Volltext (unformatiert)
[Deutscher Bundestag Drucksache 10/2016
10. Wahlperiode
20.09.84
Sachgebiet 800
Antwort
der Bundesregierung
auf die Kleine Anfrage der Abgeordneten Frau Dr. Däubler-Gmelin, Dr. Schmude,
Frau Odendahl, Frau Dr. Martiny-Glotz, Bachmaier, Frau Blunck, Catenhusen,
Dr. Diederich (Berlin), Egert, Frau Fuchs (Köln), Frau Fuchs (Verl),
Frau Dr. Hartenstein, Frau Huber, Immer (Altenkirchen), Dr. Kübler, Kuhlwein,
Frau Dr. Lepsius, Frau Luuk, Frau Matthäus-Maier, Müller (Düsseldorf),
Peter (Kassel), Frau Renger, Frau Schmedt (Lengerich), Frau Schmidt (Nürnberg),
Frau Simonis, Frau Dr. Skarpelis-Sperk, Dr. Soell, Frau Steinhauer, Stiegler,
Frau Terborg, Frau Dr. Timm, Frau Traupe, Frau Weyel, Frau Zutt
und der Fraktion der SPD
— Drucksache 1011939 —
Ausbildung von jungen Frauen in gewerblich-technischen Berufen
Der Bundesminister für Bildung und Wissenschaft — Kab/Parl
—0103-3111 B 6 — 6380-2/1 — hat mit Schreiben vom 19.
September 1984 die Kleine Anfrage im Einvernehmen mit dem
Bundesminister für Arbeit und Sozialordnung, dem Bundesminister für
Verkehr, dem Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen
sowie dem Bundesminister für Jugend, Familie und Gesundheit
wie folgt beantwortet:
1. Wie beurteilt die Bundesregierung die Ergebnisse der
ausgelaufenen Modellversuche „Erschließung gewerblich-technischer
Ausbildungsberufe für Mädchen" im Hinblick auf
Eingliederungserfolge, Qualifizierungserfolge und Nachfolgeeffekte, und welche
Schlußfolgerungen zieht sie aus ihrer Beurteilung? Gibt es
Oberlegungen, private Unternehmen, die Frauen in gewerblich-
technischen Berufen ausbilden, weiter speziell zu fördern?
Die Bundesregierung beurteilt die bisher vorliegenden
Ergebnisse des Modellprogramms „Erschließung gewerblich-
technischer Ausbildungsberufe für Mädchen" positiv. An dem
Modellprogramm waren rund 200 Bet riebe beteiligt. In 29
Einzelvorhaben an 21 Standorten haben insgesamt 1 232 Mädchen eine
Ausbildung in 75 verschiedenen gewerblich-technischen Berufen
aufgenommen, schwerpunktmäßig in Metall- und Elektroberufen.
Inzwischen hat ein großer Teil von ihnen ihre Berufsausbildung
beendet.
Von den 710 jungen Frauen, deren Abschlußergebnisse bisher
vorliegen, haben 98,3 v. H. die Abschlußprüfung bestanden.
Aus einer Reihe von Modellvorhaben liegen abschließende
Aussagen zum Verlauf der Ausbildung vor, auf deren Grundlage
Fragen der Berufswahl, der Ausbildungsleistungen und der
Beschäftigungschancen nach der Ausbildung wie folgt
beantwortet werden können:
Berufswahl
Bei den Teilnehmerinnen, die sich im Rahmen des
Modellprogramms für einen gewerblich-technischen Beruf entschieden
haben, entsprach der gewählte Ausbildungsberuf überwiegend
nicht dem primären Berufswunsch. Nur ca. ein Drittel von ihnen
hatte ursprünglich den Wunsch, einen gewerblich-technischen
Beruf zu ergreifen. Trotzdem würden die Teilnehmerinnen am
Modellprogramm nach Abschluß der Ausbildung bei einer
hypothetischen Wiederwahl ihres Ausbildungsberufes ihren Beruf
ebenso häufig noch einmal wählen wie Frauen in
„frauentypischen" Berufen. Die überwiegende Mehrheit der jungen Frauen
würde ihren Beruf anderen Frauen empfehlen.
Inzwischen nahm die Spontanbewerbung von
Schulabgängerinnen für gewerblich-technische Berufe jährlich um ca. 30 bis
40 v. H. zu. Um ein latent vorhandenes Interesse junger Frauen an
gewerblich-technischen Berufen stärker zu aktivieren, sind
allerdings weitere Motivationsmaßnahmen sowie ein ausdrücklich
auch an Mädchen gerichtetes Angebot an gewerblich-
technischen Ausbildungsplätzen erforderlich.
A usbildungsleistungen
Nach der Erfahrung der Ausbilder in den Modellvorhaben
bereitet die Ausbildung von Mädchen in gewerblich-technischen
Berufen keine besonderen Schwierigkeiten. Sie bewältigen die
Ausbildungsanforderungen ebenso wie ihre männlichen Kollegen.
Defizite im fachpraktischen und naturwissenschaftlichen Bereich, die
bei einem Teil der jungen Frauen anfänglich vorhanden waren,
konnten im Verlauf der Ausbildung ausgeglichen werden, dies
um so leichter, wenn eine besondere Unterstützung zum
Ausgleich dieses Rückstandes gleich zu Beginn der Ausbildung
gegeben wurde.
In den Abschlußprüfungen erreichten die Mädchen im
Durchschnitt die Gesamtnote „befriedigend" . Es gibt unter den
Modellprogramm-Teilnehmerinnen Kammerbeste und Siegerinnen in
den Leistungswettbewerben.
Für die Beschäftigung der ausgebildeten jungen Frauen — an den
typischen Facharbeiterplätzen in ihren erlernten Berufen — ist die
physische Leistungsfähigkeit von Frauen kein Hindernis. Dies
haben Arbeitsplatzanalysen ergeben, die im Rahmen der
Modellreihe durchgeführt wurden. Lediglich für die schlosserischen
Berufe kann im Einzelfall je nach den betrieblichen
Einsatzbedingungen eine „besondere physische Leistungsfähigkeit" der
Bewerberinnen notwendig sein.
Übernahme in die Beschäftigung
Eine Benachteiligung der weiblichen Fachkräfte in den
Ausbildungsbetrieben ist in den Modellvorhaben nicht festzustellen. Die
Betriebe haben den ausgebildeten jungen Frauen gleichermaßen
Arbeitsplätze angeboten wie den jungen Männern, sofern ein
Arbeitskräftebedarf vorhanden war. In einigen Fällen wurden
Frauen bei der Übernahme durch den Ausbildungsbetrieb
bevorzugt, weil man ihre Arbeitsmarktchancen als schwieriger
einschätzte als die ihrer männlichen Kollegen. Von den bisher
ausgebildeten Frauen arbeiten ca. 65 v. H. im erlernten Beruf, 57 v. H.
wurden vom Ausbildungsbetrieb übernommen und 10 v. H.
befinden sich in betrieblicher oder schulischer Weiterbildung.
Das Modellprogramm hat zusammen mit den Maßnahmen einer
Reihe von Ländern entscheidend dazu beigetragen, daß Frauen
trotz der angespannten Ausbildungsplatzsituation breitere
Ausbildungschancen auch in gewerblich-technischen Berufen
eröffnet worden sind. Der Anteil der weiblichen Auszubildenden, die
in bisher männlich dominierten Berufen (Anteil der weiblichen
Auszubildenden 1977 0 bis unter 20 v. H.) ausgebildet werden, ist
von 2,6 v. H. (1977) auf 3,5 v. H. (1983) gestiegen. 1983 wurden
51 000 junge Frauen in diesen Berufen ausgebildet gegenüber
13 000 im Jahr 1977.
Die bisher insgesamt positiven Ausbildungs- und
Berufserfahrungen, die im Rahmen des Modellprogramms gemacht wurden,
können weiter dazu beitragen, neue Berufsperspektiven für
Mädchen in gewerblich-technischen Berufen zu eröffnen. Dies ist
gerade auch unter dem Gesichtspunkt von Bedeutung, daß die
Gruppe der „männlich dominierten Berufe" 53 v. H. aller
Auszubildenden und über drei Viertel aller Ausbildungsberufe umfaßt.
2. Trifft es zu, daß die Bundesregierung keine neuen
Förderungsprogramme auflegt bzw. die alten nicht verlängert? Wenn nein,
welche Folgemodelle sind vorgesehen?
Das — erfolgreiche — Modellprogramm läuft Anfang 1985 aus. Eine
Verlängerung oder eine Neuauflage des Programms ist nicht
beabsichtigt. Dies entspricht dem Charakter einer „Modell" -
maßnahme im Unterschied zu einer Regeleinrichtung. Künftig geht es
nicht mehr darum, Wege zu entwickeln und zu erproben, wie
Mädchen in gewerblich-technischen Berufen ausgebildet werden
können, sondern darum, die vorliegenden positiven Ergebnisse
möglichst breit umzusetzen und zu nutzen. Dies ist im dualen
Ausbildungssystem vorrangig Aufgabe der Wirtschaft. Der
Bundesminister für Bildung und Wissenschaft unternimmt folgende
Maßnahmen, um eine breite Nutzung der Ergebnisse und der
Erfahrungen aus dem Modellprogramm zu unterstützen:
— Durch eine breite Veröffentlichung sollen die Ergebnisse des
Modellprogramms den Betrieben sowie den Mädchen und den
im Bereich der Berufswahlvorbereitung tätigen Personen zur
Verfügung gestellt werden. Der Bundesminister für Bildung
und Wissenschaft wird noch in diesem Jahr eine Broschüre
herausgeben, durch die die positiven Erfahrungen aus der
Ausbildung von Mädchen in gewerblich-technischen Berufen
insbesondere an Betriebe herangetragen werden sollen, um sie
dazu zu bewegen, möglichst alle Ausbildungsplätze auch für
Mädchen anzubieten. Auch das Bundesinstitut für
Berufsbildung hat Faltblätter herausgegeben, durch die Erfahrungen
aus den Modellvorhaben an die Zielgruppen Mädchen und
Betriebe weitergegeben werden.
— Auf Vorschlag der Bundesregierung werden auf den
Vermittlungskarten der Bundesanstalt für Arbeit ab 1. Oktober die
Rubriken „für Mädchen oder Jungen: ", „für Mädchen: " und
„für Jungen: " entfallen.
— Es wird voraussichtlich noch in diesem Jahr ein
Forschungsvorhaben in Auftrag gegeben, durch das auf der Grundlage der
Modellversuchsergebnisse Methoden und Bausteine zur
Verstärkung der Ausbildungsbereitschaft in gewerblich-
technischen Berufen für Mädchen entwickelt werden sollen.
— Für 1985 sind zwei wissenschaftliche Fachtagungen zur Aufbe
-
reitung von Ergebnissen aus den Modellvorhaben geplant.
Diese Vorhaben können dazu beitragen, die Grundlagen für eine
breite Umsetzung und Nutzung der Ergebnisse des
Modellprogramms zu schaffen.
Die Ergebnisse des Modellprogramms werden auch bei der
Durchführung des Programms für die Förderung der
Berufsausbildung benachteiligter Jugendlicher berücksichtigt.
3. Wie beurteilt die Bundesregierung die Beschäftigungschancen der
Nachrichtenmechanikerin, Informationselektronikerin,
Energieanlagenelektronikerin etc., im Verhältnis zu denen der Bäckerin,
Malerin/Lackiererin, Werkzeugmacherin etc.? Wie beurteilt sie die
Tendenz, daß der Anteil der Frauen gerade in den gewerblich
-
technischen Berufen steigt, deren Zukunftschancen negativ
beurteilt werden?
Die Bundesregierung geht davon aus, daß Berufsausbildung
generell die Beschäftigungschancen verbessert: Die höchste
Arbeitslosenquote weisen Frauen und Männer ohne
Ausbildungsabschlüsse auf (Frauen: 16,9 v. H., Männer 17,8 v. H. im Jahr
1983). Auch die Beschäftigungschancen von Frauen in
gewerblich-technischen Berufen müssen in diesem Zusammenhang
gesehen werden. Hierzu verweise ich auf die Antwort vom
Parlamentarischen Staatssekretär Vogt vom 9. Februar 1984 auf die Anfrage
der Abgeordneten Frau Männle – Drucksache 10/1018 – zu den
Beschäftigungschancen von Frauen in gewerblich-technischen
Berufen.
Für die Berufe Nachrichtengerätemechanikerinnen,
Informationselektronikerinnen und Energiegeräteelektronikerinnen einerseits
und Bäckerinnen, Malerinnen/Lackiererinnen und
Werkzeugmacherinnen andererseits lassen sich keine deutlich
unterschiedlichen Beschäftigungschancen ausmachen.
Die Entwicklung der abgeschlossenen Ausbildungsverträge zeigt
im übrigen von 1977 bis 1982 einen deutlichen Anstieg gerade
auch in den Berufen, die von den Fragestellern als
zukunftsträchtig eingestuft werden.
Die Ausführungen zu den von den Fragestellern genannten
Berufen bestärken die Bundesregierung in ihrer Auffassung, bei
Prognosen einzelner Berufe äußerst zurückhaltend zu sein. Zudem
dürfte die Situation auch nach Regionen sehr unterschiedlich sein.
4. Wird die Bundesregierung dafür sorgen, daß die
mädchendiskriminierenden Einstellungstests bei der Deutschen Bundesbahn und
der Deutschen Bundespost nicht mehr durchgeführt werden?
Bei der Deutschen Bundesbahn und der Deutschen Bundespost
werden Eignungstests bzw. Auswahlverfahren für die Einstellung
ohne Ansehen der Person durchgeführt. Aus Beobachtungen bei
der Testdurchführung lassen sich ebenfalls keine Unterschiede
erkennen.
5. Beabsichtigt die Bundesregierung, die Ergebnisse der
Modellversuche in Maßnahmen der Umschulungs- und
Anpassungsfortbildung von Frauen auf der Grundlage des
Arbeitsförderungsgesetzes umzusetzen?
Die Ergebnisse der Modellversuche werden von der
Bundesanstalt für Arbeit, die für die Förderung der beruflichen Bildung
nach dem Arbeitsförderungsgesetz zuständig ist, ausgewertet und
bei der Durchführung von Bildungsmaßnahmen berücksichtigt. In
der Regel wird die Bundesanstalt bereits bei der Einrichtung von
Modellversuchen eingeschaltet, vor allem wenn diese im
Zusammenhang mit Umschulungs- und Fortbildungsmaßnahmen
durchgeführt werden, die von der Bundesanstalt gefördert werden.
So werden auch die Vorhaben der derzeit anlaufenden
„Modellversuchsreihe zur beruflichen Qualifizierung von Erwachsenen,
die keine abgeschlossene Berufsausbildung haben und ein
besonderes Arbeitsmarktrisiko tragen" in enger Abstimmung mit der
Bundesanstalt durchgeführt. Zielgruppe dieser
Modellversuchsreihe des Bundesministers für Bildung und Wissenschaft sind u. a.
Frauen ohne berufliche Qualifizierung. Dies ermöglicht Frauen
auf dem Arbeitsmarkt konkurrenzfähig zu werden. Durch die
enge Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt und deren
Beteiligung an den Modellversuchen ist es möglich, neue Ergebnisse
ohne zeitliche Verzögerung sogar für noch laufende
Bildungsmaßnahmen nutzbar zu machen.
6. Wie viele Frauen wurden nach dem Auslaufen der Modellversuche
bei der Deutschen Bundespost und der Deutschen Bundesbahn
ausbildungsgerecht in ein längerfristiges
Vollzeitbeschäftigungsverhältnis übernommen? Wie viele Frauen haben das
Übernahmeangebot von sich aus abgelehnt und mit welcher Begründung?
An den bei der Deutschen Bundespost durchgeführten
Modellversuchen im gewerblich-technischen Bereich haben 43 Frauen
teilgenommen und die Prüfung bestanden. Von den 43 Frauen sind
23 ausbildungsgerecht und 18 ausbildungsfremd übernommen
worden. Zwei sind nach beendeter Ausbildung ausgeschieden.
Von den ausbildungsfremd eingesetzten Frauen waren zwei nicht
bereit, einen Ortswechsel vorzunehmen, um ausbildungsgerecht
arbeiten zu können, neun junge Frauen fühlten sich in der neuen
(ausbildungsfremden) Tätigkeit wohler und haben daher von sich
aus ein Übernahmeangebot abgelehnt. Fünf junge Frauen
konnten wegen schlechterer Positionen in der „Rangreihung" nicht
ausbildungsgerecht übernommen werden.
Für den Bereich der Deutschen Bundesbahn muß die Frage der
Übernahme von Frauen mit gewerblich-technischer
Berufsausbildung unter der besonderen Situation der Deutschen Bundesbahn
betrachtet und gewertet werden. Als Folge des gegenwärtig
vorhandenen Mehrbestandes in Auswirkung von durchgeführten
(und weiterhin vorgesehenen) Kapazitätsanpassungen konnte die
Deutsche Bundesbahn in den Jahren 1983 und 1984 nur einen
relativ geringen Teil der auslernenden Auszubildenden
(gewerblich-technische Berufe und Verkehrskaufleute) übernehmen. Die
Übernahme erfolgte nach den Grundsätzen der Bestenauslese
und daneben auch der Bereitschaft zu örtlicher und funktionaler
Mobilität.
Im Jahr 1983 wurden rd. 800 Auszubildende mit
gewerblichtechnischer Berufsausbildung übernommen, davon 31 weibliche
Auszubildende. Alle übernommenen Auszubildenden erhielten
zunächst einen Teilzeitvertrag (32 Stunden pro Woche); mit
Wirkung vom 1. Januar 1984 an wurden die Teilzeitverträge in
Vollzeitverträge umgewandelt.
Im Geschäftsjahr 1984 hat die Deutsche Bundesbahn von rd. 3 100
auslernenden Auszubildenden lediglich 654 — als Vollzeitkräfte —
übernommen; davon entfielen 25 auf die Übernahme von
weiblichen Auszubildenden.
Die Übernahme erfolgte teilweisen ausbildungsfremden
Tätigkeitsbereichen. In einigen Fällen wurde eine ausbildungsfremde
Tätigkeit abgelehnt und mit dieser Begründung der Verzicht auf
Übernahme erklärt.
7. Wie viele Frauen werden bei der Deutschen Bundesbahn und der
Deutschen Bundespost im gewerblich-technischen Bereich — ohne
Unterstützung von Modellversuchen — zur Zeit ausgebildet? Wie
hat sich die Einstellungsquote für weibliche Nachwuchskräfte im
gewerblich-technischen Bereich der öffentlichen Unternehmen
absolut und prozentual seit 1970 entwickelt? Wie lauten die
Vergleichszahlen der Männer?
Bei der Deutschen Bundespost werden im gewerblich-
technischen Bereich zur Zeit 792 weibliche Auszubildende oder 6,4 v. H.
von insgesamt 12 343 Auszubildenden ausgebildet.
Einstellungsdaten getrennt nach männlich/weiblich stehen hier
erst ab 1980 zur Verfügung; die Einstellungsdaten für 1984 liegen
noch nicht vor. Die Entwicklung der letzten vier Jahre im
gewerblich-technischen Bereich sieht wie folgt aus:
Jahr Einstellungen männlich v. H. weiblich v. H.
1980 4 481 4 262 95,1 219 4,9
1981 4 466 4 247 95,1 219 4,9
1982 4 565 4 265 93,4 300 6,6
1983 5 277 4 908 93,0 369 7,0
Bei der Deutschen Bundesbahn werden zur Zeit 357 weibliche
Auszubildende von insgesamt 12 696 Auszubildenden im
gewerblich-technischen Bereich ausgebildet. Das entspricht einem Anteil
von 2,8 v. H.
Im Geschäftsjahr 1970 hat die Deutsche Bundesbahn 2 560
Auszubildende in gewerblich-technischen Berufen eingestellt und zwar
ausschließlich männliche Bewerber. Vom Jahr 1971 an wurden
erstmals in dem damals neuen Ausbildungsberuf Bauzeichner
weibliche Auszubildende eingestellt und zwar acht von 200 bei
insgesamt 2 962 eingestellten Auszubildenden im
gewerblichtechnischen Bereich (0,3 v. H.). In dem gesamten
Einstellungsprogramm für den gewerblich-technischen Bereich des
Geschäftsjahrs 1983 wurden 121 weibliche Auszubildende bei insgesamt
3 588 Auszubildenden eingestellt (3,4 v. H.).
8. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß das vorhandene
Ausbildungs- und Arbeitsplatzangebot Frauen in Zukunft ein
immer geringeres Spektrum an Beschäftigungsmöglichkeiten
bietet? Wenn ja, welche konkreten Schritte leitet die Bundesregierung
ein, das Spektrum an Ausbildungs- und
Beschäftigungsmöglichkeiten von Frauen zu erweitern?
Das vorhandene Arbeitsplatzangebot für Frauen und Männer
unterliegt nach Umfang und Struktur einem ständigen Wandel,
beeinflußt durch konjunkturelle und technologische
Entwicklungen, aber auch durch Veränderung des Qualifikationsniveaus wie
der Qualifikationsstruktur der Arbeitnehmer. Dabei werden
Arbeitsplätze mit geringen Qualifikationsanforderungen durch
die zunehmende internationale Arbeitsteilung und die
technologische Entwicklung im Bereich der gewerblichen Wirtschaft und im
Dienstleistungssektor wegfallen. Gerade auf diesen
Arbeitsplätzen sind aber besonders viele Frauen tätig. Andererseits hat die
Frauenerwerbstätigkeit in den Angestellten- und
Dienstleistungsberufen in den letzten Jahren erheblich zugenommen. Hier vor
allem liegen die Chancen zukünftiger Beschäftigung, wenn auch
nicht bei Arbeitsplätzen mit geringen
Qualifikationsanforderungen, die traditionell mit Frauen besetzt werden. Eine Ausweitung
des Dienstleistungssektors kann nach Auffassung der
Bundesregierung zwar zu einer weiteren Konzentration von Frauen in
diesem Bereich führen.
Dies bedeutet jedoch keineswegs eine Verschlechterung der
Beschäftigungschancen, zumal in diesem Sektor ein breites
Spektrum qualifizierter Tätigkeiten vorhanden ist. Außerdem sind
diese Tätigkeiten weniger konjunkturauffällig als die in der
gewerblichen Wirtschaft.
Den Trend zu steigender Frauenerwerbstätigkeit bei
zunehmender Konzentration im Dienstleistungssektor hat die OECD auch
für andere Industrieländer, wie z. B. die Vereinigten Staaten und
Schweden nachgewiesen.
Die Bundesregierung vertritt mit Nachdruck die Auffassung, daß
die Beschäftigungsmöglichkeiten von Frauen nur dann verbessert
werden können, wenn ihnen ein breiteres Spektrum von
qualifizierten Beschäftigungsmöglichkeiten als bisher offensteht.
Nachdem rechtliche Benachteiligungen weitgehend besei tigt sind und
die Gleichbehandlung von Männern und Frauen im Arbeitsleben
im Arbeitsrechtlichen EG-Anpassungsgesetz verankert wurde,
gilt es jetzt durch Besei tigung von Beschäftigungshemmnissen
und beruflichen Qualifizierungsmaßnahmen das berufliche
Spektrum zu erweitern. Ein wichtiger Beitrag soll hierzu die
Neuregelung des Frauenarbeitsschutzes sein, den die Bundesregierung im
Entwurf eines Arbeitszeitgesetzes beschlossen hat. Der
Frauenarbeitsschutz wird auf den weiterhin notwendigen Kern
konzentriert. Nicht geschlechtsspezifisch notwendige Verbote und
Beschränkungen werden aufgehoben oder für Männer und
Frauen einheitlich geregelt wie z. B. die Länge der Pausen.
Das Instrumentarium des Arbeitsförderungsgesetzes,
insbesondere Maßnahmen der beruflichen Fortbildung und Umschulung
steht Männern und Frauen gleichermaßen zur Verfügung. In der
beruflichen Weiterbildung wiederholt sich allerdings die
Konzentration auf sogenannte Frauenberufe. Deshalb ist es wich tig,
Frauen für eine Weiterbildung in breiter gestreuten Berufen zu
interessieren.
Die Bundesregierung fördert daher auch Modellvorhaben, in
denen Frauen im Wege der Umschulung im gewerblich-
technischen Bereich qualifiziert werden.
Um darüber hinaus die Beschäftigungsmöglichkeiten von Frauen
in qualifizierten und zukunftsträchtigen Tätigkeiten zu
verbessern, unterstützt die Bundesregierung die Arbeiten der EG-
Kommission, die einen Empfehlungsentwurf zur Förderung positiver
Maßnahmen vorbereitet hat. Frauenförderungsmaßnahmen, die
den Anteil von Frauen an den Beschäftigten und in qualifizierten
Stellungen erhöhen sollen, werden in einigen Betrieben und
öffentlichen Verwaltungen auf freiwilliger Basis erfolgreich
durchgeführt (Modellprojekt des Bundesministeriums für Jugend,
Familie und Gesundheit). In einer wissenschaftlichen
Begleituntersuchung sollen Kriterien und Vorschläge entwickelt werden,
die diese Maßnahmen im Interesse der Frauen wie der
Unternehmen einsatzfähig machen.
9. Beabsichtigt die Bundesregierung, verstärkt Modellversuche für
Frauen in zukunftsträchtigen Berufen, insbesondere auch im
Bereich der neuen Technologien/Mikroelektronik im Rahmen der
Aus-, Weiter- und Fortbildung durchzuführen?
Der Bundesminister für Bildung und Wissenschaft fördert in
Verbindung mit dem Bundesinstitut für Berufsbildung eine
Modellversuchsreihe „Neue Technologien in der beruflichen Bildung".
Gegenstand der Reihe ist, die durch Einführung neuer
Kommunikations- und Informationstechniken bedingten Veränderungen
von Qualifikationsanforderungen vor allem in Klein- und
Mittelbetrieben sowie dem Handwerk durch geeignete Maßnahmen der
beruflichen Aus- und Weiterbildung aufzufangen. Wesentliche
Themenschwerpunkte sind die veränderten Büro- und
Organisationstechniken, die automatische Konstruktion (CAD/CAM-
Technik) sowie die Steuerungs- und die automatische
Fertigungstechnik. Vor allem von der Bürotechnik und der CAD-Technik sind
überwiegend Frauen (berufe) betroffen. Im Rahmen der
wissenschaftlichen Begleitung zu der Modellversuchsreihe werden
zusätzliche frauenspezifische Fragestellungen aufgegriffen (z. B.
Abbau von Hemmschwellen, Isolation am Arbeitsplatz).
Besondere Modellversuche für Frauen sind geplant.
Außerdem fördert der Bundesminister für Jugend, Familie und
Gesundheit ein Projekt „Berufliche Qualifizierung von Frauen zur
Verbesserung der Berufschancen bei der Einführung neuer
Technologien", um für Frauen, deren Arbeitsplätze durch die
Einführung neuer Technologien betroffen sind, praktikable
Qualifizierungsangebote — orientiert an Technik, Bet rieb und Arbeitsablauf
— zu erarbeiten.
10. Teilt die Bundesregierung die Auffassung, daß gerade den
öffentlichen Unternehmen zur Zeit eine besondere Verpflichtung obliegt,
in zukunftssicheren, gewerblich-technischen Berufen
Ausbildungsstellen für junge Frauen bereitzustellen? Welche konkreten
Maßnahmen ergreift die Bundesregierung, um die
Einstellungsquote von Frauen in diesen Bereichen zu erhöhen? Unterstützt die
Bundesregierung die Forderung nach einer Quotierung der
Ausbildungsplätze (z. B. entsprechend dem Anteil der Frauen an den
Bewerbern)?
Die Versorgung der Jugendlichen mit qualifizierten
Ausbildungsplätzen gehört zu den vorrangigen Aufgaben der
Bundesregierung. Der Bund hat in diesem Jahr in seinem Bereich die Zahl der
Ausbildungsplätze nochmals — um 7,5 v. H. — aufgestockt.
Die in den Betrieben, Behörden, Forschungsanstalten und
Einrichtungen des Bundes verfügbaren Ausbildungsplätze werden
grundsätzlich weiblichen und männlichen Jugendlichen
gleichermaßen angeboten.
Die in der Bundeswehrverwaltung eingeführte Ausbildung von
Verwaltungsfachangestellten und die Wiederaufnahme der
Ausbildung zu Kaufleuten im Eisenbahn- und Straßenverkehr bei der
Deutschen Bundesbahn kommen insbesondere weiblichen
Bewerbern zugute. Darüber hinaus tritt die Bundesregierung
Vorurteilen entgegen, die weiblichen Bewerbern den Zugang zu
gewerblich-technischen Ausbildungsberufen erschweren
könnten. Die Modellversuche zur Erschließung gewerblich-technischer
Ausbildungsberufe für Mädchen haben hierzu wertvolle
Aufschlüsse und Argumentationshilfen geliefert. Eine Quotierung der
Ausbildungsplätze, um einen bestimmten Anteil für junge Frauen
sicherzustellen, lehnt die Bundesregierung sowohl für den
öffentlichen Dienst wie für die gesamte Wirtschaft aus grundsätzlichen
Erwägungen ab.]