Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag
Drucksache
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14. Wahlperiode
22. 02. 2000
Die Antwort wurde namens der Bundesregierung mit Schreiben des Bundesministeriums für Verkehr, Bau- und
Wohnungswesen vom 21. Februar 2000 übermittelt.
Die Drucksache enthält zusätzlich – in kleinerer Schrifttype – den Fragetext.
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Wolfgang Börnsen (Bönstrup),
Dirk Fischer (Hamburg), Dietrich Austermann, weiterer Abgeordneter
und der Fraktion der CDU/CSU
– Drucksache 14/2598 –
Feste Querung des Fehmarnbelt – zwischen Handlungsbedarf und
Finanzierungsproblemen
Die landfeste V erbindung über den Fehmarnbelt zwischen dem Königreich
Dänemark und der Bundesrepublik Deutschland stellt einen zentralen
Lückenschluss im transeuropäischen V erkehrsnetz dar. Sie wird die Integration des
Ostseeraumes weiter voranbringen. Erhebliche Meinungsunterschiede
bestehen jedoch darin, welche infrastrukturpolitische Priorität diesem
Lückenschluss zukommt und in welcher Relation sowohl die gesamt- als auch die
einzelwirtschaftlichen Kosten und Nutzen dieses Projektes stehen.
Fakt ist: Weder im Bundesverkehrswegeplan noch im Kieler Landeshaushalt
sind finanzielle Mittel für das deutsch-dänische erkehrsvorhaben vor
gesehen. Ob und inwieweit die Europäische Union Förder gelder zur V erfügung
stellen wird, ist ebenfalls unklar. Ändert sich diese Finanzsituation der
öffentlichen Haushalte nicht grundlegend, erscheint eine „Entscheidung“ für oder
gegen die Fehmernbelt-Querung durch die Kieler Landesregierung
unmöglich, wollte man sich der Thematik seriös annähern. Sollen dennoch bereits im
Jahr 2000 konkrete Planungen für die landfeste V erbindung aufgenommen
und das Infrastrukturvorhaben nicht verschoben werden, bliebe daher nur eine
gebührenpflichtige Privatfinanzierung als realistische Finanzierungsaltern
tive übrig. Diese Schlussfolgerung bestätigt auch die schleswig-holsteinische
Landesregierung in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage vom 17. Juni des
Jahres 1999.
Damit kommt der privatwirtschaftlichen Gewinnerwartung eine
herausragende Bedeutung zu und beschränkt sich der aktuelle politische
Handlungsbedarf darauf, etwaige fehlende rechtliche Grundlagen für eine privatfinanziert
Lösung zu schaf fen. Hierzu kommt eine privatwirtschaftliche Kosten-Erlös-
Analyse des dänischen Verkehrsministeriums im August diesen Jahres zu
folgendem Ergebnis:
Insgesamt sechs Querungsmodelle werfen prinzipiell eine positive
privatwirtschaftliche Eigenkapitalverzinsung ab. Drei dieser V arianten, die lediglich
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eine Verzinsung von deutlich unter fünf Prozent versprechen, scheiden aus
Rentabilitätsgründen bereits in der ersten Stufe aus der weiteren Betrachtung
wieder aus. Bestehen bleiben der Bau eines Absenkungstunnels (9,1 %
Eigenkapitalverzinsung), eines gebohrten T unnels (7,9 % Eigenkapitalverzinsung)
und eine Schrägkabelbrücke (7,3 % Eigenkapitalverzinsung), deren
einzelwirtschaftliche Gewinnerwartung aber immer noch deutlich unter den von der
Wirtschaft benötigten Renditen von zehn bis 15 Prozent zurückbleibt.
Politische oder ökologische Präferenzen für oder gegen eines dieser Modelle
ändern nichts an dieser Sachlage.
Ob die feste Fehmarnbelt-Querung privatwirtschaftlich realisiert werden wird,
hängt folglich davon ab, inwiefern die vorliegenden Rentabilitätsperspektiven
mögliche Interessenten überzeugen, in dieses V erkehrsinfrastrukturvorhaben
zu investieren – und deren Entscheidung ist derzeit noch völlig offen.
Deshalb gilt es, so schnell wie möglich Klarheit über die politische Priorität
dieses Infrastrukturprojektes zu schaffen und im Konsens mit dem Königreich
Dänemark zu entscheiden, ob eine privatwirtschaftliche Trägerschaft politisch
gewollt ist oder aber welche öffentlichen Haushalte die entsprechenden Mittel
zur Verfügung stellen. Nur so kann der infrastrukturpolitische Lückenschluss
über den Fehmarnbelt in absehbarerer Zukunft gelingen.
Vo r b e m e r k u n g e n
Grundlage für das Projekt einer festen Querung des Fehmarnbelt bilden die
geplanten Autobahn- und Eisenbahnhochgeschwindigkeitsverbindungen der
Strecke Hambur g–Lübeck–Puttgarden/Rødby–Nykøbing–Kopenhagen, die in
den Leitlinien für den Aufbau eines transeuropäischen V erkehrsnetzes (TEN)
ausgewiesen sind. Aufgrund der deutsch-dänischen V ereinbarung vom 19./31.
August 1994 wurde mit Studien zu diesem Projekt begonnen. Inzwischen
liegen die Ergebnisse der
– der Verkehrsnachfragestudie,
– der Machbarkeitsstudie mit den Teilstudien Geologie/Geotechnik,
Bautechnik, Umwelt,
– der Umweltstudie für die Hinterlandanbindungen auf deutscher Seite,
– der sozioökonomischen Regionalstudie und
– der Wirtschaftlichkeitsuntersuchung
vor. Die Er gebnisse der Studien wurden den Abgeordneten des V
erkehrsausschusses des Deutschen Bundestages, dem Wirtschaftsausschuss des Landtages
Schleswig-Holstein und V ertretern des Kreises Ostholstein sowie der W
irtschaft im April und Oktober 1999 vor gestellt. Eine ergänzende
Wirtschaftlichkeitsuntersuchung über ein verbessertes Fährschif fkonzept soll voraussichtlich
im April 2000 vorliegen. Die sachlichen Aussagen in den nachfolgenden
Antworten basieren weitgehend auf den Ergebnissen dieser Studien.
1. Wie beurteilt die Bundesregierung prinzipiell die verkehrpolitische
Bedeutung einer festen Querung des Fehmarnbelt – unabhängig von den
vorliegenden Lösungsvorschlägen, und welcher der drei zurzeit diskutierten
Alternativen (Absenkungstunnel, gebohrter T unnel, Schrägkabelbrücke)
würde sie den Vorzug gegeben?
Dem prognostizierten Verkehrswachstum aus/nach Skandinavien ist durch
einen Ausbau der Verkehrsverbindungen Rechnung zu tragen. Für die Route über
den Fehmarnbelt kommen hierzu grundsätzlich der Bau einer festen Querung
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oder die Realisierung eines verbesserten Fährschif fsystems, aufbauend auf
einem von dem Fährschiffbetreiber Scandlines AG kürzlich formulierten
„Weiterentwickelten Fährkonzept 2010/2020“, in Frage. Eine gemeinsame
politische Grundsatzentscheidung der Bundesrepublik Deutschland und des
Königreiches Dänemark über das weitere Vorgehen und zu der Frage, welchem dieser
beiden Entwicklungswege der Vorzug zu geben ist, wird bis Sommer 2000
angestrebt. Eine Entscheidung für eines der Lösungsmodelle einer festen
Querung ist damit nicht verbunden. Im Falle einer Grundsatzentscheidung für eine
feste Querung sind hierzu noch vertiefende Untersuchungen erforderlich.
2. In welcher Relation steht dieses Projekt zu anderen norddeutschen
Infrastrukturvorhaben wie der westlichen Elb-Querung oder dem weiteren
Ausbau der A 20?
Welchen dieser Projekte räumt die Bundesregierung Priorität gegenüber
der Fehmarnbelt-Querung ein und warum?
Das Projekt einer festen Querung des Fehmarnbeltes (V erbindung Küste–
Küste) ist in den geltenden Bedarfsplänen weder für die Bundesschienenwege
noch für die Bundesfernstraßen enthalten.
Enthalten sind in den geltenden Bedarfsplänen hingegen die Projekte
– Bundesautobahn A 1 Oldenbur g–Heiligenhafen im „V ordringlichen
Bedarf“,
– Bundesstraße B 207 Heiligenhafen–Puttgarden (Bau einer zweiten Fahr -
bahn) im „Weiteren Bedarf“,
– Neubau oder Ausbau der Eisenbahnstrecke Hambur g–Puttgarden als
„Länderübergreifendes“ Projekt.
Sie sind langfristig notwendig zur Bewältigung des V erkehrsaufkommens auf
der Vogelfluglinie. Im Falle des Baus einer festen Querung des Fehmarnbelte
dienen sie der landseitigen Anbindung.
Die Bundesautobahn A 20, Nordwestumfahrung Hambur g mit neuer
Elbquerung im W esten von Hambur g, ist im geltenden Bedarfsplan für die
Bundesfernstraßen vordringlich eingestuft. Ihre Aufgabe liegt vor allem in der
Entlastung der A 7 im Ballungsraum Hambur g – insbesondere der Entlastung des
Elbtunnels – vom weiträumigen Skandinavienverkehr und der Ergänzung des
Autobahnnetzes in Schleswig-Holstein mit einer leistungsfähigen Ost-W est-
Verbindung in Verlängerung der A 20, Ostseeautobahn (Verkehrsprojekt
Deutsche Einheit Nr. 10) Lübeck–Stettin (Bundesgrenze D/PL). Außerdem
verbessert die A 20 mit der neuen Elbquerung den Standort im nordwestlichen
Niedersachsen und im südwestlichen Schleswig-Holstein deutlich. Ein V ergleich
der Nutzen-/Kostenverhältnisse der Maßnahmen zeigt, dass die A 20
Nordwestumfahrung Hambur g gegenüber der festen Querung des Fehmarnbeltes
einen wesentlich größeren Wert erreicht. Bereits allein nach diesem Kriterium
wäre die Dringlichkeit der festen Querung Fehmarnbelt nachrangig
einzustufen. Zurzeit wird der Bundesverkehrswegeplan 1992 (BVWP) überarbeitet.
Aussagen über die Bewertung neuer Projekte und deren Aufnahme in den
BVWP sowie ggf. die Neubewertung bereits darin enthaltener Projekte sind vor
Abschluss dieser Überprüfung nicht möglich. Darüber hinaus sind
Novellierungen der Ausbaugesetze (Schiene und Straße) notwendig.
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3. Ist die Bundesregierung bereit, innerhalb der nächsten fünf Jahre sich an
einer festen Querung des Fehmarnbelt durch Bundesmittel zu beteiligen,
und wenn ja, in welcher Größenordnung?
Aus deutscher Sicht kommt für den Bau der Küste–Küste–Verbindung nur eine
rein private Finanzierung in Frage. Die rechtliche Grundlage hierfür ist auf
deutscher Seite für den Bereich der Straße mit dem Fernstraßenbauprivatf
nanzierungsgesetz gegeben. Die Bundesregierung wird im Falle einer positiven
Grundsatzentscheidung Sachverständige beauftragen, hierzu Vorschläge zu
erarbeiten. Eine auch nur anteilige Finanzierung aus Haushaltsmitteln des
Bundes an den Investitionen einer festen Querung ist wegen ihrer heute bekannten
unzureichenden gesamtwirtschaftlichen Rentabilität (N/K < 3) sowie wegen
des absehbaren Haushaltsvolumens in der Laufzeit des künftigen BVWP bis
zum Jahr 2015 auszuschließen. Unabhängig vom Zeitbedarf für die Schaffung
des Baurechts auf deutscher Seite und die Ausführplanung ist nicht damit zu
rechnen dass innerhalb der nächsten fünf Jahre ein Finanzbedarf für ihren Bau
entsteht, an dessen Deckung sich der Bund beteiligen könnte.
Ansätze im Investitionsprogramm 1999 bis 2002 sowohl für eine feste
Querung, die bisher nicht in den geltenden Bedarfsplänen enthalten sind, als auch
die Hinterlandanbindungen wären somit zum jetzigen Zeitpunkt verfrüht und
sind deshalb dort nicht ausgewiesen.
4. Wie hoch schätzt die Bundesregierung die Kosten der landseitigen
Anschlüsse einer festen Fehmarnbelt-Querung – je nach
Querungsalternative – an die bestehende Infrastruktur ein, und wird die Bundesregierung
diese Kosten vollständig übernehmen, bzw . in welcher Größenordnung
wird sie sich an diesen Kosten durch Bundesmittel beteiligen?
Es wird davon ausgegangen, dass sich die Frage auf die Kosten der landseitigen
Anschlüsse auf deutscher Seite bezieht. Hierzu liegen folgende
Kostenschätzungen vor:
Der Ausbau der Bundesstraße 207 von Oldenbur g bis Heiligenhafen zu einer
vierstreifigen Autobahn („vordringlicher Bedarf“) erfordert Investitionen i
Höhe von rd. 179 Mio. DM. Der Abschnitt Oldenbur g Nord bis Oldenbur g
West ist bereits im Bau. Für diese hochprioritäre Maßnahme sind im
Investitionsprogramm 1999 bis 2002 rund 61 Mio. DM enthalten.
Der maximal notwendige Ausbau der Bundesstraße 207 von Heiligenhafen bis
Puttgarden zu einer vierstreif gen Schnellstraße erfordert Investitionen in Höhe
von 165 Mio. DM.
Der maximal notwendige Ausbau der bestehenden Eisenbahnstrecke umfasst
– Elektrifizierung und Ausbau für 200 km/h zwischen Hamburg und Lübeck,
– Elektrifizierung und zweigleisiger Ausbau für 160 km/h zwischen Lübeck
und Puttgarden,
– Neubau einer zweigleisigen Brücke über den Fehmarnsund.
Hierfür sind 1 890 Mio. DM (Schätzkosten) aufzuwenden. Für den Fall der
Realisierung einer festen Querung mit nur einem Gleis ist ein reduzierter Ausbau
mit einem Kostenaufwand von 840 Mio. DM (Schätzkosten) ausreichend.
Der tatsächlich notwendige Ausbauumfang der Hinterlandanbindung ist
abhängig vom Ergebnis der noch ausstehenden Entscheidung über den Bau einer
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festen Querung (siehe Antwort zu Frage 1) und der Bewertung im Rahmen der
Fortschreibung des BVWP 1992. Angesichts der hohen Kosten ist es
volkswirtschaftlich sinnvoll, einen stufenweisen bedarfsgerechten Ausbau
vorzunehmen. Neben dem Einsatz von Haushaltsmitteln kommt hierfür auch eine Kof -
nanzierung aus EU-Mitteln in Frage (vgl. Antwort zu Frage 5).
5. Welche Möglichkeiten bestehen nach Einschätzung der Bundesregierung,
eine Förderung durch die Europäische Union für dieses Projekt zu
erhalten, und in welcher Größenordnung und wann könnten europäische För -
dergelder bewilligt werden?
Die Verbindung über den Fehmarnbelt ist in den TEN-Leitschemata Straße/
Schiene als geplante Verbindung des transeuropäischen Verkehrsnetzes
ausgewiesen. Damit ist eine EU-Förderung aus der Haushaltslinie „Transeuropäische
Netze“ gemäß den Bedingungen und V oraussetzungen der TEN-Zuschussver -
ordnung möglich. Die deutsch/dänische Machbarkeitsstudie wird bereits zu
50 % von der EU gefördert.
Künftig wären deshalb sowohl der Bau der festen Querung (Verbindung Küste–
Küste) als auch der Ausbau der Hinterlandanbindungen grundsätzlich mit bis
zu 10 % der förderfähigen Investitionskosten zuschussfähig. Dabei können
auch private Bauträger als Antragsteller Zuschüsse in Form von
Zinszuschüssen oder direkten Zuschüssen beantragen. Dies kann gemäß den Grundsätzen
der Bundesregierung erst befürwortet werden, wenn entsprechendes Baurecht
vorliegt und die Kofinanzierung gesichert ist (vgl. Antwort zu den Frage
Nr. 3, 6 und 4).
6. Wie beurteilt die Bundesregierung eine privatfinanzierte Querung, und i
welcher Art und Weise würde sie ein derartiges Vorhaben unterstützen?
Siehe Antwort zu Frage 3.
7. Welche Rolle spielen in diesem Zusammenhang – wie „Der
Nordschleswiger“ und das „Flensbur ger Tageblatt“ berichten – die Äußerungen
dänischer Regierungsvertreter , wonach nur eine rein staatliche Holding als
Bauträger dieses Verkehrsprojektes in Frage komme?
Über die Finanzierungsform kann erst nach einer positiven
Grundsatzentscheidung für eine feste Querung auf Regierungsebene entschieden werden. Ein offi
zieller dänischer Standpunkt zur Frage der Finanzierungsform ist der
Bundesregierung bislang nicht bekannt.
8. Welche Bedeutung hätte eine feste Querung des Fehmarnbelt für den
regionalen und nationalen Arbeitsmarkt, und wie viele neue Arbeitsplätze
könnten per Saldo in den kommenden Jahren entstehen?
Infolge der verbesserten Zugangsmöglichkeiten zum internationalen V
erkehrswegenetz könnte eine feste Querung gemäß den Er gebnissen vorliegender
Studien nachhaltig dazu beitragen, die räumlichen Disparitäten zu reduzieren bzw.
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auszugleichen. Im Er gebnis wird eine Belebung wachstumsfördernder
Austauschverhältnisse zwischen Ostholstein und Storstroms Amt erwartet.
Während der Bauzeit von 6 bis 8 Jahren wird insgesamt – je nach gewähltem
Lösungsmodell – eine direkte und indirekte Beschäftigungswirkung von 7 700
bis 12 550 Personen erwartet. Der regionale Anteil hieran wird 3 800 bis 5 800
Personen betragen. Zusätzlich wird für den stufenweisen Ausbau der
Hinterlandanbringung ein Beschäftigungsef fekt von 1 1 890 bis 13 460 Mannjahren
erwartet.
Für die Betriebsphase werden in den Regionen Nordostdeutschland und
Ostdänemark in den Bereichen Güterverkehr , Personenverkehr sowie Betrieb und
Unterhaltung langfristig zusätzlich rd. 1 380 bis 2 640 Arbeitsplätze
prognostiziert. Im Fährbetrieb würden demgegenüber – je nach technischer Lösung –
100 bis 900 Arbeitsplätze wegfallen. Daraus er gibt sich per Saldo ein
Arbeitsplatzzuwachs von 1 280 bis 1 740 Arbeitsplätzen.
9. Wie viele Arbeitsplätze wären nach Einschätzung der Bundesregierung
im Bereich der Fährschif ffahrt über den Fehmarnbelt gefährdet, sollte es
zum Bau einer festen Querung dieser Wasserstrasse kommen?
Siehe Antwort zu Frage 8.
10. In welchem Zeitraum rechnet die Bundesregierung mit dem Abschluss
der politischen Diskussion und dem Baubeginn einer festen Fehmarnbelt-
Querung?
Siehe Antwort zu Frage 1.
11. Inwiefern kann eine feste Fehmarnbelt-Querung die V
erkehrsentwicklung Norddeutschlands positiv beeinflussen, und wie schätzt die Bundes
regierung das Verkehrsaufkommen in dieser Region in den kommenden
zehn Jahren insgesamt ein?
Eine Abschätzung der (Gesamt-)V erkehrsentwicklung für Norddeutschland
liegt nicht vor. Im Rahmen der Studie zur Abschätzung der V erkehrsnachfrage
über den Fehmarnbelt war auf diejenigen Personen- und
Güterverkehrsbeziehungen abzustellen, die vom Bau einer festen Querung des Fehmarnbelt
beeinflußt werden, d. h. erkehrsströme Skandinaviens mit insbesondere
Nordeuropa und umgekehrt.
Die Abschätzung der Verkehrsentwicklung für Norddeutschland bleibt den
laufenden Prognosearbeiten im Rahmen der Überarbeitung des BVWP
vorbehalten.
12. Wie bewertet die Bundesregierung in diesem Zusammenhang die T
atsache, dass nach Angaben der IHK Rostock die in der V erkehrsnach-
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fragestudie getroffenen Annahmen zur Entwicklung des Fährverkehrs bis
2010 bereits 1998 um mehr als Doppelte übertroffen wurden?
Für den Untersuchungszeitraum der Fehmarnbelt-Nachfragestudie wird mit
einem Anstieg des Aufkommens an Lkw/T railern im Fährverkehr von
insgesamt rd. 75 % zwischen 1994 und 2010 gerechnet. Nach Angaben des Instituts
für Seeverkehrswirtschaft und Logistik, Bremen, stieg das V
erkehrsaufkommen an Lkw/Trailern im Fährverkehr mit Dänemark und Schweden zwischen
1994 und 1998 um lediglich 26 %.
Angaben, wonach die in der V erkehrsnachfragestudie getroffenen Annahmen
zur Entwicklung des Fährverkehrs bis 2010 bereits 1998 um mehr als das
Doppelte übertroffen wurden, sind nicht nachvollziehbar.
13. Liegen der Bundesregierung Kenntnisse darüber vor , ob auch andere
Annahmen in den Studien zur festen Fehmarnbelt-Querung ähnlich
Abweichungen gegenüber der Realität aufweisen, und wenn ja, welche?
In der Wirtschaftlichkeitsstudie wurden hinsichtlich der Emissionen der Fähren
zu hohe Annahmen getrof fen. Die hierauf beruhenden fehlerhaften Er gebnisse
wurden inzwischen korrigiert.
14. Welche Bedeutung kommt dem Bau einer festen V erbindung zwischen
dem Königreich Dänemark und der Bundesrepublik Deutschland
bezüglich der bilateralen Zusammenarbeit zu?
Die Realisierung eines gemeinsamen Projektes von dieser Größenordnung in
Verbindung mit der dadurch angestrebten V erbesserung der V
erkehrsverbindungen würde dazu beitragen, die freundschaftlichen gutnachbarschaftlichen
Beziehungen zwischen beiden Staaten und die wirtschaftliche Kooperation der
benachbarten Regionen noch weiter zu vertiefen.
15. Welche negativen Konsequenzen könnte ein Scheitern des Fehmarnbelt-
Projektes für die deutsch-dänischen Beziehungen haben?
Keine. Die Bundesrepublik Deutschland und das Königreich Dänemark streben
eine gemeinsame Grundsatzentscheidung an. Auch die Aufgabe oder
Zurückstellung dieses Vorhabens würde daher von beiden Seiten getragen.
16. Inwiefern steht eine feste Querung des Fehmarnbelt, die möglicherweise
zu einer weiteren Verlagerung auf den Straßenverkehr führen wird, dem
Konzept „From Road to Sea“ entgegen?
Der Bau einer festen Querung des Fehmarnbeltes wird nach vorliegenden V
erkehrsprognosen vor allem den Luftverkehr zu Gunsten des Straßen- und
Schienenverkehrs reduzieren. Gleichzeitig wird eine V erlagerung von T eilen des
Verkehrs der Ostseefährlinien sowie von der Jütlandroute zur Fehmarnbelt-
Verbindung stattfinden
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ISSN 0722-8333
Die Überquerung des Fehmarnbeltes macht lediglich einen kleinen T eil der
Gesamtstrecke für internationale T ransporte aus. Dem Konzept „From Road
to Sea“ liegen in erster Linie V erkehre über längere Entfernungen (z. B. von
Deutschland nach Spanien) zugrunde, die V erlagerung von derzeitigen Fähr -
verkehren in der Ostsee auf eine etwaige feste V erbindung über den
Fehmarnbelt berührt das Konzept nicht.
17. Wie beurteilt die Bundesregierung die Zukunftschancen der Jütland-
Route, und mit welcher Verkehrsaufkommensentwicklung rechnet sie auf
dieser Strecke, wenn es zum Bau der Fehmarnbelt-Querung kommen
sollte?
Eine Abschätzung der V erkehrsentwicklung für die Jütland-Route (vgl.
Antwort zu Frage 11) liegt der Bundesregierung auch aus der Studie der
Abschätzung der Verkehrsnachfrage über den Fehmarnbelt nicht vor.
Der nach Fertigstellung einer festen Querung des Fehmarnbeltes zu erwartende
Verkehrszuwachs resultiert aus der V erlagerung von internationalen
Verkehrsströmen zwischen Skandinavien und Nordeuropa. Er kann die Strecke
Flensburg–Elmshorn–Pinneberg–Hamburg langfristig entlasten. Im Rahmen der
Überprüfung des Bundesverkehrswegeplanes 1992 werden die Zulaufstrecken
nach Skandinavien sowie der Knoten Hambur g einer vertiefenden Unter -
suchung unterzogen. Erst nach V orliegen dieser Er gebnisse können die
Auswirkungen durch die Fertigstellung einer festen Querung des Fehmarnbelt im
Einzelnen benannt werden.]