Psychische Belastungen aufgrund flexibler und atypischer Arbeitszeiten
der Abgeordneten Jutta Krellmann, Sabine Zimmermann, Diana Golze, Herbert Behrens, Dr. Martina Bunge, Heidrun Dittrich, Werner Dreibus, Klaus Ernst, Katja Kipping, Yvonne Ploetz, Kathrin Vogler, Harald Weinberg, Jörn Wunderlich und der Fraktion DIE LINKE.
Vorbemerkung
Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) hat im März 2012 Ergebnisse einer Umfrage unter Beschäftigten präsentiert; zwei Drittel der Beschäftigten leisten Überstunden. Jede und jeder Fünfte sogar mehr als zehn Überstunden pro Woche. Es ist eine Entgrenzung von Arbeit zu beobachten. Viele Beschäftigte arbeiten häufig in der Freizeit (15 Prozent), noch mehr Beschäftigte müssen oft in der Freizeit erreichbar sein (27 Prozent). Die Zahl der Arbeitsunfähigkeitstage für psychische und Verhaltensstörungen stieg laut Bundesregierung von 33,6 Millionen im Jahr 2001 auf 53,5 Millionen im Jahr 2010 (DGB: Arbeitshetze, Arbeitsintensivierung, Entgrenzung).
Das Wissenschaftliche Institut der AOK hat für den aktuellen Fehlzeiten-Report eine Befragung durchgeführt, deren Ergebnisse ebenso alarmierend sind. Knapp 34 Prozent der Erwerbstätigen haben in den vier Wochen vor der Befragung häufig Anrufe oder E-Mails außerhalb der Arbeitszeit erhalten. Mehr als 32 Prozent haben in diesem Zeitraum Überstunden geleistet, 12 Prozent nahmen Arbeit mit nach Hause und knapp 11 Prozent haben an Sonn- und Feiertagen gearbeitet. Weitere 13 Prozent geben an, Probleme mit der Vereinbarkeit von Arbeit und Freizeit zu haben.
Diese Belastungen führen nach Ansicht der AOK zu mehr psychischen Beschwerden bei den Betroffenen. Die Befragten klagen über Erschöpfung, Probleme beim Abschalten, Kopfschmerzen und Niedergeschlagenheit. Die Untersuchung der AOK kommt darüber hinaus zu dem Ergebnis, dass Pendlerinnen und Pendler mit großen Strecken, ein 20 Prozent höheres Risiko haben, psychisch zu erkranken.
Wir fragen die Bundesregierung:
Fragen26
Wie hat sich die Zahl der Überstunden in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Wie viele Beschäftigte leisten regelmäßig Überstunden? Wie hoch ist der Anteil der Beschäftigten, die regelmäßig Überstunden leisten? Wie werden die Überstunden abgegolten (Freizeitausgleich, Bezahlung, gar nicht)? Welche Berufsgruppen leisten in der Summe die höchste Zahl von Überstunden, und welche Berufsgruppen weisen den höchsten Anteil an Beschäftigten auf, die Überstunden leisten (bitte nach Geschlechtern differenzieren)?
Wie haben sich die Zahl und der Anteil der Beschäftigten, die ein Arbeitszeitkonto führen, in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Wie hoch ist das Arbeitszeitvolumen, das sich derzeit auf den Arbeitszeitkonten befindet? Welche Berufsgruppen weisen in der Summe die höchste Zahl an Beschäftigten auf, die ein Arbeitszeitkonto führen, und welche Berufsgruppen den höchsten Anteil von Beschäftigten (bitte nach Geschlechtern differenzieren)?
Wie haben sich Zahl und Anteil der Beschäftigten, die regelmäßig überlange Arbeitszeiten von mehr als 48 Stunden pro Woche haben, in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Welche Berufsgruppen weisen die höchste Zahl an Beschäftigten mit überlangen Arbeitszeiten auf, und welche Berufsgruppen den höchsten Anteil (bitte nach Geschlechtern differenzieren)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Zusammenhang von Überstunden bzw. überlangen Arbeitszeiten und psychischen Belastungen vor? Welche Untersuchungen gibt es hierzu, und zu welchen Ergebnissen kommen sie?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Auswirkungen von Überstunden bzw. überlangen Arbeitszeiten auf die Gesundheit der Betroffenen vor? Welche Untersuchungen gibt es hierzu, und zu welchen Ergebnissen kommen sie?
Wie haben sich die Zahl und der Anteil der Beschäftigten, die am Wochenende arbeiten, in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Welche Berufsgruppen weisen in der Summe die höchste Zahl an Beschäftigten auf, die regelmäßig am Wochenende arbeiten, und welche Berufsgruppen den höchsten Anteil (bitte nach Geschlechtern differenzieren)?
Wie haben sich die Zahl und der Anteil der Beschäftigten, die regelmäßig am Abend (18 bis 23 Uhr) oder in der Nacht (23 bis 6 Uhr) arbeiten, in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Welche Berufsgruppen weisen in der Summe die höchste Zahl an Beschäftigten auf, die regelmäßig am Abend und in der Nacht arbeiten, und welche Berufsgruppen den höchsten Anteil (bitte nach Geschlechtern differenzieren)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Zusammenhang von Wochenendarbeit sowie Abend-/Nachtarbeit und psychischen Belastungen vor? Welche Untersuchungen gibt es hierzu, und zu welchen Ergebnissen kommen sie?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Auswirkungen von Wochenendarbeit sowie Abend-/Nachtarbeit auf die Gesundheit der Betroffenen vor? Welche Untersuchungen gibt es hierzu, und zu welchen Ergebnissen kommen sie?
Wie haben sich die Zahl und der Anteil der Beschäftigten, die in Schichtmodellen arbeiten, in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Welche Berufsgruppen weisen in der Summe die höchste Zahl an Beschäftigten auf, die in Schichtmodellen arbeiten, und welche Berufsgruppen den höchsten Anteil von Beschäftigten (bitte nach Geschlechtern differenzieren)?
Wie haben sich die Zahl und der Anteil der Beschäftigten, die stark schwankende wöchentliche oder tägliche Arbeitszeiten haben, in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Welche Berufsgruppen weisen die höchste Zahl an Beschäftigten auf, die stark schwankende Arbeitszeiten haben, und welche Berufsgruppen den höchsten Anteil (bitte nach Geschlechtern differenzieren)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Zusammenhang von Schichtarbeit oder stark schwankenden Arbeitszeiten und psychischen Belastungen vor? Welche Untersuchungen gibt es hierzu, und zu welchen Ergebnissen kommen sie?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Auswirkungen von Schichtarbeit oder stark schwankenden Arbeitszeiten auf die Gesundheit der Betroffenen vor? Welche Untersuchungen gibt es hierzu, und zu welchen Ergebnissen kommen sie?
Wie haben sich die Zahl und der Anteil der Beschäftigten, die auch außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit erreichbar sind, in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Welche Berufsgruppen weisen in der Summe die höchste Zahl an Beschäftigten auf, die auch außerhalb der Arbeitszeit erreichbar sind, und welche Berufsgruppen den höchsten Anteil (bitte nach Geschlechtern differenzieren)?
Wie haben sich die Zahl und der Anteil der Beschäftigten, die außerhalb ihrer regulären Arbeitszeit arbeiten, in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Welche Berufsgruppen weisen die höchste Zahl an Beschäftigten auf, die auch außerhalb ihrer Arbeitszeit arbeiten, und welche Berufsgruppen den höchsten Anteil (bitte nach Geschlechtern differenzieren)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Zusammenhang von Erreichbarkeitsanforderungen sowie Arbeit außerhalb der Arbeitszeit und psychischen Belastungen vor? Welche Untersuchungen gibt es hierzu, und zu welchen Ergebnissen kommen sie?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über die Auswirkungen von Erreichbarkeitsanforderungen und Arbeit außerhalb der Arbeitszeit auf die Gesundheit der Betroffenen vor? Welche Untersuchungen gibt es hierzu, und zu welchen Ergebnissen kommen sie?
Welche Ursachen sind nach Ansicht der Bundesregierung maßgeblich für die Zunahme atypischer Arbeitszeiten verantwortlich?
Sieht die Bundesregierung Handlungsbedarf hinsichtlich der Begrenzung von atypischen Arbeitszeiten oder Erreichbarkeitsanforderungen? Wenn ja, welche Schritte plant sie? Wenn nein, warum nicht?
Wie haben sich die Zahl und der Anteil der Beschäftigten, deren Arbeitsweg täglich für eine Strecke länger als 30, 60 oder mehr als 60 Minuten dauert, in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte nach Geschlechtern differenzieren)?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung über den Zusammenhang von langen Arbeitswegen und psychischen Belastungen vor? Welche Untersuchungen gibt es hierzu, und zu welchen Ergebnissen kommen sie?
Welche Erkenntnisse liegen der Bundesregierung zu Ausfalltagen aufgrund psychischer Erkrankungen und zum Eintritt in Erwerbsminderungsrenten aufgrund psychischer Erkrankungen differenziert nach Arbeitszeiten vor (Vollzeit, Teilzeit, geringfügige Beschäftigung)? Wie haben sich diese Zahlen in den vergangenen zehn Jahren entwickelt (bitte nach Geschlechtern differenzieren)?
Wie hat sich die Kontrolltätigkeit der zuständigen Aufsichtsbehörden hinsichtlich der Kontrolle der Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes in den vergangenen zehn Jahren entwickelt?
Wie viel Personal steht den Aufsichtsbehörden für diese Aufgabe zur Verfügung, und wie hat sich diese Zahl in den vergangenen zehn Jahren entwickelt? Wie viele Kontrollen wurden in den vergangenen zehn Jahren jeweils durchgeführt?
Wie viele Verstöße gegen das Arbeitszeitgesetz konnten jährlich in den vergangenen zehn Jahren aufgedeckt werden? Wie wurden diese Verstöße geahndet?
Wie haben sich in den vergangenen zehn Jahren die Zahl und die Reichweite der für allgemeinverbindlich erklärten Tarifverträge entwickelt, die Regelungen zur Arbeitszeit enthalten?