Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 20/10658 –
Kürzung der Fördermittel in der Batterieforschung
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Bundesverfassungsgericht hat am 15. November 2023 entschieden, dass
das Zweite Nachtragshaushaltsgesetz 2021 mit der Schuldenregel in
Artikel 109 Absatz 3 des Grundgesetzes sowie mit den Artikeln 110 Absatz 2 und
115 Absatz 2 des Grundgesetzes unvereinbar und damit nichtig ist (
www.bund
esverfassungsgericht.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2023/bvg23-10
1.html).
Aufgrund dieser höchstrichterlich festgestellten Verfassungswidrigkeit des
von der Koalition der Fraktionen von SPD, Bündnis 90/Die Grünen und FDP
aufgestellten Bundeshaushaltes 2023 wurde die Bundesregierung dazu
verpflichtet, mit einem Nachtragshaushalt für einen verfassungskonformen
Bundeshaushalt 2023 zu sorgen sowie einen ebenso verfassungsgemäßen
Bundeshaushalt 2024 aufzustellen. Unter Missbilligung der Fraktion der CDU/CSU
hat sich die Bundesregierung im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel
dazu entschieden, den politischen Schwerpunkt auf konsumtive Ausgaben zu
legen und investive Ausgaben in erheblicher Größenordnung zu kürzen.
Davon ist die Förderung der Batterietechnologie erheblich betroffen.
Die Batterieforschung wurde in den vergangenen 20 Jahren massiv ausgebaut,
oder wie es führende Wissenschaftler wie Prof. Dr. Martin Winter, Vorstand
des Kompetenznetzwerkes Lithium-Ionen-Batterien e. V. (KLiB), formulierte:
„Wir haben sozusagen in der Landesliga angefangen und können nun in der
Champions League konkurrieren“ (
www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehm
en/bundeshaushalt-2024-neue-huerden-fuer-den-e-antrieb-19455428.html).
In den vergangenen Jahren haben sich u. a. wegen dieser starken Kompetenz
im Bereich der Batterieforschung zahlreiche Unternehmen in Deutschland
angesiedelt. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat in
einem weiterentwickelten Dachkonzept Batteriezelle im Februar 2023
festgehalten: „Für das BMBF stellt die Batterie eine Schlüsseltechnologie im
eigentlichen Sinne dar.“ Das strategische Ziel des BMBF wurde wie folgt gesetzt:
„Das BMBF strebt eine möglichst vollständige Abdeckung der
Wertschöpfungskette Batterie am Standort Deutschland sowie europaweit als zirkuläres
Modell an. Durch die Erleichterung der Überführung von
Forschungsergebnissen in die industrielle Anwendung sollen Wertschöpfung gelingen und
Arbeitsplätze geschaffen und gesichert werden.“ Ferner hielt das BMBF fest:
„Eine zielführende, langfristige und dennoch flexible Förderung von Schlüs-
Deutscher Bundestag Drucksache 20/10897
20. Wahlperiode 28.03.2024
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Bildung und Forschung
vom 28. März 2024 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
seltechnologien ist aus Sicht des BMBF erforderlich, um langfristig
technologisch souverän agieren zu können.“ (
www.bmbf.de/bmbf/shareddocs/downloa
ds/files/bmbf-dachkonzept-batterieforschung-2023.pdf?__blob=publicationFil
e&v=6, S. 4 f.).
Aus Sicht der Fragesteller nicht nur hierzu im Widerspruch, sondern auch zu
dem gegebenen Versprechen in dem Koalitionsvertrag zwischen SPD, BÜND-
NIS 90/DIE GRÜNEN und FDP (S. 22), „dass Deutschland zu einem Zentrum
für Forschung, Fertigung und Recycling von Batteriezellen werden“ soll, hat
die Bundesregierung einerseits den staatlichen Umweltbonus für E-Autos am
17. Dezember 2023 abrupt auslaufen lassen (
www.adac.de/rund-ums-fahrzeu
g/elektromobilitaet/kaufen/foerderung-elektroautos/) und andererseits im
Januar 2024 abrupt die Förderung der Batterieforschung nahezu vollständig
zusammengekürzt.
Diese Kürzungen der Bundesregierung stießen auf öffentliche Kritik:
Hildegard Müller, Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie e. V.:
„Es wäre daher ein folgenreicher Fehler, wenn die Fördergelder für die
Batteriezellforschung gestrichen werden sollten. Damit verbunden wäre das Aus
von aussichtsreichen Leuchtturmprojekten, die für die Zukunft deutscher
Batteriezellfertigung – und damit auch für die deutsche Automobilindustrie – von
zentraler Bedeutung sind.“ (
www.faz.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/bund
eshaushalt-2024-neue-huerden-fuer-den-e-antrieb-19455428.html).
Dr. Ulrich Ehmes, CEO von Theion: „Es ist für uns unverständlich, wie eine
Regierung so unstrategisch und ignorant bei einer Zukunftstechnologie und
einem für die Energiewende so wichtigen Thema vorgehen kann.“ (
www.fa
z.net/aktuell/wirtschaft/unternehmen/bundeshaushalt-2024-neue-huerden-fuer-
den-e-antrieb-19455428.html).
Prof. Dr. Martin Winter, Vorstand des KLiB: „Diese Kürzung ist wirklich eine
Maßnahme, um die Batterieforschung in Deutschland zu beenden. Die
Beschränkung der Mittel wird dazu führen, dass wir überall in Deutschland
Stellen abbauen werden – auch in NRW und auch Münster.“ (rp-online.de/nrw/lan
despolitik/angst-um-die-deutsche-batterieforschung-konsequenzen-sind-fatal_
aid-107013487).
1. Welche Bedeutung hat aus Sicht der Bundesregierung und vor dem
Hintergrund der umfangreichen Unterstützung des Bundes bei der
Ansiedlung von Fertigungen die aktuelle Förderung der Batterieforschung des
Bundes für die langfristige Etablierung einer wettbewerbsfähigen
Batterieproduktion in Deutschland?
Übergeordnetes Ziel der Batterieforschungsförderung des Bundesministeriums
für Bildung und Forschung (BMBF) ist der Aufbau einer technologisch
souveränen, wettbewerbsfähigen und nachhaltigen Batteriewertschöpfungskette für
Deutschland und Europa. Das Dachkonzept Batterieforschung bildet basierend
auf der Zukunftsstrategie Forschung und Innovation den strategischen und
förderpolitischen Rahmen, um die in Deutschland vorhandenen Batteriezentren,
-kompetenzen und Clusterstrukturen sowie neue Forschungs- und
Förderansätze auf eine effiziente und zukunftsgewandte Innovationspipeline auszurichten.
Die Batterieforschungsförderung des BMBF zielt in enger Abstimmung mit
dem Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) auf den
Transfer neuer Ideen aus der Wissenschaft in die Anwendung. Dazu werden
insbesondere die Förderung der Forschung und Entwicklung von den
Grundlagen bis hin zu mittleren technologischen Reifegraden forciert, die gezielte
Förderung von Kooperationen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft gefördert,
die Ausbildung von wissenschaftlichen und technischen Fachkräften gestärkt,
kleine und mittlere Unternehmen inklusive Start-ups berücksichtigt, die
Vernetzung der wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Stakeholder des
Innovationsökosystems ausgebaut und neue internationale Kooperationen angestrebt.
Vor diesem Hintergrund trägt die Batterieforschungsförderung des BMBF zu
einem international wettbewerbsfähigen Batterieökosystem bei, welches als
Standortfaktor die Etablierung einer wettbewerbsfähigen Batterieproduktion
katalysieren soll.
2. Wie haben sich die Ausgaben bzw. Haushaltsansätze für die
Batterieforschung seit dem Jahr 2009 im Bundeshaushalt entwickelt (bitte grafisch
und tabellarisch darstellen sowie nach Ressorts aufgliedern)?
Unter „Batterieforschung“ wird hier die Beforschung von Batteriezellen bzw.
deren Komponenten gemäß der Zuständigkeit des BMBF verstanden. Die
Batterieforschung war initial Bestandteil der Materialforschungsförderung des
BMBF. Ab dem Jahr 2019 wurden im Einzelplan 30 gesonderte
Haushaltsansätze für die Batterieforschung ausgewiesen. Aus dem Einzelplan 30 wird der
Aufbau der Forschungsfertigung Batteriezelle in Münster finanziert.
Ressort Kapitel/Titel
Ist 2018
in 1.000
Euro
Ist 2019
in 1.000
Euro
Ist 2020
in 1.000
Euro
Ist 2021
in 1.000
Euro
Ist 2022
in 1.000
Euro
Ist 2023
in 1.000
Euro
Soll 2024
in 1.000
Euro
BMBF
6092/683 04 (KTF,
Anteil Batterieforschung
BMBF)
79.440 83.300 90.292 111.264 124.592 145.254 155.345
3004/683 26
(Anteil Batterieforschung
BMBF, Aufbau
Forschungsfertigung
Batteriezelle in Münster)
0 3.054 11.341 14.358 84.390 69.681 53.550
3. Wie haben sich die Ausgaben für Forschung und Entwicklung in der
Batterietechnologieentwicklung seit 2009 in Deutschland entwickelt?
Unter „Batterietechnologieentwicklung“ wird hier anwendungsorientierte
Forschung und Entwicklung von Batteriezelle und Batterie mit Systembezug und
Fertigung (Technologie-Reifegrad größer drei) gemäß der Zuständigkeit des
BMWK verstanden. In diesem Förderbereich hat das BMWK in der
Projektförderung seit dem Jahr 2009 Ausgaben in folgender Höhe geleistet.
Ressort Kapitel/
Titel
Ist 2009
in 1.000
Euro
Ist 2010
in 1.000
Euro
Ist 2011
in 1.000
Euro
Ist 2012
in 1.000
Euro
Ist 2013
in 1.000
Euro
Ist 2014
in 1.000
Euro
Ist 2015
in 1.000
Euro
Ist 2016
in 1.000
Euro
BMWK 6092
683 04
0 0 603 6.878 9.412 8.743 11.844 12.866
0903
683 01
6.623 11.743 9.631 8.944 12.378 7.861 5.313 6.228
6092
893 04
0 0 0 0 0 0 0 0
Ressort Kapitel/
Titel
Ist 2017
in 1.000
Euro
Ist 2018
in 1.000
Euro
Ist 2019
in 1.000
Euro
Ist 2020
in 1.000
Euro
Ist 2021
in 1.000
Euro
Ist 2022
in 1.000
Euro
Ist 2023
in 1.000
Euro
Soll 2024
in 1.000
Euro
BMWK 6092
683 04
13.974 13.892 13.735 14.060 14.729 13.600 12.250 13.132
0903
683 01
8.846 10.727 12.007 15.365 18.979 11.993 8.971 6.563
6092
893 04
0 0 0 0 0 3.242 21.737 63.297
4. Wie haben sich nach Kenntnis der Bundesregierung die privaten
Investitionen in den Aufbau von Produktionskapazität im Bereich der
Batterietechnologie in Deutschland seit dem Jahr 2017 entwickelt (bitte grafisch
sowie tabellarisch darstellen)?
In der Europäischen Union (EU) brachten die von der Bundesregierung
geförderten „Wichtigen Vorhaben gemeinsamen europäischen Interesses (IPCEI –
„Important Project of Common European Interest“) im Bereich Batterie ab dem
Jahr 2019 zusätzlich zu den in den IPCEIs geleisteten öffentlichen Investitionen
über Europa verteilt etwa 14 Mrd. Euro an angekündigten privaten
Investitionen im Zeitraum bis zum Jahr 2030 mit sich. Die insgesamt (d. h. in den
IPCEIs und außerhalb der IPCEIs) bislang angekündigten Gesamtinvestitionen
in das Batterieökosystem der EU werden von Branchenexperten auf > 100 Mrd.
Euro geschätzt und diese fließen in > 150 Industrieprojekte entlang der
Batteriewertschöpfungskette. Allerdings schätzt die Bundesregierung nicht alle diese
europaweit angekündigten Vorhaben als wirtschaftlich tragfähig ein, manche
sind bislang reine Absichtsbekundungen. Die auf Deutschland entfallende
Gesamtinvestitionssumme in den reiferen Vorhaben beträgt ca. 18,5 Mrd. Euro.
Einen exakten grafischen Verlauf darzustellen, ist nicht möglich. Der Markt ist
insgesamt sehr dynamisch. So werden viele von Unternehmen veröffentliche
Investitionsankündigen im Laufe der Zeit angepasst.
5. In welchem Verhältnis stehen nach Kenntnis der Bundesregierung die
Forschungsausgaben von Wirtschaft und Industrie zu den öffentlichen
Forschungsausgaben?
Der Bundesregierung liegen keine abschließenden Informationen über die Höhe
der Forschungsausgaben von Wirtschaft und Industrie im relevanten
Themenfeld vor.
Die jährlichen öffentlichen Investitionen in Forschung und Entwicklung im
Bereich der Batteriewertschöpfungskette in der EU stiegen von 60 bis 70 Mio.
Euro vor dem Jahr 2019 auf fast 300 Mio. Euro im Jahr 2021.
6. Wie hat sich die Zahl an wissenschaftlichen Publikationen aus
Deutschland im Bereich der Batterietechnologie seit 2009 entwickelt?
Die Bundesregierung informiert sich im Rahmen ihrer Aufgabenwahrnehmung
aus unterschiedlichsten Quellen. Dazu zählen unter anderem Positionspapiere,
Studien und Berichte. Gemäß einer Erhebung des vom BMBF geförderten
Fraunhofer-Institutes für System- und Innovationsforschung (Fh-ISI), die in die
BMBF-Broschüre „Batterieforschung in Deutschland – Materialien, Prozesse,
Zellfertigung“ eingeflossen ist, lag der durchschnittliche globale
Publikationsanteil Deutschlands mit Bezug auf Batterietechnologien zwischen den Jahren
2001 und 2010 durchschnittlich bei ca. 4,6 Prozent. Dieser Anteil stieg in den
Jahren 2011 bis 2020 auf ca. 5,6 Prozent. Laut der genannten Erhebung hat sich
die Anzahl deutscher Publikationen in den letzten zehn Jahren verfünffacht und
die Anzahl der globalen Publikationen vervierfacht. Beispielsweise belegt
Deutschland im Bereich der Festkörperbatterien, Natrium-Schwefel-Batterien
und Aluminium-Ionen-Batterien im globalen Publikationsranking aktuell Platz
vier.
7. Vertritt die Bundesregierung weiterhin die Auffassung, dass „die Batterie
eine Schlüsseltechnologie im eigentlichen Sinne“ darstellt, wenn ja,
warum, und wenn nein, warum nicht?
Mit der Zukunftsstrategie Forschung und Innovation hat die Bundesregierung
Ziele, Meilensteine und Prioritäten ihrer Forschungs- und Innovationspolitik
für die kommenden Jahre definiert. Die Rolle der Batterie als
Schlüsseltechnologie ist Teil der Zukunftsstrategie. Ein Ziel ist, in Deutschland eine
technologisch souveräne, nachhaltige Batteriewertschöpfungskette aufzubauen. Das
Dachkonzept Batterieforschung des BMBF steht damit im Einklang.
8. Vertritt die Bundesregierung weiterhin die Auffassung, dass
Batteriespeicher eine signifikante Rolle im zukünftigen Kraftwerkspark und in dem
Erhalt der gesicherten Leistung einnehmen, wenn ja, warum, und wenn
nein, warum nicht?
Im Monitoringbericht der Bundesnetzagentur zur Versorgungssicherheit mit
Strom wird regelmäßig die Rolle von Batteriespeichern zur Deckung der
Residuallast analysiert, insbesondere auch im Vergleich mit anderen steuerbaren
Leistungen. Im aktuellen Bericht von Anfang 2023 wird ein moderater
Zuwachs auf rund vier Gigawatt Großbatteriespeicher bis zum Jahr 2030
angenommen. Dies lässt die Schlussfolgerung zu, dass es im betrachteten Zeitraum
ausreichend andere steuerbare Leistung und Flexibilitätsoptionen gibt, um die
Versorgungssicherheit zu gewährleisten.
Langfristig erfordert die Integration der stark wachsenden Anteile der
Stromerzeugung aus Windenergie und Photovoltaik mehr Flexibilität im
Energiesystem. Neben der Bedeutung des europaweiten Netzausbaus und
Strombinnenmarkts zum grenzüberschreitenden Ausgleich von Erzeugungsspitzen und der
Flexibilität bei Verbrauchseinrichtungen wie z. B. Elektrofahrzeugen, wächst
damit auch der Bedarf an Energiespeichern (Strom, Wärme, Wasserstoff), zu
denen die Batteriespeicher zu zählen sind. Für das Energieversorgungssystem
geht es einerseits um die Energiespeicherfunktion, also die kurzfristigere
zeitliche Entkopplung von Erzeugung oder Verbrauch durch Batteriespeicher.
Andererseits werden Batteriespeicher auch zur Unterstützung der Stabilität der
Stromversorgung benötigt. Hierbei steht nicht die Speicherung von Strom im
Vordergrund, sondern die schnelle Reaktionsfähigkeit der Batteriespeicher, um
sehr kurzfristige Leistungsspitzen aufzunehmen oder abzugeben und die
Frequenz im Stromnetz zu stabilisieren.
9. Führt die Kürzung der Fördermittel im Bereich der Batterieforschung aus
Sicht der Bundesregierung zu einer verstärkten Abhängigkeit von
ausländischer Forschung und Produktion im Bereich fortschrittlicher
Batterietechnologie, wenn ja, welche Schlussfolgerung zieht die
Bundesregierung hieraus, und wenn nein, warum nicht?
Der Aufbau einer technologisch souveränen, nachhaltigen
Batteriewertschöpfungskette schließt Forschung und Produktion im Bereich fortschrittlicher
Batterietechnologien ein. Dahinter steht das Ziel der Bundesregierung,
Abhängigkeiten von ausländischen Akteuren zu verringern. Um die gesetzten Ziele zu
erreichen, ist in den kommenden Jahren eine auskömmliche Finanzierung der
Forschungsförderung notwendig, sodass die Batterietechnologie ihrer Rolle als
zentrale Transformations- und Schlüsseltechnologie gerecht werden kann.
Die Bundesregierung hat klargestellt, die Batterie als Schlüsseltechnologie
auch zukünftig zu fördern. Da der Haushalt 2025 Gegenstand laufender
Verhandlungen ist, kann gegenwärtig keine Aussage über die zukünftige Höhe der
Finanzierung der Batterieforschungsförderung getroffen werden.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 7 verwiesen.
10. Für welche deutschen Wirtschafts- und Industriebereiche nimmt die
Batterietechnologie nach Kenntnis der Bundesregierung eine herausragende
Bedeutung ein?
11. Welche Bedeutung haben nach Kenntnis der Bundesregierung
leistungsfähige Batterien für kleine und mittelständische Unternehmen (KMU) in
Deutschland?
Die Fragen 10 und 11 werden im Zusammenhang beantwortet.
Die Batterietechnologie nimmt mindestens für die Automobilindustrie eine
herausragende Bedeutung ein. Auch zur Befriedigung des wachsenden Bedarfs an
der Zwischenspeicherung elektrischer Energie im Stromnetz können
Batterietechnologien wichtige Rollen spielen.
In weiteren Branchen basieren laufende technische Entwicklungen
(insbesondere die der Dekarbonisierung Vorschub leistende Elektrifizierung) wesentlich
auf Batterietechnologie. Diese Sektoren sind bspw. Werkzeuge und
Gartengeräte („power tools“), industrielle Logistik, Medizintechnik,
Kommunikationstechnik und Unterhaltungselektronik. In einigen dieser Branchen sind zum Teil
oder vorwiegend kleine und mittelständische Unternehmen aktiv.
Batterietechnologien betreffen auch den in Deutschland traditionell starken und
international sichtbaren Maschinen- und Anlagenbau. Oft handelt es sich um
kleine und mittelständische Unternehmen. Diese und weitere Branchen
partizipieren beispielsweise im Gegensatz zu chinesischen Anbietern bisher kaum an
der Ausrüstung von Gigafactories und müssen in der Ära der Batterie neue
Geschäftsfelder entwickeln, teilweise auch bisherige Geschäftsfelder aufgeben,
um vom Wachstumsmarkt Batterie zu profitieren.
12. Wie viele Mittel stehen nach gegenwärtiger Planung der
Bundesregierung dem BMBF in den Jahren 2024 und 2025 für Neubewilligungen im
Bereich der Batterieforschung zur Verfügung (bitte nach Ressorts
aufgliedern)?
Ressort Kapitel/Titel
Für Neubewilligung verfügbare
Mittel 2024 in 1.000 Euro
(ohne Verpflichtungsermächtigungen)
BMBF 6092/683 04 (KTF, Anteil
Batterieforschung BMBF) 27.744
BMBF 3004/683 26 (Anteil
Batterieforschung BMBF) 2.416
Der Haushalt 2025 ist Gegenstand des laufenden Aufstellungsverfahrens, so
dass die Bundesregierung zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Angaben
machen kann.
13. In welcher Höhe wurden nach Kenntnis der Bundesregierung die
ursprünglich im Klima- und Transformationsfonds (KTF) vorgesehenen
Mittel für die Projektförderung im Bereich der Batterieforschung im
Bundeshaushalt 2023 und im Bundeshaushalt 2024 gekürzt (bitte
tabellarisch nach Haushaltsjahren sowie Barmitteln und
Verpflichtungsermächtigungen auflisten)?
Ressort Kapitel/Titel Haushaltsjahr Barmittel in
1.000 Euro
Verpflichtungsermächtigungen in
1.000 Euro
BMBF 6092/683 04 (KTF, Anteil BMBF
Batterieforschung) 2024 - 455 - 85.900
BMWK 6092/683 04 (KTF, Anteil
Energieforschungsprogramm) 2024 - 3.806 - 14.039
Aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom 15. November 2023
war eine Konsolidierung des Klima- und Transformationsfonds (KTF) durch
die Bundesregierung für das Haushaltsjahr 2024 ff. unerlässlich. Von diesen
Anpassungen war im Folgenden auch Kapitel 6092 Titel 683 04 betroffen. Die
oben dargestellten Barmittel und Verpflichtungsermächtigungen beschreiben
die Differenz im BMBF Titelteilansatz zwischen der vorgesehenen Planung vor
dem Bundesverfassungsgerichturteil und danach. Da der Bundeshaushalt erst
durch Haushaltsgesetz verabschiedet wird, kam es zu keiner Kürzung im
Bundeshaushalt 2024.
Die Projektförderung im Jahr 2023 wurde nicht gekürzt. Aufgrund der
zeitweise erlassenen Haushaltswirtschaftlichen Sperre des KTF gemäß § 41 BHO zum
15. November 2023 konnten jedoch nicht alle anstehenden
Bewilligungsprozesse im Haushaltsjahr abgeschlossen werden.
14. Wie viele und welche laufenden Forschungsprojekte sind in welcher
Höhe von den Kürzungen im KTF betroffen (bitte tabellarisch auflisten)?
Von den Anpassungen im KTF sind keine laufenden Forschungsprojekte
betroffen.
15. Welche geplanten Forschungsprojekte sind in welcher Höhe von den
Kürzungen im KTF betroffen (bitte tabellarisch auflisten)?
16. Wie viele und welche Forschungsvorhaben von KMUs können aufgrund
der Kürzungen nicht mehr durchgeführt werden (bitte tabellarisch
auflisten)?
17. Wann hat das BMBF die betroffenen Projekte über die Kürzungen
informiert (bitte tabellarisch auflisten)?
Die Fragen 15 bis 17 werden im Zusammenhang beantwortet.
Unter geplanten Forschungsprojekten im Sinne der Frage werden jene
verstanden, zu denen bereits zur Antragstellung aufgefordert wurde bzw. zu denen
entsprechende Anträge vorliegen.
Bisher wurden keine Ablehnungsbescheide erteilt. Ob im Folgenden
vorliegende Anträge abgelehnt werden müssen, ist Gegenstand laufender Prüfungen.
18. Wie viele Mittel sind im KTF für die Projektförderung im Bereich der
Batterieforschung für die Jahre von 2025 bis 2028 vorgesehen, und wie
viele Mittel stehen hieraus für Neubewilligungen zur Verfügung?
Das BMBF finanziert bisher den Großteil der Batterieforschungsaktivitäten aus
Kapitel 6092 Titel 683 04 „Maßnahmen zur Weiterentwicklung der
Elektromobilität“.
Den Haushaltsaufstellungsverfahren für die Jahre 2025 bis 2028 kann nicht
vorgegriffen werden
19. Hat das BMBF zwischen dem 15. November 2023 und dem 19. Januar
2024 zu geplanten Kürzungen im Bereich der Batterieforschung mit
Betroffenen aus Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft Rücksprache
gehalten, wenn ja, mit wem, wann, und auf welcher Ebene, und wenn nein,
warum nicht?
Die Mitglieder der Bundesregierung, Parlamentarische Staatssekretärinnen und
Parlamentarische Staatssekretäre sowie Staatssekretärinnen und Staatssekretäre
pflegen in jeder Wahlperiode im Rahmen der Aufgabenwahrnehmung Kontakte
mit einer Vielzahl von Akteurinnen und Akteuren aller gesellschaftlichen
Gruppen. Eine Verpflichtung zur Erfassung sämtlicher geführter Gespräche –
einschließlich Telefonate – bzw. deren Ergebnissen besteht nicht, und eine solche
umfassende Dokumentation wurde auch nicht durchgeführt (siehe dazu die
Vorbemerkung der Bundesregierung in ihrer Antwort auf die Kleine Anfrage der
Fraktion DIE LINKE. auf Bundestagsdrucksache 18/1174). Zudem werden
Gesprächsinhalte nicht protokolliert.
20. Wurden die Kürzungen der Fördermittel in der Batterieforschung auf
Bitten der Bundesministerin für Bildung und Forschung Bettina Stark-
Watzinger im Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt 2024 verankert,
wenn ja, warum, und wenn nein, welches Ressort hat die Kürzungen
vorgeschlagen?
Der Regierungsentwurf zum Bundeshaushalt wird im Einvernehmen mit allen
Ressorts erstellt. Aufgrund des Urteils des Bundesverfassungsgerichts vom
15. November 2023 war eine Konsolidierung des KTF durch die
Bundesregierung unerlässlich. Oberste Priorität aller Ressorts war es dabei, den Haushalt
für das Jahr 2024 verfassungskonform aufzustellen. Von diesen Anpassungen
war im Folgenden auch jener Haushaltstitel betroffen, über den ein wichtiger
Teil der Batterieforschung des BMBF finanziert wird. Gemäß dem Ansinnen,
die Batterie als Schlüsseltechnologie auch zukünftig zu fördern, hat das BMBF
dabei jedoch sichergestellt, dass alle laufenden Maßnahmen fortgeführt werden
können.
21. Hat sich Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger in der
Bereinigungssitzung des Haushaltsausschusses gegen die Kürzungen der
Fördermittel in der Batterieforschung ausgesprochen, wenn ja, wie, und
mit welchem Lösungsvorschlag, und wenn nein, warum nicht?
22. Was waren die ausschlaggebenden Gründe für die Entscheidung von
Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger, bei der
Bereinigungssitzung des Haushaushaltsausschusses des Deutschen Bundestages
aufgrund einer Davos-Reise zu fehlen und nicht für den Einzelplan 30
und die Batterieforschung im KTF zu kämpfen?
Die Fragen 21 und 22 werden im Zusammenhang beantwortet.
Das BMBF wurde in der zweiten Bereinigungssitzung durch den
Parlamentarischen Staatssekretär Dr. Jens Brandenburg vertreten. Die Anwesenheit der
Bundesministerin war nach Auskunft des Haushaltsausschusses des Deutschen
Bundestages für diese Sitzung nicht erforderlich. Die Bundesministerin Stark-
Watzinger hatte sich bereits im Vorfeld auf verschiedenen Ebenen für die
Finanzierung aller laufenden Maßnahmen eingesetzt.
Die Reise zum Weltwirtschaftsforum nach Davos war langfristig geplant und
durch dessen Terminierung vorbestimmt. Die Vorbereitung der Beschlüsse im
Haushaltsauschuss des Deutschen Bundestages wurden – so wie üblich –
maßgeblich im Vorfeld der Sitzung abgestimmt. Da das BMBF und namentlich die
Bundesministerin Stark-Watzinger anstreben, in Deutschland eine
technologisch souveräne und nachhaltige Batteriewertschöpfungskette aufzubauen,
haben sie sich nachdrücklich dafür eingesetzt, dass ein Beschluss zugunsten der
Batterieforschung noch in die Sitzung eingebracht werden konnte.
23. Wie oft hat in den zurückliegenden 20 Jahren die deutsche
Bundesministerin für Bildung und Forschung am Weltwirtschaftsforum in Davos
teilgenommen?
Die Bundesministerin Stark-Watzinger hat seit ihrem Amtsantritt einmal am
Weltwirtschaftsforum in Davos im Januar 2024 teilgenommen. Für frühere
Mitglieder der Bundesregierung kann keine Aussage getroffen werden.
24. Beabsichtigt die Bundesregierung, im Rahmen der Haushaltsführung die
Batterieforschung von der Erbringung der globalen Minderausgabe
auszunehmen und damit prioritär zu behandeln, und wenn nein, warum
nicht?
Die Batterieforschung des BMBF wird über den Kapitel 6092 Titel 683 04 des
KTF finanziert. Eine Globale Minderausgabe ist im KTF-Wirtschaftsplan 2024
nicht vorgesehen.
25. Von welcher Umsatzentwicklung geht die Bundesregierung auf dem
Weltmarkt für Batterien bis zum Jahr 2035 aus?
Die Bundesregierung geht von einer weiterhin stark wachsenden
Umsatzentwicklung im Batteriemarkt aus, die bis zum Jahr 2035 eine Gesamtgröße von
bis zu fünf Terawattstunden pro Jahr erreichen dürfte, entsprechend mehr als
400 Mrd. US-Dollar. Dabei dürfte der größte Teil der Nachfrage auf Batterien
für Anwendungen in der Mobilität entfallen (automobile und Nutzfahrzeug-
Anwendungen), der Rest auf stationäre Energiespeicher und Batterien für
Unterhaltungselektronik sowie weitere Anwendungen. Im Übrigen wird auf die
Antwort zu Frage 11 verwiesen.
26. Welchen Anteil am Weltmarkt strebt die Bundesregierung für
Deutschland bis zum Jahr 2035 an?
Die Bundesregierung strebt an, dass der Bedarf hier produzierender
Unternehmen an Batteriezellen und -systemen aus hiesiger Produktion gedeckt werden
kann. Dies dürfte nach heutigen Prognosen etwa 400 bis 450 Gigawattstunden
pro Jahr entsprechen.
27. Welche ressortübergreifende Strategie verfolgt die Bundesregierung vor
diesem Hintergrund im Bereich der Batterietechnologie?
28. Welche Strategie verfolgt die Bundesregierung in diesem Rahmen im
Bereich der Batterieforschung?
29. Verfolgt die Bundesregierung eine inhaltliche oder regionale
Priorisierung, wenn ja, welche, und auf welche Art und Weise, und wenn nein,
warum nicht?
Die Fragen 27 bis 29 werden im Zusammenhang beantwortet.
Es wird auf die Antwort zu Frage 7 verwiesen.
Gemäß den genannten Strategien priorisiert die Bundesregierung unter
Berücksichtigung des Exzellenzprinzips die Beforschung hochinnovativer neuer
Technologien, die die technologische Souveränität des Forschungs- und
Wirtschaftsstandorts Deutschlands befördern. Hierzu zählen zum Beispiel neue
Technologien wie Festkörper- und Natrium-Ionen-Batterien sowie Prozess- und
Produktionstechnik für Batteriezellen und Batterietechnologien einschließlich
Skalierung, Digitalisierung und Nachhaltigkeit. Im Rahmen von IPCEI erfolgt
der industrielle Aufbau von Batteriezellproduktionen inklusive der
begleitenden Etablierung von Ausbildungsstrukturen für Fachkräfte. Eine regionale
Priorisierung wird von der Bundesregierung nicht verfolgt.
30. Haben die Kürzungen im Bereich der Batterieforschung nach Ansicht der
Bundesregierung Auswirkungen auf die Forschungsinfrastruktur in dem
Bereich, wenn ja, welche, und wenn nein, warum nicht?
Aufgrund der Forschungsförderung des BMBF wurde und wird eine exzellente
und international wettbewerbsfähige Forschungslandschaft und -infrastruktur
entlang der Batteriewertschöpfungskette in Deutschland aufgebaut. Hierzu
zählt unter anderem der Aufbau der Forschungsfertigung Batteriezelle (FFB) in
Münster. Diese wird entsprechend der Zusagen der Bundesregierung wie
geplant fortgeführt.
Laufende Forschungsprojekte des BMBF sind von den Anpassungen des KTF
nicht betroffen. Hierzu wird auf die Antwort zu Frage 14 verwiesen. Die
Projekte der BMBF Fördermaßnahme „Ausbau der nationalen
Forschungsinfrastruktur im Bereich der Batteriematerialien und -technologien (ForBatt)“
werden nach aktuellem Stand wie geplant fortgesetzt.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 9 verwiesen.
31. Wie ist nach Kenntnis der Bundesregierung der aktuelle Forschungsstand
zu Natrium-Ionen-Batterien, Festkörperbatterien und Lithium-
Ferrophosphat-Akkus (LFP), und welche Forschungsvorhaben in diesen Bereichen
werden aufgrund der Kürzungen nicht mehr durchgeführt?
Die Themen Natrium-Ionen-Batterien (NIB), Festkörperbatterien und Lithium-
Ferrophosphat-Akkus (LFP) sind Gegenstand laufender Forschungsprojekte
des BMBF.
Im Bereich NIB ist ungeachtet der anlaufenden Kommerzialisierung weiterer
Forschungs- und Entwicklungsaufwand notwendig. Dies betrifft unter anderem
die Eigenschaften sowie die Skalierung von Batteriematerialien. Es muss
hinterfragt werden, ob zur Produktion von Natrium-Ionen-Batterien etablierte
Prozesse der Lithium-Ionen-Technologie adaptierbar sind. Auch die Auswirkung
der Prozessführung auf die Eigenschaften wie Lebensdauer, Leistungs- und
Energiedichte sowie Herstellungskosten von NIB sind Gegenstand von
Forschung und Entwicklung.
Ziel der Entwicklung der Festkörpertechnologie ist eine Hochenergie- und
Hochleistungsbatterie mit verbesserter Sicherheit und Langlebigkeit, um
Nachteile etablierter Batterietechnologien zu überwinden. Bestehende
Fragestellungen betreffen Langzeitstabilität, Leistungsfähigkeit und die Wirtschaftlichkeit;
die Skalierung von Produktionstechnologien ist weiter herausfordernd.
Deutschland stellt sich hier industriell und akademisch einem sich
verschärfenden internationalen Wettlauf um die Technologieführerschaft.
Die Entwicklung von Festkörperbatterien wird seit dem Jahr 2018 erfolgreich
durch das BMBF im Kompetenzcluster FestBatt gefördert. Zum aktuellen
Stand der Technik wird auf die wissenschaftliche Publikation „Challenges in
speeding up solid-state battery development“ verwiesen, die im Rahmen der
genannten Förderung erarbeitet wurde.
Die Entwicklung von Materialien auf LFP-Basis sind weit fortgeschritten.
Forschung und Entwicklung fokussiert beispielsweise auf Cell-to-Pack oder
Cellto-Chassis-Konzepte. In den Forschungsvorhaben des BMBF spielen LFP-
Materialien aktuell eine untergeordnete Rolle.
Die KTF-Anpassung im Bereich der Batterieforschung hat keine
Auswirkungen auf laufende Vorhaben. Es wurden bisher keine Forschungsvorhaben auf
Grund der Kürzungen des KTF abgelehnt. Alle laufenden Maßnahmen werden
fortgeführt.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu Frage 9 verwiesen.
32. Wie wird aus Sicht der Bundesregierung und vor dem Hintergrund der
Kürzungen die Bewertungskompetenz in der Forschung und
Entwicklung befindlicher neuer Batteriesysteme in Deutschland gesichert?
Aufgrund der Forschungsförderung der Bundesregierung ist in Deutschland
eine exzellente und international wettbewerbsfähige Forschungslandschaft
entlang der Batteriewertschöpfungskette mit entsprechender
Bewertungskompetenz für neue Technologien entstanden.
Diese wird die Bundesregierung auch zukünftig fördern und in angemessener
Weise weiterentwickeln. Der Haushalt 2025 und damit die Perspektive der
Batterieforschung ist Gegenstand laufender Verhandlungen, so dass zum jetzigen
Zeitpunkt keine weitere Aussage getroffen werden kann.
Im Übrigen wird auf die Antwort zu den Fragen 7 und 9 verwiesen.
33. Von welchen weiteren privaten Investitionen in den Aufbau von
Produktionskapazitäten im Bereich der Batterietechnologie in Deutschland geht
die Bundesregierung bis 2030 bzw. 2035 aus, und was strebt die
Bundesregierung an?
Nach Unternehmensankündigungen könnten zukünftig ca. 18,5 Mrd. Euro in
Deutschland im Bereich der Batterietechnologie investiert werden. Hierzu wird
auf die Antwort zu Frage 4 verwiesen. Die Datenlage ist jedoch nicht
vollständig, da nicht jedes Vorhaben eine konkrete Investitionssumme nennt. Es sind
Vorhaben in Deutschland entlang der gesamten Wertschöpfungskette von der
Lithiumaufbereitung über die Aktivmaterialproduktion und Zellfertigung bis
zum Recycling angekündigt. Die höchsten angekündigten Investitionen fallen
dabei für die Wertschöpfungsstufe der Zellfertigung an. Die Bundesregierung
strebt dabei den in der Antwort zu Frage 26 genannten Grad an Resilienz an.
34. Was unternimmt die Bundesregierung, um europäische Batteriehersteller
aufzubauen?
Um Investitionen anzustoßen und im Feld der Batterien künftig unabhängiger
von Importen zu werden, hat die Bundesregierung die industrielle Fertigung
von Batteriezellen für mobile und stationäre Energiespeicher als
Förderschwerpunkt KTF festgelegt und stellt für die Förderung innovativer
Investitionsvorhaben entlang der Batteriewertschöpfungskette seit dem Jahr 2019 Fördergelder
bereit. Damit soll die technologische Kompetenz zur Batteriezelle am Standort
Deutschland gebündelt und gestärkt werden. Außerdem soll auf Basis von
Forschung und Innovation eine großskalige Produktion in Deutschland und Europa
etabliert werden. Dazu werden in zwei IPCEI zur Batteriezellfertigung 13
deutsche Unternehmen gefördert. Hinzu kommen Investitionsvorhaben unter dem
Temporary Crisis and Transition Framework (TCTF, insbesondere die
Randnummern 85 und 86), die FuE-Förderung zur Unterstützung der „Innovations-
Pipeline“ der Unternehmen sowie die Maßnahmen zur Fachkräftesicherung.
35. Wie viele Fachkräfte arbeiten nach Kenntnis der Bundesregierung aktuell
im Bereich der Batterietechnologie in Deutschland, und wie haben sich
die Zahlen seit 2009 entwickelt?
Die Batterieproduktion in Deutschland hat sich erst ab Anfang 2010 entwickelt.
Zuvor fand die Herstellung von Lithium-Ionen-Batteriezellen fast
ausschließlich in Asien statt. Die Anzahl der direkt in der Batteriewertschöpfungskette
Beschäftigten hat sich seitdem auf ca. 14 000 im Jahr 2020 erhöht.
36. Wie viele Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler arbeiten nach
Kenntnis der Bundesregierung aktuell im Bereich der Batterieforschung
in Deutschland, und wie haben sich die Zahlen seit 2009 entwickelt?
Der Bundesregierung liegen aufgrund der thematischen Breite hierzu keine
detaillierten Zahlen und Statistiken vor. Dies betrifft in besonderem Maße die in
der Industrie wissenschaftlich tätigen Personen.
37. Von welchen Auswirkungen der Kürzungen im Bereich der
Batterieforschung auf die Fachkräftebasis im Bereich der Batterietechnologie geht
die Bundesregierung aus?
Es wird Bezug auf die Antwort zu Frage 7 genommen. Gegenstand der
Forschungsförderung des BMBF zum Aufbau einer technologisch souveränen,
nachhaltigen Batteriewertschöpfungskette ist auch die Ausbildung
akademischer Fachkräfte. Um die gesetzten Ziele zu erreichen, ist in den kommenden
Jahren eine auskömmliche Finanzierung der Forschungsförderung notwendig.
Die Bundesregierung hat klargestellt, die Batterie als Schlüsseltechnologie
auch zukünftig zu fördern. Da der Haushalt 2025 Gegenstand laufender
Verhandlungen ist, kann gegenwärtig keine Aussage über die zukünftige
Finanzierung der Batterieforschungsförderung getroffen werden.
Die Maßnahmen zur beruflichen Aus- und Weiterbildung im Batteriesektor
sind nicht betroffen.
38. Von welchem Fachkräftebedarf im Bereich der Batterietechnologie geht
die Bundesregierung bis zum Jahr 2035 in Deutschland aus?
In den kommenden zehn Jahren wird der Bedarf an Fachkräften in der
Batterieindustrie kontinuierlich steigen, was allein in Europa zu einer Schaffung von
etlichen zehntausend Arbeitsplätzen in der Batterieproduktion führen wird.
Jährlich werden nach Analysen von Experten bis circa dem Jahr 2033 zwischen
1 000 und 5 000 zusätzliche Fachkräfte allein in der Produktion von Batterien
benötigt. Für den anschließenden Zeitraum wird erwartet, dass die
Beschäftigungszahlen in ein Plateau übergehen werden.
Eine Hochrechnung der Begleit- und Wirkungsforschung des BMWK ergab,
dass 13 000 bis 19 000 Arbeitskräfte im Bereich der Batteriezellfertigung bis
zum Jahr 2033 in Deutschland benötigt werden (gerundete Werte zur
Abschätzung der Größenordnung). Erhebliche zusätzliche Fachkräftebedarfe entstehen
in den weiteren Elementen der Wertschöpfungskette, insbes. bei der
Aktivmaterialproduktion und beim Recycling.
39. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem
deutschen Fachkräftebedarf bis 2035 für den Ausbau von
Ausbildungskapazitäten im Bereich der beruflichen Bildung in Deutschland?
40. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem
deutschen Fachkräftebedarf bis 2035 für den Ausbau von
Ausbildungskapazitäten im Bereich der Weiterbildung in Deutschland?
41. Welche Schlussfolgerungen zieht die Bundesregierung aus dem
deutschen Fachkräftebedarf bis 2035 für den Ausbau von
Ausbildungskapazitäten im Bereich der akademischen Bildung in Deutschland?
Die Fragen 39 bis 41 werden im Zusammenhang beantwortet.
Die Bundesregierung unterstützt die berufliche Aus- und Weiterbildung im
Batteriesektor mit einer spezifischen Maßnahme („Richtlinie zur Förderung von
Qualifizierungsmaßnahmen für die Batteriezellfertigung“), in der im Umfang
von ca. 53,1 Mio. Euro sogenannte ‚Batterie-Kompetenz-Trios‘ gefördert,
welche aus Unternehmens-/Innovationsclustern, Bildungsträgern und
Forschungseinrichtungen bestehen und besonders die betriebliche Aus- und
Weiterbildung vorantreiben. Damit sollen Strategien für den Fachkräfteaufbau
entwickelt, umgesetzt, evaluiert und verstetigt werden. Durch die regionale
Verortung der Verbünde können Bedarfe der ansässigen und im Aufbau befindlichen
Industrien gezielt erkannt und in Kooperation mit Bildungseinrichtungen
umgesetzt werden. Die Qualifizierungsverbünde sollen dazu beitragen, den
aktuellen und zukünftigen Qualifizierungsbedarf für die verschiedenen Teile der
Wertschöpfungskette der Batteriezellfertigung zu decken und so die
Transformation der Industrie zu unterstützen.
Zur Sicherung der Aus-, Fort- und Weiterbildungskapazitäten hat die
Bundesregierung den „Nationalen Lenkungskreis für die berufliche Weiterbildung im
Bereich der Batteriezellfertigung und der Batterie-Wertschöpfungskette“ ins
Leben gerufen.
Auch die Förderung der Forschungsfertigung Batteriezelle (FoFeBat) leistet
einen Beitrag: Ziel ist hier der Aufbau des Europäischen Lernlabors
Batteriezelle (ELLB) mit vielfältigen, innovativen Up- und Reskilling-Angeboten rund
um das Thema Batterie, das ihren Teil dazu beiträgt, die Qualifizierung im
Batteriesektor in Europa aktiv mitzugestalten und voranzutreiben.
Darüber hinaus wird im Rahmen der Projektförderung des BMBF qualifizierter
akademischer Nachwuchs ausgebildet; spezifische Maßnahmen wie „Batt
Futur“ fördern darüber hinaus exzellente wissenschaftliche
Nachwuchsführungskräfte.
42. Welche internationalen Kooperationen sind von den von der
Bundesregierung vollzogenen Kürzungen betroffen (bitte tabellarisch nach
Ländern und Fördervolumen gegliedert auflisten)?
Durch die Haushaltswirtschaftliche Sperre des Sondervermögens KTF gemäß
§ 41 BHO zum 15. November 2023 werden einzelne Maßnahmen zeitlich
verzögert umgesetzt. Im Übrigen wird auf die Antwort zu den Fragen 14 und 15
bis 17 verwiesen.
43. Welche Auswirkungen haben die von der Bundesregierung vollzogenen
Kürzungen der Fördermittel in der Batterieforschung auf das selbst
gesetzte Leitziel des BMBF, „den Aufbau einer technologisch souveränen,
wettbewerbsfähigen und gleichzeitig nachhaltigen
Batteriewertschöpfungskette in und für Deutschland und Europa“ voranzutreiben?
Bezugnehmend auf die Antwort zu Frage 7 gelten die Ziele der
Bundesregierung fort. Der Haushalt 2025 ist Gegenstand laufender Verhandlungen, so dass
zum jetzigen Zeitpunkt keine weitere Aussage getroffen werden kann.
44. Wie haben sich die Ausgaben bzw. Haushaltsansätze für die
Batterieforschung seit dem Jahr 2009 in den Mitgliedstaaten der Europäischen
Union entwickelt (bitte grafisch und tabellarisch darstellen)?
Die Bundesregierung erhebt keine Statistik über die Ausgaben bzw.
Haushaltsansätze für die Batterieforschung in den Mitgliedstaaten der Europäischen
Union. Es wird auf die Antwort zu Frage 5 verwiesen.
45. Wie haben sich die öffentlichen Ausgaben für Forschung und
Entwicklung im Bereich der Batterieforschung in Japan, Südkorea, den USA und
China seit 2009 entwickelt (bitte grafisch und tabellarisch darstellen),
und welche Forschungsschwerpunkte werden in den genannten Staaten
verfolgt?
Die Bundesregierung erhebt keine Statistik über die öffentlichen Ausgaben für
Forschung und Entwicklung im Bereich der Batterieforschung in Japan,
Südkorea, den USA und China. In vielen Fällen sind zudem genaue, verlässliche und
insbesondere vergleichbare Angaben nicht zugänglich. Aus einer Untersuchung
des FhG-ISI kann man entnehmen, dass sich in den genannten Ländern die
öffentlichen Ausgaben für Forschung und Entwicklung in den letzten vier
Jahren näherungsweise verdreifacht haben. In den genannten Staaten werden u. a.
neue und zukünftige Batterietechnologien beforscht und die Resilienz in Bezug
auf internationale Lieferketten adressiert.
46. Sieht die Bundesregierung mit Blick auf Batterietechnologien
Forschungs- und Entwicklungsbedarfe in den Bereichen Leichtbau,
Ressourcen- und Energieverbrauch sowie Reichweite von Akkus, wenn ja,
welche konkreten Bedarfe sieht die Bundesregierung, und welche
Schlussfolgerungen zieht sie hieraus, und wenn nein, warum nicht?
Die Bundesregierung sieht insbesondere im Bereich des Ressourcen- und
Energieverbrauchs der Batterieproduktion Bedarfe für Forschung und Entwicklung.
Aus diesem Grunde ist dieser Aspekt sowohl in den IPCEI-Vorhaben wie auch
in der anwendungsorientierten Forschungs- und Entwicklungsförderung des
BMWK sowie des BMBF ein zentraler Aspekt. „Reichweite von Akkus“ ist
nicht per se ein Begriff, da sich die Reichweite von Elektrofahrzeugen durch
eine Vielzahl von Parametern ergibt (beispielsweise Batteriekapazität,
Antriebseffizienz, etc.), die über die Batterie hinausreichen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333