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Kleine AnfrageWahlperiode 21Beantwortet
Abrechnungsbetrug im Pflegewesen - Strukturelle Defizite bei Kontrolle und Missbrauchsprävention
Fraktion
AfD
Ressort
Bundesministerium für Gesundheit
Datum
30.03.2026
Aktualisiert
08.04.2026
BT21/467513.03.2026
Abrechnungsbetrug im Pflegewesen - Strukturelle Defizite bei Kontrolle und Missbrauchsprävention
Kleine Anfrage
Volltext (unformatiert)
Deutscher Bundestag Drucksache 21/4675
21. Wahlperiode 13.03.2026
Kleine Anfrage
der Abgeordneten Martin Sichert, Dr. Christina Baum, Claudia Weiss, Carina
Schießl, Kay-Uwe Ziegler, Thomas Dietz, Joachim Bloch, Tobias Ebenberger,
Nicole Hess, Dr. Christoph Birghan, Birgit Bessin, Kerstin Przygodda, Alexis L.
Giersch, Martina Kempf, Stefan Möller, Dr. Paul Schmidt, Gereon Bollmann,
Thomas Fetsch und der Fraktion der AfD
Abrechnungsbetrug im Pflegewesen – Strukturelle Defizite bei Kontrolle und
Missbrauchsprävention
Berichte über umfangreichen Abrechnungsbetrug im Gesundheits- und
Pflegewesen, insbesondere im Bereich ambulanter Pflegedienste, werfen erhebliche
Fragen zur Funktionsfähigkeit und Kontrolltiefe der bestehenden Prüf- und
Abrechnungssysteme auf (https://geschaeftsbericht.gkv-spitzenverband.de/verban
d/fehlverhaltensstelle/; www.vdek.com/LVen/NRW/fokus/abrechnungsmanipul
ation.html). Ermittlungsbehörden weisen seit Jahren darauf hin, dass ein
erheblicher Teil der bekannten Betrugsfälle nicht auf komplexe
Täuschungshandlungen zurückzuführen ist, sondern auf strukturelle Schwächen, unzureichende
Kontrollen und ein System, das Manipulation offenbar in großem Umfang
ermöglicht (www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeldungen/2507
31_BLB_Wikri24.html; https://md-bund.de/presse/pressemitteilungen/archiv/k
ontrollmoeglichkeit-fuer-haeusliche-krankenpflege-verbessern.html; https://ww
w.gkv-90prozent.de/ausgabe/07/meldungen/07_haeusliche_krankenpflege/07_
haeusliche_krankenpflege.html). Besonders problematisch erscheint den
Fragestellern dabei, dass Pflegeleistungen teilweise auch unter Mitwirkung der
angeblich Pflegebedürftigen erschlichen werden können (www.berlin.de/ba-mitte/
politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-soziales/hilfe-zur-pflege/artikel.11857
6.php; www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/pflege-zu-hause/
probleme-mit-der-rechnung-des-pflegedienstes-was-kann-ich-tun-74395).
Wenn es für Senioren möglich ist, gegenüber Prüfinstanzen Pflegebedürftigkeit
oder Leistungsinanspruchnahme darzustellen, die tatsächlich nicht oder nicht in
dem abgerechneten Umfang vorliegt, stellt sich die grundsätzliche Frage nach
der Verlässlichkeit der Feststellungs- und Kontrollmechanismen (www.berli
n.de/ba-mitte/politik-und-verwaltung/aemter/amt-fuer-soziales/hilfe-zur-pflege/
artikel.118576.php; https://md-bund.de/presse/pressemitteilungen/archiv/kontro
llmoeglichkeit-fuer-haeusliche-krankenpflege-verbessern.html). Ein System,
das solche Konstellationen zulässt, lädt nach Auffassung der Fragesteller nicht
nur zu Missbrauch durch Leistungserbringer ein, sondern untergräbt auch das
Vertrauen der Beitragszahler in die Solidität der sozialen Sicherungssysteme
(www.vdek.com/LVen/NRW/fokus/abrechnungsmanipulation/betrug-und-fehl
verhalten.html; www.aok.de/pk/dokumente-vollmachten-patientenrechte/fehlve
rhalten-im-gesundheitswesen-bekaempfen/). Die vorliegende Kleine Anfrage
zielt daher ausdrücklich nicht primär auf die bloße Darstellung von
Schadenssummen ab, sondern auf die Ursachenanalyse (www.bundestag.de/services/glos
sar/glossar/A/anfragen-977720), warum es offenbar so einfach ist,
Pflegeleistungen zu erschwindeln (https://md-bund.de/presse/pressemitteilungen/archiv/k
ontrollmoeglichkeit-fuer-haeusliche-krankenpflege-verbessern.html; www.gkv-
90prozent.de/ausgabe/07/meldungen/07_haeusliche_krankenpflege/07_haeuslic
he_krankenpflege.html), welche strukturellen, organisatorischen oder
rechtlichen Defizite systematischen Missbrauch begünstigen (https://geschaeftsberic
ht.gkv-spitzenverband.de/verband/fehlverhaltensstelle/; www.vdek.com/LVen/
NRW/fokus/abrechnungsmanipulation.html) und weshalb bestehende
Kontrollinstrumente vielfach erst dann greifen, wenn erhebliche finanzielle Schäden
bereits entstanden sind (www.bka.de/SharedDocs/Kurzmeldungen/DE/Kurzmeld
ungen/250731_BLB_Wikri24.html; https://geschaeftsbericht.gkv-spitzenverban
d.de/verband/fehlverhaltensstelle/; www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesund
heit-pflege/pflege-zu-hause/probleme-mit-der-rechnung-des-pflegedienstes-wa
s-kann-ich-tun-74395). Angesichts der demografischen Entwicklung,
steigenden Pflegekosten und wachsenden Beitragsbelastung für Bürger und
Unternehmen ist es aus Sicht der Fragesteller zwingend erforderlich, die
Widerstandsfähigkeit des Systems gegen Betrug, Fehlanreize und organisierte Strukturen
kritisch zu überprüfen und transparent darzulegen, wo staatliche Aufsicht und
Verantwortung bislang nicht ausreichend wahrgenommen werden (www.destati
s.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Bevoelkerung/Bevoelkerungsvorausber
echnung/_inhalt.html; www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2024/12/
PD24_478_224.html; www.gkv-spitzenverband.de/pflegeversicherung/pv_grun
dprinzipien/pflege_beitragssatz/beitragssatz.jsp; www.bundesgesundheitsminist
erium.de/service/publikationen/details/bericht-breg-zukunftssichere-finanzierun
g-soziale-pflegeversicherung.html).
Wir fragen die Bundesregierung:
1. Wie viele Ermittlungsverfahren wegen Abrechnungsbetrugs im
Gesundheitswesen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung in den letzten
drei Jahren bundesweit geführt, und welcher Anteil entfällt konkret auf
ambulante Pflegedienste (bitte nach Jahr und Bundesland
aufschlüsseln)?
2. In wie vielen Fällen lagen nach Kenntnis der Bundesregierung nach
Abschluss der Ermittlungen nachweislich nicht erbrachte Pflegeleistungen
vor (also fingierte Abrechnungen; bitte ebenfalls nach Jahr und
Bundesland differenzieren)?
3. Liegen der Bundesregierung Erkenntnisse darüber vor, wie viele Fälle
mutmaßlich systematischen Betrugs durch organisierte Pflegedienste im
Zusammenhang mit erschwindelten Pflegegraden, fingierten
Pflegediensten oder vergleichbaren Maschen zuzuordnen sind (wenn ja, bitte
darlegen)?
4. Welche konkreten Schwachstellen im Abrechnungssystem der
gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen ermöglichen es nach Kenntnis der
Bundesregierung, dass Leistungserbringer scheinbare Pflegeleistungen für
echte und bzw. oder interessierte „Senioren“ abrechnen können, ohne
dass die tatsächliche Bedürftigkeit oder Leistungserbringung effektiv
geprüft wird (z. B. Papierrechnungen ohne direkte Leistungsüberprüfung,
fehlende Plausibilitätskontrollen, limitierte Vor-Ort-Kontrollen etc.; vgl.
Vorbemerkung der Fragesteller)?
5. Teilt die Bundesregierung die Einschätzung, dass es derzeit „zu leicht“
sei, Pflegeleistungen zu erschwindeln (Beispiel: Vorbereitung von
Senioren zur glaubhaften Darstellung von Pflegebedürftigkeit vor
Kontrolleuren und teilweise fehlende ärztliche Verifikation; vgl. Vorbemerkung der
Fragesteller), und wenn ja, aus welchen Gründen?
6. Welche Maßnahmen haben der Bund und nach Kenntnis der
Bundesregierung die Länder bisher ggf. ergriffen, um missbräuchliche
Praxisverdichtung, erschwindelte Pflegegrade und fingierte
Leistungsabrechnungen zu verhindern (bitte dabei auch den Einsatz von Prüf- und
Kontrollinstrumenten, z. B. stichprobenhafte Leistungsnachweise,
Digitalisierung, KI-gestützte Analysen in Prüfverfahren, darstellen)?
7. In welchen Fällen wurden nach Kenntnis der Bundesregierung
Pflegedienste oder sonstige Leistungserbringer von ausländischer Herkunft
(insbesondere aus Osteuropa) identifiziert, gegen die Ermittlungen
wegen Abrechnungsbetrugs geführt wurden, und in welchen Fällen führte
dies nach Kenntnis der Bundesregierung zu Strafverfahren oder
Lizenzentzügen?
8. Welche statistischen Daten oder Schätzungen (z. B. Dunkelziffern)
liegen der Bundesregierung ggf. vor, wie hoch der tatsächliche Schaden
durch Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen ist, wenn mutmaßlich
nicht entdeckte Fälle berücksichtigt werden?
9. Welche gesetzgeberischen Initiativen plant die Bundesregierung ggf., um
das System der Pflegeabrechnung nachhaltig zu sichern, insbesondere
um die Integrität und Effizienz der Prüfung von Pflegeleistungen
sicherzustellen?
10. Wie bewertet die Bundesregierung die Gefahr, dass die aktuellen
Regelungen Anreize für Organisierte Kriminalität oder für „Pflegemafia“-
Strukturen schaffen könnten, die sich auf systematischen Betrug im
Gesundheits- und Pflegebereich spezialisiert haben, und welche
Gegenmaßnahmen werden geplant (www.aok.de/pp/bv/pm/fehlverhaltensberic
ht-fuer-2022-und-2023/; https://www.polizei.bayern.de/schuetzen-und-v
orbeugen/kriminalitaet/betrugsdelikte/005492/index.html)?
Berlin, den 11. März 2026
Dr. Alice Weidel, Tino Chrupalla und Fraktion
Gesamtherstellung: H. Heenemann GmbH & Co. KG, Buch- und Offsetdruckerei, Bessemerstraße 83–91, 12103 Berlin, www.heenemann-druck.de
Vertrieb: Bundesanzeiger Verlag GmbH, Postfach 10 05 34, 50445 Köln, Telefon (02 21) 97 66 83 40, Fax (02 21) 97 66 83 44, www.bundesanzeiger-verlag.de
ISSN 0722-8333
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