[Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Ralph Lenkert, Dr. Gesine Lötzsch,
Klaus Ernst, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 20/6897 –
Entwicklung, Zustand und Situation der Bahninfrastruktur in Thüringen
1. Wie viele Streckenkilometer Bahnstrecke werden in Thüringen heute
noch befahren?
Nach Auskunft der Deutschen Bahn AG (DB AG) beträgt die Streckenlänge
der DB Netz AG und der DB RegioNetz Infrastruktur GmbH für das Land
Thüringen für das Berichtsjahr 2022 1 419 Kilometer. Datenstand ist der 30.
November 2022 (Infrastrukturkataster 2022).
2. a) Wie viele Streckenkilometer Bahnstrecke sind in Thüringen seit 1990
stillgelegt worden (bitte nach Jahren aufschlüsseln und einzelne
Streckenabschnitte mit Kilometeranzahl angeben)?
Es wird auf die Antwort der Bundesregierung zu den Fragen 2 und 4 bis 6 der
Kleinen Anfrage der Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache
19/28588 verwiesen. Darüber hinaus sind in den Jahren von 2021 bis 2022
keine Stilllegungen von Strecken erfolgt.
b) Welche Streckenabschnitte davon sind nach § 23 des Allgemeinen
Eisenbahngesetzes (AEG) vom Eisenbahnbetriebszweck freigestellt
worden?
Die Freistellung erfolgt nicht streckenbezogen, sondern bezüglich einzelner
Grundstücke oder Gruppen von Grundstücken. Dabei können nicht nur
Strecken oder Streckenabschnitte, sondern alle Arten von
Eisenbahnbetriebsanlagen vom Freistellungsverfahren betroffen sein. Vor diesem Hintergrund liegt
weder dem Eisenbahn-Bundesamt (EBA) noch der DB AG eine Statistik zur
Freistellung von Strecken oder Streckenabschnitten vor.
Deutscher Bundestag Drucksache 20/7486
20. Wahlperiode 27.06.2023
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr
vom 27. Juni 2023 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
c) Auf wie vielen Streckenkilometern in Thüringen wurde der
Schienenpersonennahverkehr (SPNV) seit 1990 nach Kenntnis der
Bundesregierung reduziert (bitte je Streckenabschnitt nach Einstellung
des SPNV oder Reduzierung des SPNV mit Angabe des Zeitpunktes
der Veränderung differenzieren)?
Dazu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Zuständig für den
Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) einschließlich der Ausgestaltung des
Schienenpersonennahverkehrs (SPNV) sind die Länder und Kommunen bzw.
die von ihnen benannten Aufgabenträger.
2. d) Auf wie vielen Streckenkilometern in Thüringen wurde der
Schienenpersonenfernverkehr (SPFV) seit 1990 nach Kenntnis der
Bundesregierung reduziert (bitte je Streckenabschnitt nach Einstellung
des SPFV oder Reduzierung des SPFV mit Angabe des Zeitpunktes
der Veränderung differenzieren)?
3. d) Auf wie vielen Streckenkilometern in Thüringen wurde der SPFV
seit 1990 nach Kenntnis der Bundesregierung ausgeweitet (bitte je
Streckenabschnitt nach neuen Angeboten und/oder Ausweitung des
SPFV mit Angabe des Zeitpunktes der Veränderung differenzieren)?
Die Fragen 2d und 3d werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Nach Auskunft der DB AG liegen der DB Fernverkehr AG systemgestützt
keine Daten für die Jahre 1990 und 2000 vor. Zur Beantwortung der Fragen
wurden die Jahre 2005, 2010, 2020 und 2022 ausgewertet.
Tägliche Zugpaare werden in den Systemen der DB AG nicht erfasst, daher
wurde die mittlere Anzahl der tatsächlichen täglichen Zughalte (Start, Ziel,
Zwischenhalt) ausgewertet. Mithin sind alle tabellarischen Angaben Ist-Zahlen,
bilden also tatsächlich gefahrene Leistungen ab, inklusive
Baustelleneinschränkungen und ggf. Ausfällen.
Dies vorangestellt ist grundsätzlich festzustellen, dass sich seit der
systematischen Erfassung bei der DB AG sowohl die Anzahl der tatsächlich
überfahrenen Streckenkilometer wie auch die Anzahl der Zugkilometer (also der von der
DB Fernverkehr AG gesamthaft absolvierten Zugfahrten) systematisch erhöht
haben. Die Zahl der angebotenen Sitzplätze für Fernverkehrsreisende von/nach
Thüringen hat sich im Zeitraum der Jahre von 2005 bis 2022 verdoppelt (siehe
Tabelle 1).
Mit der sukzessiven Inbetriebnahme der Schnellfahrstrecke Berlin–München
von Dezember 2015 bis Dezember 2017 profitieren Erfurt und weite Teile
Thüringens von der neuen schnellen Erreichbarkeit in/aus Richtung Leipzig, Halle,
Berlin, Dresden und Süddeutschland. Auf der Achse Berlin-Erfurt-München
hat sich die Reisenden-Nachfrage nach Auskunft der DB AG mehr als
verdoppelt, so dass das Angebot an Fernverkehrszügen sukzessive ausgeweitet wurde
(z. B. seit Dezember 2022 sechs Mal pro Tag/Richtung Sprinter Berlin-
München via Erfurt; Einsatz neuer ICE 4; neue Verbindung Berlin-Wien via Erfurt).
Die Fernverkehrslinie Dresden–Leipzig–Erfurt–Gotha–Eisenach–Frankfurt
(Main)–Wiesbaden (L50) verbindet seit knapp 20 Jahren die Landeshauptstädte
Erfurt, Dresden und Wiesbaden sowie die Wirtschaftsmetropolen Frankfurt
(Main) und Leipzig im 2-Stundentakt.
Seit Dezember 2018 verkehren zwei bis drei Intercity-Zugpaare nahezu täglich
zwischen Gera–Kassel–Rhein/Ruhr. Für die avisierte Verlängerung der
Intercity-Züge auf dieser Linie bis nach Chemnitz ist zunächst die Fertigstellung der
Elektrifizierung im Streckenabschnitt Weimar–Gößnitz (Ziel: Dezember 2028)
erforderlich.
Auf der Linie Leipzig–Jena–Nürnberg(-Karlsruhe) verkehrt nach Auskunft der
DB AG seit Dezember 2017 ein Intercity-Zugpaar (IC-Linie 61) täglich mit
Halt in Saalfeld (Saale), Jena (Göschwitz und Paradies), ab Dezember 2023
sind vier weitere Intercity 2-Doppelstockzüge pro Tag/Richtung im
Zweistundentakt geplant.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 16 verwiesen.
Tabelle 1: Entwicklung Streckenkilometer und Angebot DB Fernverkehr AG in
Thüringen (Ist-Zahlen)
2005 2010 2020 2022
Überfahrene
Streckenkilometer
237 319 494 554
Zugkilometer (in Mio.) 2,98 3,2 3,69 4,25
Platzkilometer (in Mio.) 1312,9 1260,9 2061,4 2620,4
Tabelle 2: Entwicklung bedienter Halte DB Fernverkehr AG in Thüringen (Ist-
Zahlen; Mittlere Anzahl Halte [Start-, Ziel- oder Zwischenhalt])
2005 2010 2020 2022
Anzahl an den
Fernverkehr angeschlossener
Bahnstationen
8 10 14 12
Bahnstation Mittlere Anzahl täglicher Zughalte (gerundet)
Erfurt Hbf 51 47 86 102
Eisenach 51 43 39 42
Gotha 24 30 26 28
Weimar 42 44 7 6
Jena Paradies 17 29 4 5
Saalfeld (Saale) 17 18 3 3
Jena Göschwitz <1 0 8 8
Jena West 0 0 5 4
Stadtroda 0 0 5 4
Hermsdorf-Klosterlausnitz 0 0 5 4
Gera Hbf 0 0 5 4
Apolda 3 1 1 1
Nordhausen 0 <1 <1 0
Leinefelde 0 <1 <1 0
Heiligenstadt (Eichsfeld) 0 <1 0 0
3. Wie viele Streckenkilometer Bahnstrecke sind in Thüringen 2020, 2021
und 2022 zum Netz hinzugekommen (bitte einzelne Streckenabschnitte
mit Kilometeranzahl angeben)?
a) Wie viele davon wurden neu gebaut?
Die Fragen 3 und 3a werden gemeinsam beantwortet.
Nach Auskunft der DB AG wurden in den Jahren 2020 bis 2022 in Thüringen
keine Streckenkilometer neu gebaut.
b) Wie viele davon wurden reaktiviert?
Nach Auskunft der DB AG wurde die Strecke Vacha–Unterbreizbach (fünf km)
für den Schienengüterverkehr im Mai 2021 reaktiviert. Eigentümer und
Betreiber ist RbT (Regiobahn Thüringen GmbH).
c) Auf wie vielen Streckenkilometern in Thüringen wurde der SPNV
seit 1990 nach Kenntnis der Bundesregierung ausgeweitet (bitte je
Streckenabschnitt nach neuen Angeboten und/oder Ausweitung des
SPNV mit Angabe des Zeitpunktes der Veränderung differenzieren)?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Informationen vor.
Des Weiteren wird auf die Antwort zu Frage 2c verwiesen.
4. Wie viele Bahnstationen existieren in Thüringen insgesamt (bitte nach
Kategorien aufschlüsseln)?
Nach Auskunft der DB AG betreibt die DB Station&Service AG in Thüringen
280 Verkehrsstationen. Mit der Einführung von Preisklassen wurde das
bisherige Kategoriesystem abgelöst. Die Zuordnung nach dem Preisklassensystem
(ehemals Kategoriesystem) erfolgt für jeden Bahnhof nach einer festgelegten
Kategorisierungslogik in eine von sieben Preisklassen (ehemals Kategorien).
Eine Aufschlüsselung nach Preisklassen ist folgender Tabelle zu entnehmen.
Preisklasse
(ehemals Kategorie) Anzahl Verkehrsstationen
1 0
2 2
3 10
4 10
5 15
6 141
7 102
Quelle: DB AG, Stand Dezember 2022.
a) An wie vielen davon ist nach Kenntnis der Bundesregierung ein
kostenfreier Zugang zu öffentlichen Toiletten möglich?
Nach Auskunft der DB AG werden an den Bahnhöfen je nach
Reisendenaufkommen und den örtlichen Verhältnissen der Station Toiletten angeboten. Die
DB AG betreibt an fünf Standorten öffentliche WC-Anlagen in
Empfangsgebäuden, die sich im Besitz der DB Station&Service AG befinden. Diese sind in
der Regel – ähnlich wie öffentliche Toiletten Dritter – nicht kostenfrei. Auch an
kleinen Stationen ist die DB AG bestrebt, zusammen mit der jeweiligen
Kommune kundengerechte Lösungen herzustellen. Diese sind häufig zum Schutz
vor Vandalismus gegen eine Nutzungsgebühr zugänglich. Die Zuständigkeit
liegt bei der kommunalen Ebene, eine vollständige Datengrundlage zu
kostenfreien Toilettenanlagen liegt daher nicht vor.
b) An wie vielen davon sind nach Kenntnis der Bundesregierung
Bahnhofgaststätten in Betrieb?
Nach Auskunft der DB AG wurden Bahnhofsgaststätten im klassischen Sinne
mittlerweile durch andere Gastronomie- bzw. Imbisskonzepte und
Handelseinrichtungen abgelöst. Hierzu gehören u. a. Bäcker, Convenience Stores, Presse
und Buchläden usw. Im Freistaat Thüringen gibt es 29 Gastronomien bzw.
gastronomieähnliche Betriebe in den Bahnhöfen der DB Station&Service AG.
Die Auswertung enthält ausschließlich Gastronomien bzw.
gastronomieähnliche Betriebe in Empfangsgebäuden, die durch die DB Station&Service AG
betrieben werden.
c) An wie vielen davon gibt es einen Fahrkartenverkauf durch
Automaten bzw. Personal?
Nach Auskunft der DB AG sind in Thüringen 67 Ticketautomaten und vier
Videoreisezentren im Einsatz.
d) Wie viele davon sind vollständig barrierefrei?
Nach Auskunft der DB AG sind in Thüringen 210 von 280 der
Verkehrsstationen stufenfrei erreichbar.
Die DB Station&Service AG hat das Bewertungssystem „weitreichende
Barrierefreiheit“ für bestehende Personenbahnhöfe entwickelt. Aus der EU-
Verordnung „TSI PRM“ (Technische Spezifikation für Interoperabilität bezüglich der
Zugänglichkeit des Eisenbahnsystems der Union für Menschen mit
Behinderungen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität) wurden verschiedene
mobilitätseingeschränkte Kundengruppen und Ausstattungsmerkmale abgeleitet,
die für die barrierefreie Zugänglichkeit zu den Personenbahnhöfen notwendig
sind.
Beispiele für Merkmale der weitreichenden Barrierefreiheit sind die
Ausstattung mit Zugzielanzeigern oder dynamischen Schriftanzeigern (279 von
280 Verkehrsstationen in Thüringen), dynamische Schriftanzeiger mit
Akustikmodul oder Lautsprecheranlagen (274 von 280 Verkehrsstationen in
Thüringen) oder eine kontrastreiche Wegeleitung und Beschilderung (245 von
280 Verkehrsstationen in Thüringen).
Mit dem Datenstand vom Dezember 2022 sind im Freistaat Thüringen von den
280 Stationen 81 Stationen weitreichend barrierefrei.
e) An wie vielen davon sind direkte Umstiege zu Bus oder Tram
möglich?
Dazu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Zuständig für den
ÖPNV, einschließlich der Ausgestaltung des SPNV, sind die Länder (und
Kommunen) bzw. die von ihnen benannten Aufgabenträger.
f) Wie viele davon verfügen nach Kenntnis der Bundesregierung über
Fahrradabstellanlagen (bitte einzeln nach überdacht und nicht
überdacht aufschlüsseln)?
Für die Radverkehrsinfrastruktur vor Ort, d. h. deren Planung, Bau und
Unterhaltung, sind – mit Ausnahme der Radwege an Bundesstraßen – die Länder und
Kommunen zuständig. Daher liegen der Bundesregierung hierzu keine
vollständigen Daten vor.
g) Wie viele davon verfügen nach Kenntnis der Bundesregierung über
Fahrradverleihangebote?
Der Bundesregierung liegen hierzu keine Zahlen dazu vor.
5. Wurden seit 1990 Bahnstationen in Thüringen stillgelegt (bitte ggf.
einzeln mit Datum der Stilllegung nennen)?
Wie viele Bahnstationen in Thüringen hatten Anschluss an den Bahn-
Fernverkehr (bitte jede Bahnstation mit Fernverkehr für die Jahre 1990,
2000, 2010 und 2020 mit den jeweiligen täglichen Zugpaaren im
Fernverkehr angeben)?
Nach Auskunft der DB AG liegen der DB Station&Service AG systemisch
bedingt nur Daten seit 2008 vor. Im Zeitraum von 2008 bis 2015 wurden in
Abstimmung mit dem SPNV-Aufgabenträger 168 Verkehrsstationen stillgelegt.
Ab dem Jahr 2016 bis heute gab es keine weiteren Stilllegungen.
Darüber hinaus wird auf die Antwort zu den Fragen 2d und 3d verwiesen.
6. Wie hat sich der Anteil der barrierefreien Bahnstationen in Thüringen
seit 2013 verändert (bitte für jedes Jahr mit beliebigem Stichtag angeben:
Gesamtzahl; Anzahl, die alle verfügbaren Kriterien der „Weitreichenden
Barrierefreiheit“ erfüllt; sowie Anzahl, die den Anforderungen der EU-
Verordnung „TSI PRM“ genügt)?
Nach Auskunft der DB AG ist eine Beantwortung der Frage erst ab dem Jahr
2017 möglich, da die relevanten Daten vor diesem Zeitpunkt nicht systemisch
erfasst worden sind. Die Daten können der nachfolgenden Tabelle entnommen
werden. Darüber hinaus wird auf die Antwort zu Frage 4d verwiesen.
Jahr Anzahlaktive Personenbahnhöfe
Anzahl
weitreichend barrierefrei
2017 280 54
2018 280 64
2019 280 64
2020 280 64
2021 280 75
2022 280 81
Quelle: DB AG.
7. Welche Investitionsmittel des Bundes wurden in den letzten fünf Jahren
für barrierefreie Bahnstationen in Thüringen bereitgestellt, und wie viel
davon wurde investiert (bitte nach Jahren aufschlüsseln)?
In den vergangenen Jahren wurden rund 28 Mio. Euro in Projekte zur
barrierefreien Modernisierung (z. B. Aufzüge und Rampen) von Verkehrsstationen in
Thüringen investiert.
Jahr Investitionssumme(gerundet in Mio. €)
2017 4
2018 5
2019 9
2020 5
2021 5
Quelle: DB AG.
8. Wie viele Kilometer Schiene waren 1990 in Thüringen elektrifiziert?
Wie viele Streckenkilometer wurden bis 2000, 2010 und 2020 in
Thüringen elektrifiziert (bitte einzelne Streckenabschnitte mit Länge angeben)?
Nach Auskunft der DB AG liegen für das Jahr 1990 keine Daten zum
Elektrifizierungsgrad des Streckennetzes für den Freistaat Thüringen vor. Bis zum Jahr
2000 wurden insgesamt rund 314 Streckenkilometer in Thüringen elektrifiziert.
In den Jahren 2015 und 2017 kamen mit den beiden Streckenabschnitten der
VDE 8 noch einmal 112 km elektrifizierte Neubaustrecke hinzu, die den Anteil
des elektrischen Streckennetzes weiter erhöht haben.
Elektrifizierungen von Strecken in Thüringen seit 1990
Strecke Kilometer Jahr
Arenshausen–Leinefelde–Sangerhausen–Lu-Eisleben 86,4 1993
Wartha–Eisenach–Neudietendorf 70,4 1995
Erfurt–Sangerhausen 60,6 1997
Camburg–Jena–Saalfeld 66,7 1995
Saalfeld–Probstzella 25 1995
Bernterode West–Deuna DB-Grenze 3 1993
Sonneberg–Landesgrenze Neustadt (bei Coburg) 2 1991
Quelle: DB AG.
9. Wie viele Kilometer Bundesschienenwege sind seit 2018 in Thüringen
hinsichtlich der Zahl der Gleise erweitert worden bzw. diesbezüglich in
Bau (bitte Abschnitte mit Länge einzeln angeben)?
Nach Auskunft der DB AG gab es in den Jahren 2018 bis 2022 keine
Gleiserweiterungen im Land Thüringen. Die letzte Erweiterung des Streckennetzes
in Thüringen erfolgte mit der Inbetriebnahme der VDE 8.1 (Ebensfeld–Erfurt)
im Dezember 2017. Aktuell befinden sich keine entsprechenden Maßnahmen
im Bau. Ergänzend wird auf die Antwort zu Frage 13 verwiesen.
10. Welche Projekte sind nach Kenntnis der Bundesregierung für Thüringen
geplant, bei denen Mittel nach Gemeindefinanzierungsgesetz genutzt
werden sollen (bitte Projekte, Planungsstand und geplante Umsetzung
angeben)?
Folgende Vorhaben sind vom Freistaat Thüringen zum aktuellen
Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (GVFG)-Bundesprogramm 2022 bis 2026
angemeldet:
– Gera, Stadtbahn 1. und 2. Bauabschnitt, Baubeginn 2002, Restabwicklung,
– Jena, Linie 1, Baubeginn 2022,
– Erfurt, Stadtbahnlinie 9 Nord, Baubeginn geplant 2026,
– Mitte-Deutschland-Verbindung (MDV), kapazitätserhöhende SPNV-
Maßnahmen, Baubeginn geplant 2026.
11. Welche Reaktivierungen von Strecken und Bahnstationen sind nach
Kenntnis der Bundesregierung in Thüringen geplant, und wie ist jeweils
der Stand?
Nach Auskunft der DB AG sind aktuell keine Neubauten von
Verkehrsstationen in Thüringen vorgesehen.
Das Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft hat eine
Konzeptstudie „Reaktivierungen von Eisenbahnstrecken in Thüringen“ beauftragt,
deren Ergebnisse im Herbst 2023 vorliegen sollen.
12. Welche Elektrifizierungen sind in Thüringen geplant, und wie ist jeweils
der Stand?
Die Elektrifizierung der Strecken Gotha–Leinefelde und Weimar–Gera–
Gößnitz sind Bestandteil des Bedarfsplans der Bundesschienenwege. Im Ergebnis
der volkswirtschaftlichen Bewertung des potenziellen Bedarfs des Bedarfsplans
für die Bundesschienenwege konnten beide Vorhaben aus dem potenziellen
Bedarf in den Abschnitt 2, Neue Vorhaben, Unterabschnitt 1, Vordringlicher
Bedarf (VB-E (in Fettdruck) u. VB) aufsteigen. Die Anpassung der Anlage 1 zu
§ 1 des Bundesschienenwegeausbaugesetzes (BSWAG) erfolgt im Rahmen des
Gesetzentwurfs zur Beschleunigung von Genehmigungsverfahren im
Verkehrsbereich. Für die ABS Gotha–Leinefelde wurde mit den Planungen noch nicht
begonnen. Die Planungen für die ABS Weimar–Gera–Gößnitz befinden sich in
der Entwurfs-/Genehmigungsplanung.
Darüber hinaus soll die Strecke Gerstungen–Heimboldshausen aus dem
Sonderprogramm Elektrische Güterbahn des Bundes elektrifiziert werden. Die
Planungen für die Elektrifizierung wurden Anfang des Jahres 2022 aufgenommen.
13. Welche Schienenprojekte in Thüringen sind im aktuellen
Bundesverkehrswegeplan und in den nachfolgenden Anpassungen enthalten, und
wie ist der aktuelle jeweilige Planungsstand?
Folgende Vorhaben sind im aktuellen Bundesverkehrswegeplan bzw. im
Anhang 1 (zu § 1 des BSWAG) enthalten:
Laufende und fest disponierte Vorhaben des Vordringlichen Bedarfs
Lfd. Nr. 9 ABS/NBS Nürnberg–Erfurt (in Betrieb),
Lfd. Nr. 10 NBS/ABS Erfurt–Leipzig/Halle (in Betrieb),
Lfd. Nr. 12 ABS Paderborn–Bebra–Erfurt–Weimar–Jena–Glauchau–
Chemnitz (1. und 2. Baustufe) (in Betrieb),
Lfd. Nr. 13 ABS Karlsruhe–Stuttgart–Nürnberg–Leipzig/Dresden
(Bauphase),
Lfd. Nr. 26 Knoten Erfurt (in Betrieb).
Neue Vorhaben des Vordringlichen Bedarfs
Lfd. Nr. 2 ABS/NBS Hanau–Würzburg/Fulda–Erfurt (teilweise in Betrieb,
Vorplanung),
Lfd. Nr. 27 Kombinierter Verkehr (Umschlagbahnhof Erfurt) (Entwurfs-/
Genehmigungsplanung).
Vorhaben des potenziellen Bedarfs mit Aufnahme in den Vordringlichen Bedarf
Lfd. Nr. 4 ABS/NBS Nürnberg–Erfurt (VDE 8.1) (Maßnahmen zur
Geschwindigkeitserhöhung im Knoten Erfurt) (Vorplanung),
Lfd. Nr. 13 ABS Gotha–Leinefelde (kein Planungsbeginn),
Lfd. Nr. 20 ABS Weimar–Gera–Gößnitz (Entwurfs-/Genehmigungsplanung).
14. Wie viele GVFG-Haushaltsmittel (GVFG =
Gemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz) sind ggf. bisher für die Reaktivierung stillgelegter
Schienenstrecken in Thüringen beantragt und ausgegeben worden?
Bisher sind keine GVFG-Bundesmittel für die Reaktivierung stillgelegter
Schienenstrecken in Thüringen beantragt worden.
15. Welche Gespräche hat es ggf. seit 2020 zwischen der Bundesregierung
und den dem Bund nachgeordneten Behörden und der thüringischen
Landesregierung hinsichtlich der Reaktivierung von Bahnstrecken gegeben,
und welche Vereinbarungen wurden bei diesen Unterredungen getroffen
(bitte einzeln unter Angabe von Datum, Inhalten, Gesprächspartnerinnen
und Gesprächspartnern und Ergebnissen auflisten)?
Dazu liegen der Bundesregierung keine Informationen vor. Zuständig für den
ÖPNV, einschließlich der Ausgestaltung des SPNV, sind die Länder (und
Kommunen) bzw. die von ihnen benannten Aufgabenträger.
16. Welche Bahnstationen in Thüringen sollen in den nächsten fünf Jahren
neu bzw. wieder an den Fernverkehr angeschlossen werden?
Bei welchen Bahnstationen soll das Angebot an Fernverkehr ausgebaut
werden (bitte die täglichen Zugpaare angeben)
Nach Auskunft der DB AG werden ab 10. Dezember 2023 fünf Mal täglich IC2
zwischen Leipzig–Jena–Nürnberg–Stuttgart–Karlsruhe (L61) verkehren (also
vier zusätzliche Züge je Richtung). Rudolstadt wird dabei neuer
Fernverkehrshalt. Weitere Ausweitungen im Fernverkehr für Thüringen werden derzeit
geprüft.
17. Welche Bundesmittel für Verkehrsinvestitionen sind in den Jahren 2020,
2021 und 2022 nach Thüringen geflossen (bitte getrennt nach Schienen,
Straßen und Wasserstraßen und nach Jahren aufgeschlüsselt angeben)?
Investitionen im Bereich Schiene in Thüringen.
Investitionen aus dem Bundeshaushalt (BHH-Mittel) und aus Leistungs- und Finanzierungsvereinbarung
(LuFV) 2020 bis 2022
Werte in Mio. Euro Ist 2020 Ist 2021 Ist 2022
Berichtsperiode 14.2020 14.2021 14.2022
Bund 36 54 78
LuFV 112 122 104
Summe 148 176 182
Quelle: DB AG.
Die folgende Tabelle enthält die Investitionen in Mio. Euro in die
Bundesfernstraßen in Thüringen in den Jahren 2020 bis 2022
2020 2021 2022
Ist Ist Ist
194,6 168,2 206,5
Für Bundeswasserstraßen in Thüringen erfolgten in den Jahren 2020 bis 2022
keine Investitionen.
18. In welchem Umfang musste der Freistaat Thüringen nach Kenntnis der
Bundesregierung nach der Inbetriebnahme des Verkehrsprojekts
Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8) Regionalverkehr bestellen, um die
vormaligen Fernverkehrshalte an das verbleibende Fernverkehrsnetz
anzubinden?
Hat der Freistaat Thüringen für diese Verkehre zusätzliche
Regionalisierungsmittel erhalten, und wenn ja, in welcher Höhe?
Zuständig für den ÖPNV sind die Länder (und Kommunen) bzw. die von ihnen
benannten Aufgabenträger. Dies umfasst Planung, Organisation und
Finanzierung des ÖPNV und beinhaltet auch die Ausgestaltung des SPNV. Der Bund
unterstützt die Länder bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben vielfältig in
finanzieller Hinsicht, insbesondere über das Regionalisierungsgesetz (RegG). Die
Höhe der Regionalisierungsmittel an die einzelnen Länder ist gesetzlich im
RegG festgelegt. Der Freistaat Thüringen erhält für das Jahr 2023 rund
383,6 Mio. Euro Regionalisierungsmittel.
Nach § 6 Absatz 1 RegG sind die Regionalisierungsmittel für den ÖPNV
insbesondere aber für den SPNV zu verwenden. Diese Mittel können sowohl für die
Bestellung von Verkehrsleistungen als auch für Investitionen und weitere
Maßnahmen im ÖPNV eingesetzt werden. Über die Verwendung der Mittel
entscheiden die Länder eigenverantwortlich. Der Bund ist in die Gestaltung des
Angebots und die Abwicklung der Verkehre vor Ort nicht eingebunden und
zahlt daher für einzelne Verkehrsprojekte keine zusätzlichen
Regionalisierungsmittel an die Länder aus.
19. Mit welchen konkreten Mitteln will die Bundesregierung das im
Koalitionsvertrag verankerte Ziel, mehr Oberzentren an den Fernverkehr
anzubinden, erreichen?
Mit dem Deutschlandtakt als Gesamtverkehrskonzept für die Schiene hat der
Bund bereits wichtige Weichen für die Anbindung von Oberzentren an den
Schienenpersonenfernverkehr gestellt. So sieht der Zielfahrplan für den
Deutschlandtakt als strategisches Instrument der Infrastrukturentwicklung mehr
Kapazität für überregionale Verbindungen und mögliche Durchbindungen im
Fernverkehr in der Fläche vor. Dies ist ein erster entscheidender Schritt, um
über die Infrastruktur attraktive Verkehrspotenziale im Zukunftskonzept für die
Schiene abzubilden: Nah- und Fernverkehr werden gut miteinander verknüpft,
Reisezeiten sinken insgesamt und Fahrgäste erhalten ein Mehr an
Reisemöglichkeiten.
Der Zielfahrplan für den Deutschlandtakt wird parallel zur gesetzlich
festgelegten regelmäßigen Überprüfung der Bedarfspläne fortgeschrieben und an die
neue strategische Langfristverkehrsprognose 2040 angepasst. In diesem
Rahmen wird auch die bessere Anbindung von Oberzentren an den Fernverkehr
geprüft. Die Fortschreibung des Zielfahrplans Deutschlandtakt wurde eingeleitet.
Alle Stakeholder werden erneut eng in den Prozess eingebunden. Der
fortgeschriebene Zielfahrplan soll noch in dieser 20. Legislaturperiode vorliegen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
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ISSN 0722-8333]