr 2022 eingingen,
verblieb auf dem hohen Vorjahresniveau von 306 Verfahren. Gleichwohl konnten
drei Viertel dieser Verfahren innerhalb von 60 Tagen und mehr als die Hälfte
dieser Verfahren sogar innerhalb von 40 Tagen abgeschlossen werden. Im
Biotechnologie- und Gesundheitsbereich betrug die durchschnittliche
Verfahrensdauer von bislang abgeschlossenen nationalen Prüfverfahren, die im Jahr 2022
eingingen, unter 40 Tagen. Die Bundesregierung hat die Dauer der
Investitionsprüfverfahren auch weiterhin im Blick.
20. Welche wissenschaftlichen Beratungsstrukturen im Bereich der
Biotechnologie hat die Bundesregierung im Jahr 2022 implementiert?
Im Jahr 2022 wurden keine neuen wissenschaftlichen Beratungsstrukturen im
Bereich der Biotechnologie implementiert.
21. Welche relevanten neuen Maßnahmen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 im Bereich der Wirkstoffforschung
selbst initiiert (bitte den Titel des Projektes, das Startdatum und die im
Jahr 2022 verfügbaren Fördermittel tabellarisch auflisten)?
Es wird auf die Antwort zu Frage 14 verwiesen.
22. Welche relevanten neuen Maßnahmen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 im Bereich der personalisierten
Medizin selbst initiiert (bitte den Titel des Projektes, das Startdatum und
die im Jahr 2022 verfügbaren Fördermittel tabellarisch auflisten)?
Im Jahr 2022 ist die Förderung der Projekte aus der Fördermaßnahme
„Translationsprojekte Personalisierte Medizin“ (Förderrichtlinie vom 27. März 2020)
angelaufen. Ziel der Fördermaßnahme ist es, die Translation personalisierter
Behandlungsansätze (Diagnostik, Therapie, Prävention) in der
Entwicklungskette einen signifikanten Schritt im Hinblick auf ihre klinische Anwendung
bzw. die Entwicklung neuer Produkte und Verfahren voranzubringen. Auf der
Grundlage einer frühzeitigen interdisziplinären Zusammenarbeit und
Vernetzung aller relevanten Akteure sollen wesentliche Hürden der Translation wie
ein „proof of principle“ im Modellsystem oder eine „proof of concept“-Studie
überwunden werden, um neue Ansätze der personalisierten Medizin in die
Versorgungspraxis zu überführen. Für die acht präklinischen Forschungsverbünde
sowie die fünf integrierten Forschungsplattformen stellt das BMBF über fünf
Jahre rund 55 Mio. Euro zur Verfügung, davon 5,8 Mio. Euro im Jahr 2022.
Neue bedarfsgerechte Förderangebote werden erst entwickelt, wenn die
Umsetzung der Maßnahme weiter fortgeschritten ist und entsprechende
Erfahrungswerte vorliegen.
Zudem ist das BMBF zusammen mit dem BMG federführend bei der
Vorbereitung der Ende des Jahres 2023 startenden Europäischen Partnerschaft zur
Personalisierten Medizin tätig. Hier sollen in den nächsten sieben bis zehn Jahren
die europäischen Forschungsaktivitäten gebündelt und die Implementierung der
personalisierten Medizin im Gesundheitssystem vorangebracht werden.
23. Welche neuen Maßnahmen oder Initiativen wurden im Jahr 2022 durch
das BMBF ergriffen, um die Translation von Forschungsergebnissen in
die Versorgungspraxis voranzutreiben?
Die Translation von Forschungsergebnissen in die Versorgungspraxis erfordert
eine enge Zusammenarbeit von anwendungsorientierter Grundlagenforschung,
patientenbezogener klinischer Forschung und praxis-/systembezogener
Versorgungsforschung. Hierzu arbeiten Forschende aus Hochschulen,
Universitätskliniken, stationären und ambulanten Versorgungseinrichtungen,
außeruniversitären Forschungseinrichtungen und der Industrie zusammen. Das BMBF fördert
diese Zusammenarbeit durch verschiedene Maßnahmen der Projektförderung
und institutionellen Förderung. Wichtige im Jahr 2022 hierzu ergriffene
Maßnahmen sind in den Antworten zu den Fragen 2, 3, 5, 6, 8 bis 11, 16, 17, 21 und
22 aufgeführt.
24. Welche relevanten neuen Maßnahmen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 im Bereich „Biobanken“ selbst
initiiert (bitte den Titel des Projektes, das Startdatum und die im Jahr
2022 verfügbaren Fördermittel tabellarisch auflisten)?
Die Bundesregierung unterstützt im Bereich Biobanken das europäische
Konsortium „Biobanking and Biomolecular Resources Research Infrastructure“
(BBMRI-ERIC), welches die Zugänglichkeit und Interoperabilität bestehender
Proben in Europa vorantreibt. Deutschland war im Jahr 2022 mit 0,4 Mio. Euro
der größte Beitragszahler und wird die Mitgliedschaft auch künftig fortführen.
Auf deutscher Seite bündelt der Deutsche Biobankenknoten die zugehörigen
Kompetenzen und deren Vernetzung in der Deutschen Biobanken Allianz.
Das im Rahmen der Ausbau- und Erweiterungsphase der Medizininformatik-
Initiative geförderte Projekt FDPG-PLUS beinhaltet u. a. den Ausbau der
Verknüpfung von klinischen Daten mit Daten von Biobanken (Titel: FDPG-PLUS
– Medizininformatik-Struktur: Erweiterung des MII Forschungsdatenportals für
Gesundheit; Förderstart 1. Januar 2023). Es wird ergänzend auf die Antwort zu
Frage 8 verwiesen.
25. Welche Maßnahmen und Initiativen hat Bundesforschungsministerin
Bettina Stark-Watzinger im Jahr 2022 unternommen, um eine
Fortführung und Finanzierung des Forschungsnetzwerks Universitätsmedizin
über das Jahr 2024 hinaus sicherzustellen?
Die beantragten Fördermittel in Höhe von 240 Mio. Euro für die zweite
Förderphase des Netzwerks Universitätsmedizin (NUM) mit Start zum 1. Januar 2022
wurden im vollen Umfang bewilligt. Damit ist die Finanzierung des NUM bis
zum Ende der aktuellen Laufzeit zum 30. Juni2025 gesichert. Die Planungen
für den Übergang in eine langfristige Fortführung des Netzwerks laufen derzeit.
Ab Januar 2023 wurden die Datenintegrationszentren der Medizininformatik-
Initiative in das NUM überführt, um deren Verstetigung als fester Bestandteil
der NUM-Infrastrukturlinie zu ermöglichen.
26. Welche konkreten Ergebnisse hat das BMBF bei der Umsetzung des
„Masterplans Medizinstudium 2020“ erreicht?
Welche darüberhinausgehenden politischen Weichenstellungen hat das
BMBF in diesem Politikfeld vorgenommen?
Das BMBF ist für die Umsetzung von zwei Maßnahmen des „Masterplans
Medizinstudium 2020“ unmittelbar verantwortlich.
Die Begleitforschung für den Erfolg von kompetenzbezogenen
Auswahlverfahren der Hochschulen wurde mit dem „stav – Studierendenauswahl-Verbund“
vom Jahr 2018 bis zum Jahr 2021 mit 3,5 Mio. Euro gefördert. Ziel des „stav“
war, die Einführung von wissenschaftlich fundierten, strukturierten und
standardisierten Auswahlverfahren an allen deutschen Medizinfakultäten zu
unterstützen. Hierfür haben die sechs Verbundpartner existierende Auswahlkriterien
validiert und neue Auswahltests entwickelt.
Ferner fördert das BMBF vom Jahr 2020 bis zum Jahr 2025 mit 21 Mio. Euro
den Aufbau einer nachhaltigen Netzwerkstruktur für Forschungspraxen zur
Stärkung der Allgemeinmedizin in der Forschung. In sechs Netzwerken,
ergänzt durch eine Koordinierungsstelle, sollen die Voraussetzungen in Form von
Kapazitäten und Kompetenzen sowie Infrastrukturen für die Durchführung
eines möglichst breiten Spektrums von Studien in der Allgemeinmedizin
geschaffen werden. Im Herbst 2022 fand das Zukunftssymposium der Initiative
Deutscher Forschungspraxennetze – DESAM-ForNet statt. Hierbei wurde
deutlich, dass der Aufbau der Netze sowie deren Integration zu einem gesamten
Forschungspraxennetzwerk für Deutschland sehr gut voranschreitet.
Darüber hinaus hat das BMBF die übrigen Maßnahmen des Masterplans
unterstützt, u. a. durch Mitwirkung in der Staatssekretär-AG „Gesundheit und
Wissenschaft“ der Kultusministerkonferenz sowie in der korrespondierenden Fach-
AG.
27. Welche konkreten Ergebnisse hat das BMBF bei der Umsetzung der
„Nationalen Dekade gegen den Krebs“ erreicht?
Welche ggf. darüber hinausgehenden politischen Weichenstellungen hat
das BMBF in der Krebsforschung vorgenommen?
Mit der Nationalen Dekade gegen Krebs (NDK) treibt das BMBF die
Krebsforschung auf vielen Forschungsfeldern voran und geht neue Wege bei der
Umsetzung. Durch die Zusammenarbeit mit allen relevanten Stakeholdern im Bereich
Krebsforschung und -versorgung im Strategiekreis und den Arbeitsgruppen der
NDK ist es gelungen, die Kräfte in diesem Bereich zu bündeln. Hierdurch wird
auch der internationale Beitrag Deutschlands zur Krebsforschung gestärkt. Mit
Unterstützung der NDK wurden “Principles of successful patient involvement
in cancer” zur Stärkung der Patienteneinbindung in der Europäischen Union
erarbeitet.
Konkrete bisherige Ergebnisse sind:
– Ausbau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT)
Durch den Ausbau des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in
2023 mit vier neuen Standorten wird die Translation von
Forschungsergebnissen in die Versorgung beschleunigt und die Anzahl der klinischen Studien in
Deutschland erhöht. Im Endausbau fördern Bund und Länder das NCT mit bis
zu 98 Mio. Euro. Patientenvertretende sind in jedem Schritt miteinbezogen.
– Initiierung von Projektfördermaßnahmen zu wichtigen Fragen der
Krebsforschung
Im Jahr 2022 haben zwei Forschungsverbünde zum Problemfeld der
Tumorheterogenität, klonalen Tumor-Evolution und Therapieresistenz ihre Arbeit
aufgenommen. Außerdem beschäftigen sich seit dem Jahr 2022 vier große
interdisziplinäre Forschungsverbünde mit Darmkrebs bei jungen Erwachsenen. Im Jahr
2022 startete ebenfalls die Förderung von fünf praxisverändernden klinischen
Vergleichs- und Optimierungsstudien zur Prävention, Diagnose und Therapie
von Krebs. Mit der Fördermaßnahme LiSyM-Krebs fördert das BMBF zudem
ein systemmedizinisches Forschungsnetz zur Früherkennung und Prävention
von Leberkrebs.
– Nutzbarmachung digitaler Daten für Krebsforschung und -versorgung
Mit dem im Rahmen der Ausbau- und Erweiterungsphase der
Medizininformatik-Initiative zur Förderung vorgesehenen Projekt PM4Onco wird eine
Infrastruktur geschaffen um Daten aus klinischer Versorgung und biomedizinischer
Forschung zu integrieren. Darüber hinaus widmen sich vier der sechs in der
Medizininformatik-Initiative geförderten „Digitalen FortschrittsHubs
Gesundheit“ der Krebsmedizin. Außerdem wurde im Jahr 2022 in der
Fördermaßnahme zur Entwicklung neuer Ansätze der Datenanalyse und des Datenteilens in
der Krebsforschung die Förderung von acht Projekten aufgenommen.
Ergänzend wird auf die Antwort zu Frage 8 verwiesen.
– Entwicklung neuer innovativer Formen für die Förderung der
Krebsforschung
Im Jahr 2022 wurden neue innovative Forschungsförderungen entwickelt, die
im ersten Quartal 2023 veröffentlicht werden sollen. In der Fördermaßnahme
„Grand Challenge“ sollen ungelöste Fragen der Krebsforschung bearbeitet
werden. Eine weitere Förderrichtlinie betrifft die risikoadaptierte Prävention, bei
der sich das Bundesforschungsministerium in einer neuartigen öffentlich-
privaten Partnerschaft mit der Deutschen Krebshilfe abgestimmt hat, um die
Schlagkraft der Forschungsförderung zu erhöhen. Diese Förderrichtlinie wurde am
13. Februar 2023 veröffentlicht. Im Januar 2023 wurde eine Förderrichtlinie zur
wissensgenerierenden Vernetzung von Forschung und Versorgung in
Modellregionen veröffentlicht. Die Fördermaßnahme soll dazu beitragen, dass
Krebskranke in allen Regionen Deutschlands den gleichen Zugang zu neuen
Therapien und einer optimalen Versorgung haben.
28. Welche konkreten Ergebnisse hat das BMBF infolge der Setzung eines
Schwerpunktes auf „Patientenpartizipation“ im Rahmen der „Nationalen
Dekade gegen den Krebs“ im Jahr 2022 erzielen können?
Woran macht das BMBF den Erfolg etwaiger Aktivitäten fest?
Im Jahr 2022 hat das BMBF die „Allianz für Patientenbeteiligung in der
Krebsforschung“ ins Leben gerufen. Mehr als 80 Personen und Organisationen
beteiligen sich bereits und bekennen sich dazu, die Prinzipien für eine erfolgreiche
Patientenpartizipation in der Krebsforschung umzusetzen.
Patientinnen und Patienten arbeiten in der NDK auf Augenhöhe mit. Sie sind in
allen Gremien vertreten, sitzen in allen Jurys, die Forschungsprojekte bewerten
und sind auch an allen Forschungsprojekten beteiligt, die im Rahmen der NDK
gefördert werden. Beim Ausbau des Nationalen Centrums für
Tumorerkrankungen (NCT) hatten Patientenvertretertretende sowohl beim Auswahlprozess als
auch in der Konzeptionsphase volles Stimm- und Mitspracherecht. Zur
Weiterbildung von Patientenvertretenden wird die Patientenakademie (PEAK) am
NCT aufgebaut.
29. Wie oft ist der Strategiekreis der Nationalen Dekade gegen Krebs im Jahr
2022 zusammengekommen?
Welche Ergebnisse wurden erzielt?
Der Strategiekreis der NDK trifft sich weiterhin zweimal im Jahr. Dabei hat er
zum Beispiel ein Eckpunktepapier zum Thema Metastasierung aus der
Arbeitsgruppe „Große Fragen“ beschlossen und festgelegt, dass in der NDK als
Nächstes Forschung zum Thema „Survivorship“ – also das Leben mit und nach
Krebs – angestoßen werden soll.
30. Was hat das BMBF im Jahr 2022 unternommen, um die Kofinanzierung
eines IPCEI (Important Project of Common European Interest) Health im
Bereich Forschung und Ausbildung sicherzustellen?
Welche Gespräche hat die Bundesforschungsministerin wann mit wem
zum Thema „IPCEI Health“ geführt (bitte tabellarisch auflisten)?
Das Format Important Project of Common European Interest (IPCEI) ist ein
industriepolitisches Instrument. Die Ressortzuständigkeit dafür liegt beim
Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK).
Aufgabenbedingt pflegen Mitglieder der Bundesregierung Kontakte, darunter
auch Gespräche und Telefonate, mit einer Vielzahl von Akteurinnen und
Akteuren. Eine Verpflichtung zur Erfassung sämtlicher geführter Gespräche
besteht nicht und eine solch umfassende Dokumentation wurde auch nicht
durchgeführt.
31. Wann wird die Bundesregierung das im Koalitionsvertrag versprochene
Gesundheitsdatennutzungsgesetz zur besseren wissenschaftlichen
Nutzung in Einklang mit der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO)
vorstellen?
Wie weit fortgeschritten ist im Jahr 2022 der Aufbau der versprochenen
dezentralen Forschungsdateninfrastruktur?
Der Referentenentwurf zum Gesundheitsdatennutzungsgesetz (GDNG) soll
noch in der ersten Jahreshälfte dieses Jahres vorgelegt werden. Das
Inkrafttreten des GDNG ist für Anfang kommenden Jahres geplant.
Die Bundesregierung hat bereits jetzt Maßnahmen in die Wege geleitet, um den
Auf- und Ausbau einer dezentralen Forschungsdateninfrastruktur für das
Gesundheitswesen umzusetzen.
Das Forschungsdatenzentrum Gesundheit (FDZ Gesundheit) beim
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) wird als ein wichtiger
Baustein der nationalen Gesundheitsforschungsdateninfrastruktur derzeit auf- und
kontinuierlich ausgebaut. Das FDZ Gesundheit wird es berechtigten Nutzern ab
voraussichtlich Herbst 2023 ermöglichen, Abrechnungsdaten der gesetzlichen
Krankenversicherung für bestimmte Zwecke, insbesondere für
wissenschaftliche Forschungszwecke und die Weiterentwicklung des Gesundheitswesens, auf
Antrag auszuwerten. Zudem können Versicherte ab Juli kommenden Jahres
Daten aus der elektronischen Patientenakte zu Forschungszwecken freiwillig und
datenschutzkonform an das FDZ Gesundheit freigeben.
Mit dem am 31. August 2021 in Kraft getretenen „Gesetz zur
Zusammenführung von Krebsregisterdaten“ hat das Zentrum für Krebsregisterdaten (ZfKD)
am Robert Koch-Institut (RKI) den gesetzlichen Auftrag bekommen, einen
erweiterten Krebsregisterdatensatz aus den Ländern zusammenzuführen und
Dritten zu Forschungszwecken zur Verfügung zu stellen (sog. Stufe 1). Wichtige
Vorarbeiten für die Erweiterung wurden im Jahr 2022 geleistet, so dass die
Daten voraussichtlich im Laufe dieses Jahres bereitgestellt werden können.
Darüber hinaus haben die Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren, die
Deutsche Krebsgesellschaft, die Krebsregister, die Deutsche Krebshilfe, das
Zentrum für Krebsregisterdaten und die Vertretenden von Patientenorganisationen
mit dem Gesetz den Auftrag erhalten, bis Ende 2024 ein Konzept zur
Schaffung einer Plattform zu entwickeln, die eine bundesweite anlassbezogene
Datenzusammenführung und Analyse der Krebsregisterdaten aus den Ländern
sowie eine Verknüpfung von Krebsregisterdaten mit anderen Daten ermöglicht,
fachlich begleitet und gleichzeitig Expertise für eine klinisch-wissenschaftliche
Auswertung der Krebsregisterdaten bereitstellt (sog. Stufe 2). Das BMG fördert
die Konzeptentwicklung im Rahmen eines Projekts, welches im September
2022 angelaufen ist.
Darüber hinaus sollen durch das Modellvorhaben Genomsequenzierung nach
§ 64e des Fünften Buches Sozialgesetzbuch – SGB V – ab dem Jahr 2024
klinische und genomische Daten auch zu Sekundärnutzungszwecken verfügbar
gemacht und damit die gemeinnützige Forschung unterstützt werden.
Weiterhin werden mit der Ausbau- und Erweiterungsphase der
Medizininformatik-Initiative bundesweite Strukturen geschaffen, um die
standortübergreifende Nutzung von Gesundheitsdaten für Forschungszwecke weiter
voranzutreiben. Gemeinsam mit dem NUM wird dafür an den Universitätskliniken eine
dezentrale Forschungsdateninfrastruktur aufgebaut. Ein wichtiger Baustein
dieser Infrastruktur ist das Forschungsdatenportal Gesundheit (FDPG). Es soll
allen Forschenden in Deutschland als zentrale Anlaufstelle dienen, wenn sie
Daten und Bioproben der Universitätsmedizin nutzen wollen. Zugleich richtet sich
das FDPG an Bürgerinnen und Bürger. Es macht transparent, welche Projekte
mit entsprechenden Patientendaten forschen und welche Ergebnisse dabei
erzielt wurden.
Zudem haben die Medizininformatik-Initiative und das Netzwerk
Universitätsmedizin gemeinsam eine Koordinierungsgruppe für
Gesundheitsforschungsdaten-Infrastrukturen initiiert. Sie soll Vertretungen aller in Deutschland
bestehenden Akteure zusammenführen, die Forschungsdateninfrastrukturen für die
Medizin betreiben oder aufbauen und mehr Transparenz und Synergien durch
sich ergänzende Arbeiten ermöglichen.
32. Welche Projekte im Bereich der Tinnitus-Forschung fördert die
Bundesregierung derzeit (bitte tabellarisch samt Förderzeitraum, Förderziel und
Fördersumme auflisten)?
Wie ist Deutschland nach Auffassung der Bundesregierung auf diesem
Forschungsgebiet international aufgestellt?
33. Welche Projekte im Bereich der Entwicklung von Medikamenten gegen
Tinnitus fördert die Bundesregierung derzeit (bitte tabellarisch samt
Förderzeitraum, Förderziel und Fördersumme auflisten)?
Wie ist Deutschland nach Auffassung der Bundesregierung auf diesem
Forschungsgebiet international aufgestellt?
Die Fragen 32 und 33 werden im Zusammenhang beantwortet.
Die Bundesregierung fördert derzeit keine Forschungsvorhaben, die sich mit
der Erkrankung Tinnitus oder mit der Entwicklung von Medikamenten gegen
Tinnitus befassen. Verschiedene themenoffene Fördermaßnahmen des BMBF,
z. B. im Bereich von klinischen Studien, bieten jedoch wiederkehrend
Möglichkeiten, Förderanträge zu dieser Thematik einzureichen.
Der Bundesregierung liegen keine Analysen zur internationalen
Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands auf dem Gebiet der Tinnitus-Forschung vor.
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ISSN 0722-8333]