Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 20/10944 –
Internationales Engagement der Bundesregierung im Bereich Smart Cities
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Die Bundesregierung betreibt sowohl internationale Partnerschaften,
multilaterale Zusammenarbeit als auch Austauschformate mit mehreren
Interessengruppen zu den Themen „Smart Cities“ und „Smart Regions“. Beispielsweise
im Rahmen der deutschen G7-Präsidentschaft, während der das erste
Ministertreffen für nachhaltige Stadtentwicklung stattfand und das Fundament für ein
gemeinsames Verständnis der Stadtentwicklung innerhalb der G7 gelegt
wurde. Diese Ministertreffen wurden von Japan fortgesetzt und sollen auch unter
den Präsidentschaften von Italien und Kanada weiterhin Bestand haben. Mit
der Gründung des Internationalen Smart Cities Netzwerk (ISCN) initiierte die
Bundesregierung darüber hinaus drei Austauschformate, insbesondere um die
Kooperation mit Brasilien, Mexiko, Peru und Indien zu fördern.
Eine Möglichkeit zur Positionierung in diesem Bereich wurde von der
Bundesregierung im Rahmen der kürzlich veröffentlichten Strategie für die
Internationale Digitalpolitik (
https://bmdv.bund.de/SharedDocs/DE/Anlage/K/pres
se/pm004-internationale-digitalpolitik-de.pdf?__blob=publicationFile) leider
verpasst. Dabei ist der internationale Wissensaustausch im Bereich Smart
Cities aus Sicht der Fragesteller essenziell, um eine effiziente digitale
Transformation deutscher Städte und Kommunen zu gewährleisten sowie eine
nachhaltige und integrierte Stadtentwicklung voranzutreiben.
Wie aus dem Einzelplan 25 des Bundesministeriums für Wohnen,
Stadtentwicklung und Bauwesen hervorgeht (
https://www.bundeshaushalt.de/static/dat
en/2024/soll/epl25.pdf), werden nun für 2024 die Mittel zur Stärkung des
nationalen und internationalen Dialogs und Vernetzung im Bereich Smart
Cities deutlich gekürzt (-22,2 Prozent). Die Fragesteller interessiert daher
insbesondere, wie sich dies auf die Aktivitäten Deutschlands im Rahmen
internationaler Gremien und auf die Effektivität eigener Initiativen wie des ISCN
auswirkt.
Deutscher Bundestag Drucksache 20/11166
20. Wahlperiode 24.04.2024
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und
Bauwesen vom 22. April 2024 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Bundesregierung verfolgt das Ziel, im Bereich Smart Cities die Integration
digitaler Lösungen in bürgerzentrierten Stadt- und
Regionalentwicklungsprozessen weltweit bekannt zu machen und unterstützt den gegenseitigen
Austausch und Wissenstransfer.
Dies ist die Aufgabe des Internationalen Smart Cities Netzwerkes (ISCN),
dessen Engagement Teil einer umfassenden nachhaltigen Stadt- und
Regionalentwicklungspolitik ist. Zudem arbeitet das ISCN im Einklang mit den
handlungsleitenden Grundsätzen der Strategie für die Internationale Digitalpolitik der
Bundesregierung.
Im Rahmen der internationalen Zusammenarbeit teilt das ISCN deutsche
Expertise, unter anderem aus den Erkenntnissen der Modellprojekte Smart Cities
und fördert den Austausch von guten Beispielen: Denn erfolgreiche
Umsetzungen von Smart-City-Ansätzen sind auch Ergebnis des internationalen
Erfahrungsaustausches.
Durch die Zusammenarbeit mit Partnern und Organisationen strebt die
Bundesregierung danach, globale Herausforderungen gemeinsam zu adressieren,
beispielsweise mit Hilfe von Smart-City-Lösungen die Resilienz von Städten und
Regionen zu stärken.
Dieses Engagement unterstreicht die Rolle Deutschlands als wichtiger Akteur
in der Entwicklung zukunftsfähiger Smart-City-Lösungen und bestärkt das
Bekenntnis zu multilateraler Zusammenarbeit und globaler Verantwortung im
21. Jahrhundert.
1. Wie wurden die Mittel unter dem Haushaltpunkt „Dialog und Vernetzung
im Bereich Smart Cities“ (532 05-419) zwischen 1. Januar 2023 und
31. Dezember 2023 genutzt?
Aus den Mitteln in Kapitel 25 02 Titel 532 05 „Dialog und Vernetzung im
Bereich Smart Cities“ wurden nationale, europäische und internationale Dialog-
und Vernetzungsformate finanziert. Dies waren im Jahr 2023:
a) Welche nationalen Dialogprogramme wurden mit diesen Mitteln
finanziert und in welcher Höhe?
Nationale Dialogplattform Smart Cities 3.0: 73 000 Euro.
b) Welche internationalen Dialogprogramme wurden mit diesen Mitteln
finanziert und in welcher Höhe?
• Smart Cities befähigen – Handlungsansätze der kommunalen Vernetzung
(#vernetztinEuropa): 350 000 Euro,
• Internationales Smart Cities Netzwerk (ISCN): 700 000 Euro.
c) Wie plant die Bundesregierung den Mittelabfluss im Jahr 2024 konkret
zu verbessern?
Der Mittelabfluss betrug im Jahr 2023 85 Prozent. Für 2024 wird eine
Ausschöpfung der zur Verfügung stehenden Mittel erwartet.
2. Wie bewertet die Bundesregierung konkret den Erfolg des ISCN?
Mit dem Internationalen Smart Cities Netzwerk hat das Bundesministerium für
Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) eine Plattform etabliert,
die dem weltweiten inhaltlichen Austausch deutscher und internationaler
Akteure und Entscheidungsträger offensteht. Dadurch wird das gemeinsame
Lernen einer proaktiven Gestaltung der urbanen digitalen Transformation im Sinne
einer wertebasierten, nachhaltigen, integrierten und gemeinwohlorientierten
Stadtentwicklung ermöglicht. Auf diese Weise werden innovative, digitale und
bürgerzentrierte Lösungen vorangetrieben, die den komplexen
Herausforderungen und den Bedarfen einer digitalen Gesellschaft gerecht werden. Das
ISCN steuert und strukturiert den deutschen Beitrag zum internationalen
Austausch im Bereich Smart Cities und speist gleichzeitig sämtliche internationale
Erfahrungen und seine Arbeiten in den Diskurs des nationalen
Förderprogramms Modellprojekte Smart Cities ein.
Das BMWSB setzt es sich zum Ziel, eine breite Streuung der Erkenntnisse
sicherzustellen, um einen größtmöglichen Adressatenkreis zu erreichen. Die
jeweils entstehenden Erkenntnisse sind Allgemeingut im Sinne eines kollektiven
Erfahrungsaustauschs beim Aufbau digitaler Infrastrukturen und bei der
Etablierung digitaler Verwaltungsprozesse. Alle online dokumentierten
Veranstaltungen und publizierten Arbeitsergebnissen des ISCN stehen allen Bürgerinnen
und Bürgern frei zugänglich zur Verfügung:
www.smart-city-dialog.de/internati
onales-smart-cities-netzwerk.
a) Für wen und auf welche Art sind die drei Austauschformate „Global
Mixers“, „Online Advisory Programmes“, und „Online-Symposium“
zugänglich?
Die drei Formate „ISCN Global Mixer“, „ISCN Online Advisory Programme“
und „ISCN-Symposium“ sind grundsätzlich auf die interessierte (Fach-)
Öffentlichkeit ausgerichtet. Zur besseren (internationalen) Positionierung sowie zur
Steigerung des Wiedererkennungswertes unterscheiden sich die Formate
hinsichtlich der jeweiligen Dauer (ISCN Global Mixer circa 30 Minuten, ISCN
Online Advisory Programme circa 90 Minuten und ISCN-Symposium circa
180 Minuten) und der inhaltlichen Tiefe. Damit geht einher, dass neben der
interessierten Fachöffentlichkeit jeweils unterschiedliche Vertreterinnen und
Vertreter des BMWSB, der unterschiedlichen föderalen Ebenen, der Wissenschaft
sowie des internationalen Fachnetzwerks eingebunden sind beziehungsweise
vorrangig angesprochen werden (= Multi-Stakeholder-Fachpublikum). Alle
Formate finden grundsätzlich online statt, eine Teilnahme ist nach
Vorabregistrierung möglich. Im Nachgang sind Dokumentationen aller Veranstaltungen
ebenfalls online abrufbar. Das ISCN-Symposium findet hybrid statt und wird
meist zusammen mit internationalen Veranstaltungen beziehungsweise
Konferenzen durchgeführt.
Das ISCN fungiert aufgrund seiner engen weltweiten Expertenkontakte als
Mittler zwischen internationalen Smart-City-Ansätzen aus seinem globalen
Partnernetzwerk und identifizierten Bedarfen der Modellprojekte Smart Cities.
Ferner unterstützt es die fachlich zuständigen Bundesministerien (BMWSB,
zum Teil im Verbund mit dem Bundesministerium für Digitales und Verkehr
(BMDV) und/oder dem Bundesministerium für wirtschaftliche
Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ)) beim internationalen Austausch zum Thema
„Smarte Städte und Regionen“ mit anderen Wertepartnern.
b) In welchen Sprachen finden diese Formate statt?
Die Formate finden auf Englisch statt. In der Vergangenheit wurden für das
ISCN Online Advisory Programme und das ISCN-Symposium bedarfsbezogen
auch Simultanübersetzungen auf Spanisch und Portugiesisch angeboten.
c) Wie oft fanden die Formate bisher statt (bitte einzeln aufführen)?
Bisher gab es je 13 Ausgaben der Formate „ISCN Global Mixer“ und „ISCN
Online Advisory Programme“ sowie drei Symposien. Die ISCN-Global-Mixer-
Veranstaltungen finden mehrmals jährlich in Staffeln von etwa vier Ausgaben,
das ISCN Online Advisory Programme einmal pro Quartal und das ISCN-
Symposium einmal pro Jahr statt.
Im Einzelnen wie folgt:
Veranstaltung Datum
ISCN Global Mixer
01 Digital Twins of Cities in Virtual Reality – 3 Use Cases 19.07.2023
02 Creating Public Value Through Employee Experience: The LA-BORA! gov Journey 09.08.2023
03 Digital Twins for Regions 11.10.2023
04 Virtual power plants and heating management in urban quarters 17.10.2023
05 Citizen Science and Smart Cities 17.10.2023
06 Urban Disaster Risk Resilience 18.10.2023
07 Smart Cities and Inclusion 20.10.2023
08 Data Sharing for Future Mobility – Lessons from Mobility Data Space 23.10.2023
09 Rethinking ‘Smart‘: Insights for Community-Driven Innovation in Thailand 30.10.2023
10 Liveability in the Age of Shrinkage – Showcasing Urban Design Strategies & Digital
Initiatives from Japan 21.02.2023
11 The cooperative as an emerging model for the data economy – the example of
POSMO Switzerland, a data cooperative for mobility 28.02.2024
12 TUMI Data – Making Mobility Data Available for All 06.03.2024
13 Smart District Development – Experiences from Berlin TXL 20.03.2024
ISCN Online Advisory Programme
01 Co-Creation and Smart Citizens 27.04.2021
02 Participative Smart City Strategies 23.06.2021
03 Innovation in Smart Cities 17.08.2021
04 Data Governance 28.10.2021
05 Two ISCN studies for common-good orientation 27.01.2022
06 Open Standards and Data Exchange 24.03.2022
07 Digital solutions during Covid-19 02.06.2022
08 Best practices from three cities 25.08.2022
09 Enhancing Urban Resilience: Using Digital Solutions for Smart Water Management 01.12.2022
10 A look at national Urban Data Platforms in India 28.06.2023
11 Cities and Data Platforms on multiple geographic levels 12.10.2023
12 From urban data platforms to Urban Data Spaces 01.02.2024
13 Co-Creating Cities with Citizens – Crowdsourcing Data and Maps 28.03.2024
ISCN-Symposium
01 Smart Cities for a Common Good-Oriented Urban Development 10.11.2021
02 Smart Cities for a green and resilient urban development 13.10.2022
03 From Smart Cities to Smart Communities: Insights from towns and rural areas on how
to make the most out of the smart approach 08.11.2023
d) Wie sind die Nutzungszahlen dieser Austauschformate?
Die jeweiligen Teilnehmerzahlen betragen für die ISCN-Global-Mixer-
Veranstaltungen zwischen 15 und 30, für das ISCN Online Advisory Programme
zwischen 30 und 60 und für die hybriden ISCN-Symposien zwischen 50 und
120 Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Dokumentationen zu allen
Austauschformaten werden ferner auf der Website
https://www.smart-city-dialog.de/internati
onales-smart-cities-netzwerk bereitgestellt sowie gezielt und bedarfsbezogen an
Vertreterinnen und Vertreter der MPSC-Kommunen und andere Fachexperten
vermittelt.
e) Wie hoch ist der Anteil internationaler Panellisten, Speaker oder
Trainer an den genannten Austauschformaten, und aus welchen Ländern
stammen diese?
Bei den ISCN Global Mixer kamen bisher 60 Prozent der Beiträge von
Referentinnen und Referenten aus Deutschland, 40 Prozent von internationalen
Referentinnen und Referenten aus den Ländern Brasilien, Indien, Japan, Schweiz,
Thailand und den USA.
Für das Online Advisory Programme beträgt der Anteil internationaler
Panelisten und Referentinnen und Referenten gut 60 Prozent, wobei auch in jeder
Einzelveranstaltung mindestens die Hälfte der Beiträge auch eine internationale
Perspektive einnimmt. Bisherige internationale Beiträge kamen aus
Argentinien, Australien, Belgien, Kanada, der europäischen Ebene, Frankreich, Ghana,
Indien, Japan, Jordanien, Kenia, Mexiko, den Niederlanden und dem
Vereinigten Königreich.
Für die ISCN-Symposien beträgt der Anteil internationaler Panelisten und
Referentinnen und Referenten gut 60 Prozent, wobei auch in jeder
Einzelveranstaltung mindestens die Hälfte der Beiträge eine internationale Perspektive
einnahm. Bisherige internationale Beiträge kamen aus Europa, Indien, Korea,
Japan und Thailand.
f) Inwiefern werden die kommunalen Spitzenverbände an den
Austauschformaten des ISCN konkret beteiligt?
Kommunalen Spitzenverbänden steht eine Teilnahme an allen
Austauschformaten ebenfalls offen. Auf internationaler Ebene hat das einschlägige
Städtenetzwerk Open and Agile Smart Cities einen aktiven Beitrag bei einem Online
Advisory Programme geleistet und ist in den Austausch mit deutschen
Städtevertreterinnen und -vertretern gegangen.
g) Wie häufig fanden die genannten Austauschformate bisher statt?
Es wird auf die Antwort zu Frage 2c verwiesen.
h) Was sind die jeweiligen konkreten Ergebnisse dieser
Austauschformate, und wie werden diese (online oder offline) weiterverwendet?
Die Austauschformate unterstützen die Skalierung der Integration digitaler
Lösungen beim Aufbau von Smart Cities in Deutschland. Ferner stellen sie den
interessierten Entscheidungsträgern Informationen bereit, wodurch diese
befähigt werden sollen, die neuesten Trends und Entwicklungen im Bereich Smart
Cities perspektivisch eigenständig vor Ort einzusetzen beziehungsweise zu
ermöglichen. Dazu werden Erfahrungen bei der Implementierung pragmatischer
und in anderen Ländern etablierter Lösungen vorgestellt, um deutschen
Kommunen unterschiedlicher Größe Wege aufzuzeigen, wie die Integration von
Smart-City-Lösungen in der jeweiligen Kommune individuell erfolgen kann.
Die Aktivitäten dienen dem Aufbau einer Wissensbibliothek. Die Erkenntnisse
werden den Modellprojekten Smart Cities gezielt zugeleitet.
Die Austauschformate unterstützen ferner den Aufbau neuer oder die
Verstetigung bestehender städtischer Partnerschaften im Bereich Smart Cities. Neu
geknüpfte Kontakte, die Anbahnung von Partnerschaften und erste Eruierungen
weiterer Fördermöglichkeiten werden begleitet.
3. In welcher der Sitzungen des innerhalb der Bundesregierung auf
Referatsebene eingerichteten Steuerungskreises Smart Cities/Smart Regions wurde
das ISCN thematisiert?
a) Wenn ja, in welcher Sitzung des Steuerungskreises war das ISCN
Bestandteil der Tagesordnung (bitte Datum der Sitzung angeben), und
welchen konkreten Handlungsbedarf hat die Bundesregierung in
diesem Zusammenhang mit Blick auf das ISCN festgelegt?
b) Wie häufig hat der Steuerungskreis seit seiner zweiten Sitzung am
30. August 2022 getagt (bitte die Daten angeben)?
Die Fragen 3 bis 3b werden gemeinsam beantwortet.
Der Steuerungskreis Smart Cities/Smart Regions findet in der Regel
quartalsweise statt und hat seit seiner zweiten Sitzung weitere sechs Mal getagt
(24. November 2022, 23. Februar 2023, 22. Mai 2023, 23. August 2023, 26.
Januar 2024, 12. April 2024). Im 4. Quartal 2023 haben sich die Vertreterinnen
und Vertreter anlassbezogen auf der Messe Smart Country Convention
ausgetauscht. Im Steuerungskreis werden Themen der ressortübergreifenden
Koordinierung von Förderprogrammen mit Schnittstellen zu Smart Cities und Smart
Regions beziehunsgweise Smarte.Land.Regionen besprochen.
4. Gibt es abseits des Engagements innerhalb der G7 und des ISCN im
Bereich Smart Cities noch weitere internationale Gremien, in denen
Deutschland sich engagiert und welche die Bundesregierung als besonders
relevant erachtet?
Weitere Engagements werden im Folgenden aufgeführt:
UN-Habitat
Das BMWSB unterstützt das Engagement der Bundesregierung im Rahmen
von UN-Habitat unter Federführung des BMZ. Die beiden vorgeschlagenen
Experten für die UN-Habitat Expert Group on People Centred Smart Cities zur
Mitarbeit an den UN-Habitat Smart City Guidelines gemäß Resolution HSP/
HA.2/Res.1 (2023) wurden entsprechend berufen. Zur Einbringung der
deutschen Position in den Erstellungsprozess besteht ein enger und regelmäßiger
Austausch mit den Experten.
OECD
Die Aktivitäten der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) werden ebenfalls durch das BMWSB unterstützt. Das
bisherige Engagement Deutschlands innerhalb der OECD wird so auf den Bereich
Smart Cities erweitert, indem im September 2024 gemeinsam mit der OECD
der 4. Roundtable Smart Cities and Inclusive Growth veranstaltet wird. Im
Sinne eines wirtschaftlichen Handelns wird in diese Veranstaltung das ISCN-
Symposium 2024 integriert, um die vorhandenen Infrastrukturen bestmöglich
für die internationale Vernetzung im Bereich Smart Cities zu nutzen.
Bilaterale Austausche
Das BMWSB verfolgt auf Referatsebene den Aufbau bilateraler Austausche
mit Fachministerien anderer Länder. Hier wurden bislang erste Kontakte mit
Japan und Südkorea etabliert. Weitere Austausche sind gegenwärtig in Prüfung.
Open & Agile Smart Cities und Eurocities
Basierend auf dem ISCN findet ein Austausch mit den internationalen
Städtenetzwerken Open and Agile Smart Cities sowie Eurocities statt. Durch die
Einbindung internationaler Mitgliedsstädte und deutscher Mitgliedsstädte, die teils
auch geförderte Modellprojekte Smart Cities sind, kann der interkommunale
Austausch auch auf internationaler Ebene verstetigt werden.
#vernetztinEuropa
Auf europäischer Ebene koordiniert das BMWSB die Bedarfe der geförderten
Modellkommunen Smart Cities mit den EU-weiten Ansätzen. Dies geschieht
gegenwärtig vornehmlich durch das Projekt #vernetztinEuropa und im Sinne
einer effektiven und effizienten globalen Vernetzung in enger Einbindung an
den Smart-City-Diskurs der OECD.
UNITAC
Deutschland (durch das Auswärtige Amt (AA) und BMZ) unterstützt direkt den
United Nations Innovation Technology Accelerator for Cities (UNITAC).
UNITAC ist eine Kooperation zwischen der HafenCity Universität Hamburg
und UN-Habitat, unterstützt durch das United Nations Office of Information
and Communications Technology (UN-OICT). Als Teil von UN-Habitats
Flagship-Programm „People-Centered Smart Cities“ unterstützt UNITAC Hamburg
nationale und lokale Regierungen bei ihrem digitalen Wandel, indem es eine
Multi-Level-Governance-Strategie anwendet und so hilft, Fähigkeiten zu
entwickeln und digitale Technologien auf ethische und inklusive Weise effektiv zu
nutzen. Dies soll sicherstellen, dass niemand zurückgelassen wird.
Als digitaler Innovation Hub von UN-Habitat wird UNITAC im Juni 2024 eine
Konferenz zur Überarbeitung der „Principles for Digital Development“
ausrichten. Diesen 2014 unter Federführung von UN-Habitat entwickelten
Grundsätzen für digitale Entwicklung haben sich bereits über 300 Organisationen
verpflichtet. Die deutsche Entwicklungszusammenarbeit hat sich ebenfalls diesen
Grundsätzen verpflichtet und wird sich an der Überarbeitung/
Weiterentwicklung beteiligen.
5. Inwiefern werden die kommunalen Spitzenverbände in dem informellen
„engagement group“-Format der G7 konkret einbezogen, und was ist ihre
konkrete Rolle (vgl. Antwort der Bundesregierung auf die Schriftliche
Frage 131 des Abgeordneten Nicolas Zippelius auf Bundestagsdrucksache
20/9462)?
Im Jahr 2021 haben sich auf Initiative eines britischen Städtenetzwerks die
kommunalen Spitzenverbände der G7-Staaten zu einer kommunalen
Vereinigung mit dem Namen „Urban Seven“ (U7) zusammengetan. Für Deutschland
ist der Deutsche Städtetag der zentrale Akteur, außerdem betreibt die Stadt
Mannheim ein Sekretariat für die an die U7 angeschlossene
Bürgermeistervereinigung „Global Parliament of Mayors“ (GPM). Der Zweck der U7 ist es, zu
den politischen Entscheidungen der G7-Staaten kommunale Positionen zu
vertreten und für einen kontinuierlichen Dialog zwischen G7-Regierungen und
kommunalen Akteuren zu werben. Hierfür richten die U7 unter anderem
jährlich ein Treffen von Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern (Mayors Summit)
aus, deren Abschlusserklärung (Mayors Declaration) als Empfehlung für das
Gipfeltreffen der Staats- und Regierungschefs dient.
Eine von Seiten der jeweiligen Präsidentschaft vorzunehmende formelle
Anerkennung als „vollwertige“ „Engagement Group“, welche dann entsprechende
Aufgaben und offizielle Zugänge in der Mitberatung der verschiedenen G7-
Fachpolitiken und beim Treffen der Staats- und Regierungschefs zuerkannt
bekommt, steht bislang allerdings aus.
Unter der deutschen G7-Präsidentschaft 2022 fand das erste Ministertreffen für
Nachhaltige Stadtentwicklung auf Initiative der Bundesministerin für Wohnen,
Stadtentwicklung und Bauwesen Klara Geywitz statt. Die G7-Kooperation im
Politikfeld Stadtentwicklung bot den U7 erstmalig direkten Zugang zu
Beratungen von G7-Fachministerinnen und Fachministern. Seitdem gleicht im
Stadtentwicklungsstrang der G7 (die Federführung in der Bundesregierung hat das
BMWSB) die Rolle der U7 derjenigen einer sogenannten „Engagement Group“
und reicht teilweise noch darüber hinaus, indem beispielsweise die U7 unter
deutscher und japanischer G7-Präsidentschaft zur Teilnahme am
Ministertreffen mit je einem kommunalen Vertreter (2022: Oberbürgermeister Peter Kurz;
Stadt Mannheim, als vom damalig für die U7 „federführend“ agierenden
deutschen kommunalen Spitzenverband, dem Deutschen Städtetag, mandatierter
U7-Vertreter; 2023: Bürgermeister Kizo Hisamoto; Stadt Kobe, als vom
damalig für die U7 „federführend“ agierenden japanischen Städteverband
mandatierter U7-Vertreter) eingeladen wurden. Im Stadtentwicklungsstrang werden die
U7 auch in allen Arbeitsgruppentreffen zur Vorbereitung des Ministertreffens
eingebunden und nehmen daran in der Regel durch ihre Vertreterinnen und
Vertreter aus dem jeweiligen Städteverband des Landes der Präsidentschaft, dem
Städtenetzwerk ICLEI sowie der Bürgermeistervereinigung „Global Parliament
of Mayors“ teil. Hierin leisten die U7 beratende Aufgaben bei der Verhandlung
der vorzubereitenden Beschlüsse der Ministerinnen und Minister und
gewährleisten, dass kommunale Belange in den Fachthemen der Stadtentwicklung der
G7-Staaten berücksichtigt werden. Das BMWSB setzt sich entsprechend seines
stadtentwicklungspolitischen Grundverständnisses weiterhin dafür ein, dass die
U7 unmittelbar eingebunden sind in die Weiterentwicklung der
Stadtentwicklungsagenda der G7. Dieses Beteiligungsmodell könnte auch zum Vorbild in
anderen G7-Themensträngen genommen werden und unter Umständen eine
formelle Anerkennung der U7 als „Engagement Group“ nach sich ziehen
(vergleich oben; Entscheidung der jeweiligen G7-Präsidentschaft).
Im Rahmen des Strangs für Klima, Energie und Umwelt (die Federführung in
der Bundesregierung haben BMWK und BMUV) wurde unter der japanischen
G7-Präsidentschaft 2023 ein „Roundtable on Subnational Climate Action“
etabliert. Die U7 wurden von Japan eingeladen am ersten Meeting im Oktober
2023 teilzunehmen und hatten über ausgewählte Städtevertreterinnen und
Stadtvertreter kurze Redebeiträge (für Deutschland: Oberbürgermeister Thomas
Kufen; Stadt Essen). Sie sind aber nicht ständiges Mitglied des Roundtables.
Auch aus entwicklungspolitischer Sicht ist eine aktive Einbindung der
Perspektive von Städten und Kommunen wie in Form der U7 bei einer Reihe von
entwicklungspolitischen Themen wesentlich. Daher unterstützt die deutsche
Entwicklungszusammenarbeit die U7 und steht mit ICLEI als engem
Kooperationspartner im direkten Austausch. Denn 60 Prozent der globalen
Nachhaltigkeitsziele können nur in Zusammenarbeit mit Regionen und Kommunen
erreicht werden. Im Kommuniqué der G7 Entwicklungsministerinnen und -
minister (die Federführung in der Bundesregierung hat das BMZ) im Jahr 2022
wurde die Rolle der Städte und Kommunen bei der Entwicklung und Finanzierung
von nachhaltiger Infrastruktur gewürdigt und die besondere Bedeutung der
lokalen beziehungsweise Gemeindeebene für die gesellschaftliche
Transformation hervorgehoben.
6. Welche Rolle spielt der Austausch mit Entwicklungsländern im Bereich
Smart Cities für die Bundesregierung, und mit welchen Ländern ist
Deutschland hier konkret im Austausch?
Mit dem ISCN hat das BMWSB eine Plattform etabliert, die dem
internationalen inhaltlichen Austausch offensteht. Das schließt Entwicklungsländer mit
ein. Zum Inhalt der Formate siehe Antwort zu Frage 2. Kernmitgliedsländer des
ISCN sind Indien, Brasilien, Mexiko und Peru.
Das innovative Potenzial in Ländern des Globalen Südens bietet ebenfalls
Ansätze für die digitale Transformation deutscher Kommunen. Daher verfolgt das
BMWSB über das ISCN einen bidirektionalen Austausch innerhalb seines
Mehr-Ebenen-Ansatzes (national – regional – kommunal).
Darüber hinaus haben das BMDV und das BMWSB im Rahmen der
deutschkenianischen Digitaldialoge im Februar 2024 erstmalig gemeinsam eine
Konferenz zu Data-Driven Cities in Nairobi durchgeführt. Diese brachte
unterschiedliche Stakeholder aus Deutschland, Kenia, Ghana, Südafrika und anderen
afrikanischen Ländern zusammen, um die Bedeutung von datengetriebenen
Ansätzen für das urbane Gemeinwohl zu betonen und den fachlichen Austausch zu
Datenstrategien, urbanen Datenplattformen und Use Cases im Kontext Smart
Cities zu stärken.
Das BMWSB unterstützt die horizontale Vernetzung seiner Beauftragungen mit
den Förderprogrammen anderer Ressorts. Über das Projekt #vernetztinEuropa
erfolgt zum Beispiel eine Vermittlung der deutsch-europäischen Städtetandems
an das BMZ-finanzierte Projekt „Fachkräfte für kommunale Partnerschaften
weltweit“. Dadurch können gemeinsam mit neuen Partnerstädten aus dem
Globalen Süden Aktivitäten auch im Bereich Smart Cities verstetigt, Kompetenzen
aufgebaut und gegebenenfalls Innovationen repliziert werden.
Das BMZ unterstützt Indien bei der Umsetzung der nationalen Smart-City-
Strategie. Hierfür fördert das BMZ das Programm für „Nachhaltige
Stadtentwicklung – Smart Cities“ sowie auch Vorhaben zur Verbesserung städtischer
Dienstleistungen durch digitale Ansätze, wie zum Beispiel das Programm
„Nachhaltige städtische Mobilität“.
Abseits von Indien werden keine dezidierten Smart-City-Vorhaben (mit
Benennung im Titel) oder nationale Smart-City-Initiativen unterstützt. Gleichwohl
fördert das BMZ aber in zahlreichen Ländern über Stadt-, Governance- oder
Dienstleistungsvorhaben digitale Anwendungen und somit Aspekte einer Smart
City.
Beispiele hierfür sind:
• die Stärkung von Kommunalverwaltungen für verbesserte
Bürgerdienstleistungen im Rahmen von Dezentralisierungsprozessen (unter anderem in
Burkina Faso, Kambodscha, Kamerun, Madagaskar, Nepal, Niger, Togo,
Ruanda, Peru, Senegal und die Regionalvorhaben in Asien und in
Lateinamerika)
• die Stärkung kommunaler Eigeneinnahmen (zum Beispiel Aufbau digitaler
Kataster und transparente Finanzverwaltung) unter anderem in Benin,
Ghana, Marokko, Kolumbien, Kongo DR und Tunesien
• die Sicherung und das Management von Landrechten (unter anderem. in
Äthiopien, Georgien und Namibia)
• die Verbesserung städtischer Planung, inklusive Anpassung an Klimarisiken
(unter anderem in Bangladesch, Ecuador, Mexiko, Namibia, Peru und ein
Regionalvorhaben in Lateinamerika
• den Auf- und Ausbau partizipativer Maßnahmen/Bürgerbeteiligungen (unter
anderem in Mali, Kamerun, Pakistan, ein Regionalvorhaben im Westbalkan
sowie als Teilaspekt der Dezentralisierungsvorhaben)
• Verbesserung städtischer Dienstleistungen zum Beispiel in den Bereichen
• Mobilität (unter anderem. in Indien, Kenia, Mexiko im Rahmen der
globalen Transformative Urban Mobility Initiative (TUMI)
• Abfall- und Kreislaufwirtschaft (unter anderem in Ghana, Indonesien,
Mexiko und in einem Regionalvorhaben in Lateinamerika)
• Wasser/Sanitär (unter anderem in Burkina Faso, Marokko, Tansania,
Jemen und Jordanien
• Energie (unter anderem in Kosovo, Marokko und Pakistan).
7. Warum wurde der Themenbereich Smart Cities bei der Strategie für die
Internationale Digitalpolitik nicht berücksichtigt?
Die „Strategie für die Internationale Digitalpolitik“ der Bundesregierung
benennt neun Handlungsleitendende Grundsätze für die internationale
Digitalpolitik. Die „Strategie für die Internationale Digitalpolitik“ spiegelt einen
wertebasierten Ansatz. Ebenso verfolgt das BMWSB generell eine wertebasierte,
nachhaltige, integrierte und Gemeinwohlorientierte Stadtentwicklung. Für das
BMWSB ist mit der verabschiedeten „Strategie für die Internationale
Digitalpolitik“ der Handlungsrahmen für eine erfolgreiche internationale Smart-City-
Entwicklung grundsätzlich gegeben.
8. Bei welchen Regierungskonsultationen zwischen dem 1. Januar 2022 und
dem 31. Dezember 2023 wurden Smart Cities thematisiert, und in
welchem konkreten Kontext geschah dies?
Bei einer Regierungskonsultationen mit Indien, am 6. Mai 2022, und bei
Regierungsverhandlungen mit Kambodscha, am 18. Oktober 2023, wurden Smart
Cities thematisiert.
Bei der Regierungskonsultation mit Indien wurde vereinbart, den Wissens- und
Erfahrungsaustausch im ISCN fortzusetzen und ein gemeinsames Symposium
im Herbst 2022 auszurichten.
Bei der Regierungsverhandlung mit Kambodscha wurde die bilaterale
Entwicklungszusammenarbeit zwischen dem BMZ und der Regierung Kambodschas
verhandelt.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333