[Deutscher Bundestag Drucksache 16/6548
16. Wahlperiode 02. 10. 2007 Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Dr. Lothar Bisky, Dr. Petra Sitte,
Diana Golze, weiterer Abgeordneter und der Fraktion DIE LINKE.
– Drucksache 16/6284 –
Public Relations-Kampagnen der Bundesregierung
Vo r b e m e r k u n g d e r F r a g e s t e l l e r
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
hat nach Recherchen des ARD-Politmagazins „Report Mainz“ (ausgestrahlt
am 27. August 2007) sendefähige Hörfunkberichte und gelayoutete
Zeitungsartikel zum neu eingeführten Elterngeld über Public Relations-Agenturen (PR)
im redaktionellen Teil von Hörfunksendern und Zeitungen platziert.
Dazu seien Hörfunkberichte von der Radio-PR-Agentur Schlenker Public
Relations mit Kommentartext, Original-Tönen von Betroffenen und einem
Statement der Bundesministerin Ursula von der Leyen vorproduziert und von der
PR-Agentur A & B One an 192 Sender gesandt worden. Nach Angaben dieser
Agentur wurden die Medienbeiträge über 300 Mal ausgestrahlt und hätten so
rund 55 Millionen Hörer erreicht.
Laut „Report Mainz“ war A & B One auch für die Versendung von PR-Texten,
die von der Überschrift über das Layout bis hin zum Bild komplett in der
Agentur erstellt wurden, an insgesamt 3 000 kleine Lokalzeitungen verantwortlich.
Diese Beiträge seien in zahllosen Blättern eins zu eins im redaktionellen Text
abgedruckt worden.
Darüber hinaus hatte der „Kölner Stadt-Anzeiger“ bereits am 11. August
berichtet, dass er von der PR-Agentur Flaskamp AG eingeladen worden sei, die
von ihr betreute Aktion „Dialogtour“ des Bundesministeriums für Wirtschaft
und Technologie (BMWi) zur Förderung mittelständischer Wirtschaft zu
begleiten. Dazu habe die Agentur eine Gegenfinanzierung durch bezahlte
Anzeigen in Höhe von 30 000 bis 40 000 Euro in Aussicht gestellt. Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und
Jugend vom 1. Oktober 2007 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Drucksache 16/6548 – 2 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode1. Wie bewertet die Bundesregierung die Erstellung von vorproduzierten
Hörfunk- und Textbeiträgen im Rahmen ihres Auftrags, die Öffentlichkeit zu
informieren, und im Kontext der Unabhängigkeit von Redaktionen?
Die Bundesregierung ist der Ansicht, dass es Aufgabe der Medien selbst ist, die
ihnen verfassungsrechtlich eingeräumte Freiheit verantwortungsbewusst
wahrzunehmen.
2. Wie lautete die Auftragsbeschreibung des BMFSFJ an die Agentur A & B
One zur Realisierung der Kampagne zum Elterngeld?
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)
möchte die Bürgerinnen und Bürger im Rahmen ihrer Informationspflicht über
die neuen Familienleistungen informieren und ihnen anhand von
Servicematerialien Wege aufzeigen, wie sie diese neuen Familienleistungen in Anspruch
nehmen können. Dies soll durch eine integrierte Informations- und
Öffentlichkeitskampagne geschehen.
3. Erfolgte die Vergabe des PR-Etats zur Elterngeld-Kampagne an die Agentur
A & B One per Ausschreibung?
Wenn nein, warum nicht?
Ja
4. Welche Beträge wurden für sendefähige Hörfunkberichte und druckfertige
Zeitungsberichte durch das BMFSFJ an die Agenturen A & B One und
Schlenker Public Relations gezahlt?
Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf die Große Anfrage zur
Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung (Bundestagsdrucksache 15/2912)
ausführlich dargestellt, warum es ihr nicht möglich ist, einzelne Agenturen mit
Auftragsvolumina namhaft zu machen. An dieser Rechtsauffassung hält sie fest.
5. In welchen Radiosendern wurden die vorproduzierten Hörfunkbeiträge
wann ausgestrahlt (bitte nach Sender, Programmumfeld, Datum und
Uhrzeit auflisten)?
6. In welchen Zeitungen wurden die vorproduzierten Textbeiträge wann
abgedruckt (bitte nach Zeitungstitel und Datum auflisten)?
Die Fragen 5 und 6 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Es liegt in der ausschließlichen Hoheit der Redaktionen selbst, das vom
BMFSFJ zur Verfügung gestellte Material zu verwenden. Da die
Bundesregierung keinen Einfluss auf die Verwendung nimmt, entzieht es sich auch der
Kenntnis der Bundesregierung, in welchem Umfang die Nutzung des Materials
erfolgt ist.
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 3 – Drucksache 16/65487. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, dass eine Ausstrahlung von
PR- Berichten im redaktionellen Teil des Radioprogramms gegen das
Verbot von Schleichwerbung und die Unzulässigkeit von politischer Werbung
im Rundfunkstaatsvertrag (§ 6 Abs. 6 und 8 RStV) verstößt?
8. Ist die Bundesregierung der Meinung, dass solche Verstöße gegen § 6
Abs. 6 und 8 RStV allein in der Verantwortung und Hoheit der
entsprechenden Redaktionen steht?
Wenn ja, aus welchem Grund lässt sie dann vorproduzierte Hörfunkbeiträge
generell produzieren?
Die Fragen 7 und 8 werden aufgrund des Sachzusammenhangs gemeinsam
beantwortet.
Die Bundesregierung betreibt keine „Schleichwerbung“, sondern offene Presse-
und Öffentlichkeitsarbeit, mit der sie ihrer Pflicht nachkommt, die Bürgerinnen
und Bürger über die Arbeit der Bundesregierung zu informieren. Soweit sie in
diesem Rahmen Texte oder sendefähige Beiträge zur Verfügung stellt, macht
sie damit ein Angebot an die Medien, sich des jeweiligen Themas anzunehmen
und die Argumente der Bundesregierung anzuhören. Ob, in welchem Umfang
und in welcher Form die Medien davon Gebrauch machen, liegt allein in ihrer
eigenen Entscheidungsfreiheit. Ein Rechtsverstoß, insbesondere gegen § 7
Abs. 6 und 8 des Staatsvertrages über den Rundfunk im vereinten Deutschland,
ist darin nicht zu sehen.
9. Wurde im Bundesministerium für Gesundheit (BMG) und im
Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), für die die Agentur A & B
One laut Referenzenliste (
http://www.a-b-one.de/de/referenzen_db/aus-
wahl/ index.html) ebenfalls tätig war, mit ähnlich ausgestalteten PR-
Kampagnen gearbeitet?
Wurden in diesen Fällen ebenfalls sendefähige Hörfunkberichte und
druckfertige Zeitungsberichte erstellt, gesendet und abgedruckt (wenn ja, bitte
nach Sender, Programmumfeld, Datum und Uhrzeit bzw. nach Zeitungstitel
und Datum auflisten)?
Für das BMAS trifft das nicht zu. Für das BMG trifft es zu; zum zweiten Teil
der Frage wird hier auf die Antwort zu Frage 6 verwiesen.
Drucksache 16/6548 – 4 – Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode10. Wurde die Erstellung von sendefähigen Hörfunkberichten und
druckfertigen Zeitungsberichten auch von anderen Bundesministerien
(einschließlich Bundespresse- und Bundeskanzleramt) in Auftrag gegeben (wenn ja,
bitte Benennung nach Ministerium/Amt, Kampagne, Agentur und Etat-
Höhe)?
Die Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf die Große Anfrage zur
Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung (Bundestagsdrucksache 15/2912)
ausführlich dargestellt, warum es ihr nicht möglich ist, einzelne Agenturen mit
Auftragsvolumina namhaft zu machen. An dieser Rechtsauffassung hält sie
fest.
Ressort Thema
BK Fehlanzeige
BMAS Fehlanzeige
AA Fehlanzeige
BMI Fehlanzeige
BMJ Fehlanzeige
BPA Artikeldienst Integration 2007
BMF Fehlanzeige
BMWi 2005: Radiodienst zum Thema: Tipps für das Gespräch mit der
Bank
Radiodienst zum Thema: Fahrplan für den Weg in die berufliche
Selbständigkeit: Der Businessplan
Radiodienst zum Thema: Online-Auktionshändler – Ideen für
Existenzgründer
Radiodienst zum Thema: ERP-Kapital für Gründung
Radiodienst zum Thema: ERP-Unternehmerkapital für Wachstum
Radiodienst zum Thema: Unterstützung für Existenzgründer: Staat
beteiligt sich an Beratungskosten
Radiodienst zum Thema: Franchising: Mit erfolgreichen
Geschäftsideen gründen
Radiodienst zum Thema: Die freien Berufe
Radiodienst zum Thema: Unternehmen „Kunst“
Radiodienst zum Thema: Kein Kredit ohne Sicherheiten
2007: Radiodienst zum Thema: Gründung durch Ältere
Radiodienst zum Thema: Kleinstkredite für Gründer
Radiodienst zum Thema: Persönliche Absicherung
Radiodienst zum Thema: Steuernachlass für handwerkliche und
haushaltsnahe Dienstleistungen
Radiodienst zum Thema: Gründungen durch Frauen
BMELV Fehlanzeige (*)
BMVg Fehlanzeige
BMG Die neue Gesundheitsversicherung
Bewegung und Gesundheit
Jeden Tag 3 000 Schritte extra
BMVBS Fehlanzeige
BMU Fehlanzeige
BMBF Fehlanzeige
BMZ Fehlanzeige
BKM Fehlanzeige
Deutscher Bundestag – 16. Wahlperiode – 5 – Drucksache 16/6548(*) Der Vollständigkeit halber werden nachrichtlich folgende Maßnahmen
genannt:
1. Für die Verbraucherinformationskampagne „Echt Gerecht. Clever kaufen“
wurde im Rahmen der Medienarbeit bei drei Texten und einer Infografik ein
externer Dienstleister beauftragt, der die Texte und die Infografik digital an
Redaktionen von Anzeigenblättern und Tageszeitungsredaktionen
distribuiert hat. Hierbei handelte es sich jedoch um offene Dateien (Word-
Dokumente), die jederzeit redigierbar und veränderbar waren. Zudem enthielten
alle Texte eine eindeutige Absenderkennung des Bundesministeriums für
Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV) sowie der
Informationskampagne „ECHT GERECHT“. Bei der Infografik war zudem die
Datenquelle mit integriert. Sendefähige Rundfunkbeiträge und druckfertige
Zeitungsbeiträge wurden nicht erstellt.
2. Im Rahmen des Bundesprogramms Ökologischer Landbau wurde eine
Maßnahme zur Information von Verbraucherinnen und Verbrauchern über
ökologischen Landbau und seine Erzeugnisse durchgeführt (Hörfunkbeiträge).
Zuständig für die Umsetzung des Bundesprogramms ist die Bundesanstalt für
Landwirtschaft und Ernährung (BLE), daher erfolgte die Beauftragung einer
Agentur auch durch die BLE. Hierbei handelt sich um eine Maßnahme zur
Verbraucherinformation.
11. Wie bewertet die Bundesregierung die Vermischung von Redaktion und
Werbung in Form der Beeinflussung der Berichterstattung durch
Anzeigenschaltung im Falle der von der Agentur Flaskamp AG für das BMWi
durchgeführten Aktion „Dialogtour“?
Eine Vermischung von Redaktion und Werbung findet im Auftrag der
Bundesregierung bzw. des BMWi nicht statt. Die vom BMWi beauftragte Agentur
Flaskamp hat zu diesem Vorwurf am 11. August 2007 über dpa Stellung
genommen und unter anderem erklärt, dass zwei Vorgänge verbunden worden
seien, die hätten getrennt werden müssen und dass dies nicht mit dem
Auftraggeber abgesprochen worden sei. Weder im Umfang noch vom Inhalt her habe es
irgendeine Vorgabe für die Berichterstattung gegeben. Alle örtlichen Medien
wären zu der Veranstaltung eingeladen worden.
12. Wird die Bundesregierung in künftigen Verträgen mit Werbe- und PR-
Agenturen einen Passus aufnehmen, der eine Beeinflussung der
Berichterstattung durch Anzeigenschaltung ausdrücklich untersagt?
Wenn nein, warum nicht?
Nein, dazu besteht kein Anlass.
13. Welche PR-Kampagnen welcher Ministerien (einschließlich
Bundespresse- und Bundeskanzleramt) wurden von Beginn der 16.
Legislaturperiode bis heute getätigt (bitte auflisten nach Ministerium/Amt,
Kampagne, Agentur und Etat-Höhe)?
Die Bundesregierung führt grundsätzlich keine „PR-Kampagnen“ durch. Die
Unterrichtung der Öffentlichkeit über die Politik der Bundesregierung erfolgt
durch eine Vielzahl offener Informationsmaßnahmen. Sie tragen nur selten
kampagnenartige Züge – etwa wenn es darum geht, mittel- und langfristig
angelegte Aktionen publik zu machen.
Drucksache 16/6548 – 6 – Deutscher Bundestag – 16. WahlperiodeDie Bundesregierung hat in ihrer Antwort auf die Große Anfrage zur
Öffentlichkeitsarbeit der Bundesregierung (Bundestagsdrucksache 15/2912)
ausführlich dargestellt, warum es ihr nicht möglich ist, einzelne Agenturen mit
Auftragsvolumina namhaft zu machen. An dieser Rechtsauffassung hält sie fest. Es
ist ihr daher nur möglich, die Kampagnen zu bezeichnen.
Ressort Kampagne
BK-Beauftragte
für Migration,
Flüchtlinge
und Integration
Vielfalt als Chance
BMAS Initiative ,,Altersvorsorge macht Schule“
(in Kooperation mit BMF, BPA, BMELV, Deutscher
Volkshochschulverband, Deutsche Renten-Versicherung, Bund,
Verbraucherzentrale Bundesverband, DGB und BDA)
AA Wanderausstellung „Europa ist 50“
Regionale Bürgerforen zur Zukunft Europas
BPA Integration
Infotour Europa 2007
BMI Fehlanzeige
BMJ Fehlanzeige
BMF Raus aus der Schuldenfalle
BMWi IHK Dialogtour
BMELV Fehlanzeige
BMVg Fehlanzeige
BMFSFJ Vorteil Familie
BMG Die neue Gesundheitsversicherung
Bewegung und Gesundheit
Jeden Tag 3 000 Schritte extra
BMVBS Informationskampagne zum CO2-
Gebäudesanierungsprogramm
BMU Vorbereitung der UN-Naturschutzkonferenz 2008
BMBF Wissenschaftsjahr 2006: „Jahr der Informatik“
Wissenschaftsjahr 2007: „Die Geisteswissenschaften –
ABC der Menschheit“
„Hightech-Strategie für Deutschland“
BMZ Fehlanzeige
BKM Fehlanzeige
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co., Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlagsgesellschaft mbH, Amsterdamer Str. 192, 50735 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Telefax (02 21) 97 66 83 44
ISSN 0722-8333]