[Deutscher Bundestag Drucksache 17/13099
17. Wahlperiode 17. 04. 2013 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Petra Crone, Michael Groß,
Sören Bartol, weiterer Abgeordneter und der Fraktion der SPD
– Drucksache 17/12893 –
Sachstand und Perspektiven für den Holzbau im privaten Sektor
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Holz als klimaneutraler Roh- und Werkstoff hat ökologische und technische
Vorteile. Holz leistet einen erheblichen Beitrag, klimaschädliches CO2
langfristig stofflich zu binden. Am besten und langfristigsten ist diese Bindung in
Form von Holzbauteilen zu erreichen. Hinzu kommt, dass Wohnhäuser in
Holzbauweise erheblich weniger Energie verbrauchen. Im Zuge der Charta für
Holz versucht die Bundesregierung, den Pro-Kopf-Verbrauch an Holz und
Holzprodukten zu steigern und fördert z. B. ausgewählte Holzbauprojekte im
öffentlichen Bereich. Statistiken zeigen jedoch, dass die Bemühungen noch
nicht in den Privatbausektor übergegriffen haben. Die Anzahl der genehmigten
Wohngebäude in Holzbauweise ist seit einigen Jahren rückläufig. Darüber
hinaus zeigen sich regionale Unterschiede, die es zu hinterfragen gilt.
Offensichtlich existieren gesetzliche Hemmnisse und Imageprobleme bei der
Verwendung von Holz im privaten Baubereich. Auch hinsichtlich der
Rohstoffbeschaffung und -versorgung in den nächsten Jahren sind noch viele Fragen
offen. Die Anzahl der Auszubildenden im Zimmerei- und Holzbaubereich
nimmt von Jahr zu Jahr ab. Einem der traditionsreichsten Berufe des
Bauhauptgewerkes droht der Fachkräftemangel.
Vo r b e m e r k u n g d e r B u n d e s r e g i e r u n g
In der Vorbemerkung der Fragesteller wird zutreffend auf ökologische Vorzüge
von Holz hingewiesen. Einige der getroffenen Aussagen sind jedoch
unzutreffend bzw. können zu Missverständnissen führen. So ist der Energieverbrauch
von Wohnhäusern in Holzbauweise nicht automatisch niedriger als der von
Häusern aus mineralischen oder anderen Baustoffen. Der Energieverbrauch hängt
von einer Vielzahl von Faktoren ab (von der auf den jeweiligen Baustoff
zugeschnittenen Konstruktion bis hin zur fachgerechten Ausführung).
Niedrigenergie- und Passivhäuser lassen sich nicht nur in Holz, sondern auch mit anderen
Baumaterialien realisieren. Ein ökologischer „Mehrwert“ nachhaltig erzeugten
Holzes gegenüber anderen Baustoffen findet sich allerdings in der ökobilanziel- Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz vom 15. April 2013 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 17/13099 – 2 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiodelen Betrachtung. Dafür ist neben Energieeinspareffekten in der
Herstellungskette von Holzbaustoffen auch der Beitrag des Waldes und von Holzprodukten
zum Klima- und Umweltschutz ursächlich (Entlastung der
Treibhausgasbilanzen, Vermeidung von Flächenverbrauch etc.).
Ebenso bedarf der Hinweis, dass die Bemühungen der Bundesregierung im
Zuge der Umsetzung der Charta für Holz (Holzcharta)1 noch nicht auf den
Privatbausektor übergegriffen hätten, einer Korrektur. Die Anzahl der genehmigten
Wohn- und Nichtwohngebäude in Holzbauweise ist zwar (dem allgemeinen
Trend folgend) wegen der Finanz- und Immobilienkrise im Jahr 2007 gesunken,
seit 2008 ist die Entwicklung aber wieder nach oben gerichtet (Tabelle 1).
Tabelle 1: Entwicklung der Neubaugenehmigungen von Holzgebäuden
Quelle: Statistisches Bundesamt.
Der relative Anteil der Holzbauweise an Baugenehmigungen und
Fertigstellungen hat zudem über viele Jahre nahezu kontinuierlich und vor allem im privaten
Wohnbausektor zugenommen. Ferner erfasst die Statistik nicht den Einsatz von
Holz bei Gebäudesanierungen, Modernisierung und Umbauarbeiten. Gerade im
privaten Bereich werden hier große Mengen an Holzprodukten verarbeitet.
Hinzu kommen vermehrte Genehmigungen moderner Holzbauweisen im
mehrgeschossigen Wohnungsbau (derzeit in Deutschland bis zu acht Geschossen
realisiert). Damit relativiert sich auch der Hinweis, dass Holz ein Imageproblem
habe und der Holzbau unter gesetzlichen Hemmnissen leide.
1. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die aktuelle Holzbauquote
gemessen am gesamten Bauvolumen in der Bundesrepublik Deutschland,
und wie stellt sich diese aufgeschlüsselt nach Bundesländern dar?
Nachfolgende Informationen basieren auf Angaben des Statistischen
Bundesamtes2. Im Jahr 2011 wurde in Deutschland die Errichtung von rd.
145 000 Wohn- und Nichtwohngebäuden genehmigt. Üblicherweise wird die
Holzbauquote im Hochbau anhand der Anzahl der genehmigten
Neubauvorhaben ermittelt. Gemessen daran beträgt der Anteil der Gebäude mit Holz als
überwiegendem Baustoff (im Folgenden „Holzbauquote Gebäude“) 15,8
Prozent. Gemessen am fertiggestellten Neubauvolumen 2011 (veranschlagte
Kosten) erreicht die Holzbauquote 9,2 Prozent und gemessen am fertiggestellten
Rauminhalt ebenfalls 9,2 Prozent. Bezogen auf die Anzahl der Gebäude liegt
die Holzbauquote bei den Wohngebäuden geringfügig unter, bei den
Nichtwohngebäuden deutlich über dem Gesamtdurchschnitt (Tabelle 2).
1
www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Landwirtschaft/Wald-Jagd/ChartaFuerHolz.pdf?__blob=
publicationFile.
Jahr 2006 2007 2008 2009 2010 2011
Wohngebäude
in Holzbauweise 18 932 12 424 12 664 13 032 14 666 17 074
Nichtwohngebäude
in Holzbauweise 4 887 4 966 5 866 5 878 6 085 5 824
Summe 23 819 17 390 18 530 18 910 20 751 22 898
2 Statistisches Bundesamt, 2011. Bauen und Wohnen – Baufertigstellungen von Wohn- und
Nichtwohngebäuden (Neubau) nach überwiegend verwendetem Baustoff – Lange Reihen ab 2000. Wiesbaden
Statistisches Bundesamt, 2011. Bauen und Wohnen – Baugenehmigungen/Baufertigstellungen – Lange
Reihen z. T. ab 1949. Wiesbaden.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 3 – Drucksache 17/13099Tabelle 2: Holzbauquoten in Prozent nach Genehmigungen und
Fertigstellungen 2011
Quelle: Statistisches Bundesamt, Fachserie 5, R.1.2011.
Tabelle 3 zeigt die Holzbauquoten nach Bundesländern und berechnet nach der
Anzahl der genehmigten Neubauvorhaben. Es zeigt sich ein Nord-Süd-Gefälle
von teils unter 5 Prozent im Norden und bis zu 40 Prozent im Südwesten bzw.
24 Prozent im Süden. Die zuletzt stark angestiegene Holzbauquote im Saarland
lag in den Vorjahren bei max. 15 Prozent.
Tabelle 3: Holzbauquoten in Prozent (2011) berechnet nach Anzahl der
Baugenehmigungen
Quelle: Statistisches Bundesamt.
Wohnbau Nicht-Wohnbau Gesamt
Genehmigungen 2011 (%)
Gebäude (Anzahl) 15,2 18,1 15,8
Rauminhalt (m3) 11,0 7,3 8,7
veranschlagte Kosten (€) 11,6 4,9 8,7
Fertigstellungen 2011 (%)
Gebäude (Anzahl) 15,0 18,5 15,8
Rauminhalt (m3) 11,6 7,8 9,2
veranschlagte Kosten (€) 12,4 5,1 9,2
Bundesland Anteil (%)
Baden-Württemberg 24,0
Bayern 19,5
Berlin 8,7
Brandenburg 11,4
Bremen 4,6
Hamburg 4,9
Hessen 19,5
Mecklenburg-Vorpommern 15,2
Niedersachsen 10,7
Nordrhein-Westfalen 9,2
Rheinland-Pfalz 18,6
Saarland 40,2
Sachsen 11,7
Sachsen-Anhalt 8,3
Schleswig-Holstein 13,9
Thüringen 13,5
Deutschland 15,8
Drucksache 17/13099 – 4 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode2. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Holzbauquote im
privaten Wohnungsbausektor (bitte jeweils in Neubau und Sanierung
unterteilen)?
3. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Holzbauquote im
privaten Nichtwohnungsbausektor (bitte jeweils in Neubau und Sanierung
unterteilen)?
Die Fragen 2 und 3 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Eine Unterscheidung in Neubau und Sanierung ist nicht möglich, da eine
Sanierung zumeist nicht der Genehmigung bedarf und somit nur unzureichend in der
amtlichen Bautätigkeitsstatistik abgebildet ist. Die amtliche
Bautätigkeitsstatistik erfasst nur denjenigen Baustoff, der bei der Erstellung der tragenden
Konstruktion des Gebäudes überwiegend Verwendung findet. Somit wird die
Verwendung des Baustoffes Holz (z. B. für die Fassade oder andere nichttragende
Bauteile) durch die hier dargestellte Holzbauquote nicht abgebildet.
Auf Grundlage von Angaben des Statistischen Bundesamtes zur Anzahl der
genehmigten Neubauvorhaben im Jahr 2011 beträgt die Holzbauquote im
Wohnbau aktuell 15,15 Prozent (vgl. Abbildung 1).
Abbildung 1: Entwicklung des Wohnbaus in der Bundesrepublik Deutschland
Quelle: Statistisches Bundesamt: Bauen und Wohnen. Baugenehmigungen von Wohn- und
Nichtwohngebäuden nach überwiegend verwendetem Baustoff, Lange Reihen ab 1980.
Nach analoger Ermittlung wie im Wohnbau ergibt sich für die Holzbauquote im
Nicht-Wohnungsbau ein Anteil von 18,14 Prozent im Jahr 2011. Die Anzahl der
Genehmigungen bewegt sich seit 2008 im Bereich von 5 800 bis 6 000. Der
Anteil der Holzbauten an den Gesamtgenehmigungen im Nichtwohnbau hat seit
2009 eine leicht fallende Tendenz mit 19,9 Prozent in 2009 und 19,6 Prozent in
2010, da die sonstigen Neubaugenehmigungen in den letzten Jahren
überproportional gestiegen sind.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 5 – Drucksache 17/13099Die derzeit aktuellste Studie zum Modernisierungsmarkt mit Fokus auf die
Holzverwendung stammt aus dem Jahr 2002 (erstellt noch im Auftrag des seit
2009 in Abwicklung befindlichen Holzabsatzfonds)3. Demzufolge entfielen vor
über zehn Jahren ca. 60 Prozent (12,2 Mio. m3) des gesamten
Nadelschnittholzverbrauchs auf das Bauwesen und davon ca. 7,4 Mio. m3 auf die
Modernisierung. Der Wohnbau hatte im Jahr 2000 einen Anteil an dem gesamten
Nadelschnittholzverbrauch im Bauwesen von 46,5 Prozent, der Nicht-Wohnungsbau
von 13,5 Prozent.
„Holzbau Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband
des Deutschen Baugewerbes“ (BDZ) teilt mit, dass es sich bei den
Bautätigkeiten in Deutschland überwiegend um Maßnahmen im Bestand handelt
(Gebäudesanierung/Modernisierung), die meist von Privatpersonen
durchgeführt werden. BDZ führt 75 Prozent der Holzbautätigkeit in 2010 auf private
Bauherren zurück. Dabei wurden zu 49 Prozent Bestandsbaumaßnahmen
durchgeführt.
Nach Informationen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) ist
der Anteil der Modernisierung am Bauvolumen vom Jahr 2000 bis zum Jahr
2011 von 54 Prozent auf ca. 73 Prozent gestiegen.
Zur Fragestellung sind aktuellere Informationen aus einer laufenden
„Marktstudie zur Holzverwendung im Bauwesen“ zu erwarten, die im Rahmen der
Holzcharta vom Thünen-Institut begleitet wird. Die Fertigstellung der Studie ist für
Anfang 2014 vorgesehen.
4. Welche Tendenzen sieht die Bundesregierung bezüglich der Antworten zu
den Fragen 1 bis 3?
Die überwiegend im Holzbau errichteten Gebäude haben ihren Marktanteil
steigern können: Die „Holzbauquote Gebäude“ ist in den vergangenen zehn Jahren
um drei Prozentpunkte, die „Holzbauquote Rauminhalt“ um 5 Prozentpunkte
angestiegen. Sowohl bei den Wohn- als auch bei den Nichtwohngebäuden sind
die Marktanteile gestiegen. Bei den Wohngebäuden wird der gestiegene
Marktanteil vorwiegend durch den Bau von Ein- und Zweifamilienhäusern getragen.
Die technische Weiterentwicklung des Holzbaus macht deutlich, dass neben
überwiegend traditionellen Holzbauweisen in ländlichen Räumen der moderne
Holzbau durchaus das Potenzial besitzt, in urbane Räume und Ballungszentren
stärker vorzudringen (z. B. 7-geschossiges Holzwohnhaus in Berlin, 8-
geschossiges Holzgebäude in Bad Aibling, „Wood-Cube“ auf der Internationalen
Bauausstellung Hamburg4). Hinzu kommen gute Perspektiven für die
Holzverwendung im Sanierungs- und Modernisierungsmarkt (u. a. Gebäudeaufstockungen,
wärmedämmende Fassadenelemente, neue Werkstoffverbünde mit Holz im
Fenster- und Türenbau etc.). Für die Verwendung von Holz ist dieses
Marktsegment inzwischen von großer Bedeutung.
Prognosen über zukünftige Entwicklungen sind Bestandteil der bereits
erwähnten Marktstudie zur Holzverwendung im Bauwesen des Thünen-Instituts.
3 Mantau U, Kaiser C (2002) Holzeinsatz im Modernisierungsmarkt 2000. Abschlussbericht. Studie im
Auftrag des Holzabsatzfonds (HAF). Celle, 2002.
4
www.woodcube-hamburg.de/.
Drucksache 17/13099 – 6 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode5. Wie hoch ist nach Kenntnis der Bundesregierung die Holzbauquote in den
Nachbarländern der Bundesrepublik Deutschland (Österreich, Schweiz,
Frankreich, Dänemark, Schweden und Polen), und wie erklärt sich die
Bundesregierung eventuelle Differenzen?
8. Wie erklärt sich die Bundesregierung eventuelle Unterschiede in den
Holzbauquoten der Bundesländer?
Wo liegen ihrer Meinung nach die Ursachen?
Die Fragen 5 und 8 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Holzbauquote der Mitgliedsstaaten wird durch EUROSTAT nicht erfasst.
Tabelle 4 stellt Rechercheergebnisse des Thünen-Instituts vor, wobei nicht für
alle der genannten Länder Angaben aus der einschlägigen Literatur herzuleiten
sind (für Dänemark und Polen liegen keine Angaben vor).
Tabelle 4: Holzbauquoten in ausgewählten Nachbarländern
Quellen: proHolz Austria (2011)5, Schweizerischer Baumeisterverbandes (2012)6, Mikado (2012)7,
Hartmann (2012)8.
Zusätzliche Recherchen über die Deutschen Botschaften in Warschau und
Kopenhagen führten zu dem Ergebnis, dass amtliche Statistiken, die Aussagen
über Holzbauquoten erlauben, nicht verfügbar sind. Ein dänischer
Holzindustrieverband lieferte folgende Einschätzung: Einfamilienhäuser ca. 15 Prozent,
Mehrfamilienhäuser ca. 5 Prozent, Kindergärten ca. 50 Prozent.
Ergänzend hierzu wurde die Produktion der genannten Länder bezüglich
vorgefertigter Gebäude und Gebäudeteile ausgewertet. Tabelle 5 stellt die Ergebnisse
in einer Übersicht dar. Als Vergleichsgrößen sind zusätzlich die Werte für
Deutschland und der EU27 angegeben. Die Schweiz meldet keine Prodcom-
Daten. Die Übersicht zu den vorgefertigten Gebäuden/Gebäudeteilen erfasst
allerdings nur ein Teil des gesamten Hochbausektors, weshalb aus den Angaben
nicht auf eine Holzbauquote für den Gesamtsektor geschlossen werden kann
(wie auch der Vergleich mit den Angaben in Tabelle 4 verdeutlicht).
Land
Holzbauquote Bezugsjahr Bemerkung
Schweden 55 % 2009 „Nationale Strategie
für mehr Holz im Bauwesen“
Österreich 39 % 2008
Schweiz 11 % 2011 Quote bei An- und Umbauten:
24 %
Frankreich Ziel >10 % Einführung einer verbindlichen
Holzeinsatzquote in 2010
5 ProHolz Austria, Holzbauanteil Österreich, Stat. Erhebung Hochbau ISBN 978-3-902320-84-1.
6 Holzbaustudie des Schweizerischen Baumeisterverbandes 2011.
7 Mikado 12/2012 Der Holzbau verlässt seine Nische.
8 Günther Hartmann, Bauen Wohnen Leben, Mai 2012.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 7 – Drucksache 17/13099Tabelle 5: Produktion bezüglich vorgefertigter Gebäude und Gebäudeteile in
ausgewählten Nachbarländern (Angaben in Prozent)
Quelle: Eurostat Produktionsdaten PRODCOM 2011. Anteile berechnet aus der abgesetzten Produktion
in Werten. Berücksichtigt wurden die Codes 16.23.20.00, 22.23.20.00, 23.61.12.00, 23.61.20.00,
25.11.10.30, 25.11.10.50. Bei Leeren Zellen lagen keine Angaben vor. Schweiz meldet nicht.
6. Welche Handlungsempfehlungen gibt die Bundesregierung an
Architekten, Planer, Bauherren und Gewerken, die dazu beitragen, eine
umweltfreundliche Entwicklung in der Baubranche zu fördern?
11. Welche Maßnahmen unternimmt die Bundesregierung, den Holzbau
konkret zu fördern (bitte die einzelnen Maßnahmen nach a) öffentlichen
Bauten und b) im privaten Bausektor auflisten)?
Die Fragen 6 und 11 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Bundesregierung unterstützt mit ihrer Initiative für nachhaltiges Bauen die
Innovations- und Investitionskräfte des Marktes für Ressourcen sparendes
Bauen. In diesem Sinne wurde bereits mit der Einführung des Leitfadens
„Nachhaltiges Bauen“ im Jahre 2001 für den Bundesbau eine Neuorientierung
eingeleitet, die das Planen, Bauen und Nutzen von Gebäuden und
Liegenschaften auf Nachhaltigkeit ausrichtet9. Gestützt durch die Forschungsinitiative
„Zukunft Bau“ des Bundesministeriums für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
(BMVBS) wurden notwendige Bausteine entwickelt, um den Leitfaden
vollständig zu überarbeiten. Neben aktuellen baupolitische Anforderungen umfasst
der aktuelle Leitfaden erstmals Kriterien und Berechnungsgrundlagen, die den
Beitrag des Gebäudes zu einer nachhaltigen Entwicklung methodisch
abgesichert ausweisen.
Seit 2011 ist die Neufassung des Leitfadens Nachhaltiges Bauen in Verbindung
mit dem Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen (BNB) im Bundesbau
verpflichtend zu beachten. Alle notwendigen Daten, die zur Umsetzung des
Leitfadens benötigt werden, hat BMVBS kostenfrei (auch für private
Systemanbieter) im Internet auf den Internetseiten des Informationsportals Nachhaltiges
Bauen zur Verfügung gestellt10. Es handelt sich insbesondere um Daten für die
Ökobilanzierung von Bauprodukten und -prozessen, Daten für die
Nutzungsdauer von Bauteilen sowie umweltbezogene Baustoffinformationen.
Vorgefertigte
Gebäude oder
Gebäudeteile
aus… … Holz
…
Kunststoffen
… Zement, Beton
oder Kunststein
(Kalksandstein) –
nur Bauelemente
… Zement
oder
Betonfertigteilen … Stahl
…
Aluminium Summe
Schweden 74,3 0,0 10,1 15,6 100,0
Österreich 47,8 22,3 3,6 25,1 1,2 100,0
Deutschland 47,6 8,4 43,3 0,7 100,0
Dänemark 18,5 80,3 1,2 100,0
Frankreich 4,7 39,3 3,6 52,4 100,0
Polen 4,6 0,3 65,6 2,0 19,3 8,3 100,0
EU27 19,1 1,3 33,0 6,9 36,6 3,0 100,0
9 BMVBS (2011) Leitfaden Nachhaltiges Bauen. Berlin: Bundesministerium für Verkehr, Bau- und
Stadtentwicklung, 97 S.,
www.nachhaltigesbauen.de/fileadmin/pdf/Leitfaden_2011/LFNB2011.pdf.
10
www.nachhaltigesbauen.de.
Drucksache 17/13099 – 8 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeMit Einführung des Leitfadens „Nachhaltiges Bauen“ werden auch
Koordinatoren in der Bauverwaltung mit dem Ziel ausgebildet, den ganzheitlichen
Nachhaltigkeitsansatz in Verbindung mit den Berechnungs- und Bewertungsregeln
des BNB bei der konkreten Baumaßnahme sicherzustellen.
Darüber hinaus wurde bereits 2001 vom BMVBS der Runde Tisch
„Nachhaltiges Bauen“ ins Leben gerufen mit dem Ziel, gemeinsam mit den interessierten
Kreisen Grundsatzfragen des nachhaltigen Bauens zu diskutieren und
einvernehmlich abzustimmen. Die 20. Sitzung des Runden Tisches wird
voraussichtlich am 18. Juni 2013 stattfinden.
Das BMVBS unterstützt im Rahmen der Forschungsinitiative Zukunft Bau neue
Entwicklungen und Technologien für den Holzbau. In den letzten sechs Jahren
wurden in dieser Forschungsinitiative des BMVBS 13 Forschungsvorhaben mit
einem Gesamtvolumen von über 2,6 Mio. Euro mit rund 1,7 Mio. Euro
Bundesmittel unterstützt (Tabelle 6). Damit sollten insbesondere die technischen
Potentiale des Holzes für den Wohnungsbau bzw. für Hochbaumaßnahmen
insgesamt besser erschlossen und Voraussetzungen für die stärkere Anwendung
von Holz für das Bauwesen geschaffen werden. Holztragwerke oder auch
Holzfassaden sind sowohl im Wohnungsbau als auch im Nichtwohnungsbau denkbar.
Der Einsatz von Holz ist abhängig von der Leistungsfähigkeit und
Wirtschaftlichkeit im Vergleich zu anderen Bauweisen.
Tabelle 6: Holzforschungsprojekte in der BMVBS-Forschungsinitiative
Zukunft Bau
Projektname
Gesamtmittel
in €
Bundesmittel
in € Forscher
Erforschung und Entwicklung eines aus
heimischen Hölzern hergestellten Verbundträgers mit
hohen Festigkeitswerten: gezielte Kombination
von Kanthölzern niedriger und mittlerer
Sortierklassen
142 450,00 97 450,00 Deutsche Gesellschaft
für Holzforschung e. V.
Experimentelle und numerische Untersuchung
des hygrothermischen Verhaltens von flach
geneigten Dächern in Holzbauweise mit oberer
dampfdichter Abdichtung unter Einsatz
ökologischer Bauprodukte zum Erreichen
schadensfreier, markt- und zukunftsgerechter
Konstruktionen
160 846,00 112 346,00 Deutsche Gesellschaft
für Holzforschung e. V.
Untersuchung der Anwendung von innovativen
Folien als Wetterschutz von Holzbauteilen am
Anwendungsbeispiel Holzfenster –
Folienoberflächen im Fensterbau
129 060,00 84 060,00 ift gemeinnützige
Forschungs- und
Entwicklungsgesellschaft mbh
fertighauscity5+ – Typologische und technische
Untersuchung zu mehrgeschossigen
Holzbauweisen in innerstädtischen Bereichen unter dem
Gesichtspunkt der Vorfabrikation und
Partizipation der Nutzer (kundenindividuellen Fertigung)
457 249,00 266 729,00 TU Braunschweig – IIKE,
FB Architektur
Institut für Industriebau
und konstruktives
Entwerfen
Optimierung der Konstruktion und
Herstellprozesse hochfeuerhemmender Holztafelelementen
unter sicherheitsrelevanten, technischen und
wirtschaftlichen Gesichtspunkten
494 700,00 336 600,00 Fraunhofer Gesellschaft
zur Förderung der
angewandten Forschung e. V.
Absorption tieffrequenten Trittschalls durch in
Holzbalkendecken integrierte Helmholtz-
Resonatoren
134 401,00 98 048,00 Deutsche Gesellschaft
für Holzforschung e. V.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 9 – Drucksache 17/13099Quelle: BMVBS, Referat B13.
Um den Einsatz von Baustoffen aus nachwachsenden Rohstoffen
voranzubringen, fördert das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und
Verbraucherschutz (BMELV) mit seinem Förderprogramm „Nachwachsende Rohstoffe“
über den Projektträger Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR)
Forschungs-, Entwicklungs- und Demonstrationsprojekte. Die Ergebnisse werden
veröffentlicht und im Rahmen geeigneter Maßnahmen möglichst öffentlichkeits-
und publikumswirksam umgesetzt11. Darüber hinaus werden vom BMELV
weiterführende Informations- und Aufklärungsmaßnahmen unterstützt:
– Förderung der Fachinformationsstelle „Bauen und Wohnen mit
nachwachsenden Rohstoffen“ bei der FNR (Telefonberatung, Beantwortung schriftlich
eingegangener Fragen, kostenfreie Veröffentlichungen, Informationsangebot
im Internet sowie Informationsveranstaltungen),
– Förderung von „BAUnatour“, eine bundesweite Wanderausstellung für
Verbraucher zum Bauen und Wohnen mit nachwachsenden Rohstoffen mit
jeweils regionalem Rahmenprogramm und Aktivierung regionaler Partner
(siehe auch Antwort zu Frage 17 auf Bundestagsdrucksache 17/10667),
– Bundeswettbewerb „HolzbauPlus – Bauen mit nachwachsenden
Rohstoffen“: Mit über 150 eingereichten Beiträgen war der 2012 erstmals
veranstaltete Wettbewerb ein großer Erfolg. Damit wurde die Aktualität und
Bedeutung des Themas eindrücklich belegt. Die hohe Qualität und Vielfalt
der eingereichten Wettbewerbsbeiträge verdeutlicht ein außerordentliches
Projektname
Gesamtmittel
in €
Bundesmittel
in € Forscher
Hochgenaue Strukturerkennung von
Holzbauteilen mit 3D-Ultraschall
297 350,00 144 080,00 Bundesanstalt für
Materialforschung und -prüfung
BAM
Entwicklung extrem dauerhafter, robuster und
witterungsbeständiger Hybridbauteile aus Holz
und PUR-Spritzelastomer zur Erweiterung des
Anwendungsbereichs für Bauteile und
Bauwerke aus Holz
280 338,00 189 738,00 TU-Berlin
Institut für
Bauingenieurwesen FG Entwerfen
und Konstruieren –
Verbundstrukturen
Gebäudeklima – Langzeitmessung zur
Bestimmung der Auswirkungen auf Feuchtegradienten
in Holzbauteilen
92 166,79 61 916,79 TU München Lehrstuhl
für Holzbau und
Baukonstruktion
Zuverlässigkeit von Holzdachkonstruktionen
ohne Unterlüftung der Abdichtungs- oder
Decklage
76 700,00 50 000,00 Aachener Institut
Bauschadensforschung und
angewandte Bauphysik
gGmbH (AIBau)
Brandverhalten von querkraftbeanspruchten
Verbindungen bei Holzbaukonstruktionen,
Neuentwicklung und Optimierung von
Verbindungssystemen und allgemeinen Konstruktionsregeln
214 640,00 150 160,00 Lehrstuhl für Holzbau
und Baukonstruktion,
TU München
Gebäudeklima – Validierung der
Langzeitmessung zu Auswirkungen auf Feuchtegradienten in
Holzbauteilen
31 679,47 21 679,47 TU München, Lehrstuhl
für Holzbau und
Baukonstruktion
Erarbeitung weiterführender
Konstruktionsregeln/-details für mehrgeschossige Gebäude in
Holzbauweise der Gebäudeklasse 4
145 591,50 88 731,50 Technische Universität
München, Lehrstuhl
für Holzbau und
Baukonstruktion
Gesamt in €: 2 657 171,76 1 701 538,76
11
www.nachwachsenderohstoffe.de/.
Drucksache 17/13099 – 10 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeWertschöpfungs- und Innovationspotenzial. Die dabei verfolgten
gesamtheitlichen Ansätze zur Nutzung nachwachsender Rohstoffe beim Bauen, die
über den rein konstruktiven Einsatz von Holz hinausgehen, führten dabei zu
besonders effektiven und nachhaltigen Lösungen.
In Verfolgung der gesteckten Klimaschutzziele tritt die Bundesregierung für
eine verstärkte Nutzung nachwachsender Rohstoffe ein. Bei Baumaßnahmen
werden die Möglichkeiten ihres Einsatzes geprüft (u. a. Vorbildwirkung
öffentlicher Gebäude). Entscheidungen müssen den Vorschriften des Wettbewerbs-
und Ausschreibungsrechts entsprechen. Nachfolgend einige Beispiele für
konkrete Maßnahmen:
– Holzbauweise beim Umweltbundesamt in Dessau (2005), Neubau der
Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe in Holzbauweise (2011) und weitere
unter Frage 10 der Bundestagsdrucksache 17/10667 aufgeführte Bauobjekte,
– Beitrag zur Sicherstellung der Nachhaltigkeitsanforderungen durch die
Beschaffungsregelung des Bundes für Holzprodukte12.
Im Bereich „Nicht-Wohnbau“ gibt es zahlreiche, z. T. unter aktiver Beteiligung
der Bundesregierung entstandene Vorzeigeobjekte, die das Potenzial moderner
Holzkonstruktionen eindrucksvoll unter Beweis stellen. Es sei an dieser Stelle
nur auf das Holzdach der EXPO 2000 in Hannover oder das weltweit erste
Windkraftwerk (Inbetriebnahme 2012) auf einem 100 m hohen Turm in
Holzbauweise („Timbertower“ Hannover) hingewiesen.
Im Weiteren siehe Antwort zu Frage 15.
7. Inwiefern spielt der Holzbau im privaten Sektor für die Bundesregierung
eine Rolle bei der Erreichung der Klima- und Nachhaltigkeitsziele der
Bundesregierung?
Der Holzbau leistet nicht nur im privaten Sektor einen wichtigen Beitrag zur
Erfüllung der Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsziele der Bundesregierung. Der
private Sektor spielt aber diesbezüglich eine erhebliche Rolle, da private
Bauherren umfangreiche Investitionsmittel mobilisieren und Ressourcen in
Anspruch nehmen. Die Bundesregierung versucht beispielgebend durch
konsequente Umsetzung von Nachhaltigkeitsanforderungen bei
Bundesbaumaßnahmen private Bauherren zum Nacheifern anzuregen.
Eine bereits im Jahr 2007 vom BMELV bei dem Beratungsunternehmen PE
International in Auftrag gegebene Untersuchung kam zu dem Ergebnis, dass die
stoffliche Nutzung nachwachsender Rohstoffe wie Holz in der Regel zur
Einsparung fossiler Ressourcen und zur Reduzierung von CO2-Emissionen
führt13. Das bestätigt die Ergebnisse zahlreicher weiterer Studien über
Treibhausgasbilanzen (einschließlich der Verwendung von Holz im Bausektor), die
teilweise unter Beteiligung der Ressortforschung des BMELV durchgeführt
worden sind 14, 15.
12
www.bmelv.de/SharedDocs/Standardartikel/Landwirtschaft/Wald-Jagd/Waldpolitik/Beschaffungs-
regeln-Holzprodukte.html.
13 Aktionsplan der Bundesregierung zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe vom 15. August
2009, S. 10,
www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/AktionsplanNaWaRo.pdf.
14 Sathre R, O’Connor J (2010) A Synthesis of Research on Wood Products & Greenhouse Gas Impacts,
2nd Edition. Vancouver, B.C, Canada: FPInnovations, 117 S, Technical Report No. TR-19R, www.
forintek.ca/public/pdf/Public_Information/technical_rpt/TR19 Complete Pub-web.pdf.
15 BMBF-Verbundprojekt „Ökologische Potenziale durch Holznutzung gezielt fördern
(ÖkoPot),
www.literatur.vti.bund.de/digbib_extern/dk041313.pdf.
Albrecht S, Rüter S, Welling J, Knauf M, Mantau U, Braune A, Baitz M, Weimar H, Sörgel C, Kreißig J,
Deimling S, Hellwig S (2008) Ökologische Potenziale durch Holznutzung gezielt fördern. Hamburg:
Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), 298 S, Arbeitsbericht aus dem Institut für Holztechnologie
und Holzbiologie Nr. 2008/5,
www.holzundklima.de/docs/2008-05_albrecht-etal_oekopot.pdf.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 11 – Drucksache 17/13099Die Bundesregierung hat folgerichtig in dem 2009 unter Federführung des
BMELV verabschiedeten Aktionsplans zur stofflichen Nutzung
nachwachsender Rohstoffe anerkannt, dass Verfahren zur stofflichen Nutzung
nachwachsender Rohstoffe deutlich höhere CO2-Einsparungen bewirken können als rein
energetische Nutzungspfade16.
Die Erhöhung der Kohlenstoffspeicherung in den Wäldern sowie die
energetische und insbesondere die stoffliche Verwendung von Holz entlasten die
Atmosphäre in Deutschland derzeit jährlich um über 125 Millionen Tonnen CO2
(Tabelle 7).
Tabelle 7: Jährliche CO2-Bilanz von Wald und Holz im Durchschnitt der
letzten Jahre (Wald- und Produktspeicher: 2002 bis 2008, Substitution:
2005 bis 2009)
Quellen: Rüter S (2011) Welchen Beitrag leisten Holzprodukte zur CO2-Bilanz? AFZ – Der Wald
66(15):15-18 Heuer E. (2011) Kohlenstoffbilanzen – Schlüssel zur forstlichen Klimapolitik. AFZ – Der
Wald 66 (17): 16 – 18.
Das ist eine Größenordnung von etwa 13 Prozent der nationalen jährlichen
CO2-Emissionen. Dabei ist der Bundesregierung bekannt, dass dieser Effekt
insbesondere durch die langfristige Holzverwendung im Bauwesen unterstützt
wird. In Deutschland fließen über 50 Prozent der verwendeten Holzwaren in
den Bausektor17.
Mit der Entscheidung für eine Verlängerung des Kyoto-Protokolls unter dem
Dach der Vereinten Nationen Ende 2011 in Durban (UNFCCC COP17) trat zu
Beginn des Jahres 2013 eine zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-
Protokolls in Kraft, womit die Anrechnung von Holz und Holzprodukten in der
nationalen Klima- und CO2-Bilanz vorgesehen ist. Die stoffliche Nutzung von Holz
führt zu einer langfristigen Speicherung von Kohlenstoff in den Produkten (u. a.
Holzgebäude). Moderne Bauprodukte aus nachwachsenden Rohstoffen sind
vergleichsweise energiesparend und ressourceneffizient in Herstellung und
Verarbeitung. Sie erleichtern die Umsetzung einer abfallarmen Kreislaufwirtschaft.
Bauen mit Holz ist daher aus Sicht der Bundesregierung nicht nur aktiver
Klimaschutz, sondern auch ein aktiver Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung18.
Eine zwingende Voraussetzung hierfür ist die ausschließliche Holzerzeugung
im Rahmen legaler und nachhaltiger Waldbewirtschaftung. Wie die Ergebnisse
der Bundeswaldinventuren belegen, ist der deutsche Wald in dieser Hinsicht ein
stabiler Faktor.
16 Aktionsplan der Bundesregierung zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe vom 15. August
2009, S. 10,
www.bmelv.de/SharedDocs/Downloads/Broschueren/AktionsplanNaWaRo.pdf.
Speicherwirkung Mio. t CO2
Netto-Emissionen Waldspeicher –20,4
Netto-Emissionen Produktspeicher –17,9
Speicherwirkung gesamt –38,3
vermiedene Emissionen durch Substitution
stofflich –56,7
energetisch –30,1
Substitution insgesamt –86,8
Entlastung CO2-Bilanz gesamt –125,1
17 Mantau U, Bilitewski B (2010) Stoffstrom-Modell-Holz: Rohstoffströme und CO2-Speicherung in der
Holzverwendung. Celle: Forschungsbericht für das Kuratorium für Forschung und Technik des
Verbandes der Deutschen Papierfabriken e. V. (VDP), 77 S.
18 UNFCCC (2012) Report of COP 16 held in Durban: Decision 2/CMP.7 on Land use, land-use change and
forestry. FCCC/KP/CMP/2011/10/Add.1.
www.unfccc.int/resource/docs/2011/cmp7/eng/10a01.pdf.
Drucksache 17/13099 – 12 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode9. Strebt die Bundesregierung an, die Holzbauquote überregional zu
erhöhen, und wenn ja, bitte erläutern und die Maßnahmen beschreiben?
Wenn nein, warum nicht?
Unter den gegebenen Rahmenbedingungen hat sich der Anteil der überwiegend
aus Holz errichteten Gebäude – mehrheitlich Einfamilienhäuser – in den
vergangenen Jahren kontinuierlich erhöht. Diese positive Nachfrageentwicklung
zeugt von einer wachsenden Präferenz für den Baustoff Holz. Im Übrigen ist die
Holzwirtschaft gefordert, durch innovative Produkte zur Verbesserung ihrer
Wettbewerbsposition und damit zur Erhöhung des Marktanteils des Baustoffs
Holz beizutragen.
Die Bundesregierung strebt im Rahmen markt- und wettbewerbskonformer
Maßnahmen eine ökologisch vorzügliche, ressourceneffiziente und
energiesparende Holzverwendung an. Dabei sollen unter Berücksichtigung
„kaskadischer“ Nutzungsformen des Rohstoffes (grundsätzliche Präferenz der
stofflichen vor einer rein energetischen Holznutzung) die Stoffkreisläufe möglichst
weitgehend geschlossen werden. Vor diesem Hintergrund ist das Bauen mit
Holz Teil des Maßnahmenspektrums, das unter dem Dach verschiedener
Initiativen der Bundesregierung im Bereich der stofflichen Verwendung
nachwachsender Rohstoffe bearbeitet wird. Hinzuweisen ist vor allem auf folgende
Punkte:
– Holzcharta (siehe Abschnitte III „Holz – ein vielfältig verwendbarer
Rohstoff“ und Abschnitt V „Förderung der Holznutzung in Deutschland“),
– Aktionsplan zur nachhaltigen Nutzung nachwachsender Rohstoffe (v. a.
Handlungsfeld 9 „Bauen und Wohnen)“ sowie auf
– Waldstrategie 2020 (v. a. Handlungsfelder 3.3 „Rohstoffe, Verwendung und
Effizienz“ und 3.9 „Bildung, Öffentlichkeitsarbeit und Forschung“).
– Im BMELV-„Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe“ wird über den im
Rahmen der Umsetzung der Holzcharta eingeführten aktuellen
Förderschwerpunkt „Stoffliche und konstruktive Nutzung von Holz“ seit 2006 auf
Projektbasis auch eine verstärkte Holznutzung im Bereich Bauen und
Wohnen unterstützt (z. B. „Optimierung eines ökologischen Holz-Massiv-
Verbundbausystems für den mehrgeschossigen Hochbau“).
10. Wie beurteilt die Bundesregierung das Image von Holz bei der Errichtung
von Wohnhäusern?
Sieht die Bundesregierung hier Verbesserungspotential, und wenn ja, bitte
erläutern?
Wenn nein, warum nicht?
Die in Deutschland während der letzten 20 Jahre auf jährlich rd. 135 Mio. m3
stetig angewachsene stoffliche und energetische Holzrohstoffverwendung
(Waldholz, Sägenebenprodukte, Altholz etc.; Tendenz nach Einschätzung von
Experten weiter ansteigend)19 spricht u. a. für eine zunehmende Anerkennung
der technischen Potenziale und ökologischen Vorzüge von Holz auf
Verbraucherebene. An diesem Imagegewinn hat der Bausektor als bedeutendster
Absatzbereich für Holzprodukte sicherlich nicht unerheblichen Anteil.
Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen (und hier insbesondere Holz)
können im Rahmen eines bauwerks- und benutzergerechten Baustoffkonzepts die
konstruktiven und bauphysikalischen Anforderungen problemlos erfüllen. Mit
19 MANTAU, U. (2012): Holzrohstoffbilanz Deutschland, Entwicklungen und Szenarien des
Holzaufkommens und der Holzverwendung 1987 bis 2015, Hamburg, 2012, 65 S.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 13 – Drucksache 17/13099der Möglichkeit eines hohen industriellen Vorfertigungsgrades kommt Holz den
Ansprüchen der Auftraggeber zusätzlich entgegen (Zeit- und Kostenersparnis,
Flexibilität im Aus- und Selbstbau). Sowohl im Wohnbau als auch bei
gewerblichen Baukonstruktionen sind nachwachsende Rohstoffe wie Holz tendenziell
auf dem Vormarsch.
Im Zuge der weiterführenden Imagepflege wird es unter anderem darauf
ankommen, die Nachhaltigkeit der gehandelten Holzprodukte auf Verbraucherebene
glaubwürdig zu belegen. Zertifikate wie die des PEFC (Programme for the
Endorsement of Forest Certification Schemes) und des FSC (Forest Stewardship
Council), die die Herkunft des Holzes aus legaler und nachhaltiger
Waldbewirtschaftung nachweisen, leisten hierzu einen großen Beitrag. In diesem
Zusammenhang setzt zudem die am 3. März 2013 in allen Teilen verbindlich in Kraft
getretene EU-Holzhandelsverordnung (Verordnung (EU) Nr. 995/2010 des
Europäischen Parlaments und des Rates vom 20. Oktober 2010 über die
Verpflichtungen von Marktteilnehmern, die Holz und Holzerzeugnisse in Verkehr
bringen)20 ein deutliches Signal gegen den anhaltenden Raubbau an Wäldern in
zahlreichen Regionen der Erde. Der damit geforderte Legalitätsnachweis stellt
in vielen Staaten der Welt einen notwendigen ersten Schritt in Richtung
Nachhaltigkeitsnachweis dar. Die Bundesregierung wird eine effektive Umsetzung
der EU-Holzhandelsverordnung auf nationaler Ebene sicherstellen und auf EU-
Ebene weiter für eine einheitliche Umsetzung eintreten.
Weitere wichtige Instrumente für die Imageverbesserung sind Aufklärung und
Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Zusammenhang hat die Bundesregierung z. B.
im Rahmen des BMELV-Internetauftritts zahlreiche Hinweise auf die
Bedeutung von Holz als Wirtschaftsfaktor veröffentlicht21.
Erfolgreiche Imagekampagnen für ökologisch vorzügliche Alternativen sollten
allerdings nicht nur auf staatlicher Aufklärung beruhen. Es bedarf vielmehr
auch der Initiative der betroffenen Branchen, die langfristig anzulegen und zu
pflegen sind. Mindestens ebenso wichtig ist neben wettbewerbsfähigen Preisen
die Bedeutung fachlich einwandfreier und qualitativ hochwertiger
Bauausführung. Nur unter Beachtung der Kernanliegen potenzieller Kunden kann nach
wie vor bestehenden Vorbehalten gegen den Holzbau wirkungsvoll begegnet
(v. a. Raubbau an Wäldern, vermeintliche Brandgefährdung von Holzgebäuden,
mangelnde Dauerhaftigkeit von Holzkonstruktionen) und Vertrauen aufgebaut
werden.
12. Gibt es nach Kenntnis der Bundesregierung Erfolge dahingehend, dass
die von der Bundesregierung getroffenen Maßnahmen im öffentlichen
Baubereich zu einer Steigerung des Holzbaus im privaten Bausektor
geführt haben (bitte nach Wohngebäuden und Nichtwohngebäuden
unterscheiden)?
Messbare oder wissenschaftlich belastbare Kenntnisse dahingehend, dass die in
der Antwort zu den Fragen 6, 11 und 15 erläuterten Maßnahmen der
Bundesregierung zu den ansteigenden Holzbauquoten geführt haben, liegen nicht vor.
20
www.eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:32010R0995:DE:NOT.
21
www.bmelv.de/DE/Landwirtschaft/Wald-Jagd/wald-jagd-node.html.
Drucksache 17/13099 – 14 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode13. Welches Potential sieht die Bundesregierung bei der Errichtung von
Wohnhäusern in Holzbauweise, sowohl für den ländlichen Raum als auch
für den städtischen Bereich?
25. Inwiefern stellt der Holzbau im städtischen Bereich für die
Bundesregierung eine Lösung dar, dringend benötigten Wohnraum zu schaffen, z. B.
durch die Aufstockung im Bestand?
Gibt es hier noch gesetzliche Hindernisse, und wenn ja, welche?
26. Inwiefern kann der Holzbau im ländlichen Raum vor dem Hintergrund
des demographischen Wandels gefördert werden?
Die Fragen 13, 25 und 26 werden aufgrund ihres Sachzusammenhangs
gemeinsam beantwortet.
Der Bundesregierung liegen keine konkreten Erkenntnisse darüber vor, wie
hoch die Akzeptanz und die Bereitschaft bei Bewohnern, privaten Bauherren
und Vermietern sind, in die Errichtung von Wohnhäusern in Holzbauweise zu
investieren. Im ländlichen Raum ist das Ansehen des Holzbaus (z. B.
Fertighäuser) sicherlich weiter entwickelt als im städtischen Umfeld. Im Zeitraum
von 2000 bis 2011 ist der Anteil des Baustoffes Holz bei Wohngebäuden im
Fertigteilbau von 78 Prozent auf 89 Prozent gestiegen22. Der Holzbau ist eine
von vielen Bauweisen, mit denen Investoren im Rahmen der geltenden
bauplanungs- und bauordnungsrechtlichen Vorschriften erfolgreich dazu beitragen
können, mehr Wohnraum zu schaffen (z. B. bei der städtischen
Nachverdichtung und Modernisierung im Bestand).
Hier besitzt die Holzbauweise ein erhebliches Potenzial und gute Marktchancen
(hoher Vorfertigungsgrad, kurze Bauzeiten). Das vergleichsweise geringe
Gewicht einer Holzkonstruktion ermöglicht oftmals Gebäudeaufstockungen, ohne
dass ein Eingriff in die bestehende Statik der Gebäude erforderlich wird. Bei
fortgesetzter und qualifizierter Aufklärung zur Beseitigung bestehender
Vorurteile gegenüber dem Holzbau sowie weiteren Verbesserungen bei der
Ausbildung von Architekten und Planern in Bezug auf die Holzverwendung im
Bauwesen besteht ein nicht näher bezifferbares Potenzial zur weiteren Verbreitung
von Holzbauweisen.
Im Weiteren siehe Antwort zu den Fragen 6 und 11.
Bezüglich gesetzlicher Hemmnisse für den Holzbau, wird auf die Antwort zu
Frage 21 verwiesen.
14. Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die ökologische
Vorteilhaftigkeit von Holzbauprodukten einer breiten Masse von
Bürgerinnen und Bürgern zu vermitteln, und wie sehen die Maßnahmen im
Einzelnen aus?
Die Bundesregierung unterstützt im Bauwesen den Einsatz nachwachsender
Rohstoffe. Der Einsatz innovativer Bauprodukte, wie beispielsweise
Dämmstoffe oder Produkte für den Innenausbau, die in der Gesamtbewertung Vorteile
gegenüber klassischen Bauprodukten auf Basis nicht nachwachsender
Rohstoffe haben, wird deswegen im Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für
Bundesgebäude in besonderer Weise berücksichtigt.
Auf die Antworten zu den Fragen 6, 11 und 15 wird zudem hingewiesen.
22 Statistisches Bundesamt, 2011. Bauen und Wohnen – Baufertigstellungen von Wohn- und
Nichtwohngebäuden (Neubau) nach überwiegend verwendetem Baustoff – Lange Reihen ab 2000. Wiesbaden.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 15 – Drucksache 17/1309915. Auf welche Weise vermittelt die Bundesregierung die Ergebnisse der von
ihr in Auftrag gegebenen Studien zur Vorteilhaftigkeit von
Holzbauprodukten, z. B. die Studie „Ökobilanzbasisdaten für Bauprodukte aus Holz“
des Thünen-Instituts Braunschweig an Bürgerinnen und Bürger?
Mit Einführung des Leitfadens Nachhaltiges Bauen im März 2011 ist zur
Bewertung der ökologischen Qualität von Bundesgebäuden eine Ökobilanz zu
erstellen. Als Berechnungsgrundlage hat BMVBS dazu eine Datenbank (Öko-
Bau.Dat) mit Ökobilanzkennwerten der gebräuchlichsten Baustoffe ohne
spezifischen Herstellerbezug erarbeiten lassen, die nach Erfordernis aktualisiert und
fortgeschrieben wird 23, 24. Die Daten sind öffentlich zugänglich und stehen für
die freie Nutzung zur Verfügung.
Die Aufnahme der vom Thünen-Institut bereitgestellten Ökobilanzdatensätze in
die Ökobau.dat wird im Zuge einer Umstrukturierung der Datenbank zurzeit
vom Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung vorbereitet. Die dort
ermittelten Datensätze bildeten bereits die Grundlage bei der Erstellung
zahlreicher Umweltproduktdeklarationen beim Institut für Bauen und Umwelt e. V.;
die relevanten Ökobilanzdaten dieser Umweltproduktdeklarationen werden in
den jeweiligen Aktualisierungen der ÖkoBau.Dat berücksichtigt. Wie in der
Antwort zu Frage 6 bereits angesprochen ist, stellt das BMVBS zudem mit dem
Baustoffinformationssystem WECOBIS frei und für jedermann zugänglich
Informationen über die ökologischen Auswirkungen von Bauprodukten zur
Verfügung. Somit kann die Verwendung von Holzbauprodukten und die damit
verbundenen ökologischen Auswirkungen sogar direkt mit anderen Baustoffen
verglichen werden.
Darüber hinaus unterstützt die Bundesregierung Forschungsvorhaben zur
Untersuchung der ökologischen Bedeutung von Holzbauprodukten mit Hilfe von
Ökobilanz- und Lebenszyklusanalysen. Die erzielten Forschungsergebnisse
sind in Form von Abschlussberichten frei zugänglich (z. B. BMELV-Projekt
Ökobilanz-Basisdaten für Bauprodukte aus Holz25). Dabei wurden in
Zusammenarbeit mit den Verbänden der deutschen Holzindustrie repräsentative
Ökobilanz-Datensätze erstellt, die in der Folge bereits den beteiligten Verbänden
und Unternehmen als Basis für die Erstellung von Umweltproduktdeklarationen
(EPD) gedient haben26. Diese Umweltkennzeichen des Typs III beinhalten
herstellerbezogene Ökobilanzdaten und bilden eine der erforderlichen
Datengrundlagen für die Nachhaltigkeitsbewertung, wie sie auch mit dem
Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen für Bundesgebäude verpflichtend für den Neubau von
Bundesverwaltungsgebäuden eingeführt wurde.
16. Mit welchen anderen Staaten arbeitet die Bundesregierung im Bereich
Holzbau zusammen, und existieren konkrete „Holzbau-Partnerschaften“
zu anderen Ländern?
Im Rahmen des europäischen ERA-Net „WoodWisdom“ beteiligt sich die
Bundesregierung an der Förderung von insgesamt 39 transnationalen
Verbundvorhaben (41 deutsche Teilprojekte, Laufzeit 2007 bis 2014; Fördersumme
23 BMVBS (2011) Leitfaden Nachhaltiges Bauen. Berlin: Bundesministerium für Verkehr, Bau und
Stadtentwicklung, 97 S.,
www.nachhaltigesbauen.de/fileadmin/pdf/Leitfaden_2011/LFNB2011.pdf.
24
www.nachhaltigesbauen.de/oekobaudat/.
25 Rüter S, Diederichs S (2012) Ökobilanz-Basisdaten für Bauprodukte aus Holz. Hamburg, 316 S,
Thünen-Institut für Holzforschung, Arbeitsbericht Nr. 2012/01,
www.fnr-server.de/ftp/pdf/berichte/
22028808.pdf.
26 Webseite des Institut Bauen und Umwelt e. V. (2013) Umweltproduktdeklarationen der
Studiengemeinschaft Holzleimbau e. V. und der Überwachungsgemeinschaft Konstruktionsvollholz,
www.bau-
umwelt.de/hp4083/Vollholzprodukte.htm.
Drucksache 17/13099 – 16 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode6,5 Mio. Euro). Konkrete „Holzbau – Partnerschaften“ gibt es in folgenden
Vorhaben:
– „smartTES – Innovation in timber construction for the modernisation of the
building envelope“ (Deutschland, Norwegen, Finnland, Österreich)
– „Acuwood – Acoustics in wooden buildings“ (Schweden, Deutschland,
Schweiz)
– „ECO2 – Wood in carbon efficient construction“ (Schweden, Deutschland,
Finnland, Italien, Österreich)
– „LBTGC – Load Bearing Timber-Glass Composite Structures“ (Österreich,
Deutschland, Schweden, Türkei, Slowenien, Chile, Brasilien).
In den Bundesländern sowie auf regionaler und lokaler Ebene haben sich zudem
zahlreiche Initiativen des Clusters Forst und Holz etabliert. Diese teilweise als
„Public – Private – Partnership“ organisierten Initiativen streben eine
Steigerung der Holzverwendung an und haben häufig die Holzbauförderung als einen
Tätigkeitsschwerpunkt. Auf dieser Ebene sind einige Kooperationen mit
Initiativen in anderen Ländern zu beobachten (z. B. das deutsch-österreichische
Gemeinschaftsprojekt „facing:wood – Junge Menschen für Holz begeistern“ vom
„Holzforum Allgäu“ und „proHolz Tirol“ zur Nachwuchsförderung)27.
17. Welche gesetzlichen Rahmenbedingungen in Bund und nach Kenntnis der
Bundesregierung in den Ländern fördern oder reglementieren den
Holzbau?
Bundesseitig gibt es keine gesetzlichen Grundlagen, die ausschließlich die
Holzbauweise fördert oder reglementiert. Besondere Anforderungen im
Holzbau ergeben sich aber aus den Bauordnungen der Länder und deren
untergesetzlichen technischen Regelwerken in Bezug auf Standsicherheit und Brandschutz.
Holzprodukte, die durch die Bundesverwaltung beschafft werden, müssen
nachweislich aus legaler und nachhaltiger Waldbewirtschaftung stammen.
Neben den für den Baubereich allgemein geltenden Regelungen, wie z. B.
– Energieeinsparverordnung (EnEV),
– Bauproduktenverordnung (greift 2013),
– Landesbauordnungen,
– Einhaltung von Grenzwerten zur Raumluftqualität nach EN 13779 für
Nichtwohngebäude (keine gesetzlichen oder behördlichen Grenzwerte für die
Innenraumluft in Wohngebäuden in Deutschland),
gibt es eine steigende Anzahl weiterer gesetzlicher Regelungen und
Vorschriften auf nationaler und europäischer Ebene zur Sicherung der Produktqualität,
des Verbraucherschutzes oder der Legalität/Nachhaltigkeit von
Holzbauprodukten (z. B. Holzhandels-Sicherungs-Gesetz28), die mehr oder weniger direkten
Einfluss auf die Verwendung nachwachsender Rohstoffe im Bauwesen (und
damit auch auf den Holzbau) haben. Diese Vorschriften gelten zumeist auch für
alle anderen Baustoffe. Eine Ableitung, ob sich eine der genannten
Rahmenbedingungen förderlich oder hemmend auf den Holzbau auswirkt, ist nicht
pauschal möglich.
27
www.cluster-forstholzbayern.de/index.php?option=com_content&view=article&id=523:facing-
woodholzforum-allgaeu-und-proholz-tirol-kooperieren-in-einem-interreg-projekt&catid=154:news&
Itemid=4.
28
www.bmelv.de/SharedDocs/Rechtsgrundlagen/H/HolzhandelsSicherungsGesetz.html.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 17 – Drucksache 17/1309918. Auf welche Weise subventioniert die Bundesregierung andere Baustoffe?
Welche sind das, und in welcher Höhe werden sie subventioniert?
Die Bundesregierung setzt sich prinzipiell für die Verwendung von Baustoffen
ein, die den Anforderungen des Nachhaltigkeitsprinzips von der Erzeugung
bzw. Gewinnung bis hin zur Beseitigung möglichst nahekommen (u. a.
vorteilhafte Ökobilanz, hohe Energieeffizienz, positive Effekte für den Klimaschutz,
Eignung für eine weitgehend geschlossene Kreislaufwirtschaft, Erfüllung
sozio-kultureller Anforderungen). Eine einseitige Festlegung auf oder
Bevorzugung von Baustoffen wird dagegen grundsätzlich abgelehnt. Die
Bundesregierung subventioniert grundsätzlich keine Baustoffe.
Nach aktuellem wissenschaftlichen Kenntnisstand geht die Bundesregierung
davon aus, dass nachhaltig erzeugte Holzbauprodukte bei den genannten
Anforderungen an die Erfüllung von Nachhaltigkeitskriterien vergleichsweise gut
abschneiden und sich im Wettbewerb mit anderen Baustoffen gut behaupten
können.
Dem Wettbewerbsprinzip steht nicht entgegen, dass die Bundesregierung Holz
als klima- und umweltfreundlichen Rohstoff z. B. im Rahmen des
Förderprogrammes Nachwachsende Rohstoffe (Forschung, Entwicklung, Demonstration)
projektbezogen unterstützt und im Rahmen von Öffentlichkeitsarbeit und
Verbrauchinformation positiv hervorhebt.
19. Gibt es von Seiten der Bundesregierung konkrete Maßnahmen und
Publikationen, die den Baustoff Holz als Alternative zu den anderen
Baustoffen darstellen?
Es gibt Maßnahmen, mit denen die Bundesregierung auf nachwachsende
Rohstoffe wie z. B. Holz als Alternative zu anderen Baustoffen hinweist:
– Das BMELV und die FNR informieren über das Bauen mit Holz (u. a.
Informationsbroschüren, Pressemitteilungen, Berichtswesen29, 30).
– Der Aktionsplan zur stofflichen Nutzung nachwachsender Rohstoffe der
Bundesregierung enthält zwölf Handlungsfelder, wobei in jedem
Handlungsfeld Ziele und konkrete Maßnahmen bestimmt wurden. Eines der
Handlungsfelder ist der Bereich „Bauen und Wohnen“. Hier wurde z. B. die
Fortentwicklung eines internationalen Kriterien- und Kennzeichnungssytems für
nachhaltige Baustoffe aus nachwachsenden Rohstoffen gefördert.
– Die Waldstrategie 2020 und die Holzcharta gehen auf die
Klimaschutzwirkungen von Holz(bau)produkten sowie auf die Bedeutung effizienter
material- und energiesparender Technologien ein.
– Das von der Bundesregierung unterstützte Label „natureplus“ bietet
insbesondere Verbrauchern Orientierung und Information und fördert damit die
Innovation und Verbreitung von Bauprodukten aus nachwachsenden
Rohstoffen.
– Ferner wurde in der Zusammenarbeit mit der Holzwirtschaft die Erstellung
von Umweltproduktdeklarationen für Holz und Holzprodukte gefördert.
Dieses Bewertungsverfahren hilft Vorteile von Baustoffen hinsichtlich CO2-
Emissionen und Energiebilanz auch in den Bewertungssystemen zur
Gebäudezertifizierung „Nachhaltigen Bauen“ positiv herauszustellen.
29
www.bmelv.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/2010/029-AI-Holzvorrat.html.
30
www.mediathek.fnr.de/catalogsearch/result/?order=news_to_date&dir=desc&q=Jahresbericht+2012%
2F2013.
Drucksache 17/13099 – 18 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode– Die Informationsstelle „Bauen mit nachwachsenden Rohstoffen“ bei der
FNR berät Bauherren und Fachplaner. Über das Internetportal
www.natur-
baustoffe.info kann eine Vielzahl an Informationen abgerufen werden.
– Die Wanderausstellung „BAUnatour“ hat seit 2009 an über 50 Standorten
wichtige Impulse in den Regionen setzen können.
– Der vom BMELV ins Leben gerufene bundesweite Wettbewerb „Holzbau-
Plus“ zeichnet Bauherren für besonders gelungene Bauprojekte mit
nachwachsenden Rohstoffen aus und nutzt diese Beispiele als Leitbilder für die
weitere öffentliche Kommunikation31.
Siehe auch Antworten zu den Fragen 6, 11 und 15.
20. Inwiefern hat die Bundesregierung Kenntnis über die Substitutionseffekte
durch die Verwendung von Holz als Baustoff
a) hinsichtlich der Bindung von CO2 aus der Atmosphäre und
Die Bundesregierung unterstützt seit ca. zehn Jahren im Rahmen der
angewandten Bauforschung Fragen der Ökobilanzierung auch im Hinblick auf die
Ermittlung des CO2-Anteils (Äquivalent) als Maßeinheit für die Bemessung des
Treibhausgaspotenzials in Baumaterialien. Mit der Unterstützung der
Programmentwicklung zur Erstellung von Umweltproduktdeklarationen (EPD) in
Deutschland, liegen nunmehr europäisch harmonisierte EPD’s (seit 2012) für
den Bausektor und im speziellen für eine Vielzahl an Holzbauprodukten vor32,
so dass die Ermittlung von Substitutionseffekten (CO2-Bindung und
Herstellung) nach normativ abgesicherten Verfahren über den Lebenszyklus eines
Bauteils/Produktes grundsätzlich möglich ist. Die Erkenntnisse des Bundesinstitutes
für Bau-, Stadt- und Raumforschung zur CO2-Bindung stützen sich dabei auf
eigene Bundesbauvorhaben und die in diesem Zusammenhang durchgeführten
Bauteiluntersuchungen. Die Berechnungen lassen erkennen, dass in
Abhängigkeit der Bauteilfunktion Massivholz- bzw. Holzwerkstoffvarianten erhebliche
Substitutionseffekte vorhalten. Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe bietet
ökobilanziell vielfach Vorteile und wird seitens der Bundesregierung in den
empfohlenen Bewertungssystemen BNB auch positiv berücksichtigt.
b) hinsichtlich der Einsparungen bei der Herstellung von
Holzbauprodukten?
Erst unter Berücksichtigung der erforderlichen Trocknungs- und
Fertigungsprozesse von Holzwerkstoffen und deren Komponenten sowie den zu
berücksichtigenden Transportaufwendungen für Rohstoffe und Endprodukt, lässt sich
das mögliche absolute Einsparungspotenzial ermitteln. In Abhängigkeit der
gewählten Energieträger in den Fertigungsstätten und dem Gesamtenergiemix
(Strom aus Wasserkraft, Windkraft, Photovoltaik, Netz, Gas, Öl, Holzreststoffe
etc.) kann das Einsparungspotenzial erheblichen regionalen Schwankungen
unterliegen. Der Einsatz nachwachsender Rohstoffe bietet ökobilanziell
vielfach Vorteile und wird seitens der Bundesregierung in den empfohlenen
Bewertungssystemen (BNB) auch positiv berücksichtigt. Die pauschale Empfehlung
für alle Einsatzzwecke wird aus den oben genannten Gründen nicht präferiert.
Auf die Antwort zu Frage 7 wird zusätzlich hingewiesen.
31
www.holzbauplus-wettbewerb.info.
32 www. bau-umwelt.com.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 19 – Drucksache 17/1309921. Welche Anpassungen der brandschutzrechtlichen Vorschriften in den
Ländern hat es nach Kenntnis der Bundesregierung gegeben, die das
mehrgeschossige Bauen ermöglichen sollen (vgl. Bundestagsdrucksache 17/
10667)?
Existieren nach Kenntnis der Bundesregierung über die
Brandschutzvorschriften hinaus noch weitere gesetzliche Hemmnisse, die das
mehrgeschossige Bauen in Holzbauweise beschränken?
22. Welche Erfolge bzw. positiven Wirkungen konnten durch die Anpassung
der brandschutztechnischen Vorschriften im Holzbau bereits erzielt
werden?
Die Fragen 21 und 22 werden wegen ihres Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Das Brandschutzrecht ist Landesrecht. Der Bundesregierung liegen keine ins
Einzelne gehenden Kenntnisse über frühere Anpassungen
brandschutztechnischer Vorschriften der Länder für den Holzbau und die tatsächlichen
Auswirkungen geänderter brandschutztechnischer Vorschriften auf den Einsatz von
Holz vor. Der Bundesregierung sind auch keine gesetzlichen Hemmnisse
bekannt, die speziell den Einsatz von Holz ohne sachlichen Grund behindern
würden. Auskünfte können die jeweils zuständigen Landesbauministerien geben.
Nach Kenntnis der Bundesregierung haben die Novellierung der
Musterbauordnung (MBO) und die Einführung der „Muster-Richtlinie über
brandschutztechnische Anforderungen an hochfeuerhemmende Bauteile in Holzbauweise“ zur
Errichtung zahlreicher Gebäude in Holzbauweise in der neu geschaffenen
Gebäudeklasse 4 (Gebäudehöhe bis 13 Meter) geführt. Diese Gebäudeklasse
verlangt hochfeuerhemmende Bauteile, z. B. durch gekapselte Holzteile. Das
Kapselkriterium wurde in die Landesbauordnungen der meisten Länder
übernommen. Ein deutlicher Hinweis ist die Erstellung mehrgeschossiger Holzgebäude
mit bis zu acht Geschossen in Stadtgebieten (siehe auch Antwort zu Frage 4).
23. Existiert mittlerweile die freiwillige Rahmenvereinbarung der Forst- und
Holzwirtschaft für die Rohholzsortierung, auf die die Bundesregierung
auf Bundestagsdrucksache 17/10667 verweist, und wenn ja, wie ist sie
ausgestaltet und welche positiven Auswirkungen auf den Holzmarkt
verspricht sich die Bundesregierung davon?
Nach Aufhebung der gesetzlichen Regelung auf EU- und Bundesebene zur
Sortierung von Rohholz (2008) arbeiten die forst- und holzwirtschaftlichen
Marktpartner in Deutschland an einer entsprechenden freiwilligen nationalen
Rahmenvereinbarung (RVR). Am 12. September 2012 wurden neue
Qualitätssortierkriterien für Laubstammholz verabschiedet33. Die Verhandlungen für das
Nadelstammholz laufen noch. Darin sollen auch Kriterien für eine
Werksvermessung integriert werden, die zusätzlich als Leitlinie für den
grenzüberschreitenden Holzhandel dienen können.
Insgesamt werden die freiwilligen Sortiervereinbarungen eine Mischung aus
Handlungsempfehlungen, technischen Anweisungen und allgemeinen
Geschäftsbedingungen darstellen. Die Bundesregierung begrüßt schon aus
Gründen der Klarheit und Markttransparenz die Bemühungen um eine
bundeseinheitliche Lösung. Von der Rahmenvereinbarung sind zudem durch
Standardisierungseffekte eine Verringerung der Transaktionskosten und damit ein
Beitrag zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit zu erwarten.
33
www.rvr-deutschland.de.
Drucksache 17/13099 – 20 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeDer Ausgestaltung der RVR kommt auch eine gewisse Bedeutung im Rahmen
der statistischen Erfassung zu. Ohne eine bundesweite Vereinheitlichung der
Rohholzsortierung wäre z. B. die amtliche Holzeinschlagstatistik oder der
Erzeugerpreisindex nicht mehr mit gleicher Aussagekraft fortführbar.
24. Welche Anstrengungen unternimmt die Bundesregierung, übergeordnete
Gebäudezertifizierungen für die Nachhaltigkeit von Bauwerken nach
EN 15804 verpflichtend zu etablieren?
Welche Rolle soll dabei nach Ansicht der Bundesregierung der Holzbau
spielen?
Am 6. Dezember 2010 hat der Staatssekretärsausschuss für nachhaltige
Entwicklung beim Bundeskanzleramt Maßnahmen beschlossen, um wichtige
Prinzipien der Nachhaltigkeit in konkretes Verwaltungshandeln umzusetzen. Teil
des Maßnahmenprogramms ist die verbindliche Einführung des Leitfadens
Nachhaltiges Bauen im Bundesbau, der in Verbindung mit dem
Bewertungssystem Nachhaltiges Bauen eine umfassende Nachhaltigkeitsbewertung
sicherstellen soll. Im Rahmen seiner Vorbildrolle für energieeffizientes und
ressourcenschonendes Bauen ist der Bund der erste öffentliche Bauherr, der bei seinen
Baumaßnahmen die erreichte Gebäudequalität transparent ausweist. Die dazu
notwendigen Unterlagen und Hilfsmittel sind zugangsfrei auf den Internetseiten
abgelegt und können auf freiwilliger Basis genutzt werden34.
Es ist nicht beabsichtigt, Gebäudezertifizierungen für Bauvorhaben von
privaten Bauherren und Investoren verbindlich vorzugeben. Im Übrigen wird auf die
Antwort zu den Fragen 6 und 11 verwiesen.
27. Welche Maßnahmen will die Bundesregierung unternehmen, um die
prognostizierte Lücke zwischen Angebot und Nachfrage an Rohholz, speziell
Nadelholz, zu schließen?
Zunächst ist festzustellen, dass Lücken zwischen Angebot und Nachfrage der
Markt schließt. Die Bundesregierung gestaltet die Rahmenbedingungen, damit
unternehmerische Initiative sich entfalten kann und der Wettbewerb als
Entdeckungsverfahren gestärkt wird.
Die erwähnte „Holzlücke“ ist das Ergebnis wissenschaftlicher Szenarien, die auf
der Annahme möglicher Angebots- (Holzmobilisierung) und
Nachfrageentwicklungen basieren35. Nachfrageseitig werden bei diesen Szenarien überwiegend
aktuelle wirtschaftliche Entwicklungen fortgeschrieben und die Umsetzung
politischer Ziele (z. B. Energiepolitik) in Zukunft berücksichtigt. Daher sind
diese Szenarien generell als (Politik-)Folgeabschätzungen für heute formulierte
Politikziele und wirtschaftliche Entwicklungen zu interpretieren.
Da die betroffenen Unternehmen auf eventuell anhaltende Engpässe bei der
Rohholzversorgung reagieren würden (von Produktionseinschränkungen über
Abbau von Produktionskapazitäten bis hin zur Verlagerung von
Produktionsstandorten und ggf. Neuorientierung auf alternative Holzarten), ist mit dem
tatsächlichen Auftreten solcher „sprunghafter“ Versorgungslücken nicht zu
rechnen. Zum möglichen künftigen Holzrohstoffbedarf gibt es zudem sehr unter-
34
www.nachhaltigesbauen.de.
35 Mantau, U. et al. 2010: EUwood – Real potential for changes in growth and use of EU forests. Final
report. Hamburg/Germany, June 2010. 160 p.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 21 – Drucksache 17/13099schiedliche Szenarien36. Die Modellberechnungen bedürfen grundsätzlich der
kritischen Analyse. Sie können unter dieser Voraussetzung eine gute
Orientierungshilfe für die forst- und holzmarktpolitische Entscheidungsfindung bieten
(Frühindikatoren).
Ansätze zur Vermeidung von Versorgungsengpässen bei der Wirtschaft sind in
der Waldstrategie 2020 der Bundesregierung aufgezeigt (z. B. Mobilisierung
nachhaltig verfügbarer Waldholzpotenziale, materialsparende Holzverwendung
einschließlich konsequenter Kaskadennutzung, Erschließung zusätzlicher
Holzpotenziale außerhalb des Waldes wie z. B. Kurzumtrieb oder Holzeinfuhren).
Mit dem Vorliegen der Ergebnisse der dritten Bundeswaldinventur (Anfang
2015) und einer darauf aufbauenden Modellierung zum zukünftigen
Rohholzpotenzial durch das Thünen-Institut werden den Marktteilnehmern zudem
Informationen zur Beurteilung des inländischen Rohholzaufkommens zur
Verfügung gestellt.
Mit dem „Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe“ des BMELV werden
insbesondere Forschungsvorhaben gefördert, die zur Sicherung der
Rohholzversorgung beitragen sollen (z. B. Verbundvorhaben „Sicherung der
Nadelrohholzversorgung in Norddeutschland“). Ferner werden Projekte unterstützt, die
dem veränderten Holzangebot (Erhöhung des Laubholzanteils) Rechnung
tragen (siehe auch Antworten zu den Fragen 29 und 32).
28. Werden sich nach Auffassung der Bundesregierung die Importanteile an
Rohholz und Halbfertigwaren in Zukunft erhöhen, und wenn ja, in
welchem Maße und aus welchen Ländern kann der Rohstoff bezogen werden?
Wenn nein, warum nicht?
Die Bundesregierung stellt keine Prognosen über den Import und Export von
Holz und Halbfertigwaren auf, da der Bedarf an Holz alleine von den Holz
aufnehmenden Betrieben bestimmt wird. Die Rohholzverbraucher werden Holz in
den Regionen beschaffen wo es für sie am wirtschaftlichsten ist, wobei
Nachhaltigkeitsaspekte zu beachten sind.
Aufgrund der zumindest regional angespannten inländischen
Nadelrohholzversorgung bei aufnehmenden Betrieben der ersten Bearbeitungsstufe dürfte die
Außenhandelsbilanz in dieser Warengruppe weiterhin von Importüberschüssen
geprägt bleiben. Sofern die Nadelholzmobilisierung mit der Marktentwicklung
nicht Schritt halten kann und sich keine Alternativen für das Nadelholz am
Markt etablieren, sind aus Wettbewerbsgründen und vergleichsweise hohen
Transportkosten beim Rohholz auch Kapazitätsanpassungen bzw.
Standortverlagerungen nicht auszuschließen37.
Das Welthandelsvolumen mit Holz und Produkten auf Basis Holz, d. h.
sämtliche holzbasierten Rohstoffe, Halb- und Fertigwaren (z. B. Rohholz,
Schnittholz, Holzmöbel, Zellstoff oder Papierwaren), ist in den vergangenen
Jahrzehnten infolge der Globalisierung deutlich gestiegen. Deutschland ist eine der
bedeutendsten Holzhandelsnationen mit vergleichsweise hohen Ein- und
Ausfuhrmengen. Der Saldo des deutschen Holzaußenhandels weist nach Menge und
36 Seintsch 2011: Stellung der Holzrohstoffe in der Kostenstruktur des Holz- und Papiergewerbes in
Deutschland. vTI, Arbeitsbericht des Instituts für Ökonomie der Forst- und Holzwirtschaft 2011/3,
Hamburg.
37 Dieter, Matthias; Seintsch, Björn (2012): Änderung der Wettbewerbsfähigkeit der Holz- und
Papierwirtschaft in Deutschland auf Grund zunehmender Knappheit an Nadelholz. Allgemeine Forst und
Jagdzeitung: German Journal of Forest Recearch. 183 Jahrgang, Heft 5/6, J.D. Sauerländers Verlag:
Frankfurt am Main, S. 116-128 (peer reviewed).
Drucksache 17/13099 – 22 – Deutscher Bundestag – 17. WahlperiodeWert in der Summe Nettoexportüberschüsse auf. Das gilt auch für die im
Holzbausektor wichtigen Halbfertigwaren Schnittholz und Holzwerkstoffplatten.
Die für den Holzbau ebenfalls relevante Warengruppe Nadelrohholz weist
dagegen seit 2008 mit jährlichen Nettoimportüberschüssen von rd. 4 Mio. m3 einen
negativen Saldo aus.
Ein Großteil des deutschen Außenhandels mit Nadelrohholz erfolgt mit
Nachbarländern und weiteren EU-Mitgliedstaaten. In der bilateralen Betrachtung
weist Deutschland nennenswerte Nettoimportüberschüsse von Nadelrohholz im
Außenhandel mit Frankreich, Polen und Tschechien auf sowie
Nettoexportüberschüsse im Außenhandel mit Österreich38.
29. Mit welchen Auswirkungen auf den Holzbau rechnet die
Bundesregierung vor dem Hintergrund des in der Waldstrategie 2020 angestrebten
verstärkten Anbaus von Laubbäumen?
Eine naturnahe Waldbewirtschaftung mit einer Erhöhung des Laubbaumanteils
in den Wäldern war bereits lange vor Erarbeitung der Waldstrategie 2020 ein
Ziel der Bundesregierung. Aufgrund der langen forstlichen
Produktionszeiträume werden sich diese waldbaulichen Veränderungen auf das
Rohholzaufkommen und die Rohholzverwendung erst langfristig und nicht abrupt
auswirken.
Es ist davon auszugehen, dass sich die Holzindustrie Veränderungen des
Rohstoffangebotes stellt und unter anderem die Möglichkeit einer verstärkten
Laubholznutzung im Bausektor prüft. Die Bundesregierung unterstützt die klein- und
mittelständischen Betriebe bei der Bewältigung der damit verbundenen
Herausforderungen z. B. im Rahmen der Forschungs- und Entwicklungsprojekte
(BMELV-Ressortforschung und Forschungsförderung über den Projektträger
FNR, Laubholzkongress 201239).
30. Wie schätzt die Bundesregierung in diesem Zusammenhang die
zukünftige Bestandsstruktur von Sägewerken, im speziellen
Nadelholzsägewerken, ein?
Die zukünftige Bestandsstruktur von Sägewerken wird von der Nachfrage nach
Holz bestimmt. In Deutschland ist heute nicht nur die Sägeindustrie, sondern
die gesamte erste Bearbeitungsstufe (einschließlich Holzwerkstoff-, Zellstoff-
und Papierindustrie) mit einem Verwendungsanteil von über 90 Prozent vom
Nadelrohholz dominiert. Aufgrund des deutlichen Kapazitätsausbaus nach der
Wiedervereinigung Deutschlands wird bei einer Gegenüberstellung des
inländischen Nadelrohholzpotenzials (Waldentwicklungs- und
Holzaufkommensmodell WEHAM) und des Inlandsbedarfs dieses bereits heute weitgehend
abgeschöpft40. Dabei dürfte die zumindest regional angespannte
Nadelrohholzversorgung auch auf die in den vergangenen Jahren vor allem im energetischen
38 Seintsch, Björn (2011): Holzbilanzen 2009 und 2010 für die Bundesrepublik Deutschland. vTI,
Arbeitsbericht des Instituts für Ökonomie der Forst- und Holzwirtschaft 2011/4, Hamburg.
39 FNR-Tagungsbeiträge: Broschüre Band 40 „Stoffliche Nutzung von Laubholz2012 (Gülzower
Fachgespräche).
40 Ochs, T.; Duschl, C. & Seintsch, B. (2007a): Struktur und Rohstoffbedarf der Holzwirtschaft: Teil I der
Studie „Regionalisierte Struktur- und Marktanalyse der 1. Verarbeitungsstufe der Holzwirtschaft“.
Holz-Zentralblatt, 133. Jg., Nr. 10, S. 269–271.
Ochs, T.; Duschl, C. & Seintsch, B. (2007b): Rohstoffversorgung beim Nadelholz angespannt: Teil II
der Studie „Regionalisierte Struktur- und Marktanalyse der 1. Verarbeitungsstufe der Holzwirtschaft“.
Holz-Zentralblatt, 133. Jg., Nr. 12, S. 318–320.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 23 – Drucksache 17/13099Bereich gestiegene Roh- und Restholzverwendung zurückzuführen sein41. Vor
diesem Hintergrund ist die Nadelrohholzversorgung der Säge-, Holzwerkstoff-,
Zellstoff- und Papierindustrie bereits heute als angespannt zu betrachten. Diese
Entwicklung ist vom laubholzorientierten Waldumbau bisher noch nicht
entscheidend beeinflusst.
Die für die Sägeindustrie relevanten sägefähigen Nadelrundholzsortimente
stammen schwerpunktmäßig aus Durchforstung und Endnutzung von 50- bis
120-jährigen Beständen. Aufgrund des weitgehend abgeschöpften inländischen
Nadelrohholzpotenzials macht die deutsche Holzwirtschaft in jüngster Zeit
zunehmend von der Möglichkeit des Außenhandels bei ihrer
Nadelrohholzversorgung Gebrauch42.
Aktuelle Informationen zur Struktur der Sägeindustrie liegen durch eine
Standortstudie von Döring und Mantau vor43. In diesem (im Rahmen der Umsetzung
der Holzcharta durchgeführten) „Holzrohstoffmonitoring“ wurden
Informationen zu sämtlichen bundesdeutschen Sägewerksstandorten empirisch erhoben.
Für das Jahr 2010 konnten demnach 2 194 Sägewerksstandorte identifiziert
werden. Diese hatten in 2010 einen Rohholzeinschnitt von insgesamt 37,3 Mio. m3
(davon 93,9 Prozent Nadelholz und 6,1 Prozent Laubholz). Auf die
Betriebsgrößenklasse „über 50 000 m3 Jahreseinschnitt“ entfielen 4,6 Prozent der
Gesamtanzahl (101 Sägewerksstandorte) und 77,7 Prozent am Gesamteinschnitt.
Ausgehend vom Jahr 2002 (Holzeinschnitt: 30,768 Mio. m3;
Schnittholzproduktion: 18,958 Mio. m3) ist ein deutliches Wachstum der deutschen Sägeindustrie
bis zum Jahr 2005 (Einschnitt: 37,234 Mio. m3; Schnittholzproduktion: 22,619
Mio. m3) festzustellen. Im Vergleich zum Jahr 2005 bewegten sich
Holzeinschnitt und Schnittholzproduktion in 2010 auf einem vergleichbaren Niveau
(Einschnitt: 37,274 Mio. m3; Schnittholzproduktion: 22,265 Mio. m3).
Wesentliche Ursachen für diese Stagnation sind
– Konsolidierungsprozesse im Rahmen der Finanz- und Immobilienkrise
sowie
– eine angespannte Ertragssituation aufgrund gestiegener Nadelrohholzpreise
(bei anhaltend hohen Verarbeitungskapazitäten) und scharfer
Preiswettbewerb auf der Absatzseite (vergleichsweise niedriges Preisniveau auf den
internationalen Nadelschnittholzmärkten).
Eine „SWOT-Analyse“ zur bundesweiten Cluster-Studie Forst und Holz des
BMELV (2008), die ebenfalls im Rahmen der Holzcharta durchgeführt wurde,
bestätigte die angespannte Nadelrohholzversorgung und das
Rohholzpreisniveau als wesentliche gegenwärtige und zukünftige Risikofaktoren für die
heimische Sägeindustrie44.
41 Mantau, U. (2012): Holzrohstoffbilanz Deutschland: Entwicklungen und Szenarien des
Holzaufkommens und der Holzverwendung von 1987 bis 2015. Hamburg.
42 Seintsch, Björn; Weimar, Holger (2012): Actual situation and future perspectives for supply and
demand of hardwood in Germany. Németh Róbert, Teischinger Alfred (Editors): The 5th conference on
hardwood research and utilisation in Europe (6th and 7th Sept. 2012, Sopron). Sopron, Hungary: Univ
of West Hungary Pr, p. 301-312 (peer reviewed).
43 Döring, P.; Mantau, U. 2012: Standorte der Holzwirtschaft: Sägeindustrie: Einschnitt und
Sägenebenprodukte 2010. Universität Hamburg, Zentrum Holzwirtschaft, Arbeitsbericht: Ökonomie der Holz-
und Forstwirtschaft, Hamburg.
44 Lückge, Franz-Josef; Dispan, Jürgen; Held, Christian; Seintsch, Björn (2008): Zur
Wettbewerbsfähigkeit der Holzindustrie: Swot-Analyse und zukünftige Rahmenbedingungen der 1. Verarbeitungsstufe
des bundesweiten Clusters Forst und Holz (Teil II). Holz-Zentralblatt, 134. Jahrgang, Nummer 10,
7. März 2008, S. 265–268.
Grulke, Markus; Held, Christian; Statz, Jochen; Lückge, Franz-Josef; Dispan, Jürgen; Seintsch, Björn
(2008): Zukünftige Wettbewerbsfähigkeit der 1. Verarbeitungsstufe: Swot-Analyse und zukünftige
Rahmenbedingungen der 1. Verarbeitungsstufe des bundesweiten Clusters Forst und Holz (Teil IV).
Holz-Zentralblatt, 134. Jahrgang, Nummer 46, 14. November 2008, S. 1310–1312.
Drucksache 17/13099 – 24 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode31. Sieht die Bundesregierung in diesem Zusammenhang Auswirkungen auf
Holzbaubetriebe, und wenn ja, welche?
Märkte sind nicht statisch, sondern dynamisch. Die Bundesregierung schafft die
Rahmenbedingungen, damit sich die Holzbaubetriebe dynamisch der Nachfrage
anpassen können.
Eine Antwort auf diese Frage, sofern sie auf Tendenzen im Bestand deutscher
Sägewerke abzielen sollte, ist nicht möglich. Einerseits steht die Branche unter
einem zunehmenden Anpassungsdruck. Andererseits laufen Bemühungen z. B.
im Rahmen der Umsetzung der Waldstrategie 2020, um auf eine Entspannung
dieser Situation hinzuwirken. Auch mit Blick auf die Verwirklichung der
ambitionierten nationalen Klimaschutzziele, wozu nachwachsende Rohstoffe und
erneuerbare Energien schon heute einen unverzichtbaren Beitrag leisten,
gewinnen Zielsetzungen wie die Mobilisierung bestehender, nachhaltig verfügbarer
Holzpotenziale und Erschließung neuer, zusätzlicher Holzpotenziale zusätzlich
an Bedeutung.
32. Werden durch die Bundesregierung Forschungsaufträge vergeben, welche
die Verwendung von Laubholz im Holzbaubereich voranbringen, und
wenn ja, welche?
Welche Lösungsansätze sind für die Bundesregierung bis dato besonders
vielversprechend?
Über das „Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe“ des BMELV wurden
und werden seit 2008 (Stand: 1. Januar 2013) 33 Vorhaben zur Verwendung von
Laubholz im Bereich Bauen und Wohnen gefördert. Für diese Vorhaben sind bis
2012 4,94 Mio. Euro an Haushaltsmitteln aus dem Einzelplan 10 BMELV,
Kapitel 10 02, Titelgruppe 08 geflossen. Für die Förderung dieser Vorhaben sind
ab dem Haushaltsjahr 2013 aus dem Einzelplan 10 BMELV, Kapitel 10 05,
Titelgruppe 01 Fördermittel in Höhe von weiteren 2,71 Mio. Euro vorgesehen.
Das sind insgesamt ca. ein Viertel der für die Holzforschung gebundenen Mittel
über das „Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe“. Besonders
vielversprechende Ansätze sieht die Bundesregierung in Vorhaben, die sich mit der
Verwendung von Laubholz bei der Herstellung von Holzwerkstoffen beschäftigen.
Hier sind beispielhaft Vorhaben wie
– Materialkennwerte von Eschenholz für den Einsatz in Brettschichtholz,
– Verbundvorhaben „Stoffliche Verwertung von Weichlaubhölzern zur
Entwicklung neuer Generationen von Holzwerkstoffen“ oder
– Nachwuchsgruppe „Schaffung neuer Absatzmärkte und Anwendungsfelder
für heimische Laubhölzer unter Anwendung neuartiger Technologien“
zu nennen (siehe auch Antwort zu Frage 29).
33. Wie beurteilt die Bundesregierung die Betriebsstruktur der Zimmerei-
und Holzbaubetriebe, die vorwiegend aus Kleinstbetrieben besteht?
Welche Chancen und Risiken leitet die Bundesregierung daraus ab?
In den letzten Jahren hat das Zimmerer- und Holzbaugewerbe in Deutschland in
erheblichem Maße von einer stabilen Arbeitsmarktentwicklung und Gehältern
sowie vermehrten Investitionen in Immobilien profitiert, darüber hinaus
erfreuliche Umsatzzuwächse zu verzeichnen. So ist der betriebliche Umsatz im
Zimmerer- und Holzbauhandwerk kontinuierlich von 5,43 Mrd. Euro (2010;
+9 Prozent) über 5,97 Mrd. Euro (2011; +10 Prozent) auf 6,15 Mrd. Euro
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 25 – Drucksache 17/13099(2012; +3 Prozent) gestiegen. Gleiches gilt für die Anzahl der Betriebe im
Zimmerer- und Holzbaugewerbe. Ausgehend von 10 741 Unternehmen im Juni
2008 hat sich die Zahl der Zimmerer- und Holzbaubetriebe auf 11 010
Unternehmen im Juni 2011 ebenfalls stetig vergrößert. Dieser Expansionskurs hat
sich zudem positiv auf die Beschäftigtenzahlen ausgewirkt.
Die durchschnittliche Anzahl der Beschäftigten je Betrieb im Zimmerer-/
Holzbau-Handwerk bewegt sich seit mehreren Jahren auf einem sehr konstanten
Niveau. Nach jüngsten Angaben des Statistischen Bundesamtes für den
Zeitraum 2008 bis 2011 zählte ein durchschnittlicher Handwerksbetrieb im
Zimmerer-/Holzbaugewerbe rund 5,5 Beschäftigte. Die Größenklassen der Betriebe
zeichnen dabei ein klares Bild. Die überwältigende Mehrheit von 84,7 Prozent
aller Betriebe im Zimmerer-/Holzbaugewerbe haben laut Statistischem
Bundesamt zwischen 1 und 9 Beschäftigten. Weitere 12,4 Prozent beschäftigen
zwischen 10 und 19 Mitarbeiter. Lediglich 2,9 Prozent aller Zimmerer- und
Holzbaubetriebe zählen mehr als 19 Beschäftigte. Die Zahlen verdeutlichen eine
sehr kleinteilige aber keinesfalls problembehaftete Betriebsstruktur im
Zimmerer-/Holzbauhandwerk, die zudem sehr charakteristisch für die
durchschnittliche Beschäftigtenverteilung im deutschen Handwerk ist (rund 7 Beschäftige je
Betrieb). Eine Stärke des Zimmerer- und Holzbaugewerbes liegt ferner in der
überdurchschnittlichen Ausbildungsquote. Sie betrug 2011 rund 10 Prozent.
Vor diesem Hintergrund ergeben sich für die Bundesregierung aus der
kleinbetrieblichen und dadurch sehr homogenen Struktur des Zimmerer- und
Holzbaugewerbes heute wie in Zukunft erhebliche Wachstumschancen und
Wertschöpfungsperspektiven, die viele positive Effekte für eine nachhaltig
erfolgreiche Entwicklung des deutschen Mittelstandes gerade auch in ländlichen
Räumen bewirken können.
Im Übrigen ist Betriebsstruktur in Zimmerei- und Holzbaubetrieben das
Ergebnis von Marktprozessen. Die Bundesregierung fördert Kleinstbetriebe im
Rahmen der Mittelstandsförderungsprogramme. Es ist unternehmerische Aufgabe,
Chancen und Risiken im Bereich der Zimmerei und des Holzbaus zu nutzen.
Die vorerwähnten Zahlen zeigen, dass Chancen erfolgreich genutzt werden und
die Politik der Bundesregierung, die auf Stärkung der unternehmerischen
Initiative ausgerichtet ist, höchst erfolgreich ist.
34. Welche Förderungen von Seiten der Bundesregierung existieren, um auch
den Kleinstbetrieben im Zimmerei- und Holzbaubereich Innovationen zu
ermöglichen und Investitionen zu tätigen?
Über die ERP- und KfW-Programme stehen der mittelständischen deutschen
Wirtschaft Förderprogramme zur Verfügung, die Investitionen und
Innovationen durch zinsverbilligte Darlehen unterstützen. Diese Programme fokussieren
nicht auf bestimmte Wirtschaftsbereiche und stehen Betrieben und
Kleinstbetrieben des Zimmerei- und Holzbaubereichs offen.
Über das BMELV-„Förderprogramm Nachwachsende Rohstoffe“ können auch
Innovationen im Rahmen von Forschung und Entwicklung in Kleinstbetrieben
gefördert werden.
Drucksache 17/13099 – 26 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode35. Welche Schlussfolgerungen und Konsequenzen zieht die
Bundesregierung aus der Entwicklung der Ausbildungszahlen im Zimmerei- und
Holzbaubereich?
Wie hat sich dieser Ausbildungsmarkt seit 2003 entwickelt?
Die Entwicklung des Ausbildungsmarktes im Zimmerei- und Holzbaubereich
(Auszubildende sowie neu abgeschlossene Ausbildungsverträge) ist den
Tabellen 8 und 9 zu entnehmen Allgemein kann festgehalten werden, dass sich die
Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Zimmerei- und
Holzbereich tendenziell im Gesamttrend des Ausbildungsmarktes entwickelt hat.
Rückgänge sind dabei auch als Folge der demografischen Entwicklung und
sinkender Schulabgängerzahlen zu sehen.
Insgesamt verläuft die Entwicklung der Ausbildungsstellensituation im
Zimmerei- und Holzbaubereich in etwa parallel zu der wirtschaftlichen
Gesamtsituation in der Bauwirtschaft. Erfreulich ist die positive Entwicklung seit 2010, die
nicht in allen Baubranchen eingesetzt hat. So ist die Entwicklung im
Ausbildungsberuf „Maurer“, dem ausbildungsstärksten Beruf der Baubranche, seit
2003 rückläufig (2003: 13.619, 2009: 9.834, 2011: 9.236 Auszubildende).
Da das Zimmerergewerbe hinsichtlich der Akquirierung von immer knapper
werdenden Auszubildenden mit anderen Branchen der Wirtschaft in
Konkurrenz steht, ist eine Unterstützung der Betriebe im Rahmen der allgemeinen
Fördermaßnahmen zur Verbesserung der Ausbildungssituation/des
Fachkräftebedarfs geboten.
So wird u. a. die passgerechte Besetzung von Ausbildungsplätzen in KMU, zu
denen die meisten Zimmererbetriebe zählen, durch das BMWi-Programm
„Unterstützung von KMU bei der passgenauen Besetzung von Ausbildungsplätzen
sowie bei der Integration von ausländischen Fachkräften – PV – KMU“
gefördert.
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25 Absatz 1 HwO,
he die zuständigen
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2009 2010 2011
27 27 21 18
36 45 36 33
72 117 129 117
55 732 639 573
79 2.883 2.424 2.010
05 21.213 19.584 18.744
93 6.702 6.582 6.939
67 31.719 29.415 28.434
43 1.571.457 1.508.328 1.460.658Tabelle 8: Entwicklung Auszubildende im Zimmerei- und Holzbaubereich in Deutschland
Quelle: „Datenbank Auszubildende“ des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) auf Basis der Daten der Berufsbildungsstatistik der statistischen
und der Länder (Erhebung zum 31. Dezember); Anmerkungen siehe unten;
1 Der Ausbildungsberuf wurde 2007 erlassen.
2 inkl. § 66 BBiG/ § 42m HwO.
Anmerkungen: Absolutwerte aus Datenschutzgründen jeweils auf ein Vielfaches von 3 gerundet; der Insgesamtwert kann deshalb von der Summe d
weichen.
Auszubildende sind Personen in einem Berufsausbildungsverhältnis (mit Ausbildungsvertrag), die einen anerkannten Ausbildungsberuf im Sinne des
setzes (BBiG) bzw. der Handwerksordnung (HwO) erlernen, d. h., einen der staatlich anerkannten Ausbildungsberufe nach § 4 Absatz 1 BBiG bzw. §
einen Beruf in Erprobung nach § 6 BBiG bzw. § 27 HwO, oder einen der Berufe nach Ausbildungsregelungen für Menschen mit Behinderung, welc
Stellen nach § 66 BBiG bzw. § 42m HwO treffen können; z. T. wird auch der Begriff Lehrlinge oder Personen in dualer Berufsausbildung verwende
Berufe 2003 2004 2005 2006 2007 2008
Drechsler/-in (Elfenbeinschnitzer) 51 51 48 45 45
Fachkraft für Holz- und
Bautenschutzarbeiten 1 - - - - 18
Holz- und Bautenschützer/ -in 1 - - - - 45
Holzbearbeitungsmechaniker/-in 651 780 831 855 888 8
Holzmechaniker/-in 3.501 3.606 3.744 3.696 3.621 3.2
Tischler/-in 26.922 24.684 23.472 23.124 22.887 22.3
Zimmerer/ Zimmerin 8.344 7.722 7.425 7.362 7.212 6.9
Berufe im Holzbau Gesamt 39.469 36.843 35.520 35.082 34.716 33.5
Ausbildungsberufe insgesamt 2 1.581.630 1.564.065 1.553.436 1.570.614 1.594.773 1.613.3
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1 57 45 36
04 240 231 204
00 864 765 657
.481 8.238 8.205 7.860
.820 2.976 3.495 3.486
2.468 12.408 12.768 12.282
64.306 559.959 569.379 551.271Tabelle 9: Entwicklung neu abgeschlossener Ausbildungsverträge in Berufen des Zimmerei- und Holzbaubere
Quelle: Bundesinstitut für Berufsbildung, Erhebung zum 30. September1) Der Ausbildungsberuf wurde 2007 erlassen.
Absolutwerte aus Datenschutzgründen jeweils auf ein Vielfaches von 3 gerundet; Gesamtwert kann daher von der Summe der Einzelwerte abweiche
1 Einzelberufe im Rahmen der BIBB-Erhebung zum 30.9. erst seit 2004 ausgewiesen, insofern liegen für 2003 für die meisten Berufe keine Daten v
2 Der Ausbildungsberuf wurde 2007 erlassen.
Berufe 20031) 2004 2005 2006 2007 2008 2
Drechsler/-in (Elfenbeinschnitzer) 15 15 15 9 6 9
Fachkraft für Holz- und
Bautenschutzarbeiten 2)
- - - - 9 18 2
Holz- und Bautenschützer/ -in 2) - - - - 30 42 5
Holzbearbeitungsmechaniker/-in 387 282 324 354 285 2
Holzmechaniker/-in 1.272 1.374 1.416 1.410 1.113 9
Tischler/-in 9.858 9.843 9.021 9.285 10.026 9.285 8
Zimmerer/ Zimmerin 3.318 3.072 3.036 3.138 3.009 2
Berufe im Holzbau Gesamt 14.841 13.764 14.073 14.979 13.758 1
Ausbildungsberufe insgesamt 2 557.634 572.979 550.179 576.153 625.884 616.341 5
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 29 – Drucksache 17/13099Hinsichtlich der Montage von Fertighäusern (auch in Holzbauweise) haben sich
die Sozialpartner, die Bundesministerien für Wirtschaft und Technologie
(BMWi) und für Bildung und Forschung (BMBF) sowie die Länderseite
verständigt, durch die Schaffung einer entsprechenden Fachrichtung „Montage von
Innenausbauten und Bauelementen“ in den Ausbildungsberuf
„Holzmechaniker“ für diese Branche einen „passgenauen Beruf“ zu schaffen.
36. Sieht die Bundesregierung vor dem Hintergrund des demographischen
Wandels konkreten Handlungsbedarf vor allem im ländlichen Raum,
damit sich zukünftig ausreichend junge Leute für den Zimmerei- und
Holzbaubereich als berufliche Perspektive entscheiden?
Wenn ja, welchen?
Wenn nein, warum nicht?
Die duale Ausbildung und berufliche Weiterbildung spielen in allen Branchen
bei der Sicherung des Fachkräftenachwuchses eine wichtige Rolle. Die
Bundesregierung greift mit der Informationskampagne „Berufliche Bildung – praktisch
unschlagbar“45 die Thematik auf und zeigt im Rahmen der Kampagne die
Entwicklungsmöglichkeiten und Perspektiven der dualen Berufsausbildung auf.
Wesentliche Ziele der Informationsoffensive sind, die Attraktivität der
beruflichen Aus- und Weiterbildung in der Wahrnehmung der Bevölkerung zu
verdeutlichen und gezielt insbesondere leistungsfähige und leistungsbereite
Jugendliche für die duale Bildung zu gewinnen.
37. Welche Möglichkeiten der Weiterbildung im Zimmerei- und
Holzbaubereich werden durch die Bundesregierung gefördert?
Im Zimmerei- und Holzbaubereich ist eine Förderung nach dem
Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz möglich. Das von Bund und Ländern gemeinsam
finanzierte Aufstiegsfortbildungsförderungsgesetz (AFBG) – sog. Meister-
BAföG – begründet einen individuellen Rechtsanspruch auf Förderung von
beruflichen Aufstiegsfortbildungen, d. h. von Meisterkursen oder anderen auf
einen vergleichbaren Fortbildungsabschluss vorbereitenden Lehrgängen.
Die Bundesagentur für Arbeit verfügt über ein breites Angebot an
Förderinstrumenten, mit denen neben arbeitslosen Personen auch beschäftigte
Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer berufliche Weiterbildung erhalten können. Mit den
Förderinstrumenten sind bei Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen auch
Weiterbildungen im Zimmerei- und Holzbaubereich möglich. Von besonderer
Bedeutung sind hierbei die Initiative zur Flankierung des Strukturwandels
(IFlaS) und das Programm Weiterbildung Geringqualifizierter und beschäftigter
älterer Arbeitnehmer in Unternehmen (WeGebAU). In kleinen und mittleren
Unternehmen können neben den älteren Arbeitnehmern ab dem 45. Lebensjahr
auch jüngere Arbeitnehmer unabhängig von der Ausgangsqualifikation eine
Weiterbildung gefördert erhalten (befristet bis 31. Dezember 2014).
Das Weiterbildungsportal „KURS-NET“ der Bundesagentur für Arbeit enthält
verschiedene für die Weiterbildungsförderung zugelassene
Weiterbildungsangebote im Bereich Zimmerei und Holzbau. Hierbei handelt es sich z. B. um
– Umschulungen zum/r Zimmerer/in, Tischler/in, Holzmechaniker/in,
Bootsbauer/in, Fachkraft für Möbel-, Küchen- und Umzugsservice,
Ausbaufacharbeiter/in etc.,
45
www.praktisch-unschlagbar.de.
Drucksache 17/13099 – 30 – Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode– Aufstiegsfortbildungen zum/r Zimmerermeister/in, Tischlermeister/in,
staatl. geprüften Techniker/in Fachrichtung Holztechnik, Restaurator/in im
Zimmererhandwerk etc.
– Fachfortbildungen: Holz- und Holzbautenschutz, Holzkunde,
Holzwerkstoffe, Holzoberflächenbehandlung, Bedienung und Wartung von Holzbe-
und Holzverarbeitungsmaschinen, Bautechnik, Innenraumgestaltung,
Möbelbau und -montage, Restaurierungsarbeiten, Holzbau im Garten- und
Landschaftsbereich, Holzrahmenbau, Holzbearbeitung mit NC/CNC-
Technik, CAD in der Holztechnik etc.
38. Wie schätzt die Bundesregierung das Fachkräftepotential für
Holzbaubetriebe im ländlichen Raum ein?
Siehe Antwort zu Frage 33.
39. Sind der Bundesregierung konkrete Programme bekannt, die gezielt auf
die Gesundheitsprävention von Zimmerern zugeschnitten sind, und wenn
ja, welche?
Fördert die Bundesregierung solche Programme?
Grundsätzlich können Holzbaubetriebe bei der Stärkung der gesundheitlichen
Ressourcen und Fähigkeiten ihrer Beschäftigten von den Krankenkassen auf
der Grundlage des § 20a des Fünften Buches Sozialgesetzbuch mit Leistungen
zur betrieblichen Gesundheitsförderung unterstützt werden. Die Krankenkassen
orientieren sich dabei unter Berücksichtigung auch der branchenspezifischen
Besonderheiten an den konkreten Bedarfen der jeweiligen Betriebe und
arbeiten mit den zuständigen Trägern der gesetzlichen Unfallversicherung
zusammen. Die Präventionsaktivitäten der Krankenkassen werden im jährlichen
Präventionsbericht des GKV-Spitzenverbands und des Medizinischen Dienstes des
Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen ausgewertet. Die Auswertung
erfolgt branchenspezifisch, nicht jedoch nach einzelnen Berufsgruppen.
Der Ausbau der betrieblichen Gesundheitsförderung ist ein zentrales Anliegen
der Bundesregierung. Der von der Bundesregierung am 20. März 2013
beschlossene Gesetzentwurf zur Förderung der Prävention sieht vielfältige Maßnahmen
zur Verbesserung der Rahmenbedingungen für die betriebliche
Gesundheitsförderung vor, um die Zahl der Unternehmen, insbesondere der auch im Zimmerer-
und Holzbaugewerbe vorherrschenden kleinen und mittleren Unternehmen zu
erhöhen, die in der betrieblichen Gesundheitsförderung aktiv sind. So ist
vorgesehen, dass die Krankenkassen ihr finanzielles Engagement für
Präventionsleistungen deutlich ausweiten und speziell für Leistungen zur betrieblichen
Gesundheitsförderung zukünftig mindestens 2 Euro jährlich je Versicherten aufwenden.
Um einen niedrigschwelligen Zugang gerade der kleineren Unternehmen zu
Leistungen zur betrieblichen Gesundheitsförderung sicherzustellen, sollen die
Krankenkassen zudem in gemeinsamen regionalen Koordinierungsstellen unter
Beteiligung örtlicher Unternehmensorganisationen wie den
Handwerkskammern und Industrie- und Handelskammern Beratung und Unterstützung anbieten
und dabei auch branchen- und berufsspezifische Präventionsbedarfe
berücksichtigen.
Deutscher Bundestag – 17. Wahlperiode – 31 – Drucksache 17/1309940. Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit der Bundesregierung mit dem
Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen
Baugewerbes?
Die Zusammenarbeit zwischen der Bundesregierung und „Holzbau
Deutschland – Bund Deutscher Zimmermeister im Zentralverband des Deutschen
Baugewerbes“ (BDZ) gestaltet sich ebenso sachlich wie vertrauensvoll. Fachliche
Kontakte im holzmarktpolitischen Bereich bestehen aktuell v. a. im
Zusammenhang mit der Teilnahme deutscher Holzwirtschaftsverbände am Runden Tisch
„Nachhaltiges Bauen“, hinsichtlich der Abwicklung des Holzabsatzfonds oder
mit Blick auf die Bemühungen der Wirtschaft um den Aufbau einer
Nachfolgeorganisation für eine zentrale Holzabsatzförderung auf freiwilliger Basis. Eine
weitere Kontaktschiene auf Bundesebene besteht über die enge
Zusammenarbeit des BMVBS mit dem Zentralverband des Deutschen Baugewerbes (ZDB)
sowie mit dem BMWi in Wirtschafts- und sektorpolitischen Fragen.
Die Bundesregierung steht berechtigten Anliegen der Fachverbände stets
aufgeschlossen gegenüber und ist auch in Zukunft bestrebt, die konstruktive
Zusammenarbeit erfolgreich fortzuführen.
41. Inwieweit bindet die Bundesregierung Hochschulen, Architekten, Planer
und Ingenieure in das Ziel der Charta für Holz ein, den Pro-Kopf-
Verbrauch von Holz durch dessen Verwendung als Baustoff zu steigern?
Die Holzcharta ist eine von der Bundesregierung angestoßene Initiative zur
Steigerung der Holzverwendung aus nachhaltiger Erzeugung, die von den
interessierten gesellschaftlichen Kreisen aus den Bereichen Politik, Wirtschaft,
Wissenschaft, Umwelt und Soziales mitgestaltet wurde. Die Teilziele und
Maßnahmen sowie die nach wie vor aktiven Akteure sind in der Holzcharta auf S. 20ff.
nachzulesen46 . Bei ihrer Umsetzung werden zahlreiche Fachkontakte zwischen
den einzelnen Akteuren genutzt, u. a. über den jährlich tagenden Ausschuss über
Entwicklung und Zusammenarbeit der Forst- und Holzwirtschaft beim BMELV,
über den Runden Tisch Nachhaltiges Bauen des BMVBS oder über
Fachveranstaltungen wie z. B. den BMELV-Laubholzkongress 2012 in Würzburg.
46 Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft (BMVEL) (2004):
Verstärkte Holznutzung: Zugunsten von Klima, Lebensqualität, Innovation und Arbeitsplätzen (Charta für
Holz). Berlin.
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin,
www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44,
www.betrifft-gesetze.de
ISSN 0722-8333]