Deutscher Bundestag Drucksache 20/11672
20. Wahlperiode 05.06.2024
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Martina Renner, Dr. André Hahn, Nicole
Gohlke, weiterer Abgeordneter und der Gruppe Die Linke
– Drucksache 20/11495 –
Rechtsextreme Gewalttaten mit misogynem und sexistischem Hintergrund
V o r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
In rechtsextremen Ideologien herrscht zwischen Männern und Frauen ein
Machtgefälle. Frauen haben bestimmte Ideale oder Werte zu vertreten und
müssen sich dem Mann unterordnen. Jene, die dies nicht tun oder sich sogar
gegen diese reaktionäre Vorstellung von Geschlechterrollen aussprechen bzw.
dem entgegenwirken, werden diffamiert und zum Feindbild erklärt (
www.bp
b.de/themen/rechtsextremismus/dossier-rechtsextremismus/197016/maennlich
e-ueberlegenheitsvorstellungen-in-der-rechtsextremen-ideologie/). Häufiges
Mittel, um solche Entwicklungen zu unterdrücken, sind Gewaltakte gegen
Frauen. Auch können Männer oder queere Personen Betroffene von sexistisch
motivierter extrem rechter Gewalt werden, da auch sie nicht in deren Weltbild
passen. Die Gewalt wird hier genutzt, um patriarchale Vorstellungen von
Geschlechterrollen zu manifestieren.
Allerdings werden misogyne Tatmotive durch männliche Täter in der
deutschen Strafverfolgung nach vertretener Auffassung oft nicht ausreichend
berücksichtigt. So stellt beispielsweise der 1. Strafsenat des BGH in Bezug auf
Tötungen von Frauen durch Männer im Rahmen von (Ex-)Partnerschaften
noch immer darauf ab, dass „gerade der Umstand, dass eine Trennung vom
Tatopfer ausgegangen ist (…) als gegen die Niedrigkeit des Beweggrundes
sprechender Umstand beurteilt werden“ dürfe (vgl.
www.bpb.de/themen/gend
er-diversitaet/femizide-und-gewalt-gegen-frauen/517633/femizide-
rechtlicherrahmen-und-strafverfolgung/). Außerdem erfolgt nach Ansicht der
Fragesteller bei der Tötung bzw. Ermordung von Frauen oder bei tätlichen Angriffen
auf diese keine hinreichende die Tatmotive überschneidende, intersektionale
Betrachtung von Gewalttaten. Dadurch können nach Auffassung der
Fragesteller beispielsweise keine Zusammenhänge zwischen rassistischen und
sexistischen Motiven bei Gewalttaten gegen Frauen hergestellt werden. Dies
führt zu einer Entpolitisierung und Individualisierung solcher Verbrechen.
Beispielhaft wird dies deutlich in der Polizeilichen Kriminalstatistik (PKS)
zum Unterthemenfeld Obdachlosigkeit, aus der weder hervorgeht, ob Frauen
aufgrund ihres Geschlechts, aufgrund anderer Merkmale wie einem
mutmaßlichen Migrationshintergrund oder aus gleich mehreren Motiven Opfer von
Gewalt- und Straftaten wurden (vgl. Anlage zur Antwort der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsrucksache 20/11119, vgl.
www.belltow
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums des Innern und für Heimat
vom 5. Juni 2024 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
er.news/alles-einzelfaelle-die-sexistische-ideologie-der-extremen-rechten-143
487/).
Grund dafür ist unter anderem die oben beschriebene fehlende Anerkennung
der Kategorie „Femizid“ durch Behörden in der Strafverfolgung (vgl.
www.bp
b.de/themen/gender-diversitaet/femizide-und-gewalt-gegen-frauen/517633/fe
mizide-rechtlicher-rahmen-und-strafverfolgung/). Die
Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert als Femizid vorsätzliche Morde an Frauen, weil sie
Frauen sind (iris.who.int/bitstream/handle/10665/77421/WHO_RHR_12.38_e
ng.pdf?sequence=1). In anderen Definitionen wird der Begriff auch weiter
gefasst; beispielsweise wird das Phänomen als „die Tötung von Frauen wegen
ihres Geschlechts oder wegen bestimmter Vorstellungen von Weiblichkeit
(…)“ (
www.amadeu-antonio-stiftung.de/wp-content/uploads/2022/11/alles_ei
nzelfaelle.pdf) beschrieben. Nach Ansicht der Fragesteller entsteht in
Kombination mit einer fehlenden Aufarbeitung rechtsextremer Strukturen bei der
Polizei, unzureichender Verfolgung und Verurteilung von misogyner Gewalt
durch Behörden ein Vertrauensverlust bei Betroffenen. Das erhöht die
Hemmschwelle, strafrechtliche Maßnahmen einzuleiten, und führt zur Stabilisierung
dieser sexistischen Strukturen.
V o r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Im Rahmen des Kriminalpolizeilichen Meldedienstes in Fällen Politisch
motivierter Kriminalität (KPMD-PMK) werden politisch motivierte Straftaten durch
die zuständigen Landeskriminalämter an das Bundeskriminalamt (BKA)
übermittelt und in einer zentralen Fallzahlendatei erfasst. Ausgehend von den
Motiven zur Tatbegehung und den Tatumständen werden politisch motivierte Taten
durch die Länder Themenfeldern zugeordnet sowie die erkennbaren
ideologischen Hintergründe und Ursachen der Tatbegehung in einem
staatsschutzrelevanten Phänomenbereich abgebildet.
Bei politisch motivierter Gewaltkriminalität handelt es sich um eine Teilmenge
der politisch motivierten Kriminalität, die eine besondere Gewaltbereitschaft
der Straftäter erkennen lässt.
Sie umfasst folgende Deliktsbereiche/Deliktskategorien:
• Tötungsdelikte
• Körperverletzungen
• Brand- und Sprengstoffdelikte
• Landfriedensbruch
• Gefährliche Eingriffe in den Schiffs-, Luft-, Bahn- und Straßenverkehr
• Freiheitsberaubung
• Raub
• Erpressung
• Widerstandsdelikte
• Sexualdelikte
Alle in der Folge dargestellten Fallzahlen des Jahres 2023 wurden mit Stichtag
31. Januar 2024 erhoben. Die Fallzahlen aus dem laufenden Jahr 2024 wurden
mit Abfragedatum 31. Mai 2024 erhoben. Die Fallzahlen für das Jahr 2024
haben vorläufigen Charakter und sind durch Nach-/Änderungsmeldungen noch
Veränderungen unterworfen.
In Bezug auf die erfragte Aufschlüsselung nach dem „Ort“ bzw. „Tatort“ muss
im Hinblick auf die kurze Zeitspanne zwischen Tatzeit und Beauskunftung bei
einem erheblichen Teil der Straftaten von derzeit laufenden Ermittlungen
ausgegangen werden. Um eine Gefährdung der polizeilichen und justiziellen
Verfahren zu reduzieren bzw. auszuschließen, erfolgt die Beauskunftung daher
nicht zum Ort, sondern zum Bundesland.
Die Abkürzung „Gef. Eingriff“ steht für die Straftatbestände „Gefährlicher
Eingriff in den Luft-, Bahn- und Straßenverkehr“.
1. Wie viele Fälle von rechtsextremer Gewalt gab es nach Kenntnis der
Bundesregierung seit dem 1. Januar 2023 (bitte nach Jahren, Ort und
Delikten auflisten)?
Für das Jahr 2023 wurden mit Stichtag 31. Januar 2024 insgesamt 1 270
rechtsmotivierte Gewaltdelikte registriert, davon sind 1 148 Straftaten als
extremistisch eingestuft.
Für 2024 sind mit Anfragedatum 31. Mai 2024 bisher 303 rechtsmotivierte
Gewaltdelikte registriert, davon sind 261 Straftaten als extremistisch eingestuft.
Die weiteren Angaben finden sich in den nachfolgenden Tabellen.
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2. Wie viele Fälle gab es seit dem 1. Januar 2023 nach Kenntnis der
Bundesregierung, bei denen Frauen Opfer rechtsextremer Gewalt wurden
(bitte nach Jahren, Ort und Delikten auflisten)?
Das Bundeskriminalamt (BKA) erfasst in der Fallzahlendatei „Lagebild
Auswertung politisch motivierter Straftaten“ (LAPOS) ausschließlich natürliche
Personen als Opfer, die durch eine mit Strafe bedrohte Handlung tatsächlich
körperlich geschädigt wurden. Dieser Hintergrund ist im Rahmen der
nachfolgenden Darstellung der Opferzahlen entsprechend in eine etwaige Bewertung
miteinzubeziehen.
Für 2023 wurden mit Stichtag 31. Januar 2024 insgesamt 141 rechtsmotivierte
Gewaltdelikte registriert, bei denen weibliche Opfer zu verzeichnen waren,
davon sind 124 Straftaten als extremistisch eingestuft.
Für 2024 sind mit Abfragedatum vom 31. Mai 2024 bisher 37 rechtsmotivierte
Gewaltdelikte registriert, bei denen weibliche Opfer zu verzeichnen waren,
davon sind 35 Straftaten als extremistisch eingestuft.
Die genauen Angaben finden sich in den nachfolgenden Tabellen.
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3. Wie viele Fälle gab es seit dem 1. Januar 2023 nach Kenntnis der
Bundesregierung, bei denen Transfrauen oder als weiblich gelesene Personen
Opfer rechtsextremer Gewalt waren (bitte nach Jahren, Ort und Delikten
auflisten)?
Straftaten, welche sich gegen Menschen, deren geschlechtliche Identität vom
bei der Geburt zugewiesenen Geschlecht abweicht (transgeschlechtliche bzw.
nichtbinäre Menschen) sowie gegen Menschen, die körperliche
Geschlechtsmerkmale aufweisen, die sich nicht als nur männlich oder nur weiblich
einordnen lassen (intergeschlechtliche Menschen), richten, werden im KPMD-PMK
als Teilmenge der Hasskriminalität zum Unterthemenfeld (UTF)
„Geschlechtsbezogene Diversität“ erfasst.
Eine gesonderte statistische Auswertung nach Opfern, die trans* Frauen sind
oder als weiblich gelesen werden, ist nicht möglich. Die Zahlen zum UTF
„Geschlechtsbezogene Diversität“ finden sich in der Antwort zu Frage 4.
4. Wie viele Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt gab es nach Kenntnis
der Bundesregierung seit dem 1. Januar 2023 (bitte nach Jahren, Ort und
Delikten auflisten)?
Geschlechtsspezifische Gewaltstraftaten im Sinne der Fragestellung werden mit
Wirkung zum 1. Januar 2022 im Rahmen des Kriminalpolizeilichen
Meldedienstes in Fällen Politisch motivierter Kriminalität (KPMD-PMK) als Teil der
Hasskriminalität den neu eingeführten UTF „Frauenfeindlich“,
„Männerfeindlich“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“ zugeordnet. Da die Fragestellung
keine Eingrenzung auf einen bestimmten Phänomenbereich vornimmt, erfolgen
nachfolgend phänomenübergreifende Aufstellungen.
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5. Wie viele Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt gab es seit dem
1. Januar 2023 nach Kenntnis der Bundesregierung, bei denen sich die
Tatverdächtigen (auch) rechtsextremistisch zu der Tat äußerten,
Erkennungssymbole der rechtsextremen Szene (Schuhe, Kleidung, Tattoos,
etc.) trugen oder die Tatverdächtigen einer rechtsextremen Organisation,
Gruppe, Verein, etc. zugerechnet werden?
6. Wie viele Fälle von geschlechtsspezifischer Gewalt durch rechtsextreme
Täterinnen und Täter gab es seit dem 1. Januar 2023 nach Kenntnis der
Bundesregierung, die als sexistisch motivierte Taten als misogyn oder
frauenfeindlich eingestuft wurden?
Die Fragen 5 und 6 werden gemeinsam beantwortet.
Dem Phänomenbereich der PMK-R werden Straftaten zugeordnet, wenn in
Würdigung der Umstände der Tat und/oder der Einstellung des Täters
Anhaltspunkte dafür vorliegen, dass sie nach verständiger Betrachtung (z. B. nach Art
der Themenfelder) einer „rechten“ Orientierung zuzurechnen sind, ohne dass
die Tat bereits die Außerkraftsetzung oder Abschaffung eines Elementes der
freiheitlichen demokratischen Grundordnung (Extremismus) zum Ziel haben
muss. Der wesentliche Kerngedanke einer „rechten“ Ideologie ist die Annahme
einer Ungleichheit/Ungleichwertigkeit der Menschen.
Insbesondere sind Taten dazuzurechnen, wenn Bezüge zu völkischem
Nationalismus, Rassismus, Sozialdarwinismus oder Nationalsozialismus ganz oder
teilweise ursächlich für die Tatbegehung waren. Diese politisch motivierten
Straftaten sind in der Regel als rechtsextremistisch zu qualifizieren.
Eine standardisierte Erfassung von Erkennungssymbolen oder der
Organisationszugehörigkeit der anonymisierten Tatverdächtigen im Sinne der
Fragestellung erfolgt im KPMD-PMK nicht. Die geschlechtsspezifischen
Gewaltstraftaten im Rahmen der PMK-R für das Jahr 2023 werden in der nachfolgenden
Tabelle dargestellt:
Gewaltdelikte PMK-rechts- Frauenfeindlich Geschlechtsbezogene Diversität
Tötungsdelikte 0 0
Körperverletzungen 9 12
Brandstiftungen 0 0
Sprengstoffdelikte 0 0
Landfriedensbruch 0 1
Gefährlicher Eingriff in den Luft-, Bahn-,
und Straßenverkehr
0 0
Freiheitsberaubung 0 0
Raub 0 1
Erpressung 0 0
Widerstandsdelikte 1 1
Sexualdelikte 0 0
Summe Gewaltdelikte 10 15
Die geschlechtsspezifischen Gewaltstraftaten im Rahmen der PMK-R seit dem
1. Januar 2024 werden in der nachfolgenden Tabelle dargestellt; Abfragedatum:
24. Mai 2024.
Gewaltdelikte PMK-rechts- Frauenfeindlich Geschlechtsbezogene Diversität
Tötungsdelikte 0 0
Körperverletzungen 4 2
Brandstiftungen 0 0
Sprengstoffdelikte 0 0
Gewaltdelikte PMK-rechts- Frauenfeindlich Geschlechtsbezogene Diversität
Landfriedensbruch 0 0
Gefährlicher Eingriff in den Luft-, Bahn-,
und Straßenverkehr
0 0
Freiheitsberaubung 0 0
Raub 0 0
Erpressung 0 0
Widerstandsdelikte 0 0
Sexualdelikte 0 0
Summe Gewaltdelikte 4 2
Dem UTF „Männerfeindlich“ wurden 2023 keine Gewaltdelikte zugeordnet.
Auch im Jahr 2024 wurden bisher keine Gewaltdelikte zugeordnet.
7. Wie viele Meldungen von rechtsextremer Gewalt an Frauen gab es durch
zivilgesellschaftliche Organisationen seit dem 1. Januar 2023 nach
Kenntnis der Bundesregierung?
Der Bundesregierung ist bekannt, dass laut dem Verband der Beratungsstellen
für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e. V. im Jahr
2023 insgesamt 3 384 direkt Betroffene rechter, rassistischer und
antisemitischer Angriffe in 11 von 16 Bundesländern registriert wurden; davon waren
mindestens 786 Frauen, die Opfer von rechter, rassistischer und antisemitischer
Gewalt wurden. Bei 1 145 Personen wurde das Geschlecht als „unbekannt“
erfasst, sodass keine geschlechtsspezifische Zuordnung dieser Erfassung möglich
ist.
8. Wie viele Meldungen von rechtsextremer Gewalt an Transfrauen und an
als weiblich gelesenen Personen gab es durch zivilgesellschaftliche
Organisationen seit dem 1. Januar 2023 nach Kenntnis der
Bundesregierung?
Der Bundesregierung ist bekannt, dass laut dem Verband der Beratungsstellen
für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt e. V. 2023 von
insgesamt 3 384 betroffenen Personen von rechter, rassistischer und
antisemitischer Gewalt 83 in der Kategorie „anderes Geschlecht“ erfasst wurden.
Daraus kann jedoch nicht abgeleitet werden, dass es sich hierbei ausschließlich um
trans* Frauen oder als weiblich gelesene Personen handelt.
Für 2023 hat der Verband der Beratungsstellen für Betroffene rechter,
rassistischer und antisemitischer Gewalt e. V. insgesamt aber einen Anstieg von queer-
und transfeindlich motivierten Angriffen auf 245 im Vergleich zum Vorjahr
(174) registriert. Nach rechtsextremen und queerfeindlichen Mobilisierungen,
z. B. gegen Christopher-Street-Day-Paraden u. a. in Sachsen-Anhalt und
Sachsen, folgten gewalttätige Angriffe gegen Teilnehmende. Auch ein versuchter
Brandanschlag auf eine Kirche in Spremberg (Brandenburg) im Juni 2023,
nachdem dort kurz zuvor eine Regenbogenfahne gehisst worden war, fällt in
diese Kategorie.
9. Wie beurteilt die Bundesregierung die Auswirkungen des
Machtungleichgewichts zwischen Männern und Frauen in rechtsextremen
Ideologien im Hinblick auf Gewalt gegen Frauen, Transfrauen und weiblich
gelesene Personen durch rechtsextreme oder rechtsextrem beeinflusste
Gewalttäter?
Grundsätzlich teilt die Bundesregierung die im Übereinkommen des Europarats
zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher
Gewalt (sogenannte Istanbul-Konvention) dargelegte Annahme, dass „Gewalt
gegen Frauen der Ausdruck historisch gewachsener ungleicher
Machtverhältnisse zwischen Frauen und Männern ist, die zur Beherrschung und
Diskriminierung der Frau durch den Mann und zur Verhinderung der vollständigen
Gleichstellung der Frau geführt haben“ (siehe Präambel der Istanbul-Konvention).
Diese Annahme schließt Gewalt gegen trans* Frauen und weiblich gelesene
Personen ein. Die Strategie „Gemeinsam für Demokratie und gegen
Extremismus“ der Bundesregierung versteht Formen gruppenbezogener
Menschenfeindlichkeit, wie z. B. Feindlichkeit gegen lesbische, schwule, bisexuelle,
transoder intergeschlechtliche Menschen (LSBTIQ-Feindlichkeit) oder Sexismus,
als Gefährdung für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Demokratie.
Zudem fördert das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend (BMFSFJ) im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“
derzeit eine Fokusstudie zu Antifeminismus, die auch auf Antifeminismus als
zentralen ideologischen Bestandteil und wichtige Mobilisierungsstrategie der
extremen Rechten eingehen wird.
Gegen Frauen, einschließlich trans* Frauen und weiblich gelesene Personen,
gerichtete Gewalt ist kein Agitationsschwerpunkt in der gewaltorientierten
rechtsextremistischen Szene.
Gleichwohl ist Misogynie nach wie vor ein Bestandteil rechtsextremistischer
Ideologien, wobei hier primär die Reproduktion und die Frau als „Eigentum
des Volkes“ im Mittelpunkt stehen. Deutlich wird dies auch bei vermeintlich
moderneren Verschwörungstheorien wie derjenigen vom „Großen Austausch“
(Hierbei werden niedrige Geburtenraten innerhalb der einheimischen
Bevölkerung und höhere in der vermeintlich oder tatsächlich eingewanderten
Bevölkerung als wesentlicher Aspekt dargestellt und als „demografische
Kriegsführung“ einem verbrecherischen Plan ominöser Eliten zugeschrieben.).
Eine besonders obskure Ausprägung stellt die sogenannte „Incel“-Bewegung
(„Incel“ = Involuntary celibate men; übersetzt: „unfreiwillig im Zölibat lebende
Männer“) dar, welche ideologisch nicht originär rechtsextremistisch ist, jedoch
einige wesentliche Schnittmengen aufweist. Der Hass gegenüber Frauen,
einschließlich trans* Frauen und weiblich gelesenen Personen, ist in der „Incel“-
Subkultur ein integraler Bestandteil, der auf Onlineplattformen stetig
kommuniziert, reproduziert und ausgelebt wird. Anhänger dieser Subkultur nehmen
sich demnach in ihrer quasi-fatalistischen Selbstwahrnehmung als von Frauen
und der Mehrheitsgesellschaft Zurückgewiesene und Ausgestoßene wahr. Ihre
eigene, durchweg negative Selbsteinschätzung projizieren Männer der „Incel-
Bewegung“ in eine genuine Abneigung, geprägt von Schuldzuweisungen und
Gewaltfantasien, in erster Linie auf Frauen. Insbesondere im
nordamerikanischen Raum kam es unter anderem auch zu Terroranschlägen, deren Täter sich
explizit oder implizit der „Incel“-Bewegung zurechneten.
Wenngleich diese Subkultur in ihrer Gesamtheit nicht dem Phänomenbereich
Rechtsextremismus zuzuordnen ist, lassen sich auch Überschneidungen mit
dem rechtsextremistischen Personenpotential konstatieren. So lassen sich
Bezüge zur „Incel“-Szene beispielsweise im Fall des rechtsterroristischen
Attentäters von Halle im Jahr 2019 feststellen.
10. Wie beurteilt die Bundesregierung die Möglichkeit von
Mehrfachdiskriminierungen von Opfern rechtsextremer Gewalt als Angehörige von
Gruppen, die in rechtsextremen, rechtspopulistischen,
sozialdarwinistischen und menschenfeindlichen Einstellungen und Ideologien als
Feindbilder bzw. Gegner markiert und benannt werden?
Die Strategie „Gemeinsam für Demokratie und gegen Extremismus“ erkennt
an, „dass von Rassismus, Antisemitismus und Antiziganismus betroffene
Personen aufgrund unterschiedlicher Zuschreibungen bzw. Merkmale in
unterschiedlichen Situationen Diskriminierung erleben (mehrdimensionale
Diskriminierung) und sich verschiedene Merkmale in der Situation überschneiden
können und qualitativ eine neue Diskriminierungserfahrung wie zum Beispiel
sexuelle Orientierung und Religion hervorbringen (intersektionale
Diskriminierung)“. Die Bundesregierung stellt sich jeder Form von Diskriminierung
entschieden entgegen.
11. Wie begründet die Bundesregierung, dass unter dem Oberbegriff
„Nationalsozialismus/Sozialdarwinismus“ im Themenfeldkatalog der
Kriminaltaktischen Anfragen in Fällen Politisch motivierter Kriminalität (KTA-
PMK) ein Unterbegriff, welcher sich mit sexistisch motivierten Taten
umfasst, fehlt, sondern lediglich in den Erläuterungen zum
Unterthemenfeld „Völkischer Nationalismus“ auf „Sexuelle Orientierung“ verwiesen
wird, nicht aber auf „Frauenfeindlich“ und „Geschlechtsbezogene
Diversität“?
Unter dem Oberthemenfeld Hasskriminalität sind zum 1. Januar 2023 die
Unterthemenfelder „Frauenfeindlich“ und „Geschlechtsbezogene Diversität“
eingeführt worden. Eine entsprechende Anpassung der Erläuterungen im
Unterthemenfeld „Völkischer Nationalismus“ ist bislang nicht erfolgt. Das BKA
wird sich im Rahmen der Gremien der IMK für eine entsprechende Erörterung
einsetzen.
12. Wie viele und welche Fälle, die seit dem 1. Januar 2023 im
Unterthemenfeld „Geschlechtsbezogene Diversität“ (Themenfeld
Hasskriminalität) erfasst wurden, werden ebenfalls in den Kategorien PMK-rechts,
PMK-nicht zuzuordnen und Politisch motivierte Gewaltkriminalität
erfasst (bitte nach Jahr, Tatort, Delikt und Mehrfachzuordnung auflisten)?
Unter Verweis auf die Antworten zu den Fragen 11 und 16 ist anzumerken, dass
die Erfassung der PMK in den voneinander unabhängigen Dimensionen erfolgt.
Der jeweilige Sachverhalt kann immer nur einem Phänomenbereich zugeordnet
werden. Mehrfachzuordnungen sind hier nicht möglich.
Zur Beantwortung der Fragestellung sind die deliktskategorischen
Beschreibungen (darunter auch Gewaltdelikte) sowie die Verteilung nach den
Phänomenbereichen PMK-rechts- und PMK-sonstige Zuordnung- in den folgenden
Tabellen dargestellt:
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13. Wie viele und welche Fälle, die seit dem 1. Januar 2023 im
Unterthemenfeld „Frauenfeindlich“ (Themenfeld Hasskriminalität) erfasst
wurden, werden ebenfalls in den Kategorien PMK-rechts, PMK-nicht
zuzuordnen und Politisch motivierte Gewalt-kriminalität erfasst (bitte nach
Jahr, Tatort, Delikt und Mehrfachzuordnung auflisten)?
Unter Verweis auf die Antworten zu den Fragen 11 und 16 ist anzumerken, dass
die Erfassung der PMK in den voneinander unabhängigen Dimensionen erfolgt.
Der jeweilige Sachverhalt kann immer nur einem Phänomenbereich zugeordnet
werden. Mehrfachzuordnungen sind hier nicht möglich.
Zur Beantwortung der Fragestellung sind die deliktskategorischen
Beschreibungen (darunter auch Gewaltdelikte) sowie die Verteilung nach den
Phänomenbereichen PMK-rechts- und PMK-sonstige Zuordnung- in den folgenden
Tabellen dargestellt.
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14. Wie viele und welche Fälle, die seit dem 1. Januar 2023 im
Unterthemenfeld „sexuelle Orientierung“ (Themenfeld Hasskriminalität)
erfasst wurden, werden ebenfalls in den Kategorien Politisch motivierte
Kriminalität (PMK)-rechts, PMK-nicht zuzuordnen und Politisch
motivierte Gewaltkriminalität erfasst (bitte nach Jahr, Tatort, Delikt und
Mehrfachzuordnung auflisten)?
Unter Verweis auf die Antworten zu den Fragen 11 und 16 ist anzumerken, dass
die Erfassung der PMK in den voneinander unabhängigen Dimensionen erfolgt.
Der jeweilige Sachverhalt kann immer nur einem Phänomenbereich zugeordnet
werden. Mehrfachzuordnungen sind hier nicht möglich.
Zur Beantwortung der Fragestellung sind die deliktskategorischen
Beschreibungen (darunter auch Gewaltdelikte) sowie die Verteilung nach den
Phänomenbereichen PMK-rechts- und PMK-sonstige Zuordnung- in den folgenden
Aufstellungen dargestellt.
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15. Wie viele und welche Fälle, die seit dem 1. Januar 2023 im Themenfeld
„Hasskriminalität“ erfasst wurden, werden ebenfalls in den Kategorien
PMK-rechts, PMK-nicht zuzuordnen und Politisch motivierte
Gewaltkriminalität erfasst (bitte nach Jahr, Tatort, Delikt und Mehrfachzuordnung
auflisten)?
Unter Verweis auf die Antworten zu den Fragen 11 und 16 ist anzumerken, dass
die Erfassung der PMK in den voneinander unabhängigen Dimensionen erfolgt.
Der jeweilige Sachverhalt kann immer nur einem Phänomenbereich zugeordnet
werden. Mehrfachzuordnungen sind hier nicht möglich.
Zur Beantwortung der Fragestellung sind die deliktskategorischen
Beschreibungen (darunter auch Gewaltdelikte) sowie die Verteilung nach den
Phänomenbereichen PMK-rechts- und PMK-sonstige Zuordnung- in den folgenden
Aufstellungen dargestellt.
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16. Wie wird die explizite und erkennbare Aufnahme von frauenfeindlichen
und misogynen Delikten im Themenfeld „Hasskriminalität“ durch die
entsprechenden Unterthemenfelder und deren Erfassung in den
Phänomenbereichen PMK-rechts und PMK-nicht zuzuordnen sichergestellt?
Im Rahmen des KPMD-PMK werden politisch motivierte Straftaten durch die
zuständigen Landeskriminalämter an das BKA übermittelt und in einer
zentralen Fallzahlendatei erfasst.
Die PMK wird in den voneinander unabhängigen Dimensionen
– Angriffsziel
– Tatmittel
– Verletzte Rechtsnorm (Zähldelikt)
– Deliktsqualität
– Themenfeld
– Phänomenbereich
– Internationale Bezüge
– Extremistische Kriminalität
mit ihren jeweiligen Ausprägungen abgebildet. Dabei sind in den Dimensionen
Angriffsziel, Tatmittel und Themenfeld Mehrfachnennungen möglich.
Ausgehend von den Motiven zur Tatbegehung und den Tatumständen werden
politisch motivierte Taten durch die Länder sogenannten Themenfeldern (u. a.
dem Unterthemenfeld „Frauenfeindlich“ im Oberthemenfeld
„Hasskriminalität“) zugeordnet sowie die erkennbaren ideologischen Hintergründe und
Ursachen der Tatbegehung in einem staatsschutzrelevanten „Phänomenbereich“
abgebildet. Ist der Sachverhalt nicht unter den Phänomenbereichen PMK
-links-, PMK-rechts-, PMK-ausländische Ideologie- oder PMK-religiöse
Ideologie- subsumierbar, ist der Phänomenbereich PMK-sonstige Zuordnung- (bis
zum 31. Dezember 2022 bezogen auf die Tatzeit: PMK-nicht zuzuordnen-) zu
wählen.
Fälle, bei denen Personen aufgrund von von Vorurteilen gegen ein Geschlecht
oder eine geschlechtliche Identität geleiteten Tatmotivation heraus Opfer
werden, sind Teile der Hasskriminalität. Derartige Vorurteile können sich
insbesondere in einer zum Ausdruck kommenden ablehnenden Einstellung des Täters
zur Gleichwertigkeit und Gleichberechtigung der Geschlechter äußern.
Hasskriminalität bezeichnet politisch motivierte Straftaten, wenn in Würdigung
der Umstände der Tat und/oder der Einstellung des Täters Anhaltspunkte dafür
vorliegen, dass sie aufgrund von Vorurteilen des Täters bezogen auf
Nationalität, ethnische Zugehörigkeit, Hautfarbe, Religionszugehörigkeit/
Weltanschauung, sozialen Status, physische und/oder psychische Behinderung oder
Beeinträchtigung, Geschlecht/geschlechtliche Identität, sexuelle Orientierung,
äußeres Erscheinungsbild begangen werden.
Straftaten der Hasskriminalität können sich unmittelbar gegen eine Person oder
Personengruppe, eine Institution oder ein Objekt/eine Sache richten, welche(s)
seitens des Täters einer der o. g. gesellschaftlichen Gruppen zugerechnet wird
(tatsächliche oder zugeschriebene Zugehörigkeit) oder sich im Zusammenhang
mit den vorgenannten Vorurteilen des Täters gegen ein beliebiges Ziel richten.
Bei der Würdigung der Umstände der Tat ist neben anderen Aspekten auch die
Sicht der/des Betroffenen mit einzubeziehen.
Unter Berücksichtigung der vorgenannten Ausführungen zur Hasskriminalität
wurde das zum 1. Januar 2020 eingeführte Themenfeld „Geschlecht/sexuelle
Identität“ zum 1. Januar 2022 (bezogen auf die Tatzeit) wie folgt
ausdifferenziert:
– „Frauenfeindlich“ – gegen Frauen bzw. das weibliche Geschlecht gerichtet
– „Geschlechtsbezogene Diversität“ – gegen Menschen, deren geschlechtliche
Identität vom biologischen Geschlecht abweicht (transsexuelle bzw.
nichtbinäre Menschen), sowie gegen intersexuelle Menschen bzw. das
Geschlecht gerichtet, welches nicht eindeutig als männlich oder weiblich zu
bestimmen ist
– „Männerfeindlich“ – gegen Männer bzw. das männliche Geschlecht
gerichtet
Die Ausdifferenzierung ermöglicht eine noch bessere Auswertung politisch
motivierter Straftaten, die aufgrund von Vorurteilen bezüglich eines
Geschlechts bzw. einer geschlechtlichen Identität begangen werden. Dies
ermöglicht u. a. eine bessere Politikberatung und insbesondere eine differenziertere
Datenbasis zur Weiterentwicklung polizeilicher Maßnahmen (Prävention,
Gefahrenabwehr, Strafverfolgung). Im Rahmen der Aus- und Fortbildung erfolgen
Sensibilisierungen im Hinblick auf die Nutzung dieser neuen Themenfelder
und auf Ebene von Bund und Ländern werden eingehende diesbezügliche
Qualitätssicherungsmaßnahmen durchgeführt.
17. Welche Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, um die Ziele der
Istanbul-Konvention im Bereich rechtsextremer Gewalttaten mit
misogynem oder sexistischem Hintergrund umzusetzen und den Schutz von
Frauen, Transfrauen und als weiblich gelesene Personen zu verbessern?
Sexistische und antifeministische Ideologien stellen Kernelemente
rechtsextremistischer Ideologien und Bewegungen dar. Antifeministische und sexistische
Ideologien sind genauso radikalisierend wie andere antiegalitäre Vorstellungen
extremistischer Ideologien. Genderreflektierte Präventionsarbeit ist ein
wesentlicher Aspekt des Präventionsansatzes im Bundesprogramm „Demokratie
leben!“ des BMFSFJ. Im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben!“
wird daher das Begleitprojekt „Antifeminismus begegnen – Demokratie
stärken“ gefördert. Ziel ist es, Antifeminismus, Geschlechter- und Familienpolitik
und ihre Verknüpfung mit migrationspolitischen Entwicklungen als zentrales
Mobilisierungsfeld neurechter oder extrem rechter Akteurinnen und Akteure
stärker in den Fokus zu rücken. Einer Normalisierung von rechtsextremen und
vielfaltsfeindlichen Einstellungen und Haltungen soll so entgegengewirkt
werden.
Darüber hinaus werden im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie
leben!“ das Kompetenznetzwerk „Selbst.verständlich Vielfalt“ sowie neun
Modellprojekte gefördert, die präventiv-pädagogische Sensibilisierungs-,
Bildungs- und Empowermentmaßnahmen im Themenfeld Homosexuellen- und
Trans*feindlichkeit entwickeln und erproben.
Der im November 2022 verabschiedete bundesweite Aktionsplan „Queer
Leben“ nennt das Ziel, Queerfeindlichkeit entgegenzuwirken, LSBTIQ* vor
Gewalt, Übergriffen und Anfeindungen zu schützen.
Zur Umsetzung der Istanbul-Konvention wird derzeit eine Strategie der
Bundesregierung zur Prävention und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und
häuslicher Gewalt erarbeitet. Die Strategie möchte Frauen in ihrer Vielfalt –
dazu zählen auch trans* Frauen und als weiblich gelesene Personen – künftig
noch besser vor allen Formen und Ausprägungen von Gewalt, auch in ihrer
digitalen Dimension, schützen. Die Bedarfe von LSBTIQ* werden dabei – in
Übereinstimmung mit den Maßnahmen des Aktionsplans „Queer Leben“ –
intersektional Berücksichtigung finden.
Der Dachverband der Migrantinnenorganisationen, DaMigra, hat sich mit
Unterstützung des BMFSFJ im Jahr 2014 gegründet. DaMigra fungiert als
Sprachrohr von Migrantinnen und als Ansprechpartner für Politik, Verwaltung
und Medien. Vom 1. Oktober 2022 bis zum 31. Dezember 2025 fördern
BMFSFJ und Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) das Projekt
„# together! Solidarisch gegen Sexismus und Rassismus“. DaMigra bringt sich
dabei u. a. in Gremien wie das Bündnis der Nichtregierungsorganisationen zur
Umsetzung der Istanbul-Konvention sowie in Prozesse der Bundesregierung
ein. DaMigra befasst sich gerade auch mit den Auswirkungen von
Rechtspopulismus und Rechtsextremismus auf Frauen mit Migrations- und Fluchtbiografie.
Die Bundesministerin Lisa Paus hat im Februar 2023 das Bündnis „Gemeinsam
gegen Sexismus“ ins Leben gerufen. Ziel des branchenübergreifenden
Bündnisses ist es, Sexismus und sexuelle Belästigung zu erkennen und wirksame
Maßnahmen dagegen zu verankern. Mit gezielter Öffentlichkeitsarbeit,
Veranstaltungen, Materialien und z. B. einer Print-on-Demand-Ausstellung zu Sexismus
unterstützt das Bündnis seine Mitglieder und weitere Interessierte, effektiv
gegen Sexismus vorzugehen und Betroffene wirksam zu unterstützen. Rund
650 Organisationen, Unternehmen und staatliche Stellen haben sich bereits dem
Bündnis angeschlossen. Am 8. November 2023 sind alle Mitglieder des
Bundeskabinetts dem Bündnis beigetreten und haben ein starkes Signal gegen
Sexismus gesendet.
Das Bündnis hat einen intersektionalen Ansatz. Menschen, die
Diskriminierungen etwa wegen der ethnischen Herkunft, einer Behinderung oder wegen der
sexuellen Identität erfahren, können besonders stark von Sexismus betroffen
sein. Ihre Verbände werden gezielt in das Bündnis eingebunden (
www.gemeins
am-gegen-sexismus.de).
In strafrechtlicher Hinsicht ist zu ergänzen, dass mit dem Gesetz zur
Überarbeitung des Sanktionenrechts vom 26. Juli 2023 (BGBl. 2023 I Nr. 203) der
Katalog der Strafzumessungsgründe in § 46 Absatz 2 Satz 2 des Strafgesetzbuches
ausdrücklich um „geschlechtsspezifische“ und „gegen die sexuelle
Orientierung gerichtete“ Beweggründe ergänzt wurde. Diese Ergänzung dient der
Verdeutlichung und Bekräftigung der schon zuvor geltenden Rechtslage, wonach
Hass gegen Frauen und LSBTI-Personen als Tatmotiv unter die Formulierung
der „sonstigen menschenverachtenden“ Beweggründe fällt und so bei der
Strafzumessung grundsätzlich strafschärfend zu berücksichtigen ist. Zum anderen
soll der Begriff „geschlechtsspezifisch“ nicht nur Beweggründe erfassen, die
unmittelbar auf Hass gegen Menschen eines bestimmten Geschlechts,
einschließlich einer nichtbinären Geschlechtsidentität, beruhen, sondern auch die
Fälle einbeziehen, in denen die Tat handlungsleitend von Vorstellungen
geschlechtsbezogener Ungleichwertigkeit geprägt ist; damit verbunden soll auch
der Hinweis an die Rechtspraxis sein, eine entsprechende Motivationslage
namentlich bei Straftaten zu Lasten von Frauen, auch bei Beziehungstaten, stärker
zu berücksichtigen (vgl. Bundestagsdrucksache 20/5913, S. 41).
18. Inwieweit verwenden die Bundesregierung und ihre einzelnen
Bundesministerien den Begriff „Femizid“ als eine Definition von
Tötungsdelikten an Frauen, Transfrauen und als weiblich gelesene Personen (vgl.
www.bmfsfj.de/bmfsfj/aktuelles/reden-und-interviews/lisa-paus-
gewaltgegen-frauen-hat-nichts-mit-liebe-zu-tun--226104)?
Der Begriff „Femizid“ ist kein rechtlich definierter Begriff. Je nachdem,
welche Auslegung zugrunde gelegt wird, reicht das Verständnis von einer sehr
weiten Auslegung (jede Tötung einer Frau oder eines Mädchens) bis hin zu
einer engen Auslegung (vorsätzliche Tötung einer Frau oder eines Mädchens
wegen ihres bzw. seines Geschlechts).
An Frauen durch ihre Partner oder Expartner verübte Tötungsdelikte und
Gewalttaten mit tödlichem Ausgang bilden die häufigste, wenn auch nicht die
einzige Form, in der Femizide in Deutschland auftreten.
Wenn Frauen getötet wurden, „weil sie Frauen waren“, etwa aufgrund eines
patriarchalischen Besitz- bzw. Herrschaftsanspruchs, sind diese Taten als
Femizide einzuordnen und werden in der politischen Debatte auch so benannt.
In diesem Jahr wird zudem erstmalig das Lagebild „Geschlechtsspezifisch
gegen Frauen gerichtete Straftaten“ veröffentlicht werden, in dem auch eine
statistische Erfassung und Ausweisung von Femiziden erfolgen wird.
19. Wie viele Tötungsdelikte an Frauen, Transfrauen und weiblichen
gelesenen Personen hat die Bundesregierung seit dem 1. Januar 2023 registriert
(bitte nach Jahr, Datum, Ort, Straftatbestand sowie Stand der
strafrechtlichen Ermittlungen aufschlüsseln)?
Das BKA erfasst in der Fallzahlendatei LAPOS ausschließlich natürliche
Personen als Opfer, die durch eine mit Strafe bedrohte Handlung tatsächlich
körperlich geschädigt wurden. Dieser Hintergrund ist in eine etwaige Bewertung
der nachfolgend dargestellten Opferzahlen miteinzubeziehen.
Für 2023 wurden mit Stichtag 31. Januar 2024 insgesamt zwei Tötungsdelikte
registriert, bei denen weibliche Opfer zu verzeichnen waren, davon eine Straftat
der PMK-sonstige Zuordnung- und eine Straftat der PMK-religiöse Ideologie-.
Für 2024 sind mit Abfragedatum vom 24. Mai 2024 bisher keine
Tötungsdelikte registriert, bei denen weibliche Opfer zu verzeichnen waren.
Eine gesonderte statistische Auswertung nach Opfern mit der Identität
„Trans*frau“ oder „als weiblich gelesene Personen“ ist nicht möglich.
Eine Übersicht zu weiblichen Opfern von versuchten und vollendeten
Tötungsdelikten kann dem nachfolgenden Auszug aus der Polizeilichen
Kriminalstatistik (PKS) entnommen werden. Eine Tatmotivation wird in der PKS jedoch
nicht erfasst.
Polizeiliche Kriminalstatistik 2023, weibliche Opfer von Tötungsdelikten,
erstellt am: 27. Mai 2024
Straftat Bundesland weibl. Opfer
Mord § 211 StGB Baden-Württemberg 51
Mord § 211 StGB Bayern 67
Mord § 211 StGB Berlin 10
Mord § 211 StGB Brandenburg 8
Mord § 211 StGB Bremen 6
Mord § 211 StGB Hamburg 13
Mord § 211 StGB Hessen 32
Mord § 211 StGB Mecklenburg-Vorpommern 5
Mord § 211 StGB Niedersachsen 41
Mord § 211 StGB Nordrhein-Westfalen 107
Mord § 211 StGB Rheinland-Pfalz 7
Mord § 211 StGB Saarland 20
Mord § 211 StGB Sachsen 15
Mord § 211 StGB Sachsen-Anhalt 3
Mord § 211 StGB Schleswig-Holstein 15
Straftat Bundesland weibl. Opfer
Mord § 211 StGB Thüringen 19
Sonstiger Mord Baden-Württemberg 50
Sonstiger Mord Bayern 66
Sonstiger Mord Berlin 9
Sonstiger Mord Brandenburg 6
Sonstiger Mord Bremen 6
Sonstiger Mord Hamburg 13
Sonstiger Mord Hessen 30
Sonstiger Mord Mecklenburg-Vorpommern 5
Sonstiger Mord Niedersachsen 38
Sonstiger Mord Nordrhein-Westfalen 105
Sonstiger Mord Rheinland-Pfalz 7
Sonstiger Mord Saarland 20
Sonstiger Mord Sachsen 15
Sonstiger Mord Sachsen-Anhalt 3
Sonstiger Mord Schleswig-Holstein 15
Sonstiger Mord Thüringen 19
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Baden-Württemberg 1
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Bayern 1
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Berlin 1
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Brandenburg 2
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Bremen 0
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Hamburg 0
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Hessen 0
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Mecklenburg-Vorpommern 0
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Niedersachsen 1
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Nordrhein-Westfalen 1
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Rheinland-Pfalz 0
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Saarland 0
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Sachsen 0
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Sachsen-Anhalt 0
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Schleswig-Holstein 0
Mord im Zusammenhang mit Raubdelikten Thüringen 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Baden-Württemberg 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Bayern 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Berlin 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Brandenburg 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Bremen 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Hamburg 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Hessen 2
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Mecklenburg-Vorpommern 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Niedersachsen 2
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Nordrhein-Westfalen 1
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Rheinland-Pfalz 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Saarland 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Sachsen 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Sachsen-Anhalt 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Schleswig-Holstein 0
Mord im Zusammenhang mit Sexualdelikten Thüringen 0
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Baden-Württemberg 54
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Bayern 74
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Berlin 19
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Brandenburg 19
Straftat Bundesland weibl. Opfer
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Bremen 3
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Hamburg 19
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Hessen 50
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Mecklenburg-Vorpommern 6
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Niedersachsen 60
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Nordrhein-Westfalen 104
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Rheinland-Pfalz 20
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Saarland 5
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Sachsen 23
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Sachsen-Anhalt 22
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Schleswig-Holstein 20
Totschlag und Tötung auf Verlangen §§ 212, 213, 216 StGB Thüringen 9
Totschlag § 212 StGB Baden-Württemberg 51
Totschlag § 212 StGB Bayern 73
Totschlag § 212 StGB Berlin 19
Totschlag § 212 StGB Brandenburg 19
Totschlag § 212 StGB Bremen 3
Totschlag § 212 StGB Hamburg 16
Totschlag § 212 StGB Hessen 46
Totschlag § 212 StGB Mecklenburg-Vorpommern 6
Totschlag § 212 StGB Niedersachsen 59
Totschlag § 212 StGB Nordrhein-Westfalen 103
Totschlag § 212 StGB Rheinland-Pfalz 20
Totschlag § 212 StGB Saarland 5
Totschlag § 212 StGB Sachsen 21
Totschlag § 212 StGB Sachsen-Anhalt 22
Totschlag § 212 StGB Schleswig-Holstein 19
Totschlag § 212 StGB Thüringen 8
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Baden-Württemberg 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Bayern 1
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Berlin 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Brandenburg 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Bremen 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Hamburg 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Hessen 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Mecklenburg-Vorpommern 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Niedersachsen 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Nordrhein-Westfalen 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Rheinland-Pfalz 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Saarland 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Sachsen 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Sachsen-Anhalt 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Schleswig-Holstein 0
Minder schwerer Totschlag § 213 StGB Thüringen 0
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Baden-Württemberg 3
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Bayern 0
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Berlin 0
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Brandenburg 0
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Bremen 0
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Hamburg 3
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Hessen 4
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Mecklenburg-Vorpommern 0
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Niedersachsen 1
Straftat Bundesland weibl. Opfer
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Nordrhein-Westfalen 1
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Rheinland-Pfalz 0
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Saarland 0
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Sachsen 2
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Sachsen-Anhalt 0
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Schleswig-Holstein 1
Tötung auf Verlangen § 216 StGB Thüringen 1
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Baden-Württemberg 28
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Bayern 54
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Berlin 14
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Brandenburg 3
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Bremen 4
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Hamburg 5
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Hessen 35
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Mecklenburg-Vorpommern 3
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Niedersachsen 47
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Nordrhein-Westfalen 47
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Rheinland-Pfalz 6
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Saarland 1
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Sachsen 6
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Sachsen-Anhalt 13
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Schleswig-Holstein 10
Fahrlässige Tötung § 222 StGB - nicht i. V. m. Verkehrsunfall - Thüringen 7
20. Wie viele Frauenhäuser sowie Zufluchtswohnungen für Frauen wurden
seit dem 1. Januar 2022 nach Kenntnis der Bundesregierung neu eröffnet
(bitte nach der Gesamtzahl der durch Frauenhäuser und
Zufluchtswohnungen zur Verfügung stehenden Schutzplätze sowie Bundesland
aufschlüsseln)?
Der Bundesregierung liegen keine Kenntnisse über die Gesamtzahl der seit dem
1. Januar 2022 neu eröffneten Frauenhäuser sowie Zufluchtswohnungen für
Frauen vor. Die Bereitstellung von Schutzeinrichtungen für gewaltbetroffene
Frauen fällt in die Zuständigkeit der Bundesländer; eine Bundesstatistik wird
hierzu nicht geführt.
Aus dem Bundesinvestitionsprogramm „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“
liegen der Bundesregierung jedoch Kenntnisse darüber vor, wie viele der im
Programm geförderten Maßnahmen im Zeitraum vom 1. Januar 2022 bis zum
31. Mai 2024 fertiggestellt wurden: Insgesamt 22 der geförderten Maßnahmen
in Frauenhäusern sowie Schutzwohnungen wurden in diesem Zeitraum
fertiggestellt. Durch diese 22 Maßnahmen wurden 70 Frauenhausplätze neu
geschaffen und 163 Frauenhausplätze, z. B. hinsichtlich der Barrierefreiheit,
verbessert. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die Verteilung der im
genannten Zeitraum fertiggestellten Maßnahmen in Frauenhäusern und
Schutzwohnungen auf die Bundesländer im Bundesförderprogramm „Gemeinsam
gegen Gewalt an Frauen“.
Bundesland Anzahl fertiggestellter
Maßnahmen in Frauenhäusern
oder Schutzwohnungen
(01.01.2022–31.05.2024)
Anzahl neu
geschaffener Frauenhausplätze
Anzahl von
Maßnahmen betroffene
Frauenhausplätze
Gesamt 22 70 163
Baden-Württemberg 3 7 27
Bayern 1 7 –
Brandenburg 1 3 3
Bremen 1 – 17
Hamburg 1 4 4
Hessen 2 18 –
Niedersachsen 3 10 17
Nordrhein-Westfalen 3 1 22
Rheinland-Pfalz 2 13 20
Saarland 1 – 32
Sachsen-Anhalt 1 – 8
Schleswig-Holstein 1 7 –
Thüringen 2 – 13
Die Bundesregierung rechnet damit, dass bis zum Programmende des
Bundesinvestitionsprogramms „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“ am 31.
Dezember 2024 weitere 25 Maßnahmen in Frauenhäusern sowie Schutzwohnungen
fertiggestellt werden. Dadurch werden voraussichtlich weitere 180
Frauenhausplätze neu geschaffen und 250 bestehende Plätze sind von diesen Maßnahmen
ebenfalls betroffen.
Darüber hinaus geht die Bundesregierung davon aus, dass drei weitere
geförderte Maßnahmen in Frauenhäusern sowie Schutzwohnungen nach dem Ende
des Bundesförderprogramms „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“
fertiggestellt werden. Durch diese Maßnahmen werden 22 weitere Frauenhausplätze
neu geschaffen und zehn bestehende Frauenhausplätze sind von den
Maßnahmen betroffen.
21. Wie viele Frauenhäuser sowie Zufluchtswohnungen für Frauen wurden
seit dem 1. Januar 2022 nach Kenntnis der Bundesregierung geschlossen
(bitte nach der Gesamtzahl der weggefallenen Schutzplätze sowie
Bundesland aufschlüsseln)?
Die Bundesregierung liegen keine Erkenntnisse über seit dem 1. Januar 2022
geschlossene Frauenhäuser sowie Zufluchtswohnungen vor.
22. Welche konkreten Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung
gegenüber den Bundesländern, um den Bedarf an Frauenhäusern und
Zufluchtswohnungen zu decken sowie deren Finanzierung zu sichern?
Mit dem investiven Teil des Bundesförderprogramms „Gemeinsam gegen
Gewalt an Frauen“ fördert das BMFSFJ in den Jahren 2020 bis 2024 bauliche
Maßnahmen zum Ausbau von Beratungsstellen und Frauenhäusern. Die Länder
bestimmen dabei jeweils einen innovativen konzeptionellen Rahmen für die
investiven Maßnahmen zum Erwerb, zum Aus-, Um- und Neubau sowie zur
Sanierung von Hilfsangeboten. Das Programm ist von Beginn an auf große
Resonanz gestoßen und es wurden Vorhaben aus allen Ländern angemeldet.
Insgesamt werden 70 Projekte mit guter regionaler Verteilung gefördert. Durch die
Förderung können bundesweit etwa 340 neue Frauenhausplätze geschaffen und
weitere 416 bestehende Plätze z. B. hinsichtlich der Barrierefreiheit verbessert
werden.
Auch nach Abschluss des Programms „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“
können der Bau und Umbau von Schutz- und Beratungseinrichtungen für
gewaltbetroffene Frauen und ihre Kinder durch das Bundesministerium für
Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) über Finanzhilfen des
Bundes investiv gefördert werden. Dies ist möglich in den bestehenden
Förderprogrammen der Länder im sozialen Wohnungsbau und der
Städtebauförderung. Auch die Umsetzung erfolgt durch die Länder, die bei der
Städtebauförderung auch über Art und Umfang der Maßnahmen in den Kommunen
entscheiden.
Ein Auftrag aus dem Koalitionsvertrag sieht eine Beteiligung des Bundes an
der Regelfinanzierung des Hilfesystems vor. Der Auftrag wird aktuell innerhalb
der Bundesregierung geprüft.
Beim Runden Tisch „Gemeinsam gegen Gewalt an Frauen“ stimmen sich
Bund, Länder und Kommunen miteinander ab, um einen effektiveren Schutz
vor geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt weiter voranzubringen. Der
Runde Tisch ist in den Prozess zur Einführung einer bundesgesetzlichen
Regelung des Rechts auf Schutz und Beratung bei Gewalt eng eingebunden. Auch
die Zivilgesellschaft wird in den Austausch mit einbezogen.
Das BMFSFJ hat eine Kostenstudie zum Hilfesystem Schutz und Beratung bei
geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt in Auftrag gegeben. Ziel der
Studie ist es, die aktuellen Finanz- und Kostenströme im Hilfesystem zu
ermitteln und Szenarien für einen Ausbau des Hilfesystems zu berechnen. Die
Ergebnisse dienen als quantitative Grundlage für die weiteren Diskussionen rund
um das Gesetzesvorhaben und die Finanzierung des Hilfesystems.
23. Welche Maßnahmen werden auf der Grundlage der Istanbul-Konvention
umgesetzt, um Beamte und Angehörige von Behörden des Bundes im
Hinblick auf geschlechtsspezifische Gewalt und den Umgang mit davon
betroffenen Personen zu schulen und fortzubilden (bitte nach Jahren,
Behörden, Art der Maßnahme, Anzahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer
auflisten)?
Die Bundesakademie für öffentliche Verwaltung (BAköV) im
Bundesministerium des Innern und für Heimat deckt mit den nachfolgend aufgeführten
Veranstaltungen Teilbereiche des Themas ab:
– Konflikte erkennen und konstruktiv bewältigen
– Grenzüberschreitungen am Arbeitsplatz (Mobbing, sexuelle Belästigung)
erkennen und bewältigen (nur als Inhouse-Veranstaltung)
– Deeskalation und Eigensicherung im Maut- und Straßenkontrolldienst
(Sonderveranstaltung organisiert für das Bundesamt für Logistik und Mobilität)
– Erfolgreich kommunizieren am Telefon
Aus der Istanbul-Konvention abgeleitete bzw. damit im Zusammenhang
stehende Inhalte sind feste Bestandteile der Laufbahnausbildungen innerhalb der
Bundespolizei. Die Vermittlung und Sensibilisierung erfolgt fächerübergreifend in
theoretischer und praktischer Form für alle Laufbahngruppen.
Innerhalb der Laufbahnausbildungen der Bundespolizei werden Auszubildende
ferner im Themenfeld „Soziales Miteinander“ u. a. hinsichtlich des Umgangs
mit und der Bekämpfung von sexistischen Verhaltensweisen und Strukturen
geschult. Zudem finden Unterrichtungen zur Vorbeugung gegen sexuelle
Belästigung statt, in denen u. a. die Formen sexueller Belästigung und
Gegenmaßnahmen vermittelt sowie die „Null-Toleranz-Strategie“ innerhalb der
Bundespolizei verdeutlicht werden.
Im Bereich der Fortbildung führen die einschlägig qualifizierten und
flächendeckend in den Bundespolizeiinspektionen installierten
Opferschutzbeauftragten Schulungs- und Sensibilisierungsmaßnahmen für die
Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamten vor Ort im Rahmen der dienststelleninternen Fortbildung
durch, u. a., um einen angemessenen und fürsorglichen Umgang mit Opfern
von Straftaten, insbesondere von Gewalt- und Sexualstraftaten, zu
gewährleisten. Dabei werden bei thematischem Bedarf auch die innerhalb der
Bundespolizei implementierten Ansprechpersonen für Diversität eingebunden.
Zudem führen Multiplikatorinnen und Multiplikatoren zur Sensibilisierung im
Umgang mit Radikalisierung und Extremismus ebenfalls Schulungs- und
Sensibilisierungsmaßnahmen für Polizeivollzugsbeamtinnen und -beamte vor Ort
im Rahmen der dienststelleninternen Fortbildung der Bundespolizei durch.
Die zuvor dargestellten übergeordneten Themengruppen decken ein weites Feld
an Fortbildungsinhalten ab, die – als Haupt- und als Teilaspekt – innerhalb
verschiedener Maßnahmen und auf unterschiedliche Weise vermittelt werden.
Unter Berücksichtigung regionaler Besonderheiten und Bedarfe finden sie
planmäßig und anlassbezogen an Fortbildungstagen sowie mitunter kurzfristig und
ad hoc im Rahmen der regulären Dienstverrichtung statt. Dies erfolgt sowohl
durch geplante Fortbildungen als auch in Form von Vorträgen sowie durch das
(Selbst-)Studium von explizit hierfür entwickelten Lehrbriefen (z. B.
„Lehrbrief der Bundespolizei zum Umgang mit trans- und intergeschlechtlichen
Personen“) und anderen innerdienstlichen Medien. Eine detaillierte
Dokumentation und mithin Abbildung aller Maßnahmen zur Wissensvermittlung der hier
in Rede stehenden Themenfelder nach Behörden ist nicht möglich. Die
Darstellungen der Anzahl an Teilnehmerinnen und Teilnehmern in den Antworten zu
den Fragen 24 bis 26 sind daher ebenfalls überschlägig zu verstehen.
Ferner ist insbesondere für die Jahre 2021 und 2022 zu berücksichtigen, dass
die Aus- und Fortbildungsmöglichkeiten pandemiebedingt stark eingeschränkt
waren.
24. Wie viele Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei welcher
Bundespolizeidirektionen haben seit dem 1. Januar 2021 an einer Fortbildung
oder einem Training zum Umgang mit und Bekämpfung von sexistischen
Verhaltensweisen und Strukturen innerhalb der Bundespolizei
teilgenommen, und welche Maßnahmen werden in diesem Zusammenhang
ergriffen (bitte nach Jahren, Bundespolizeidirektion und Anzahl der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufschlüsseln)?
Im genannten Zeitraum wurden ca. 3 274 Polizeivollzugsbeamtinnen und
-beamte in allen Bundespolizeidirektionen und der Bundespolizeiakademie
geschult. Auf die Antwort zu Frage 23 wird hingewiesen.
25. Wie viele Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei welcher
Bundespolizeidirektionen haben seit dem 1. Januar 2021 an einer Fortbildung
oder einem Training zum Umgang mit Frauen, Transfrauen und als
weiblich gelesenen Personen, die Opfer von sexualisierter Gewalt wurden,
teilgenommen (bitte nach Jahren, Bundespolizeidirektion und Anzahl der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer aufschlüsseln)?
Im genannten Zeitraum wurden ca. 705 Polizeivollzugsbeamtinnen und -
beamte in allen Bundespolizeidirektionen und der Bundespolizeiakademie geschult.
Auf die Antwort zu Frage 23 wird hingewiesen.
26. Wie viele Beamtinnen und Beamte der Bundespolizei welcher
Bundespolizeidirektionen haben seit dem 1. Januar 2021 eine Fortbildung oder
Training erhalten zur Deutung und Erkennung von rassistischen und
rechtsextremen Motivationen bei Täterinnen und Tätern (bitte nach
Jahren, Bundespolizeidirektion und Anzahl der Teilnehmerinnen und
Teilnehmer aufschlüsseln)?
Im genannten Zeitraum wurden ca. 15 518 Polizeivollzugsbeamtinnen und
-beamte in allen Bundespolizeidirektionen und der Bundespolizeiakademie
geschult. Auf die Antwort zu Frage 23 wird hingewiesen.
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