[Deutscher Bundestag Drucksache 17/11778
17. Wahlperiode 05. 12. 2012 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Uwe Beckmeyer, Dr. Hans-Peter Bartels,
Sören Bartol, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
– Drucksache 17/11422 –
Krise der Schiffsfinanzierung in Deutschland
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Von der Entwicklung an den weltweiten Finanzmärkten ist auch die deutsche
Schifffahrt betroffen. Für viele Reedereien wird es seit Ausbruch der Krise
zunehmend schwieriger, in ausreichendem Umfang Eigenkapital für die
Finanzierung neuer Schiffe bereitzustellen und die erforderlichen Fremdmittel zu
beschaffen. Galt die Investition in Schiffe lange Zeit als attraktive Anlageform,
stehen die traditionellen Finanzierungsmodelle in der Schifffahrt inzwischen
zunehmend infrage. Eine Neubewertung erfährt insbesondere das klassische
KG-Modell (KG = Kommanditgesellschaft), über das nach Schätzungen rund
10 Prozent des Gesamtkapitals der heutigen Welthandelsflotte finanziert
wurden.
Hinzu kommen sinkende Frachtraten und der harte Preiskampf zwischen den
Schifffahrtsunternehmen, die damit von einer doppelten Krisenentwicklung
getroffen sind; einer real- und einer finanzwirtschaftlichen.
Diese Situation wird durch fundamentale Neuausrichtungen und
Veränderungen bei den schiffsfinanzierenden Banken verschärft, insbesondere bei den
Landesbanken. Seit Beginn der Krise haben sich immer mehr Banken aus der
Schiffs- und Werftenfinanzierung zurückgezogen; durch Zusammenschlüsse
hat sich die Zahl der Marktteilnehmer weiter reduziert. Jüngstes Beispiel ist
die Commerzbank, die bisher einer der größten Schiffsfinanzierer in
Deutschland war. Wesentliche Gründe sind die laufenden Restrukturierungen
wichtiger Institute und die strengeren Eigenkapitalvorschriften für die Banken. Dies
verengt den Handlungsspielraum der deutschen Banken und damit auch der
maritimen Wirtschaft in Deutschland. Denn die Krise der Schiffsfinanzierung
trifft neben den Reedereien auch und vor allem die deutschen Werften.
Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie Lösungsansätze aussehen
können, nach denen Schiffsfinanzierungen in der Zukunft gestaltet werden
können und welche Schritte die Bundesregierung plant, um die
Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Schifffahrt, und insbesondere die Zukunft der vielen
kleineren und mittelständischen Unternehmen in Deutschland, zu sichern. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie
vom 3. Dezember 2012 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/11778 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeVo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
Die Fragen 12, 13, 20 und 21 zielen auf einzelinstitutsspezifische
Informationen, deren Bekanntwerden geeignet wäre, die Wettbewerbsposition der
betroffenen Kreditinstitute nachteilig zu beeinflussen (vgl. BVerwG, NVwZ 2009,
S. 1113 f.; BGHSt 41, S. 140, 142). Die Informationen sind als Betriebs- und
Geschäftsgeheimnisse der betroffenen Kreditinstitute durch Artikel 12 und 14
des Grundgesetzes besonders geschützt. Die Bundesregierung ist bei der
Beantwortung parlamentarischer Anfragen verpflichtet, die Grundrechte der
betroffenen Grundrechtsträger zu wahren. Die besondere Bedeutung dieses
Geheimnisschutzes hat der Gesetzgeber im Übrigen auch in der Verschwiegenheitspflicht
nach § 9 des Kreditwesengesetzes (KWG) zum Ausdruck gebracht. Die
betroffenen Informationen können nach sorgfältiger Abwägung mit den
Informationsrechten der Abgeordneten des Deutschen Bundestages nicht in der für Kleine
Anfragen nach § 104 i. V. m. § 75 Absatz 3 und § 76 Absatz 1 der
Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages (GO BT) vorgesehenen, zur
Veröffentlichung in einer Bundestagsdrucksache bestimmten Weise erfolgen. Die
betreffenden Antworten werden deshalb als VS-VERTRAULICH eingestuft in der
Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages zur Verfügung gestellt und
können dort nach Maßgabe der Geheimschutzordnung des Deutschen
Bundestages eingesehen werden.
1. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil des
Transportvolumens der Seeschifffahrt am Gesamtverkehr seit dem Jahr 1990
entwickelt, und wie stellt sich der Marktanteil deutscher Eigner dar (bitte jeweils
in absoluten Zahlen und in Prozent angeben)?
Der Anteil des deutschen über Seehäfen abgewickelten Außenhandels betrug
im Jahr 2011 437 Mrd. Euro bzw. 22,2 Prozent des deutschen
Außenhandelswertes. Jedoch werden über 95 Prozent des Ferngüterhandels über den Seeweg
abgewickelt. Bei Betrachtung des gesamten internationalen Warenverkehrs
liegt der Seeanteil bei ca. 70 Prozent (Quelle: u. a. Flottenkommando,
Jahresbericht 2012).
Das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erfasst nur die im
deutschen Schiffsregister erfassten Schiffe. Für einen internationalen Vergleich
wird daher auf Zahlen von IHS Fairplay bzw. des Verbands Deutscher Reeder
(VDR) zurückgegriffen. Danach gehörte die deutsche Handelsflotte, d. h. Schiffe,
die sich überwiegend im Eigentum Deutscher befinden, mit 3 878 Schiffen
(rd. 90 Mio. Bruttoraumzahl – BRZ) Ende 2011 neben der japanischen
(rd. 3 800 Schiffe mit rd. 142 Mio. BRZ) und griechischen (rd. 3 200 Schiffe
mit 129 Mio. BRZ) zu den drei führenden Handelsflotten der Welt.
Entwicklung des Marktanteils der deutschen Handelsflotte
jeweils
zum 31. 12.
Deutsche Flotte BRZ-Anteil an
Welthandelsflotte Schiffe Mio. BRZ
2000 2 069 24,9 4,8%
2001 2 183 28,5 5,3%
2002 2 270 30,4 5,6%
2003 2 432 36,3 6,4%
2004 2 582 42,8 7,2%
2005 2 755 54,3 8,5%
2006 2 926 61,9 9,1%
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/11778Der Anteil der deutschen Flotte an der Welthandelsflotte konnte von 5 Prozent
Ende 2002 auf 9,4 Prozent Ende 2011 gesteigert werden. Die deutsche
Containerschiffsflotte hat im weltweiten Vergleich eine führende Position. Ihr
Anteil betrug mit rd. 1 800 Schiffen und einer Containerkapazität von rd. 5 Mio.
Twenty-foot Equivalent Unit (TEU) Ende 2011 rd. 33 Prozent. Ende 2000 lag
der Anteil noch bei 26 Prozent (Quelle: ISL, Bremen SSMR).
In den Bereichen Massengut- sowie Tankschifffahrt gehörte die deutsche
Handelsflotte (gemessen in BRZ) mit jeweils der Position 5 (Anteil an jeweilige
Welthandelsflotte Ende 2012: 4,3 Prozent bzw. 4,1 Prozent) ebenfalls zu den
führenden Flotten weltweit. Im Vergleich zu Ende 2011 betrugen die jeweiligen
Anteile Ende 2000 1,7 und 1,1 Prozent (Quelle: IHS Fairplay, VDR,
Handelsschiffe > 1 000 BRZ).
Zahlen aus der Vergangenheit liegen nur eingeschränkt vor. Die Antworten auf
diese und die folgenden Fragen sind daher nicht für den gewünschten Zeitraum
ab 1990 möglich.
2. Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Entwicklung im
Charterratenmarkt unterschieden nach Schiffstypen in diesem Zeitraum dar?
Die nachfolgenden Grafiken veranschaulichen, dass die aktuellen
Zeitcharterraten bei allen Schiffstypen und in allen Größenklassen deutlich unter den
Höchstwerten der letzten zehn Jahre auf einem äußerst niedrigen Niveau liegen. Im
Bereich der Containerschifffahrt konnten sein Anfang des Jahres nur in manchen
Segmenten kleinere Ratenanstiege verzeichnet werden. Im Vergleich zu den
Durchschnitts- oder Höchstwerten der vergangenen zehn Jahre ist jedoch zum
Jahresende 2012 noch keine Erholung bei den Charterraten eingetreten.
2007 3 185 69,1 9,5%
2008 3 473 76,3 9,7%
2009 3 562 77,5 9,3%
2010 3 748 85,2 9,4%
2011 3 878 91,8 9,4%
Quelle: IHS Fairplay, VDR, Handelsschiffe > 1 000 BRZ.
Zeitcharterraten Containerschiffe (6 bis 12 Monate)
Höchstwert
der letzten
10-Jahres-
Durchschnittsrate Charterrate Charterrate
01/2012 10/2012 10 Jahre per 10/2012
725 TEU 4 250 4 500 13 750 7 394
1 000 TEU 5 000 5 300 19 500 9 947
1 700 TEU 6 250 6 100 32 500 14 030
2 500 TEU 6 800 6 500 38 500 18 784
3 500 TEU 6 250 7 000 44 000 22 574
4 400 TEU 8 000 9 500 50 000 27 207
Quelle: Clarksons, November 2012.
jeweils
zum 31. 12.
Deutsche Flotte BRZ-Anteil an
Welthandelsflotte Schiffe Mio. BRZ
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/11778Quelle: Clarksons, November 2012.
3. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Umfang und die
Struktur der deutschen Handelsflotte in diesem Zeitraum entwickelt, und
wie hoch war jeweils ihr Durchschnittsalter im Vergleich zur
Welthandelsflotte (bitte in absoluten Zahlen und in Prozent angeben)?
Die deutsche Handelsflotte umfasste nach Erhebungen des BSH am 31.
Oktober 2012 (vgl. nachfolgende Tabelle) insgesamt 3 602 Schiffe, von denen 3 137
ausgeflaggt (in der Tabelle: Bareboat-Charter) waren. Im Jahr 1999 lagen diese
Werte bei 1 452 bzw. 735 Schiffen.
Bestand der deutschen Handelsflotte ab BRZ 100 für den Zeitraum 1999 bis 2012
Stand jeweils 31. 12.,
für 2012: 31. 10.
Anzahl Deutsche Flagge Anzahl Bareboat-Charter
1999 717 735
2000 689 890
2001 605 1 075
2002 549 1 203
2003 482 1 469
2004 508 1 592
2005 603 1 751
2006 574 2 202
2007 546 2 523
2008 645 2 627
2009 624 2 823
Drucksache 17/11778 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeQuelle: BSH
Angaben zur Struktur der deutschen Flotte werden vom BSH nur für die
Schiffe unter deutscher Flagge erhoben. Am 31. Oktober 2012 teilte sich die
deutsche Flotte wie folgt auf Schiffsarten auf:
Quelle: BSH
2010 571 3 034
2011 530 3 155
2012 465 3 137
Deutsche Handelsschiffe ab BRZ
Stand 31. 10. 2012
Schiffsarten Anz. BRZ
Handelsschiffe
insgesamt 465 14 056 509
Schiffe zur Personenbeförderung
insgesamt 86 49 242
Fahrgastschiffe mit Kabinen 1 22 496
Fahrgastschiffe ohne Kabinen 71 24 265
Sportanglerfahrzeuge u. Ä. 14 2 481
Trockenfrachtschiffe
insgesamt 346 13 657 374
Eisenbahnfähren 4 89 515
andere Fähren 17 23 586
Ro-Ro-Schiffe 12 222 147
Stückgutfrachter 53 85 447
Kühlschiffe 0 0
Containerschiffe 245 12 824 104
Mehrzwecktrockenfrachter 13 141 420
Spezialtransportschiffe 2 41 401
Massengutfrachter 2 244 654
Massengut-Mehrzweckfrachter 0 0
Tankschiffe
insgesamt 33 349 893
Mineralöltanker 20 308 000
Bunkerboote 4 1 130
Gastanker 2 10 171
Chemikalientanker 6 30 390
Sonstige Tanker 1 202
Stand jeweils 31. 12.,
für 2012: 31. 10.
Anzahl Deutsche Flagge Anzahl Bareboat-Charter
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/11778Die Entwicklung des Durchschnittsalters der deutschen Flotte seit 2008 –
Angaben zum Durchschnittsalter der Welthandelsflotte liegen der
Bundesregierung nicht vor – kann den beiden nachfolgenden Tabellen entnommen werden:
Quelle: BSH
Quelle: BSH
4. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Bestellvolumen
deutscher Reedereien für Neuschiffe seit dem Jahr 2007 entwickelt, und wie
stellt sich dieses gegenüber der Zahl der Verschrottung und
Schiffsverkäufe dar?
Das Bestellvolumen in den Jahren 2000 bis 2010 kann nachfolgender Tabelle
entnommen werden. Der Höhepunkt der Bestellungen lag im Jahr 2007 mit
643 Schiffen, während im Jahr 2011 nur 54 neue Schiffe durch deutsche
Reedereien bestellt wurden:
Quelle: VDR/IHS Fairplay.
Stand 31. 10. 2012
Anzahl
deutsche
Flagge
Durchschnittliches
Alter
Anzahl
ausgeflaggter
Schiffe
Durchschnittliches
Alter
Schiffe zur
Personenbeförderung
86 39,2 5 19,8
Trockenfrachtschiffe 346 13,7 2 755 8,8
Tankschiffe 33 16,7 377 8,8
Stand 31. 12. 2008
Anzahl
deutsche
Flagge
Durchschnittliches
Alter
Anzahl
ausgeflaggter
Schiffe
Durchschnittliches
Alter
Schiffe zur
Personenbeförderung
94 36,3 2 23,4
Trockenfrachtschiffe 504 14,3 2 283 8,4
Tankschiffe 47 17,6 342 7,1
Aufträge
Jahr Schiffe Mio. BRZ
2000 164 4,5
2001 133 2,8
2002 101 2,3
2003 340 11,9
2004 302 7,4
2005 330 8,3
2006 401 8,7
2007 643 25,2
2008 215 10,1
2009 31 0,7
2010 58 2,6
2011 54 2,8
Drucksache 17/11778 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeDie Abwrackungen deutscher Reeder sind seit 2010, wie nachstehender Tabelle
entnommen werden kann, stark angestiegen und betrafen im laufenden Jahr (bis
September 2012) 19 Schiffe mit einer gesamten BRZ in Höhe von 457 801 BRZ.
Quelle: Schätzung VDR.
5. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
Schifffahrtsunternehmen in Deutschland seit dem Jahr 1990 entwickelt (bitte in
absoluten Zahlen und in Prozent angeben), und wie stellt sich die Struktur
deutscher Schifffahrtsunternehmen nach Rechtsform und Unternehmensgröße
dar?
Der Bundesregierung liegen zu dieser Frage nur die in der folgenden Tabelle
dargestellten Informationen vor. Danach gab es im Jahr 2011 insgesamt 388
Reedereien. Durchschnittlich besaßen deutsche Reedereien zehn Schiffe.
Quelle: VDR/BSH, Stand: 31. Dezember 2011.
6. Welche Formen der Schiffsfinanzierung lassen sich nach Kenntnis der
Bundesregierung in Deutschland unterscheiden, und welchen Anteil haben
diese Kapitalquellen an der Finanzierung von deutschen Schiffen (bitte in
Prozent angeben)?
In Bereich Schifffahrt sind grundsätzlich alle Formen der Finanzierung
möglich. In Deutschland spielte in der Vergangenheit das KG-Modell in Verbindung
mit Bankenfinanzierungen die Hauptrolle. In Zukunft werden jedoch andere
Finanzierungsquellen an Bedeutung gewinnen. Hierzu gehören u. a.
institutionelle Investoren, Private Equity, Family Offices, Unternehmensanleihen,
Börsengänge. Der Bundesregierung liegen jedoch keine Angaben über die Anteile
der verschiedenen Kapitalquellen im Bereich der Schiffsfinanzierung vor.
Jahr – Abwrackungen deutscher Reeder Schiffe BRZ
2007 1 18 101
2008 2 44 052
2009 6 194 074
2010 14 462 776
2011 14 544 991
2012 (bis 30.09.) 19 457 801
Flottengröße Anzahl der Reedereien Schiffe Mio. BRZ
0–1 138 124 0,7
2–4 70 191 2,6
5–9 68 453 8,1
10–29 76 1 141 22,9
30–49 18 656 17,0
50–69 10 510 9,9
> 70 8 709 27,6
Summe 388 3 784 88,8
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/117787. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung der Fremdkapitalanteil an
der Finanzierung von deutschen Schiffen seit dem Jahr 2007 entwickelt?
Konkrete und vollständige Zahlen zum Anteil der Fremdfinanzierung bei
Schiffsfinanzierungen liegen der Bundesanstalt für
Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) und der Deutschen Bundesbank nicht vor. Es ist jedoch bekannt,
dass in der Boomphase der Schifffahrt bis 2007/2008 teilweise Finanzierungen
mit hohen Fremdkapitalanteilen bis ca. 95 Prozent durchgeführt wurden, wobei
es zum Teil auch Vorfinanzierungen von Eigenmitteln, die durch geschlossene
Fonds KGs beschafft werden sollten, gab. Nach den vorliegenden
Informationen haben einige Institute das Neugeschäft eingestellt und prolongieren nur im
Einzelfall bestehende Kreditengagements.
8. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
schiffsfinanzierenden Banken in Deutschland seit dem Jahr 1990 entwickelt (bitte in
absoluten Zahlen und als Übersicht auflisten)?
Über die genaue Zahl der schiffsfinanzierenden Banken kann für den
gewünschten Zeitraum, der mehr als 20 Jahre umfasst, keine verlässliche Angabe
gemacht werden. Die BaFin geht davon aus, dass ca. 27 Banken eine hohe
Marktabdeckung darstellen, davon waren insbesondere die zehn nachfolgend
genannten Banken zuletzt (Quelle: HANSA International Maritime Journal,
2012/Nr. 11) in der Schiffsfinanzierung aktiv – wobei die Commerzbank und
die HSH (Restructuring Unit) kein Neugeschäft (mehr) betreiben:
(1) HSH (Kernbank)
(2) HSH (Restructuring Unit)
(3) Nord/LB
(4) Bremer LB
(5) Helaba
(6) KfW IPEX-Bank
(7) Commerzbank
(8) UniCredit
(9) Deutsche Shipping
(10) DVB Bank.
9. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung das Kreditvolumen dieser
Banken im Geschäftsfeld Schiffe seit dem Jahr 2007 entwickelt, und wie
stellt sich das Verhältnis von Darlehensbestand und Zusagen dar?
Das Kreditvolumen dieser Banken im Schiffsbereich hat sich von 2007 von
rd. 93 Mrd. Euro auf rd. 108 Mrd. Euro im Jahr 2011 erhöht. Mitte 2012 betrug
das Kreditvolumen der acht größten deutschen Schiffsfinanzierer (HSH
Nordbank, Commerzbank Gruppe, NordLB Gruppe, HVB, DVB, KfW IPEX,
Deutsche Bank und DekaBank) insgesamt rund 100 Mrd. Euro. Im Vergleich dazu
lag das gesamte Kreditvolumen Anfang 2010 bei den sieben größten deutschen
Schiffsfinanzierern (ohne DekaBank) bei insgesamt rund 115 Mrd. Euro; das
Gesamtexposure im Bereich der Schiffsfinanzierung ist zurückgegangen Die
Neuzusagen sind stark zurückgegangen und haben sich im Vergleich zum
Vorjahr (Schätzung) im Jahr 2011 auf rund 5,3 Mrd. Euro halbiert (Quelle:
HANSA International Maritime Journal, 2012/Nr.11). Für die Jahre 2007
Drucksache 17/11778 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodebis 2009 sind bei der BaFin und Deutschen Bundesbank keine vergleichbaren
Daten verfügbar.
10. Welchen Anteil hat nach Kenntnis der Bundesregierung das
Schiffskreditportfolio am Gesamtkreditvolumen sowie an der Bilanzsumme der
Banken im genannten Zeitraum?
Dieser Anteil unterscheidet sich von Bank zu Bank erheblich. Den höchsten
Anteil an der gesamten Bilanzsummen hatte im Jahr 2011 der Darlehensbestand
im Bereich Schiffe bei der KfW IPEX-Bank (14,4 Mrd. Euro; 31 Prozent). Es
folgen die HSH (nur Kernbank – 19 Mrd. Euro; 25 Prozent), die Bremer LB
(6,3 Mrd. Euro; 17 Prozent), die Nord LB (10,6 Mrd. Euro; 7 Prozent) und die
Commerzbank (21,2 Mrd. Euro; 3 Prozent) (Quelle: HANSA International
Maritime Journal, 2012/Nr. 11).
Dabei ist der Anteil des Schiffsportfolios der sieben größten deutschen
Schiffsfinanzierer am Gesamtkreditvolumen zwischen dem ersten Quartal 2010 und
zweiten Quartal 2012 von 11,3 Prozent auf 9,4 Prozent gesunken. Der Anteil
des Schiffsportfolios an der Bilanzsumme ist im gleichen Zeitraum von 3,1
Prozent auf 2,4 Prozent gefallen.
11. Welche Höhe umfasst nach Kenntnis der Bundesregierung die
Risikovorsorge in diesem Segment am Gesamtkreditportfolio der Institute, und wie
hat sich diese seit dem Jahr 1990 entwickelt?
Konkrete Zahlen zur Höhe der Risikovorsorge für das Segment liegen nicht
vor.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/1177812. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Flottenstruktur der
Schiffskreditportfolien je Bank seit dem Jahr 2007 entwickelt?
Der Anteil der Containerschiffe hat sich von 2010 zu 2011 von 32 Prozent auf
38 Prozent erhöht, während der Anteil der Bulker von 17 Prozent auf 13
Prozent und der Anteil der Tanker von 23 Prozent auf 18 Prozent gefallen ist
(Quelle: HANSA International Maritime Journal, 2012/Nr. 11).
Bei der BaFin und der Deutschen Bundesbank liegen einzelinstitutsspezifische
Informationen zur Flottenstruktur vor, deren Bekanntwerden allerdings
geeignet wäre, die Wettbewerbsposition der betroffenen Kreditinstitute nachteilig zu
beeinflussen. Die Antwort auf diese Frage kann nach sorgfältiger Abwägung
mit den Informationsrechten der Abgeordneten des Deutschen Bundestages
nicht in der für Kleine Anfragen nach § 104 i. V. m. § 75 Absatz 3 und § 76
Absatz 1 der Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages (GO BT)
vorgesehenen, zur Veröffentlichung in einer Bundestagsdrucksache bestimmten Weise
erfolgen. Die Antwort wird deshalb als VS- VERTRAULICH eingestuft in der
Geheimschutzstelle des Deutschen Bundestages zur Verfügung gestellt und
kann dort nach Maßgabe der Geheimschutzordnung des Deutschen
Bundestages eingesehen werden.
13. Wie verteilt sich nach Kenntnis der Bundesregierung das
Schiffskreditportfolio der jeweiligen Institute auf einzelne Ländergruppen (bitte in
Prozent und nach Ländergruppen aufschlüsseln)?
Rund drei Viertel der Schiffskredite werden von den genannten Banken an
europäische Adressen vergeben. Deutsche Kreditnehmer haben einen Anteil von
40 Prozent. Kreditnehmer in Nordamerika und Asien haben je einen Anteil von
9 Prozent (Quelle: HANSA International Maritime Journal, 2012/Nr. 11).
Nach den der BAFin und der Deutschen Bundesbank zugrunde liegenden
aggregierten Daten verteilt sich das gesamte Schiffsportfolio der acht größten
deutschen Institute auf folgende Länder (Länder mit einem Anteil von
mindestens 3 Prozent wurden separat aufgeführt):
Drucksache 17/11778 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeBei der BaFin und der Deutschen Bundesbank liegen zudem
einzelinstitutsspezifische Informationen vor, deren Bekanntwerden geeignet wäre, die
Wettbewerbsposition der betroffenen Kreditinstitute nachteilig zu beeinflussen. Die
Antwort auf diese Frage kann nach sorgfältiger Abwägung mit den
Informationsrechten der Abgeordneten des Deutschen Bundestages nicht in der für
Kleine Anfragen nach § 104 i. V. m. § 75 Absatz 3 und § 76 Absatz 1 der
Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages (GO BT) vorgesehenen, zur
Veröffentlichung in einer Bundestagsdrucksache bestimmten Weise erfolgen. Die
Antwort wird deshalb als VS-Vertraulich eingestuft in der Geheimschutzstelle
des Deutschen Bundestages zur Verfügung gestellt und kann dort nach Maßgabe
der Geheimschutzordnung des Deutschen Bundestages eingesehen werden.
14. Wie stellt sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Positionierung
deutscher Schiffsfinanzierer nach Kreditvolumen und Umsatz im
nationalen und internationalen Vergleich dar?
Die deutschen Banken halten (Quelle: Marine Money, 2011) insgesamt
weiterhin einen großen Anteil des weltweiten Schiffportfolios (ca. 44,6 Prozent) und
sind im internationalen Vergleich führend. Die Commerzbank, die sich aus der
Schiffsfinanzierung zurückzieht, ist mit einem Bestand in Höhe von 27,7 Mrd.
US-Dollar einer der weltweit größten Schiffsfinanzierer; ebenfalls führend sind
die norwegische Bank DnB und die HSH Nordbank. Im Gefolge der Finanz-
und Wirtschaftskrise, die auch die globale Schifffahrtsindustrie
außergewöhnlich stark in Mitleidenschaft zog, ist das deutsche Schiffskreditvolumen aber
tendenziell rückläufig. Insgesamt ragen europäische Banken im globalen
Ranking der Schiffsfinanzierung hervor, zunehmend treten aber auch chinesische
Banken ins Blickfeld. Auch bei Konsortialfinanzierungen sind deutsche
Banken auf internationalem Parkett stark vertreten. Häufig sind hier andere
deutsche Banken Konsortialpartner. Die für einen internationalen Bankenvergleich
notwendigen Informationen insbesondere hinsichtlich des Neugeschäfts bzw.
Umsatzes von Banken liegen der Bundesregierung jedoch nicht vor.
15. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
Schiffsfonds in Deutschland seit dem Jahr 1990 und deren Rechtsform
entwickelt (bitte in Prozent aufschlüsseln)?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Angaben vor.
16. Wie hat sich nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der in
Schiffsfonds investierenden Kapitalanleger seither entwickelt, und wie teilt sich
diese in Privatanleger und institutionellen Anleger auf?
Laut Informationen des Verbandes Geschlossene Fonds (VGF) investierten im
Jahr 2011 10 557 (2010: 12 484) Anleger in Schiffsfonds. Die durchschnittliche
Zeichnungshöhe betrug 26 657 Euro (2010: 33 629 Euro). Davon waren im
Jahr 2011 3 718 (2010: 4 772) Anleger an Kapitalerhöhungen mit
durchschnittlich 8 053 Euro (2010: 23 349 Euro) beteiligt.
Im Jahr 2011 wurde Eigenkapital in Höhe von 505,7 Mio. Euro (2010:
996,3 Mio. Euro) eingesammelt. Davon stammten 502,9 Mio. Euro (2010:
878,6 Mio. Euro) von privaten und 2,8 Mio. Euro (2010: 117,7 Mio. Euro) von
institutionellen Anlegern.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/1177817. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil
ausländischer Kapitalanleger?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Angaben vor.
18. Auf welche Summe beläuft sich nach Kenntnis der Bundesregierung das
zur Verfügung stehende Gesamtkommanditkapital?
Vergleiche Antwort zu Frage 19.
19. Auf welche Summe beläuft sich nach Kenntnis der Bundesregierung das
Gesamtinvestitionsvolumen der Schiffsbeteiligungen, und wie viele
Schiffe wurden damit realisiert (bitte in Prozent und nach Schiffstypen
aufschlüsseln)?
Laut Informationen des VGF lag Ende 2011 das gesamte Fondsvolumen bei
Schiffsbeteiligungen bei 51,5 Mrd. Euro. Das anteilige Eigenkapital betrug
21,3 Mrd. Euro. Die Zahl der damit finanzierten Schiffe liegt der
Bundesregierung nicht vor.
20. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der
Kreditzusagen bzw. Investments der Banken und Emissionshäuser für noch
nicht fertiggestellte Schiffe?
Bei der BaFin und der Deutschen Bundesbank liegen hierzu
einzelinstitutsspezifische Informationen vor, deren Bekanntwerden allerdings geeignet wäre, die
Wettbewerbsposition der betroffenen Kreditinstitute nachteilig zu beeinflussen.
Die Antwort auf diese Frage kann nach sorgfältiger Abwägung mit den
Informationsrechten der Abgeordneten des Deutschen Bundestages nicht in der für
Kleine Anfragen nach § 104 i. V. m. § 75 Absatz 3 und § 76 Absatz 1 der
Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages (GO BT) vorgesehenen, zur
Veröffentlichung in einer Bundestagsdrucksache bestimmten Weise erfolgen. Die
Antwort wird deshalb als VS- Vertraulich eingestuft in der Geheimschutzstelle
des Deutschen Bundestages zur Verfügung gestellt und kann dort nach Maßgabe
der Geheimschutzordnung des Deutschen Bundestages eingesehen werden.
21. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung der Anteil der
sogenannten notleidenden Schiffsbeteiligungen der Banken bzw.
Emissionshäuser, und wie hat sich dieser seit dem Jahr 2007 entwickelt?
Bei der BaFin und der Deutschen Bundesbank liegen hierzu
einzelinstitutsspezifische Informationen vor, deren Bekanntwerden allerdings geeignet wäre, die
Wettbewerbsposition der betroffenen Kreditinstitute nachteilig zu beeinflussen.
Die Antwort auf diese Frage kann nach sorgfältiger Abwägung mit den
Informationsrechten der Abgeordneten des Deutschen Bundestages nicht in der für
Kleine Anfragen nach § 104 i. V. m. § 75 Absatz 3 und § 76 Absatz 1 der
Geschäftsordnung des Deutschen Bundestages (GO BT) vorgesehenen, zur
Veröffentlichung in einer Bundestagsdrucksache bestimmten Weise erfolgen. Die
Antwort wird deshalb als VS-Vertraulich eingestuft in der Geheimschutzstelle
des Deutschen Bundestages zur Verfügung gestellt und kann dort nach Maßgabe
der Geheimschutzordnung des Deutschen Bundestages eingesehen werden.
Drucksache 17/11778 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode22. Welchen Umfang hat nach Kenntnis der Bundesregierung das von den
Sanierungsfällen betroffene Kommanditkapital im genannten Zeitraum?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Angaben vor.
23. Wie hoch war nach Kenntnis der Bundesregierung die Zahl der
betroffenen Schiffe in diesem Zeitraum, und um welche Schiffstypen handelte es
sich dabei?
Hierzu liegen der Bundesregierung keine Angaben vor.
24. In welchem Umfang erfolgte nach Kenntnis der Bundesregierung die
Zuführung von Sanierungskapital durch Erhöhung von Eigen- bzw.
Fremdkapital (bitte in Prozent angeben)?
Laut Informationen des VGF betrugen Eigenkapitalerhöhungen im Jahr 2011
104,2 Mio. Euro (2010: 285,6 Mio. Euro). Weitere Angaben liegen der
Bundesregierung nicht vor.
25. Wie viele Insolvenzen von Schiffsfonds waren nach Kenntnis der
Bundesregierung im Jahr 2011 zu verzeichnen, und wie hat sich ihre Zahl seit
dem Jahr 2007 entwickelt?
Genaue Zahlen liegen der Bundesregierung nicht vor. Nach Presseberichten
liegt die Zahl der Insolvenzen bei Schiffsfonds über 100.
26. Welche Konsequenzen wird nach Einschätzung der Bundesregierung die
Einführung der Basel-III-Vorgaben und die Anforderungen an die
Eigenkapitalausstattung der Banken für die Finanzierung der deutschen
Schifffahrt haben?
Die neuen Baseler Anforderungen an die Kapital- und Liquiditätsausstattung
sollen dazu beitragen, das Bankensystem insgesamt widerstandsfähiger
gegenüber Krisen zu machen. Deshalb zielen die Neuregelungen im Wesentlichen
darauf ab, die Kapitalausstattung von Instituten insgesamt zu verbessern,
während die Risikogewichte für einzelne Forderungsarten nach jetzigem
Verhandlungsstand nicht überarbeitet werden. Dies gilt auch für die
Unternehmensfinanzierung im Allgemeinen sowie die Schiffsfinanzierung im Besonderen.
Ausnahmen bilden hingegen Verbriefungspositionen, Forderungen aus
Derivatetransaktionen sowie Positionen des Handelsbuchs, bei denen die
Kapitalanforderungen in der Vergangenheit zu niedrig waren und die deshalb zum Teil
stark angehoben wurden bzw. werden sollen. Basel III würde die
Schiffsfinanzierung gegenüber der Finanzierung anderer Branchen weder begünstigen noch
hemmen. Abzuwarten sind jedoch in diesem Zusammenhang auch die
endgültigen Inhalte der CRR (Capital Requirements Regulation) bzw. CRD IV.
27. Welche Maßnahmen hat die Bundesregierung bislang ergriffen, um einen
Ausweg aus der Krise der Schiffsfinanzierung zu ermöglichen, und wie
bewertet sie den bisherigen Erfolg dieser Aktivitäten?
Die Bundesregierung und auch die Bundesländer haben in der Finanzkrise mit
umfangreichen Maßnahmen die deutsche Banken unterstützt, um das
Bankensystem zu stabilisieren. Dies hat dazu beigetragen, dass Banken weiterhin in
der Schiffsfinanzierung tätig sein können. Vor dem Hintergrund der schwieri-
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/11778gen Marktlage in der internationalen Schifffahrt sind die Risiken in der
Schiffsfinanzierung deutlich gestiegen. Es ist daher nachvollziehbar, dass Banken
hierauf reagieren müssen. Es kann hier als Erfolg gewertet werden, dass
Eigenkapitalgeber, Reeder und Banken gemeinsam trotz des schwierigen
Marktumfelds bislang in zahlreichen problematischen Einzelfällen Lösungen
gefunden haben.
28. Wird die Bundesregierung angesichts der bestehenden Kreditkrise an
ihrer Politik festhalten, wonach „in Bezug auf den Bereich
Schiffsfinanzierung […] keine speziellen staatlichen Maßnahmen geplant“ sind (vgl.
ihre Antwort auf die Kleine Anfrage auf Bundestagsdrucksache 17/6238),
und wenn ja, wie begründet sie diese Haltung?
In Bezug auf den Bereich Schiffsfinanzierung plant die Bundesregierung
weiterhin keine spezielle Maßnahmen. Staatliche Finanzierungsprogramme sind
zur Überwindung von zyklischen und strukturellen Problemen einer Branche
keine geeignete Lösung und bergen die Gefahr, Anpassungsprozesse zu
verzögern. Zudem wäre es bedenklich, wenn Banken die Risiken ausgewählter
Kreditengagements in einer Branche auf den Staat verlagern könnten. In der
gegenwärtigen schwierigen Lage ist es wichtig, dass Eigenkapitalgeber, Reeder und
Banken weiterhin gemeinsame Lösungen zur Überwindung der Krise finden
und die Grundlagen für neue tragfähige Finanzierungskonzepte finden.
29. Wie bewertet die Bundesregierung vor diesem Hintergrund die
Finanzierungshilfen ausländischer Wettbewerber für ihre nationalen
Schifffahrtsunternehmen?
In einigen asiatischen Ländern sind laut Presseberichten Programme zur
Unterstützung nationaler Reedereien aufgelegt worden. Genaue Informationen über
die Konditionen dieser Programme hat die Bundesregierung nicht.
30. Welche Maßnahmen sind bei den Treffen des Koordinators der
Bundesregierung für die maritime Wirtschaft mit Vertretern schiffsfinanzierender
Banken am 5. Juli und 30. August 2012 in Berlin im Einzelnen beraten
worden, und welche der dort diskutierten Lösungsansätze sollen
weiterverfolgt werden?
Der Maritime Koordinator der Bundesregierung hat seit Beginn der
Schifffahrtskrise zu mehreren Treffen zur Schiffsfinanzierung eingeladen. Ziel dieser
Gesprächsrunden ist es, alle Beteiligten zur gemeinsamen Suche nach Wegen
zur Überwindung der Krise zusammenzubringen. In diesen Gesprächen wurden
zuletzt die in den nachfolgenden Fragen 31 bis 34 aufgegriffenen Themen
diskutiert.
31. Wie steht die Bundesregierung zu der Forderung, auf eine
Versicherungssteuer für horizontale Kooperationsmodelle zu verzichten, um
sogenannte Aufliegerprogramme von Reedereigenossenschaften zu
ermöglichen und dem Markt auf diese Weise befristet Überkapazitäten zu
entziehen?
Abhängig vom jeweils konkret vorliegenden Sachverhalt kann es sich bei
einem sog. Kooperationsmodell um eine steuerpflichtige Versicherung im Sinn
des Versicherungsteuergesetzes handeln. Gegebenenfalls kommt ein „Verzicht“
auf die Versicherungsteuer im Einzelfall in Form und unter den
Voraussetzungen eines Erlasses im Sinn des § 227 der Abgabenordnung in Betracht.
Drucksache 17/11778 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode32. Wie steht die Bundesregierung zu dem Vorschlag, die Besteuerung des
sogenannten Unterschiedsbetrages im Falle eines Verkaufs bzw. einer
Verschrottung von Schiffen oder aber der Rückkehr von der
Tonnagebesteuerung zur normalen Gewinnermittlung zu überprüfen, um die
Aussonderung älterer Schiffe zu erleichtern und so das Kapazitätswachstum
der deutschen Schiffsflotte zu reduzieren?
Durch die gewinnerhöhende Auflösung des Unterschiedsbetrags werden die in
der Zeit vor dem Wechsel zur Tonnagegewinnermittlung gebildeten stillen
Reserven erstmals einer Besteuerung zugeführt. Die gewinnerhöhende Auflösung
ist das logische Pendant zu dem vorangehenden Verzicht auf die Besteuerung
der stillen Reserven anlässlich der ursprünglichen Option zur
Tonnagebesteuerung und der damit verbundenen Feststellung des Unterschiedsbetrags.
Gleichwohl wird die Bundesregierung die Problematik der Besteuerung des
Unterschiedsbetrags in Fällen eines Verkaufs oder einer Verschrottung von
Schiffen in Zusammenhang mit der Kapazitätsreduzierung der deutschen
Schiffsflotte überprüfen.
33. Wie bewertet die Bundesregierung die vom Verband Deutscher Reeder
sowie der Vereinigung Hamburger Schiffsmakler und Schiffsagenten
e. V. gemeinsam mit Wirtschaftsprüfungsgesellschaften und Banken
entwickelte alternative Schiffsbewertungsmethode „Long Term Asset
Value“, die bei der Wertermittlung von Schiffen nicht allein von der
aktuellen Marktsituation ausgeht, sondern den Wert auf mittlere Sicht festlegt
und damit zu einer langfristigeren Bewertung von Schiffen beitragen
will?
Die Methodik der „Long Term Asset Value“ (LTAV) steht laut Gutachten einer
Wirtschaftsprüfungsgesellschaft weitestgehend im Einklang mit dem IDW
Standard „Grundsätze zur Durchführung von Unternehmensbewertungen“ (IDW,
S. 1).
Jedoch ist die Auswahl der Parameter, die im zugrunde liegenden Discounted
Cashflow-(DCF-)Verfahren eingesetzt werden, aus Sicht der deutschen
Aufsicht problematisch. So wird u. a. auf Charterraten abgestellt, deren
Prognostizierbarkeit nur sehr schwer möglich ist. Bilanziell ist auf die Vorschriften des
Handelsgesetzbuchs bzw. der International Reporting Standards zu verweisen,
die das Verfahren nicht vollumfänglich widerspiegeln und erwähnen. Deshalb
bevorzugt die Aufsicht eher eine vorsichtige, im Zweifel konservative
Bewertung. Bislang fehlt ein Nachweis, dass das Verfahren zu belastbaren Werten
führt. Es wird daher von der Bankenaufsicht nicht als Bewertungsmaßstab
anerkannt. Allenfalls wäre das Verfahren für Spezialschiffe einsetzbar, sofern
vertragliche (marktbasierte) Charterraten vorliegen. Der BaFin ist keine deutsche
Bank bekannt, die das reine LTAV-Verfahren zur Ermittlung bilanzieller Werte
einsetzt. Selbst 2009, als die Frachtraten auf ein sehr niedriges Niveau
absanken, wurde das reine LTAV-Verfahren von keiner Bank zur Ermittlung von
Schiffswerten eingesetzt. Inwiefern das Verfahren außerhalb der
schiffsfinanzierenden Wirtschaft angewandt wird, entzieht sich der Kenntnis der BaFin.
34. Wie steht die Bundesregierung zu Vorschlägen, seitens der KfW
Bankengruppe unter bestimmten Voraussetzungen Überbrückungskredite für
Einschiffsgesellschaften bereitzustellen, die keine Kredite oder
Tilgungsstundungen von Geschäftsbanken mehr erhalten?
Vergleiche Antwort zu Frage 28.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 17 – Drucksache 17/1177835. Wie steht die Bundesregierung zu Vorschlägen für ein Sonderprogramm
der KfW Bankengruppe zur Finanzierung von Spezialschiffen und
Offshore-Strukturen, um die Realisierung der Vorhaben insbesondere auch
für mittelständische Schifffahrtsunternehmen zu ermöglichen?
Für die Bundesregierung ist das Gelingen der Energiewende eine der
politischen Prioritäten. Die Einführung des 5-Mrd.-Euro-Sonderprogramms für die
Errichtung von Offshore-Windparks, das zu Marktkonditionen angeboten wird,
war notwendig, da Banken aufgrund der bestehenden technischen Risiken
immer noch sehr zögerlich bei der Kreditvergabe für Offshore-Windparkprojekte
waren und sind. Im Bereich der Errichterschiffe und Offshore-Strukturen ist
derzeit kein Angebotsmangel feststellbar, der einen Engpass für den Ausbau
der Offshore-Windenergie bedeuten würde, so dass vor diesem Hintergrund in
diesem Bereich keine zusätzlichen Förderprogramme oder zusätzlichen
Programme der KfW Bankengruppe notwendig sind. Soweit Reeder auf deutschen
Werften Schiffe bestellen, können grundsätzlich die Landesbürgschaften für
den Schiffbau mit einer bis zu 80-prozentigen Bürgschaftsquote genutzt werden.
36. Wie steht die Bundesregierung zu Vorschlägen für ein Sonderprogramm
„Green shipping“ der KfW Bankengruppe, um die Einführung
innovativer Technologien in der Schifffahrt zu forcieren, die mit höheren
unternehmerischen und finanziellen Risiken verbunden sind?
Die Einführung eines Sonderprogramms „Green Shipping“ ist von der KfW
Bankengruppe wegen bereits vorhandener Fördermöglichkeiten – etwa dem
Umweltprogramm der KfW Bankengruppe – gegenwärtig nicht geplant.
Darüber hinaus können innovative Technologien im Schiffbau in begrenztem
Umfang durch das Umweltinnovationsprogramm oder das Programm „Innovativer
Schiffbau sichert wettbewerbsfähige Arbeitsplätze“ gefördert werden.
37. Wie steht die Bundesregierung zu Vorschlägen, die Rolle der
Europäischen Investitionsbank im Bereich Schiffsfinanzierung zu stärken, und
inwieweit wird sie sich für eine entsprechende Änderung der
Kreditvergaberichtlinien einsetzen?
Schiffsfinanzierungen fallen unter die Finanzierungspolitik der Europäischen
Investitionsbank (EIB) für den Verkehrssektor. Voraussetzungen für eine
Finanzierung durch die EIB sind eine Übereinstimmung mit den Förderzielen der
Bank, angemessene Auslastungsfaktoren der finanzierten Schiffe sowie die
Einhaltung hoher Umwelt- und Sozialstandards. Eine überarbeitete Fassung der
Finanzierungspolitik für den Verkehrssektor wurde nach Abschluss eines
öffentlichen Konsultationsverfahrens im Dezember 2011 vom Verwaltungsrat der
EIB genehmigt. Im Rahmen der Überarbeitung hat sich die Bundesregierung
bereits für eine Stärkung der Rolle der EIB bei der Finanzierung innovativer
Schiffsprojekte sowie für eine verbesserte Prüfung der Einhaltung
internationaler Handelsregeln im Rahmen der Kreditvergabe eingesetzt.
Die Vergabe von EIB-Darlehen im Schiffsverkehrssektor konzentriert sich auf
die Unterstützung von Finanzierungsprojekten, die im Einklang mit dem
Einsatz sauberer Technologien, einer verbesserten Kraftstoffeffizienz sowie
sicheren und ökologisch effizienten Verfahren stehen.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
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ISSN 0722-8333]